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- Leseprobe -
Eine Standortbestimmung der eigenen Wettbewerbsstärke -
Kundennutzenanalyse (KNA)
von Jochen
Schauenburg
Stichworte: Zentrale Orientierungsgröße für
Unternehmensstrategien, Einige
grundsätzliche Überlegungen, KNA-Ansatz,
Aufgabenstellung, Hypothesen, Ausgangssituation,
Orientierung des Verfahrens,
Praktische Durchführung
einer KNA-Analyse: KNA-Prozeß,
Istanalyse der eigenen Wettbewerbsstärke,
Zielpositionen für eine volle Wettbewerbsfähigkeit,
Handlungsempfehlungen, Umsetzung, Zusammenfassung
|
In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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-
wie durch Differenzierung nachhaltige Markterfolge erzielt
werden,
-
wie man den Kaufentscheidungsprozeß des Kunden nachzeichnen
kann,
-
wie man durch eine Analyse von Märkten, Marktbedürfnissen
und Unternehmensleistungen die eigene Wettbewerbsstärke bestimmen kann,
-
wie ein Unternehmen Zielpositionen für die angestrebte
Wettbewerbsfähigkeit entwickelt,
-
wie man die markierten Zielpositionen erreicht
|
Wettbewerbsvorteile und damit strategisch abgesicherte, nachhaltige Markterfolge
werden ausschließlich aus einer gezielten und gut geplanten Synchronisierung von
Unternehmensleistung und Marktbedürfnissen generiert. Zentrale Orientierungsgröße
dafür ist der von einem Kunden mit seiner Kaufentscheidung tatsächlich wahrgenommene
Nutzen. Der Autor stellt eine Methodik vor, die eine systematische Erfassung des von der
eigenen Unternehmensleistung gebotenen Kundennutzens erlaubt. Sie gibt Regeln vor, nach
denen zielgerichtete und quantifizierbare Maßnahmen zur Optimierung der eigenen
Leistungspakete sowie des eigenen Marketing Mix entwickelt werden können. Dabei steht
zunächst das Unternehmen selbst auf dem Prüfstand.
Der vom Kunden wahrgenommene
Nutzen - die zentrale Orientierungsgröße für Unternehmensstrategien
»Oberstes Prinzip jedes marktorientierten unternehmerischen Handelns ist es,
Kundennutzen zu schaffen« [3]. Prägnanter ließe es sich nicht ausdrücken, daß der vom
Kunden tatsächlich wahrgenommene Nutzen die zentrale Orientierungsgröße für jede
marktorientierte Unternehmensstrategie ist. Wie bei einem Flugzeug, das weit vor der
Landebahn in einen Leitstrahl einschwenkt, der es zielsicher zum Aufsetzpunkt auf der
Landebahn führt, ist der Kundennutzen praktisch der Leitstrahl, der ein Unternehmen von
den üblicherweise sehr abstrakt umrissenen strategischen Zielsetzungen zu den konkreten
operativen Maßnahmen führt. Diese Analogie wird in Abbildung 1 verdeutlicht.
Abb. 1: Der Kundennutzen als Orientierungsgröße zwischen
strategischen Zielsetzungen und operativen Maßnahmen
Mit der
Kundennutzenanalyse (KNA) wird eine Methodik vorgestellt, die eine systematische
Bestimmung eines vom Kunden tatsächlich wahrgenommenen Nutzens erlaubt und Regeln
zur Entwicklung von zielgerichteten operativen Maßnahmen für eine leistungsfähige und
strategisch abgesicherte Marktposition vorgibt. Damit läßt sich der oben beschriebene
»Leitstrahl« Kundennutzen beschreiben und auswerten.
Das KNA-Verfahren ist in den vergangenen zehn Jahren entwickelt worden und hat in
Untersuchungen von Leistungslinien aus mittlerweile dreizehn verschiedenen Branchen seine
hohe Treffsicherheit unter Beweis gestellt.
Im einzelnen sind dieses:
Zunächst werden einige allgemeine Gesichtspunkte zum Verständnis des
Kundennutzenbegriffes erörtert. Daraufhin wird die Methodik der Kundennutzenanalyse in
ihren Einzelheiten vorgestellt, um abschließend Anwendungsgesichtspunkte und
Nutzenaspekte des KNA-Verfahrens zu behandeln.
Einige grundsätzliche
Überlegungen
Unternehmenserfolg
und Markterfolg
Ein nachhaltiger Unternehmenserfolg hat grundsätzlich zwei Komponenten:
-
einen kommerziellen Erfolg, der eine Gewinnmaximierung zum Ziel hat und
-
einen Markterfolg, der eine Nutzenmaximierung für die relevanten Nachfrager anstrebt.
Beide Komponenten bedingen sich gegenseitig. Ein kommerzieller Erfolg ohne Markterfolg
ist kaum denkbar. Der Kundennutzen ist streng genommen die Orientierungsgröße für den
Markterfolg eines Unternehmens.

Abb. 2: Aufgliederung des Unternehmenserfolges
Durch Differenzierung zu nachhaltigen Markterfolgen
Zunehmende Globalisierung bedeutet zunehmenden Wettbewerbsdruck. Zum Beispiel werden
GATT und die fortschreitende Integration der Europäischen Märkte dafür sorgen, daß
dieser in unseren Volkswirtschaften in den kommenden Jahren anhalten wird.
Wie das Beispiel Yamaha zeigt, gibt es drei grundsätzliche Optionen, darauf zu reagieren:
-
Ausstieg,
-
Konditionenwettbewerb (z. B. durch Unterbietung der Wettbewerbspreise und
Zahlungskonditionen, durch Übernahme der besseren Liefer- und
Garantiekonditionen des Wettbewerbs usw.) oder
-
Differenzierung, das heißt Entwicklung von Wettbewerbsvorteilen durch das
Anbieten eines dem Wettbewerb überlegenen Kundennutzen. (Hierzu gibt es eine Fülle von
Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Erweiterung des eigenen Angebotes zu sogenannten
Leistungspaketen, bestehend aus Service, Beratung, Finanzierung et cetera zeigt. Andere
Optionen sind: die Erweiterung des eigenen Angebotes zu Systemen, deren Module eine
weitgehende Anpassung an Kundenbedürfnisse erlauben oder das Angebot innovativer
Anwendungen wie beim Beispiel Yamaha.)
Abb. 3: Differenzierung der eigenen Unternehmensleistung
als strategische Marschrichtung
|
Beispiel: Yamaha
|
|
Das japanische Unternehmen Yamaha war in
den unmittelbaren Nachkriegsjahren bereits ein gut eingeführter Klavierhersteller in
Japan. Sehr bald war dieser Markt weltweit überbesetzt. Konditionen und Margen verfielen.
Es war abzusehen, daß einige Anbieter von diesem Markt verschwinden würden. Für Yamaha
bestanden die Optionen,
Yamaha hat die Bedürfnisse des Marktes sehr sorgfältig
analysiert und mit einer neuen Produktidee, dem elektronischen Klavier, einen
außerordentlich hohen Nutzengewinn geboten. Konditionen und Margen konnten erheblich
verbessert werden, und es wurde praktisch ein neuer Markt geschaffen, der mittlerweile den
der herkömmlichen Klaviere weit übertroffen hat.
Yamaha hat mit diesem Schritt einen Konditionenwettbewerb vermieden, indem ein höherer
Kundennutzen gesucht wurde. |
Der KNA-Ansatz
Aufgabenstellung
Beim KNA-Ansatz gilt es, den vom Kunden wahrgenommenen Nutzen in allen seinen
Einzelaspekten zu erfassen. Je genauer er beschrieben werden kann, um so treffsicherer
lassen sich Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens
entwickeln. Hierbei sollte beachtet werden: Auch subjektive Kundenansichten sind
Realitäten.
Die Aufgabe besteht darin, sich einen Überblick zu verschaffen über
-
die ganze Komplexität von Kunden-Kaufentscheidungen,
-
Präferenzen bei den Kundenerwartungen,
-
Wettbewerberpositionen und
-
alle Möglichkeiten, mit vertretbarem Aufwand eine eigene starke Wettbewerbsposition zu
entwickeln.
Hypothesen
Kundennutzenanalysen werden unter folgenden Hypothesen durchgeführt:
-
Wettbewerbsbedingungen: Es müssen klar definierte Wettbewerbsbedingungen
vorhanden sein.
-
Markterfolg: Ein Markterfolg kann dann konstatiert werden, wenn sich möglichst
viele Kunden für die Leistungen des eigenen Unternehmens entscheiden. Diese Position muß
nachhaltig, das heißt strategisch abgesichert sein.
-
Ziel einer Kaufentscheidung: Mit seiner Kaufentscheidung strebt ein Kunde einen
möglichst hohen, von ihm wahrgenommenen Nutzen an.
-
Nutzendefinition: Ein Nutzen ist die Differenz zwischen Marktbedürfnissen und
einem Angebot, wie in Abbildung 4 gezeigt.
-
Struktur eines Gesamtnutzens: Ein Gesamtnutzen setzt sich aus mehreren Teilnutzen
zusammen. Nutzen werden über Kriterien, in der Literatur vielfach auch als
Merkmale oder Attribute bezeichnet, beschrieben.
-
Geltungsbereich: Kundennutzenanalysen werden auf Marktsegmentebene durchgeführt,
da Marktsegmente sich üblicherweise durch ein in sich homogenes
Kaufentscheidungsverhalten auszeichnen.
-
Prognosefähigkeit des KNA-Verfahrens: Durch die Formulierung eines
durchschnittlichen, repräsentativen Kunden läßt sich das zu erwartende
Kaufentscheidungsverhalten in einem Marktsegment treffsicher simulieren und
prognostizieren.
Ausgangssituation
Ein Kunde hat eine Kaufentscheidung zu treffen unter n Anbietern, von denen einer das
eigene Unternehmen ist. Die Ausgangsfragestellung lautet: Welche Voraussetzungen
müssen erfüllt sein, damit dieser Kunde eine Kaufentscheidung zugunsten des eigenen
Unternehmens trifft?
Die im vorausgegangenen Abschnitt genannten Hypothesen erlauben es, den
Kaufentscheidungsprozeß des Kunden abzubilden und den vom Kunden wahrgenommenen Nutzen
für das eigene Unternehmen wie auch für die untersuchten Wettbewerber zu quantifizieren.
Er wird sich für den Anbieter mit dem höchsten von ihm wahrgenommenen Kundennutzen
entscheiden.
Abb. 4: Der vom Kunden wahrgenommene Nutzen als Differenz
zwischen Marktbedürfnissen und Angebot
Orientierung
des KNA-Verfahrens
Alle Überlegungen des KNA-Verfahrens sind auf den Zeitpunkt einer
Kundenkaufentscheidung fokussiert mit dem Ziel, daß möglichst viele Kunden eine
Kaufentscheidung zugunsten des eigenen Unternehmens treffen sollen.
Praktische Durchführung
einer KNA-Analyse
Beispiel: Ein innovatives Gerät für das
Patientenmonitoring
Alle Überlegungen zum KNA-Verfahren werden nachfolgend anhand eines konkreten
Anwendungsfalles dargestellt. Es handelt sich um ein für den medizintechnischen Markt
entwickeltes hochinnovatives Produkt für das Patientenmonitoring. (Das
Patientenmonitoring-Gerät dient der kontinuierlichen Erfassung aller Arten von
Patientendaten, wie zum Beispiel Pulsfrequenz, Blutdruck, Durchblutung et
cetera).
Abb. 6: Der Zeitpunkt einer Kaufentscheidung im
Verkaufsprozeß als Fokus des KNA-Verfahrens
Zum Zeitpunkt der Untersuchung befand es sich noch im Entwicklungsstadium. Ziel der
KNA-Untersuchung war es, den Nutzengewinn für zukünftige Kunden zu ermitteln und zu
überprüfen, ob das Gerät in allen kaufentscheidenden Aspekten marktgerecht definiert
war. Zudem sollten die Grundvoraussetzungen für eine weltweite Vermarktung geprüft
werden.
Wegen seines innovativen Charakters gab es zu diesem Produkt noch keine
Wettbewerbsentwicklungen. Deshalb wurden zum Vergleich Produkte herangezogen, die im Markt
für diese Problemlösung den gegenwärtigen Stand der Technik repräsentierten. Dies ist
beim KNA-Verfahren eine für die Bewertung von Innovationen übliche Vorgehensweise.
Der KNA-Prozeß
Eine KNA-Untersuchung wird stets in vier Grundschritten vollzogen:
Schritt I: Istanalyse
der eigenen Wettbewerbsstärke
In diesem Schritt wird die Wettbewerbssituation im untersuchten Markt zu einem bestimmten
Zeitpunkt erfaßt. Dazu werden zunächst die erforderlichen Eingabedaten erhoben (siehe
die folgenden vier Abschnitte), um dann aus diesen Daten die entsprechenden
Kundennutzenwerte zu berechnen (siehe Abschnitt »Berechnung des Kundennutzens«).
Abb. 7: Arbeitsschritte des KNA-Verfahren
Nutzenbestandteile
Ausgehend von der Überlegung, daß ein vom Kunden wahrgenommener Nutzen sich in
Teilnutzen untergliedern läßt, wird zunächst eine Hierarchie kaufentscheidender
Kriterien entwickelt. Dabei geht das KNA-Verfahren immer von einer gleichen
Grundkriterienstruktur aus, wie in Abbildung 8 gezeigt. Diese soll sicherstellen, daß
tatsächlich alle kaufentscheidenden Aspekte richtig angesprochen werden. (Zum Beispiel
tendieren Techniker manchmal dazu, technische Gesichtspunkte überzubewerten, Service oder
Marktposition werden unterschätzt, Preise scheinen oft das einzige Entscheidungskriterium
zu sein und so weiter.)
Abb. 8: KNA-Grundkriterienstruktur
Die Aufteilung des Kundennutzens in die zwei Hauptbestandteile
Produktnutzen und Marktposition hat folgende Bewandtnis:
-
Produktnutzen: Unter dem Produktnutzen werden alle Kriterien
erfaßt, die von
einem Kunden meß- oder einschätzbar sind, wie zum Beispiel technische Leistungsdaten,
Preise, Dokumentationen und so weiter. Es handelt sich hier um explizite Kriterien.
-
Marktposition: Leider ist es aber so, daß jede Kaufentscheidung mit
Unsicherheiten behaftet ist. Zum Beispiel weiß man nicht genau, wie hoch die
Einsatzzuverlässigkeit oder die Betriebskosten einer Investition sein werden, wie der
Service genau funktionieren wird, wie das Garantiewesen gehandhabt wird und dergleichen
mehr. An dieser Stelle ist die Marktposition eines Anbieters von Bedeutung: Man
entscheidet sich für den Anbieter, der zum Beispiel den Ruf hat, zuverlässig zu sein,
der die überzeugendsten Referenzen aufzuzeigen vermag, den man aufgrund langjähriger
Beziehungen gut einschätzen kann, der einen überzeugenden und intensiven Vertrieb hat.
Dies sind die impliziten Kriterien, deren Bedeutung für die Entwicklung von
Vermarktungsstrategien sehr häufig unterschätzt wird.
|
Tabelle 1: Wichtungsfaktorengestaltung für Passagiersitze
von Verkehrsflugzeugen in verschiedenen regionalen Marktsegmenten
|
|
|
PN
|
MP
|
|
Mitteleuropa
|
0,80
|
0,20
|
|
Südeuropa
|
0,65
|
0,35
|
|
Indien
|
0,30
|
0,70
|
|
USA
|
0,75
|
0,25
|
|
Tabelle
2: Wichtungsfaktorenbestimmung einer Produktlinie für drei verschiedene Anwendungsmärkte
|
|
|
PNT
|
PNK
|
PNO
|
PN
|
MP
|
|
Betriebsgalvanik
|
0,25
|
0,35
|
0,40
|
0,70
|
0,30
|
|
Elektronikindustrie
|
0,35
|
0,30
|
0,35
|
0,70
|
0,30
|
|
Lohngalvanik
|
0,20
|
0,40
|
0,40
|
0,80
|
0,20
|
|
Tabelle
3: Abstufungen des KNA-Notensystems
|
|
Note
|
Einstufung
|
|
10
|
Sehr gut
|
|
8,2
|
Gut
|
|
6,4
|
Befriedigend
|
|
4,6
|
Ausreichend
|
|
2,8
|
Mangelhaft
|
|
1
|
Ungenügend
|
|
Tabelle
4: Beispiele möglicher Datenerhebungsmethoden für KNA-Analysen
|
|
Methode
|
Datenqualität
|
Erhebungskosten
|
Bemerkungen
|
|
Hausinterne
Verkaufsanalysen
|
gering
|
gering
|
|
|
Desk Research
|
mittel
|
gering
|
|
|
Messebesuche und
-auswertungen
|
mittel
|
gering
|
|
|
Workshops mit Kunden
|
hoch
|
mittel
|
|
|
Marktstudien
|
mittel bis
hoch
|
mittel bis
sehr hoch
|
Je nach
Studienumfang
|
|
Kundenausschüsse
|
sehr hoch
|
hoch
|
Regelmäßige
Zusammenkünfte
mit Kunden
|
|
Testmärkte
|
sehr hoch
|
sehr hoch
|
|
Schritt II: Zielpositionen
für eine volle Wettbewerbsfähigkeit
Zur Methode
Basierend auf der Istanalyse aus Schritt 1 werden Zielpositionen für eine angestrebte
Wettbewerbsfähigkeit entwickelt. Das geschieht mit Hilfe von Diagrammen, in denen
Grundkriterien paarweise gegenübergestellt werden, wie in Abbildung 11 gezeigt.

Abb. 11: Bestimmung der Ziellinie und Zielposition
In diesen Grafiken erscheint jeder Anbieter als ein Punkt. Weiterhin können Linien
gleichen, vom Kunden wahrgenommnen Nutzenniveaus beschrieben werden. Sie beruhen auf der
Überlegung, daß ein Nachteil bei einem Kriterium durch einen Vorteil bei einem anderen
Kriterium kompensiert werden kann. Dieses entspricht auch dem tatsächlichen
Kaufentscheidungsverhalten der Kunden: In der Tat sind Kunden bereit, zum Beispiel einen
höheren Preis zu zahlen, wenn sich dadurch eine bessere Technik verwirklichen läßt oder
auch Betriebskosten verringert werden können. Eine starke Marktposition kann mitunter
sehr weitgehend technische, kommerzielle oder operationelle Defizite kompensieren.
In anderen Worten: Kunden denken kompensatorisch. Sie kombinieren aus den einzelnen
Leistungsmerkmalen einen Gesamtnutzen, in dem Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen
werden.
Linien gleichen Nutzenniveaus sind wegen der additiven Verknüpfung der Nutzenbestandteile
immer Geraden, deren Neigung nur von den Wichtungsfaktoren der betroffenen Kriterien
bestimmt wird. Es liegen gut fundierte empirische Untersuchungen vor, die belegen, daß
diese linearen Verknüpfungen das Kaufentscheidungsverhalten von Kunden ausreichend
treffsicher beschreiben [1].
Zunächst wird das Nutzenniveau der eigenen Leistung (gestrichelte Linie in Abbildung 11)
gezeigt. Wie dort zu sehen ist, wird diese Linie nun auf das Niveau der wichtigsten
Wettbewerber verschoben. Dieses ist die Ziellinie (durchgezogene Linie) auf der die
Zielposition des eigenen Unternehmens nach eigenen Vorgaben und Möglichkeiten frei
bestimmt werden kann (z.B. keine technischen Änderungen; halte das Preisniveau;
Verbesserungen sind primär im operationellen Bereich zu suchen; verbessere die
Marktposition zur Kompensation von technischen Defiziten usw.). Diese Positionierung ist
eine unternehmerische Entscheidung, die tunlichst in einem entsprechend qualifizierten
Team getroffen werden sollte.
Das KNA-Verfahren spiegelt hiermit die kompensatorische Denkweise von Kunden. Es bietet so
für die Entwicklung einer vollen Wettbewerbsfähigkeit mehr Freiheitsgrade als andere
Verfahren ähnlicher Aufgabenstellung. Die Verwendung der Grafiken gibt zudem einen
besseren Überblick und damit ein besseres Verständnis der Verhältnisse als Tabellen und
bietet damit einen beachtlichen Transparenzgewinn für die jeweiligen
Entscheidungsprozesse.
Praktische Durchführung der
Zielpositionsbestimmungen
Wettbewerbs-Zielpositionen werden auf dem Niveau der KNA-Grundkriterien entwickelt.
Dementsprechend werden diese (entsprechend Abbildung 12) in zwei beziehungsweise drei
Analyseschritten entwickelt.
Die Sequenz der Analyseschritte beginnt immer auf dem niedrigsten Hierarchieniveau (in
Abbildung 12 außen) mit der Produktnutzenanalyse. Nachfolgend werden die Analyseschritte
im einzelnen erläutert.
Abb. 12: KNA-Analyseschritte zur Entwicklung von
Wettbewerbszielpositionen
-
MP = Marktposition
-
PN = Produktnutzen
-
PNt = Technischer PN
-
PNk = Kommerzieller PN
-
Pno = Operationeller PN
Produktnutzenanalyse
In der Produktnutzenanalyse werden die drei Unterkriterien des Produktnutzens
(PN),
nämlich
-
der technische Produktnutzen (PNt),
-
der kommerzielle Produktnutzen (PNk) und
-
der operationelle Produktnutzen (PNo) paarweise gegenübergestellt. Das ergibt drei
Felder, die untereinander rechnerisch verknüpft sind.
In Abbildung 13 wird beispielhaft nur die Behandlung eines der drei Felder (mit den
Kriterien PNt und PNk) gezeigt.
Die vom KNA-Programm vorgeschlagenen Linien gleichen Nutzens zur Ermittlung der
Zielpositionen werden - ausgehend von der Istposition des eigenen Unternehmens - so
verschoben, daß sie das Nutzenniveau der interessantesten und wichtigsten Wettbewerber
erreichen. In diesem Falle konnte der kommerzielle Produktnutzen von 10 auf 4,43
wesentlich verschlechtert werden, bei einer leichten Verbesserung des technischen
Produktnutzens. Diese Analyse hat somit ein Preiserhöhungspotential von 85 Prozent
aufgedeckt.
Abb. 13: KNA-Produktnutzenanalyse am Beispiel des
technischen (PNt) und kommerziellen (PNk) Produktnutzens
Marktpositionsanalyse
In einer weiteren zweidimensionalen Darstellung, wie in Abbildung 14 gezeigt, wird dann
auf der nächst höheren Hierarchieebene der KNA-Grundkriterien in ähnlicher Weise die
Ziel-Marktposition des eigenen Unternehmens bestimmt.
Abb. 14: Marktpositionsanalyse
Eine Besonderheit ist hier, daß der Ziel-Produktnutzen aus den Festlegungen der im
vorausgegangenen Abschnitt beschriebenen Produktnutzenanalyse mit den dazugehörigen
Wichtungsfaktoren bereits bestimmt ist. Somit muß in dieser Darstellung durch eine
vertikale Verschiebung der Linie gleichen Nutzens nur noch eine Ziel-Marktposition so
bestimmt werden, daß auch hier das Nutzenniveau der interessantesten Wettbewerber
erreicht wird.
Ermittlung von Wettbewerbs-Zielpositionen für das
Patientenmonitoring-Gerät
Von besonderem Interesse ist hierbei der kommerzielle Produktnutzen, der wegen eines
außergewöhnlich guten Preisansatzes weit über dem der verglichenen Anbieter lag. Diese
Analyse zeigt, daß eine Verschlechterung des kommerziellen Produktnutzens um 55 Prozent
und damit eine entsprechende Preiserhöhung möglich war, ohne den Zielkundennutzen von
7,51 zu gefährden.
|
Tabelle
5: Zielpositionen für das Patientenmonitoring-Gerät
|
|
Nr.
|
Kriterium
|
NIst
|
NZiel
|
? [%]>
|
Bemerkung
|
|
1
|
Technischer Produktnutzen
|
7,85
|
8,26
|
+ 5>
|
Grafische Ermittlung
|
|
2
|
Kommerzieller Produktnutzen
|
9,84
|
4,42
|
- 55
|
Grafische Ermittlung
|
|
3
|
Operationeller
Produktnutzen
|
6,18
|
8,02
|
+ 29
|
Grafische Ermittlung
|
|
4
|
Produktnutzen
|
7,55
|
7,8
|
+ 3
|
Berechnet aus Nr. 1 bis
Nr.3
|
|
5
|
Marktposition
|
5,77
|
6,84
|
+ 19
|
Grafische Ermittlung
|
|
6
|
Kundennutzen
|
7,02
|
7,51
|
+ 7
|
Berechnet aus Nr. 4 und Nr.
5
|
Marktanteilsanalyse
Liegen belastbare Marktanteilsdaten vor, kann zusätzlich noch die nachfolgend
beschriebene Marktanteilsanalyse durchgeführt werden. Grundüberlegung hierbei ist, daß
Unternehmen mit einem guten Kundennutzen über höhere Marktanteile verfügen müssen als
solche mit einem schlechteren Kundennutzen. Diese Annahme ist bisher bei solchen
Anbietern, die sich im betrachteten Markt in einem Gleichgewichtszustand befinden, durch
die Praxis weitgehend bestätigt worden.
Schritt III: Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Erlangung der
Wettbewerbs-Zielpositionen
Unter den Vorgaben dieser Zielpositionen werden für das eigene Unternehmen die Benotungen
derjenigen Eingabekriterien modifiziert, die
-
am kostengünstigsten umzusetzen sind,
-
am schnellsten wirken,
-
am besten aufeinander abgestimmt werden können und
-
auf jeden Fall geändert werden müssen (wie zum Beispiel zulassungsrelevante Kriterien
und ähnliches).
Diese Festlegungen sind unternehmerische Entscheidungen und sollten in entsprechend
qualifizierten Teams getroffen
werden. Dazu wird eine sogenannte Vergleichstabelle herangezogen, wie in Abbildung 16
gezeigt.
Die Änderungen der Noten werden so vollzogen, daß auf der Ebene der
KNA-Grundkriterien die Zielvorgaben (in Spalte »Vorgabe«) aus Schritt II erreicht
werden. Kriterien, bei denen Änderungen vorgenommen worden sind, sind Gegenstand von
Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit und sind das
Endergebnis einer KNA-Untersuchung. Es ist dieses ein Forderungskatalog, der in einen
konkreten Aktionsplan umgesetzt werden kann.
Damit werden praktisch aus einem umfassenden Bündel kaufentscheidender Kriterien kosten-
und zeitoptimierte, systematisch aufeinander abgestimmte Handlungsempfehlungen entwickelt.
Schritt IV: Umsetzung der
Handlungsempfehlungen
Die Handlungsempfehlungen aus Schritt III sind Forderungen des Marktes an das Unternehmen,
bei denen Machbarkeitsaspekte und unternehmensinterne Prozesse noch keine Rolle spielen.
In diesem letzten Schritt wird mit den entsprechenden hauseigenen Experten jede
Handlungsempfehlung einer Umsetzungsplanung unterworfen, die auch gegebenenfalls in die
entsprechenden unternehmensinternen Prozesse eingreift. Zur Unterstützung dieses
Schrittes lassen sich auch sehr gut Methoden wie Benchmarking, Quality Function Deployment
(QFD), Portfolioanalysen, PIMS und dergleichen mehr einsetzen. In jedem dieser Fälle sind
die Handlungsempfehlungen der KNA sehr gut als Eingabedaten für derartige Methoden zu
verwenden.
Literatur
[1] Goldberg, L., Five models of clinic judgement: An empirical comparison between
linear and nonlinear representations of the human interference process. Organizational
Behaviour and Human Performance, S.458 ff., USA, 1971
[2] Krelle, W., Präferenz- und Entscheidungstheorie, Tübingen, 1968
[3] Ohmae, K., Die neue Logik der Weltwirtschaft; Zukunftsstrategien der großen
Konzerne, Hamburg, 1992
[4] Rinza, P, Schmitz, H., Nutzwert - Kostenanalyse, Eine Entscheidungshilfe, 2.
Aufl., Düsseldorf, 1992
[5] Schuhmann, J., Grundzüge der Mikroöko-nomie, 6. Aufl., Heidelberg u.a., 1992
[6] Trommsdorf, F., V., Die Messung von Produktimages für das Marketing: Grundlagen
und Operationalisierung, Köln, 1975
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