EinleitungFür den amerikanischen Autor David H. Pink ist wirtschaftlicher Erfolg schon bald keine Frage der Managementperfomance mehr sondern eine Frage der Kreativität. Er macht diese Überzeugung mit drei einfachen Fragen deutlich: - Can a Computer do it faster?
- Is what Iam offering in demand in an age of abundance?
- Can someone overseas make it cheaper?
Sobald ein Unternehmer diese Fragen zu seinem Geschäftsmodell mit JA/NEIN/JA beantworten kann, muss er eine neue Idee entwickeln, um am Markt dauerhaft zu bestehen [9], S. 51. Natürlich hat sich der globale Markt nicht erst durch das Internet und die ständige Verfügbarkeit von Information beschleunigt. Doch vor dem Hintergrund immer kürzerer Produktlebenszyklen bei globaler Konkurrenz steigt der Innovationsdruck auf Unternehmen. In eine Studie der Boston Consulting Group gaben über 66 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte an, dass sie Innovation als eines der drei wichtigsten strategischen Unternehmensziele ansehen und anstreben [1]. In Folge dessen sind Unternehmen mehr denn je auf die Ideen ihrer Mitarbeiter angewiesen. Nur Firmen, die eine kreative Betriebskultur besitzen, gelingt es, dem Innovationsdruck proaktiv mit immer neuen Produkten zu begegnen. Google nimmt in diesem Wandel zur Idea-Company eine Vorreiterrolle ein. Der Internetgigant leistet sich nicht nur einen eigenen Campus. Darüber hinaus gewährt er seinen technischen Mitarbeitern, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte frei zu nutzen. In diesem Zeitfenster werden Gedanken zu Ideen und Ideen zu Innovationen. Erfolgreiche Google-Produkte wie Adsense und Orkut sind so entstanden [4]. Doch auch Unternehmen, die nicht über die Ressourcen Googles verfügen, müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie die Kreativität ihrer Mitarbeiter aktivieren. Viele Fachbücher und Managementratgeber versprechen mit Kreativitätstechniken den schnellen Weg zur »Goldidee«. Doch Brainstorming, Morphologischer Kasten oder LexikonMethode bleiben oft erfolglos. Das liegt meist daran, dass bei ihrer Anwendung die Rahmenbedingungen nicht beachtet werden, unter denen Menschen kreativ sein können. Daher ist es für Unternehmen wichtig, den menschlichen Kreativitätsprozess als Vorstufe aller Innovationen zu verstehen und daraus die bestmöglichen Bedingungen für eine kreative Arbeitsumgebung abzuleiten. Dafür möchte dieser Artikel eine Hilfestellung bieten, Lösungsansätze aufzeigen und den Nutzen von Dienstleistern im Kreativprozess vorstellen. Das Geheimnis der Kreativität wie neue Gedanken entstehenEs ist nicht einfach zu definieren, was Kreativität eigentlich ist. Wir betrachten sie als das fließende freie Denken, das neue Verknüpfungen Ideen findet, zugleich eine Vielzahl von Lösungsansätzen zulässt und anschließend nach ihrer Tauglichkeit rational bewertet und verdichtet [5], S. 26. »Kreativität ist die Fähigkeit, Ideen zu generieren, die das Potenzial haben, Neues hervorzubringen« [14], und sie ist zugleich die wichtigste Vorstufe im Innovationsprozess, denn erst »wenn Ideen umgesetzt werden, spricht man von Innovation« [14]. Grundvoraussetzung für Kreativität ist eine Problemsensitivität. Um eine Idee zu generieren, muss zunächst einmal ein Bedarf für diese erkannt werden. So ist beispielsweise der magnetische Netzstecker des Apple MacBooks aus dem Problem entstanden, dass frühere Netzstecker das Gehäuse beschädigen, sobald jemand über das Netzkabel stolperte und den Stecker aus der Buchse riss. Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, aber je klarer ein Problem formuliert wird, desto leichter fällt die Lösung. Deshalb bekommt gerade das Briefing im kreativen Prozess ein besonderes Gewicht. Da man jedoch im Vorfeld oft nicht bestimmen kann, »wann man genug über ein Problem« weiß, neigt man in der Regel dazu, den Rechercheaufwand zu verknappen besonders wenn die gewünschten Informationen nicht spontan und gratis im Netz zu finden sind [10], S. 15. Aber selbst wenn genügend Sachkenntnis vorliegt, bleibt es eine Kunst, die richtigen Fragen zu stellen, die über die Richtung und den Erfolg des kreativen Prozesses entscheiden. Im Anschluss an die Definition eines Problems ist es nötig, aus den bewährten Denkmustern auszubrechen. Rein logisches Denken auf der Basis von gewohnten Lösungsstrategien stößt hier schnell an seine Grenzen. Erst die Bereitschaft, sich dem Problem ergebnisoffen von mehreren Seiten zu nähern, erlaubt, verschiedene Lösungsansätze zu sammeln und daraus die optimale Lösung zu entwickeln. Während der Lösungssuche ist nicht nur das eigene Wissen entscheidend. Oft sind es zufällige Konfrontation mit äußeren Reizen, die einen neuen Zusammenhang ersichtlich machen. Ohne ein eigentlich gescheitertes Experiment hätte der Biologe Alexander Fleming das Penicillin wahrscheinlich nicht entdeckt. Er hatte schlicht Petrischalen mit einem Erreger im Labor vergessen, als er in den Urlaub fuhr. Kaum zurückgegehrt bemerkte er bei der Reinigung der Schalen, dass ein Schimmelpilz fast alle Erreger in der Petrischale aufgelöst hatte. Im Begriff die Schalen wegzuwerfen, erkannte Fleming, dass er möglicherweise einen Wirkstoff gegen bakterielle Infekte entdeckt hatte. Schematisch abstrahiert kann man sich den kreativen Prozess als ein Kreislaufmodell vorstellen. Auf die Problemdefinition in Form eines Auftrags oder Briefings folgt das Explorieren möglichst vieler Lösungsmöglichkeiten. Erst wenn ein Maximum an Lösungsmöglichkeiten vorliegt, beginnt eine Verdichtung der Ideen und die Definition einer optimalen Lösung. Sollte keine befriedigende Lösung gefunden werden, beginnt der Suchprozess erneut.  Die Begabung, diesen Prozess erfolgreich zu durchlaufen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber die grundsätzliche Fähigkeit zur kreativen Problemlösung ist in jedem menschlichen Gehirn angelegt und kann trainiert und gefördert werden. Die Hirnforschung hat sich längst von der populärwissenschaftlichen Trennung von linker logischer und rechter kreativer Gehirnhälfte verabschiedet [7], S. 4. Eine schöpferische Tätigkeit beansprucht vielmehr das gesamte Gehirn. »Je mehr Bereiche miteinander verbunden sind, desto größer ist die Chance, kreatives hervorzubringen«, erklärt Ernst Pöppel, Professor am Institut für medizinische Psychologe in München in einem Interview mit der Zeitschrift Werben & Verkaufen [15]. Dabei ist Kreativität eng mit der Ausschüttung bestimmter Botenstoffe im Gehirn verknüpft. Vor allem das Glückshormon Dopamin stimuliert Verknüpfungen zwischen den Hirnregionen und regt den Strom von Gedanken an. Im Gegenzug zum Dopamin hemmen die Botenstoffe, die bei Angst und Stress ausgeschüttet werden, komplexes Denken. In tiefer Konzentration ermöglicht uns dieser kreative Botenstoffcocktail, in einen offenen Austausch zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein zu treten. »Sie erhöhen die Möglichkeit zu Tagträumen, die als Inspirationsquelle dienen, als Weg, die Banalität des Alltags hinter sich zu lassen und daraus Neuartiges zu ziehen«, so der Mediziner Josef Zehentbauer [15]. Die größte Schwierigkeit im kreativen Prozess ist jedoch, dieses Tagträumen überhaupt zuzulassen. Von Natur aus besitzt jeder Mensch eine Art inneren Zensor, der binnen Millisekunden wichtige von unwichtigen Reizen filtert und aus der Lebenserfahrung heraus entscheidet, ob ein Gedanke sinnvoll ist oder nicht. Diese Fähigkeit zur schnellen Entscheidung aus dem Erfahrungswissen stammt noch aus einer Zeit, als Menschen beim Rascheln eines Blattes entscheiden mussten, ob es vom Wind oder einem Säbelzahntiger bewegt wird. Doch das instinktive Festhalten an Gelerntem, das früher lebenswichtig war, hindert uns heute daran, uns die Freiheit zu nehmen, zu »träumen«. Künstler und Kreative haben daher verschiedenste Strategien von der Meditation bis zur Bahnfahrt für sich entwickelt, um den inneren Zensor zur Nachlässigkeit zu zwingen und in den kreativen Geisteszustand zu gelangen, den der Wissenschaftler Maxwell Cade als High Performance Mind bezeichnet. Während dieses Zustandes, der auf Hirnwellenscans sichtbar ist, wird der Geist empfänglicher für Assoziationen, die sonst vom Gehirn als irrelevant eingestuft werden [6]. So gesehen ist ein Großteil des oben beschriebenen Kreativitätsprozesses davon bestimmt, die inneren Zensoren und Blockaden zu überwinden, die eine Idee daran hindern, ausgesprochen zu werden. Die Wissenschaft hat zwar den Schalter zur menschlichen Kreativität noch nicht gefunden. Aber sie hilft uns, Kreativität als einen strukturierten Prozess in drei Phasen zu betrachten. Eine gute Idee ist abhängig von einer genauen Problemdefinition und einer ergebnisoffenen Lösungssuche, die aus einer Vielzahl von Lösungen die optimale definiert. Darüber hinaus ist grundsätzlich jeder Mensch in der Lage, kreativ zu arbeiten wenn es ihm gelingt, erlernten Kreativitätsblockaden entgegen zu wirken. Auch wenn sich Kreativität nicht herbeiführen lässt, kann man die Bedingungen schaffen, »in denen sie sich entfalten kann und das sind vor allem: möglichst viele verschiedene Einflüsse und Gedanken« [5]. [Die Leseprobe endet hier] |