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- Leseprobe -
Innovation und Risiko
von Heiko Barske
Stichworte: Beispiele für Innovationsrisiken,
Gründe
für Mißerfolge von Innovationen, Möglichkeiten der Risikominimierung: Berücksichtigung von
Kundenwünschen, Vergleich mit dem Wettbewerb, Rahmenbedingungen, Infrastruktur,
Kommunikation, Rechtliche Absicherung, Kapital, Restrisiko.
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In diesem Beitrag erfahren Sie:
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welche Erfahrungen Unternehmen mit risikoreichen
Innovationen machen,
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welche Gründe dafür entscheidend sind, ob eine Innovation
zum Erfolg oder Mißerfolg wird,
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wie Beobachtungen der Kunden und Wettbewerber bei der
Risikominimierung helfen können,
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wie Rahmenbedingungen und Infrastrukur bei
Markteinführungen berücksichtigt werden sollten,
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wie Sie Ihren Kapitalbedarf planen müssen,
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daß Sie Ihre Innovation rechtlich absichern sollten.
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Gründe für Mißerfolge von Innovationen
Kundenforderung und Produkteigenschaft passen nicht zusammen
Auch für die Beurteilung des Risikos von Innovationen trifft der zentrale Satz
der Marktwirtschaft »Der Kunde ist König« zu. Die Erfüllung eines Bündels von
kundenwerten Eigenschaften mit einer Innovation ist ein notwendiges Kriterium für den
Erfolg, nicht jedoch hinreichend dafür (Abb. 1.). Wenn Kundenwünsche nur mangelhaft
erfüllt werden, ist die Innovation von Anfang an chancenlos.
Der Begriff kundenwerte Eigenschaften ist außerordentlich komplex. Er umfaßt ein ganzes
Paket mit funktionalen, emotionalen und Kosten/Nutzen-Kriterien. Die funktionalen
Kriterien beschreiben unmittelbar meßbare Eigenschaften des Produktes, bei einem
Wäschetrockner beispielsweise Fassungsvermögen, Energieverbrauch und Geräusch. Die
emotionalen Kriterien betreffen Aussehen, das Image seiner Marke, Prestige oder
schlichtweg die Freude daran, ab sofort die Wäsche nicht mehr aufhängen zu müssen. Zu
den Kosten/Nutzen-Kriterien gehören der Preis, die Energiekosten und die eingesparte
Zeit, in der andere Dinge erledigt werden können, vielleicht sogar Geld verdient werden
kann.
Das Eigenschaftsbündel, das der Kunde von einem Produkt fordert, hängt von der Gruppe
ab, der er zugehört; beispielsweise werten konsumerfahrene Kunden anders als Kunden, die
eine Produktart zum ersten Mal kaufen; Frauen werten anders als Männer; Wohlhabende sehen
Dinge anders als Leute, die sich innerhalb eines engen Finanzrahmens bewegen müssen.
Moderne Marktforschung oder zumindest ein kritisches Abwägen der eigenen Einschätzungen
bewahrt vor dem bisweilen beobachtbaren Phänomen, daß Technikverliebtheit oder
Selbstüberheblichkeit zur Entwicklung eines Produktes führt, bei dem erst, wenn aller
Aufwand für die Serie getrieben wurde, gefragt wird, wer dieses Produkt denn nun kaufen
soll. Ein Beispiel für ein technisch anspruchsvolles Produkt ist ein Kugelschreiber, der
unter Wasser schreibt. Das Problem ist, daß es für ein solches innovatives und technisch
anspruchsvolles Produkt, wenn überhaupt, nur einen sehr kleinen Markt gibt, da sich das
Problem im Alltag kaum stellt.
Innovation ist nicht kompatibel mit dem Gesamtmarkt
Eine Reifenfirma entwickelte einen innovativen Sicherheitsreifen, der sich nicht,
wie übliche Reifen, von innen her an die Felge legt, sondern die Felge von außen
umgreift. Der Reifen hat im Falle von Druckverlust große Vorteile, so daß er - für sich
betrachtet - ein ganzes Bündel von Vorteilen hat, die eine Marktdurchsetzung bei
oberflächlicher Betrachtung sehr wahrscheinlich machen. Bei genauerer Betrachtung wird
jedoch klar, daß der Reifen eine neue Werkstattinfrastruktur sowie eine neuartige Felge
erfordert, also mit bisherigen Reifen nicht kompatibel ist. Die Umstellung vom alten
Produkt auf das neue kann somit nicht Zug um Zug erfolgen und verlangt vom Kunden den
Neukauf einer Felge und eines Reifens. Beides hat einen Markterfolg trotz großer Vorteile
verhindert.
Überall wo neue Produkte derart verwendet werden, daß sie Schnittstellen mit bereits
vorhandenen Produkten oder vorhandener Infrastruktur haben, wird der Erfolg einer
Innovation erleichtert, wenn Infrastruktur oder vorhandene Produkte weiterbenutzt werden
können (Abb. 2). Neue Software wird daher meistens so entwickelt, daß sie abwärts
kompatibel ist, das heißt, daß die neue Generation von Software mit vorhandener Software
arbeiten kann.
Bei Produkten, die gewartet werden müssen, entstehen Flops dadurch, daß der Service
schlecht ist, was dann zur Unzufriedenheit mit dem Produkt führt. Grund für den
schlechten Service ist häufig nicht mangelnde Qualifikation oder Motivation der Stellen,
die diese Dienstleistung erbringen, sondern die Unmöglichkeit, ausreichend geschultes
Personal vorzuhalten, wenn die Vielfalt der Systeme überhand nimmt. Ähnliches gilt für
das Ersatzteilwesen: Innovative Produkte scheitern manchmal daran, daß keine Ersatzteile
zur Verfügung stehen. Nicht nur schlechte Berichte in der Fachpresse werden gelesen; die
Mund-zu-Mund Reklame ist eine häufig noch wirksamere Informationsquelle für die
Beurteilung innovativer Produkte.
Das Unternehmen ist für die Innovation zu kapitalschwach
Bei dem Beginn einer aussichtsreich erscheinenden, innovativen Entwicklung wird
häufig der Aufwand unterschätzt, der notwendig ist, um das innovative Produkt bis zu der
Reife zu entwickeln, die der Kunde fordert. Insbesondere der konsumerfahrene Kunde ist
nicht bereit, hinsichtlich der Anforderungen, die er an die Qualität des Produktes
stellt, Kompromisse einzugehen. Bezüglich der Gebrauchstüchtigkeitskriterien wie
beispielsweise Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Komfort hat der konsumerfahrene Kunde
Maßstäbe, deren Erfüllung für das innovative Produkt ein Muß ist. Ein innovatives
Produkt, das vor Erfüllung dieser Maßstäbe auf den Markt kommt, hat von vornherein
erheblich verminderte Erfolgschancen.
Nicht nur die Entwicklung bis zur Serienreife und die Investition in entsprechende
Produktionskapazitäten erfordern beträchtlichen Aufwand; auch die notwendige
Infrastruktur für den Vertrieb, die Wartung und in neuerer Zeit auch die Rücknahme des
innovativen Produkts nach Ende seiner Lebensdauer benötigen Investitionen, die erbracht
werden müssen, bevor die Mittelrückflüsse aus dem Verkauf des Produkts einsetzen.
Bei der Abschätzung der Mittel, die notwenig sind, um die Innovation in einen
wirtschaftlichen Erfolg umzusetzen, muß zusätzlich beachtet werden, daß eine zu
langsame Markteinführung oder mangelnde Lieferfähigkeit in der Einführungsphase Chancen
des eigenen Produkts mindert. Außerdem werden kapitalkräftigeren Wettbewerbern Chancen
eröffnet, wenn das Produkt nicht Know-how-intensiv oder durch Schutzrechte geschützt
ist.
Rahmenbedingungen
ändern sich
Die Entwicklung des Wankelmotors fiel, wie eingangs erläutert, in eine Phase, in
der sich der Stellenwert geringen Verbrauchs durch Kraftstoffpreisänderung und die
öffentliche Diskussion erhöhte. Dies führte dazu, daß sich die Gewichtung der Vorteile
des Wankelmotors - wie beispielsweise Laufruhe und Kompaktheit - relativ zu seinem
Nachteil verschob und den Wankelmotor insgesamt weniger attraktiv machte. Eine
Vergaserfirma entwickelte eine neue Generation von Vergasern in einer Phase, in der die
Abgasgrenzwerte verschärft wurden. Schärfere Abgasgrenzwerte waren mit Einspritzsystemen
erheblich leichter zu erfüllen als mit Vergasertechnologien. Entsprechend wurde der neue
Vergaser zu einem Flop. Anbieter von Software, die das Vordringen von »Microsoft mit
Windows« falsch eingeschätzt hatten, hatten erhebliche Nachteile gegenüber Anbietern,
die unter der »Windows-Oberfläche« anboten. Oder als weiteres Beispiel:
Reinigungsmittel oder Reinigungsverfahren, die auf Fluor-Kohlenwasserstoffe setzten,
hatten keine Marktchancen mehr, als ein Verbot dieser Stoffe absehbar war.
Das Übersehen oder Außerachtlassen von Änderungen der Rahmenbedingungen, die die
Kundenakzeptanz einer Innovation beeinflussen, kann daher Ursache für den Flop von
Innovationen sein. Zu solchen veränderten Rahmenbedingungen gehören auch
Kaufkraftänderungen, Änderungen des Konsumverhaltens und andere.
Ein
anderes Unternehmen kann es besser
Ein Hersteller mechanischer Rechengeräte entwickelte diese zu immer größerer
Perfektion; seine innovativen, aber aufwendigen Rechengeräte fanden keinen Absatz mehr,
da sie von erheblich preiswerteren, mit elektronischen Mikrocomputern arbeitenden Geräten
in jeder Hinsicht geschlagen wurden. Ein mittelständisches Unternehmen entwickelte mit
großem Aufwand und vielen innovativen Ideen ein Einspritzsystem, das für den Einsatz von
PKWs vorgesehen war. Eine weitere Entwicklungsstufe der in Großserie befindlichen
Einspritzanlagen machten die Vorteile des innovativen Systems zunichte und ließen es für
diesen Einsatzzweck zu einem Flop werden. Die Beispiele ließen sich fortsetzen und
zeigen, daß folgende Gründe für Flops maßgeblich sein können:
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Das innovative Unternehmen setzt für eine Innovation Technologien ein, von denen andere
Unternehmen mehr verstehen;
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das innovative Unternehmen entwickelt Technologien bis zur Perfektion und erkennt nicht,
daß andere Technologien die erstrebte Funktion mit weniger Aufwand erreichen (z.B. Ersatz
von Mechanik durch Elektronik);
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das innovative Unternehmen hat zwar hinsichtlich der Funktionserfüllung ein voll
wettbewerbsfähiges Produkt, die Marktdurchdringung ist jedoch so schwach, daß kein
Stückzahlerfolg gelingt. .04
Der
Kunde weiß zu wenig über das innovative Produkt oder findet es nicht
Kenntnis des innovativen Produkts und seiner Vorteile sind Voraussetzungen
für die Vermarktung und damit den wirtschaftlichen Erfolg. Ungenügende Ansprache und
Information der jeweiligen Zielgruppe gefährden den wirtschaftlichen Erfolg. Bei der
Kurzlebigkeit unserer Zeit und der Überschüttung der Konsumenten mit Produktinformation
ist es wichtig, daß der Kunde das Produkt vorfindet, wenn er darüber in anderen Medien
informiert wird. Aufwendige Werbemaßnahmen - gerade von Markenartikelfirmen - laufen ins
Leere, wenn der Kunde im Laden-lokal das neue Produkt, über das er gerade im Radio oder
aus der Zeitung informiert wurde, nicht findet. Er hat die Informationen nach kurzer Zeit
vergessen.
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