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- Leseprobe -
Wirtschaftlichkeit des
Informationstechnologie-Prozesses
von Jörg
Becker
Stichworte: IT-Trends
und Erfolgsfaktoren durch das Online-Business, IT-Budgets,
Kosten-Nutzen-Analyse,
Quantifizierung und
Beurteilung der IT-Nutzenkriterien, Grundlagen
der IT-Projektkalkulation, Diverse
Verfahren der Investitionsrechnung, Kalkulation
des internen Zinsfußes, Projektorientierte
IT-Kapitalbedarfsplanung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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Welche die wichtigsten Entwicklungen
und Trends sind, an denen sich ein Unternehmensmanagement
orientieren und wie es seine IT-Landschaft strukturieren kann,
-
wie ein Unternehmen eine optimale
Struktur des IT-Budgets entwickelt, die zu Kostensenkung und erhöhter
Produktivität der IT-Prozesse führt,
-
dass IT-Systeme sich an den
allgemeinen Maßstäben der Investitions- und
Finanzierungsrechnung messen lassen müssen.
|
Ohne moderne Informationstechnologie haben Angebote von Waren oder
Dienstleistungen heute keine Marktchancen mehr. Business im Jahr 2010 muss
für Innovation, Schaffung von Mehrwerten und Nutzung neuer
Informationstechnologien mit zielgruppengenauer Kundenansprache stehen.
Vorrangige Aufgabe des Managements ist es, für eine IT-Umgebung zu
sorgen, die ihrem Unternehmen den notwendigen Wettbewerbsvorsprung sichert
oder erst verschafft, und dafür Sorge trägt, dass durch verbesserte
Prozesse und intelligente Diagnosewerkzeuge Kosten eingespart werden können.
So unterschiedlich die verschiedenen Branchen oder die einzelnen
Unternehmen innerhalb der Branchen sind, so verschieden sind auch ihre
IT-Ziele mit den daraus abgeleiteten Budgets.
Business goes online
Bislang stand das Unternehmensmanagement vor der Alternative, entweder
bei gegebenem Budget viele Kunden mit wenigen Informationen zu erreichen
(z.B. über Massenkommunikationsmittel) oder wenige Kunden mit
tiefgehenden Informationen versorgen zu können. Die neuen
Informationstechnologien heben diesen Konflikt auf und ermöglichen es,
praktisch jeden Internet-Nutzer mit tiefgehenden, individuellen
Informationen zu versorgen. Durch die freie Skalierbarkeit des
Online-Handels lässt sich die Knappheit der Informationen, aber auch die
der Ladenflächen und des Produktangebots partiell aufheben. Daraus
wiederum folgen Skaleneffekte, das heißt Größenvorteile durch sinkende
Durchschnittskosten und Vorteile für jene Unternehmen, denen es gelingt,
kritische Schwellenwerte im Bekanntheitsgrad zu überspringen.
Informationswettbewerb
steht vor Produktwettbewerb
Die hauptsächlichen Aufgaben der Informationstechnologie hierbei sind
unter anderem:
-
Rationalisierungsaufgaben
Hierzu zählen alle Ansätze, mit Hilfe der
Informationstechnologie Zeit und Kosten zu reduzieren. Dies bezieht
sich vor allem auf die Beschleunigung von Ablauf und Durchlauf,
schnelleren Zugriff auf Informationen und verbesserte
Auskunftsbereitschaft.
-
Management-Information
Hierzu zählen alle Vorgänge, um Informationen vorteilhafter
aufzubereiten und den Servicegrad zu verbessern. Es werden
Informationen gesucht, die die Transparenz erhöhen und die
Entscheidungsgrundlagen absichern helfen.
-
Informationsstrategie
Hierunter zählen alle Maßnahmen, um über den Wettbewerbsfaktor
Information für das Unternehmen strategische Erfolgspositionen
aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Je wechselhafter sich die Märkte
darstellen, desto mehr kommt es darauf an, primär in den
entscheidenden Kernkompetenzen über den vollen Informationsfluss zu
verfügen.
-
Kunden- und Produktnutzen
Dieser Ansatz besteht darin, die Informationstechnologie
unmittelbar für den Kundennutzen oder zur Verbesserung der Produkte
und ihrer Eigenschaften einzusetzen. So gehen in
immer mehr hochwertige Produkte (wie beispielsweise Autos) wesentliche
Elemente der Informationstechnologie ein.

Abb. 1: IT-Trends
Business im Jahre 2010
Heutige Informationstechnologien ermöglichen Konvergenzen innerhalb
der Bereiche Inhalte, Endgeräte, Übertragungsformen und Industriezweige.
Die Grenzen zwischen Text, Ton und Bild verwischen. Die sich stufenweise
entwickelnde technologische Konvergenz führt zu neuen
Wettbewerbsbeziehungen zwischen bislang unabhängigen Industrien. Aber
erst wenn Produktvorteile von den möglichen Konsumenten wahrgenommen
werden, kommen auch die angestrebten Marktvorteile zu Stande. Ohne moderne
Informationstechnologie werden Angebote von Waren oder Dienstleistungen
keine Marktchancen mehr haben.

Abb. 3: Erfolgsfaktoren durch das Online-Business
Entwicklungen und Trends zur
Orientierung und Strukturierung der IT-Landschaft
Die Kunst einer modernen Datenlandschaft besteht darin, den
Prozess vom Kunden bis zum Fließband durchgängig zu machen. So
unterschiedlich hierbei die verschiedenen Branchen oder die einzelnen
Unternehmen innerhalb der Branchen sind, so verschieden sind auch ihre
IT-Ziele mit den daraus abgeleiteten Budgets. Die wichtigsten
Entwicklungen und Trends, an denen sich das Management orientieren und die
IT-Landschaft optimiert strukturieren kann sind:
-
schnellere Reaktion der Informationsverarbeitung auf Veränderung
der Geschäftsprozesse,
-
Wettbewerbsvorteile durch Realtime-Verarbeitung mit globalem
Zugriff,
-
Standardisierung der Softwarelandschaft,
-
Anbindung großer Kunden und Lieferanten,
-
Kostenreduzierung, Ausschöpfen von Einsparungspotenzialen in
Infrastruktur-Projekten,
-
höhere Effizienz, Nettoertrag erhöhen, Total Cost of Ownership
senken, Management-Komponenten zur Verbesserung des
Return-on-Investment,
-
Outsourcing, Rezentralisierung, Umschwung zu Serverkonsolidierung
und Mainframe-Architektur, statt einer »Fregatten-Strategie« eine »Flugzeugträger-Strategie«
fahren,
-
Erneuerung der Infrastruktur, Handelsinformationssysteme dynamischer
machen, neue Highspeed-Technologien,
-
Nutzung von E-Commerce,
-
IT-Unterstützung für Wandel im Business,
-
leistungsstarke Informationsverarbeitung, um die Entwicklungszyklen
der Anwendungssysteme zu verkürzen, einen Großteil der
Unternehmensdaten mit ERP-Software verwalten,
-
Wissen über Kunden und ihr Verhalten, interne und externe Kunden
besser
bedienen, Kundengeschehen über Zahlen hinaus transparent machen können,
höhere Kundenbindung,
-
Kosten und Risiken in den Griff bekommen, Datensicherheit erhöhen,
Security Tools,
-
weg von der traditionellen technischen Sicht auf die Infrastruktur,
hin zu mehr Service-Sicht, IT muss bei Usern verlorenes Vertrauen zurückgewinnen,
-
Supply Chain Management, Lagerbestände reduzieren, Beschleunigung
der eigenen Geschäftsprozesse,
-
Extranets, durch Internet-Auftritte Imagevorsprung gegenüber
Mitbewerbern.
Schwerpunkte für
zukünftige Aktivitäten
Die grundsätzlichen IT-Ziele werden detailliert auf den nachfolgenden
Ebenen der Planung dargestellt. Dabei erläutern die Abbildungen 4 bis 8
insbesondere, wo das Management die Schwerpunkte für zukünftige Aktivitäten
setzen kann:
-
IT-Ziele (= oberste Planungsebene)
-
IT-Projekte (= mittlere Planungsebene)
-
IT-Budgets (= untere Planungsebene).
IT-Budgets
Zu den Kernaufgaben des Managements zählt, die optimale Struktur des
IT-Budgets herauszufinden, um Kosten zu senken und die Produktivität der
IT-Prozesse zu erhöhen. Da das hohe Innovationstempo und kurze
Technologiezyklen es zunehmend schwerer machen, den Überblick über die
IT-Ressourcen zu behalten, benötigt das Management für die Festlegung
des IT-Budgets konkrete Benchmarks für Ober- und Untergrenzen, innerhalb
deren Bandbreite der eigene IT-Bereich positioniert werden kann. Zu den
IT-Budgets zählen Ausgaben für Hard- und Software, Personal,
IT-Dienstleistungen, Telekommunikation und andere.
Beispiel für
ein grundsätzliches IT-Ziel: Customer-Centric-Computing
Der IT-Prozess beginnt grundsätzlich mit der Analyse der aktuell zur
Verfügung stehenden Ist-Informationen: beispielsweise in der
marktorientierten Kunden-IT mit einer Bestandsaufnahme der aktuellen
Kundenstruktur, der Produktpositionierung, der Marktdaten und der eigenen
Vertriebspotenziale. Aus diesen Informationen können unter Einbeziehung
der geschäftspolitischen Visionen strategische Marketingaktionen
entwickelt und anschließend in die operative Vertriebsplanung umgesetzt
werden. Dieser Megatrend des »Customer-Centric-Computing« stellt den
Endkunden in den Mittelpunkt der IT-Aktivitäten und erfordert vom
Unternehmen nicht nur die Entwicklung zusätzlicher, web-orientierter
Anwendungen, sondern auch deren nahtlose Integration in bestehende und
geschäftskritische Systeme. Das Ziel ist die Durchgängigkeit der Daten
vom Mainframe bis zum Web, über zahlreiche, unterschiedliche
Rechner-Plattformen hinweg. Der erste Schritt bei der Lösung eines
solchen Geschäftsproblems besteht in der Modellierung eines adäquaten Lösungspfades.
Ein Data Mining-Projekt kann beispielsweise zur Lösung beitragen, wenn
ein Geschäftsproblem auf Beschreibungs- oder Vorhersageproblemen beruht
(Abb. 9).
Abb. 9: Geschäftsproblem als Ausgangspunkt für
(beispielsweise) ein Data Mining-Projekt
Vorschaltung
einer grundsätzlichen Kosten-Nutzen-Analyse der IT
Vor der Anwendung der verschiedenen Investitionsrechnungsmethoden
sollte zur Absicherung des Für und Wider einer Projektentscheidung grundsätzlich
eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt werden. Hierbei können
insbesondere auch die nicht quantifizierbaren Investitionskriterien
transparent gemacht werden. Dieser grundsätzlichen Untersuchung kommt
eine hohe Bedeutung zu, da sich viele Projektentscheidungen zum einen an
mehreren Zielen orientieren und sich zum anderen ein Teil der
Entscheidungsgründe nicht allein monetär bewerten lassen. So werden im
nachfolgenden Beispiel (Abb. 11) die Nutzenpotenziale eines CRM-Projektes
überhaupt nicht quantifiziert, sondern zunächst nur als grobe Übersicht
anhand drei verschiedener Erfüllungsgrade zugeordnet:
-
Vollkreis,
-
Halbkreis und
-
Kreis mit Punkt.

Abb. 11: Nutzenpotenziale eines CRM-Projektes je nach
Erfüllungsgrad
Die
strategieorientierte Betrachtung des Nutzens
Die Forderung nach dem Nachweis des Projektnutzens ist um so mehr begründet,
als dass immer mehrere Vorhaben gleichzeitig um die knappen Budgetmittel
konkurrieren werden. Außerdem muss jedes Projekt einen positiven Beitrag
zum Gesamtergebnis des Unternehmens bringen, anderenfalls müsste es
jedenfalls aus betriebswirtschaftlicher Sicht abgelehnt werden. Der
Grundgedanke einer Nutzwertanalyse besteht deshalb auch darin, für die
jeweiligen Alternativen die Eigenschaften, die die Nutzenbeiträge
ausmachen, zu erfassen und entsprechend den Präferenzen des Entscheiders
zu ordnen. So ist bei komplexen IT-Projekten insbesondere die
strategieorientierte Betrachtung des Nutzens ein geeigneter Weg, die
Notwendigkeit von Investitionen zu verdeutlichen. Bei diesem Ansatz wird
bewusst auf eine Argumentation auf der Basis fachlicher, organisatorischer
und technischer Details verzichtet.
Der Technologiestatus als grundsätzliches
Analysekriterium
Wichtig für die Feststellung und Analyse des Nutzens ist auch die
Frage, ob der festgestellte Nutzen überhaupt realisierbar ist. Denn nicht
jedes Unternehmen verfügt auch über die notwendige Technologieposition,
um kurzfristig hochkomplexe Projekte wie beispielsweise Data Mining oder
Customer Relationship Management überhaupt erfolgversprechend realisieren
zu können. Die Technologieposition spiegelt ausschließlich die
Ausgangsvoraussetzung im Unternehmen selbst wider, das heißt: Ein
Unternehmen mit einer (in Relation zu anderen) niedrigeren
Technologieposition wäre wegen des zum Projektzeitpunkt noch fehlenden
Knowhows nicht in der Lage, die gewünschte Technologie sofort erfolgreich
in die Praxis umzusetzen. Vielmehr wären dann erst wichtige
Voraussetzungen dafür zu schaffen, um für die Projektdurchführung eine
notwendige Erfolgswahrscheinlichkeit sicherstellen zu können. Anhand
eines kleinen Beispiels werden einige technische Projektkriterien zwischen
Data Warehouse und Data Marts gegenübergestellt (Abb. 13).
Quantifizierung von
IT-Nutzenkriterien
Nachfolgend soll am Beispiel von Data Mining Software der Projektnutzen
auch quantitativ bewertet werden. Für jede der alternativ in Frage
kommenden Lösungen werden hierfür kriterienbezogen Punkte vergeben.
Dabei werden die Punkte auf einer beliebigen Punkteskala - beispielsweise
von 0-5 oder von 0-10, je nach dem Grad der Erfüllung des jeweiligen
Beurteilungskriteriums - durch die Software vergeben (0 = Kriterium nicht
erfüllt, 5 oder 10 = bestmögliche Erfüllung des Kriteriums).
Beispielsweise soll die Software A bis E bezüglich bestimmter Kriterien
nach Punkten bewertet werden (Tabelle 2 und Abb. 14).
|
Tabelle
2: Punkte-Bewertungsverfahren
|
|
|
Punktwerte 0-10
|
|
|
Software
|
|
Bewertungskriterium
|
A
|
B
|
C
|
D
|
E
|
|
Kundenprofile
|
3,0
|
9,0
|
2,0
|
5,0
|
8,0
|
|
Marktsegmentierung
Market Basket Analyse
Category Management
|
8,0
7,5
5,0
|
9,5
8,5
2,0
|
3,0
5,0
2,5
|
8,0
5,0
3,5
|
6,0
7,5
7,0
|
|
Kunden
Profitabilität
Kundenzufriedenheit
|
9,0
7,0
|
9,0
8,0
|
9,0
8,0
|
8,5
7,0
|
5,5
4,0
|
|
Kredit
Scoring
Bahavioural Modeling
|
5,0
4,0
|
5,0
4,0
|
4,5
4,5
|
5,0
5,0
|
5,0
5,0
|
|
Risiko
Analyse
Kampagnen Analyse
Fraud Detection
|
3,5
3,0
6,0
|
4,0
4,0
5,5
|
2,0
3,0
7,5
|
5,0
7,0
7,0
|
6,0
3,5
6,0
|
|
Kosten-Leistungsverhältnis
|
5,0
|
4,0
|
4,0
|
5,0
|
6,5
|
|
SUMME
|
66,0
|
72,5
|
55,0
|
71,0
|
70,0
|
Beurteilung der
IT-Nutzenkriterien anhand unterschiedlicher Gewichte
Bei der Anwendung einer gewichteten Nutzwertanalyse kann nach folgendem
Ablaufschema vorgegangen werden:
-
Bestimmung der Ziele beziehungsweise Kriterien: Zunächst
werden die für die Bewertung heranziehbaren Kriterien möglichst
umfassend aufgeschrieben und auf eventuell vorhandene Überschneidungen
hin untersucht.
-
Gewichtung der Ziele: Die Bedeutung der einzelnen
Bewertungsziele wird durch eine im allgemeinen prozentuale Gewichtung
festgelegt. Dieser Schritt ist wegen der Gefahr zu starker subjektiver
Wertvorstellungen seitens der beteiligten Personen besonders
problematisch.
-
Wahl der geeigneten Skalierung: Für die Zuordnung von Erfüllungsgraden
der Zielkriterien und für die Zusammenfassung der unterschiedlichen
Teilnutzen ist eine geeignete Skalierung erforderlich, beispielsweise
eine Schulnotenskala von 1 bis 6 für sehr gut bis ungenügend oder
eine Skalierung von 1 bis 10.
-
Festlegung und Bewertung der Entscheidungsalternativen: Um
eine möglichst unbeeinflusste Auswahl und Gewichtung der Ziele
sicherzustellen, werden erst in dieser Phase die in Frage kommenden
Alternativen festgelegt. Danach schließt sich ihre Bewertung an, das
heißt die Festlegung des Grades (Zielwert), mit dem die geforderte
Eigenschaft durch die jeweilige Alternative erfüllt wird.
-
Ermittlung der Nutzwerte: Der Gesamtnutzen einer Alternative
ergibt sich aus der Addition der gewichteten Zielwerte (=
Nutzwertbeiträge). Durch die so ermittelten Gesamtnutzen lassen sich
die einzelnen Alternativen in eine Rangfolge bringen.
Abb. 14: Software B mit bester Punkt-Bewertungszahl
Die vorher festgelegten Beurteilungskriterien werden mit einer
Gewichtungskennziffer versehen, die dem Anforderungsprofil entsprechend
festgelegt wird (Tabelle 3).
|
Tabelle
3: Festlegung der Gewichtungs-Kennziffer
|
|
Bewertungskriterium
|
Gewichtungs-
kennziffer 0-10
|
|
Kundenprofile
|
7,5
|
|
Marktsegmentierung
Market Basket
Analyse
Category Management
|
8,0
7,0
9,0
|
|
Kunden Profitabilität
Kundenzufriedenheit
|
7,5
8,0
|
|
Kredit Scoring
Bahavioural Modeling
|
4,0
3,5
|
|
Risiko Analyse
Kampagnen Analyse
Fraud Detection
|
5,0
7,5
2,0
|
|
Kosten-Leistungsverhältnis
|
8,0
|
Finanz-
und investitions-rechnerische Grundlagen
Die Nutzen- und Finanzierungsrechnung soll demgemäß eine Aussage
darüber liefern, ob die Projektinvestition aus unternehmerischer Sicht
vorgenommen werden soll oder nicht. Da IT-Systeme heute zum bestimmenden
Wettbewerbsfaktor geworden sind, geraten sie damit verstärkt auch in das
Blickfeld der Unternehmensführung und müssen sich daher auch an den
allgemeinen Maßstäben der Investitions- und Finanzierungsrechnung messen
lassen. Sowohl das IT-Management selbst als auch das Controlling nehmen in
Richtung der Unternehmensführung eine Unterstützungsfunktion wahr. Beide
Funktionen müssen sich ergänzen: a) Das Controlling dient als
»Wegweiser« in Richtung Erfolgsziel und stellt hierfür geeignete
Recheninstrumente zur Verfügung; b) das IT-Management dient als
»Wegweiser« bezüglich der planvollen Ausschöpfung der
Informationspotenziale. Die Gemeinsamkeit beider Funktionen liegt in der
Verschiebung der Schwerpunkte vom operativen zum strategischen Handeln.
Das Controlling sieht Wirtschaftlichkeit nicht mehr allein im operativen
Sinne, sondern bezieht auch die Schaffung von Erfolgspotenzialen in seine
Analysen mit ein. Management dagegen bedeutet nicht mehr ausschließlich
das Funktionieren von Technologien, sondern noch eher vorrangig hierzu die
Analyse zu deren strategischer Rolle.
Im Spiegel der klassischen Investitionsrechnung war das Kriterium für
die Wirtschaftlichkeit von Projekten in der Regel ausschließlich die
Amortisation des eingesetzten Kapitals, wobei nach der Barwertmethode eine
angemessene Verzinsung erwartet wurde. Der Nachweis einer
Ergebnisverbesserung ist dabei um so leichter, je isolierter ein Projekt
analysiert werden kann. In der Investitionsrechnung werden in diesem Fall
dem Projekt Ein- und Auszahlungsreihen zugeordnet, die wegen der
Vergleichbarkeit auf einen Betrachtungszeitpunkt abgezinst werden.
IT-Kostenvergleichsrechnung
Unter den verschiedenen, unter anderem statischen Verfahren der
Investitionsrechnung, ist die Kostenvergleichsrechnung das einfachste
Verfahren der Investitionsplanung: Die Kosten der einzelnen zur
Entscheidung anstehenden Alternativen werden gegenübergestellt. Als
Ergebnis erhält man eine Auswahl des kostengünstigsten Projektes. Da die
Information fehlt, ob die erzielbaren Erlöse
über den ermittelten Kosten liegen, ist zwar ein absoluter
Vorteilhaftigkeitsvergleich nicht möglich. Dafür wird durch die starken
Vereinfachungen aber die Anwendbarkeit des Verfahrens erleichtert.
Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Methode ist, dass die
Investitionsalternativen die gleiche quantitative und qualitative Leistung
abgeben. Der erste Schritt besteht darin, zunächst einmal den für das
Projekt zu erwartenden Kostenrahmen abzugrenzen. In Abbildung 16 sind
Durchschnittswerte der (beispielsweise) für ein Data Warehouse-Projekt
geschätzten Projektkosten aufgeführt. Unterscheidet man hier weiter
danach, ob das Unternehmen bereits produktiv mit einem Data Warehouse
arbeitet oder ob es sich noch in der reinen Planungsphase für ein solches
Projekt befindet, haben Untersuchungen ergeben, dass:
-
a) Unternehmen, die sich bereits in einer produktiven Data
Warehouse-Anwendung befinden, in ihrer Mehrzahl (56 %) mit circa 0,5 -
1,0 Millionen DM Kosten rechnen,
-
b) Unternehmen, die sich noch in der reinen Data Warehouse-Planung
befinden, in ihrer Mehrzahl (53 %) dagegen mit mehr als 1 Million DM
Kosten rechnen.

Abb. 16: Geschätzte Projektausgaben für Data
Warehouse (Quelle: IMIS)
Die durchschnittliche Abschreibung pro Periode (Abb. 17, Tabelle 5)
entspricht der durchschnittlichen jährlichen Wertminderung und ergibt
sich nach folgendem Ansatz: (siehe Kasten oben); die durchschnittlichen
Zinskosten pro Periode (Abb. 17, Tabelle 5) werden als Zinsen pro Jahr auf
das im Mittel durch das projektgebundene Kapital mit folgendem Ansatz
berechnet (siehe Kasten unten):
Bei den Kosten ist zu unterscheiden zwischen:
-
einmaligen Kosten, die nur einmal - in den meisten Fällen zu Beginn
- anfallen (z.B. Investitionen für Hard- und Software, Entwicklungs-,
Umstellungskosten) und
-
wiederkehrenden (laufenden) Kosten, die zur Aufrechterhaltung des
Betriebs notwendig sind.
Einmalige und wiederkehrende Kosten dürfen nicht einfach addiert
werden, da aus den einmaligen Kosten zunächst getrennt die jährlichen
Abschreibungen und die Verzinsung des investierten Kapitals ermittelt
werden müssen (Tabelle 6).
|
Durchschnitt-Abschreibung
pro Periode =
|
Anschaffungspreis --
Restverkaufserlös
-------------------------------------------------------
Anzahl der Nutzungsperioden (n)
|
|
Durchschnitt-Zinsen pro
Periode =
|
Anschaffungspreis + (RW
+1 Abschreibung)
---------------------------------------------------------------------
x
2
RW= Restverkaufserlös
|
p
----
100
|
|
Tabelle 5: Schema
zur Ermittlung der IT-Projektkosten
|
|
|
Projekt A
|
Projekt B
|
Projekt C
|
Projekt D
|
|
Anschaffungspreis
|
120.000 DM
|
90.000 DM
|
140.000 DM
|
165.000 DM
|
|
Feste Betriebskosten pro Jahr
ohne Abschreibung + Zinsen
|
15.000 DM
|
20.000
DM
|
10.000 DM
|
10.000 DM
|
|
Variable Betriebskosten
|
6.000 DM
|
12.000
DM
|
8.000 DM
|
9.500 DM
|
|
Geplante Nutzungsdauer
in Jahren
|
3,5
|
4,0
|
5,0
|
6,0
|
|
Restverkaufserlös am Ende
der geplanten Nutzungsdauer
|
25.000 DM
|
20.000
DM
|
10.000 DM
|
15.000 DM
|
|
Finanzierung mit Fremdkapital
|
60%
|
60%
|
60%
|
60%
|
|
Kalkulatorischer Zinssatz
in %
|
10,00
|
10,00
|
10,00
|
10,00
|
|
Ermittlung der durchschnittlichen
Gesamtkosten pro Periode:
Feste Kosten
Abschreibung p.a.
Zinsen p.a.
Variable Kosten
|
15.000 DM
27.143 DM
8.607 DM
6.000
DM
|
20.000 DM
17.500 DM
6.375 DM
12.000 DM
|
10.000 DM
26.000 DM
8.800 DM
8.000 DM
|
10.000 DM
25.000 DM
10.250 DM
9.500 DM
|
|
Gesamtkosten p.a.:
|
56.750 DM
|
55.875 DM
|
52.800 DM
|
54.750 DM
|
Rentabilitätsvergleichsrechnung
Vorteilhaftigkeitskriterium ist bei diesem Rechenverfahren die
Rentabilität der analysierten Projekte. Die Rentabilität wird aus dem
Verhältnis von Periodengewinn zu eingesetztem Kapital errechnet (siehe
Kasten).
Mit dieser Renditeformel lässt sich ermitteln, welche Rendite das
durchschnittlich gebundene Gesamtkapital über die Verzinsung des
Fremdkapitals und die kalkulatorische Verzinsung des Eigenkapitals hinaus
erzielt. Ein Projekt ist dann vorteilhaft, wenn die durchschnittliche Überrendite
größer 0 ist, bei mehreren Projekten ist dasjenige mit der höchsten Überrendite
am vorteilhaftesten (Abb. 18).
|
Durchschnittl. Eigenkapitalrendite (%) =
|
Durchschnittl. kalk. Gewinn x 100
-----------------------------------------------------------------
Durchschnittl. gebundenes Eigenkapital
|
|
Durchschnittl. Gesamtkapitalrendite (%) =
|
Durchschnittl. Kapitalgewinn x 100
-----------------------------------------------------------------
Durchschnittl. gebundenes Gesamtkapital
(Eigen- + Fremdkapital)
|
IT-Amortisations-
oder IT-Payback-Methode
Diese Berechnungstechnik misst die Zeitspanne, die notwendig ist, um
eine Projekt-Investition zu amortisieren, also durch Bargeldrückfluss
abzuzahlen. Dies ist die Zeitdauer, die bis zur Wiedergewinnung der
Anschaffungsausgabe aus den Einnahmeüberschüssen des Projektes
verstreicht (Tabelle 9).
Wenn der Bargeldrückfluss für jedes Jahr einheitlich ist, kann die
Payback-Periode durch die Teilung der Investition mit dem jährlichen Cash
flow errechnet werden.
|
Tabelle
8: Stark
voneinander abweichende Kapitalbindungen
|
|
|
Projekt A
|
Projekt B
|
Project C
|
|
|
DM /p.a.
|
DM/p.a.
|
DM/p.a.
|
|
Durchschnittl. kalkulatorischer Gewinn
|
13.800
|
17.200
|
138.000
|
|
Durchschnittl. Fremdkapitalzinsen
|
9.200
|
12.400
|
92.000
|
|
Durchschnittl. kalkulat.
Eigenkapitalzinsen
|
6.800
|
7.900
|
68.000
|
|
Durchschnittl. Gesamtkapitalbindung
|
172.000
|
188.000
|
1.720.000
|
|
Finanzierung Fremdkapital in %
|
60
|
60
|
60
|
|
Errechnung durchschnittl. Eigenkapitalbindung:
Errechnung durchschnittl. Eigenkapitalrendite p.a.:
Errechnung durchschnittl. Gesamtkapitalrendite p.a.:
|
68.800
29,94%
17,33%
|
75.200
33,38%
19,95%
|
688.000
29,94%
17,33%
|
|
Tabelle
9:
Berechnung der IT-Payback-Periode
|
|
Periode
|
Bargeldrückfluss
|
Rückfluss Jahre nötig
|
|
|
DM
gesamt
|
DM nötig
|
|
|
1
|
32.000
|
32.000
|
1,0
|
|
2
|
28.000
|
28.000
|
1,0
|
|
3
|
31.000
|
31.000
|
1,0
|
|
4
|
30.000
|
30.000
|
1,0
|
|
5
|
27.000
|
2.796
|
0,1
|
|
Investition
|
123.796
|
|
|
Amortisations-Payback-Jahre:
|
|
4,1
|
Lebenszyklus
des phasenweisen IT-Projektverlaufs
Ein IT-Projekt verläuft normalerweise in bestimmten Einzelphasen wie
beispielsweise: langfristige Systemplanung, Projektdefinition,
System-Grobentwurf, Detail-Design, Entwicklung, Implementierung,
Praxiseinsatz, Schulung oder Wartung. Hinsichtlich des Kostenverlaufs
fallen die höheren Projektbeträge meist in den ersten Phasen an, während
im Vergleich hierzu für die späteren Phasen oft relativ geringere
Aufwendungen zu erwarten sind.
Kalkulation des
internen Zinsfußes
Der Kapitalwert einer Investition ergibt sich aus der Summe der
diskontierten Ein- beziehungsweise Auszahlungsüberschüsse der einzelnen
Perioden. Der negative Kapitalwert im Kasten Seite 37 mit K = -2.956
bedeutet, dass die Investition über ihren angenommenen Lebenszyklus
hinweg die gewünschte Mindestverzinsung (im Kasten Seite 36, i = 18
Prozent) nicht erreicht. Mit Hilfe der internen Zinsfussrechnung (siehe
Kasten) lässt sich ermitteln, welche Verzinsung die Investition aufweist.
|
Interner
Zinsfuß und interner Zinssatz
|
|
Der interne Zinsfuss
der Investition zeigt an, mit welchem Prozentsatz pro Jahr die
Investition das eingesetzte Kapital verzinst.
Der interne Zinssatz der Investition ist der Zins, bei dem der
Kapitalwert der Investition gleich Null wird.
|
Projektorientierte
IT-Kapitalbedarfsplanung
Umfangreiche Projekte wie Data Mining zeichnen sich unter anderem aus
durch:
-
hohen Organisationsaufwand,
-
eine gegebenenfalls über mehrere Rechnungsperioden hinweg
andauernde Laufzeit und
-
hohen Vorfinanzierungsbedarf.
Unter Finanzbedarf fällt unabhängig von der Deckung jede Art der
Verpflichtung zur Zahlung. Der Kapitalbedarf errechnet sich als Saldo des
Finanzbedarfs mit den Einzahlungen. Als Planungsinstrument wird der
Projektablaufplan herangezogen, in dem die zeitliche Struktur des
Projektes abzubilden ist (Abb. 20).
Zusammenfassung
Informationstechnische Systeme sind ganz allgemein Instrumente, mit
deren Hilfe heute die Unternehmensziele und -strategien besser, schneller
und wirtschaftlicher erreicht werden können. Statt der herkömmlichen
arbeitsteiligen und rein funktionsorientierten Strukturen können mit
Hilfe neuer Informationstechniken auch strukturelle
Reorganisationsmaßnahmen realisiert werden, die mehr an
Geschäftsprozessen orientiert sind. Die sich rasant verändernden Märkte
zwingen insbesondere daher auch Mittelständler zu überprüfen, ob ihre
IT-Infrastruktur es ihnen ermöglicht, ihre künftigen Geschäftsziele zu
erreichen, das heißt:
-
Strategische Unternehmensziele müssen in Einklang mit der
IT-Infrastruktur gebracht werden,
-
aus einem Stärken-Schwächen-Profil müssen gegebenenfalls
notwendige Maßnahmen abgeleitet werden,
-
zur Standortbestimmung seiner IT-Architektur muss das Ma-nagement
seine Position auch im Benchmark-Vergleich kennen und
-
die Geschäftsleitung muss wissen, wie effizient einzelne
Geschäftsbereiche und Projekte durch existierende IT-Systeme
unterstützt werden.
Literatur
[1] Information Week Nr. 1/21. Dez. 1998.
[2] Biethahn, J.; Mucksch, H.; Ruf, W.; Ganzheitliches
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[3] Blohm, Hans; Lüder, Klaus: Investition, München 1995
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1993
[5] Brealy, R.A.; Myers, S.C.: Priciples of Coporate
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York 1996
[6] Dambon, Dieter: Finanzplanung und Electronic Banking mit Excel,
Vaterstetten 1994
[7] Dobler, Thomas; Köbler, Wolfgang: Planrechnungen im
Unternehmen, Stuttgart 1997
[8] Ewert, R.; Wagenhofer, A.: Interne Unternehmensrechnung, Berlin
1997
[9] Freidank, C.-C.: Zielformulierungen und Modellbildungen im
Rahmen der Rechnungslegungspolitik, Berlin 1998
[10] Gilbert, R.: More of the Best of Bits & Pieces, New Jersey
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[11] Gosh, D.: Throwing good money after bad, In: Management
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[12] Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung, Berlin 1995
[13] Müller-Hedrich; Bernd, W.: Betriebliche
Investitionswirtschaft, Renningen-Malmsheim 1996
[14] Seiler, Armin: Financial Management, Zürich 1999
[15] Süchting, Joachim: Finanzmanagement, Wiesbaden 1995
[16] Wall, Friederike: Planungs- und Kontrollsysteme, Wiesbaden 1999
[17] Walsh, C.: Key Management Ratios, London 1996
[18] Walz, Hartmut; Gramlich, Dieter: Investitions- und
Finanzplanung, Heidelberg 1997
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