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- Leseprobe -
Entwicklung vom Produkt- zum Dienstleistungsanbieter am Beispiel der
Herlitz AG
von Dittmar Peters
Stichworte: Aufbau eines Warenwirtschaftssystems: Alles aus einer
Hand, Mit Gastmarken zum Vollsortiment, Warenpräsentation, Marktservice, Logistik,
Ausweitung der Wertschöpfungskette: Eigene Handelsfilialen, Unternehmensakquisition, Neuausrichtung auf Vertriebskanäle, Expansion ins Ausland,
Weiterentwicklung der Dienstleistungsangebote:
Aktionsflächenbewirtschaftung, Individualisierung der Produkte durch Eigenlabels, Display,
Logistik-Innovationen, Von der
Handels- zur Endkundenbelieferung, Zusammenfassung
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In diesem Beitrag erfahren Sie:
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wie eine Erweiterung der Wertschöpfungskette durch eigene
Handelsfilialen, Unternehmen zur Beschaffung von Rohstoffen sowie Aquisition und Kauf von
Fremdfirmen gelingen kann,
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wie ein Unternehmen seinen Service auf ausländische
Zielmärkte ausrichten kann,
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wie mit einem Vertriebs-Profit-Center Kundenbeziehungen
verbessert werden,
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welchen Sinn es macht, sein Handelsangebot durch Gastmarken
zum Vollsortiment zu ergänzen,
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wie man durch »themenbezogene Warenpräsentation« den
Service aufwertet.
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Alles aus einer Hand
Viele Unternehmen in der PBS-Branche konnten mit hervorragenden Produkten
Marktnischen besetzen, die durch permanente Innovationen im Design, der Funktionalität
oder im Produktionsablauf behauptet werden. Unternehmen wie zum Beispiel Leitz, Faber
Castell und Geha konnten ihre Produkte als Markenprodukte, zum Teil weltweit, bei den
Kunden etablieren.
Herlitz konzentrierte sich nicht auf das Anbieten der eigenen 12.000 Einzelartikel,
sondern darauf, dem Handel ein komplettes Sortiment für die Flächenbewirtschaftung in
den Filialen zur Verfügung zu stellen. Mit dem Warenwirtschaftssystem wird alles aus
einer Hand angeboten.
Das Warenwirtschaftssystem besteht aus vier Elementen:
-
Vollsortiment
-
Warenpräsentation
-
Marktservice
-
Logistik.
Diese Elemente werden im folgenden beschrieben.
Mit
Gastmarken zum Vollsortiment
Neben den eigenen Produkten wurden wichtige Markenprodukte anderer Hersteller als
Gastmarke in das entstehende Vollsortiment aufgenommen. Der Handel kann auf diese
renditestarken Produkte mit einem hohen Bekanntheitsgrad - wie den Uhu Klebestift oder das
Tesaband - nicht verzichten. Heute werden Gastmarken wie Pelikan, Henkel, Tesa und Uhu vom
Produzenten Herlitz allen Kunden angeboten.
Wird der Handel in einem Sortimentsbereich konventionell von 10 Herstellern beliefert,
wurden
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mit allen Lieferanten Einkaufsverhandlungen geführt,
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die Ware getrennt und zu unterschiedlichen Zeiten angeliefert,
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getrennte Rechnungen bearbeitet und bezahlt, sowie
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nicht verkaufte Ware an die jeweiligen Lieferanten zurückgeschickt.
Mit der Aufnahme der Produkte in das Herlitz Sortiment wird für den Kunden eine
Bündelung
Der Einkaufspreis der Gastmarken kann von Herlitz durch die Mengenbündelung in der
Beschaffung niedrig gehalten werden. Den zusätzlichen Handlingskosten der Gastmarken in
der Logistik und der Distribution stehen Einsparungen für den Handel in der Logistik und
der Verwaltung gegenüber.
Warenpräsentation
Als Serviceleistung wird dem Kunden angeboten, die Präsentation der Ware in den Filialen
festzulegen, den Entwurf umzusetzen und bei Bedarf Änderungen auf Grund der Verkäufe
durchzuführen. Neben Kriterien wie Übersichtlichkeit der Warengruppen, Farbverlauf der
Ware, Aufteilung der Artikel im Regal auf Haken oder Fächer ist die Positionierung der
Artikel im Regal entscheidend für die Umsatzrentabilität der Regalflächen. Durch die
langjährigen Erfahrungen und deren analytische Auswertung kann dem Kunden die
bestmögliche Artikelpositionierung und Artikelzusammenstellung im Regal angeboten werden.
Je nach Kundenstruktur und Filialumfeld wird ein individuelles und regional geprägtes
Layout erstellt. Insofern verkauft Herlitz nicht nur Produkte, sondern auch die
Umsatzrentabilität der Regale und der Fläche.
Die für den Marktaufbau benötigten Regale - mitsamt Beleuchtung und Beschilderung -
können dem Kunden verkauft oder vermietet werden. Auf- und Abbau der Regale werden von
Herlitz organisiert und stichtagsbezogen durchgeführt.
Hat sich der Kunde für das Herlitz-System und ein bestimmtes Sortiment entschieden, wird
die Grundfläche in einem CAD-System (Computer Added Design) abgebildet. Es folgt ein
Entwurf für die Regalanordnung, die Gangbreiten, die Position der Kassen sowie die
Ermittlung der Größe der Aktionsfläche für ein wechselndes Sortiment. Eine eigene
Software erlaubt am Bildschirm die dreidimensionale Wiedergabe der Regale mit allen Haken
und Haltern. Hierauf werden die Regalpositionen und die Stückanzahl der Produkte in der
Computersimulation maßstabsgenau abgebildet und gemeinsam mit dem Kunden bestimmt. Die
Software greift auf die Stammdaten der Produkte zu, insbesondere die Abmessungen und das
im System hinterlegte Bild des Produktes.
Am Ende des visuellen Regal- und Produktaufbaus am Bildschirm ist die genaue Vorgabe für
die Einrichtung der Filiale erarbeitet. Der Zeitplan für den Aufbau wird festgelegt und
dessen Realisierung über ein Projektmanagement sichergestellt. Mit diesem umfangreichen
Servicepaket bietet Herlitz dem Kunden spezielles Markt-Know-how an, um das Sortiment
erfolgreich verkaufen zu können.
Marktservice
Die Kundenbindung kann über die Betreuung bei der Einrichtung hinaus durch weitere
Serviceaufgaben gepflegt werden. Dem Handel wird der komplette Regalservice angeboten. Die
Herlitz-Außendienstmitarbeiter können in der Filiale mit einem tragbaren Handterminal
die Warenbestände erfassen und die Bestellung auslösen. Viele Artikel werden
nachbestellt, wenn zwei Drittel des Artikels, gemessen an der Hakenlänge im Regal,
verkauft worden sind. Dies ergibt eine optimale Nachbestellmenge. Die Bestellung wird
direkt an den Herlitz-Zentralrechner überspielt und an das Lagersystem weitergeleitet.
Moderne Scannerkassen in den Handelsfilialen generieren inzwischen automatisch die
Bestellungen.
Neben dem Bestellen wird das Auffüllen der Regale übernommen. Für die Ware gibt es
keine Pufferlagerung auf dem Regal oder in einem extra Lager. Sie wird immer direkt vom
Herlitz-Zentrallager angeliefert und beim Kunden in die Regale gelegt oder gehängt. Es
entfallen die Zentrallogistikkosten für den Kunden. Die Kundenbestände werden auf die
Verkaufsmengen in den Regalen reduziert. Hiermit wurde schon frühzeitig ein
wirkungsvolles Ziehprinzip im Warenfluß umgesetzt, welches in anderen Märkten mit der
Kanban-Methodik eingeführt wurde. Hierbei wird nicht einfach Ware in die Filiale
»gedrückt«, sondern sie wird kurzfristig in kleinen Mengen - abhängig von den
realisierten und prognostizierten Verkäufen - aus dem Zentrallager abgerufen und
abgezogen.
Logistik
Mit dem Wegfall von unproduktiven Reserveflächen in den Filialen erhöhen
sich die Anforderungen an die Herlitz-Logistik. Die Nachlieferung in die Regale erfolgt
innerhalb von 24 beziehungsweise 48 Stunden, je nach Entfernung zum Zentrallager. Mit der
Erhöhung der Bestellfrequenz wird nur die Warenmenge geliefert, die verkauft werden kann.
Die Ware kann kundenspezifisch preisausgezeichnet angeliefert werden.
Vorteile
des Warenwirtschaftssystems
Das Warenwirtschaftssystem wurde Anfang der 80er Jahre von Herlitz entwickelt und
erfolgreich am Markt etabliert. Im Jahr 1995 erreichte das Systemgeschäft über das
Warenwirtschaftssystem 80 Prozent des Unternehmensumsatzes; lediglich 20 Prozent des
Umsatzes wurden über das Produktgeschäft mit Lagerlieferungen an die Kunden
erwirtschaftet. Wie in einem Baukastensystem kann der Kunde sich für den Umfang an
Serviceleistungen entscheiden, der am besten zu seinem eigenen Unternehmenskonzept
paßt.
Verfügt der Kunde zum Beispiel über ein eigenes Warenwirtschaftssystem, wird
partnerschaftlich eine EDV-Schnittstellenlösung nach individuellen Anforderungen gesucht.
Setzt der Kunde zum Beispiel das Softwarepaket »SAP R3« ein, werden die Schnittstellen
für den Datenaustausch definiert, um unter anderem Bestellungen, Auftragsbestätigungen,
Versandinformationen und Rechnungen im Electronic Data Interchange (EDI) online zwischen
den Computersystemen auszutauschen.
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Tabelle
2: Kostenvergleich mit/ohne Warenwirtschaftssystem
Kosten in Prozent zum Umsatz
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ohne Herlitz-System
|
mit Herlitz-System
|
|
Wareneinsatz
|
38,5%
|
44,0%
|
|
Zentralverwaltung
|
5,0%
|
4,5%
|
|
Zentrallager
|
4,0%
|
- %
|
|
Distribution
|
6,0%
|
8,5%
|
|
Filialkosten (Miete, Zins., ...)
|
24,0%
|
17,5%
|
|
Mwst.
|
15,0%
|
15,0%
|
|
Gewinn
|
7,5%
|
10,5%
|
In Tabelle 2 werden beispielhaft für einen Handelskunden die größten Kostenblöcke
genannt. Im prozentualen Vergleich der Kostenblöcke ist das Einsparpotential in der
eigenen Logistik des Kunden und im Bereich seiner Filialkosten durch Nutzung des
Herlitz-Systems erkennbar.
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