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- Leseprobe -
Der Vertriebssteuerungsprozess
von Stephan C. Koch, Eckhard Ortwein,
Thomas Ring
Stichworte:
Ausgangslage, Ansatzpunke für Innovation im Vertriebssteuerungsprozess,
Strategische
Vertriebssteuerung: Ambition Driven Strategy,
Customer Value Management, Taktische Vertriebssteuerung:
Vertriebsplanung, Teamstrukturen,
Zielorientierte Vergütungssysteme,
DV-unterstützte Vertriebssteuerung,
Operative Vertriebssteuerung, Zusammenfassung,
Literatur.
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In diesem Beitrag erfahren Sie:
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-
welche Innovationsmöglichkeiten der
Vertriebssteuerungsprozess bietet,
-
wie man Entscheidungen über Distributionskanäle,
Kundensegmente, Regionen und die Art des Vertriebs durch strategische Vertriebssteuerung
systematisiert,
-
wie man durch taktische Vertriebssteuerung die strategischen
Vertriebsziele mittelfristig umsetzt,
-
in welchen Schritten man ein Vertriebsgebiet systematisch
aufbaut,
-
wie über Segmentierung der Kunden und potentiellen Kunden
eine Optimierung des Vertriebs erreicht wird,
-
wie Vertriebsmitarbeiter geschult und Vertriebsteams
organisiert sein sollten,
-
welche Vergütungssysteme zur Unterstützung der Motivation
von Vertriebsmitarbeitern geeignet sind,
-
wie Unternehmen neue Medien gezielt für die
Vertriebsorganisation nutzen können.
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Viele Unternehmer möchten ihren Vertrieb so effektiv wie möglich
organisieren. Gern würden sie sich zu den Schnellsten und
Kundenfreundlichsten ihrer Branche zählen. Allerdings gestaltet sich der
Absatz ihrer Produkte so facettenreich, dass es in der Praxis schwierig
ist, den Hebel an der richtigen Stelle anzusetzen. Die Autoren dieses
Beitrags bringen den Vertriebsprozess in griffige Kategorien und suchen
systematisch nach Ansatzpunkten für Innovationen.
Die Ausgangslage
Zahlreiche externe und interne Faktoren stellen zur Zeit eine große
Herausforderung an die Vertriebssteuerung dar. Unter externen Faktoren
verstehen wir vor allem die zunehmende Sättigung der Märkte, die Zunahme
des Wettbewerbs, die Verschlechterung der Umsatzstrukturen et cetera;
interne Faktoren sind Kostensteigerungen, Verschlechterung der
Kostenstrukturen, Überkapazitäten et cetera. Folgerichtig rückt der Vertriebssteuerungsprozess
als Ansatzpunkt für Innovationen in vielen Branchen ins Blickfeld.
Nachdem beispielsweise in der Automobilindustrie jahrelang der Fokus auf
Verbesserungen von F&E, Produktion und Lieferantenmanagement lag,
erkennen die Unternehmen heute zunehmend das große Optimierungs- und
Innovationspotential in ihrem Vertrieb, der zirka ein Drittel ihrer
gesamten Kosten ausmacht. Die Stichworte sind unter anderem »neue
Dispositionssysteme«, »virtuelle Distributionskanäle« und »neue
automobile Dienstleistungen«. Als Vorreiter gilt General Motors: Für die
Marke »Saturn« wurden das Vertriebs- und das Servicestützpunktnetz
getrennt (in den regionalen Zentren kostenintensive und
erlebniskauforientierte Vertriebsstützpunkte, bei einem flächendeckenden
Netz ertragreicher Servicestützpunkte).
Strategische
Vertriebssteuerung
Im Rahmen der strategischen Vertriebssteuerung müssen die
Fragen
nach dem »Wo?« und dem »Wie?« beantwortet werden. Es sind also zum
einen Entscheidungen über die zu bearbeitenden Distributionskanäle,
Kundensegmente und Absatz-Regionen zu treffen. Zum anderen muß die Art
des Vertriebs zwischen den Polen Eigenvertrieb und
Handelsvertreter-Einsatz bestimmt werden. Im folgenden beschreiben wir zunächst
eine neue Methodik, mit deren Hilfe sich innovative und
wachstumorientierte Vertriebsstrategien erarbeiten lassen: die Ambition
Driven Strategy™ (ADS). Danach gehen wir auf die Frage nach den zu
bearbeitenden Kundensegmenten ein, indem wir das Customer Value
Management erläutern.
Ambition
Driven Strategy™ (ADS)
Die Methodik Ambition Driven Strategy™ (ADS) fügt sich aus
drei
Prozessen zusammen (vergleiche Abb. 1): dem eigentlichen Strategieentwicklungsprozess
und zwei diesen begleitenden Unterstützungsprozessen.
Unterstützungsprozesse
Während des gesamten Projektes muss bei allen Beteiligten eine Veränderungsbereitschaft
und der Wille, lernend neue Wege zu gehen, erkannt beziehungsweise
geschaffen werden: »Manage Momentum«. Im zweiten unterstützenden
Prozess wird ein strategischer Controllingprozess etabliert und
damit der Strategieentwicklungsprozess ebenso wie die Umsetzung und
permanente Anpassung der Strategie kontinuierlich navigiert.
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Tabelle
1: Nutzen des Customer Value Managements
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-
Konzentration auf rentable Kunden
-
Trennung von dauerhaft verlust-
bringenden Kunden
-
Mehr-Umsatz bei rentablen
Kunden
-
Erhöhung und Absicherung des
Umsatzes durch verstärkte Kundenbindung
-
höhere Produktivität von Marketing
und Vertrieb
|
Vorgehen
Auf der strategischen Ebene der Vertriebssteuerung besteht das Customer
Value Management aus zwei Modulen, der Kundensegmentierung
und der Erarbeitung segmentspezifischer Vertriebskonzepte.
Modul 1: Segmentierung
Im ersten Modul wird der Kundenstamm segmentiert und Visionen
sowie Zielgrößen für die identifizierten Kundensegmente erarbeitet.
Als Segmentierungskriterium dient das abdiskontierte beziehungsweise
abgezinste Kundenergebnis in Abhängigkeit von der
Bestandswahrscheinlichkeit, wobei verschiedene Hilfsgrößen zur Annäherung
an diesen theoretischen Wert genutzt werden können.
Modul 2: Erarbeitung segmentspezifischer Vertriebskonzepte
Ausgangspunkt der zu erarbeitenden Vertriebskonzepte ist der Kunde,
entsprechend werden die Kundenbedürfnisse innerhalb der einzelnen
Segmente analysiert. Dazu steht eine Vielzahl von Instrumenten zur
Verfügung (vergleiche Tabelle 4). Diese sollten systematisch genutzt
werden, um zu erfassen, wie die Kundenbedürfnisse Umsatz,
Deckungsbeitrag, Kosten, Loyalität und Akquisition beeinflussen.
Ausgehend vom Ziel-Wert (Ziel-Value) und der Vision für das Segment sind
im Marketing die Unique Selling Proposition (USP) und der Marketing-Mix
und im Vertrieb die Art des Vertriebes und gegebenenfalls die Vertriebsstandards
zu bestimmen. Nach dem »Wo?« ist jetzt also das »Wie?« zu bestimmen.
Taktische Vertriebssteuerung
Zur taktischen Vertriebssteuerung gehören jene Prozesse, die der
mittelfristigen Umsetzung der Vertriebsstrategie dienen. Wir bewegen uns
dabei in der Regel auf einem mittleren Aggregationsniveau und sind nur zum
Teil proaktiv. Die Verantwortung für diese Prozesse liegt meist auf
mittleren Hierarchie-Ebenen. Im folgenden werden wir verschiedene dieser
Subprozesse herausgreifen, die wir aufgrund unserer Projekterfahrung als
besonders geeignete Ansatzpunkte für Innovationen einschätzen: die
Vertriebsplanung, die Etablierung von Vertriebsteam-Strukturen, eine
optimierte Vertriebsgebietsgestaltung, die Einführung zielorientierter
Vergütungssysteme für den Außendienst und die DV-technische Unterstützung
der Vertriebssteuerung. Der letzte Punkt wird aufgrund seiner hohen
Bedeutung und der vielen Fehler, die wir bei entsprechenden Projekten
immer wieder beobachten, vertieft behandelt.
Vetriebsplanung
Zentrale Komponenten der Vertriebsplanung sind sowohl die Parameterbestimmung
als auch die Zielvereinbarung.
Parameterbestimmung
Traditionelle Planungsparameter, wie zum Beispiel der Marktanteil,
zeichnen sich dadurch aus, dass sie erstens lediglich ex-post die
Ergebnisse des Vertriebes aufzeigen und zweitens stark durch exogene, zum
Teil durch den Vertrieb gar nicht beeinflussbare Faktoren, bestimmt
werden.
Zielvereinbarung
Für die einzelnen Messgrößen müssen schließlich noch
Ziel-Werte festgelegt werden. Die Ziel-Werte sollten die in Tabelle 6
dargestellten Ansprüche erfüllen.
Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass die betroffenen Mitarbeiter
in die Bestimmung der Zielwerte im Sinne einer Zielvereinbarung einbezogen
werden. Nur wenn die Mitarbeiter den Zusammenhang von Erfolg und Zielen
erkennen und wenn sie von der Erfüllbarkeit der Ziel-Werte überzeugt
sind, entstehen tatsächlich sinnvolle Ziel-Werte und die Motivation
stimmt.
Etablierung
von Teamstrukturen
Aufgrund des Wandels der Beschaffungs- und Produktionsprozesse bei
gleichzeitig steigenden Kundenanforderungen ist heute ein einzelner
Vertriebsmitarbeiter weder in der Lage, die Kunden zufriedenzustellen noch
als effektiver Informationsbeschaffer bei Kundenwünschen bezüglich der
Produkte und Dienstleistungen zu fungieren. Multifunktionalen Buying
Centern, Category-Teams et cetera auf Kundenseite müssen deshalb auf
Unternehmensseite multifunktionale Vertriebsteamstrukturen entsprechen, um
so gemeinsam zu einer Situation, bei der beide Partner gewinnen (»Win-Win-Situation«),
zu gelangen. Multifunktional heißt in diesem Fall, dass es sich um
wirklich heterogene funktionsübergreifende Teams (zum Beispiel Verkauf,
Marketing, Kundendienst) und bereichsübergreifende Teams (zum Beispiel
Verkauf, F&E, Logistik) handelt.
Vertriebsgebietsgestaltung
Ausgangslage
Die geographische Gestaltung der Vertriebsgebiete ist ein wichtiger
Ansatzpunkt für Optimierungen beziehungsweise Innovationen. Dafür
spricht eine Reihe von Gründen: Die Vertriebsgebiete sind in der Regel nicht
planvoll gestaltet und entsprechend ausgewogen, sondern historisch
gewachsen. Sie sind vielfach nicht an relevanten Gestaltungskriterien,
sondern an einem früheren Ist-Zustand orientiert.
Gestaltungskriterien
Als relevante Kriterien einer Vertriebsgebietsgestaltung eignen sich
unserer Erfahrung nach vor allem Potentialausgewogenheit und Deckungsbeitragsmaximierung.
Daneben dürfen aber auch Einzelaspekte, wie zum Beispiel die
Gebietsgrenzen, die sich aus dem Einkaufs- beziehungsweise dem
Beschaffungsverhalten der Kunden ergeben, nicht vernachlässigt werden.
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Tabelle
7: Nutzen von Vertriebsteam-Strukturen
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-
höhere Mitarbeitermotivation
-
verbesserte Arbeitsergebnisse
aufgrund von Synergie-Effekten
-
Überwindung von
Schnittstellenproblemen
-
effektivere und effizientere Prozessgestaltung
möglich
-
vereinfachte
Maßnahmendurchsetzung
-
gesteigerte Flexibilität
-
erhöhte Kundenorientierung
-
vereinfachte
Wertschöpfungspartnerschaft mit Kunden
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Planungstools
Während bisher lediglich Planungstools zur Verfügung standen, die auf
die Ausgewogenheit von Arbeitsbelastung und Potentialen abzielten, gibt es
inzwischen auch Instrumente, die über diesen Ausgewogenheitsansatz
hinausgehend eine deckungsbeitragsmaximale Verkaufsgebietsgestaltung
versprechen. Zur Realisierung der Gebietseinteilung dienen interaktive
Landkartenprogramme mit Schnittstellen zu
Tabellenkalkulationsprogrammen, die beispielsweise Potentialdaten,
Deckungsbeitrags-Optimierungsalgorithmen und so weiter enthalten.
Vorgehen
Zur Vertriebsgebietsgestaltung empfehlen wir ein Vorgehen
in sechs Phasen sowie ein den gesamten Prozess begleitendes akzeptanzsicherndes
Projektmanagement (vergleiche Abb. 4).
Zielorientierte Vergütungssysteme für den Außendienst
Das Vergütungssystem ist eines der zentralen Steuerungsinstrumente im
Vertrieb. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele der Außendienst-Vergütungssysteme
nicht die Leistung beziehungsweise die Erreichung sinnvoller Zielvorgaben
honoriert und somit die Unternehmens- und Renditeziele konterkariert.
Vorgehensweise
Ein ausgewogenes, zielorientiertes Vergütungsystem beruht auf
Informationen aus dem Customer Value Management (oder zumindest
einer Kunden-Erfolgs-Rechnung), der Produkt-Erfolgs-Rechnung und
der Kundenpotentialbetrachtung. Um die Bedeutung der Zielerreichung
in einem Unternehmen klar zu kommunizieren, eignet sich ein Prämiensystem
in der Regel besser als ein Provisionssystem. Die in Tabelle 8
dargestellten Leitlinien helfen bei der effektiven und effizienten
Neugestaltung des Entlohnungssystems.
DV-technische Unterstützung der Vertriebssteuerung
Entwicklungsstufen
Primäres Instrument zur DV-technischen Unterstützung der
Vertriebssteuerung sind heute die sogenannten Vertriebsinformationssysteme
(VIS). Abbildung 5 zeigt die Entwicklungsstufen auf, die VIS nehmen
werden. VIS entwickeln sich von einfachen Außendienststeuerungssystemen
über komplexere Vertriebssteuerungssysteme zu agentenbasierten und
hochintegrierten Customer Service Systemen, das heißt vom computerunterstützten
Verkauf (Computer Aided Selling - CAS) zum Verkauf durch Computer
(Computer Handled Selling - CHS), bei dem Multimedia und Internet
entscheidende Rollen spielen.
Nachhaltige Wettbewerbsvorteile durch EDV?
Trotz der allgemeinen Euphorie bezüglich der DV-technischen Unterstützung
der Vertriebssteuerung sind folgende Grundsätze zu beachten: Einerseits
werden Technologien, die heute einen Vorsprung versprechen, aufgrund der
sich weiter verkürzenden Hard- und Software-Lebenszyklen morgen
notwendige technologische Basis sein. Andererseits führt der
Technologieeinsatz - ohne die Generierung eines damit verbundenen und von
den Kunden wahrgenommenen Nutzens - nicht zur Schaffung von nachhaltigen
Wettbewerbsvorteilen.
Vertriebsinformationssysteme und Erfolg
Empirische Studien belegen einen signifikanten Zusammenhang zwischen
dem erfolgreichen Einsatz von Vertriebsinformationssystemen (VIS) und dem
Vertriebserfolg, der sich mittelfristig in Kontakt- und Servicequalität,
Mitarbeitermotivation und Auftragsakquisitionsrate et cetera manifestiert
[4].
Eigenentwicklung versus Standardlösung
Der Markt für VIS-Standardlösungen ist extrem stark
fragmentiert und seine Konsolidierung setzt nur langsam ein. Dies macht
deutlich, dass die Eigenentwicklung eines VIS nicht notwendig ist,
birgt allerdings auch die Gefahr, dass man einen Anbieter beziehungsweise
ein Produkt wählt, das nicht strategisch positioniert ist. Daher sind bei
der Wahl einer Standardlösung die Anbieterkriterien von besonderer
Wichtigkeit. Weiteres Vorgehen
Im folgenden werden wir zunächst aufzeigen, wie VIS, unabhängig von
ihrer Entwicklungsstufe, erfolgreich eingeführt werden. Dazu betrachten
wir insbesondere die Erfolgsfaktoren einer VIS-Auswahl und -Einführung und stellen die einzelnen Phasen eines
entsprechenden Projektes dar. Im Anschluss daran gehen wir dann auf den
Einsatz von Multimedia im Vertrieb und insbesondere auf den Online-Vertrieb
sowie entsprechende Steuerungsaspekte ein. Erfolgsfaktoren für die Auswahl und Einführung eines VIS
Gesamtheitlich betrachtet kommt zwei Bereichen eine herausragende
Bedeutung für den langfristigen Erfolg eines VIS-Projektes zu, wie
empirische Studien [4] und Projekterfahrungen zeigen: ein akzeptanzsicherndes
Projektmanagement und eine fundierte Konzeption des VIS
im Rahmen der Anforderungsdefinition (siehe Tabelle 10), auf deren Basis
eine effektive und effiziente Anbieterauswahl vorgenommen werden kann.
Tabelle 10 fasst die phasenspezifischen Erfolgsfaktoren für die Einführung
eines VIS zusammen.
Projektphasen für Auswahl und Einführung eines VIS
Abbildung 6 zeigt die Phasen eines Projektes zur Einführung eines
Standard-VIS, wie sie sich in unserer Beratungspraxis bewährt haben.
Akzeptanzsicherndes Projektmanagement
Akzeptanzsicherndes Projektmanagement manifestiert sich unter anderem
in der Zusammenstellung der Projektteams. Da zwischen Vertriebs-
und DV-Abteilungen in der Regel keine Affinität besteht, ist es
insbesondere wichtig, Vorurteile über die Schaffung interdisziplinärer
Teams innerhalb effizienter Projektstrukturen abzubauen. Die Verantwortung
der Projektdurchführung ist dabei an die Anwender und die Verantwortung für
die Effizienz der Durchführung an die IS-Abteilung zu übertragen.
Anforderungsdefinition
Für die Konzeption des VIS ist es besonders wichtig im gesamten
Projektverlauf den Nutzen, den das VIS den Kunden direkt oder indirekt
bieten soll, im Auge zu behalten.
Anbieter-Auswahl
Die Auswahl eines Standardsoftwareproduktes muß sich an einem
objektiven Kriterienkatalog orientieren. Tabelle 11 faßt die wichtigsten
Auswahlkriterien nach funktionalen und technischen Gesichtspunkten und
Anbieterkriterien für ein Standard-VIS zusammen.
Multimedia im Vertrieb
Die Bedeutung von Multimedia - also den neuen, digitalen und
interaktiven Medien, wie beispielsweise CD-Roms, Online-Dienste, Internet,
Interaktives TV bis hin zu Virtuell Reality - gerade für den Vertrieb ist
unbestritten. So beurteilten von 300 in einer Studie von Arthur D. Little
befragten Unternehmen 44 Prozent bereits die gegenwärtige Bedeutung von
Multimedia für Marketing und Vertrieb als wichtig oder sehr wichtig [5].
Beispiel Konsumgüter: Eine aktuelle Studie von Arthur D. Little zeigt, dass
der deutsche Handel bereits im Jahr 2000 einen Anteil des Online-Verkaufs
am Gesamthandelsumsatz von 9 Prozent erwartet (2010: 18 Prozent), wobei
nur 51 Prozent durch den Handel, der Rest durch neue Dienstleister (27
Prozent) und die Hersteller selbst (22 Prozent) realisiert werden wird
[5].
Internet
Die Nutzung des Internet durch ein Unternehmen - und speziell durch den
Vertrieb - zielt auf Information und Direktvertrieb im Breitengeschäft
(vergleiche Tabelle 14).
Online-Vertrieb - eine Einführung
Der Aufbau eines Online-Vertriebs ist für viele Unternehmen eine
vielversprechende Option: Wenn ein Unternehmen seine Leistungen im
Datennetz anbietet, erreicht es damit die Omnipräsenz seines Angebotes,
das heißt Informations- und Bestellmöglichkeiten zu jeder Zeit
an jedem Ort. Das bedeutet, dass beispielsweise Mittelständler, deren
Vertrieb bisher aufgrund finanzieller und zeitlicher Ressourcenbeschränkungen
regional begrenzt war, über einen Online-Vertrieb den Weltmarkt
bearbeiten können. Eine Befragung von Arthur D. Little ergab, dass heute
2 Prozent der befragten Unternehmen über das Internet verkaufen, während
17 Prozent dies planen [5]. Computer Handled Selling (CHS)
Im Rahmen eines Online-Vertriebs mittels Extranet oder Internet kann ein
entsprechendes Multimediasystem anstelle von Verkäufern Beratungs- und
Verkaufsfunktionen übernehmen. Dies bietet sowohl dem Unternehmen als
auch dem Interessenten beziehungsweise Kunden Vorteile: Der Kunde kann
selbst entscheiden, wie lange er sich mit einzelnen Teilschritten des
Kaufentscheidungsprozesses befassen und mit welchen Informationen er sich
auseinandersetzen will. Und die Verkäufer werden von Routine-,
Informations- und Verkaufsgesprächen entlastet und haben entsprechend
mehr Zeit für besonders anspruchsvolle oder lohnende Kundenkontakte.
Dabei kann sich das System individuell auf den Interessenten
beziehungsweise Käufer einstellen und ist auch bei sehr detaillierten
Informationswünschen und schwierigen Kunden weder inkompetent noch
ungeduldig.
Online-Vertrieb und Vertriebssteuerung
Für die Vertriebssteuerung bietet der Online-Vertrieb ideale
Voraussetzungen, da technisch bedingt jede Online-Nutzung sekundengenau
und in Echtzeit protokolliert wird. Über das sogenannte Webtracking
(Nutzungsmessung im Netz) wird es möglich, Daten für die Kontrolle und
die Optimierung der Online-Angebote zu generieren. So können über die
sogenannte Refferrer-URL Nutzungspfade nachgezeichnet werden (zuvor
besuchte Webpages sind erkennbar), und bei einem Paßword-Zugang ist es
sogar möglich, Nutzerprofile zu generieren.
Operative Vertriebssteuerung
Bei der operativen Vertriebssteuerung geht es um die alltägliche
Umsetzung der Vertriebsstrategie und der entsprechenden taktischen
Prozesse, bei einem eher kurzfristgen Zeithorizont, tendenziell reaktivem
Verhalten und geringer Aggregation. Betroffen sind vor allem untere
Hierarchie-Ebenen. Wir beschränken uns hier auf den besonders relevanten Aspekt der Mitarbeiterschulung.
Beziehungsaspekte
Die Beziehungsaspekte betreffen vor allem die Sensibilität und das
situative Einfühlungsvermögen des Verkäufers. Situatives Einfühlungsvermögen
bedeutet Verkaufssituationen korrekt wahrzunehmen und einzuschätzen, das
heißt beispielsweise Zeit- und sonstige Restriktionen, Erwartungen et
cetera des Käufers zu erfassen und sich entsprechend zu verhalten. Für
diesen Aspekt der Mitarbeiterschulung empfehlen wir ein Coaching-System,
das sich an der Supervision orientiert, wie sie schon seit langem in
sozialen, pädagogischen und psychologischen Berufsfeldern praktiziert
wird.
Sachaspekte
Zur Schulung der Sachaspekte eignen sich multimediale
Computer-Based-Training-Instrumente (CBT). Diese Instrumente haben gegenüber
herkömmlichen Trainingsmethoden eine Vielzahl von Vorteilen: Da durch den
Einsatz von Multimediasystemen die Durchführung von dezentralen
Schulungen möglich ist, können Reisekosten und -zeiten vermieden werden.
Außerdem können die Schulungsteilnehmer ihren Schulungsort (Büro,
Wohnung et cetera) selbst bestimmen. Als besonderen Vorteil der CBT gegenüber
herkömmlichen Trainingsmethoden sehen wir aber, dass die Teilnehmer auch
ihre Schulungsschwerpunkte und ihr Lerntempo an ihre individuellen Bedürfnisse
anpassen können.
Zusammenfassung
Zur Systematisierung der Suche nach Ansatzpunkten für Innovationen
strukturieren die Autoren den Vertriebssteuerungsprozess in die drei
Managementebenen strategisch, taktisch und operativ. Auf allen Ebenen
greifen sie exemplarisch Themen heraus, die sie als branchenübergreifende
Ansatzpunkte für Innovationen einschätzen. Ihr Schwerpunkt liegt dabei
auf erfolgversprechenden Maßnahmen auf der taktischen Ebene, da diese in
der Praxis vielfach vernachlässigt werden. Auf der strategischen Ebene
beschreiben sie eine neue Methodik, mit deren Hilfe sich innovative und
wachstumsorientierte Vertriebsstrategien erarbeiten lassen: die Ambition
Driven Strategy™. Zur Identifizierung der vom Vertrieb zu bearbeitenden
Kundensegmente empfehlen sie ein konsequentes Customer Value Management.
Auf der taktischen Ebene erläutern sie die Planung, die Etablierung von
Team-Strukturen, die Einführung zielorientierter Vergütungssysteme für
den Außendienst und demonstrieren sehr ausführlich Vor- und Nachteile
verschiedener Formen DV-technischer Unterstützung der Vertriebssteuerung.
Für die Mitarbeiterschulung, die sie dem Bereich der operativen
Vertriebssteuerung zuordnen, kommen sie zu dem Schluß, dass hier ein Mix
aus Computer-Training und Coaching zu akzeptablen Kosten optimale
Ergebnisse bringt.
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