Verlagsprogramm    

Bestellkatalog  
Warenkorb ansehen   

Innovationsmanagement
Hrsg.: Barske; Gerybadze; Hünninghausen; Sommerlatte
Digitale Fachbibliothek
auf CD-ROM
über 2.600 Seiten
ISBN 3-936608-81-4
EUR 196,04 (inkl. MwSt. und Versandkosten)

4 Ergänzungen jährlich
je EUR 44,08 (inkl. MwSt. und Versandkosten)
Belieferung kann jederzeit gestoppt werden.


  

Für Innovations-
manager

Kostenlos per E-Mail, 
erscheint monatlich

  
Muster-Newsletter

 

  
Digitale Fachbibliothek
Innovationsmanagement

  
  

Info zu Printprodukten       
Innovationsmanagement
Digitale Fachbibliothek
Liste der Kapitel

196,04

In den Warenkorb legen
Info zum PDF-Download     

Electronic Commerce: Von der Geschäftsidee zur Umsetzung

13

In den Warenkorb legen


- Leseprobe - 
  

Electronic Commerce: Von der Geschäftsidee zur Umsetzung 
von Christian Bachem und Matthias Stausberg

Stichworte: E-Commerce in der Theorie: Konzeptionelle Überlegung, Skalierbarkeit und Individualisierung, Pflege und Wartung, E-Commerce in der Praxis, Weitere EntwicklungenErfolgsfaktoren: Strategische Faktoren, Innovation und PraxisrelevanzOnline-Werbung erfolgreich gestalten

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche strategischen, konzeptionellen und technischen Schritte erforderlich sind für den Aufbau einer effizienten E-Commerce-Anwendung,

  • welche Ziele bei dem Aufbau einer virtuellen Filiale verfolgt werden und

  • welche Faktoren den Erfolg ausmachen,

  • worin das unternehmerische Innovationspotential für Conrad Electronic liegt.

Die Ausgangssituation

Parallel zur Entwicklung des gesamten Internets steigt auch das Wachstum des elektronischen Handels, kurz E-Commerce. In Zukunft können Geschäftsprozesse auf der Basis weltweit einheitlicher Standards vollständig elektronisch abgebildet werden. Geschäftskosten werden so reduziert, Kundenorientierung optimiert, und selbst kleine Unternehmen können ihre Geschäftsaktivitäten auf das überregionale oder internationale Parkett ausdehnen. In zunehmendem Maße erkennen Unternehmen fast aller Branchen diese Vorteile des elektronischen Vertriebskanals. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, daß die weltweit elektronisch getätigten Umsätze von 75 Milliarden USD im Jahr 1998 auf 170 Milliarden USD bis zum Jahr 2001 ansteigen werden [2].

Conrad Electronic

Das Unternehmen mit Sitz in Hirschau/Oberpfalz gehört hierzulande zu den ersten, die nachdrücklich und erfolgreich auch auf den Verkaufskanal Internet gesetzt haben.
Als Deutschlands führendes Versandhaus für Elektronik-Produkte suchte Conrad im Sommer 1997 für den Relaunch ihres bisherigen Internet-Auftritts einen Partner für Konzeption und Implementierung einer Internet-Businesslösung. Bis dahin war Conrad lediglich mit einem reinen Informationsauftritt ohne Shop-Anbindung im Internet vertreten.
Zusammen mit der Pixelpark Multimedia-Agentur GmbH aus Berlin wurden die Ziele und Strategien für den Neustart ins Internet erarbeitet. Ziel war die mediengerechte Waren- und Servicepräsentation in einer selbsterklärenden, überschaubaren und zukünftig ausbaubaren Shop-Architektur. Besucher und Kunden sollten hier nicht nur Gesuchtes finden, sondern wie im realen Shop auch stöbern können und Mehrwerte vorfinden, die sie zu erneuten Besuchen veranlassen.
Nach einer vorbereitenden Konzeptionsphase und verschiedenen Designstudien entstand in etwa acht Wochen, von Mitte Juni bis August 1997, die Online-Filiale von Conrad Electronic.
Der Online-Shop wurde so konzipiert, daß alle Service-, Kontakt- und Produktbereiche einer Conrad-Filiale abgebildet werden. Der Kunde sollte auch online nicht auf Produktvielfalt, kompetente Beratung und Zuverlässigkeit verzichten müssen. Bei der Konzeption wurde stets der Leitgedanke verfolgt, eine neue Filiale aufzubauen - aber eben eine virtuelle.
Circa 200.000 »visits per month« (»Besuche« pro Monat) und mehr als 350 Bestellungen täglich zeigen, daß die Conrad-Kunden das Internet als elektronischen Marktplatz angenommen haben. Bereits während der Einführungsphase im September `97 konnte die virtuelle Filiale schnell wachsende Umsatzzahlen verbuchen, die mittlerweile den Umfang einer kleinen »realen« Conrad-Filiale erreicht haben.

.
.
. 

Electronic Commerce in der Theorie

Konzeptionelle Vorüberlegungen

Die Entwicklung und Konzeption der Geschäftsidee erfordert ein Marketingkonzept zur adäquaten Positionierung der Internet-Anwendung. Sie sollte bereits vor dem Online-Start wirksam angekündigt (Web Announcing) und beworben (Online Advertising) werden. Entscheidend ist dabei, daß der Mehrwert des Auftritts für den Nutzer (= Konsument) effektiv kommuniziert wird. Die Erstellung eines Stufenplans für die Einführung der Internet-Anwendung ist ratsam.
Auf seiten der Kreation erfordert eine effektive Internet-Anwendung ein ausgefeiltes Realisierungskonzept, das alle inhaltlichen, technischen und visuellen Aspekte der Anwendung berücksichtigt. Dies beinhaltet die Ausarbeitung der inhaltlichen Struktur und Architektur des Auftritts genauso wie die Festlegung der technischen Plattformen und Standards sowie den Entwurf eines durchgängigen visuellen Erscheinungsbildes. Letzteres geschieht oftmals in Anpassung an das vorgegebene visuelle Erscheinungsbild (Logos, Farbgebung) des Unternehmens - also an Corporate Design (CD) und Corporate Identity (CI).
Die Entwicklung einer Internet-Anwendung auf Kundenseite sollte mit dem Entwurf eines internen wie externen Kommunikationskonzepts verbunden sein. Intern beinhaltet dies die Schulung von Mitarbeitern, die Vermittlung von Know-how für die Betreuung der Site, aber auch die Schaffung von Akzeptanz für das Medium Internet und die Anwendung selbst. Extern schließt dieses Konzept alle Aspekte des Online Advertising und Web Announcing ein, also PR-Strategie, Mediaplanung, Bannerproduktion et cetera.
Ein Betreuungskonzept ist erforderlich, um die langfristige Pflege und Wartung der Anwendung zu gewährleisten. Inhaltliche und technische Kompetenzen und Aufgabenverteilungen sollten hier geklärt sein. Ebenso wichtig ist die Skizzierung langfristiger Arbeitsabläufe und verzahnter Handlungsschritte (Workflow). Dazu können die redaktionelle Pflege von Inhalten, die Bearbeitung von Kunden-Feedback, Gewinnspiel-Management, die Pflege von Newsgroups, aber auch Schulung und Support für Mitarbeiter gehören.

Skalierbarkeit und Individualisierung
Die zentralen technischen Elemente einer E-Commerce-Anwendung sind Produktdatenbank, Suchalgorithmen, Bestellabwicklung und Bezahlung. In weiteren Ausbaustufen kann ihre Funktionalität erweitert werden und wird so individuellen Anforderungen des Kunden gerecht.
Individualisierungsfunktionen sind wichtige Instrumente zur Verbesserung des Kundenkontakts. Der virtuelle Verkaufsraum hat die Funktion, Produkt und Dienstleistungen den potentiellen Kunden zugänglich zu machen; eine zielgruppenoptimierte Präsentation wird dabei versuchen, möglichst interaktiv oder präkonfiguriert (individualisiert) auf den Kunden einzugehen.
Für persönliche Kommunikation zwischen Unternehmen und Käufern gibt es eine Vielfalt von Mechanismen:

  • Individuelle Konfiguration der Site,

  • proaktives, also die Marktnachfrage provozierendes Angebot von Produkten und Leistungen,

  • Betreuung nach dem Kauf (zum Beispiel Produkt- und Kundenservice durch Feedback-Kanäle),

  • Angebote, die über den Geschäftsvorgang hinausgehen (Produkt- und Fachinformation, Entertainment, Online-Communities, Online-Magazin).

Pflege und Wartung
Nach Eröffnung der Online-Filiale bedarf diese der ständigen Pflege und Aktualisierung.
Autorisierte Mitarbeiter können mit Hilfe des angeschlossenen Warenwirtschaftssystems und eines Content-Management-Systems die Produktdatenbank editieren. Über die Redaktionsfunktionalität können sie redaktionelle Inhalte über diverse Templates (Platzhalter) einpflegen. So können Preis und Präsentationsform von Produkten im Rahmen einer Sonderaktion geändert, Kundenprofile gepflegt, individuelle Rabatte eingegeben, Lagerbestände abgeglichen und gegebenenfalls Alternativprodukte generiert werden.
Mit diesen Funktionen verfügt die E-Commerce-Lösung über eine komplette Businessfunktionalität mit Schnittstellen für spätere Erweiterungen, die vollständig über das Internet bedient werden kann.

Electronic Commerce in der Praxis: conrad.de

Die Umsetzung
Nach den theoretischen Vorgaben wurde für Conrad Electronic eine eigenständige Shop-Applikation mit Anbindung an die bestehenden IT- und Abrechnungsstrukturen des Hauses geschaffen. Der Bestell-Service richtet sich vorrangig an den Elektronik-Endverbraucher. Zu aktuellen Tagespreisen kann er aus einem Sortiment von über 30.000 Artikeln wählen und direkt bestellen. Aufgrund einer aufwendigen Datenmodellierung ist eine komfortable Suche nach verschiedensten Produktattributen möglich. Bezahlt wird per Nachnahme oder per Rechnung.
Die kreativen Elemente des Auftritts liegen in der Bequemlichkeit der Nutzerführung, im Design der Benutzeroberfläche (»Store Front«) und in der Abbildung von Kaufverhalten und Mediennutzung der Conrad-Kunden im Netz. Der Online-Shopper kann zudem frei navigieren, ohne sich vorab registrieren zu müssen.
Die technische Umsetzung des Conrad-Konzepts verlief in mehreren Phasen.
Die erste Projektphase hatte die Zielsetzung, in einem kurzen Zeitraum für das gesamte Warensortiment von Conrad Electronic einen Online-Shop mit einem anspruchsvollen Design und einer entsprechenden Nutzerführung zu realisieren.
Aufgrund der hohen Affinität der Conrad-Kunden zum Internet mußte das System entsprechend leistungsfähig und frei skalierbar dimensioniert werden.
Conrad verfügt über ein sehr heterogenes Produktsortiment (Technik für den Alltag, Bücher, Computer, elektronische Kleinteile etc.), weshalb für eine informative Produktdarstellung ein komplexes Datenmodell entwickelt werden mußte. Für die regelmäßige Pflege der Artikeldaten und Artikelinformationen sowie für die tägliche Aktualisierung des allgemeinen Informationsangebotes mußten entsprechende Tools entwickelt werden. Für die Pflege des nicht artikelbezogenen, statischen Contents durch Conrad-Mitarbeiter wird ein leistungsfähiges Redaktionssystem eingesetzt. Für die Betreuung der Artikeldatenbank wurden Tools zur sicheren, konsistenten und eindeutigen Pflege der Datenbestände erstellt.
Der Conrad-Online-Shop muß für die Integration von weiteren Modulen erweiterbar sein. Für Promotion und Marketingaktionen müssen kurzfristig neue Programm-Module (zum Beispiel Games, Entertainment-Site) in das System integriert werden. In jüngerer Zeit waren dies die Info-Newsletters sowie das Conrad-Magazin »starkstrom.de« mit angeschlossenen Diskussionsforen für alle Nutzer.
Die Artikeldaten werden durch Conrad Electronic in einer lokalen Datenbank gepflegt. Über einen Filter werden dabei bestehende Daten mehrmals täglich aus dem Warenwirtschaftsystem von Conrad Electronic importiert und um die für den Online-Shop notwendigen Informationen ergänzt. Über einen Replikationsserver werden die Daten in Intervallen auf den Online-Server übertragen.
Der nicht artikelbezogene statische Content wird über das Redaktionssystem bei CoMedia (Conrad Neue Medien GmbH), Pixelpark und den Content-Anbietern eingepflegt und nach erfolgter Freigabe auf den Online-Server übertragen. Künftig wird es zudem integrierte Schnittstellen zwischen Warenwirtschaft, Payment-System und Auftragsmanagement-System geben.

conrad.de: Weitere Entwicklungen
Der Online-Start im August 1997 war der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung von conrad.de. In den folgenden Projektphasen wurde der Online-Shop weiter ausgebaut, um die Möglichkeiten und Potentiale des Mediums noch stärker auszuschöpfen.
Im Frühjahr 1998 wurde ein Replikationsserver in Hirschau/Oberpfalz, dem Stammsitz der Firma Conrad, installiert. Damit kann die Produktdatenbank direkt von den Conrad-Mitarbeitern filialübergreifend editiert werden. Für den Nutzer sind neue Produkte und Preise, sowie die Kennzeichnung von Sonderangeboten und Restposten damit fast in Echtzeit (also nach turnusmäßiger Änderung in der Warenwirtschaft) sichtbar. In Verbindung mit dem Redaktionssystem kann die Site vom Betreiber ständig aktualisiert und im Rahmen der Gestaltungsrichtlinien verändert werden.
Mit Hilfe des Redaktionssystems soll die Site stärker in den Marketingmix des Unternehmens eingebunden werden. Dabei können Inhalte und Plazierungen von Neuigkeiten, Sonderaktionen und Online-Events direkt vom Redakteur ins Netz gesetzt werden.
Mit dem Start des Online-Magazins »starkstrom.de« und 14 verschiedenen Themenwelten am 1. August 1998 wurde die Site um redaktionelle Inhalte zum Thema Technik und Elektronik erweitert. Hier werden neueste Entwicklungen und Trends aus der Welt von Conrad Electronic vorgestellt und in Themenwelten auf spezielle Interessengebiete fokussiert (zum Beispiel Modellbau, Elektronikbastler). Damit kann Conrad seine technischen Kompetenzen und Serviceleistungen stärker im Netz abbilden. Der Nutzwert für die Kunden wird so durch redaktionelle Inhalte, die direkte Verfügbarkeit des Serviceteams und durch kundenspezifische Angebote verbessert.
Die Ausdehnung der internationalen Geschäftsaktivitäten war für Conrad Electronic von besonderer strategischer Bedeutung. Bisher hatte das Unternehmen 17 Filialen in der Bundesrepublik Deutschland und weitere im europäischen Ausland. Das Internet hat diesen Schritt wesentlich vereinfacht. So wird das Online-Angebot seit dem Frühjahr 1998 auch auf englisch angeboten. Dabei wurde die Produktdatenbank übersetzt und in das bisherige Datenmodell integriert. Zukünftig können so mehrere Auftritte in unterschiedlichen Ländern und Sprachen verwaltet werden.

conrad.de: Erfolgsfaktoren

Strategische Faktoren
Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Conrad-Site war die hohe Zielgruppenaffinität zum Online-Medium. So verfügen circa 50 Prozent der Conrad-Kunden über einen Online-Zugang und sind sehr technikinteressiert. Dadurch ist die Bereitschaft und Akzeptanz hoch, das neue Medium als Einkaufsplatz zu nutzen.
Der virtuelle Shop ist so gestaltet, daß er Kaufverhalten und Mediennutzung der Kunden medienspezifisch entgegenkommt. Künftig werden komfort- und entertainmentbetonte Features in den Auftritt integriert, der Stellenwert der Services ausgeweitet und die Verknüpfung der Bereiche untereinander im Sinne von Attraktivität und Kundenbindung optimiert. Durch verschiedene Suchzugänge wird die gezielte Suche von Produkten genauso unterstützt wie das Stöbern im Angebot. Die »Bereichssuche« erlaubt die Suche von Artikeln nach Produktgruppen in Anlehnung an die Sortierung einer Filiale, wobei Schlagwörter und Preisvorstellungen die Anfrage weiter eingrenzen und konkretisieren. In der »Volltextsuche« können beliebige Schlagwörter eingegeben werden, nach denen die Produktnamen und Beschreibungstexte durchsucht werden. Der gestartete Suchalgorithmus ist benutzerfreundlich, denn er verzeiht Fehler bei der Eingabe und sucht auch nach einzelnen Zeichenketten.
Die Publizität der Site wurde wesentlich von der umfassenden Bewerbung in den klassischen Medien und durch Online-Advertising bestimmt. Parallel zum Start im August 1997 begann die Werbekampagne im Netz. Die Kreation, Mediaplanung und Schaltung wurden komplett von Pixelpark realisiert. Seit dem Start der Werbung im Internet wurden folgende Kampagnen geschaltet: Neustart, Vorteile des Online-Shops, Gewinnspiel, Weihnachtsaktion, Conrad-Jubiläum, Bewerbung von Top-Produkten, Magazin-Einbindung, Foren, Ticker, Aktionen (wie zur Fußball-WM).

.
.
. 

Innovation und Praxisrelevanz der Website

.
.
. 

Der Internet-Auftritt von Conrad Electronic schafft die Möglichkeit, das Filialnetz des Unternehmens optimal zu verbinden. So wird beispielsweise die weitere Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten Conrads vorangetrieben. Mit Blick auf den europäischen Markt schafft die E-Commerce-Anwendung eine direkte Verbesserung des Expansionspotentials des Unternehmens. So wurde durch den realisierten Auftritt »das World Wide Web« wörtlich genommen, die Grenzen
fallen. Durch die Implementierung des Replikationsservers sind hier auf technischer Ebene weitere Barrieren abgebaut worden. Das Datenmodell ist so aufgebaut, daß es die Abrechnung von Verkauf und Leistungen in verschiedenen Fremdwährungen ermöglicht.
Durch die Einbindung eines redaktionellen Teils mit Online-Magazin (»E-Zine«), aber auch durch die demnächst weiter individualisierte Nutzerführung, hat Conrad einen wichtigen Schritt getan, um die Kundenbindung dauerhaft zu gewährleisten. Kunden- und nutzerrelevante Inhalte und Angebote können nun flächendeckend und effektiv vermittelt werden. Der Kontakt zum Kunden selbst wird ebenso verbessert. Die Kunden können nun mit der Unternehmenszentrale direkt kommunizieren und müssen bei Anfragen, Problemen und Reklamationen nicht mehr den Weg über die Filialen gehen.

Online-Werbung erfolgreich gestalten - das Beispiel Conrad Electronic

Überblick
Für Conrad ist die Eröffnung des Online-Geschäfts mit einer klaren Zielsetzung verbunden: Neben der Prozeßoptimierung im Bestellwesen und der Verbesserung des Services stand vor allem die Neukundengewinnung im Vordergrund. Um dieses Marketingziel zu erreichen, erarbeitete Pixelpark eine Einführungskampagne in ausgewählten Publikumstiteln. Folgende Vorgaben wurden hierfür definiert:

  • Kommunikationsziel: Kommunikation des Conrad Shopping-Angebotes

  • Zielgruppe: Technikaffine Männer

  • Schaltbudget: DM 40.000

  • Zeitraum: September 1997

Als Kampagnenziele bestanden zudem der Aufbau einer möglichst hohen Reichweite bei adäquat hoher AdClick-Rate (Mausklick auf Werbemittel) und möglichst hoher Wirtschaftlichkeit unter Ausnutzung gegebener Synergien mit dem klassischen Kampagnenauftritt von Conrad.
Stellvertretend für den umfangreichen Prozeß der Kampagnenentwicklung soll hier dargestellt werden, wie Mediaselektion und die Bannergestaltung zur Umsetzung der oben angeführten Vorgaben beitrugen.
Hier stand Pixelpark vor der schwierigen Aufgabe, sehr zielgruppenorientiert vorgehen zu müssen, um technikaffine Männer mit einem potentiellen Kaufinteresse an Conrad-Produkten in einem angemessen hochwertigen Umfeld zu adressieren. Zugleich sollte eine hohe Reichweite erzielt werden, um auch jene relevanten Online-Nutzer, die das entsprechende Banner nicht klicken, auf die Eröffnung einer Filiale im Netz hinzuweisen.
Problematisch war, daß die meisten der von Conrad klassisch belegten Werbeträger noch über keine Internetpräsenz verfügten. Somit waren der angestrebten synergetischen Verknüpfung der klassischen Medien und der Online-Kampagne Grenzen gesetzt.
Lösbar wurde die Aufgabe durch eine Herangehensweise, die sich vom klassischen Mediaplanungsprozeß mitunter deutlich unterscheidet. Die Lösungsansätze lassen sich in den folgenden Aussagen zusammenfassen:

  • Auch Online-Mediaplanung ist im Kern klassisch
    Die Grundlage der Mediaselektion für die Conrad-Einführungskampagne bildeten Werbeträger mit einem redaktionellen Umfeld, das stark technikorientiert ist, ohne dabei jedoch nur wahrscheinliche Bestandskunden anzusprechen. Diese Art der Mediaselektion ist vergleichbar der Selektion bei Fachzeitschriften, da sie stark an qualitativen Kriterien (zum Beispiel der Affinität der Leser beziehungsweise Nutzer zum redaktionellem Umfeld und beworbenem Produkt) orientiert ist.

  • Die Zielgruppe wird durch die Mediaselektion definiert
    Diese - nach dem klassischen Mediaplanungsmodell paradoxe - Umkehrung kann im Online-Umfeld durchaus sinnvoll sein. Denn die grundsätzlichen Schwierigkeiten, nach gelernten Zielgruppenmustern zu planen, erfordern zwingend, sich genau mit den Marketing- und Kommunikationszielen einer Kampagne vertraut zu machen und diese gegebenenfalls onlinegerecht zu modifizieren.
    Ein Beispiel: Wenn ein Kosmetikhersteller analog seiner klassischen Kampagnenziele mittels Online-Werbung Frauen erreichen will, so hat er aufgrund der derzeitigen Struktur des Internets mit hohen Streuverlusten zu rechnen, da selbst frauen- beziehungsweise kosmetikaffine Umfelder noch hochgradig von Männern genutzt werden. Dies kann schon ganz anders aussehen, wenn der Mediaplaner die Sekundärzielgruppe des Kosmetikherstellers ins Visier nimmt: Männer, die ihren Frauen oder Freundinnen Kosmetika schenken. Sie werden klassisch bestenfalls nachrangig adressiert und sind im Netz wahrscheinlich deutlich effizienter zu erreichen.
    Für Conrad hieß dies, daß in der Mediaselektion Lehrer und Ausbilder adressiert werden, die sich aufgrund ihres beruflichen Engagements für das Conrad-Sortiment interessieren und eine Multiplikatorenrolle einnehmen.

Das Affinitätspotential bestimmt die Plazierung (und Gestaltung)
Die Affinität des Nutzers zum Content-Umfeld und zum beworbenen Produkt sind für die Mediaselektion und Plazierung von herausragender Bedeutung. Für die Einschätzung dieser Affinität ist auch die Motivation des Nutzers von Bedeutung. So mag die Plazierung eines Markenartiklers in einem Chat-Umfeld nicht hochgradig affin wirken. Bedenkt man aber, daß Nutzer chatten, um sich die Zeit zu vertreiben und um Neues kennenzulernen, und daß sie immer dann geneigt sind, ein Werbebanner anzuklicken, wenn sich niemand zum Chatten findet, kommt man der Logik einer derartigen Plazierung schon näher. Hier stellt sich die vom Content nicht erfüllte Erwartungshaltung des Nutzers als Affinitätspotential für den Werbebanner heraus.
Für Conrad konnte ein ähnlicher Weg gewählt werden. Um die Reichweitenziele der Einführungskampagne zu erfüllen, wurden Suchmaschinen in die Mediaselektion aufgenommen. Zugleich erfolgte eine umfeldorientierte Bannerkonzeption. Das bei Suchmaschinen inhärente Interesse des Nutzers wurde aufgegriffen und auf die via Banner dargestellte Suchfunktion von Conrad gelenkt.

Die Bannergestaltung
Die Ausschöpfung des Affinitätspotentials eines Werbeträgers und Werbemittels sollte auch bei der Bannergestaltung im Vordergrund stehen. Im Rahmen der Conrad-Einführungskampagne wurden daher individuell auf die Werbeträger angepaßte Banner eingesetzt. Die Anpassung beschränkte sich dabei nicht auf technische oder formatbedingte Änderungen, sondern betraf auch Fragen der Copy, der Tonalität oder der Farbigkeit.
Darüber hinaus erfolgte die Kreation entlang der bereits vorliegenden Erkenntnisse über grundlegende Erfolgsfaktoren der Bannergestaltung. So wurden:

  • das Firmenlogo von Conrad integriert,

  • ansprechende, kräftige Farben verwendet (die Conrad-»Hausfarben« blau und gelb),

  • Animationen eingesetzt, wenn sich hierdurch die Botschaft besser oder eindrucksvoller transportieren ließ,

  • kryptische Aussagen vermieden.

Teaser-Effekte (das sind auf Überraschung abzielende Werbebotschaften ohne Produkt- oder Herstellernennung) regen nur in Ausnahmefällen zum Klick an, blenden aber die Wirkungsebene des Kontakts zwangsläufig aus, da der Absender ungenannt, die Werbebotschaft im Verborgenen bleibt und ein klarer Aufforderungscharakter vermittelt (»Hier Klicken«) wird.

Die Resultate
Der Kampagnenerfolg wurde auf drei wie folgt skizzierten Ebenen meßbar:

Das Werbemittel: Relevante Wirkungsgröße ist hier die Betrachtung durch den Nutzer.
Das entsprechende Meßkriterium, das den Kontakt definiert, ist die »PageImpression« (Abruf einer Bildschirmseite).

  • Die Interaktion mit dem Werbemittel (zum Beispiel der Mausklick): Relevante Wirkungsgröße ist die Ansprache des Nutzers, die von der passiven Betrachtung zur aktiven Hinwendung zum Conrad-Angebot führte. Definierendes Meßkriterium ist in diesem Fall der »AdClick«.

  • Das Involvement mit der Conrad-Website: Durch die Interaktion mit dem Werbemittel hat der Nutzer sein Interesse an der Werbebotschaft beziehungsweise dem ausgelobten Produkt bekundet. Auf der Zielseite, auf die er via AdClick gelangt ist, kann er sein Interesse konkretisieren. Dies erfolgt durch die Nutzung von Informations-, Kommunikations- oder Transaktionsangeboten, wobei Conrad natürlich letzteres anstrebt. Die Meßkriterien für den Grad des Involvements sind somit auch von den auf der Zielseite angelegten Funktionen abhängig.

Eine aussagekräftige Online-Kampagnenkontrolle muß also die Werbeträger, Werbemittel und die dahinterliegende Website umfassen.
Die Online-Einführungskampagne für Conrad konnte unter dem Einsatz von acht Werbeträgern 640.000 Kontakte generieren. Die Kommunikationsziele wurden somit erreicht und in bezug auf die konkreten Planwerte sogar übererfüllt. Bei den Bestellern handelt es sich wie angestrebt in der Mehrzahl um Neukunden.

Die Weiterentwicklung
Nachdem eindrucksvoll belegt werden konnte, daß Online-Werbung eine deutlich absatzfördernde Funktion besitzt, wurde sie im Marketing- und Kommunikationsmix von Conrad fest verankert.
Anknüpfend an die Einführungskampagne wurde eine Kampagne realisiert, die die spezifischen Vorteile des Online-Shops kommunizierte.
Seit Anfang des Jahres arbeiten Conrad Electronic und Pixelpark an Konzepten der »Online-Werbung der nächsten Generation«. Unterschiedliche Kampagnen mit sich ergänzenden Kommunikationszielen werden dabei konzertiert und verschränkt eingesetzt, um sowohl neue Käufergruppen zu erschließen, als auch spezielle Produkte zu bewerben und herausragende Events auszuloben. Der Kampagnenmix wird durch Targeting (zielpersonengenaue Ansprache) und den Einsatz innovativer Werbemittel unterstützt.

Christian Bachem

...

  

Dieses Kapitel...

... können Sie vollständig per PDF-Download beziehen:
Alle Seiten mit Abbildungen in optimaler Qualität, hervorragend geeignet zum Ausdruck auf Papier.
Zusätzlich bietet Ihnen das PDF-Format praktische Suchmöglichkeiten.
Schon in wenigen Minuten sind die Kapitel auf Ihrem Computer gespeichert, zu einem günstigen Preis: 30 Cent pro Seite.

Zum Download 


Verlagsprogramm

Symposion Publishing GmbH
Werdener Str. 4
40227 Düsseldorf
Tel. 0211 - 8 66 93 0
Impressum