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- Leseprobe -
Prozessoptimierung durch Total Productive Maintenance (TPM)
von Jens
Harmeier
Zu einer effektiven Verbesserung der Wertschöpfungsprozesse gehört die Implementierung kundennaher Fertigungsstrukturen. Dezentral organisierte Fertigungsstrukturen bedürfen zudem einer verstärkten Koordination im Hinblick auf übergeordnete Unternehmensziele. Dennoch berücksichtigen viele Unternehmen die Leistungspotenziale des Instandhaltungsmanagements noch nicht ausreichend. Die aus Japan stammende Methode des Total Productive Maintenance (TPM) zeigt einen Weg, durch effektives Instandhaltungsmanagement Fertigungskapazitäten zu verbessern und die Wettbewerbsposition zu stärken.
Stichworte: Innovative Instandhaltung; Prozessinnovationen; Abnutzungsvorrat; Wartung, Inspektion und Instandsetzung; Overall Equipment Effectivness (OEE); Verlustquellen; Kontinuierliche Verbesserung; Ursache-Wirkungs-Diagramm; Fünfmal-Warum-Methode; PM-Analyse; Autonome Instandhaltung; Instandhaltungsprogramm; Präventive Instandhaltung; Mitabeiterförderung und -qualifizierung; Instandhaltungsbudget; Instandhaltungs-Reporting; Eigen-/Fremdinstandhaltung;
Zusammenfassung
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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man mit Hilfe von TPM Verlustquellen
eliminiert und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess
sämtlicher Betriebsanlagen einleitet,
wie man präventiv eine instandhaltungsgerechte
Entwicklung und Konstruktion der Betriebsanlagen sicherstellt,
wie mittels TPM eine umfassende Anlagenbetreuung,
von der Spezifikation der Anlagen über ihre Bedienung bis zur
Erfassung ihres jeweiligen Zustandes, gewährleistet werden kann,
wie man Mitarbeiter für die Belange der Fertigung
sensibilisiert und für die Instandhaltung qualifiziert,
wie man ein umfassendes Instandhaltungsprogramm
plant und durchführt.
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Einleitung
Die heutigen Rahmenbedingungen für
Industrieunternehmen sind durch einen zunehmenden Wettbewerbsdruck
gekennzeichnet. Märkte, die sich immer schneller ihrer Sättigungsgrenze
nähern, und steigende Kundenanforderungen erfordern von den
Leistungsanbietern in zunehmendem Maße die Beherrschung und ständige
Verbesserung ihrer wertschöpfenden Prozesse. Innovative Unternehmen
reagieren auf diese Herausforderung mit der Implementierung kundennaher
Fertigungsstrukturen. Fertigungsinseln, Fraktale oder Fertigungssegmente
werden heute erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Derartige
Fertigungsstrukturen sind dezentral organisiert und bedürfen daher einer
verstärkten Koordination im Hinblick auf die übergeordneten
Unternehmensziele. Dazu kommt ein ansteigender Grad an Technisierung und
Automatisierung in den Fertigungsprozessen sowie eine stärkere Verkettung
der Betriebsanlagen. Dies alles lässt die Komplexität in den
Fertigungsanlagen erheblich zunehmen und stellt an das
Instandhaltungsmanagement hohe Anforderungen. Steigt nämlich die
Komplexität eines Fertigungssystems, so sinken seine Sicherheit und
Verlässlichkeit, da ein Versagen jeder Komponente das Versagen des
gesamten Systems bedeuten kann und die Anzahl der Schnittstellen
(Schwachstellen und Fehlerquellen) zunimmt [1]. Dies wiederum hat zur
Folge, dass bei Produktionsstörungen und -ausfällen die Kosten zu deren
Beseitigung exorbitant ansteigen.
Vor diesem Hintergrund ist zu fragen,
inwieweit ein effektives Instandhaltungsmanagement dazu beitragen kann,
die vorhandenen Fertigungskapazitäten zu sichern und zu verbessern, um
damit einen Beitrag zu einer nachhaltigen Verbesserung der eigenen
Wettbewerbsposition zu leisten. Dabei ist zunächst zu klären, ob das
heute eher enge, auf die Instandhaltungskernfunktionen fokussierte
Verständnis von Instandhaltung ausreicht, um dieses Ziel zu erreichen.
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Das Innovationsmanagement umfasst sowohl die
Gestaltung der Rahmenbedingungen für Innovationen als auch die
Organisation von Erneuerungsprozessen auf allen Ebenen des
Unternehmens. Die wesentliche Aufgabe des Innovationsmanagements
besteht in der Durchsetzung von Innovationen, also der Überwindung
von Innovationsbarrieren im Unternehmen über den gezielten Einsatzes
von Promotoren.
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In diesem Zusammenhang erfährt das aus Japan
stammende Instandhaltungskonzept des Total Productive Maintenence (TPM) in
den letzten Jahren eine steigende Aufmerksamkeit.
Ein Hinterfragen der herkömmlichen
Instandhaltungsphilosophie ist insofern unumgänglich, als dass die
Leistungspotenziale eines effektiven Instandhaltungsmanagement in vielen
Unternehmen nicht einmal ansatzweise erkannt und ausgeschöpft werden. So
wird die Instandhaltung oftmals nur als ein »Erfüllungsgehilfe« der
Fertigung gesehen.
Grundlagen der Instandhaltung in einem innovativen Unternehmen
Innovative Unternehmen sind dadurch
gekennzeichnet, dass sie ein Innovationsmanagement in ihrer
Unternehmensorganisation und -kultur fest verankert haben. Bei der
Implementierung moderner Fertigungsstrukturen spielen neben den
herkömmlichen Produktinnovationen insbesondere Organisations-, Kultur-
und Prozessinnovationen eine bedeutende Rolle. Prozessinnovationen leisten
einen Beitrag zur Optimierung von Unternehmensabläufen und -prozessen,
beispielsweise über die Einführung neuer Technologien, veränderter
Arbeitsorganisationsformen oder sonstiger Investitionen in die
Betriebsanlagen. In diesem Kontext ist auch das Instandhaltungsmanagement,
insbesondere das Konzept des TPM, als Feld für Prozessinnovationen zu
sehen, geht es doch hier um eine Optimierung der Entwicklungs- und
Fertigungsprozesse durch Innovationen in den Instandhaltungsprozessen.
Bevor näher auf den Inhalt des TPM
eingegangen wird, soll zunächst ein Überblick über die Grundlagen der
Instandhaltung gegeben werden. Neben den Mitarbeitern, Einsatzstoffen
(Hilfs- und Betriebsstoffen) und den in der Fertigung benötigten
Informationen sind die Betriebsanlagen eine bedeutende Störungsquelle in
den Fertigungsprozessen. So entstehen betriebsmittelbedingte Störungen
insbesondere durch eine Funktionsstörung oder durch den Ausfall einer
gesamten Anlage beziehungsweise einer Anlagenkomponente. Grundlage für
das Entstehen anlagenbedingter Störungen ist die Erkenntnis, dass jede
Anlage über einen spezifischen Abnutzungsvorrat verfügt, der in
einer bestimmten Zeit aufgebraucht ist. Der Abnutzungsvorrat kann als eine
bestimmte Menge von Funktionen einer Anlage gesehen werden, die im
Zeitablauf aufgebraucht wird. Die kritischen Maße für den Abbau des
Abnutzungsvorrates sind der Verschleiß, die Korrosion, die Alterung und
die Ermüdung. Dabei nimmt der Abnutzungsvorrat idealtypisch im Zeitablauf
s-förmig ab. Die s-förmige Kurve des Abnutzungsvorrates ergibt sich
daraus, dass der Verschleiß in der Einlaufphase einer Anlage zunächst
besonders hoch ist, bevor er sich für eine gewisse Zeit relativ
stabilisiert. Schließlich nimmt der Abnutzungsvorrat wieder stärker ab.
Dabei nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Anlagenausfalls mit abnehmendem
Abnutzungsvorrat zu. Der Sollzustand der Anlage stellt die Verwendung zu
den gegebenen Bedingungen sicher. Wird ein bestimmter Wert bei der Abnahme
des Abnutzungsvorrates unterschritten, tritt ein Schaden ein, es kommt zu
einer Funktionsbeeinträchtigung der Anlage. Abbildung 1 zeigt den
Abnutzungsvorrat und Sollzustand einer Betriebsanlage im Zeitablauf. Es
sei jedoch an dieser Stelle angemerkt, dass es anlagenspezifisch durchaus
auch andere Kurvenverläufe geben kann.

Abb. 1: Abnutzungsvorrat und
Soll-Zustand im Zeitablauf [2]
Anlagenstörungen und -ausfälle haben für
das Unternehmen erhebliche Kosten- und Erlöswirkungen. Zunächst können
durch eine Beeinträchtigung beziehungsweise die gänzliche
Unbrauchbarkeit einer Betriebsanlage erhebliche Nachbearbeitungs- oder
Ausfallkosten entstehen. Ausschuss muss möglicherweise zu hohen Kosten
recycelt oder entsorgt werden. Führen Anlagenstörungen oder -ausfälle
zu Beschädigungen an der Anlage, so entstehen zusätzlich Reparaturkosten
inklusive der Kosten für die Beschaffung von Ersatzleiten. Darüber
hinaus werden durch eventuelle zusätzliche Rüst- und
Reinigungsprozeduren sowie durch eventuelle Gewährleistungs- und
Produkthaftungsansprüche entsprechende Kosten verursacht.
Schließlich machen sich Störungen und
Ausfälle von Betriebsanlagen auch auf der Erlösseite bemerkbar. So
können mängelbehaftete Produkte entweder gar nicht mehr oder nur noch
als zweite Wahl mit entsprechender Erlösminderung verkauft werden. Auch
ein etwaiger Preisnachlass führt zu einer Erlösschmälerung.
Ziel der Instandhaltung muss es insofern
sein, durch entsprechende Maßnahmen den Abbau des Abnutzungsvorrates zu
verlangsamen, ihn gegebenenfalls wiederherzustellen oder durch
verbessernde Instandhaltung gar zu erhöhen, um so die Störungs- und
Störungsfolgekosten beziehungsweise die Ausfall- und Ausfallfolgekosten
zu minimieren.
Ausgangspunkt einer innovativen
Instandhaltung ist der normenbasierte Inhalt des Begriffs
»Instandhaltung«, der in der DIN 31051 definiert wird. Danach umfasst
die Instandhaltung sämtliche Maßnahmen zur Bewahrung und Herstellung des
Sollzustandes der Anlagen sowie zur Ermittlung des Ist-Zustandes, was
insbesondere die Wartung, Inspektion und Instandsetzung der
Betriebsanlagen einschließt [3]. Abbildung 2 gibt einen Überblick über
die Maßnahmen der Instandhaltung.

Abb. 2: Maßnahmen der Instandhaltung [4]
Bei den Instandhaltungsprozessen ist zwischen
operativen und dispositiven Prozessen zu unterscheiden: Während sich die
operativen Instandhaltungsprozesse auf die unmittelbare Ausführung
der Instandhaltungsaktivitäten beziehen, geht es bei den dispositiven
Prozessen um die planenden und steuernden Aufgaben, die zur
Ausführung der Instandhaltungsprozesse notwendig sind.
Ein innovatives Unternehmen wird sich jedoch
nicht lediglich auf die Kernfunktionen Wartung, Inspektion und
Instandsetzung beschränken können. Es wird vielmehr das Ziel haben, mit
einem umfassenden und ganzheitlichen Instandhaltungsmanagement seinen
gesamten Anlagenbestand zu optimieren. Bei der Weiterentwicklung des
Betriebsanlagenmanagements lassen sich folgende Phasen unterscheiden:
-
Verbesserung der vorhandenen
Betriebsanlagen,
-
Halten der verbesserten beziehungsweise
neuen Betriebsanlagen auf einem höheren Niveau von Leistung und
Verfügbarkeit,
-
Beschaffung von neuen Anlagen mit einem
hohen Leistungs- und Verfügbarkeitsniveau [5].
Das Konzept des Total Productive Maintenance
Um das Management der Betriebsanlagen derart
weiterzuentwickeln, bedarf es eines konzeptionellen Ansatzes für die
Instandhaltung. Hier erscheint das TPM als geeignetes Konzept. TPM
bedeutet frei übersetzt »totale productive Instandhaltung«. Dabei
bezieht sich das »total« nicht lediglich auf die Effektivität und
Wirtschaftlichkeit der Instandhaltung, sondern auch auf die Anwendung
eines vollständigen Systems der Productive Maintenance während der
gesamten Anlagenlebensdauer sowie auf die Einbeziehung jedes einzelnen
Mitarbeiters und der verschiedenen Fachabteilungen durch eine Förderung
der selbständigen Bediener-Instandhaltung [6]. Darüber hinaus bedarf es
beim TPM eines Commitments von Seiten der Geschäftsleitung.
Ziel des TPM ist es, die Effektivität und
Effizienz der Betriebsanlagen zu maximieren. Dies erfolgt durch eine
produktive Instandhaltung, also durch eine Stabilisierung und
kontinuierliche Verbesserung der Instandhaltungsprozesse, durch eine
vorbeugende Instandhaltung, durch ein Null-Fehler-Streben und durch eine
systematische Beseitigung sämtlicher Verlustquellen in der
Instandhaltung.
Beim TPM geht es nicht mehr lediglich um die
reine Anlageninstandhaltung, sondern um eine umfassende Anlagenbetreuung,
also die Integration von Bedienung und Instandhaltung, die frühe
Mitwirkung von Instandhaltern bei der Spezifikation der Anlagen und die
genaue Erfassung des Anlagenzustandes zur zielgerichteten Instandhaltung
[7]. Das TPM spielt insbesondere in einer Just-In-Time-gesteuerten
Fertigung eine wichtige Rolle, da hier instandhaltungsbedingte
Störungen zu Zeitverlusten führen, die sich über die gesamte
Wertschöpfungskette fortpflanzen.
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Bei einer Just-In-Time-gesteuerten Fertigung
erfolgt die Produktion und Zulieferung auf Abruf. Voraussetzung dafür
ist eine enge Verzahnung der Fertigung mit den Zulieferern. Eine
JIT-gesteuerte Fertigung, die insbesondere in der Automobilindustrie
anzutreffen ist, führt zu höherer Termintreue, zu einem Abbau von
Lagerbeständen und damit zu einer verringerten Kapitalbindung im
Umlaufvermögen.
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Dass sich das TPM bereits in der Praxis
bewährt und zu erheblichen Prozessoptimierungen in den Fertigungs- und
Instandhaltungsprozessen geführt hat, zeigt Tabelle 1 anhand
festgestellter Auswirkungen von TPM-Preisträgern.
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Tabelle 1: Auswirkungen von TPM [8]
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Bei der produktiven Instandhaltung wird dem
Maschinenbediener neben der Ausführung der Instandhaltungstätigkeiten
auch die Verantwortung für den einwandfreien Zustand der gesamten
Produktionsanlage übertragen, was neben der Maschine selbst auch das
Umfeld einschließlich der benötigten Werkzeuge beinhaltet [9].
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