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- Leseprobe -
Verschiedene Typen von Produktinnovationen
Teil 2: Kostensenkung, Modellpflege, Varianten, Nachfolge- und neue Modelle, neue
Produkte
von Heiko Barske
Die Produktinnovationen
Abbildung 1 zeigt
schematisch, wie typischerweise in der Automobilindustrie vorgegangen wird, um durch
ständige Innovationen Wachstum und eine gleichmäßige Kapazitätsauslastung zu
erreichen, die Voraussetzungen für günstige Kostenstrukturen sind.
Die Grundzusammenhänge lassen sich auf andere Produkte übertragen, da das Grundproblem
für alle Sparten dasselbe ist:
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Wie gelingt es, neue Produkte auf den Markt zu bringen, für die sich ausreichend viele,
und später zufriedene Käufer finden?
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Wie gelingt es, diese Produkte über ihre geplanten Laufzeiten aktuell zu halten?
Das Auto ist als Produkt zwar außerordentlich komplex und enthält High-Tech-Umfänge,
an die man auf Anhieb gar nicht denkt; der Leser möge gestatten, daß es bei dem
Kurzdurchlauf der Abbildung 1 dennoch als Beispiel dient. Bei anderen Produkten können
sich die Gewichtung einzelner Maßnahmen und deren relative Zeitdauern verschieben; die
Grundaussagen bleiben die gleichen.
Die Entwicklung eines neuen Produkts (Abb. 1, I) sollte vor dem Serieneinsatz im
wesentlichen abgeschlossen sein. Bei Ursachenanalysen für Qualitätsprobleme und
Kostenüberschreitungen wird immer wieder festgestellt, daß der für ein neues Produkt
getätigte Entwicklungsaufwand im Zeitraum des Serieneinsatzes (oder ganz kurz davor) sein
Maximum erreicht - ein in der Praxis sehr teurer Sachverhalt, der zu diesem Zeitpunkt
bedeutet, daß an Werkzeugen gravierende Änderungen vorgenommen werden müssen, daß
Produktionsanlaufkurven nicht erreicht werden und daß mit Qualitätskosten zu rechnen
ist, die nicht nur unmittelbar teuer sind, sondern - was noch nachteiliger ins Gewicht
fallen kann - unter Umständen auch Kunden verärgern und dadurch zu Stückzahleinbußen
führen. Abhilfe für die zeitliche Verschiebung des Schwerpunktes des
Entwicklungsaufwandes in die Nähe des Serienanlaufs ist die strikte Kontrolle der
Einhaltung von Entwicklungsvorgaben und eine Vorentwicklung, die es ermöglicht, nur
risikofreie Vorentwicklungsergebnisse in die Serienentwicklung aufzunehmen.
Die nicht durch weitere Maßnahmen gestützte Produktion eines neuen Modells stößt auf
eine Nachfrage, wie sie durch die ausgezogene Kurve dargestellt ist. Die Nachfrage
verläuft zunächst schleppend, steigt dann - wegen der Werbewirkung der am Markt
sichtbaren Produkte und deren Multiplikation durch hoffentlich zufriedene Kunden -
exponentiell, um nach Erreichen eines Maximums wegen der Alterung des Produkts/Modells
abzufallen, bis die Produktion schließlich unrentabel wird und endet. Die ausgezogene
Kurve ist, wenn sie nicht geplant mit den Produktionskurven anderer Modelle/Produkte
vernetzt wird, weit von dem Verlauf entfernt, mit dem sich optimale Ergebnisse in die
Unternehmenskasse einfahren lassen.
Bereits vor dem Serieneinsatz erfolgt ein intensives Prämarketing (siehe Kapitel 10.01
Teil 2), das auf den bevorstehenden Markteinsatz des neuen Produktes aufmerksam macht und
die Nachfrage in der Anlaufphase um den Bereich II (in Abb. 1) vergrößert. Die
Modellpflege an dem laufenden Produkt beseitigt kleine Mängel und aktualisiert das
Angebot, wodurch der Bereich »Modellpflege« (Abb. 1, III) hinzugewonnen wird. Das
Angebot zusätzlicher Varianten wirkt einem Nachfrageabfall entgegen, indem der Bereich IV
durch zusätzliche Nachfrage gewonnen werden kann, mit dem sich über mehrere Jahre eine
konstante oder leicht zunehmende Nachfrage aufrechterhalten läßt. Sobald trotz der
geschilderten Maßnahmen, die alle von einem intensiven Marketing und geographischer
Angebotsausweitung, gegebenenfalls mit Produktionen im Ausland, begleitet sind, die
Nachfrage nach dem Modell mit seinen Varianten zurückgeht, setzt das Nachfolgemodell ein
(Abb. 1, VI), das auf ein hohes Potential zufriedener, markentreuer Wiederkäufer, auf
Auf- oder Einsteiger in die Marke und auf von Wettbewerbern abgewanderte Kunden trifft.
Zusätzliche Umsatzausweitungen sind möglich durch Einsatz neuer Modelle, die neue
Käufergruppen erschließen (Abb.1, V), wie beispielsweise das Vordringen in die
Oberklasse, Angebot eines Roadsters, Angebot eines kleinen Einsteigermodells oder
Stadtfahrzeugs.
In Abbildung 1 nicht dargestellt ist die Umsatzausweitung durch Diversifizierung,
das heißt, Angebot von Produkten, die mit den bisherigen Produkten des Unternehmens nicht
unmittelbar zu tun haben, sondern beispielsweise aufgrund eines besonderen vorhandenen
Know-hows oder von Fertigungsmöglichkeiten zum Angebotsprogramm des Unternehmens passen
(z.B. Lieferung von Getrieben, Motoren usw. an Dritte;
Telematikeinrichtungen). Zu dieser
Umsatzausweitung gehört auch das Angebot zusätzlicher Dienstleistungen wie
beispielsweise Mietwagen, Finanzierungen, Transportleistungen.
Die in Abbildung 1 dargestellten Vorgänge, die noch vom Entstehen ganz neuer Produkte und
Dienstleistungen überlagert werden, belegen die hohe Dynamik und die permanente Suche
nach kundenrelevanten, auf einen ausreichend großen Markt treffende Innovationen, die den
Erfolg eines Unternehmens bestimmen. Wer sich auf mühsam erarbeiteten Früchten ausruht
und zu wenig kreativ beim Einsatz von Innovationen wird, wird vom Wettbewerb ebenso
überholt wie der, der überkreativ ist und an der Vielfalt und den Kosten zugrunde geht,
die durch seine nicht strategisch geplanten Innovationen verursacht werden.
Die Gliederung der nachfolgenden Kapitelteile, in denen die vorgenannten Umfänge
eingehender erörtert werden, erfolgt unter dem Gesichtspunkt steigenden Kundenwertes der
Innovation beziehungsweise der Sichtbarkeit der Innovation für den Kunden. Während eine
mit dem Primärziel der Ergebnisverbesserung vorgenommene Kostensenkung des Produkts ohne
Kundenwertveränderung vom Kunden gar nicht wahrgenommen werden sollte (wenn die
Verbilligung aus Marktgründen nicht im Preis weitergegeben werden muß), wird eine
Produktveränderung von der einfachen Modellpflege bis hin zu einem neuen Modell - oder
gar einem völlig neuartigen, vom Unternehmen bisher in seiner Art noch gar nicht
angebotenen Produkt - für den Kunden zunehmend sichtbar.
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