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- Leseprobe -
Das EFQM Excellence Modell als Innovationsmotor
von Jens Harmeier
Qualitätsmanagement und Innovation sind zwei Schlagworte,
die in der Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen
eine dominante Rolle spielen. Der Autor dieses Beitrages zeigt
Vorgehensweisen und Methoden des EFQM Excellence Modells, mit denen ein
effektives Qualitätsmanagement und somit ein entscheidender Beitrag zur
Etablierung einer innovationsfördernden Unternehmenskultur erreicht
werden kann.
Stichworte: Qualitätspreise; Business
Excellence; Total Quality Management (TQM); Ganzheitliches
Qualitätsmangement; Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP);
Mitarbeiterorientierung; Human Resource Management (HRM);
Ressourcenmanagement; Policy Deployment; Prozessmanagement;
Kundenorientierung; Corporate Citizenship; Balanced Scorecard;
Selbstbewertung (Self-Assessment); Return on Quality; Benchmarking;
Betriebliche Weiterbildung; Schlüsselqualifikationen; Due Diligence;
»Basel II«; Zusammenfassung
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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wie ein ganzheitliches Qualitätsmanagement
strukturiert sein sollte;
-
wie sich der Verbesserungsprozess eines
Unternehmens anhand eines Regelkreises aus Potenzialen und
Ergebnissen steuern lässt,
-
wie man Potenziale eines Unternehmens anhand
bestimmter Kriterien erkennt und zielgerichtet bewertet,
-
wie man mittels bestimmter Ergebniskriterien
Fortschritte messen kann,
-
wie ein Unternehmen durch Selbstbewertung,
Vergleich mit Best-Practice-Unternehmen sowie lernorientierte
Aktivitäten eine Lern- und Innovationsschleife implementieren
kann.
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Einleitung
Nachdem der in Japan vergebene Deming-Preis
und der US-amerikanische Malcolm Baldrige National Quality Award heute
weltweite Anerkennung gefunden haben, ist auch in Eupropa der Ruf nach
einem äquivalenten Qualitätspreis lauter geworden, mit dem
Unternehmungen ausgezeichnet werden, deren Qualitätsmanagement ein
europäisches Spitzenniveau (Business Excellence) erreicht. Um diese
Lücke zu schließen, rief die European Foundation for Quality Management
(EFQM), eine europäische Qualitätsorganisation, den European Quality
Award (EQA) ins Leben. Dieser europäische Qualitätspreis wurde 1992
erstmalig an die Rank Xerox Limited vergeben. Der EQA beruht auf dem EFQM
Excellence Modell, einem Unternehmensbewertungsmodell, in dem die Konzepte
des Total Quality Management (TQM) anhand eines Kriterienkatatolges
umzusetzen sind.
Gleichzeitig ist in Europa, insbesondere in
der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft, seit Jahren eine
deutliche Innovationsschwäche zu beobachten. Die Ursachen dafür liegen
nicht zuletzt in einer mangelhaften Umsetzung der Innovationen, so dass
innovative Produkte und Dienstleistungen zu spät auf den Markt kommen,
sofern sie überhaupt das Stadium der Marktreife erlangen. Der Verlust von
Marktanteilen ist die logische Folge dieser Entwicklung. Gerade für
Unternehmungen in einem Land mit relativ hohen Arbeitskosten wie
Deutschland ist daher eine ausgeprägte Innovationskultur ein wichtiger
Erfolgsfaktor beim Erschließen neuer Märkte. Unternehmungen werden
langfristig nur dann Wettbewerbsvorteile erzielen und halten können, wenn
sie in der Lage sind, über kontinierliche Innovationsaktivitäten den
Herausforderungen sich ständig ändernder Markt- und
Branchenverhältnisse erfolgreich zu begegnen.
Ziel dieses Beitrages ist es aufzuzeigen,
dass die konsequente Umsetzung des EFQM Excellence Modells im Rahmen eines
ganzheitlichen Qualitätsmangement-Ansatzes einen wesentlichen Beitrag zur
Verbesserung der Innovationskultur in deutschen Unternehmungen leisten
kann.
Ganzheitliches Qualitätsmanagement als Grundlage einer Innovationskultur
Um das EFQM Excellence Modell als Treiber
für eine innovationsfördernde Unternehmenskultur beurteilen zu können,
ist es zunächst notwendig, den Begriff der Innovationskultur zu klären:
So wird unter Innovation allgemein das
Entstehen von etwas Neuem verstanden, wobei nicht der tatsächliche
Neuigkeitsgehalt sondern das subjektive Empfinden dafür bestimmend ist.
Dabei kann zwischen folgenden Innovationsarten unterschieden werden:
Produktinnovationen sind Neuerungen im
Leistungsprogramm der Unternehmung. Da Produkte unmittelbar im Wettbewerb
mit Konkurrenzangeboten stehen, ist es wichtig, das eigene
Produktsortiment im Sinne einer Market-pull-Stragegie konsequent an den
Kundenbedürfnissen auszurichten.
Unter Prozess- beziehungsweise
Verfahrensinnovationen werden innovative Lösungskonzepte in den
Unternehmungsprozessen verstanden. Sie können sich auf direkt
wertschöpfende Kern- beziehungsweise Schlüsselprozesse und auf
Unterstützungsprozesse beziehen. Verfahrensinnovationen lassen sich
sowohl im Zeitwettbewerb zur Verkürzung der Time-to-market als auch im
Rahmen der Kostenführerschaftsstrategie zur Einsparung von Kosten
beziehungsweise zur Verbesserung der Kostenstruktur erfolgskritisch
eingesetzten. Sie können darüber hinaus im Rahmen des Komplexitäts- und
Variantenmanagements durch Produktinnovationen ausgelöst werden. Dabei
beziehen sich Prozessinnovationen auf eine vertikale und eine horizontale
Richtung: Während es bei vertikalen Prozessinnovationen um eine
Verbesserung der Führungsprozesse in der Unternehmung geht, führen
horizontale Innovationen entlang der Wertschöpfungskette herbei. Treiber
von Prozessinnovationen ist nicht selten die technologische Entwicklung.
Strukturinnovationen beinhalten
organisatorische Änderungen, die beispielsweise durch den Einsatz neuer
Planungs-, Steuerungs- und Kontrollkonzepte, neuer Führungsmodelle oder
neuer Arbeitsorganisationskonzepte hervorgerufen werden. Sie ergeben sich
insbesondere dann, wenn es im Rahmen von Produkt- und/oder
Prozessinnovationen zu signifikanten Veränderungen in der Aufbau- und
Ablaufstruktur der Unternehmung kommt.
Eng mit Strukturinnovationen sind die sozialen
Innovationen verknüpft. Sie treten quasi als Nebenbedingung von
Prozess- und Strukturinnovationen auf und beziehen sich auf die Ebene der
Führungskräfte und Mitarbeiter. Zu den Sozialinnovationen gehören
beispielsweise neue human-zentrierte Arbeitsorganisationsformen wie
Arbeits- und Verantwortungserweiterung in dezentralen Gruppenkonzepten
sowie neue Anreizsysteme sowie der Auf- und Ausbau von
Schlüsselqualifikationen.
Eine innovationsfördernde Unternehmenskultur
wird durch das Werte- und Normengerüst sowie die Grundhaltungen
sämtlicher Mitarbeiter, eine Kultur des Vertrauens insbesondere durch die
Organisationsstruktur, die Kommunikationsbeziehungen, den Marktbezug sowie
die Verfügbarkeit und Nutzung der Ressourcen bestimmt [1]. Sie zeichnet
sich aus durch einen freien Zugang sämtlicher Mitarbeiter zu (fast) allen
Unternehmensinformationen, durch einen partizipativen Führungsstil und
durch eine Mentalität, in der auftretende Fehler und Widersprüche nicht
als mangelhafte Qualifikation beziehungsweise Ungehorsam, sondern als
Chance für ein konstruktives Vorgehen zum Erreichen von Business
Excellence gewertet werden.
Die Umsetzung eines ganzheitlichen
Qualitätsmanagements im Sinne des TQM scheitert heute oft an einer
immer noch vorherrschenden Normengläubigkeit im Qualitätsmanagement. So
weist eine auf der Normenreihe ISO 9000 basierende
Qualitätsmanagementphilosophie insbesondere folgende Schwächen auf:
-
Die Normenreihe ist sehr bürokratisch
und bezieht sich überwiegend nur auf die Bereiche Fertigung und
Beschaffung,
-
die Einzelelemente der Normen sind
mechanistisch und ungewichtet und daher für Vergleiche mit anderen
Unternehmen ungeeignet,
-
es fehlen wichtige Elemente für ein
umfassendes Qualitätsmanagement,
-
die Einbeziehung von erzielten
Ergebnissen fehlt, so dass es möglich ist, durch eine gute
Beschreibung mangelhafter Prozesse eine Zertifikat zu erhalten,
-
der Normenansatz beschränkt sich auf
eine Betrachtungsweise des bestehenden Qualitätsmangement-Systems.
Vor dem Hintergrund dieser Mängel wurde die
Notwendigkeit gesehen, das Qualitätsmanagement aus der Fertigungsumgebung
herauszulösen und zu einem Managementsystem zu erweitern, in dem
insbesondere die Konzepte des TQM in den Vordergrund treten. Dazu gehört
eine stärkere Fokussierung auf Kundenbedürfnisse und Kundenprozesse, auf
die Interessen der Mitarbeiter, auf einen kontinuierlichen
Verbesserungsprozess nach dem Vorbild des japanischen Kaizen sowie auf die
Einbeziehung der Öffentlichkeit und Umwelt der Unternehmung. Qualität in
diesem Sinne ist nicht länger eine ausschließliche Zuständigkeit der
Qualitätsmanagement-Abteilung sondern integraler Bestandteil bei der
Aufgabenerfüllung eines jeden Mitarbeiters.
Das EFQM Excellence Modell als Innovationsinstrument
Der ganzheitliche Qualitätsmanagement-Ansatz
wird vom EFQM Excellence Modell aufgegriffen und in eine leicht
verständliche und praxisnahe Struktur transformiert.
Das Modell gibt Antworten auf die Frage, wie
Qualitätsmanagement gestaltet werden könnte, nachdem sich die
Unternehmung einer Zertifizierung unterzogen hat. Es beruht auf den drei
Säulen Mitarbeiter (Menschen), Prozesse und Ergebnisse,
wobei der Innovationscharakter des Modells in der Intention zum Ausdruck
kommt, dass Mitarbeiter in einem Prozess kontinuierlicher Verbesserungen
bessere Ergebnisse erzielen. Abbildung 1 zeigt die Säulen des EFQM
Excellence Modells.
Abb. 1: Intention des EFQM Excellence Modells [2]
Grundidee des Modells ist es, den
Transformationsprozess der Unternehmung zu bewerten und zu einem
Regelkreis zu erweitern. Dementsprechend ist es in zwei
Hauptkriteriengruppen gegliedert: Die Potenzialkriterien, die mit
einer Gewichtung von 50 Prozent in die Bewertung eingehen, zeigen die
eingesetzten Ressourcen, also die Mittel und Wege, wie die Unternehmung
dem Ziel der Business Excellence näher kommt. Dem gegenüber messen die Ergebniskriterien,
die ebenfalls zusammen mit 50 Prozent gewichtet werden, was die
Unternehmung im Hinblick auf ihre Interessengruppen bereits erreicht hat.
Sie geben dem Management ein Maß über die Fortschrittskontrolle auf dem
Weg zur Business Excellence. Über eine Innovations- und Lernschleife
sollen schließlich kontinuierliche Verbesserungen und Innovationen
sichergestellt werden.
Unschwer sind in Abbildung 2 die drei
Hauptsäulen des Modells in den senkrechten Kästen wieder zu erkennen,
die die Grundbestandteile des Modells bilden, wobei die jeweils dazwischen
liegenden, waagerechten Kästen eine weitere Differenzierung vornehmen und
angeben, mit welchen Mitteln die Umsetzung des Modells erreicht werden
soll und welche Zwischenergebnisse dafür erforderlich sind [3]. Die
Abbildung zeigt den Aufbau des EFQM Excellence Modells.
Abb. 2: Der Aufbau des EFQM Excellence
Modell [4]
Die inhaltlichen Schwerpunkte des EFQM Excellence Modells
Business Excellence ist wesentlich davon
abhängig, inwieweit die Ansprüche aller relevanten Interessengruppen wie
Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, gesellschaftliche Gruppen im Allgemeinen
sowie derjenigen, die ein kurzfristiges Interesse an der Unternehmung
haben, in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden [5]. Im Folgenden
sollen die inhaltlichen Schwerpunkte des Modells, also die Potenzial- und
Ergebniskriterien sowie die Innovations- und Lernschleife, näher
erläutert werden [6].
Die Potenzialkriterien
Die Potenzialkriterien zeigen die wesentlichen Einflussgrößen für den
Erfolg des ganzheitlichen Qualitätsmanagements und konkretisieren in den
Unterkriterien Ansätze zur praktischen Umsetzung. Dabei handelt es sich
im Einzelnen um folgende fünf Hauptkriterien:
Bei den Potenzialkriterien ist das Vorgehen,
die Umsetzung und die Bewertung und Überprüfung der einzelnen Kriterien
nachzuweisen. Tabelle 1 gibt eine Übersicht der Potenzialkriterien mit
den dazugehörigen Definitionen und Unterkriterien.
Führung
Das Hauptkriterium Führung hat
mit einer Gewichtung von 10 Prozent die zweithöchste Bedeutung in
dieser Gruppe. Es enthält die wesentlichen Komponenten des
Führungsverhaltens des Managements. Dabei ist festzulegen, in welcher
Weise die Führungskräfte ein umfassendes Qualitätsverständnis durch
das »Vorleben« und Kommunizieren des ganzheitlichen
Qualitätsmanagement-Ansatzes in den Köpfen sämtlicher Mitarbeiter
verankern. Dazu gehört die Formulierung eines Unternehmensleitbildes,
welches die grundlegenden Wertvorstellungen darlegt, aus denen die
Unternehmungsziele abgeleitet werden sowie die Akzeptanz einer Vorbildfunktion
des Managements für die Mitarbeiter. Außerdem sind den Mitarbeitern größere
Freiräume für ein eigenverantwortliches Handeln einzuräumen, was
sich auch in einem veränderten Vorschlagswesen widerspiegeln
sollte.
Darüber hinaus haben die Führungskräfte
innerhalb der Unternehmung verschiedene Promotorenrollen zu
übernehmen. Promotoren sind Führungskräfte, die auf Grund ihrer
Stellung, Kompetenz oder Person in der Lage sind, in der Unternehmung
bestehende Willens- und Fähigkeitsbarrieren zu überwinden, um
damit Veränderungen und Innovationen voranzutreiben. Dabei ist zwischen Fach-,
Macht- und Beziehungspromotoren zu unterscheiden. In kleineren
Unternehmen sollte die Promotorenfunktion von der Geschäftsleitung
wahrgenommen werden.
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