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- Leseprobe -
Vom Leitbild zur gelebten Veränderung durch den Aufbau
eines Führungssystems
von Albert Hurtz, Jens
Schönrade, Edgar Vieth
Stichworte: Reorganisation, Phasen
der Leitbildentwicklung und -implementierung, Gestaltungselemente eines Leitbilds,
Partnerschaftliche
Unternehmenskultur, Aufbau
und Elemente eines Führungssystems, Führungsleitlinien, Arbeiten mit Zielvereinbarungen,
Kommunikationsspielregeln, Evaluation der Umsetzung, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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Welche Phasen für die Entwicklung
eines Leitbilds und dessen Überführung in konkretes
Arbeitshandeln durchlaufen werden müssen,
-
welche Gestaltungselemente ein
Leitbild konstituieren,
-
wie Mitarbeiter von Beginn an in den
Prozess eingebunden werden können,
-
wie der Aufbau eines Führungssystems
und seiner Elemente handlungsorientierend wirkt.
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Ein Kulturwandel im Unternehmen braucht Zeit und echte Begeisterung
bei allen Beteiligten. Deshalb sollten schon von Beginn an so viele
Mitarbeiter wie möglich in den Prozess der Leitbildentwicklung einbezogen
werden. Die Überführung der in dem Leitbild festgelegten Ziele, Werte
und Normen in den betrieblichen Alltag kann nur gelingen, wenn das
Management und die Führungskräfte durch das entsprechende Verhalten ihre
Überzeugungen vorleben. Ein partnerschaftlich verstandenes Führungssystem
auf der Basis von Zielvereinbarungen sichert ein prozessorientiertes
Vorgehen auf dem Weg zur innovativen Veränderung der Organisation. Das
vorliegende Praxisbeispiel, das den Weg der Leitbildentwicklung und
-implementierung des Textilmaschinenherstellers Barmag AG nachzeichnet,
zeigt auf anschauliche Weise, dass Veränderungen tatsächlich gelingen können.
Einleitung
Wie oft mag das schon passiert sein? Vorstand oder Geschäftsführung
sehen im Zuge sich verändernder Marktbedingungen die erfolgreiche Zukunft
des Unternehmens in Gefahr, denn die bisher gelebten und tradierten Werte,
Normen oder Verhaltensweisen stehen dem notwendigen Wandel kontraproduktiv
entgegen. Ein Leitbild muss her, das den veränderten Bedingungen und
Anforderungen des Marktes Rechnung trägt und von allen Beschäftigten mit
Kopf und Herz gelebt wird. Das Top-Management formuliert eine passende
Strategie und daraus ableitbare Leitideen und Leitsätze. Das entstandene
Leitbild wird hernach durch eine Werbe-Agentur in eine ansprechende Broschüre
überführt und an alle Mitarbeiter verteilt. Jetzt sind alle informiert
und jeder weiß, welche »Spielregeln« von nun an für die Zusammenarbeit
untereinander als auch mit den Kunden und Geschäftspartnern verbindlich
gelten.
Und was passiert? Gar nichts! Die Broschüren verschwinden - einmal
gelesen - in den Schubladen, und die Mitarbeiter ärgern sich über die
Geldverschwendung und darüber, dass sie als Betroffene nicht einmal
gefragt worden sind. Zugegeben: Diese zur Karikatur überspitzte, naive
und unprofessionelle Vorgehensweise bei der Konzeption, Umsetzung und
Kommunikation einer so tiefgreifenden »Kulturveränderung« im
Unternehmen wie durch die Formulierung und Implementierung eines
Leitbildes wird, so beschrieben, wohl kaum in der Realität anzutreffen
sein. Und doch sind die gescheiterten Versuche eines internen Wertewandels
- immer mit den besten Absichten - mittlerweile Legion.
Die Erfahrung
einer schmerzhaften Zäsur
Wie es anders gehen kann, zeigt die Barmag AG in Remscheid, ein
Hersteller von Textilmaschinen. Bis vor einigen Jahren war, wie in vielen
vergleichbaren Unternehmen, auch die Welt der Barmag noch in Ordnung. Seit
Jahrzehnten größter Arbeitgeber in Remscheid und Umgebung mit etwa 4000
Beschäftigten, konnten neu eingestellte Mitarbeiter damit rechnen, hier
auch in Rente zu gehen. Das Unternehmen wurde patriarchalisch geführt. Es
war Garant für Sicherheit und Wohlstand, ein »väterlicher« Vorstand
sorgte allein für das Wohl und Wehe des Unternehmens. Man war stolz auf
die Qualität der produzierten Maschinen. »Made in Germany« war hier
kein Schimpfwort, sondern Ausdruck technischer Höchstleistungen, Zuverlässigkeit
und Solidität. Ein jährlich abgehaltener »Tag der offenen Tür«
stellte den Kontakt zu der Bevölkerung des Standortes her und wurde wegen
des volkstümlichen Charakters gerne und in großer Anzahl besucht. Doch
eine Götterdämmerung stand bevor.
Nicht unbelastet durch den internationalen Wettbewerb mit Konkurrenten aus
Billiglohnländern und einem damit verbundenen verschärften Kostendruck
sowie schmerzhafter Auftragseinbrüche durch die Asien-Krise am Ende der
90er Jahre mit den typischen Konsequenzen wie Kurzarbeit und
Personalfreisetzungen, hatte sich die Situation auch bei dem Remscheider
Unternehmen dramatisch verschärft, und der Vorstand wurde aus seiner
Verantwortung entpflichtet. Nach Abwendung eines drohenden Konkurses durch
eine schmerzhafte Sanierung und einer ersten großen Welle von
Entlassungen konnte ein erfolgreicher Turn-Around eingeleitet werden.
Viel Porzellan ist zerschlagen worden, und es galt für alle Beschäftigten,
Abschied zu nehmen von liebgewordenen Arbeitsformen, Gewohnheiten im
Umgang miteinander und vor allem der bisher vertrauensvollen und
hoffungsvollen Zukunftsperpektive für alle Arbeitsplätze. Jeder
Mitarbeiter kannte mindestens einen Kollegen persönlich, der dem ökonomisch
notwendig gewordenen Kahlschlag zum Opfer fiel. Die Folge dieser
dramatischen Ereignisse führten bei Führungskräften wie Mitarbeitern zu
einer großen Verunsicherung in Bezug auf den eigenen Arbeitsplatz, einem
Vertrauensverlust in das Management und zu einer Desorientierung bezüglich
der Werte, Normen und Regeln der zukünftigen Zusammenarbeit.
Die
Notwendigkeit einer neuen Unternehmenskultur
Eines war sicher: Die bisher existierende Form der Arbeitsorganisation
klassischer Provenienz mit vielen Schnittstellen und Hierarchieebenen,
geringer Mitsprache- und Mitwirkungsmöglichkeit der Mitarbeiter,
langsamer Umsetzungsgeschwindigkeit von Entscheidungen und starrer
Arbeitsstrukturen war obsolet geworden. Es gehört zum psychologischen
Erfahrungswissen, dass man Menschen nicht auf der einen Seite etwas nehmen
kann, ohne auf der anderen Seite etwas Neues zu geben. Wenn schon die
Fundamente der bisherigen Zusammenarbeit nicht mehr tragfähig waren, so
mussten an diese Stelle neue Formen des Umgangs miteinander und der
Arbeitsorganisation, neue Ziele, Werte und Normen treten. Um einen
Neuanfang zu initiieren, eigenverantwortliches und selbstständiges
Arbeiten der Mitglieder in den neu zusammengesetzten Teams und
Arbeitsgruppen zu fördern und vor allem Vertrauen bei den Beschäftigten
in die zukünftige Entwicklung des Unternehmens wieder aufzubauen, hatte
sich das neu zusammengesetzte Management dazu entschieden, neben den
begonnenen Maßnahmen zur Reorganisation und Umstellung auf
teamorientierte Arbeitsformen eine den verschärften Marktbedingungen
entsprechende Veränderungsbereitschaft im Denken und Handeln aller
Mitarbeiter und Führungskräfte auf der Basis eines neu formulierten
Unternehmensleitbildes herzustellen.
Kann ein Leitbild
orientieren?
Unternehmen verändern sich, um den Erfordernissen des Marktes zu
entsprechen. Eine neue, strategische Ausrichtung des Unternehmens, eine
innovative Umstrukturierung der Arbeitsorganisation oder die Einführung
moderner Formen der Arbeitsorganisation erfordern ein Mit- und Umdenken
aller Betroffenen. Nachdem eine Strategie und daraus abgeleitete Ziele von
Managementseite für das Unternehmen entwickelt und formuliert worden
sind, besteht die Aufgabe darin, die notwendig gewordenen Maßnahmen zur
Veränderung einheitlich zu vermitteln. Ein Unternehmensleitbild soll
hierbei allen Mitarbeitern die erforderliche Orientierung geben, um
gemeinsam den Weg für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens zu
gehen. Ein Unternehmensleitbild stellt somit eine Art »Verfassung« für
die Mitglieder einer Organisation dar. Die hierin formulierten Regeln und
Modalitäten der Zusammenarbeit untereinander wie mit den Geschäftspartnern
sind verbindend und verbindlich.
Aber erst, wenn die schriftlich fixierten Werte, Ziele und Orientierungen
von möglichst allen Mitarbeitern konsistent gelebt und im Arbeitsalltag
praktiziert werden, also das kommunizierte Schriftwerk handlungsleitend überführt
wird, ist eine solche Orientierungsfunktion gegeben. Als Soll-Vorstellung
übernimmt das Unternehmensleitbild gerade in dezentral organisierten
Unternehmen - und die Barmag bewegte sich in diese Richtung - ein
wichtiges Gegengewicht zu zentrifugalen Kräften.
Die Führungskräfte des Leitbild-Projektteams waren sich über die
Bedeutung des zu konzipierenden Leitbildes als verbindende und
verbindliche, sinnstiftende Handlungsorientierung für alle Beschäftigten
im Unternehmen sehr wohl bewusst. Demzufolge wurde äußerst konzentriert
und ernsthaft und mit großem Engagement zusammen mit den Beratern an der
Entwicklung des Leitbildes gearbeitet. Die Vorgehensweise bei der
Erstellung und Implementierung hat sich im Nachhinein als langwierig und
aufwändig, aber schlussendlich als erfolgreich erwiesen. Daher soll der
Weg vom ersten Workshop bis zur Präsentation der Broschüre durch
Mitglieder des Vorstands vor allen Mitarbeitern der Barmag einmal genauer
nachgezeichnet werden. Dieser Entwicklungsprozess dauerte ungefähr neun
Monate. Die darauf folgende Phase der Vermittlung, Einführung und
Umsetzung der aus dem Leitbild abzuleitenden Maßnahmen ist ein Prozess,
der im Prinzip niemals abgeschlossen ist.
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Tabelle
1: Die sieben Phasen der Leitbildentwicklung und -implementierung
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Initialphase
-
Organisationsphase
-
Grobkonzeptphase
-
Feinkonzeptphase
-
Realisationsphase
-
Implementierungsphase
-
Evaluationsphase
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Initialphase -
Auftrag und Vorüberlegungen
Nach der notwendig gewordenen Umstrukturierung innerhalb der Barmag hat
der Vorstand die Entwicklung eines Unternehmensleitbildes in Auftrag
gegeben. Von Unternehmensseite mussten die notwendigen finanziellen,
personellen und zeitlichen Ressourcen definiert und zur Verfügung
gestellt werden. Von Beraterseite wurden die Vorgehensweise, Meilensteine
der Entwicklung, Auswahl von Methoden zur Workshopgestaltung und die
Zusammenstellung eines eigenen Projektteams, bestehend aus Moderator,
Mediengestalter und Texter, bestimmt.
Organisationsphase - Projektteamgründung
und Zusammensetzung
Der zentrale Gedanke bei der Erstellung des Unternehmensleitbildes
bestand darin, so viele Mitarbeiter wie möglich in den
Entwicklungsprozess einzubinden, um eine möglichst hohe Authentizität
und Kongruenz zwischen den Zielen des Unternehmens und den Bedürfnissen
der Mitarbeiter herzustellen und so die Identifikation mit den Inhalten
des Leitbildes zu ermöglichen. Dies wurde gewährleistet durch die Gründung
eines »Leitbild«(Projekt)-Teams. Die etwa 20 Mitglieder - bestehend aus
Führungskräften und Gruppenmitgliedern - gehörten unterschiedlichen
Ebenen und Bereichen des Unternehmens an, die sich etwa einmal im Monat
trafen. Durch diese Zusammensetzung, die einen Längsschnitt- und
Querschnitt der Mitarbeiter des Unternehmens repräsentierte, wurde
sichergestellt, dass möglichst viele Perspektiven berücksichtigt wurden.
Das Projektteam hatte die Aufgabe, die Elemente, Ziele, Zielgruppen sowie
Formen der Zusammenarbeit und Vorgehensweise der Einführung des
Leitbildes in Rohentwürfen zu erarbeiten, zu definieren, zu formulieren
und deren Umsetzung später zu betreuen. In den ganztägigen Workshops
wurden beispielsweise Konzepte, Ideen und Vorgehensweisen der
Leitbilderstellung und Leitbildvermittlung erarbeitet oder Feedback der
den einzelnen Leitbildteam-Mitgliedern zugeordneten Mitarbeiter
weitergegeben, gesammelt und diskutiert. Die Mitglieder des Leitbild-Teams
sollten als jeweilige Führungskraft ihres Bereiches die Mitarbeiter stets
über den Stand der Entwicklung in Form von Foliensätzen und
Anschauungsmaterial informieren und während der gesamten Dauer der
Leitbildentwicklung als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Sie
fungierten als Multiplikatoren und Kommunikatoren des
Entstehungsprozesses.
Das Team wurde von einem erfahrenen externen Berater bei den Workshops
moderiert und begleitet. Er beriet und unterstützte die Mitglieder des
Teams sowohl bei der Erarbeitung der Inhalte als auch bei der Umsetzung
der aus dem Leitbild ableitbaren Maßnahmen.
Die Grobkonzeptphase - Rohentwurf,
Gliederung und Aufbereitung der Information
In den regelmäßig stattfindenden Workshops wurden die Bausteine des
Leitbildes erarbeitet. Elemente der Workshops waren Plenumsarbeit,
Kleingruppenarbeit, Methoden zur Ideenfindung und Kreativitätstechniken,
»Hausaufgaben« und so weiter. Konstituierende Fragen waren
beispielsweise:
-
»Was stellen wir uns unter einem Leitbild vor?«
-
»Was sind die Voraussetzungen für ein Leitbild?«
-
Wofür brauchen wir ein Leitbild?«
-
»Was sind die Elemente des Leitbildes?«
In mehreren Brainstormings wurden Ideen für die Ausgestaltung des
Leitbildes gesammelt. Ziel war die Entwicklung eines Rohentwurfs zu den
grundlegenden Elementen des Leitbildes wie Ziele, Zielgruppen,
Leitbildsymbol, Leitspruch, Bildmotive, Textmenge, Stil und weitere
Gestaltungselemente.
Die Protokolle, Skizzen und Rohentwürfe wurden den Beratern nach
Abschluss der Konzeptionsphase übergeben, um hieraus einen ersten Entwurf
in Layout, Bild und Text zu entwickeln. Das Management des Unternehmens
hatte sich diesmal entschieden, die Leitbild-Broschüre von Profis
entwickeln und gestalten zu lassen, da man den heutigen Sehgewohnheiten
der Menschen und den hohen ästhetischen Standards von öffentlichen
Printmedien Rechnung tragen wollte. Aber auch die Wichtigkeit und
Dauerhaftigkeit des neuen Leitbildes sollte mit einer adäquaten,
entsprechend aufwändigen Gestaltung unterstrichen werden. (Die
Unternehmensleitlinien aus früheren Tagen bestanden aus vier
zusammengeklammerten, schwarz/weiss kopierten DIN-A4-Seiten mittlerer
Qualität mit einem vierblättrigen Kleeblatt auf dem Deckblatt, auf dem
die vier Unternehmenswerte eingezeichnet waren.) Die Gedanken und Inhalte
des Leitbildes lagen zunächst noch in unaufbereiteter Form vor: in
Protokollen, handschriftlichen Aufzeichnungen oder immateriell, das heißt
in den Köpfen der Projektteam-Mitarbeiter.

Abb. 1: Das unstrukturierte Ausgangsmaterial als
Rohstoff für die spätere Leitbild-Broschüre
Die in verschiedener Form vorliegenden Aufzeichnungen wurden gesammelt,
analysiert und strukturiert. Eine sinnvolle Gliederung und entsprechende
Gewichtung der Bausteine sollte das Verstehen der Inhalte erleichtern.
Ziel der externen, also von Beraterseite durchgeführten Grobkonzeptphase,
war der erste Entwurf der Leitbild-Broschüre in Text, Gestaltung und
Leitbild-Symbol.
-
Inhalt: Der Inhalt wurde weitgehend aus den Protokollen der
Leitbild-Workshops sowie aus den Mitarbeiter-Feedbacks
weiterentwickelt. Daraus ergab sich die entsprechende Gliederung, die
den Inhalt strukturierte. Die Textmenge sollte sich auf ein »so viel
wie nötig und so wenig wie möglich« beschränken. Dadurch wird der
Leser ermutigt, die wesentlichen Aspekte des Leitbildes zu lesen und
zu verstehen. Es sollten keine »Bleiwüsten« zu befürchten sein.
-
Sprache: Alle Aussagen sollten klar, knapp und verständlich
formuliert sein. Verwendet wurden meist kurze Hauptsätze, die man
leicht verstehen und wiedererinnern kann. Auf Fremdwörter wurde
verzichtet. Was gesagt wird, wird auf deutsch gesagt. Nichts braucht
»zwischen den Zeilen gelesen« zu werden. So werden die meisten
Mitarbeiter erreicht.
-
Stil: Ein selbstbewusster Sprachstil unterstreicht die Stärken
des Unternehmens, und ein forcierter Ton fordert auf, aktiv am Wandel
mitzuarbeiten. Für die Formulierung der Ziele wurde auf feststehende,
geschlossene und damit statische Begriffe verzichtet. Diese regen zu
keinerlei Aktivität an. Statt dessen wurden Vorgänge dynamisch
formuliert, die zu Handlungen auffordern:
-
nicht »Qualität«, sondern »Kunden überzeugen«,
-
nicht »Innovationen«, sondern »Neues entwickeln«,
-
nicht »Personalentwicklung«, sondern »Mitarbeiter begeistern«,
-
nicht »Umweltschutz«, sondern »Verantwortung übernehmen«.
-
Es verankert die Inhalte in anschaulicher und prägnanter Form in
den Köpfen der Mitarbeiter.
-
Es transportiert die Elemente des Leitbildes ohne Worte.
-
Es erinnert stets an die Gedanken des Leitbildes durch bloße
Anwesenheit (Stellvertreterfunktion).
-
Es verbindet und identifiziert durch Wiedererkennung.
Gerade das Leitbild-Symbol wurde auf allen Ebenen kontrovers
diskutiert, da sich dessen Logik erst nach eingehender Erklärung und
Argumentation den Mitarbeitern erschloss. Dann aber wurde es größtenteils
akzeptiert.
Ein Leit-Spruch als gemeinsamer Nenner verdichtet die Gedanken und
Inhalte des Leitbildes. Er ist ein Kriterium, auf das man sich zur
Beurteilung der Veränderung beziehen kann. Er gilt für alle und wirkt
daher verbindend und verbindlich. Ein Leit-Spruch wird durch seine Prägnanz
leicht erinnert und stellt so die Verbindung zu den Gedanken des
Leitbildes her.
Nach intensiver Prüfung der zur Diskussion stehenden Vorschläge haben
sich die Mitarbeiter des Unternehmens für einen Leit-Spruch entschieden:
»Barmag. Hier bin ich richtig.« Folgende Gründe gaben den Ausschlag:
Sowohl die Mitarbeiter wie die Geschäftspartner fühlen sich
angesprochen; das »ich« stellt sofort einen persönlichen Bezug her; hat
einen »warmen« Unterton mit Wohlfühl-Charakter; ist umfassend und
bezieht sich nicht nur auf die Leistung; wurde von den allermeisten
Mitarbeitern als die treffendste Formulierung für die zukünftige
Organisationskultur ausgewählt.
Entwicklung eines durchgehenden Bildmotivs: »Ein Bild sagt mehr als
1000 Worte.« Eine passende, durchgängige Motivreihe (hier: Fotos mit »Händen«
in unterschiedlichen Varianten) sollte die Inhalte des Leitbildes in
visualisierter Form vereinheitlichen. Dadurch erhalten die
unterschiedlichen Aspekte des Leitbildes einen »roten Faden« und werden
als sinnvolles Ganzes erlebt.
Feinkonzeptphase -
Feedback/Angleichung/Detailverbesserung
Eine Einbindung möglichst vieler Mitarbeiter über Feedback- und
Korrekturschleifen verfolgte das Ziel, eine breite Akzeptanz zu erreichen.
Durch Check-Listen und Fragebögen konnten vorhandene, kontrovers
diskutierte Formulierungen entschärft oder etwaige Irritationen bei der
visuellen Gestaltung geklärt und ausgeräumt werden. Durch die
Beteiligung der Mitarbeiter schon im Entstehungsprozess wurden zudem große
Aufmerksamkeit und Interesse an dem Thema »Leitbild« geweckt.
Nach jedem Entwicklungsfortschritt bei der Ausformulierung und Komposition
der Gestaltungselemente war es die Aufgabe der Führungskräfte aus dem
Projektteam, die Mitarbeiter der jeweiligen Bereiche mittels Foliensätzen,
der Verteilung von Feedback-Bögen und einer offiziellen, persönlichen
Erklärung zeitnah zu informieren. Die Mitarbeiter erhielten von den Führungskräften
»hand-outs« der ausformulierten Texte und der Logo-Entwürfe. Deren
Feedback als Kritik, Bestätigung, Verbesserungsvorschläge, Ergänzungen,
Anpassungen und so weiter wurde jeweils für die nächste
Leitbild-Teamsitzung in einen neuen Vorschlag des Leitbildes
eingearbeitet. Die von den Beratern mitgebrachten Präsentationsmaterialien
verblieben dabei im Hause und wurden in einem eigens eingerichteten »show-room«
ausgestellt und für jeden zugänglich gemacht.
Umsetzungsphase - Realisierung der
Endergebnisse
Nach einer letzten Präsentation aller konstituierenden Elemente der
Leitbild-Broschüre vor dem gesamten Vorstand der Barmag und der Freigabe
des Endergebnisses wurde das Leitbild in Form einer 24seitigen DIN
A4-Broschüre in einer deutschen und einer englischen Version (für den
internationalen Markt) gedruckt oder Teile davon auf verschiedenen Medien
veröffentlicht:
-
als Broschüre in gedruckter Form zur Verteilung an alle Beschäftigten
und Geschäftspartner des Unternehmens (Kunden, Lieferanten, Aktionäre,
Banken, etc.),
-
im Internet zur weltweiten Veröffentlichung als sichtbares Zeichen
einer ernst gemeinten Unternehmenskultur,
-
als Videofilm zur gezielten Information in ansprechender und
animierter Darbietung in der Eingangslounge der Barmag,
-
in beeindruckender und überdimensionierter Form auf Plakaten,
Werbeplanen, als Beamerpräsentation für Messen und Ausstellungen als
Marketing- und Informationsinstrument.
Zu guter Letzt wurde das Leitbild auf dem jährlich stattfindenden
Neujahrsempfang des Unternehmens in seinen Elementen vor allen
Mitarbeitern von Vertretern des Vorstands und den Mitgliedern des
Leitbild-Projektteams feierlich präsentiert. Eine Vorabinformation des
Vorstands und ein Button mit Leitbild-Symbol, Leit-Spruch und Firmen-Logo
am Anzugrevers der Projektteam-Mitglieder signalisierte den mehr als 1000
Mitarbeitern, die gekommen waren, dass hier Ansprechpartner für alle
Fragen der Mitarbeiter bezüglich des Leitbildes zur Verfügung standen.
Implementierungsphase - Die Einführung
und Umsetzung des Leitbildes
Um die Stärken des Unternehmens weiterzuentwickeln und die Leitidee »Barmag.
Hier bin ich richtig!« mit Leben zu füllen, konzentrierten sich die
Aktivitäten auf die Verfolgung von vier Zielen. Die Ziele des Leitbildes
in einem kurzen Überblick waren:
-
Kunden überzeugen ... mit Top-Qualität und Weltklasse-Service.
Dieses
Ziel betont den Aspekt einer umfassenden Dienstleistung am und für
den Kunden und ist dann erreicht, wenn alle Kunden das Unternehmen als
Garant für Qualität, Zuverlässigkeit und Service bewerten.
-
Neues entwickeln ... mit Neugier und Leidenschaft. Dieses
Ziel steht für die Entwicklung technischer Neuerungen,
kontinuierlicher Verbesserung der Arbeitsabläufe und innovativer
Dienstleistungen und ist dann erreicht, wenn auch die klügsten und
kreativsten Köpfe des Unternehmens das Gefühl haben, am richtigen
Platz zu sein.
-
Mitarbeiter begeistern ... durch einen fairen Umgang und
Entwicklungsmöglichkeiten. Dieses Ziel beschreibt den
partnerschaftlichen und verantwortungsvollen Umgang aller Beschäftigten
miteinander und das konsequente Fördern persönlicher Stärken und
Qualifizierungen. Das Ziel ist dann erreicht, wenn sich auch die
Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Auffassungen mit
dem Unternehmen identifizieren können.
-
Verantwortung übernehmen ... in Partnerschaft und Umweltschutz.
Dieses Ziel meint Verlässlichkeit und die Übernahme von
Verantwortung für die Kunden, Lieferanten, Aktionäre oder Umwelt und
ist dann erreicht, wenn auch die größten Skeptiker überzeugt sind.

Abb. 2: Die offizielle Präsentation des Leitbilds
Durch die Beteiligung vieler Mitarbeiter bei der Erstellung und
Ausformulierung des Leitbildes schon von Beginn an konnte vorausgesetzt
werden, dass die zu erreichenden Ziele fast jedem bekannt waren. Jetzt
mussten die für die Umsetzung erforderlichen Rahmenbedingungen und
Entscheidungsspielräume durch den Aufbau geeigneter
Unternehmensstrukturen geschaffen werden. Dieser Veränderungsprozess war
in seinen wesentlichen Elementen lange vor der Leitbildentwicklung
begonnen worden. So wurde Jahre zuvor schon Gruppenarbeit im gewerblichen
Bereich eingeführt. Später wurde in Profit-Centern und
Cost-Center-Strukturen gearbeitet. Im Anschluss daran wurde begonnen, mit
Zielvereinbarungen zu arbeiten. Um die Voraussetzungen für die Verfolgung
der anspruchsvollen Ziele aus dem Leitbild auf ein tragendes Fundament zu
stellen, wurde ein Führungssystem aufgebaut, das die wichtigen Elemente
einer partnerschaftlichen Unternehmenskultur berücksichtigte. Der Einsatz
und die Anwendung von Instrumenten zur Umsetzung des Leitbildes übersetzten
das Konzept mit konkreten Maßnahmen und Aktivitäten in die betriebliche
Wirklichkeit.
Auf der Basis einer gemeinsam erarbeiteten und getragenen Kultur des
Vertrauens und dem Willen zu einem partnerschaftlichen Miteinander im
Unternehmen wurden die einheitlichen und verbindlichen Werte, Ziele und
Normen in dem Leitbild als Manifestation dieser Überzeugungen
festgehalten. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern und damit die Leistungsfähigkeit
des Leitbildes steht und fällt in erster Linie mit der Widerspiegelung in
strategische Überlegungen des Managements und dem authentischen Vorleben
der Werte durch die Führungskräfte im konkreten Arbeitsalltag sowie dem
Grad des Informiertseins und der Kommunikation aller Beteiligten. Für die
Führungskräfte des Unternehmens war es evident, dass Veränderungsprozesse
im Denken und Handeln vor allem vorgelebt werden mussten, um
unternehmensweit greifen zu können.

Abb. 3: Die Bestandteile eines Führungssystems bei
der Barmag
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