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- Leseprobe -
Unternehmensmodellierung für die Gestaltung von
Unternehmensprozessen
von Kai Mertins, Martin Schwermer,
Markus Rabe
Stichworte: Unternehmensmodellierung: Anforderungen,
Ziele, Nutzen, Simulationen, Ein
integriertes Unternehmensmodell, Modellierungswerkzeuge, Aufbau und Nutzen von
Modellen, QM-Handbuch, Zertifizierungsvorbereitung.
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In diesem Beitrag erfahren Sie:
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wie mit Hilfe von Unternehmensmodellierung die Planung von Geschäftsprozessen erheblich
erleichtert wird,
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wie Sie das Kreativitätspotential Ihrer Mitarbeiter in Entwicklungen einbinden können,
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wie ein integriertes Unternehmensmodell aufgebaut ist, und welche Kriterien es für die
Auswahl eines geeigneten Modellierungssystems gibt.
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Simulation zur Gestaltung von Unternehmensprozessen
Was ist Simulation?
Simulation steht für Nachahmung. In der Fabrikplanung heißt das Nachahmung
der Fabrik - die Fabrik entsteht auf dem Computer und verhält sich genauso wie eine
»echte« Fabrik. Auch wenn die Simulation - schon aus Gründen der Planungsökonomie -
nicht alle Details abbilden wird, so doch genug, um alle wesentlichen Betriebsdaten
erfassen zu können. So werden Aufträge, Produkte, Werkstückträger und Fahrzeuge auf
ihrem Weg durch die Fabrik verfolgt. Die Belegung von Maschinen und Lagern wird
beobachtet. Staus und Blockierungen entstehen, wenn Maschinen überbelegt sind, Material
fehlt, Ressourcen knapp sind oder Personal nicht oder in falscher Qualifikation zur
Verfügung steht. Die Betriebsdaten werden entweder in eine Animation am Bildschirm
umgesetzt oder zu Tabellen und Graphiken mit statistischen Aussagen
zusammengefaßt.
Im einfachsten Fall wird die Fabrik auf dem Bildschirm angezeigt. Dies kann als
»virtual reality« geschehen: echtfarbig, mit der Möglichkeit, durch die Fabrik zu
»gehen«, sich dort umzuschauen und Probleme zu beobachten - wie in der Realität.
Aussagekräftiger sind oft schematische Darstellungen. So kann die aktuelle Belegung aller
Maschinen in einer Übersicht zusammengefaßt werden. Farben können hier für Signale
genutzt werden, zum Beispiel Rot als Hinweis auf eine Störung. Eine solche Anzeige
entspricht Monitoren, wie man sie typischerweise auch in Leitständen findet. Verbreitet
verwendete Simulations-Systeme sind Arena, MOSYS, Perfact!, Pro Model, Simple++, Simpro
und Taylor. Die Kosten der Systeme liegen etwa zwischen 4.000 DM (Pro Modell) und 70.000
DM (Simpro). Simulationssysteme, die vorgefertigte Modellbausteine nutzen, sind in der
Regel einfach anwendbar. In hinteren Teil dieses Beitrages wird beispielhaft das System
MOSYS erläutert, das ein solches Bausteinkonzept nutzt.
Kenngrößen müssen meist Aussagen über längere Zeiträume geben, insbesondere, wenn
Aussagen über Kosten gemacht werden sollen. Bei vielen Betrieben gibt es deutliche
saisonale Schwankungen; die Produktion muß sich jedoch über das ganze Jahr rentieren.
Daraus folgt unmittelbar, daß die Simulation die Fabrik oft über Wochen, Monate oder
Jahre beobachten muß, um die erforderlichen Kostengrößen zu gewinnen. Das ist möglich,
weil die Simulation schneller laufen kann als die Echtzeit. Eine Messung über Monate
Fabrikbetrieb steht schon nach Minuten zur Verfügung. Mit den Ergebnissen kann die
geplante Produktion auch längerfristig bewertet werden.
Bedarf und Nutzen der Simulation
Moderne Fabriken sind gekennzeichnet durch wachsende Variantenvielfalt, zunehmenden
Automatisierungsgrad, fortschreitende Integration von Material- und Informationsfluß und
immer stärkere Entkopplung von Arbeitszeit und Nutzungszeit der Betriebsmittel. Aus
dieser Entwicklung ergeben sich die Anforderungen an die Planung von Produktionsanlagen.
Bei der Lösungsfindung sind die Wechselwirkungen zwischen den Produkten und den
Betriebsmitteln zu berücksichtigen. Weiterhin muß der Planer die Abhängigkeiten
innerhalb der Betriebsmittel, zwischen Material- und Informationsfluß und zwischen
Bearbeitung und Montage beherrschen und das dynamische Systemverhalten kennen. Bereits
frühzeitig sollte die Bestimmung von Kostengrößen möglich sein. Dadurch kann die
Detailplanung von Lösungsalternativen vermieden werden, die produktionstechnisch sinnvoll
erscheinen, aus wirtschaftlichen Gründen aber frühzeitig ausgeschlossen werden können
[4].
Am Planungsprozeß sind unterschiedliche Entwickler und Anwender mit ihren spezifischen
Sichtweisen der Aufgabenstellung beteiligt. In der arbeitsteiligen Durchführung einer
Fabrikplanung ergibt sich das Risiko von Mißverständnissen, mehrfacher Durchführung der
gleichen Aufgaben sowie unzureichender Berücksichtigung und mangelhafter Abstimmung von
Teilaufgaben. Gefordert ist deshalb ein Modellierungsverfahren, bei dem unterschiedliche
Planungsaspekte integriert, die Denkgewohnheiten erfahrener Planer durchbrochen, ihre
Erfahrungen und ihre Vorstellungskraft aber zugleich berücksichtigt werden, und bei dem
durch eindeutige Beschreibung des Fabrikbetriebs die Kommunikation zwischen allen am
Planungsprozeß Beteiligten unterstützt wird.
Da ein Szenario in kurzer Zeit analysiert und bewertet werden kann, ist mit etwas
zusätzlichem Zeitaufwand die Analyse mehrerer unterschiedlicher Varianten
möglich. Die Flexibilität kann durch Testen der virtuellen Fabrik mit unterschiedlichen
denkbaren Produktionsprogrammen geprüft werden. Nur die optimale Variante wird
realisiert. Dies bedeutet höchste Produktivität und Flexibilität bei den geringsten
Kosten. Auch unkonventionelle und innovative Ideen können ausprobiert werden. Dadurch
landen gute, aber nicht abgesicherte Ideen nicht mehr so leicht in der Schublade;
zusätzliche Produktivitätspotentiale werden erschlossen.
Je nach Betrieb können verschiedene Zielgrößen an erster Stelle stehen: Produktivität,
Flexibilität, absolute Termintreue, minimale Investition, maximale Qualität oder
anderes. Es gilt jeweils, den Kompromiß zwischen den unterschiedlichen geforderten Zielen
zu finden. Die Simulation liefert klare Aussagen zur Erreichung all dieser Ziele in
den unterschiedlichen Varianten. Damit ist sichergestellt, daß die Verfolgung der
Hauptziele nicht dazu führt, daß der Unternehmenserfolg durch Fehler in als weniger
wichtig eingeschätzten Bereichen zunichte gemacht wird. Die Simulation liefert ein
ganzheitliches Bild über den betrachteten Bereich.
Aus der Simulation werden alle wichtigen Kenngrößen gewonnen. Zu diesen Kenngrößen
gehören: Durchsatz an Produkten, Durchlaufzeiten, Terminüberschreitungen, Stückkosten,
Auftragskosten, Liegezeiten, Bestände, Auslastung der Maschinen und Lager,
Rüstaufwände, Wartezeiten auf Störungsbehebung, Material, Betriebskosten,
Warteschlangenlängen oder Personalnutzung für unterschiedliche Aufgaben [4].
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