|
Global
Best Practice Transfer
Der interne Best Practice-Transfer in Unternehmen
von Peter
Heisig
Stichworte: 27 Monate dauert der interne Best Practice Transfer in den besten
Unternehmen, Verbesserungen durch Global Best Practice Transfer,
Best Practice Transfer in Deutschland noch in den Anfängen
"Wenn wir nur wüssten, was wir bereits wissen" ist
wahrscheinlich der häufigste Ausspruch, der verantwortlichen
Führungskräften bei dem Thema Wissensmanagement in den Sinn kommt.
Zahlreiche Aufgaben und Veränderungen in unseren privaten und
öffentlichen Organisationen werden heute als Projekte abgewickelt. Ob es
sich um die Einführung einer neuen Software, die Veränderung der
Organisation, das Redesign von Geschäftsprozessen oder die
Markteinführung eines neuen Produktes handelt, immer soll ein
Projektleiter mit einem Budget und einem Team die Aufgabe lösen. Dabei
sind die Mitglieder des Teams oft auf der ganzen Welt verteilt.
Wenn der Projektalltag mit Termin- und Kostendruck dann hereinbricht,
verlangen die vielen kleinen Aufgaben und Probleme nach schnellen und
effizienten Lösungen. Aber halt! Dieses Problem hatten doch auch schon
einmal die Kollegen im letzten Projekt, im vergangenen Jahr, aus der
Nachbarabteilung, in unserem Zweigwerk, aus unserer Tochtergesellschaft.
Gutes Gedächtnis, hervorragender Hinweis und schon geht die Sucherei los!
Wer war denn gleich noch mal der damalige Projektleiter und wer seine
Nachfolgerin? Wo arbeitet sie jetzt? Ach, ausgeschieden oder versetzt. Und
die Projektdokumentation, wo ist sie archiviert? Kein Zugriff! Dann holen
Sie die Genehmigung ein! .... Nach zeitaufwändiger, frustrierender und
oft ergebnisloser Suche wird die Aufgabe mit dem im Projektteam
vorhandenen Wissen ohne die Erfahrungen des Unternehmens gelöst und damit
ein weiteres Mal das "Rad neu erfunden".
27 Monate dauert der interne Best Practice Transfer in den besten
Unternehmen
Amerikanische Untersuchungen (APQC 1994) zeigen, dass Unkenntnis die
größte Barriere im unternehmensinternen Transfer von Wissen und Best
Practices ist. Dabei besteht die Unkenntnis auf beiden Seiten der
Kommunikationsbeziehung. Der Besitzer kennt nicht seine potentiellen
internen Nachfrager und diesen sind ihrerseits die Besitzer nicht bekannt.
Die typische Antwort von Mitarbeitern ist: "Ach, ich wusste gar
nicht, dass Du dieses brauchst!" oder "Ich wusste überhaupt
nicht, dass Du diese hast!" Die zweitgrößte Barriere besteht in der
begrenzten Aufnahmefähigkeit. Selbst wenn der Führungskraft das bessere
Vorgehen bekannt war, verfügte Sie entweder nicht über ausreichende
zeitliche und/oder finanzielle Mittel oder ihr fehlte das detaillierte
praktische Wissen für die Umsetzung. Die dritte Barriere bestand in der
fehlenden starken Beziehung zwischen Geber und Nehmer, wodurch weder das
Gefühl auf den anderen zu hören noch der gegenseitigen Unterstützung
gefördert wurde. Schließlich dauerte der interne Best Practice Transfer
von der Identifikation bis zur Umsetzung selbst in den besten Unternehmen
Anfang der neunziger Jahre im Durchschnitt 27 Monate! Stellen Sie sich
diesen Zeitraum vor dem Hintergrund der heutigen Internettechnologien vor,
die uns den blitzschnellen Transport von Informationen rund um den Globus
ermöglichen.
Aus hier zeigt sich wieder, dass unsere Informationstechnologien ihr
Effizienzpotential nicht entfalten können, wenn das Fundament in den
Prozessen (Internes Benchmarking und Transfer) und bei den Personen
(Fähigkeiten) und der Kultur (Offenheit, Vertrauen, Hilfsbereitschaft)
nicht gelegt ist.
Verbesserungen durch Global Best Practice Transfer
Die Verbesserungen, die durch den internen Transfer der besten Methoden
und Verfahren erreicht wird sind enorm:
So erreichte Chevron eine Einsparung von über 648 Mio. US-Dollar beim
Energieverbrauch in der Zeit von 1993 bis 1997, über 816 Mio. US-Dollar
seit 1992 bei Investitionsprojekten, 1,4 Mrd. US-Dollar bei den
Betriebskosten seit 1992. Neben diesen handfesten Ergebnissen hat der
interne Best Practice Transfer nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden
Kenneth T. Derr auch zum Wandel der Kultur beigetragen, die das Lernen von
anderen als eine Quelle von Wettbewerbsvorteilen wertschätzt. Auch bei
Chevron haben die verantwortlichen Manager nicht auf die richtige
unternehmensweite Standardplattform gewartet, sondern mit der seit
Jahrzehnten bewährten und vertrauten Technik der Loseblattsammlung sofort
begonnen. Die erste Auflage von 5000 Exemplaren fand einen reißenden
Absatz. Heute wird eine auf Lotus-Notes aufbauende Best Practice-Datenbank
im Intranet genutzt.
Best Practice Transfer in Deutschland noch in den Anfängen
In Deutschland konnte beispielsweise das Werk Lägerdorf der
schweizerischen HOLDERBANK Gruppe durch den unternehmensinternen Best
Practice Transfer Investitionskosten von rund 30 Mio. DM oder mehr als 20
Prozent der ursprünglich geplanten Investitionssumme einsparen. Auch die
Bauzeit wurde knapp drei Monate unterschritten und damit ein zusätzlicher
Cash-flow erwirtschaftet. Vorbild war das neue Fabrikationskonzept im
mexikanischen Werk in Ramos Arispe, wo sich das Planungsteam aus
Lägerdorf direkt informierte. Durch den Besuch vor Ort entstand nicht nur
das Vertrauen in die Umsetzbarkeit des mexikanischen Konzeptes unter
deutschem Klima, sondern wurden zugleich die wichtigen Trips und Tricks
vermittelt, die jedes Planungsteam während der Projektlaufzeit lösen
muss.

Der Best Practice Transfer steckt in Deutschland noch in den Anfängen.
Die großen Verbesserungspotentiale sind erst noch zu realisieren.
Allerdings planen 50 Prozent der 1999 vom Informationszentrum Benchmarking
befragten umsatzstärksten TOP 1000 Unternehmen in Deutschland noch nicht
einmal die Einführung einer Best Practice Datenbank. Nur jedes dritte
Unternehmen hat bereits entsprechend reagiert und befand sich 1999 in der
Planungsphase. Nur bei jedem zehnten Unternehmen befand sich eine solche
Anwendung im Aufbau und nur jedes dreißigste Unternehmen verfügt über
eine entsprechende Intranet Best Practice Datenbank.
Das Competence Centrum Wissensmanagement am Fraunhofer IPK kann
einerseits auf die langjährigen Benchmarkingerfahrungen seit 1994
zurückgreifen und hat bereits 1996 einen prototypische Intranet Datenbank
zur Sicherung von Projekterfahrungen und Best Practices entwickelt.
Dieser Beitrag ist im Sonderheft Wissensmanagement der Zeitschrift
FUTUR erschienen und uns freundlicherweise vom Fraunhofer Institut für
Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK)
zur Verfügung gestellt worden.
Diesen
Artikel als E-Mail verschicken
|