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- Leseprobe -
Business Process Reengineering als Basis von Prozeßinnovationen
von Tom Sommerlatte
Stichworte: Einführung, Reengineering des Unternehmensmodells und der Leistungsprozesse: Erfolgsfaktoren als
Meßlatte für die Leistungsprozesse,
Marktorientierte Leistungsprozesse als Aggregation von Einzel- und Teilleistungen, Hebelpunkte und Prioritäten für Business Process Reengineering,
Organisatorische Konsequenzen, Unterstützung der Prozeßinnovation durch organisationales Lernen, Verhaltensänderung,
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren Sie:
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wie ein Unternehmen seine produktivste Organisationsstruktur
aufbaut,
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daß Business Process Reengineering (BPR) mit allen
beteiligten Mitarbeitern gemeinsam erarbeitet werden muß,
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wie man das Mitarbeiter-Bewußtsein für die Stärken und
Schwächen des Unternehmens fördert,
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daß wettbewerbskritische Erfolgsfaktoren genau bestimmt
werden müssen, um Leistungsprozesse marktgerecht anpassen zu können,
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daß »aggregierte« Leistungsprozesse die Potentiale aller
Mitarbeiter besser nutzen,
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wie Schnittstellen-Kosten gering gehalten werden,
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wie man durch BPR erzielte Verhaltensänderungen
stabilisiert und den Lernprozeß in Gang hält.
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Neudurchdenken
und Reengineering des Unternehmensmodells und der Leistungsprozesse
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Der systematische Ansatz des Business Process Reengineering geht von vier wesentlichen
Zusammenhängen aus:
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der Analyse der wettbewerbskritischen Erfolgsfaktoren,
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der Analyse der zur Erfüllung der wettbewerbskritischen Erfolgsfaktoren erforderlichen
aggregierten Leistungsprozesse,
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der Bestimmung der in der betroffenen Industrie erreichten Leistungsstandards
(Best-Practice, durch Benchmarking bestimmbar) und, daraus abgeleitet,
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der Definition von Produktivität- und Differenzierungszielen für die aggregierten
Leistungsprozesse quer durch die Funktionsbereiche des Unternehmens.
Hebelpunkte und Prioritäten für das Business Process Reengineering
erkennen
Zunächst einmal gilt es, zuverlässig die Wechselbeziehung zwischen den
Erfolgsfaktoren und den Leistungsprozessen aufzudecken und zu bewerten (siehe Abb. 7). Es
zeigt sich hierbei, daß einzelne Erfolgsfaktoren von mehr als einem Leistungsprozeß
abhängen und daß umgekehrt jeder der Leistungsprozesse auf mehr als einen Erfolgsfaktor
wirkt.
Wenn die wettbewerbskritischen Erfolgsfaktoren und das Stärken-Schwächen-Profil des
Unternehmens gegenüber seinen Wettbewerbern bekannt sind, wenn die Leistungsprozesse
präzisiert sind, die das Unternehmen zur Erfüllung der Erfolgsfaktoren erbringen
muß,
dann ist die Basis geschaffen, um das Unternehmen gezielt in Richtung auf eine
Hochleistungsorganisation zu entwickeln.
Schwächen bei der Erfüllung der Erfolgsfaktoren können so auf Schwächen der
Organisation und Effizienz der Leistungsprozesse zurückgeführt werden. Wenn auf diese
Weise spezifische Leistungsprozesse als Ursache für die unzureichende Erfüllung von
Erfolgsfaktoren identifiziert wurden, so muß im einzelnen untersucht werden, wo im
Verlauf des Leistungsprozesses die Schwachstellen und die
Produktivitätssteigerungsmöglichkeiten liegen.
Dazu erweist es sich als nützlich, die in der jeweiligen Industrie erreichten oder
erreichbaren Produktivitätsstandards heranzuziehen. Die Frage ist hier: »Wie machen es
andere?«
In der Regel wissen die Mitarbeiter des Unternehmens zumindest in Teilbereichen gut
Bescheid, wie die wichtigsten Wettbewerber ihre Prozesse organisiert haben und
unterstützen (oft kommt sogar der eine oder andere Mitarbeiter vom Wettbewerb). In vielen
Branchen gibt es einen gut funktionie
renden Erfahrungsaustausch und ein beträchtliches Maß an Offenheit über
organisatorische Lösungen. Häufig können auch die Lieferanten von Informationssystemen
brauchbare Aussagen über Standards in einer Industrie machen.
Ergebnis der Analysen und Bewertungen muß in jedem Fall eine Einstufung der einzelnen
Leistungsprozesse nach ihrem Grad der Zweckerfüllung und ihrem Effizienzniveau im
Vergleich zu den von den Wettbewerbern praktizierten Lösungen und den als möglich
erkannten Produktivitätsstandards sein (siehe Abb. 8).
Die aufgefundenen Schwächen können in den meisten Fällen durch eine systemanalytische
Darstellung in Form einer Gesamtschau der erforderlichen Teilprozesse, der involvierten
Leistungseinheiten und der Vorgänge an den Schnittstellen erklärt werden (siehe Abb. 9).
In den meisten Unternehmen beobachten wir Brüche und Inkonsistenzen bei den aggregierten
Leistungsprozessen, die die Ursache für die Schwächen bei der Zweckerfüllung und
Effizienz der Leistungsprozesse und in der Folge bei der Erfüllung der Erfolgsfaktoren
sind. Die Ursache dafür ist in der Regel, daß sich die Organisationsmitglieder über das
Vorhandensein und die Bedeutung dieser Leistungsprozesse nicht im klaren sind, daß sie
stattdessen ihren Teilbereich zu optimieren und behaupten versuchen, im Vertrauen darauf,
daß die effiziente Gesamtleistung sich durch die Gesamtorganisation des Unternehmens
sozusagen »mit eingebauter Konsequenz« ergibt. Die Gesamtorganisation kann aber meistens
diese Wirkung gar nicht erbringen, da sie nicht nach diesem Prinzip geschaffen wurde; sie
ist meistens historisch gewachsen, von Zeit zu Zeit zurechtgestutzt worden, um auffällige
Ineffizienzen zu beseitigen, und sie ist häufig das Ergebnis von Teil- oder
Suboptimierungen in einzelnen Funktions- und Verantwortungsbereichen entsprechend den
Vorstellungen und Absichten einzelner Führungskräfte. Eine Hochleistungsorganisation
kann daraus nicht werden. Die Leistungsprozesse sind nicht aggregiert, sondern
zerstückelt und werden bei weitem nicht zur strategischen Differenzierung genutzt. Auf
diese Weise bleibt die Produktivität des Gemeinkostenbereichs trotz stellenweiser
Leistungs- und Kostensteigerungen unbefriedigend, so daß dann schließlich immer wieder
der große Rationalisierungshebel angesetzt werden muß.
Durch ständiges »organizational learning« kann eine derartige Entwicklung verhindert
werden. Denn in dem Maß, in dem alle Organisationsmitglieder in den Erkenntnisprozeß
einbezogen und von dem Bewußtsein durch
drungen sind, welche wettbewerbskritischen Erfolgsfaktoren über die Position und das
Potential des Unternehmens am Markt entscheiden und welche Leistungsprozesse im
Unternehmen ablaufen müssen, um die aus der Sicht der Kunden wesentlichen Leistungen zu
erbringen, in dem Maß kann ein abgestimmtes, zielgerichtetes Verhalten aller
Funktionsbereiche entstehen, können alle Entscheidungsträger gemeinsam Lernfortschritte
machen und den Erfahrungsprozeß beschleunigt durchlaufen. Das wiederum ist die
Grundvoraussetzung einer Hochleistungsorganisation.
Dieser Erkenntnisprozeß muß seinen Niederschlag in der Ablauf- und Aufbauorganisation
des Unternehmens finden. Die Frage ist also, welche organisatorischen Veränderungen
erforderlich sind, um die als erfolgsentscheidend erkannten Leistungsprozesse zu
unterstützen, anstatt sie zu behindern.
Organisatorische Konsequenzen
Leistungseinheiten, Querschnittsfunktionen und
Schnittstellen
Eines der hervorragenden Merkmale innovativer Unternehmen besteht darin,
daß die entscheidenden Leistungsprozesse hohe Aufmerksamkeit genießen und ohne
organisatorische Komplikationen ablaufen können.
Organisatorische Komplikationen resultieren in der Regel aus Zuständigkeitsabgrenzungen
und Schnittstellen in einem an sich durchgehenden Leistungsprozeß, aus Zerteilungen von
Leistungseinheiten, die, obwohl sie eine zusammenhängende Leistung erbringen sollen,
unterschiedlich zugeordnet wurden sowie aus sequentiellen Abstimmungsvorgängen, die
eigentlich gleichzeitig erfolgen müßten.
Die damit verbundenen Kosten stellen heute in vielen Unternehmen bis zu einem Drittel der
gesamten Kostenstruktur der Produkte und Dienstleistungen dar. Sie bauen sich durch
Übertragungs-, Zwischenspeicherungs- und Abstimmungsaufwendungen auf, die an den
Schnittstellen entstehen und sich in dem gesamten funktionsübergreifenden
Leistungsprozeß aufaddieren.
Idealerweise sollten Leistungsprozesse daher so weit wie möglich innerhalb einer
Leistungseinheit ablaufen. Dem steht entgegen, daß die verschiedenen Leistungsprozesse im
Unternehmen sich teilweise überlappen oder überkreuzen und daß die
Querschnittsfunktionen insgesamt produktiver arbeiten können, wenn sie als eigenständige
Leistungseinheit organisiert sind.
So involvieren Leistungsprozesse unvermeidlich eine gewisse Zahl von Leistungseinheiten,
zwischen denen Schnittstellen bestehen.
Schnittstelle: Entwicklung und Fertigung
Die Entwicklung muß sich bewußt sein, daß im Kundennutzen-Optimierungs-Prozeß die
Überführung in die Fertigung und in das Vertriebsprogramm anfällt, bei der eine
intensive Überlappung mit dem Produkt- und Leistungsbereitstellungs-Prozeß auftritt.
Umgekehrt muß sich die Fertigung darüber im klaren sein, daß sie den Produkt- und
Leistungsbereitstellungs-Prozeß nur erfolgreich abwickeln kann, wenn sie die Optimierung
des Produkt- und Verfahrenskonzepts nach fertigungstechnischen und fertigungsökonomischen
Gesichtspunkten so früh wie möglich mit dem Kundennutzen-Optimierungs-Prozeß koppelt.
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