Aus einer Vielzahl von Benchmarking-Techniken muss jedes Unternehmen eine Auswahl treffen, die seinem Budget, seiner Zielsetzung und der geplanten Laufzeit des jeweiligen Projekts entspricht. Die Autoren stellen unterschiedliche Benchmarking-Techniken vor und erläutern, wie diese sinnvoll eingesetzt werden können.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
n wie man mittels Benchmarking einen Vergleich von Produkten, Unternehmensprozessen und -strategien durchführen kann, n
welche Erfolge von einem internen und einem externen Benchmarking zu erwarten sind, n
in welchen Fällen ein quantitatives, ein qualitatives oder ein prozessorientiertes Benchmarking sinnvoll ist.
Einführung
Trotz vieler im Detail sich unterscheidender Definitionen des Benchmarking herrscht in Theorie und Praxis im Wesentlichen Einigkeit über die Ziele und Charakteristika dieser Managementmethode. Demnach kann Benchmarking zusammenfassend wie folgt definiert werden: »Benchmarking ist ein kontinuierlicher, systematischer Prozess des Messens und Bewertens eigener Produkte, Dienstleistungen, Methoden und Arbeitsprozesse im Vergleich zu denen von Organisationen, deren Praktiken als beste (Best Practices) anerkannt werden, mit dem Ziel der Verbesserung. [5]« Zielsetzung des Benchmarking ist es demnach, sich in allen Bereichen des Unternehmens an der Weltklasse zu orientieren und die dazu notwendigen Prozesse und Methoden im eigenen Unternehmen zu implementieren.
Benchmarking versteht sich dabei in der Regel nicht als einmalig durchzuführendes Projekt, sondern vielmehr als ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Die Methode, ursprünglich in den USA entwickelt und dort auch heute noch weiter verbreitet als beispielweise im europäischen Raum, hat dennoch in den vergangenen Jahren weltweit deutlich an Akzeptanz gewonnen. In diesem Sinne ist die Geschichte des Benchmarking eine Erfolgsgeschichte, die auf die zahlreichen Anwendungsfelder und die positiven Auswirkungen auf die Unternehmensleistung zurückzuführen ist. Im Folgenden stehen die Arten des Benchmarking im Vordergrund. Dabei ist der hier verwendete Begriff »Arten des Benchmarking« mit dem Begriff »Formen des Benchmarking« synonym zu verstehen. Der Überblick über die Arten des Benchmarking und die Darstellung der jeweiligen Anwendungsgebiete beziehungsweise Vor- und Nachteile sind das Kernanliegen des vorliegenden Artikels. Eine Unterscheidung nach Arten des Benchmarking ist nicht nur eine rein analytisch-theoretische Betrachtung der Methode, sondern auch für die praktische Anwendung im Einzelfall von Bedeutung. Durch die Konkretisierung des Vorgehens, also der Wahl der Benchmarking-Art, werden wesentliche Festlegungen getroffen, die den weiteren Projektverlauf und das Ergebnis beeinflussen. Verschiedene Arten sind somit auf verschiedene Anwendungsfälle zu beziehen und mit spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden, die bereits in der Projektplanungsphase zu berücksichtigen sind. Die Arten des Benchmarking können nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifiziert werden. Die drei Aspekte der Unterscheidung nach Benchmarking-Arten sind das Vergleichsobjekt, die Benchmarking-Partner und die zu vergleichenden Benchmarking-Parameter. Am weitesten verbreitet ist der Vergleich von Unternehmen, ihren Leistungsprozessen, Produkten und Strategien. Prinzipiell können mit dem gleichen methodischen Ansatz aber auch Kostenstrukturen, Organisationsstrukturen ect. verglichen werden. Gerade in der Vielseitigkeit der Methode im Hinblick auf ihr Einsatzspektrum liegt ihr Vorteil. Ein Sonderfall ist der Vergleich von ganzen Branchen, Sektoren oder Rahmenbedingungen. Beim Benchmarking von Sektoren wird die Leistungsfähigkeit einzelner Sektoren gegenübergestellt. Ziel ist es dann, von anderen Sektoren, die nach ausgewählten Kriterien leistungsfähiger erscheinen, zu lernen. Neben Sektoren können weiterhin wirtschaftliche Rahmenbedingungen gebenchmarkt werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der Europäischen Union beziehungsweise überregionaler Wirtschaftzusammenschlüsse gewinnt diese Art des Benchmarking eine neue Qualität. Beim Benchmarking von Rahmenbedingungen sollen politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen miteinander verglichen werden, so dass ganze Länder oder Regionen in der Lage sind, gegenseitig durch Benchmarking die eigene Leistungsfähigkeit zu bestimmen und voneinander zu lernen.
Zweitens können verschiedene Benchmarking-Partner für den Vergleich der genannten Objekte herangezogen werden. Hier ist zuerst zwischen internem und externem Benchmarking zu unterscheiden. Dabei stellt sich die Frage, ob es sich um unternehmensinterne, beispielsweise andere Abteilungen, oder unternehmensexterne Benchmarking-Partner handelt.
Zuletzt kann man nach den gewählten Benchmarking-Parametern unterscheiden. Handelt es sich um ein
Benchmarking, in dem die Leistungsfähigkeit eines Produkts oder Prozesses mit Hilfe von definierten Kennzahlen beschrieben und einem Vergleich zugänglich gemacht wird, so spricht man von einem quantitativen Benchmarking. Ein qualitativer Vergleich hingegen löst sich von der Betrachtung »harter« Kennzahlen. Beispielweise ein Vergleich der Unternehmenspolitik und Strategie erfolgt hauptsächlich über qualitative Aussagen. Beim Prozess-Benchmarking werden dagegen Prozessabläufe und -organisationen abgebildet und verglichen.
Unterscheidung nach dem Benchmarking-Objekt
Gegenstände eines Benchmarking-Projekts sind in der Regel Produkte, Prozesse oder Strategien – die übergeordnete Ebene der Unternehmensplanung. Die eingangs erwähnten Benchmarking-Objekte Sektoren und Rahmenbedingungen sollen hier aufgrund der Fokussierung auf Unternehmen nicht behandelt werden.
Produkt-Benchmarking
Der Vergleich von Produkten und technischen Lösungen im Rahmen eines Benchmarking wird meistens mit Hilfe des Reverse Product Engineering durchgeführt. Das eigene und das zu vergleichende Produkt werden dabei in ihre Einzelteile zerlegt und diese dann miteinander verglichen. Die Unterschiede werden bewertet, beispielsweise in Kosten ausgedrückt, und bilden einen möglichen Ausgangspunkt für technische Veränderungen am eigenen Produkt. Produkt-Benchmarking kann vor allem der Kostenreduktion dienen, wobei existierende Produkte einem Redesign unterzogen und identifizierte Verbesserungsmöglichkeiten bei der Entwicklung neuer Produkte realisiert werden [7].
Produkt-Benchmarking ist eine vergleichsweise einfache Methode, die beispielsweise gegenüber dem Prozess-Benchmarking den Vorteil hat, dass sie unabhängig vom Benchmarking-Partner durchgeführt werden kann. Probleme der Suche nach interessierten Partnerunternehmen und der Partnerauswahl spielen hier eine untergeordnete Rolle. Produkt-Benchmarking ist in seinem Anwendungsbereich allerdings stark eingeschränkt, in der Regel auf technische Produkte. Mögliche Lerneffekte beziehungsweise Verbesserungspotenziale sind weitestgehend auf das untersuchte Konkurrenzprodukt beschränkt. Übertragungen branchenfremder Produkte sind nur beschränkt möglich. Zudem führt die Übertragung von Ergebnissen eines Produkt-Benchmarking auf das eigene Produkt zu einer Angleichung der Produkte, selten jedoch zu einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.
Prozess-Benchmarking
Neben Produkten können auch Prozessschritte oder ganze Unternehmensprozesse verglichen werden. Ziel ist es, durch den Vergleich der eigenen Prozesse mit denen der Benchmarking-Partner innovative
Lösungen zur Gestaltung von Geschäftsprozessen zu finden [1].
Um Prozesse vergleichbar zu machen, werden diese mit geeigneten Tools nach einheitlichen Kriterien modelliert. Somit können Prozessabläufe verglichen und alternative Vorgehensweisen erkannt werden. Anhand geeigneter, relevanter Metriken werden die Prozesse quantifiziert und einer Bewertung zugänglich gemacht. Eine Analyse der Ursachen der bewerteten Unterschiede bringt einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn und fördert das Verständnis auch der eigenen Prozesse. Best Practices in Geschäftsprozessen können so identifiziert und bei Bedarf in eigene Prozesse integriert werden. Prozess-Benchmarking lässt sich daher wie folgt definieren.
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