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- Leseprobe -
Einsatz der Balanced Scorecard in kleinen und
mittleren Unternehmen
von Alexandra
Frantz, Katja Frommen-Pleterski
Stichworte: Funktionalität
des Ansatzes und Konkretisierungsbarrieren, Anwendbarkeit in KMU, Perspektiven der BSC:
Finanzen, Kunden, Prozesse, Potenziale, BSC-Erstellung, Missverständnisse in der Praxis; Implementierung in KMU:
Projektphasen, Strategieprüfung, Projektinhalte, Strategische Ziele, Messung der Zielerreichung, Definition
von Ursache-Wirkungsbeziehungen, Aktionsprogramme, Umsetzungserfahrungen, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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Warum die Balanced Scorecard ein
geeignetes Führungsinstrument für kleinere und mittlere
Unternehmen darstellt,
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wie sich der Prozess zur Einführung
einer Balanced Scorecard gestalten lässt,
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welche Voraussetzungen in
Unternehmen gegeben sein müssen, um eine erfolgreiche
Implementierung der Balanced Scorecard zu gewährleisten,
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auf welche Missverständnisse und
Implementierungshemmnisse man bei der Einführung einer Balanced
Scorecard in der Praxis stößt.
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Um langfristig Wettbewerbsvorteile erzielen zu können, benötigen
auch kleine und mittlere Unternehmen Strategien, die sich in den
Unternehmensalltag integrieren lassen und dort als geeignete Steuerungs-
und Führungsinstrumente funktionieren. Das Anfang der 90er Jahre in den
USA entwickelte Managementsystem der Balanced Scorecard zeigt, wie sich
Unternehmen auf die strategierelevanten Leistungsindikatoren konzentrieren
und alle zentralen Unternehmensbereiche in den Innovationsprozess
einbeziehen können. Anhand eines Praxisbeispiels demonstrieren die
Autorinnen einen erfolgreichen Implementierungsprozess.
Die
Balanced Scorecard als strategisches Managementsystem
Strategien zur erfolgreichen Steuerung von Unternehmen durch das
turbulente Wettbewerbsumfeld und vor allem deren schnelle und effiziente
Umsetzung in den Unternehmensalltag stellen heute große Herausforderungen
für Unternehmen dar. Um Wettbewerbsvorteile erzielen sowie die Zukunft
des Unternehmens erfolgreich bewältigen zu können, müssen auch kleine
und mittlere Unternehmen (KMU) konkrete Strategien entwickeln und
implementieren. Jedes Unternehmen muss sich die Frage stellen, mit welchem
System die Strategie in den Unternehmensalltag übersetzt wird
beziehungsweise mit welchem Steuerungs- und Führungsinstrumentarium das
Unternehmen durch das turbulente Umfeld gesteuert werden soll.
Eine umfassende Lösung zur Steuerung und Führung von Unternehmen bietet
das Anfang der 90er Jahre von Kaplan und Norton in den USA entwickelte
Managementsystem der Balanced Scorecard (BSC). In einer ersten Ausbaustufe
haben Kaplan und Norton 1992 gemeinsam mit zwölf US-amerikanischen
Unternehmen die BSC als ein Performance Measurement System, ein geordnetes
Sammelwerk von Messgrößen und Erfolgstreibern, entwickelt.
Der Hintergrund für die Entwicklung von Performance Measurementsystemen
im Allgemeinen beziehungsweise der Balanced Scorecard im Besonderen ist in
den Defiziten von traditionellen, auf finanziellen Größen beruhenden
Steuerungssystemen zu sehen. In einer dynamischen Umwelt, die durch
Globalisierung, Informationstechnologie und starken Wettbewerbsdruck
gekennzeichnet ist, sind Finanzkennzahlen alleine nicht geeignet,
Unternehmen erfolgreich zu steuern. Über eine Aussagefähigkeit bezüglich
der zukünftigen Wertschöpfung, Innovationen beziehungsweise Ursachen für
bestimmte Entwicklungen verfügen Finanzkennzahlen in der Regel nicht [6].
Allgemein werden die Dominanz von finanzwirtschaftlichen Kennzahlen und
die einseitige Ausrichtung auf diese Messgrößen sowie die Generierung
von »Zahlenfriedhöfen« kritisiert. Ziel muss es vielmehr sein, sich auf
wenige, strategierelevante Leistungsindikatoren zu konzentrieren.
Leistungsindikatoren können sowohl Spät- als auch Frühindikatoren sein.
Spätindikatoren zeigen auf, ob ein Ziel in der vergangenen Periode
erreicht werden konnte. Sie geben also eine Fehlentwicklung
beziehungsweise Abweichung erst dann an, wenn sie bereits eingetreten ist.
Frühindikatoren als Gegensteuerung messen, ob ein Ziel in der Zukunft
noch erreicht werden kann, und haben damit Frühwarncharakter.
Darüber hinaus wird die BSC als Kommunikationsinstrument eingesetzt, um
Strategien im Unternehmen bekannt zu machen und somit das Unternehmen an
der Strategie auszurichten.
1996 hat die Balanced Scorecard als strategisches Managementsystem eine
Weiterentwicklung erlebt. Dabei wurde deutlich, über welches Potenzial
das Konzept verfügt. Mit Hilfe der BSC kann die langfristige Entwicklung
des Unternehmens geplant, gesteuert, kontrolliert, aber auch angepasst
werden.
Damit ist die BSC mehr als nur ein operatives Messsystem, das dem
Unternehmen finanzielle und nichtfinanzielle Daten für die kurzfristige
Kontrolle und Steuerung liefert. Die BSC als strategisches
Managementsystem ermöglicht Unternehmen, ihre Strategie langfristig
verfolgen zu können sowie deren Entwicklung zu planen, zu steuern, zu
kontrollieren und anzugleichen [6].
Balanced Scorecard im Überblick
Als strategisches Managementsystem steuert die BSC ein Unternehmen oder
einen Teilbereich des Unternehmens. Der zu steuernde Bereich wird aus
verschiedenen Perspektiven betrachtet (siehe Abb. 1). Nach der von Kaplan
und Norton vorgeschlagenen Form wird das Unternehmen aus vier
Perspektiven, nämlich der Finanz-, Kunden-, Prozess- und der
Potenzialperspektive beleuchtet, wodurch ein umfassenderes und
ausgewogenes Bild über die Unternehmensleistung ermöglicht wird.
Ausgehend von der Unternehmens- beziehungsweise Teilbereichsstrategie
werden für die einzelnen Perspektiven strategische Ziele abgeleitet. Der
Zielerreichungsgrad wird über Kennzahlen gemessen. Um klare Aussagen über
die Leistung in den Kerngeschäften zu bekommen, sind zusätzlich zu den
monetären auch nichtmonetäre Kennzahlen notwendig, die sich
beispielsweise auf Kundenzufriedenheit, die Funktionalität der internen
Prozesse sowie Innovationen beziehen.

Abb. 1: BSC im Überblick
Wichtig ist, dass die in den Perspektiven entwickelten Ziele nicht
losgelöst voneinander betrachtet, sondern deren Interdependenzen berücksichtigt
werden. Diese Wechselwirkungen werden mit Hilfe von
Ursache-Wirkungsbeziehungen, die sich über alle Perspektiven hinweg
ziehen, veranschaulicht. Um die definierten Ziele zu erreichen und damit
letztlich der Unternehmensstrategie beziehungsweise Teilbereichsstrategie
zu entsprechen, werden im Rahmen eines BSC-Prozesses Aktionsprogramme
definiert und Projekte zur Zielerreichung eingeleitet [4].
BSC - Erfolgsrezept oder Modeflop?
Das von Kaplan und Norton in deren Artikel »The Balanced Scorecard -
Measures That Drive Performance« 1992 erstmals veröffentlichte Konzept
eines »ausgewogenen Kennzahlensystems« hat in den USA und mit einer
Zeitverzögerung von wenigen Jahren auch in Deutschland große Beachtung
gefunden. Schätzungen zu Folge setzen mittlerweile fast alle im DAX
notierten Unterneh
men die BSC als Führungsinstrument ein. Im Jahr 2000 werden nach einer
Studie der Gartner Group zirka 40 Prozent der Fortune-1000-Unternehmen das
Konzept der BSC einsetzen.
Das Konzept der BSC ist einfach; die positiven Praxiserfahrungen überzeugen
von der Funktionalität des Ansatzes und sind ein deutliches Zeichen dafür,
dass es sich bei der BSC-Methodik nicht um einen Modetrend handelt, der
kurzfristig beendet sein wird. Das Instrument wird sich vielmehr in der
Praxis weiter verbreiten, vielleicht unter einem anderen Namen. Aufgrund
der Ausbaustufen der BSC ist der Name »Ausgewogenes Zielsystem«
beziehungsweise »Ausgewogenes Berichtswesen«, wie die BSC aus dem
Englischen übersetzt bezeichnet wird, nicht mehr adäquat und führt
schnell zu dem Missverständnis, dass die BSC lediglich ein neues
Reporting-Tool sei. Die Deutsche Bahn AG hat ihre BSC »Bahn
Strategie-Card« genannt. Diese Bezeichnung beschreibt wohl eher die
Einsatzmöglichkeiten der BSC, nämlich als Instrument zur
Strategieimplementierung.
Auslöser für den Einsatz der Balanced Scorecard im Unternehmen
Es gibt unterschiedliche Auslöser für den Einsatz einer BSC im
Unternehmen oder in Teilbereichen eines Unternehmens. In der Praxis wird die BSC vor allem zur schnellen und effektiven
Umsetzung der Strategie in den Unternehmensalltag eingeführt. Dies kann
in der heutigen Zeit zum Wettbewerbsvorteil werden, da aufgrund des
dynamischen Umfeldes Unternehmen dafür immer weniger Zeit bleibt. Hinzu
kommt, dass aufgrund der zunehmenden Komplexität im Rahmen der
Strategieentwicklung und -umsetzung immer mehr Zeit benötigt wird.
Geschwindigkeit und Effektivität der Strategieimplementierung sind von
besonderer Bedeutung, weil die Gültigkeitsdauer von Strategien aufgrund
von Chancen zum Beispiel durch neue Informations- und
Kommunikationstechnologien, Fusionen bei Kunden und Wettbewerbern stark
abgenommen hat. Da die Bedeutung der Strategie aber sehr groß ist, lässt
sie damit die Strategieumsetzungskompetenz zum Erfolgsfaktor werden [3].
Die Problematik des strategischen Managements liegt im Übergang
zwischen der Strategieentwicklung und Strategieimplementierung, wobei der
Schwerpunkt in der Praxis eindeutig in der Strategiefindung liegt. Größtenteils
scheitern Strategien jedoch an ihrer Implementierung. Hier setzt die
Balanced Scorecard als Strategieimplementierungsinstrument an. Mit diesem
können vier spezifische Strategieimplementierungshindernisse überwunden
werden.
Kaplan und Norton sprechen von einer Visions- und
Konkretisierungsbarriere, das heißt die Strategien werden nicht von
denjenigen verstanden, die sie umsetzen müssen. Als problematisch ist
hier vor allem der Informationsverlust anzusehen, der schon in Studien
nachgewiesen werden konnte; zum Beispiel kommen nach einem
Kommunikationsweg über fünf Verantwortungsebenen beim Empfängerkreis
nur noch 20 Prozent der ursprünglichen Information an. Darüber hinaus
ist gerade bei KMU zu beobachten, dass Strategien häufig implizit, das
heißt ausschließlich in den Köpfen der Verantwortungsträger, vorhanden
sind. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass im Unternehmen kein
einheitliches Verständnis über die Strategie besteht. Außerdem sind
Strategien oftmals nicht in Ziele übersetzt. Der Konkretisierungsgrad der
Strategie ist häufig so gering, dass zu viel Interpretationsspielraum für
jene Personen gegeben ist, die die Strategie umsetzen müssen.
Darüber hinaus sprechen Kaplan und Norton von einer Managementbarriere.
Etablierte Managementsysteme sind häufig operativ, aber nicht strategisch
ausgerichtet; so sind Zielvereinbarungssysteme beispielsweise häufig an
der Erreichung rein operativer Ergebnisse ausgerichtet und berücksichtigen
die Erreichung strategischer Ziele meist zu wenig.
Als dritte Barriere beschreiben Kaplan und Norton die operative
Barriere.
Schlüsselprozesse sind so konzipiert, dass sie die erfolgreiche
Strategieumsetzung nicht wirkungsvoll unterstützen beziehungsweise
verhindern.
Kaplan und Norton sprechen darüber hinaus von einer Mitarbeiter-Barriere.
Die individuellen Ziele und Kenntnisse eines Mitarbeiters gehen zum Teil
nicht konform mit der Strategie des Gesamtunternehmens.
Beim Einsatz einer BSC als strategisches Managementsystem ist es
notwendig, diese Implementierungshemmnisse wahrzunehmen und zu kennen, da
sie durch einen offenen, konstruktiven Umgang überwunden werden können
[6].
Wie bereits erwähnt, soll durch den Einsatz der BSC das Reporting
verbessert werden, indem umfangreiche und unübersichtliche Informationen
auf strategisch relevante reduziert werden. Mit dem Einsatz der BSC kann
auch der Planungsprozess beschleunigt und vereinfacht werden, da Konsens
über die strategische Ressourcenallokation - wie zum Beispiel monetäre
Ressourcen, Humanressourcen oder ähnliches - besteht.
Auch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmen (KonTraG),
das von Kapitalgesellschaften die Implementierung eines Früherkennungs-
und Risikomanagementsystems verlangt, kann den Anstoß für die
Entwicklung einer BSC geben. Mit Hilfe der BSC wird die Einführung eines
aus
gewogenen Risikomanagements ermöglicht [3].
Anwendbarkeit der BSC in KMU
Gerade weil nicht alle KMU bereits über konkrete
Unternehmensstrategien verfügen, stellt die BSC für sie einen
hervorragenden Ansatz dar. Durch den Einsatz der BSC werden sie gezwungen,
über strategische Stoßrichtungen des Unternehmens zu diskutieren,
Konsens im Management herzustellen und strategische Vorgaben festzulegen.
Durch die von der BSC verlangte Ausgewogenheit wird das Ergreifen
solcher Maßnahmen vermieden, die auf kurzfristige Ergebnisverbesserung
abzielen. Es gilt nicht nur, den Anforderungen der Investoren
nachzukommen, sondern auch die von anderen Interessengruppen - wie
Mitarbeitern, Kunden, der Öffentlichkeit und so weiter - zu berücksichtigen.
Finanzperspektive
Die finanzwirtschaftliche Perspektive stellt die wichtigste Perspektive
in der BSC dar. Die monetären Größen dienen als Bindeglied zwischen
allen Perspektiven und definieren außerdem die finanzielle Leistung, die
von der Strategie erwartet wird. In der Finanzperspektive findet sich der Gedanke des Shareholder-Value-Prinzips wieder, das heißt:
Die Anforderungen der Investoren und Eigentümer müssen entsprechend Berücksichtigung
finden.
Eine Besonderheit des BSC-Ansatzes ist die Berücksichtigung von
Gegenwarts- und Zukunftsdaten, um der Früherkennung von Problemen gerecht
zu werden. Zu beachten ist ferner die Auswahl strategisch relevanter
Kennzahlen nach dem Prinzip »weniger ist mehr«, um den Blick auf das
Wesentliche zu gewährleisten. Klassische Kennzahlen sind Kapitalrendite,
EVA, Cash-flow sowie Umsatz- und Wachstumskennzahlen.
Die Annahme, der Einsatz der BSC benötige umfangreiche IT-Ressourcen,
ist zunächst nicht richtig. Heutzutage basiert nahezu jedes
Rechnungswesen auf Informationstechnologie beziehungsweise auf einer
Standardsoftware, die eine für die finanzielle Perspektive benötigte
Datenbasis liefert. Wichtig ist allerdings, dass die Daten entsprechend
ihrer strategischen Relevanz aufbereitet werden.
Kundenperspektive
Der Weg zur Erreichung der monetären Ziele führt nur über den
Kunden, der die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens nachfragt
und dem Unternehmen damit Finanzmittel zuführt.
Im Rahmen der Kundenperspektive steht also die Erfüllung der Kundenwünsche
und -erwartungen im Mittelpunkt. Zu den Faktoren, die den zukünftigen
Unternehmenserfolg wesentlich beeinflussen, gehören Kundenzufriedenheit,
Kundenbindung und Neukundenakquisition.
Auch die Kennzahlen der Kundenperspektive sind durch
Ursache-Wirkungsketten verbunden. So stellt beispielsweise die
Kundenzufriedenheit den Leistungstreiber für Kundenakquisition,
Kundentreue und -rentabilität dar; Kundenakquisition und -treue stellen
wiederum Leistungstreiber für den Ausbau des Marktanteils dar (siehe Abb.
2). Obwohl diese Kennzahlen grundsätzlich für alle Unternehmen anwendbar
sind, sollten sie auf die jeweilige Zielkundengruppe zugeschnitten werden.
Die Wertangebote an den Kunden stellen Frühindikatoren dar, das heißt
sie sind zukunftsorientiert und somit die Leistungstreiber für das
Erreichen von Kundentreue, Akquisition, Markt- und Kundenanteil sowie
Kundenzufriedenheit [6]. Obwohl sich Wertangebote unternehmensspezifisch,
branchen- und segmentabhängig unterscheiden, lassen sie sich anhand ihrer
Eigenschaften in drei Kategorien zusammenfassen:
-
Produkt- und Serviceeigenschaften beziehen sich auf die
Funktionalität eines Produktes beziehungsweise einer Dienstleistung sowie auf den Preis und die Qualität.
-
Bei der Dimension Image und Reputation spielen immaterielle
Faktoren wie Markenname und Branding eine wichtige Rolle. Diese Faktoren
sind für die Attraktivität des Unternehmens beim Kunden von eminenter
Bedeutung.
-
Die dritte Kategorie Kundenbeziehung beinhaltet Lieferung,
Reaktions- und Lieferzeit, Kauferfahrung des Kunden sowie schnelle und einfache Erreichbarkeit [5].
Gerade die immateriellen Werte (Image, Kundenzufriedenheit,
Kundentreue) sind für Unternehmen aller Größen (über-)lebenswichtig
geworden. Deshalb kommt der BSC und der Kundenperspektive eine essenzielle
Rolle zu, wobei die Bedeutung der Kundenzufriedenheit nicht genug betont
werden kann.
Abb. 2: Überblick über Kernkennzahlen und
Leistungstreiber der Kundenperspektive
Kennzahlen wie Wiederkaufsrate, Bestellungseingang, Reklamations- und
Beschwerderate haben außerdem eine Frühwarnfunktion und ermöglichen es,
rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Die Kundenperspektive verdeutlicht nicht nur die Quellen, durch die die
finanziellen Ziele erfüllt werden, sondern zeigt auch auf, in welchen
Markt- und Kundensegmenten das Unternehmen agieren beziehungsweise in
Konkurrenzkampf treten will.
Bei der Entwicklung der Markt- und Kundenperspektive bei KMU sind
besonders folgende Punkte zu berücksichtigen:
-
Zielmärkte und Zielgruppen müssen klar definiert und abgegrenzt
werden. Konsequenterweise bedeutet dies, sich nicht nur für etwas
zu entscheiden, sondern auch gegen etwas. Es sollte also nicht
versucht werden, alle Kundenwünsche ungeachtet des damit verbundenen
Aufwandes zu erfüllen.
-
Die Anforderungen der Kunden zu erfüllen, ist wichtig. Die Bedeutung
der Kundenzufriedenheit wurde bereits herausgestellt. Dennoch darf die
Kundenzufriedenheit nicht zu Lasten der Kundenrentabilität gehen, denn
zufriedene Kunden sind nicht automatisch auch rentable Kunden.
Die Erschließung der benötigten Datenquellen für die Ermittlung der
Kennzahlen stellt heute auch für KMU kein Problem dar. Sie können über
Marktforschungsinstitute beziehungsweise Verbände bezogen werden [1].
Prozessperspektive
Kundenwünsche können nur dann effektiv erfüllt werden, wenn die
Geschäftsprozesse so gestaltet sind, dass sie entsprechend attraktive
Produkte und Dienstleistungen hervorbringen können. Im Rahmen der
internen Prozessperspektive werden diejenigen kritischen Prozesse
identifiziert, die das Unternehmen hervorragend beherrschen muss, um
Kundenwünsche zu erfüllen und damit Kundenzufriedenheit und letztlich
Finanzziele zu erreichen. Außerdem ist eine Beschränkung auf die
Prozesse notwendig, mit denen Wettbewerbsvorteile erreicht werden können
(siehe Abb.3).
Der Innovationsprozess ist der kritischste und wichtigste Prozess für
die zukünftige finanzielle Leistung des Unternehmens. Kennzahlen wie »Time
to Market« oder die »Anzahl neuer Produkte und Dienstleistungen« können
wichtige Hinweise auf die Wertschöpfungskette liefern [5].
Der Betriebsprozess beginnt mit dem Erhalten einer Bestellung und
endet mit der Auslieferung eines Produktes beziehungsweise der Erbringung
einer Dienstleistung. Im Mittelpunkt stehen hier die Wirtschaftlichkeit
und Effizienz der Betriebsprozesse. Kennzahlen beziehen sich
beispielsweise auf Prozesskosten, -zeiten oder -qualität.
Das letzte Glied der internen Wertschöpfungskette ist der Kundendienstprozess,
der unter anderem Garantie- und Wartungsarbeiten, Bearbeitung von Teilen
und Reklamationen umfasst. Der Kunde soll mit dem After-Sales-Service
einen Added Value erhalten und langfristig an das Unternehmen gebunden
werden. Als Kennzahlen kommen vor allem Zykluszeiten, wie zum Beispiel die
Zeit von der Anfrage durch den Kunden bis zur Lösung des vom Kunden
aufgezeigten Problems, in Frage [6].
Die internen Prozesse dürfen allerdings nicht losgelöst von den vor- und
nachgelagerten Prozessen betrachtet werden. Nur durch den Einbezug von
Lieferanten und Partnern - sofern diese strategische Relevanz aufweisen -
können die zentralen Prozesse gesamtheitlich an der Strategie
ausgerichtet werden.
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