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Interview mit Dr. Dirk Basting,
Geschäftsführender Gesellschafter der Göttinger Firma Lambda Physik
Die Entwickler müssen ´raus aus der warmen Stube des Labors
Als
Chemiestudent meisterte Dirk Basting mit einem Kommilitonen technische Probleme für eine
neue Art von Lasern, an denen sich die ältere Forschergeneration bereits die Zähne
ausgebissen hatte. Basting führt heute ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern weltweit.
Lambda Physik hält im Geschäftsbereich "Excimerlaser" einen Marktanteil von 70
Prozent. Das Unternehmen wurde 1995 mit dem Innovationspreis der deutschen Wirtschaft
ausgezeichnet. Unser Redakteur Frank Kukat fragte Dirk Basting, welche Faktoren dem
High-Tech-Betrieb zu seinem Markterfolg verhelfen. Lesen Sie hier
Wie spüren Sie
Innovationsmöglichkeiten auf? Welche Techniken zur Ermittlung neuer, veränderter oder
nicht ausgeschöpfter Bedürfnisse Ihrer Kunden beziehungsweise potentieller Kunden
benutzen Sie? Im Industriebereich sagen einem eigentlich die Kunden selbst, was sie
wollen. Über den Vertrieb werden die Kundenbedürfnisse erfragt und äußern sich
entweder in Produktverbesserungen oder in Neu- und Weiterentwicklungen von Produkten. Bei
den potentiellen Kunden sind das Produktmanagement und die Entwicklung federführend. Die
haben allgemein Ideen, was man mit einem Gerät machen könnte. Das geht aber zum Teil
völlig daneben. Wir haben den Vorteil, daß all unsere Geräte zunächst im
Wissenschaftsbereich eingesetzt werden und auch die Wissenschaftler unter einem gewissen
Erfolgszwang stehen gerade im anwendungsnahen Bereich. Die testen halt schon alle
möglichen Dinge vorab. Man hat von daher dann eine bessere Chance zu beurteilen, ob eine
Anwendung etwas werden kann oder nicht.
Gilt es nicht bei diesem Prozeß, immer zwei Aspekte im Auge zu behalten, zum einen
die Anregungen aus der Forschung, zum anderen den Markt? Gibt es da Techniken? Werden etwa
Vorschläge und Beschwerden an einer bestimmten Stelle gesammelt; arbeiten Sie mit
Lead-Usern oder ähnlichem?
Nein. Was Sie ansprechen, bezieht sich auf Veränderungen an bestehenden Produkten oder
in bestehenden Märkten. Der Bereich, wo unsere Geräte eingesetzt werden, ist so
neuartig, daß diese Techniken dort nicht funktionieren. Wenn Sie mich vor einem halben
Jahr gefragt hätten, ob ich mir irgendeinen Einsatz unserer Laser im Bereich der
Kommunikation denken kann, hätte ich mir das allenfalls in der Lithographie oder in der
Herstellung von Halbleitern vorstellen können, wo sie jetzt allerdings nicht zum Einsatz
kommen.
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Lambda
Physik Excimerlaser
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Lambda Physik, Göttingen,
fertigt und verkauft jedes Jahr 500 Laser. Das Unternehmen hat je eine Tochterfirma in den
USA und in Japan. Es pflegt vielfältige Kooperationen mit wissenschaftlichen Instituten
im In- und Ausland. Die Lambda-Physik-Excimerlaser werden unter anderem auf folgenden
Gebieten angewendet:
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zur Beschriftung elektronischer Komponenten wie elektrische Zahnbürsten und Kabel für
die Luft- und Raumfahrt,
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zur Strukturierung von Lichtleitern für die Nachrichtentechnik und die
Sensorik,
-
zur Reinigung von Wafern, Druckwalzen, Leiterplatten, Linsen, Spiegeln und Gittern,
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zur Restaurierung von Kirchenfenstern und Gemälden, Hölzern und Steinplastiken,
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zum Untersuchen von Verbrennungsvorgängen in Motoren.
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Welche Impulse gehen von der Wettbewerberbeobachtung
aus? Bei den potentiellen Kunden oder dort, wo es um ganz neue Dinge geht, haben wir
unsere Forscher und den Zufall, der uns hilft. Die Wettbewerbsbeobachtung spielt woanders
eine Rolle. Es gibt Märkte, auf denen wir tätig sind dazu gehört die
Lithographie , wo der Laser bereits eingesetzt wird. Und da kann man gucken, in
welche Richtung der Trend geht.
Wie machen Sie das?
Die Zahl der Wettbewerber ist in unserem Bereich maximal drei für eine bestimmte
Anwendung. Unser zuständiger Produktmanager guckt sich an, was die Wettbewerber machen
und wahrscheinlich als nächstes geplant haben. Dann können wir uns überlegen, ob wir
das auch machen können, ob wir es schneller machen können und ob es sinnvoll ist. Da
sind Wettbewerbsbeobachtungen interessant. Aber wir haben eben nicht so viele
Wettbewerber. Das ist im absoluten High-Tech-Bereich, in dem wir uns bewegen und der ja
kein Massenmarkt ist, gar nicht denkbar. Es gibt nur eine Handvoll Firmen auf der Welt,
die diese Art Laser herstellen.
Wie binden sie ihre Mitarbeiter in die Suche und Umsetzung
von Innovationen ein? Was tun Sie, um innerhalb des Unternehmens eine Atmosphäre der
konstruktiven Kritik zu begünstigen? Die Innovationssuche findet auch in der Form
statt, daß wir an deutschen, europäischen oder internationalen, vom BMBF geförderten Projekten teilnehmen. Im Rahmen solcher
Projekte sind Sie ja praktisch gezwungen, Dinge schon in der Beschreibung darzulegen.
Hiermit beschäftigen sich die zuständigen Mitarbeiter. Neue Ideen entstehen vielfach
dadurch, daß wir aufgrund unserer Größe und der Herkunft der Mitarbeiter ein
universitätsähnliches Klima in der Entwicklung haben. Das hat auf der einen Seite
Vorteile. Nachteile hat es dann, wenn es um die mehr ingenieurmäßige Ausarbeitung von
Produkten in Richtung Industrieanwendung geht.
Ihr Unternehmen ist ja aus dem Max Planck Institut hervorgegangen. Wie gestaltet
sich heute Ihre Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen und anderen Unternehmen bei der
Forschung und Entwicklung?
Das ist für uns ein wichtiger Bereich. Wir sind aber im Laufe der Zeit wählerischer
geworden. Wo die Institute sehr sinnvoll sein können, das ist bei Anwendungsversuchen.
Die haben zumeist Kontakte mit möglichen Anwendern der Lasertechnik. Da ist es natürlich
praktisch, da wir ja nicht das ganze Feld der Anwendungen im Kopf haben, wenn ein Institut
aus eigenem Interesse die Dinge verfolgt.
Wir kooperieren auch mit anderen Firmen. Es gibt eine
Zusammenarbeit mit dem Matsushita Research Institute
in Japan im Bereich der Lithographie. Das hilft uns, in kürzester Zeit Know-how zu
bekommen. Dieses Know-how können wir einerseits gebrauchen. Andererseits hatten wir in
diesem Falle auch Patente. Wir hätten sowieso etwas mit denen machen müssen, weil uns
deren Patente sonst im Wege gestanden hätten.
Wie ist die Zusammenarbeit organisiert? Könnten Sie das etwas näher erläutern?
Wir definieren gemeinsame Ziele. Und außerdem verhandeln wir bestimmte Lizenz- und
Know-how-Gebühren. Wenn nichts dabei herauskommt, haben die zwar keinen Verlust gemacht,
weil wir natürlich den Aufwand tragen. Aber den hätten wir auch gehabt, wenn wir es
selbst ausprobiert hätten. So haben wir auch keinen tatsächlichen Nachteil dadurch. Und
wenn es erfolgreich ist, verdienen alle daran. Solch eine Zusammenarbeit hilft uns, auf
bestimmten Märkten leichter Fuß zu fassen. Nun sind wir in Japan zwar sehr stark
vertreten aufgrund der Einzigartigkeit unserer Geräte. Aber das muß ja nicht immer so
bleiben. Und dann ist es natürlich von Vorteil, wenn man Freunde hat. Und die haben wir
dadurch. Es gibt eine Reihe von Unterstützern vor Ort, die uns helfen.
Können Sie noch andere Bereiche nennen, wo Sie durch den strategischen Einsatz von
Innovation Erfolge erzielt haben? Alles, was wir machen, kann man im weitesten Sinne
als Innovation bezeichnen. Alle Produkte beruhen im wesentlichen darauf, daß sie ganz
neue Dinge ermöglichen. Bei uns löst eine neue Generation der Laser immer wieder die
ältere ab. Und wenn das nicht so wäre, dann wären wir nicht mehr.
Wie organisieren Sie den Innovationsprozeß in Ihrem Unternehmen? Wie stellen Sie
eine fruchtbare Zusammenarbeit von Vertrieb und Marketing, Entwicklung, Fertigung und
Planung sicher?
Wir haben den Vorteil, daß unser Unternehmen ja
relativ klein ist und daß auch die Leute im Vertrieb und in der Fertigung in der Regel
eine wissenschaftliche Ausbildung haben und auch vom Fach sind. Bei uns ist es so, daß im
Vertrieb viele verhinderte Entwickler sitzen. Von daher ergibt sich der Dialog darüber,
was man machen könnte, von selbst. Der Vertriebsmann kennt im Gegensatz zum
traditionellen Vertriebswesen das Produkt und seine Anwendungen. Ein Dialog entsteht
automatisch, weil auch der Vertrieb oft überlegt, wie man es eigentlich machen könnte.
Lambda Physik betreut Kunden in 45 Ländern weltweit von drei strategischen Stellen
aus. Wie organisieren Sie das?
Wir sind in drei Bereichen mit medizinischer, industrieller und wissenschaftlicher
Anwendung vertreten. Die medizinische Anwendung liefern wir nicht an den Endkunden, also
nicht an den Mediziner in der Universitätsklinik. Unsere Geräte gehen an OEMs, also
"Original Equipment Manufacturer". Das heißt, was mit einem Laser in der
Ophthalmologie in Chile oder in Südamerika passiert, ist natürlich irgendwo auch unser
Problem, aber eben doch nicht in erster Linie. Den Service vor Ort und die Unterstützung
muß die Firma machen, die dafür zuständig ist. Unsere Kunden sind in den USA, in Japan
und in Deutschland. Wir müssen im Medizinbereich zum Beispiel sicherstellen, daß wir an
diesen Standorten präsent sind, und das sind wir. Im wissenschaftlichen Bereich geht das
anders. Da liefern wir weltweit. Das heißt, wir können dort die Betreuung der Kunden
über Vertretungen machen beziehungsweise durch Telefon- und Ferndiagnosen. Die sind in
der Lage, sich auch selbst zu helfen. Im industriellen Einsatz sieht es oft anders aus. Da
muß man vor Ort präsent sein.
Wie bereiten Sie den Markt auf innovative Produkt- und Leistungseinführungen vor? Es gibt eine Reihe von Zeitschriften, die sich auf
innovative Lasertechnologie im weitesten Sinne spezialisieren und da kann man natürlich
Werbung machen und Pressemitteilungen plazieren. Kurz vor der Markteinführung neuer
Lasertypen erscheinen dort Artikel, um die Fachkreise darauf vorzubereiten. Wir sind zum
Beispiel die einzigen, die einen Laser mit einer extrem kurzen Wellenlänge produziert
haben. Wir glauben, daß dieser Laser in der Lithographie eingesetzt werden kann.
Andererseits lesen wir und hören wir auf den Konferenzen, bei der Lithographie gäbe es
keine Möglichkeit mehr, denn es fehle der entsprechende Laser. Da haben wir ein Problem:
Wir wissen, man könnte es mit unserem Laser machen. Aber die Entscheidungsträger für
den Einsatz einer solchen Technologie wissen gar nicht, daß es sie schon gibt. Genau
da setzen wir jetzt an mit Konferenzbeiträgen, Werbung, Technologieimage-Anzeigen. Wir
müssen jetzt die industriellen Kunden beispielsweise Intel ansprechen, weil
die die Halbleiter-Technologie und die Verfahren, mit denen gearbeitet wird, wesentlich
beeinflussen. Die führenden Firmen entscheiden letztlich, ob eine bestimmte Technologie
zur Herstellung von Halbleitern verwendet wird, nicht die Spezialisten für die neuste
Technologie. Und jetzt müssen wir also sehen, daß wir an die herankommen, obwohl das
eigentlich nicht unsere Kunden sind. Die Leute, die Prozeßentwicklung machen, sind ja
nicht eigentlich unsere Kunden. Die werden irgendwann vielleicht mal ein Gerät benutzen,
in dem hoffentlich auch einer unserer Laser drin ist.
In welcher Form gelangt das Feedback aus dem Markt an die Mitarbeiter? Eine Methode ist zum Beispiel, daß F&E-Mitarbeiter auf
Ausstellungen und Messen sind. Das ergibt sich ja allein schon deshalb, weil manche
Geräte so neu sind, daß sie noch keiner bedienen kann außer dem Entwickler selbst. Und
wenn es Probleme beim Kunden gibt, schicken wir auch ganz gern mal den Entwickler hin, der
ja immer behauptet, daß es gar nicht sein kann, daß das nicht funktioniert. Auf diese
Weise entsteht dann auch ein Verantwortungsgefühl. Denn aus der warmen Stube eines
Entwicklungslabors sind ja die Probleme in der Ferne eigentlich nur gering, werden
meistens auf Übermittlungsfehler oder Fehlbedienungen zurückgeführt. Daß man dort vor
Ort dann auch intelligente Wesen antrifft, ist immer wieder eine neue Erfahrung für einen
Entwickler. Natürlich sorgen wir dafür, daß Berichte vom Außendienst oder vom Vertrieb
über Messe- oder Kundenbesuche auch an die Entwicklungsabteilung weitergegeben werden.
Das ist eigentlich selbstverständlich. Aber es ist nichts so wirkungsvoll wie die Gefahr
der persönlichen Blamage. Wir machen außerdem mindestens einmal im Vierteljahr eine
Personal-Informationsveranstaltung für alle Mitarbeiter, wo ich in der Regel über
Probleme, Erfolge und ähnliches rede.
Würden Sie bitte ein Beispiel für einen Markterfolg mit einem innovativen Produkt
oder einer innovativen Leistung schildern, das für Ihr Unternehmen charakteristisch ist?
Fiber Bragg Gratings. Es ist gerade in der Markteinführung. Wir haben zwar schon gute
Erfolge damit gehabt, aber im Moment existiert keine Lösung, die Sie guten Gewissens für
die Produktion verwenden könnten. Damit wird zwar schon diese Fiber-Optik hergestellt,
aber das ist doch noch eine Art Handherstellung, die eigentlich für die Massenfertigung
in der Kommunikation nicht geeignet ist. Wir sehen das auch an der Belastung der
Service-Mitarbeiter in dem Bereich, die immer wieder das Gerät nachstellen müssen.
Dasselbe Gerät ist schon seit Jahren im erfolgreichen Wissenschaftseinsatz. Aber da sind
eben die Benutzer Physiker, die eigentlich nichts anderes erwartet haben, als daß sie
jeden Tag mal hier und dort dran drehen müssen, damit das Gerät weiterläuft. Hier
kommen wir jetzt in die zweite Generation der Benutzer. Die erste Generation war noch
okay. Das waren auch die Physiker und Wissenschaftler, die den Effekt nachgewiesen haben
und gezeigt haben: Man kann Kommunikationsprobleme von Fiber-Optiken damit lösen. Damit
haben die aber auch schon ihre Schuldigkeit getan. Jetzt kommen die nächsten. Die müssen
beweisen, daß man auf die Weise überhaupt Technik herstellen kann. Das machen die leider
noch mit den gleichen Geräten. Nur jetzt sitzen schon andere Leute dran, die mehr
Techniker sind. Die können das überhaupt nicht mehr verstehen, daß man das Gerät jeden
Tag nachregeln muß. Sie betrachten das als Mangel. Aber das Gerät war nie dafür
entwickelt worden, Produktionsgerät zu sein. Und deswegen entwickeln wir jetzt ein
vereinfachtes Gerät, das vom Bedienungskomfort und von der Stabilität her
Produktionsmaßstäben genügt.
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