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- Leseprobe -
Balancierte Führung als Erfolgsfaktor bei Verfahrensinnovationen
von Diana E. Krause
Die Qualität der Führung ist ein maßgeblicher Erfolgsprädiktor bei der Regulierung der Ereignisse im Innovationsprozess. Vertrauensstrategien sowie Macht- und Einflussstrategien haben sich dabei als innovationsförderlich herausgestellt.
Wenn es gelingt, auf der einen Seite die Vorteile der Vertrauensstrategie zu nutzen, und auf der anderen Seite die Vorteile der Führung durch Macht und Einfluss, können die beiden Strategien in Balance bleiben und die Gefahr der isolierten Anwendung einer einzelnen Strategie entfällt. Alle Ergebnisse dieses Beitrages basieren auf einer umfangreichen Untersuchung in der Führungspraxis: Führungskräfte verschiedener Branchen wurden darüber befragt, wie sie von ihren Vorgesetzten während einer konkreten Verfahrensinnovation geführt wurden.
Stichworte: Führung durch Vertrauens- und Macht-Einflussstrategien; Balance als Erfolgsfaktor; Ideengenerierung; Ideenimplementierung; Arten von Verfahrensinnovationen; Innovationsgrad; Unsicherheit;
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
|
- Welche
Voraussetzungen für die Ideengenerierung/-prüfung und die
Ideenimplementierung erfüllt sein müssen,
- welches Führungsverhalten hilfreich ist, um die Implementierung
einer Verfahrensinnovation zu sichern,
- welche Vor- und Nachteile mit verschiedenen
Führungsverhaltensweisen in Innovationsprozessen verbunden sind
und
- welche innovationsförderlichen Führungsstrategien zum
Vertrauensaufbau und welche zur Einflussnahme geeignet sind.
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Innovationen in Unternehmen
In den letzten zwanzig Jahren erfuhr die Weltwirtschaft
einen schnellen und bedeutenden Wandel. Sowohl die Deregulierung des
Waren- und Kapitalverkehrs als auch Fortschritte in den Informations- und
Kommunikationstechnologien ermöglichten eine zunehmende Verflechtung der
Teilnehmer der Weltwirtschaft [20]. Der mit dieser vielbeschworenen
Globalisierung verbundene verschärfte Wettbewerb mit dem Ausland zwingt
deutsche Unternehmen, ihre bisherigen Strategien und Strukturen zu
überdenken und den neuen Bedingungen anzupassen [2]. Zur
Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit sind Innovationen
unumgänglich geworden [24].
Innovationen sind ein Katalysator für eine positive
wirtschaftliche Entwicklung, denn sie beleben den Wirtschaftsablauf und
verleihen ihm zusätzliche Dynamik. Der Begriff Innovation stammt von dem
lateinischen Begriff »innovatio« ab, der sowohl Erneuerung als auch
Veränderung bedeutet. Diese Doppelbedeutung verweist bereits auf das
Spannungsfeld, das mit dem Hervorbringen von Neuerungen verbunden ist. Als
erster hat wohl Joseph Schumpeter [21] auf die Bedeutung von Innovationen
für die wirtschaftliche Entwicklung hingewiesen, der die »Durchsetzung
neuer Kombinationen« als wesentlichste Aufgabe schöpferischer,
unternehmerischer Aktivität ansieht.
Heute wird der Innovationsbegriff sowohl für das Substrat
beziehungsweise Ergebnis einer Neuerung als auch für den Neuerungsprozess
selbst gebraucht. In Unternehmen werden je nach dem Substrat der
Innovation drei Innovationsarten unterschieden:
-
Produktinnovationen,
-
Verfahrensinnovationen und
-
Sozialinnovationen.
Bei einer Produktinnovation liegt eine Erneuerung des
Sachziels einer Organisation vor, indem Art, Menge und/oder Zeitpunkt der
am Markt abzusetzenden Produkte verändert werden [4]. Beispiele für
Produktinnovationen sind die Entwicklung eines neuen Medikamentes nach
gesundheitsrechtlichen Bestimmungen in der Pharmabranche oder die
Entwicklung eines neuen Armaturenbretts nach softwareergonomischen
Gesichtspunkten in der Automobilbranche. Von einer Verfahrensinnovation
wird dann gesprochen, wenn der Prozess der Leistungserstellung erneuert
wird. Unter Sozialinnovationen werden Veränderungen im organisatorischen
beziehungsweise personalen Bereich von sozio-technischen Systemen [18]
verstanden, die sich auf einzelne Mitarbeiter oder deren Beziehungen
beziehen. Das primäre Ziel einer Produktinnovation besteht in der
Steigerung der Effizienz, während das primäre Ziel einer
Verfahrensinnovation in der Steigerung der organisationalen Effektivität
besteht.
Wenn man die Durchsetzung neuer Kombinationen als das
Wesensmerkmal von Innovationen begreift, lassen sich Produkt- und
Verfahrensinnovationen klar voneinander abgrenzen. Während
Produktinnovationen in einem bestimmten Markt durchzusetzen sind, müssen
Verfahrensinnovationen in der Regel »nur« intraorganisational umgesetzt
werden. In der Praxis dürfte eine strikte Trennung von Produkt- und
Verfahrensinnovationen jedoch schwer fallen, denn die Einführung neuer
Produkte kann die Einführung neuer Verfahren und umgekehrt
bedingen. Produkt- und Verfahrensinnovationen sind im industriellen
Bereich interdependent miteinander verknüpft [20] und im
Dienstleistungsbereich identisch [12]. Außerdem kann die Umsetzung neuer
Verfahren Änderungen im Humanbereich erfordern und deshalb
Sozialinnovationen auslösen; umgekehrt können Sozialinnovationen, wie
zum Beispiel durch den Wertewandel bedingte Veränderungen im
intraorganisationalen Werte- und Normensystem, Verfahrens- oder
Produktinnovationen auslösen. Die Innovationsarten beeinflussen sich
demnach wechselseitig [17].
In diesem Beitrag werden Verfahrensinnovationen als
Teilprozesse des organisationalen Wandels fokussiert, da hier Konflikte
häufiger auftreten und deshalb das Führungshandeln bedeutsamer ist als
bei Produktinnovationen. Verfahrensinnovationen haben gegenüber
Produktinnovationen einen stärker politischen Charakter, denn die
Betroffenheit und Anzahl der Beteiligten ist bei Verfahrensinnovationen
wesentlich unmittelbarer und größer als bei Produktinnovationen.
Verfahrensinnovationen in bestimmten Teilbereichen des Unternehmens werden
primär von hierarchisch übergeordneten Stellen initiiert und
beeinflussen die Arbeitsabläufe der »untergeordneten« Stellen
unmittelbar. Schließlich ist das Ergebnis einer Verfahrensinnovation noch
schwieriger zu beurteilen als das einer Produktinnovation.
Verfahrensinnovationen können nun mehr oder weniger stark
von bisherigen Prozessen abweichen. Für die Konkretisierung dessen, was
das Prädikat »innovativ« rechtfertigt, ist eine Aussage über den
graduellen Unterschied gegenüber dem bisherigen Zustand [12] notwendig.
Dieser Sachverhalt der Intensität einer Innovation wird häufig unter den
Begriffen »Innovationsgrad«, »Neuigkeitsgrad«, »Innovationsgehalt«
oder »Innovationsabstand« diskutiert. Gemeint ist der innovative Gehalt
von Problemlösungen, der mit der Stärke der qualitativen Unterschiede
der Problemlösungen gegenüber den vorangegangenen Problemlösungen
steigt. Häufig wird der Innovationsgrad dichotomisiert und nur
oberflächlich zwischen Major- und Minorinnovationen differenziert. Mit
Majorinnovationen (Basisinnovationen) werden besonders radikale
Abweichungen von bisher Bekanntem bezeichnet, welche in der Praxis jedoch
nur selten vorkommen.
Die Beurteilung der Abweichung eines Objektes gegenüber
dem Status Quo ist immer gebunden an das Subjekt, das diese Beurteilung
vornimmt. Dieser Aspekt der Subjektivität einer Innovation bedingt, dass
verschiedene Personen (z.B. Experte, Führungskraft, Konkurrent oder
Anwender) den Innovationsgrad ein und derselben Problemlösung höchst
unterschiedlich bewerten. Bei der Einschätzung des Innovationsgrades
bleibt deshalb stets die Frage zu klären, für wen die Innovation eine
neue Problemlösung darstellt [12].
Folgt man der Sichtweise der subjektgebundenen Beurteilung
einer Innovation, hat dies den Vorteil, dass auch die Übernahme von
Bekanntem durch Imitatoren oder Adopter als Innovation bezeichnet wird. In
der Innovationsforschung hat es sich deshalb weitgehend durchgesetzt, den
organisationsspezifischen Novitätsaspekt zu favorisieren [5].
Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass ein imitierendes oder
adoptierendes Unternehmen prinzipiell dieselben Phasen des
Innovationsprozesses bewältigen muss wie bei der Neuentwicklung einer
Problemlösung. Auch wenn die Problemlösung bereits von einer anderen
Unternehmung auf dem Markt angeboten wird, stehen dem imitierenden
Unternehmen nur unzureichend Wissen und Erfahrung zur Handhabung des
Innovationsproblems zur Verfügung, weshalb Durchsetzungs- und
Implementierungsprobleme auftreten.
Der Innovationsprozess
Um Innovationen in ihrem Ablauf transparenter zu machen,
wurden verschiedene Phasenmodelle entwickelt, auf deren Grundlage in der
Regel Anregungen zur personellen und/oder organisatorischen
Prozessgestaltung gegeben werden. So existieren inzwischen mehr als 100
verschiedene Phasenmodelle des Innovationsprozesses [22], die hier jedoch
weder enzyklopädisch aufgelistet werden sollen, noch soll ihnen ein
weiteres hinzugefügt werden. Grundlage dieser Entscheidung ist die
Annahme, dass derartige Phasenkonzeptionen stets eine Reduktion der
Komplexität des Innovationsprozesses darstellen, da sie sich nicht auf
den realen Problem- und Entscheidungsverlauf in Organisationen beziehen.
Zur Erleichterung der praxisorientierten Diskussion über
führungsbezogene Maßnahmen zur Förderung von Innovationsprozessen
erscheint es günstiger, die Analyse des substantiellen Geschehens im
Innovationsprozess auf zwei Komponenten zu fokussieren: die
Ideengenerierung/-prüfung und die Ideenimplementierung, die schließlich
für den Erfolg beziehungsweise Misserfolg einer Innovation maßgeblich
sein dürften. Diese Zweiteilung des Innovationsprozesses kann einen
Beitrag zu einem systematischen Innovationsmanagement leisten, weshalb sie
von zahlreichen Autoren unterstützt wird [23, 11, 7].
Ideengenerierung und -prüfung
Voraussetzung für den Prozess der Ideengenerierung ist, dass ein
Individuum eine Divergenz zwischen der Realität und seinen Erwartungen
wahrnimmt, wobei diese Differenz als Chance interpretiert werden und
ausreichend hoch sein muss, um einen Bewusstseinswandel zu bewirken. Die
Bewertung des Individuums, dass der alte Zustand zwar
veränderungsbedürftig ist, reicht allein für die Ideengenerierung nicht
aus. Hinzukommen muss die Überzeugung des Individuums, dass dieser
Zustand auch veränderungsfähig ist [8]. Außerdem ist die
Ideengenerierung an eine günstige motivationale und emotionale
Ausgangslage gebunden. Die Ideengenerierung umfasst dabei Prozesse der
Problemformulierung und Problemanalyse, der Ideenfindung und -entwicklung,
den resultierenden Ideenvorschlag, seine Bewertung und die Entscheidung,
ob eine Idee weiterverfolgt wird. Auf der Handlungsebene kann sich dieser
Prozess darin zeigen, dass jemand experimentierfreudig ist, das Problem
mit anderen diskutiert oder Zeit und Kraft investiert, um eine bessere
Variante herauszufinden. Der Initiator muss darüber hinaus bereit sein,
seine Idee einer entscheidungsbefugten Instanz beispielsweise seinem
Chef mitzuteilen, um die nötige Ressourcenfreigabe für das
Innovationsprojekt zu erhalten. Die Initiative kann formal geplant sein
oder ad hoc aus den täglichen Arbeitsprozessen entstehen, sie kann
reaktiv oder proaktiv sein und von Personen aller Hierarchieebenen
angeregt werden.
Ideenimplementierung
Schließlich werden aus den generierten Ideen einige ausgewählt und einer
entscheidungsbefugten Instanz präsentiert [27], von der sie in
technischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht auf ihre Effizienz hin
geprüft und beurteilt werden, um eine Entscheidung für oder gegen die
Durchsetzung der Innovation zu treffen. Zur Ideenimplementierung gehören
die Einführung des neuen Verfahrens und seine Nutzung durch die Abteilung
oder Projektgruppe [19]. Ziel ist es, die Neuerung möglichst vollständig
und reibungsfrei durchzusetzen und eine positive Entwicklung der
ökonomischen beziehungsweise sozialen Zustände zu bewirken [3]. Es
bietet sich somit eine Überprüfung an, ob die Innovation in gewünschtem
Maße akzeptiert wird, ob also die Betroffenen der Neuerung gegenüber
positiv eingestellt sind oder ob weitere Maßnahmen zur Anpassung an die
neuen Umstände durchgeführt werden müssen. Dies ist im Einzelfall vom
Ausmaß der Widerstände gegen die Innovation [11] abhängig.
Anpassungswiderstände können die Implementierung einer
Verfahrensinnovation erschweren und mit geringer Akzeptanz seitens der
Betroffenen einhergehen. Durch rechtzeitige, kontinuierliche und
authentische Partizipation der Betroffenen kann man versuchen, ihre
Widerstände zu reduzieren. Zudem können Willens- und
Fähigkeitsbarrieren der Betroffenen [26] die Implementierung der Neuerung
erschweren. Um diese überwinden zu helfen, kann der Einsatz geeigneter
Promotoren-Gespanne [14] hilfreich sein. Promotoren sind Personen, die
neben ihrer normalen Tätigkeit im Unternehmen große Mengen an Energie in
die aktive und intensive Förderung des Innovationsprozesses investieren
und sich mit dem Erfolg des Prozesses identifizieren.
Beide Problemlöseprozesse Ideengenerierung/-prüfung
und Ideenimplementierung können sich über den gesamten
Innovationsprozess erstrecken, wobei zwischen den einzelnen Aktivitäten
Interdependenzen bestehen. Hier wird demnach keine lineare Entwicklung des
Problemlösungsprozesses konstatiert, in denen nachgeschaltete
Aktivitäten von vorangegangen Aktivitäten abhängig sein sollen und beim
Übergang zur Ideenimplementierung die vorausgegangene Ideengenerierung
als abgeschlossen gilt. Vielmehr werden über den gesamten
Innovationsprozess hinweg immer wieder Informationen eingeholt, Ideen
generiert, Alternativen erarbeitet und bewertet, Entscheidungen getroffen,
Widerstände abgebaut, Vorschläge diskutiert und so weiter.
Empirische Studie zur Analyse führungsbezogener Erfolgsfaktoren bei Verfahrensinnovationen
Zur Erforschung führungsbezogener Erfolgsfaktoren bei
Verfahrensinnovationen wurde eine anonyme Fragebogenstudie an einer
Stichprobe von N = 163 Führungskräften des mittleren und höheren
Managements der deutschen Wirtschaft durchgeführt. Es galt
herauszufinden, welche Art und Weise der Führung bei der
unternehmensinternen Entwicklung und Implementierung von Neuerungen in den
Prozessen der Leistungserstellung förderlich beziehungsweise hinderlich
ist. Die Führungskräfte wurden gebeten, sich an einen konkreten
Innovationsfall in ihrem Unternehmen zu erinnern und anzugeben, wie sie
während dieses Prozesses von ihren Vorgesetzten geführt wurden.
Es wurden verschiedene Variablen erfasst, wie
beispielsweise die Innovationsbereitschaft und das Innovationsverhalten
der Führungskräfte (Ideengenerierung und -implementierung), die
Widerstände bei der Innovation, die Art des innovationsinhärenten
Konflikts, die Unsicherheit, der Innovationsgrad, der Innovationserfolg
und vieles andere mehr. Alle Variablen wurden mittels standardisierter
Skalen erfasst. Ein Pretest zeigte für alle Skalen gute Reliabilitäten
und Validitäten. In Tabelle 1 sind die Stichprobenmerkmale
zusammenfassend dargestellt. Es zeigt sich, dass die Stichprobe bezüglich
aller Merkmale deutlich heterogen ist.
|
Tabelle 1: Beschreibung der Stichprobe
|
|
Merkmal
|
Merkmalsausprägung
|
Anzahl in Prozent
|
|
Geschlecht
|
Männer
Frauen
|
87
13
|
|
Alter
|
zwischen 27 und 63 Jahren, durchschnittlich 36 Jahre
|
|
Tätigkeitsbereich
|
Marketing & Vertrieb
|
25
|
|
Personal & Organisation
|
24
|
|
Kaufmännische Verwaltung
|
21
|
|
Technischer Support
|
14
|
|
Produktion
|
10
|
|
Forschung & Entwicklung
|
6
|
|
Ausbildungsrichtung
|
Wirtschaftswissenschaftler
|
48
|
|
Techniker/Ingenieure
|
30
|
|
Naturwissenschaftler
|
11
|
|
Juristen
|
6
|
|
Geistes- und Sozialwissenschaftler
|
5
|
|
Position im Unternehmen
|
Vorstand/Geschäftsführer
|
17
|
|
Bereichsleiter
|
29
|
|
Hauptabteilungsleiter
|
14
|
|
Abteilungsleiter
|
16
|
|
Gruppenleiter
|
18
|
|
Spezialist
|
6
|
|
Funktion im Innovationsprojekt
|
Mitglied der Steuerungsgruppe/Lenkungsausschuss
|
39
|
|
Projektleiter
|
48
|
|
Projektleitungsassistenz
|
3
|
|
Projektgruppenmitglied
|
10
|
Tabelle 2 zeigt die Verteilung der befragten
Führungskräfte auf die Branchen und Größe der Organisationen. Im
Folgenden werden die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt. Auf die
jeweiligen Angaben der inferenzstatistischen Werte wird aus Gründen der
Verständlichkeit des Textes verzichtet.
|
Tabelle 2: Verteilung der Führungskräfte auf Branchen und Größe der Organisationen
|
|
Branchenzugehörigkeit des Unternehmens
|
Banken und Versicherungen
|
19
|
|
Telekommunikation, EDV
|
16
|
|
Baugewerbe
|
16
|
|
KFZ- und Maschinenbau
|
11
|
|
Ernährung
|
8
|
|
Medien
|
6
|
|
Chemie
|
5
|
|
Handel
|
5
|
|
Elektronik
|
3
|
|
Sonstiges
|
11
|
|
Organisationsgröße (Mitarbeiterzahl)
|
bis 100
|
21
|
|
bis 500
|
19
|
|
bis 1.000
|
11
|
|
bis 5.000
|
14
|
|
über 5.000
|
35
|
Unsicherheitsgrad und Innovationsgrad verschiedener Arten von
Verfahrensinnovationen
Da bisher keine Klassifikation vorliegt, welche die
Vielzahl der Verfahrensinnovationen durch geeignete Kategorien hinreichend
gut abzubilden vermag, wurde hier ein neues Kategoriensystem für
Verfahrensinnovationen entwickelt (siehe Tabelle 3). Dazu wurde eine
qualitative Analyse der Verfahrensinnovationen durchgeführt. Pro
Kategorie werden zunächst Beispiele für die untersuchten
Verfahrensinnovationen angegeben, die anschließend über den
Unsicherheitsgrad und den Innovationsgrad charakterisiert und miteinander
verglichen werden. Wie Tabelle 3 zeigt, sind im Wesentlichen fünf Arten
von Verfahrensinnovationen unterscheidbar: software- und netzbezogene
Verfahrensinnovationen, marketingbezogene, personalbezogene
Verfahrensinnovationen, controllingbezogene und produktionsbezogene
Verfahrensinnovationen.
|
Tabelle 3: Arten von Verfahrensinnovationen
|
|
Art der Verfahrensinnovation
|
Beispiel Einführung/Nutzung...
|
|
Software- und netzbezogene Verfahrensinnovationen
|
-
neue Software (z.B. SAP-R3, PPS,
Computersimulationssoftware, andere Projektplanungssoftware)
-
neue Netzdienste (z.B. E-Commerce, Intranet,
Internet, Multimedia-Anwendungen)
|
|
Marketingbezogene Verfahrensinnovationen
|
|
|
Personalbezogene Verfahrensinnovationen
|
-
neues Personalbeurteilungssystem und/oder Personalentwicklungssystem (z.B. 360 Grad-Feedback,
-
leistungsbezogenes Entgeltsystem, neue Trainings)
-
neues Zielvereinbarungssystem (z.B. Balanced Score Card, Management by
Objectives)
-
neue Arbeitszeitregelung (z.B. flexible Arbeitszeiten,
Home-Working)
-
neues Personalauswahlverfahren
|
|
Controllingbezogene Verfahrensinnovationen
|
-
neues Controllingsystem, neue Controllingkennzahlen, neue Finanz- und Budgetplanung, neue Projektcontrollingtools
|
|
Produktionsbezogene Verfahrensinnovationen
|
|
Verfahrensinnovationen lassen sich insbesondere anhand
ihres Unsicherheitsgrades also des innovationsimmanten Risikos und
ihres Innovationsgrades kennzeichnen. Der Unsicherheitsgrad der
Verfahrensinnovationsarten wurde kriterienspezifisch über den Erfolg, die
zeitliche Dauer, das Ausmaß des erforderlichen Wissenserwerbs und die
anfallenden Kosten beschrieben. Abbildung 1 zeigt, dass die fünf Arten
der Verfahrensinnovationen insgesamt in mittlerem Ausmaß risikobehaftet
sind. In Bezug auf den Erfolg wurden marketingbezogene
Verfahrensinnovationen am unsichersten eingeschätzt; während
produktionsorientierte Verfahrensinnovationen am unsichersten im Hinblick
auf ihre zeitliche Dauer beurteilt wurden. Bezogen auf den erforderlichen
Wissenserwerb wurden dagegen software- und netzbezogene
Verfahrensinnovationen am unsichersten eingeschätzt. Was die Kosten
anbelangt, so werden alle fünf Arten der Verfahrensinnovationen als
ähnlich unsicher eingestuft.

Abb. 1: Unsicherheitsgrad der Arten der Verfahrensinnovationen (anhand der Mittelwerte,
V. = Verfahrensinnovation)
Der Innovationsgrad wurde hier über den
Erstmaligkeitsgrad und Intensitätsgrad beschrieben. Durch die Kombination
des Erstmaligkeitsgrades mit dem Intensitätsgrad soll der Innovationsgrad
der Verfahrensinnovationen wie folgt bestimmt werden: Wenn sowohl der
Erstmaligkeits- als auch der Intensitätsgrad hoch ausgeprägt sind, dann
hat die Verfahrensinnovation einen hohen Innovationsgrad. Sind dagegen
beide Kriterien schwach ausgeprägt, ergibt sich ein niedriger
Innovationsgrad. Ein mittlerer Innovationsgrad liegt vor, wenn die
Verfahrensinnovation entweder einen hohen Erstmaligkeitsgrad aber einen
niedrigen Intensitätsgrad oder umgekehrt einen niedrigen
Erstmaligkeitsgrad aber hohen Intensitätsgrad aufweist. Insgesamt
betrachtet (s. Tabelle 4), weisen aus der Sicht der befragten
Führungskräfte demzufolge mehr als ein Drittel der
Verfahrensinnovationen (36 %) einen niedrigen und knapp ein Viertel der
Verfahrensinnovationen (20 %) einen hohen Innovationsgrad auf. Insgesamt
wird zirka der Hälfte der Verfahrensinnovationen (44 %) ein mittlerer
Innovationsgrad zuerkannt.
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Tabelle 4: Anzahl der untersuchten Verfahrensinnovationen mit hohem, mittlerem und niedrigem Innovationsgrad
|
|
Kombinationen
|
Intensitätsgrad niedrig a
|
Intensitätsgrad hoch
|
|
Erstmaligkeitsgrad niedrig b
|
niedriger Innovationsgrad 36 %
|
mittlerer Innovationsgrad 22 %
|
|
Erstmaligkeitsgrad hoch
|
mittlerer Innovationsgrad 22 %
|
hoher Innovationsgrad
20 %
|
Neben dieser generellen Betrachtung des beurteilten
Innovationsgrades ist die Frage interessant, wie der Innovationsgrad pro
Art der Verfahrensinnovation eingeschätzt wurde. Tabelle 5 zeigt
demzufolge die Anzahl der software- und netzbezogenen, marketing- ,
personal-, controlling- und produktionsbezogenen Verfahrensinnovationen
sowie sonstige Verfahrensinnovationen mit niedrigem, mittlerem und hohem
Innovationsgrad, wobei sich der Innovationsgrad wie oben dargestellt
durch die Kombination der Ausprägungen des Erstmaligkeitsgrades mit
dem Intensitätsgrad ergibt.
Die Balance zwischen Vertrauensstrategien und Macht-Einfluss-Strategien als Erfolgsfaktor bei Verfahrensinnovationen
Sowohl die Innovationsbereitschaft von Führungskräften als auch die
Wahrscheinlichkeit der Ideengenerierung und -implementierung sowie der
Innovationserfolg lassen sich durch die Qualität des Führungsverhaltens
beeinflussen. Dabei haben sich hauptsächlich zwei
Führungsverhaltensweisen als innovationsförderlich erwiesen:
Vertrauensstrategien und Macht-Einflussstrategien. Beide Strategien der
Führung haben Vorteile, können jedoch auch negative Sekundäreffekte mit
sich bringen (Abb. 2).

Abb. 2: Vorteile und negative Sekundäreffekte von
Vertrauensstrategien & Macht-Einflussstrategien
Sofern das Führungsverhalten während des
Innovationsprozesses lediglich durch Vertrauen gekennzeichnet ist,
verzichtet man automatisch auf die Vorteile einer Führung durch Macht und
Einfluss. Umgekehrt gilt: Eine einseitige Führung durch Macht- und
Einfluss geht immer einher mit dem Verlust der Vorteile der
Vertrauensstrategien. Deshalb erscheint es für den Prozess einer
Verfahrensinnovation sinnvoll, im Führungsverhalten eine Balance zwischen
Vertrauensstrategien und Macht-Einflussstrategien herzustellen.
...
Die fehlende Tabelle 5 entnehmen Sie bitte der Digitalen
Fachbibliothek "Das innovative Unternehmen".
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