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- Leseprobe -
Dialog mit Kunden und Lead-User-Management in der Innovationspraxis
von Cornelius Herstatt
Stichworte: Auswerten von Anwendervorschlägen und Beschwerden,
Anwenderbefragung, Auswerten von Verkäufer- und Kundendienstberichten,
Anwenderbeobachtung, Lead-User-Methodik: Frühzeitigkeit der
Problemerkennung, Ökonomische Bedeutung von Problemlösungen, Technologische Trendbestimmung, Lead-User-Identifikation,
Lead-User-Konzeptentwicklung, Konzeptakzeptanz, Kritische Würdigung, Fazit.
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In
diesem Beitrag erfahren Sie
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wie Unternehmen Kundenvorschläge adäquat nutzen können,
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wie Sie Kundenbeschwerden als Indikatoren für betrieblichen
Innovationsbedarf verwenden können,
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warum Problemanalysen mit Kunden effektiv sind,
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was Ihre Außendienstmitarbeiter tun können, um verwertbare
Anwenderinformationen zu liefern,
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was Anwenderbeobachtung leisten kann und wo ihre Grenzen
sind,
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wie man mit Hilfe von Lead Usern Verbrauchertrends
aufspürt,
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in welchen Schritten Lead User identifiziert werden können
und wie Unternehmen effektiv mit ihnen arbeiten.
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Einleitung
In den letzten 30 Jahren sind in Marketingtheorie und -praxis verschiedene Methoden und
Verfahren entwickelt worden, die eine mehr oder weniger intensive Einbeziehung von Kunden,
Produkteverwendern oder kurz Anwendern in die verschiedenen Entwicklungsphasen von
Produkten und Leistungen unterstützen. Diese reichen von methodisch recht einfachen
Ansätzen (zum Beispiel die direkte Befragung) bis hin zu aufwendigen Formen der
Zusammenarbeit. Allen gemeinsam ist aber die Erkenntnis, daß eine kundennahe Bedürfnis-
oder Problemerfassung wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung später am Markt
erfolgreicher Produkte ist.
Die Methoden und Verfahren lassen sich grob danach charakterisieren, wie intensiv Kunden
in den Herstellerentwicklungsprozeß einbezogen werden und von wem hierzu die Initiative
ausgeht (s. Abb. 1).
Bei dieser Kategorisierung ist zu beachten, daß die Aufzählung weder abschließend,
vollständig oder wertend (das beste Verfahren ist ....) ist, und die Abgrenzungen
teilweise fließend sind. Ferner lassen sich einige Ansätze auch je nach Situation
gewinnbringend kombiniert anwenden (zum Beispiel Befragung und Beobachtung).
Grundsätzlich hängen die mit den Verfahren erzielbaren Ergebnisse situativ von der
Produktekategorie (zum Beispiel Massenkonsumgut versus Investitionsgut), dem angestrebten
Innovationsgrad (Produktverbesserung beziehungsweise Marktneuheit) und der Prozeßphase
(zum Beispiel erste Bedarfsanalyse oder Prototypentest) ab.
Unsere Erfahrungen zeigen, daß sich Unternehmen heute trotz dem Vorhandensein derartiger
Methoden und Verfahren nach wie vor schwer damit tun, ihre Kunden beziehungsweise Anwender
ihrer Produkte systematisch in ihre Innovationsprozesse einzubeziehen - trotz und oft
sogar im Gegensatz zu dem häufig gepredigten Anspruch, »kundennah« zu sein. Hinderliche
Faktoren, die hierbei immer wieder eine Rolle spielen, sind beispielsweise:
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die vorhandene Innovationskultur im Unternehmen, die oft stark durch den Erkenntnisstand
der Forschung, Entwicklung/Konstruktion geprägt ist,
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die Vermutung, daß eine direkte Kundeneinbindung in Innovationsfragen zu keinen
wirklich neuen und wettbewerblich verwertbaren Erkenntnissen führt,
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die Befürchtung der frühzeitigen und unerwünschten Diffusion von
Entwicklungsansätzen und Produktideen über Kunden zu Wettbewerbern,
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die komplexe Frage der materiellen Entschädigung beziehungsweise Beteiligung von
Kunden, sollten diese (unerwarteterweise) doch einmal eine verwertbare Idee haben.
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Beispiel:
Entwicklungskooperation zwischen Lizenzgeber und -nehmer
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Bei der Verbesserung und
Entwicklung von Großdieselmotoren, die beispielsweise in Container- oder Tankerschiffen
zum Einsatz gelangen, kommt es zwischen Designer beziehungsweise Hersteller und
Lizenzbauer oft zu (Unter-) Auftragsentwicklungsprojekten an den Lizenzbauer, um
beispielsweise landes- oder bauspezifische Besonderheiten effizienter abzudecken oder
Kapazitätsengpässe in der Entwicklung des Designers zu glätten. In solchen Fällen
werden dann üblicherweise Vereinbarungen hinsichtlich der Verwertung und finanziellen
Entgeltung proprietärer Entwicklungen abgeschlossen, die als Nebenprodukte
(»Erfindungen«) entstehen können. Die Situation wird komplex, wenn während der
Entwicklungsarbeit durch die enge Verzahnung der Entwicklungsteams auf seiten des
Lizenzgebers wie Lizenznehmers die Grenzen fließend werden, was oft zur Folge hat, daß
später beide Seiten den Nutzungsanspruch an derartige Neuerungen erheben.
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Aufwendige Verfahren, die mit speziellen Vereinbarungen verbunden sind (zum Beispiel
gemeinsam durchgeführte Entwicklungsprojekte), werden nur dann eingesetzt, wenn bestimmte
Voraussetzungen gegeben sind. Diese betreffen beispielsweise: hohes Vertrauensverhältnis
zu einem Kunden, repräsentative Position des Pilot-Kunden, Bereitschaft der Kunden zur
rückhaltlosen und bevorzugten Zusammenarbeit. Diese Vorgehensweisen bleiben speziellen
Situationen vorbehalten und derartige Fälle sind uns nur aus der
Investitionsgüterindustrie bekannt.
In den folgenden Abschnitten werden wir einige, unseres Erachtens für die
Innovationspraxis besonders relevante und genutzte Verfahren darstellen. Für einen
vollständigen Überblick sowie empirische Untersuchungen zu diesen verweisen wir auf die
am Ende des Beitrags erwähnte Literatur. Einem Verfahren, der sogenannten
Lead-User-Methodik, widmen wir aufgrund ihrer hohen Praxisrelevanz besondere
Aufmerksamkeit.
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