Das
innovative Unternehmen
Hrsg.: Barske, Gerybadze,
Hünninghausen, Sommerlatte
Digitale Fachbibliothek
auf CD-ROM
über 2.800 Seiten
ISBN 3-936608-39-3
EUR 196,04 (inkl. MwSt. und Versandkosten)
4 Ergänzungen jährlich
je EUR 44,08 (inkl. MwSt. und Versandkosten)
Belieferung kann jederzeit gestoppt werden.
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Das innovative Unternehmen
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Kooperationen erlebten in der Wirtschaft in den
vergangenen Jahren einen großen Aufschwung. Man denke nur an die engen
Entwicklungspartnerschaften zwischen Herstellern und Zulieferern in der
Automobilindustrie. Intensive Kooperationen sind ohne den Einsatz von
Wissensmanagement nicht effizient zu managen.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
n welche Maßnahmen für das
Wissensmanagement in Kooperationen relevant sind, n
wie diese Maßnahmen umgesetzt werden, n
welche Fragen vor dem Roll-out zu klären sind.
Bedeutung von Kooperationen
und Wissensmanagement nimmt stetig zu
Das Jahr 2001 hat eine Trendwende
in der Zusammenarbeit von Unternehmen gebracht. War ein Jahr zuvor noch ein
deutlicher Anstieg bei Fusionen und Akquisitionen zu verspüren, so sind
2001 weltweit die M&A Märkte massiv eingebrochen. Gleichermaßen ist
eine neue Form der Zusammenarbeit ans Tageslicht gerückt – im Grunde
genommen eine alte Form in neuem Gewand: Partnerschaften. Schon früher
existent, erscheinen sie ab Mitte der neunziger Jahre mit den Merkmalen
einer zweiten Generation. In Zeiten erhöhter Unsicherheit und zunehmender
Managementkomplexität zählen Partnerschaften nicht mehr zur Peripherie der
strategischen Managementagenda. Sie sind zentraler Bestandteil. Sie haben
das bilaterale, in festen Strukturen verankerte Kleid abgelegt.
Multilaterale Verbindungen werden
eingegangen und dabei wird sich in
sich verändernden Strukturen bewegt. Der Fokus hat sich vom Produkt
beziehungsweise von der Dienstleistung hin zu komplexen Systemlösungen
verschoben, welche die nachhaltige Befriedigung von Kundenbedürfnissen
adressieren.
In einer
Arthur-D.-Little-Befragung von mehr als 1.200 Top-Entscheidungsträgern
europäischer, asiatischer und US-amerikanischer Unternehmen wurde deutlich,
dass die Bedeutung von Partnerschaften über alle Industriebranchen hinweg
weiter steigen wird (vgl. Abbildung 1). Sehen heute bereits 55 Prozent der
befragten Unternehmen Kooperationen als »von hoher Bedeutung« an, so wird
diese Zahl in fünf Jahren auf zirka 90 Prozent steigen. Bereits heute geben
42 Prozent der befragten Firmen an, mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes
durch Partnerschaften zu erzielen. Vor allem Unternehmen in dynamischen
Industrien – wie Informationstechnologie, Telekommunikation und Medien –
bauen bereits heute überdurchschnittlich auf Partnerschaften zur
Realisierung ihrer strategischen Ziele.
Einer der Kerntreiber für den
aufgezeigten Bedeutungsanstieg von Partnering ist der Zugang zu Wissen. Dabei
handelt es sich um den Treiber, der den in Kooperation stehenden
Partnerunternehmen große Schwierigkeiten bereitet. Bemerkenswert ist
folgender Zusammenhang: Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen sind in
der Lage, die gesetzten Ziele der Partnerschaft zu erreichen. Die betrachteten
Partnerschaften sind dominiert von individuellen Ansätzen und
Ad-hoc-Vorgehensweisen. Nur ein Drittel der Unternehmen gibt an, das Wissen
aus Partnerschaften gezielt zu nutzen. Kurzum: Die sinnvolle Verbindung von
Kooperationsansatz und Wissensmanagement scheint noch nicht gefunden. Warum
auch, so ließe sich fragen, wenn mit dem Management von Wissen ein
Betrachtungsobjekt ins Spiel gebracht wird, bei dem das Nutzenverständnis auf
den ersten Blick nicht gleich erkennbar ist.
Doch ähnlich wie das Thema Partnering ist auch Wissensmanagement (Knowledge
Management, KM) aus dem Schatten hervorgetreten. Verstanden als das bedürfnisorientierte
Zusammenspiel von Wissensinhalten, Kontextstrukturen, Wissensprozessen,
Infrastruktur und Medien sowie Kultur ist Wissensmanagement in den vergangenen
Jahren gereift und in der Unternehmenspraxis hoffähig geworden. Dass damit
konkrete Nutzenvorstellungen einhergehen, verdeutlichen die Prognosen über
Investitionsvolumina: Wurden im Jahr 2000 weltweit 2,3 Milliarden US-Dollar in
Knowledge Management Services investiert, so sollen es gemäß IDC 2005
bereits 12,7 Milliarden
US-Dollar sein.
Institutionalisiertes
Wissensmanagement in Kooperationen als Ziel
Die Einsicht, dass Unternehmen
entsprechend obiger Projektionen sowohl auf Kooperationen als auch auf
Wissensmanagement setzen werden, und der Sachverhalt des gegenwärtig
mangelhaften Zusammenspiels beider Strömungen, führen zu der Suche nach
Wissensmanagementansätzen in Kooperationen. Ausgehend von dem oben beschriebenen Potenzial existieren
im Wesentlichen folgende Anforderungen an ein Wissensmanagement in
Kooperationen:
Alle Partner müssen gleichermaßen davon
profitieren.
Kosten und Nutzen der Partner müssen sich pro Unternehmen
ausgleichen.
Kulturelle, organisatorische und rechtliche Barrieren müssen proaktiv berücksichtigt
werden.
Das relevante Wissen muss zeitnah bei Auftauchen eines Problems bei
Bearbeitung einer Aufgabe zur Verfügung stehen.
Rahmenbedingungen, Maßnahmen und Rollen müssen sich in das Design der
Kooperation integrieren lassen.
Die Mitarbeiter der kooperierenden Unternehmen stehen grundsätzlich als
Wissensträger im Mittelpunkt des Wissensmanagements. Die Unternehmens-
beziehungsweise Kooperationskultur als wichtigste Determinante für den
Erfolg des Wissensmanagements wird einerseits durch die Mitarbeiter in den
einzelnen Unternehmen geprägt, andererseits beeinflusst das Handeln dieser
Mitarbeiter die Kultur, bestehend aus Wertvorstellungen, Normen,
Orientierungsmustern, Denkweisen und Handlungsweisen, die sich im Laufe der
Zusammenarbeit durch das Verhalten der Mitarbeiter und insbesondere der Führungskräfte
entwickelt hat.
Die Bewältigung insbesondere der kulturellen
Barrieren stellt dabei die größte Herausforderung dar. Folgende
Beobachtungen können regelmäßig gemacht werden:
Die Einstellung »Wissen ist Macht« ist die am häufigsten anzutreffende
Barriere in einer Kooperation. Diese politische, machtbedingte Barriere
erschwert die Weitergabe von Wissen. Hinterlegte Annahme: Wissensweitergabe
schwächt die Machtposition des betreffenden Unternehmens; durch die
Antizipation einer möglichen win-lose Situation führt Wissensweitergabe zu
Nachteilen des Wissensträgers oder Unternehmens.
Das so genannte »Not invented here«-Syndrom bewirkt ebenso wie die zuvor
genannte Barriere, dass Unternehmen ihr Wissen nicht mit anderen Unternehmen
teilen. In diesem Fall stellen sie ihr Wissen bei Problemstellungen, die nicht das
eigene Betätigungsfeld, aber beispielsweise Themen der Kooperation betreffen,
nicht zur Verfügung. Ein Grund dafür sind häufig tradierte Anreiz- und
Beurteilungssysteme, die die Belange einer Kooperation kaum berücksichtigen.
Eine weitere Barriere innerhalb von Kooperationen stellt das fehlende
Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Wissensmanagements dar, was
insbesondere im Fehlen so genannter Quick Wins und im Vorhandensein einer
Betriebsblindheit begründet liegt. Betriebsblindheit bedeutet, dass sich
Unternehmen ausschließlich auf das eigene vorhandene interne Wissen verlassen
und weniger sondieren, ob nicht besseres Wissen extern vorhanden ist.
Auch der Mangel an Nachfrage (Nutzungsbarriere) von Wissen aufgrund der
Annahme, dadurch Schwäche oder Inkompetenz innerhalb der Kooperation zu
zeigen oder ein Image beziehungsweise eine entsprechende Position zu
verschlechtern, zählt zu einer weiteren wesentlichen Barriere.
Zusätzlich zu den oben genannten Barrieren kommen insbesondere in
multinationalen Kooperationen und Allianzen weitere rechtliche, sprachliche
und landeskulturelle Barrieren hinzu. Da diese allerdings ein generelles
Problem im Rahmen von Kooperationen darstellen können, werden sie an dieser
Stelle nicht weiter thematisiert.
Aufgabe des Kooperationsmanagements ist es unter anderem, ein
Wissensmanagement innerhalb der Kooperation zu implementieren und dabei die
oben genannten Anforderungen zu berücksichtigen. Unabhängig von der Position
im Life Cycle der Zusammenarbeit können alle Anforderungen und alle Barrieren
nicht gleichzeitig berücksichtigt werden. Vielmehr ist ein Vorgehen in Stufen
sinnvoll, die einerseits die geforderten so genannten Quick Wins ermöglichen
und andererseits einen Lernprozess in Gang setzen, der zu einem Wissensstand
innerhalb der Kooperation führt, welcher wiederum die Implementierung eines
institutionalisierten Wissensmanagements ermöglicht (vgl. Abb. 2).
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