Innovation-Aktuell
Die frühe Innovationsphase
Methoden und Strategien für die Vorentwicklung     
Der Innovationsmanager
 
Hans-Günter Boldt
 

Die Innovationsleistungen eines Unternehmens lassen sich optimieren, wenn mit dem Innovationsmanager ein Verantwortlicher installiert wird, durch den das Thema Innovation ein Gesicht erhält. Was der Innovationsmanager leisten kann und wo seine Grenzen liegen, beschreibt dieser Beitrag.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Ziele das Innovationsmanagement hat,
  • wie der Innovationsmanager organisatorisch optimal eingebunden ist,
  • welche Hard- und Soft-Skills er besitzen muss,
  • welche Quellen für Ideen er nutzbar macht.

 

Was bei der Einführung von Innovationsmanagement zu beachten ist

Innovation und Innovationsmanagement sind kein kurzfristiges Engagement. Ein »Return on Innovation« hat nur dann eine Chance, wenn die damit verbundenen Aktivitäten mit einem Zeithorizont von mindesten drei Jahren angelegt sind. Der Autor stellt in diesem Beitrag seine Erfahrung aus über 20 Jahren Managementtätigkeit in verschiedenen Positionen der Forschung & Entwicklung, des Marketings und des Innovationsmanagements in der Konsumgüterindustrie dar. Der Beitrag richtet sich an Eigentümer, Geschäftsführer und zukünftige Innovationsmanager.

Warum überhaupt Innovationsmanagement?

Warum ist ein Management von Innovationen überhaupt notwendig? Gelingen Innovationen nicht auch ohne Innovationsmanagement? Diese Frage muss mit »ja« beantwortet werden. Aber die Praxis verlangt gerade den Unternehmensbereichen, die für Innovation verantwortlich sind, höhere Effizienz ab. Das Einrichten einer Position »Innovationsmanager« ist eine Erfolg versprechende Strategie, auf diese Anforderungen zu reagieren. Der Innovationsmanager professionalisiert die Produktentwicklung, fördert die Innovationskultur und so letzlich auch die Innovationsfähigkeit des Unternehmens.

Zweck des Innovationsmanagements

Die Kernaufgabe der Position des Innovationsmanagers ist die Professionalisierung des Prozesses von der Ideenfindung bis zur erfolgreichen Einführung eines Produktes im Markt. Durch neue Produkte, Dienstleistungen und Prozesse leistet das Innovationsmanagement so einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Innovationsmanagement konkreter

  • Innovationsmanagement befasst sich mit etwas Neuem und dessen Umsetzung und Vermarktung. Die Innovation kann, muss aber nicht, radikal neu sein. Vielleicht ist es einfach die »richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt« die dann umgesetzt wird. Bei Innovationen denkt man zuerst gern an neue Produkte. Dabei darf nicht übersehen werden, dass auch eine neuartige Dienstleistung oder ein neuartiger interner Geschäftsprozess ebenso eine Innovation sein kann, solange sich diese Änderung eben betriebswirtschaftlich rechnet.
  • Innovation ist kein »Selbstläufer« und sie entsteht nicht »nebenher«: Innovationsmanagement dann anzufangen, wenn gerade nichts Operatives ansteht, führt zu keinem Erfolg.
  • Wie jede andere im Unternehmen eingeführte Struktur muss das Innovationsmanagement einen Nutzen stiften. Innovationsmanagement muss sich wenigstens mittelfristig rechnen. Es ist also kein Luxus, den ein Unternehmen sich in »fetten Zeiten« leistet.

Warum ist also Innovationsmanagement so wichtig?

  • Innovationsmanagement ist ein Baustein zur Zukunftssicherung eines Unternehmens. Gerade Unternehmen am kostenintensiven Standort Deutschland sind herausgefordert, die bessere Idee, die bessere Problemlösung, den besseren Prozess zu entwickeln und diese Produkte und Lösungen erfolgreich im globalen Markt zum meist höheren Preis anzubieten. Aber gerade tradierte, in der Vergangenheit erfolgsverwöhnte Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Organisation auf neue Markt- und Kundenbedürfnisse anzupassen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Absturz einer ganzen Branche durch die Digitalfotografie Filme für analoge Fotos haben heute nur noch eine marginale Bedeutung. Auch die ganz Großen haben offensichtlich viel zu lange an der Erfolgsformel der Vergangenheit festgehalten und sich dann mit hohen Investitionen und großem Risiko in einer späten Marktphase in den digitalen Markt eingekauft.
  • Selbst die beste Idee ist kein Selbstläufer auch nicht in Spitzenunternehmen. Es bedarf immer eines Treibers und für diese Rolle ist der Innovationsmanager prädestiniert.

Innovationsmanagement und Strategie

Innovationsmanagement ohne Strategie ist wie Wandern ohne Karte. Die Strategie gibt die »Leitplanken« vor, zwischen denen das Innovationsmanagement die spezifischen, mit der Geschäftsleitung abgestimmten Suchfelder ableitet. Geschieht das nicht, gerät ein Innova-tionsmanager leicht auf verlorenen Posten, denn wie soll er wissen, wo es richtig ist, Zeit und Geld für eine Idee oder ein Projekt in einer frühen Phase zu investieren? Strategien sind üblicherweise nicht unverrückbar, sondern müssen, sobald sich Veränderungen ergeben, an die neue Situation angepasst werden. Idealerweise ist der Innovationsmanager in diesen Strategieprozess mit eingebunden. In dieser Beziehung kann der Innovationsmanager ein wichtiges Bindeglied zwischen der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern darstellen.

Ziele des Innovationsmanagements

Innovationsmanagement braucht Freiraum, erforderlich sind aber auch die oben genannten »Leitplanken« an denen es sich orientieren kann. Wie jeder andere Bereich einer Organisation muss auch das Innovationsmanagement einen nachweislichen Nutzen für das Unternehmen stiften. Deshalb braucht es Ziele, die die Leistungen des Innovationsmanagements messbar machen.

Die Ziele sind, in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens und des jeweiligen Unternehmensumfelds, vielfältig. Hier seien exemplarisch drei relevante Ziele für die Position »Innovationsmanagement« vorgestellt:

  • 1. Bereichsübergreifend neue Ideen entwickeln, bewerten, priorisieren und deren Umsetzung vorbereiten. Pro Jahr mehrere entscheidungsreife Innovationen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen bzw. Abteilungen gewinnen.
  • 2. Profitables Wachstum durch innovative Ansätze sicherstellen.
  • 3. Innovationskultur im Unternehmen verankern.

In diesem Rahmen leiten sich dann die konkreten Jahresziele ab. Hier einige Beispiele gängiger Ziele:

  • Entwickeln von Zukunftsszenarien für das Unternehmen
  • Entwickeln von Konzepten, die über das etablierte Kerngeschäft hinausgehen
  • Identifizieren neuer Technologien zur Lösung von aktuellen und zukünftigen Kundenproblemen
  • Entwickeln neuer Anwendungen des Kerngeschäftes, jenseits der üblichen Branchenregeln
  • Etablieren eines internen Forums, das die Kommunikation zwischen F&E und Marketing stimuliert
  • Etablieren und Pflegen eines internen und externen Netzwerks
  • Erstellen eines Innovationsportfolios »große« und »kleine« Ideen in Abhängigkeit von Aufwand und Risiko; s.u.
  • Neubewertung intern existierender aber nicht weiterverfolgter Ideen und Empfehlung über eine Wiederaufnahme
  • Formulierung völlig neuer Fragestellungen, generiert durch die Beobachtung von Kunden
  • Durchführung eines Innovationspreises

Abb. 1:

Wie Innovationsmanagement funktioniert

Innovationsmanagement und Kultur

Innovationsmanagement hat nur dann eine Chance, wenn das kulturelle Umfeld im Unternehmen stimmig ist. Es muss seitens der Geschäftleitung ein klares Bekenntnis zur Innovation bestehen. Halbherzige Ansätze werden schnell von der Belegschaft erkannt oder zumindest empfunden. Dieses klare Bekenntnis zu Innovation hat beispielsweise auch etwas damit zu tun, wie im Unternehmen mit Fehlern umgegangen wird: Es ist die Geburt eines »Innovationskillers«, wenn ein Mitarbeiter dafür abgestraft wird, weil er, vielleicht ohne offiziellen Auftrag, einer innovativen Idee nachgegangen ist und dabei scheitert. Und schlimmer: Nicht nur der Mitarbeiter wird zukünftig sehr viel zurückhaltender sein. Die Vorsicht strahlt auch auf das Umfeld des Mitarbeiters aus. Auch subtile Signale des Vorgesetzten können Ideen im Keim ersticken. Der Innovationsmanager wandelt allerdings hier auf einem schmalen Grat, denn offenkundig besitzt nicht jede Idee genügend Potenzial, weiterverfolgt zu werden. Hier kann der Innovationsmanager allerdings eine Vorbewertung kommunizieren und dem Mitarbeiter gegebenenfalls ein Signal in die eine oder andere Richtung geben.

Innovationsmanagement und Wissensmanagement

»Man sieht nur die Dinge, die man weiß«. Wissen ist einer der ganz wichtigen Erfolgsfaktoren für das Innovationsmanagement. Allerdings ergibt sich aus dem Wissen allein nicht automatisch eine innovative Idee. Das systematische Organisieren des Wissens- und Ideenmanagements ist eine herausragende Aufgabe für den Innovationsmanager. Er entwickelt einen Wissenspool, aus dem Impulse für echte Innovationen entstehen. Es geht dabei nicht primär um die Ablage von explizitem Wissen, sondern eher darum, implizites Wissen in der Organisation präsent zu halten. Einen wesentlichen Beitrag, den der Innovationsmanager hier leisten kann, ist beispielsweise ein Forum zu etablieren, in dem abteilungsübergreifend Mitarbeiter miteinander im Rahmen eines »Innovationstags« ins Gespräch kommen.


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Dr. Hans-Günter Boldt

Dr. Hans Günter Boldt hat in Chemie promoviert und war in leitenden Positionen in Forschung & Entwicklung, u. a. bei Procter & Gamble, Kimberly-Clark, Melitta Haushaltsprodukte und der nanogate GmbH. Er hat einen Lehrauftrag im Fach »Innovationsmanagement« an der Hochschule Coburg und versteht sich als ein »Anwalt für Ideen«, der mit »Passion für Innovation« für die Produkte und Serviceleistungen von morgen und übermorgen arbeitet. Dr. Boldt ist bei den Deutschen SiSi-Werke GmbH & Co. Betriebs KG (»Capri-Sonne«) tätig und baut dort das Innovationsmanagement auf.
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