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- Leseprobe -
Anreizsysteme für die Wissens(ver)teilung:
Konzepte, Tools und Praxisbeispiele
von Peter Gentsch
Das Wissen der Mitarbeiter ist eine der wichtigsten Ressourcen des Unternehmens. Grund genug für Manager, sich über Anreizsysteme und die Motivation der Mitarbeiter zum Wissensaustausch Gedanken zu machen. Der Autor dieses Beitrags erläutert anhand zweier prominenter Fallbeispiele und aktueller Erhebungen, wie sich Anreizsysteme zu einem effektiven Wissensmanagement schaffen und dauerhaft
etablieren lassen.
Stichworte: Anreizsysteme für den Wissensaustausch: Extrinsische und Intrinsische Motivation; Empirische Ergebnisse; Praxisbeispiele: Bayer AG und 3M ESPE AG; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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Wie sich mittels extrinsischer und intrinsischer
Mitarbeitermotivation Anreizsysteme zu einem effektiven
Wissensmanagement gestalten lassen,
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welche Erfahrungen internationale Unternehmen mit
diesen Anreizsystemen gemacht haben,
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wie man Bemessungsgrundlagen für extrinsische
Motivationen definiert,
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wie eine Unternehmenskultur beschaffen sein
sollte, um intrinsische Motivationsstrukturen zu fördern,
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wie man durch klar definierte Wissensziele und
möglichst frühe Partizipation den Austausch von Wissen anregt.
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Einführung
Wissensmanagement schafft Kosten-,
Innovations- und damit Wettbewerbsvorteile. Vor diesem Hintergrund besteht
allgemein Konsens darüber, dass die Bereitschaft zu Wissensaustausch und
Wissensgenerierung zukünftig immer stärker den Unternehmenserfolg
bestimmen wird. Damit stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre
wichtigste Wissensressource, ihren Mitarbeiter, dahingehend zu motivieren,
aktiv Wissen zu teilen beziehungsweise zu verteilen.
Hat man in den vergangenen Jahren
Wissensmanagement stark unter der Tool- und Technologieperspektive
betrachtet, rücken heute zunehmend Fragestellungen zu Motivations- und
Anreizstrukturen in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Informationstechnologie ist der notwendige, jedoch nicht der hinreichende
Erfolgsfaktor.
Die Herausforderung, Mitarbeiter dazu zu
motivieren, Systeme auch systematisch zu nutzen, gilt generell bei der
Einführung von Informationstechnologie in Organisationen. So verursachen
Technologie-Skepsis, die Angst vor Machtverlust, das »menschliche
Trägheitsmoment« sowie der notwendige Einarbeitungsaufwand bei neu zu
erlernenden Systemen gewisse Widerstände bei der Einführung von
IT-Systemen. Insofern ist das Thema prinzipiell nicht neu. Es gibt jedoch
spezifische Überlegungen, die bei der Gestaltung und Nutzung von
Wissensmanagement-Systemen aus motivationaler und anreizkompatibler
Perspektive zu berücksichtigen sind.
Der vorliegende Beitrag zeigt neben
prinzipiellen Anreizsystemen spezifische Aspekte beim Umgang mit der
Ressource Wissen auf. Häufig werden die wichtigen motivationalen Aspekte
im Umgang mit Wissen unscharf unter der »Residualgröße« Wissenskultur
subsumiert, ohne jedoch konkret aufzuzeigen, wie deren spezifische
Ausprägung aussieht. Im Folgenden werden konkrete wissenskulturelle
Gestaltungsmöglichkeiten anhand von Praxisbeispielen illustriert und
kritisch bewertet.
Arten von Anreizsystemen für das
Wissensmanagement
Anreizsysteme für das Wissensmanagement
sollen entweder die bestehende Motivation zum bewussten Umgang mit der
Ressource Wissen verstärken beziehungsweise ihn auch ein Stück weit
initiieren oder sogar »erzwingen«. Insgesamt soll die Motivation zur
Generierung neuer Wissensinhalte, zur Nutzung bestehenden Wissens, zur
Nutzung bestehender und neuer Wissensmanagement-Instrumente sowie zur
Teilung beziehungsweise Verteilung von Wissen im Unternehmen verbessert
werden.
Anreizsysteme können nur dann erfolgreich
eingesetzt werden, wenn sie auf die zu Grunde liegende Motivation der
Menschen ausgerichtet sind. Die Motivationsforschung unterscheidet
prinzipiell zwischen extrinsischer Motivation, die im Wesentlichen
durch materielle Anreize zu steuern ist, und intrinsischer Motivation,
für die Selbstverwirklichung und Anerkennung einen höheren Stellenwert
hat.
Zu den extrinsischen Arbeitsmotiven gehören
beispielsweise Geld, Sicherheit oder Geltung. Korrespondierende materielle
Anreize sind Gehaltserhöhung, Prämien oder Statussymbole. Intrinsische
Arbeitsmotive beinhalten dagegen Aspekte wie Kontakt, Leistung sowie
Sinngebung und Selbstverwirklichung. Zu den intrinsisch motivierten
Interaktionsmöglichkeiten innerhalb der Arbeit gehören Ausflüge,
Selbstständigkeit (durch flexible Arbeitszeiten und
Mitsprachemöglichkeiten), Lernmöglichkeiten durch anspruchsvolle
Tätigkeiten.
Die Frage, wann Systeme zur Unterstützung
der extrinsischen Motivation, wann Systeme zur Unterstützung der
intrinsischen Motivation beziehungsweise wann eine Kombination beider
Systeme einzusetzen ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Das
richtige Anreizdesign hängt von der jeweiligen Unternehmenskultur sowie
von der Bedeutung der Ressource Wissen für die Wertschöpfung ab.
So sind beispielsweise Mitarbeiter von den
Managementberatungen eher gewohnt, über extrinsische Stimuli
»diszipliniert und konditioniert« zu werden. Die Bereitschaft der
Mitarbeiter, ihren Umgang mit Wissen an monetäre Stellschrauben koppeln
zu lassen, ist hier per se größer. Zudem hat der Produktionsfaktor
Wissen bei der Wertschöpfungskette von Managementberatungen einen
besonders hohen Stellenwert. Je mehr sich also arbeitsteilige Prozesse im
Rahmen wissensbasierter Organisationen abspielen, desto bedeutungsvoller
wird es für den Unternehmenserfolg, die Wissensarbeiter im Unternehmen
zur Nutzung, Teilung und Entwicklung ihres Wissens zu bewegen. Daher
verwundert es nicht, dass es zahlreiche Beispiele aus der
Unternehmensberatung für monetäre Anreizsysteme zur aktiven Nutzung und
Bereitstellung von Wissen gibt.
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Zwei Beispiele aus den USA
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Das Unternehmen American Management Systems (AMS) hat das Lotus-Notes-basierte System Virtual Knowledge Center eingeführt. Die Berater, die Fallstudien in das System einstellen, werden auf einer Bronzeplatte am Hauptsitz von AMS in Fairfax namentlich aufgeführt. Zusätzlich werden die am meisten genutzten Dokumente des Virtual Knowledge Centers veröffentlicht. Die Berater mit der höchsten Platzierung haben die Möglichkeit, an der jährlichen Veranstaltung Knowledge Center Conference teilzunehmen. AMS berichtet, dass im ersten Quartal nach Einführung dieser Anreize 50 neue Studien in das System eingestellt wurden. Dies entspricht der kompletten Leistung des Vorjahres.
Ein anderes amerikanisches Industrieunternehmen kombiniert beispielsweise mit Wissenszielvereinbarungen Anreize in Form von Prämien. Dazu wird in so genannten Skill Blocks das für bestimmte Tätigkeiten benötigte Wissen definiert. Ein erfolgreicher Abschluss eines Skill Blocks führt zu einer Gehaltserhöhung. Dabei muss sich der Mitarbeiter einer Prüfung unterziehen, die der Vorgesetzte und diejenigen Kollegen, die diesen Skill Block bereits beherrschen, bewerten. Durch dieses Anreizsystem wurden eine erhöhte Flexibilität und spürbare Verbesserungen der Arbeitsprozesse erreicht.
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Gefahren durch extrinsische Anreizsysteme
Vor einer Überbewertung extrinsischer Anreizsysteme im
Wissensmanagement muss jedoch, insbesondere außerhalb der Beratungswelt,
gewarnt werden. Die Verhaltens-Psychologie zeigt, dass bestehende
intrinsische Motivation sogar durch Anreizsysteme verdrängt werden kann.
Das natürliche Commitment des Mitarbeiters, Wissen zu teilen, wird durch
die externe Manipulation zerstört. Der Mitarbeiter, der ohnehin davon
überzeugt ist, Wissen bereitzustellen und zu teilen, fühlt sich
gesteuert und bevormundet. Menschen möchten selbst entscheiden, was für
ihre Aufgabe wichtig ist (»Empowerment«). In diesem Fall ist ein
extrinsisch ausgestaltetes Anreizsystem kontraproduktiv.
Dies wird durch aktuelle Forschungsarbeiten
von Professor North unterstrichen, nach denen für die Wissensteilung und
Wissensentwicklung die intrinsische Motivation ausschlaggebend ist.
Wichtige Wissensbestandteile in Unternehmen lassen sich weder aufschreiben
noch in Symbolen ausdrücken. Diese Form des impliziten Wissens lässt
sich nur schwer quantifizieren. Zudem sind mehrere Mitarbeiter an der
Übertragung beteiligt, so dass der jeweilige Einzelbeitrag für eine
Wissens-Prämie nur schwer ermittelt werden kann. Zur Förderung der
Wissens(ver)teilung ist ein mit den Zielen des Unternehmens kompatibles
intrinsisches Anreizsystem notwendig. Ebenso beruhen auch kreative
Tätigkeiten im Hinblick auf die Wissensentwicklung hauptsächlich auf
intrinsischer Motivation. Genauso werden Lernprozesse durch intrinsische
Motivation gefördert: »Ich lerne, weil mich das Thema interessiert«
gegenüber der extrinsischen Motivation »Ich lerne, weil ich dafür etwas
bekomme«.
Definition der Bemessungsgrundlagen
Bei den auf extrinsischer Motivation ausgerichteten Anreizsystemen
stellt die Definition der Bemessensgrundlage eine Herausforderung dar. Bei
der Ausgestaltung wissensorientierter Anreizsysteme ist zu beachten, dass
jedes Organisationsmitglied ein Wissensträger ist, den es durch
individuell ausgerichtete Anreizsysteme zur Erreichung der Wissens- und
Unternehmensziele zu motivieren gilt. Bei der Ausgestaltung monetärer
Anreizsysteme ist die Höhe des Entgeltniveaus zu beachten. Bei niedrigem
Lohnniveau kann eine Zusatzvergütung für die (Ver)Teilung von Wissen
durchaus motivieren, wohingegen eine marginale Einkommensverbesserung auf
hohem Lohnniveau häufig keine Motivationssteigerung bewirkt. Zudem muss
berücksichtigt werden, dass variable Vergütungsbestandteile im Bereich
des Wissensmanagement dann auf besondere Zustimmung stoßen werden, wenn
es allen Mitarbeitern gleichermaßen möglich ist, die organisatorische
Wissensbasis des Unternehmens zu erweitern. So wird es einem Mitarbeiter
der F&E-Abteilung leichter fallen, neues Wissen zu erzeugen und zur
Verfügung zu stellen, als einem gewerblichen Mitarbeiter, der nur wenige
Handgriffe ausführt.
Die Menge an Wissen, die ein Mitarbeiter
erwirbt und kollektiv verfügbar macht, stellt nur bedingt eine geeignete
Bemessungsgrundlage dar, da sie keinen Rückschluss auf Qualität und
Nutzen zulässt. Daher sollten zudem mit den Mitarbeitern konkrete
Wissensziele als Bezugsgröße für das Anreizsystem vereinbart werden.
Der herkömmliche Zielkatalog, der im Rahmen von
Zielvereinbarungsgesprächen festgelegt wird, sollte um individuelle
Wissensziele ergänzt werden (»Management by Knowledge Objectives«).
Motivation durch Partizipation
Die Wissens-Ziele können sich zum einen auf die Erweiterung der
persönlichen Kompetenz richten. Hierzu gehören Weiterbildungen durch
interne oder externe Seminare. Ebenso gehört hierzu das Erlernen
bestimmter Skills (z.B. einer Methode) im Selbststudium. Entscheidend ist,
dass Wissenserwerb anhand objektivierter Kriterien messbar und
dokumentierbar gemacht wird. Nur so lässt sich der persönliche
Wissenserfolg in Eigenreflexion und in Review-Gesprächen anhand von
Soll/Ist-Vergleichen messen.
Zum anderen sind hier Wissensziele zu nennen,
die sich auf die Weitergabe von Wissen (z.B. beim Einarbeiten eines neuen
Mitarbeiters) oder die Weiterentwicklung der organisatorischen
Wissensbasis des Unternehmens (z.B. durch Mitarbeit in Netzwerken,
Einstellung von Projektprofilen in die Datenbanken) beziehen.
In beiden Fällen sollten die Mitarbeiter
aktiv an dem Prozess der Zielbildung beteiligt sein. Eine frühe
Partizipation erzeugt in der Regel eine positive Motivation. Die frühe
integrative Einbindung von Wissenszielen in die Mitarbeiterbeurteilung
gewährleistet, dass die Mitarbeiter langfristig angehalten sind, aktiv
mit der Ressource Wissen umzugehen, um sich im Unternehmen sukzessive
entwickeln zu können. Zudem wird durch die Einräumung erweiterter
Bildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter deutlich, dass Wissen und
dessen Aneignung wertvoll und erwünscht ist und aktiv unterstützt wird.
Spezifische Ausbildungen und deren Ausbildungstitel für spezifische
Wissensmanagement-Rollenträger, wie zum Beispiel die Ausbildung zum »Knowledge
Officer«, können dieses Signal unterstreichen.
Gruppenbezogene Motivationssysteme
Da die auf die Leistungserbringung des Individuums ausgestalteten
Anreizsysteme den Wissensaufbau und -transfer innerhalb einer Gruppe
blockieren können, stellen gruppenbezogene Vergütungssysteme eine
interessante Erweiterung beziehungsweise Ergänzung für wissensbasierte
Anreizsysteme dar. Die Bemessungsgrundlage ist hier keine individuelle,
sondern eine von Team-, Bereichs- und Unternehmensergebnissen abhängige
Bezugsgröße. Dadurch, dass diese Boni nur durch eine erfolgreiche
Gruppenleistung erzielt werden können, besteht für jeden einzelnen
Mitarbeiter ein starker Anreiz, sein persönliches Wissen der Gruppe zur
Verfügung zu stellen und darüber hinaus gemeinsam mit den anderen
Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und zu realisieren.
Intrinsische Anreizsysteme
Intrinsisch ausgelegte Anreizsysteme benötigen dagegen keine
eindeutig abgrenzbare Bemessungsgrundlage. Sie manifestieren sich vielmehr
im allgemeinen Umgang mit Mitarbeitern und Wissen. Eine wichtige Größe
ist hier zum Beispiel die Anerkennung als Fachmann auf einem bestimmten
Gebiet. Über den »Respekteffekt« ist mit dieser Form der Anerkennung
zugleich die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe verbunden. Das
Streben nach Anerkennung und Zugehörigkeit ist eine zentrale Determinante
intrinsischer Motivationsstrukturen. Auch wenn diese Phänomene zunächst
völlig unabhängig von informationstechnologischen Aspekten sind, gibt es
doch interessante verstärkende Effekte durch technische Systeme zu
beobachten. So hat zum Beispiel das Intranet durch seine unternehmensweite
Präsenz eine Transparenz- und Multiplikationsfunktion. Ein eingestellter
Artikel, ein kritischer Kommentar oder eine interessante Idee bleibt nun
nicht mehr ungesehen beziehungsweise nur einer kleiner Gruppe vorbehalten,
sondern erfährt durch den Veröffentlichungsaspekt einen anderen
Verbreitungsgrad und Stellenwert. Eine gesunde Eitelkeit und ein
Selbstdarstellungsbedürfnis sollten als bestehende Motivation von
Mitarbeitern zur Wissensbereitstellung gezielt gefördert werden. Dies
kann beispielsweise auch dadurch erreicht werden, Mitarbeitern die
Möglichkeit zu geben, sich mit ihrer eigenen Homepage im Intranet
präsentieren zu können. Der damit provozierte Wettbewerb über die am
meisten von den persönlichen Homepages herunter geladenen Dokumente sind
ideale Gelegenheiten, intrinsisches Engagement für die
Wissensbereiststellung und -teilung zu honorieren.
Zur Entfaltung intrinsischer Motivation ist
ein entsprechender Nährboden notwendig. Es sind Infrastrukturen und
Freiräume zu schaffen, welche die intrinsische Motivation fördern
beziehungsweise honorieren. Dies kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass
Mitarbeitern ein bestimmter Teil ihrer Arbeitszeit zur freien
Wissensarbeit zur Verfügung gestellt wird. So haben zum Beispiel
Mitarbeiter der Firma 3M bis zu zehn Prozent ihrer Arbeitszeit zur freien
Verfügung. Ebenso können die Zusammenarbeit mit Experten in einem
Projektteam sowie die Freiheit, neue Lösungswege zu suchen und zu gehen,
Motivationen für die aktive Wissensbereitstellung und -nutzung sein.
Darüber hinaus kann das aktive Mitgestalten der eigenen Karriere zu
dieser Motivation beitragen. Diese intrinsischen Effekte sind oft stärker
als eine höhere Bezahlung und ein hierarchischer Aufstieg im Unternehmen.
Empirische Ergebnisse
Im Rahmen der Studie »knowledge meets
motivation« hat das Fraunhofer IAO das Thema Anreizsysteme für das
Wissensmanagement empirisch untersucht. Die Studie zeigt auf, dass, obwohl
die meisten Unternehmen (80 Prozent) ein Anreizsystem im Wissensmanagement
für notwendig halten, nur 43 Prozent der Unternehmen ein entsprechendes
System tatsächlich einsetzen.
Ein weiteres empirisches Ergebnis dieser
Studie zeigt die Verteilung von materiellen und immateriellen
Anreizsystemen in Unternehmen auf. Vergleicht man die verschiedenen Arten
der Anreize in Verbindung mit den Unternehmensbereichen fällt auf, dass
die immateriellen Anreize über alle Unternehmensbereiche hinweg relativ
gleich verteilt sind. Abbildung 1 zeigt, dass die immateriellen Anreize in
den einzelnen Bereichen in einer Bandbreite von 32,7 Prozent im Marketing
bis zu 39,3 Prozent im Vertrieb eingesetzt werden. Insgesamt werden die
materiellen Anreize in allen Bereichen häufiger eingesetzt als die
immateriellen. Während im Vertrieb die Quote von materiellen Anreizen bei
80 Prozent liegt, werden bei Projekten in 50 Prozent der Fälle materielle
Anreize verwendet. Unter Projekten werden dabei temporäre,
abteilungsübergreifende Projektgruppen verstanden.

Abb. 1: Materielle und immaterielle Anreize in den Unternehmensbereichen
Die META Group hat in der aktuellen Studie
»Der Markt für Knowledge Management in Deutschland« mehr als 200
repräsentativ ermittelte Anwenderunternehmen zum Thema Knowledge
Management befragt. Die Studie zeigt den Trend auf, dass zukünftig
extrinsische und intrinsische Anreizsysteme vermehrt zusammen eingesetzt
werden. Das alleinige Einsetzen eines der beiden Anreizformen scheint
daher wenig Erfolg versprechend zu sein.
Eine andere Studie mit dem Titel
»Aktivierung der Mitarbeiter im Rahmen von Knowledge Management« vom
Institut für e-Management e.V. (IfeM) zeigt in ihren Ergebnissen auf,
dass Mitarbeiter durchaus bereit sind, ihr Wissen zu teilen,
beispielsweise im Gespräch mit Kollegen oder Gleichgesinnten auf
Konferenzen, Meetings et cetera. Die Bereitschaft, Wissen zur Verfügung
zu stellen und zu verteilen, wurde für bestimmte Konstellationen
nachgewiesen. Dazu gehört im Allgemeinen der direkte sprachlich Kontakt
mit Personen, die anerkennen oder schätzen, was man sagt, und die selbst
interessantes Wissen liefern können. Tabelle 1 zeigt die jeweilige
Bereitschaft zur Wissensteilung sowie die bevorzugten Kommunikationswege
im Rahmen der oben genannten Untersuchung auf. Die Zahlen bekräftigen den
hohen Stellenwert des persönlichen Gespräches für die
Wissenskommunikation. Bei der Gestaltung von Anreizsystemen sind demnach
unternehmensspezifische Konstellationen zu schaffen beziehungsweise zu
berücksichtigen.
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Tabelle 1: Bereitschaft zur Wissensteilung auf unterschiedlichen Kommunikationswegen
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Auf welche Weise informieren Sie sich
primär zu fachlichen Themen, um an Informationen zum eigenen
Arbeitsgebiet zu gelangen?
Bitte max. vier Punkte ankreuzen
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Ergebinsse in %
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Intranet
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34
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Internet
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46
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E-Mail bzw. Newsletter
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12
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Gruppenlaufwerke
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38
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Printmedien
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32
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Pers. Gespräche
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60
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Meeting
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54
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Diskussionsforen
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16
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Vorträge
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60
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Projekt-Homepage im Internet
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30
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Telefonverzeichnis
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0
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Sonstiges
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14
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Insgesamt zeigt die Studie des IfeM, dass es
keine unüberwindlichen Barrieren bei der Wissensteilung gibt, sondern die
Frage nach der richtigen Konstellation gestellt werden muss. Viele der
typischen Argumente gegen das Teilen von Wissen verschwinden, wenn sich
die Gesamtkonstellation ändert, in der Tätigkeiten gefordert werden. Die
Kombination aus grundsätzlicher Bereitschaft und der Schaffung eines
Umfeldes, das Wissensteilung und -nutzung ernsthaft erwartet und
ermöglicht, stellt den Lösungsraum dar, innerhalb dessen Unternehmen das
optimale Anreizsystem konzipieren müssen. Ein wichtiger Schritt besteht
vor diesem Hintergrund darin, die Mitarbeiter dazu zu bewegen, die
Wissenstätigkeiten als wesentlichen Teil ihrer täglichen Arbeit
aufzufassen.
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