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- Leseprobe -
Technology Intelligence:
Systematisches Management der
Technologiefrühaufklärung
von Eckhard
Lichtenthaler
Die systematische Beschaffung und die Bewertung von Informationen über Technologietrends sind von fundamentaler Bedeutung für die Effektivität von Technologieentscheidungen. In der Vergangenheit scheiterten in zahlreichen Unternehmen Ansätze zur Systematisierung dieses Prozesses. Steigende Wettbewerbsintensität und zunehmende Komplexität des technologischen Wandels erfordern ein systematisches Management der Technology Intelligence.
Stichworte: Begriff und Nutzen der Technology Intelligence; Prozess: Informationsbedarfsbestimmung, Informationsbeschaffung, Informationsbewertung, Informationskommunikation; Organisation: Strukturelle Koordination, Hybride Koordination, Informelle Koordination; Aufgabenverteilung: Scanning und Monitoring von Technologien; Integrations-mechanismen; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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Wie man mittels Technology Intelligence die
Beschaffung, Analyse und Kommunikation relevanter Informationen
über technologische Trends sicherstellt, potenzielle Chancen
nutzt und die Abwehr potenzieller Gefahren gewährleistet;
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in welchen Schritten der Prozess der Technology
Intelligence im Unternehmen etabliert werden kann;
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welche Formen der Aufgaben-Koordination für
welches Unternehmen geeignet sind;
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wie das Management einen stetigen
Bottom-up-Prozess sicherstellt und die Kommunikation bündelt.
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Einleitung
Die Effektivität von
Technologieentscheidungen wird fundamental durch die Qualität der
Information über gegenwärtige und zukünftige Technologietrends
beeinflusst. Die Komplexität und Dynamik der technologischen Entwicklung
erschweren jedoch die Bereitstellung einer entsprechenden
Informationsbasis. Bereits in den 70er Jahren versuchten daher viele
Unternehmen eine systematische und kontinuierliche Technology Intelligence,
das heißt Beobachtung und Bewertung von Entwicklungen im technologischen
Umfeld, vorzunehmen. Studien [3;4;7;8;13;15] zeigen jedoch, dass in den
70er und 80er Jahren nur große Unternehmen die Technology Intelligence
formalisierten und dass diese Ansätze häufig auch scheiterten.
Seit einigen Jahren ist jedoch bei vielen
international tätigen, technologieintensiven Großunternehmen wieder ein
verstärktes Interesse an einer systematischeren Technology Intelligence
zu erkennen. Treibende Faktoren dieser Entwicklung sind [9]:
-
ð Die Globalisierung der
Technologieentwicklung, die eine Beobachtung von
Technologietrends auf globaler Ebene notwendig macht und damit
zumindest teilweise eine Informationsbeschaffung vor Ort erfordert.
-
ð Die Reduzierung langfristiger
Forschungsaktivitäten, die in vielen Unternehmen zu einer
verminderten Fähigkeit geführt hat, wesentliche technologische
Trends, insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung, erkennen und
bewerten zu können.
-
ð Der verstärkte Rückgriff auf
externe Technologiequellen, der in vielen Unternehmen eine
kontinuierliche Beobachtung möglicher Technologiequellen erfordert.
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ð Der erhöhte Effektivitätsdruck
auf Forschung und Entwicklung (F&E), welcher aus der in vielen
Branchen zu beobachtenden Intensivierung des Wettbewerbs und den
gleichzeitig ansteigenden F&E-Kosten resultiert.
-
ð Die Informationsflut, die
zusammen mit einer gestiegenen Arbeitsbelastung ein Erkennen und ein
Verfolgen relevanter technologischer Entwicklungen erschwert.
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ð Die zunehmende technologische
Diversifizierung, das heißt die immer größere Anzahl der von
einzelnen Unternehmen zu beherrschenden Technologien.
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ð Die steigende Komplexität der
Technologieentwicklung, die sich in einer zunehmenden
Querbefruchtung sich vermeintlich voneinander losgelöst entwickelnder
Technologiebereiche äußert und eine Verfolgung einzelner Trends
erschwert.
Aufgrund der zuvor genannten Veränderungen
im Technologiemanagement versuchen gegenwärtig viele technologieintensive
Unternehmen unter synonym zu verwendenden Begriffen wie Technology
Intelligence Technology Monitoring, Technologiefrühaufklärung,
Technology Forecasting, Technology Scouting oder Technology Watch ihre
Aktivitäten im Bereich der systematischen und kontinuierlichen
Technologiebeobachtung und -bewertung zu verbessern. Wie in der
Vergangenheit stellten die Organisation dieses Prozesses und deren
Integration in die zugrundeliegende Basisorganisation eine wesentliche
Herausforderung dar. Die Forschung zur Technology Intelligence hat sich
bisher jedoch weitgehend auf die Weiterentwicklung des bereits
umfangreichen Spektrums an Methoden und Informationsquellen beschränkt.
Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht daher die Organisation von
Technology-Intelligence-Prozessen und die Frage, wann deren Methoden und
Informationsquellen einzusetzen sind. Hierbei wird auf die Ergebnisse
einer Fallstudienuntersuchung der Technology-Intelligence-Prozesse von 26
multinationalen Konzernen [9] zurückgegriffen.
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Technology Intelligence: viele Begriffe und Definitionen
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Wie bereits angedeutet wurde, werden zahlreiche Begriffe für die Technology Intelligence verwendet [9]. Im deutschsprachigen Raum dominieren die Begriffe Technologiefrühaufklärung und Technologiefrüherkennung. Diesen Begriffen liegt das Konzept der schwachen Signale [1] zugrunde. Dies führt häufig dazu, dass die Aufgabe der Technologiefrüherkennung auf die frühzeitige Erkennung neuer Technologien reduziert wird, statt darunter die wesentlich breiter angelegte frühzeitige Erkennung relevanter technologischer Trends zu verstehen. Ein solch lineares Verständnis der technologischen Entwicklung entspricht jedoch nicht der komplexen Realität. Im Rahmen dieses Beitrags wird daher der englische Begriff Technology Intelligence verwendet.
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Begriff und Nutzen der Technology Intelligence
Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass
zahlreiche verschiedene Definitionen des Begriffs Technology
Intelligence existieren (vgl. Kasten auf dieser Seite), soll dieser wie
folgt definiert werden. Das Ziel der Technology Intelligence ist es, durch
die rechtzeitige Bereitstellung relevanter Informationen über
technologische Trends im Umfeld des Unternehmens das Ausnutzen
potenzieller Chancen und die Abwehr potenzieller Gefährdungen zu
ermöglichen. Die Technology Intelligence umfasst die Aktivitäten der
Beschaffung, der Analyse und der Kommunikation relevanter Informationen
über technologische Trends zur Unterstützung von
Technologieentscheidungen des Unternehmens und allgemeiner
Unternehmensentscheidungen.
Technology Intelligence ist nicht auf die
Beobachtung ausgewählter Felder des technologischen Umfelds, wie zum
Beispiel Konkurrenten, beschränkt. Zielsetzung ist es vielmehr, alle für
das Unternehmen relevanten Entwicklungen im technologischen Umfeld zu
erkennen. Wesentliche zu beobachtende Impulsgeber der technologischen
Entwicklung sind unter anderem Wettbewerber, Universitäten,
Start-up-Unternehmen, Kunden und Zulieferer.
Der Nutzen der Technology Intelligence ist
nicht nur von der Vollständigkeit der Beobachtung und der Qualität der
Bewertung dieser Information abhängig. Entscheidend ist letztendlich, ob
die Effektivität von Entscheidungen verbessert werden kann. Wesentliche
von der Technology Intelligence zu unterstützende Entscheidungen sind die
Technologie- und Produktplanung, die Ressourcenallokationsprozesse für
die interne und externe Technologiebeschaffung und einzelne interne und
externe Technologiebeschaffungsprojekte (vgl. Abb. 1). Die externe
Technologieverwertung, die in den meisten Unternehmen noch nicht in das
strategische Technologiemangement integriert ist, sondern meist lediglich
auf den Verkauf nicht mehr benötigter Technologien abzielt, kann auch von
einer systematischen Beobachtung von Technologiemärkten profitieren. Aus
Sicht der strategischen Unternehmensplanung ist insbesondere die
Versorgung mit technologischen Trends wettbewerbsrelevanten Charakters,
wie disruptive Technologien, zu nennen.

Abb. 1: Durch Technology Intelligence unterstützte Entscheidungsprozesse
Der Prozess der Technology Intelligence
Zielführend im Hinblick auf ein
systematisches Management der Technology Intelligence ist es, dieser ein
Prozessverständnis zugrunde zu legen. Der Prozess lässt sich in die
Schritte der Informationsbedarfsbestimmung, der Informationsbeschaffung,
der Informationsbewertung und der Informationskommunikation zerlegen (vgl.
Abb. 2). Auf diese zwar sequentiell dargestellten, aber iterativ und
teilweise parallel ablaufenden Aufgaben wird in den folgenden Abschnitten
detailliert eingegangen.
Informationsbedarfsbestimmung
Ziel der Informationsbedarfsbestimmung ist es, die Suche nach
Informationen zu beschränken, um Informationsüberflutung zu vermeiden
und den Aufwand bei der Informationsbeschaffung zu begrenzen. Aus der
Sicht des gesamten Unternehmens ist es daher sinnvoll, eine Unterscheidung
zwischen einer Inside-out-Perspektive und einer Outside-in-Perspektive zu
machen. Bei der Inside-out-Perspektive werden bekannte Technologien, die
sich innerhalb und außerhalb des Unternehmens befinden, beobachtet. Bei
der Outside-in-Perspektive wird das Umfeld nach Trends über bisher nicht
bekannte Technologien abgesucht und es werden insbesondere auch Felder
beobachtet, die außerhalb der technologischen und nicht-technologischen
Kompetenzen des Unternehmens liegen.

Abb. 4: Systematische Ableitung von Beobachtungsfeldern aus Planungsprozessen
Ansatzpunkte für die Inside-Out-Perspektive
sind die Planungsprozesse des Unternehmens. In Markt- und
Technologieaspekte integrierenden Planungsverfahren wie Roadmapping
und Szenarioentwicklung werden kritische Themen wie entstehende
Technologien oder neue Konkurrenten identifiziert (vgl. Abb. 4).
Diese Themen können einer systematischen Beobachtung unterzogen werden.
Hierbei sollten sowohl die kurzfristigen und mittelfristigen Planungen als
auch die langfristigen Planungsprozesse als Ansatzpunkte für die
Ableitung von Informationsbedürfnissen genommen werden.
Ausgehend von diesem inside-out-getriebenen
Vorgehen kann auch offen mittels einer Outside-in-Perspektive gesucht
werden. Da sich mit zunehmendem Abstand von bestehenden Technologien und
Produkten keine Informationsbedürfnisse mehr aus eigenen
Planungsprozessen ableiten lassen und Planungen für fremde Branchen und
Kompetenzfelder den Aufwand extrem ansteigen lassen würden, ist die
Nutzung mehrerer parallel zu verfolgender Suchstrategien ein vertretbares
heuristisches Vorgehen. Durch Anwendung der Suchstrategien
Technologiefelder, Produktfunktionen, Kundenbedürfnisse, Regionen,
Organisationen und Informationsquellen können wichtige neue Trends auch
außerhalb der eigenen Kompetenzbereiche identifziert werden (siehe
Tabelle 1).
Eine vollständige Erfassung der
Entwicklungen im technologischen Umfeld ist jedoch nicht zu erreichen.
Wesentlicher ist es, durch die Planungsverfahren die Ergebnisse in
periodischen Zeitabständen zu verdichten und, ausgehend von dieser
integrierten Sicht, erneut zu suchen. Durch die dynamische
Weiterentwicklung des Umfelds kommen daher auch spontan neue
Informationsbedürfnisse auf, die sich an konkreten
Entscheidungstatbeständen des Managements orientieren. Neben einer
grundsätzlichen Ausrichtung der Informationsbedürfnisse im Rahmen der
periodischen strategischen Planung ist es daher zielführend,
kontinuierlich die Informationsbedürfnisse häufig tagender
Entscheidungsgremien und einzelner Mitglieder des Managements zu bestimmen
(vgl. Abb. 5).

Abb. 5: Identifikation des Informationsbedarfs im Rahmen der periodischen Planungen und der kontinuierlichen Entscheidungsprozesse
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Die fehlenden Abbildungen entnehmen Sie
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