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- Leseprobe -
Digitale Wertschöpfung: Neue Medien optimieren die
Geschäftsprozesse
Teil 2: Einsatzmöglichkeiten und Fallbeispiele
von Ansgar Zerfaß
Stichworte: Neue Prozesse durch neue Medien,
Innovationspotentiale, Anwendungsbeispiele:
Internet
und Multimedia in der Wertkette, Strategiewahl und Positionierung im Wettbewerb
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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wie die Wertkette als Analyseinstrument eingesetzt wird,
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welche Innovationspotentiale durch eine multimediale
Weiterentwicklung der Unternehmensprozesse entstehen,
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wie mittelständische Unternehmen das Internet bereits heute
in ihre Wertschöpfung eingebaut haben.
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Neue
Prozesse durch neue Medien
Digitale Wertschöpfung entsteht, wenn wirtschaftliche Tätigkeiten entweder für oder
mittels elektronischer Medien durchgeführt werden [1]. Dabei betreffen die
Nutzungsmöglichkeiten von Internet und Multimedia alle Unternehmensfunktionen und alle
Phasen der Leistungserstellung in gleicher Weise. Das läßt sich mit Hilfe der Wertkette
verdeutlichen. Die Wertkette ist eine populäre Darstellungsform der betrieblichen
Leistungserstellung, die von Michael Porter in Harvard entwickelt wurde [4]. Als
Analyseinstrument ist sie in vielen Firmen zum festen Bestandteil der strategischen
Unternehmensplanung geworden. Deshalb bietet es sich an, sie auch zur Bestimmung
sinnvoller Einsatzfelder für neue Medien einzusetzen.
Innovationspotentiale
Die Wertkette unterscheidet zwischen primären Aktivitäten, die unmittelbar mit der
Herstellung und dem Vertrieb eines Produktes beziehungsweise einer Dienstleistung
verbunden sind (Eingangslogistik, Produktion, Marketing, Vertrieb, Service), und
unterstützenden Aktivitäten, mit denen die primären Abläufe vorbereitet, ermöglicht
und gesteuert werden (Verwaltung, Finanzen, Personalmanagement, Forschung / Entwicklung,
Beschaffung). In jeder dieser Phasen spielt der intelligente Einsatz von Internet und
Multimedia eine wichtige Rolle. Um Prioritäten zu setzen, sollte man durch eine
Wertkettenanalyse prüfen, wie sich die Neugestaltung von Informations-, Kommunikations-
und Transaktionsprozessen durch neue Medien auf einzelne Phasen der Leistungserstellung
und auf ihr Zusammenspiel auswirkt. Grundsätzlich sind drei Ansatzpunkte zu
unterscheiden:
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Verbesserung eigener Wertaktivitäten
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Neuorganisation der internen Wertschöpfung
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Gemeinsame Wertschöpfung mit anderen Unternehmen
Verbesserung einzelner Wertaktivitäten
Jede Aktivität der Wertkette kann durch den Einsatz von Multimedia und Internet
kostengünstiger, qualitativ besser oder kundenspezifischer durchgeführt werden.
Beispielsweise ist im Bereich der betrieblichen Weiterbildung zu prüfen, ob herkömmliche
Seminarbesuche zum Teil durch Lernprogramme auf CD-ROM und Online-Weiterbildungskurse
abgelöst werden können. Business-TV-Anwendungen, die inzwischen auch auf Internet-Basis
verfügbar und damit auch für mittelständische Unternehmen attraktiv sind, schaffen
zusätzliche Möglichkeiten für die Personalentwicklung und Mitarbeiterkommunikation.
Neuorganisation der internen Wertschöpfung
Die Wertkette und damit der Prozeß der Leistungserstellung können mit Hilfe neuer Medien
völlig neu strukturiert werden. Das gilt etwa für die Herstellung von
Musik-CDs. Der
mittelständische Musikproduzent Deshima Music hat den
klassischen Ablauf von Produkt
entwicklung (Zusammenstellen der Musikstücke, Covergestaltung), Produktion und Verkauf
umgekehrt. Das Unternehmen listet auf seiner Website ein Repertoire von über 5.000 Songs
auf. Aus diesem Fundus kann der Kunde auswählen und Wunsch-CDs mit beliebigen Titeln
zusammenstellen. Nach der Online-Bestellung und Bezahlung werden die Musikscheiben mit
Hilfe einer eigens entwickelten computergestützten Fertigungsanlage produziert und direkt
an den Besteller verschickt. Durch diese innovative Lösung werden in der
Tonträgerbranche, einem klassischen Massenmarkt, erstmals individualisierte Produkte mit
hohem Kundennutzen angeboten.
Gemeinsame Wertschöpfung mit anderen
Unternehmen
Die Wertkette eines Unternehmens kann über Online-Anwendungen intelligent mit den
Wertketten anderer Unternehmen verknüpft oder neu an die Bedürfnisse der Endkunden
angekoppelt werden. Dies ist der Fall, wenn kleine Unternehmen mit Hilfe der
Telekooperation gemeinsam forschen und entwickeln, wenn die Vertragshändler eines
Geräteherstellers über ein Extranet auf interne Bestandsdaten zugreifen können und wenn
Buchhändler unter Umgehung des Einzelhandels per Internet direkt an ihre Leser verkaufen.
Ein Beispiel ist der Hänssler-Verlag, ein mittelständisches Unternehmen, das mit
jährlich 250 Neuerscheinungen zu den größten christlichen Sachbuch-Verlagen Europas
gehört. Neben der Verlagstätigkeit ist Hänssler auch Barsortimenter (Buchgroßhändler)
mit Produkten von über 130 christlichen Verlagen und Betreiber einer Versandbuchhandlung.
Diese Geschäftsfelder werden seit Mitte 1997 von einer mehrsprachigen Website unterstützt. Das Internet-Angebot dient vor
allem der Kundenbindung: Fachhandel und Kunden werden durch ein ständig aktualisiertes
redaktionelles Angebot und umfangreiche Serviceleistungen angesprochen. Ein Online-Shop
rundet den Auftritt ab.
Die in diesem Beispiel auftretende Unterscheidung von zwischenbetrieblichen
Business-to-Business-Anwendungen (BtoB) und Business-to-Consumer-Lösungen für Endkunden
ist beim Multimedia-Einsatz besonders wichtig. Die größten Nutzenpotentiale bringen mit
Ausnahme weniger Massenmärkte (Bücher, Software, Musik, mittelpreisige Markenprodukte)
zweifelsohne BtoB-Ansätze. Der Grund: Unternehmen sind vergleichsweise besser auf das
Internet vorbereitet (Netzzugang, Technik, Know-how), und es gibt in den verschiedenen
Phasen der Leistungserstellung typischerweise deutlich mehr Berührungspunkte mit anderen
Firmen als mit Konsumenten.
Anwendungsbeispiele:
Internet und Multimedia in der Wertkette
Der Weg zur digitalen Wegschöpfung läßt sich leichter gehen, wenn man die
Geschäftsmodelle erfolgreicher Firmen im Online-Business studiert und prüft, ob sich
vielversprechende Ansätze in der einen oder anderen Weise auf das eigene Unternehmen
übertragen lassen. In der Presse und in den meisten Fachbüchern findet man in diesem
Zusammenhang jedoch meist nur die inzwischen allseits bekannten Case Studies von
Großunternehmen wie Karstadt (Online-Shop), Kaufhof
(intelligente Beratungsterminals) und Amazon
(Buchhandel) oder von Online-Publikationen wie www.focus.de,
www.spiegel.de, www.stern.de.
Diese Beispiele sollen hier nicht wiederholt werden. Stattdessen geben wir im folgenden
einen Überblick zu typischen Lösungsansätzen in kleinen und mittelständischen
Unternehmen [1].
Infrastruktur (Verwaltung, Finanzen, PR)
Die Unternehmensinfrastruktur wird maßgeblich durch die Aktivitäten der
Gesamtgeschäftsführung bereitgestellt. Dazu gehören einerseits die Außenkontakte zu
Behörden, Verbänden, Kommunen, Anwohnern und Pressevertretern, die durch verschiedene
Möglichkeiten der interaktiven Öffentlichkeitsarbeit (Presseinformationen per E-Mail,
Web-Auftritte mit öffentlichen Diskussionsforen) optimiert werden können [3]. Von
zentraler Bedeutung sind ferner Verwaltung und Finanzen. Sie unterstützen die
Leistungserstellung, indem sie den gesamten Geschäftsprozeß planen, organisieren und
kontrollieren, Kosten kalkulieren und zurechnen sowie den Geldfluß handhaben. Diese
Managementaufgaben lassen sich im Unterschied zu den anderen unterstützenden Aktivitäten
nicht mehr aufspalten und einzelnen Wertaktivitäten zuordnen; sie werden typischerweise
als Gemeinkosten erfaßt. Für Großunternehmen lohnt sich der Einsatz neuer Medien an
dieser Stelle ganz besonders. Ohne E-Mail und Intranet ist der schnelle Informationsfluß
in globalen Konzernen kaum mehr zu bewältigen. Ebenso wäre die überall zu beobachtende
Einrichtung von Profit-Centern und die Einführung interner Verrechnungssysteme ohne den
elektronischen Datenaustausch im Finanzwesen nicht denkbar. Doch auch mittelständische
Unternehmen, die ja häufig als »überschaubar« gelten, können von entsprechenden
Lösungen profitieren [2]. Kostengünstig und fast in jedem Fall lohnend ist die
Verbindung aller Arbeitsplatzcomputer zu einem unternehmensinternen Netz (LAN) und die
Umstellung aller geeigneten Abläufe auf E-Mail-Kommunikation. Mit solchen
Standardlösungen können Außendienstmitarbeiter, Zweigwerke und Niederlassungen - auch
im Ausland - besser informiert und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. In
weiteren Ausbaustufen bietet es sich an, Videokonferenzsysteme einzurichten, um
Führungskräfte von Reisen zu entlasten, und den gesamten Workflow so in einem Intranet
abzubilden, daß alle verfügbaren Informationen jederzeit von jedem Arbeitsplatz aus mit
einer einheitlichen multimedialen Benutzeroberfläche abrufbar sind. Daneben sind für
viele kleine Unternehmen unternehmensübergreifende Anwendungen, die die flexible
Zusammenarbeit mit anderen ermöglichen, besonders sinnvoll. Ein Beispiel ist das IngenieurNetz, eine Internet-Plattform, mit deren
Hilfe sich beratende Ingenieure projektbezogen zu Anbieterteams zusammenschliessen
können. Schließlich sollten Kleinbetriebe, deren Finanzbuchhaltung nicht komplett vom
Steuerberater abgewickelt wird, die Vorteile des Internet-Banking prüfen. Überweisungen
und kurzfristige Anlagen lassen sich heute kostengünstiger und unabhängig von
Schalteröffnungszeiten über die Online-Angebote der großen Geldinstitute abwickeln.
Personalmanagement
Das Personalmanagement im Mittelstand profitiert von neuen Medien in dreifacher Weise.
Unternehmen, die auf spezialisierte Nachwuchskräfte mit Hochschulausbildung angewiesen
sind, können sich in einem Bereich ihres Web-Auftritts als innovativer Arbeitgeber
präsentieren. Gerade für Hochschulabsolventen gibt es zwischenzeitlich viele
Internet-Jobbörsen, in denen man gezielt Stellen ausschreiben und bundesweite Bewerbungen
finden kann. Im Rahmen der Weiterbildung profitieren Mittelständler, die im Gegensatz zu
großen Konzernen häufig keine zentralen Schulungen anbieten können, enorm vom Einsatz
neuer Medien. Ein Beispiel sind multimediale Lernprogramme auf CD-ROM, wie sie
beispielsweise die Kaufland-Bäckereien in Neckarsulm zur mobilen Schulung ihrer
Backshop-Mitarbeiter einsetzen. Firmenspezifische CBT-Anwendungen (Computer Based
Training) erfordern allerdings erhebliche Investitionen. Kleine Firmen und Selbständige
sollten deshalb in erster Linie das ständig wachsende Angebot an Standardprogrammen und
Telelearning-Angeboten prüfen. Interaktive Fernkurse im Internet zu verschiedensten
Themen werden sowohl von öffentlich geförderten Einrichtungen wie der Berliner Internet-Akademie, Online-Schulungsspezialisten
(z.B. Internationale Multimedia-Akademie, Karlsruhe; CD GmbH,
Neuler) und großen Plattformbetreibern
wie der Deutschen Telekom angeboten.
Forschung und Entwicklung
Eine leistungsfähige Forschung und Entwicklung ist für viele mittelständische
Unternehmen in Deutschland, beispielsweise im Maschinenbau, der Garant für weltweite
Erfolge in Spezialmärkten. Der Einsatz neuer Medien trägt dazu bei, daß dieser
Wettbewerbsvorteil behauptet werden kann. Durch Telekooperation (Videokonferenzen,
gemeinsames Arbeiten an Konstruktionsplänen über das Internet) kann das Know-how von
Ingenieuren und Technikern von verschiedenen Standorten gebündelt werden. Die Firma
Leipold Metallwaren aus Wolfach im Schwarzwald hat auf diese Weise ihre
Auslandsniederlassungen in USA und Großbritannien angebunden. Sehr viel weniger Aufwand
ist notwendig, um die allgemeine Innovationskraft im Mittelstand zu stärken: Das Angebot
an wirtschaftlich verwertbaren Informationsquellen und Datenbanken im Internet wächst von
Tag zu Tag. Das Spektrum reicht von Patentdatenbanken, Kooperationsbörsen,
Außenwirtschaftsinformationen, Beraterdatenbanken bis hin zu branchenspezifischen
Diensten.
Beschaffung
Die Beschaffung ist in der Wertkette als Querschnittsfunktion ausgewiesen, weil jede der
primären Aktivitäten der Leistungserstellung auf die Bereitstellung von Inputs
angewiesen ist. Mit Multimedia-Anwendungen kann man in diesem Bereich schneller und besser
werden, wenn - soweit verfügbar - Produktdatenbanken von Lieferanten auf CD-ROM oder im
WorldWideWeb genutzt werden. Auch die Bestellabwicklung selbst läßt sich über das
Internet deutlich vereinfachen und damit kostengünstiger durchführen. Für
Textilhändler sind heute bereits branchenspezifische Systeme verfügbar, mit denen man
online Waren bestellen oder interaktiv Werbeanzeigen produzieren kann. Das
Internet-Angebot BPS-Fashion ist ein virtueller
Marktplatz für registrierte Nutzer, auf dem Hersteller ihr Sortiment einschließlich
Sonderposten präsentieren. Einzelhändler und Boutiquenbesitzer benötigen nur einen
einfachen Internet-Zugang, um sich tagesaktuell und unabhängig von der telefonischen
Erreichbarkeit der Verkaufsabteilungen zu informieren und Bestellungen aufzugeben. Einen
ebenso innovativen Ansatz verfolgt das Projekt JAMES, eine Initiative des Fachverbands
Einzelhandel Baden-Württemberg e.V., Fachgemeinschaft Textil, und der Herrenberger
Werbeagentur Stoll & Fischbach. JAMES ist ein Werbe-
und Ideenpool, der speziell auf die Mitglieder der Verbands zugeschnitten ist und via
Internet Texte, Bilder und Vermarktungsideen zur Verfügung stellt. Registrierte Nutzer
können interaktiv Zeitungsanzeigen, Prospekte, Flugblätter und so weiter herstellen und
mit ihren individuellen Angaben ergänzen. Dafür ist eine monatliche Nutzungsgebühr zu
entrichten, die sich schnell bezahlt macht, da die üblichen Kosten für die Beauftragung
einer Werbeagentur entfallen. Das System rechnet sich auch für die zuliefernden
Werbespezialisten, die Texte und Motive in diesem Fall nicht nur für einen einzigen
Kleinkunden produzieren, sondern ausgerichtet auf aktuelle Themenbereiche der gesamten
Branche kreieren. Dadurch können aufwendigere und professionellere Lösungen verwirklicht
werden.
Eingangslogistik
Die Eingangslogistik muß sicherstellen, daß alle benötigten Betriebsmittel, Werkstoffe
und Waren rechtzeitig und in hinreichender Menge vorhanden sind. Dies wird erleichtert,
wenn der Lieferant intelligente Internet-Anwendungen wie eine automatische Auftrags- und
Frachtverfolgung bereitstellt. Kunden des mittelständischen Computer-Direktversenders
Transtec aus Tübingen erhalten eine Identifikationsnummer, mit deren Hilfe sie auf der
Website www.transtec.de jederzeit den aktuellen Stand ihrer Aufträge, Lieferungen,
Rücksendungen und so weiter verfolgen können. Solche Systeme werden im
Business-to-Business-Bereich immer häufiger eingeführt.
Produktion
In der Produktion kommt es heute vorwiegend auf Schnelligkeit und Einhaltung der
definierten Kosten- und Qualitätsstandards an. Durch den Einsatz neuer Medien wird es
möglich, bei zeitkritischen Aufträgen kurzfristig externe Kapazitäten einzubinden. Im
Zuge der Telekooperation können beispielsweise mehrere Programmierer aus verschiedenen
Ländern gleichzeitig an einem Softwareprodukt arbeiten. Das Qualitätsmanagement wird
deutlich verbessert, wenn die wichtigsten Informationen - beispielsweise Arbeitsabläufe,
Kontrollpläne, Fehlerprotokolle - online im Intranet zur Verfügung gestellt werden und
so jederzeit an jedem Arbeitsplatz verfügbar sind. Die Einführung eines solchen Systems
lohnt sich auch für kleinere Unternehmen, wenn man auf Web-basierte Lösungen setzt, die
von jedem Mitarbeiter ohne aufwendige Schulungsmaßnahmen bedient werden können.
Marketing
Am weitesten fortgeschritten ist heute - auch im Mittelstand - der Einsatz von Multimedia
und Internet im Rahmen des Marketings. Dabei bieten sich verschiedene Vorgehensweisen an.
Unternehmenspräsentationen auf CD-ROM oder im Internet dienen dazu, ein innovatives Image
aufzubauen und die langfristige Kundenbindung zu erhöhen. Informationen zum Unternehmen,
zu Leitbildern, Standorten, Ansprechpartnern, Mitarbeitern, Eigentümern und Geschichte
lassen sich auf diese Weise vermitteln. Im Mittelpunkt der Kommunikation sollte jedoch
stets das konkrete Leistungsspektrum stehen. Erklärungsbedürftige Produkte lassen sich
in multimedialen Produktkatalogen auf CD-ROM mit Bild, Ton, Animationen und Videosequenzen
deutlich besser darstellen als in herkömmlichen Prospekten. Unternehmen mit einem
umfangreichen Produktspektrum können ihren Web-Auftritt um eine Datenbank mit
Bestellnummern, Produktbeschreibungen und Preisinformationen ergänzen. Auf diese Weise
werden Abnehmer und Außendienstmitarbeiter stets tagesaktuell informiert.
Im Business-to-Consumer-Bereich, also bei der Ansprache von Endkunden, ist der
Unterhaltungswert häufig ebenso wichtig wie die Sachinformation und der Nutzwert. Obwohl
man sich darüber klar sein muß, daß derzeit nur bestimmte Konsumentengruppen im Netz
erreichbar sind, bietet das Internet in diesem Bereich enorme Profilierungschancen.
Zahlreiche Beispiele zeigen, daß sich kleinere Unternehmen mit innovativen Ideen hier
besser durchsetzen können als in den klassischen Werbemärkten Print und TV, die von
großen Markenartiklern beherrscht werden. Die Firma Neher-Systeme aus Frittlingen bewirbt
ihre Insektenschutzgitter und Schiebeverglasungen im WorldWideWeb unter anderem mit einem
zum Thema passenden Online-Spiel und mit einem Lexikon wissenswerter Begriffe aus der Insektenwelt. Der Autoradio-Hersteller Becker aus Karlsbad setzt neben Spielen und attraktiven
Gimmicks wie einem interaktiven Radio auf Online-Verlosungen, um die Kundenbindung zu
erhöhen. Bei beratungsintensiven Produkten macht es natürlich auch im Endkundenmarketing
Sinn, ausführliche Produktinformationen und Planungshilfen im Internet bereitzustellen.
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BEHA:
Elektronischer Produktkatalog im Netz
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Eine effiziente Unterstützung des
weltweiten Verkaufs in über 60 Ländern steht im Mittelpunkt des mehrsprachigen
Internet-Auftritts der CH. BEHA GmbH aus Glottertal bei
Freiburg. Das Produktspektrum der mittelständischen Unternehmensgruppe umfaßt Meß- und
Prüfgeräte für das Elektrohandwerk, Stromversorgungsgeräte, Meßgeräte für die
Lichtwellenleitertechnik und verschweißbare Transportriemen. Kernstück des innovativen
Kommunikationskonzepts von BEHA ist eine medienneutrale Datenbank. Dort werden alle
Produktdaten, Fotos, Grafiken und Texte (in mehreren Sprachversionen) abgelegt. Die
Produktmanager können die Daten mit Hilfe eines einfachen Administrationstools ohne
Programmierkenntnisse von ihrem Arbeitsplatz-PC aus pflegen. Das Internet-Angebot ist
damit stets tagesaktuell. Außendienstmitarbeiter, Händler und Kunden sind weltweit immer
auf dem neuesten Stand. Zusätzlich werden die Daten in regelmäßigen Abständen für die
Erstellung des herkömmlichen Print-Katalogs und einer Katalog-CD-ROM verwendet. Damit
geht BEHA auf die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse seiner Abnehmer ein. Dies bietet vor allem im Business-to-Business-Bereich große
Vorteile - auch und gerade im Mittelstand und in Branchen, von denen in der allgemeinen
Diskussion bislang nur selten die Rede ist. Beispielsweise demonstriert die Haiterbacher
Firma MEVA ihre Kompetenz bei Schalungssystemen für die
Bauwirtschaft auf einer mehrsprachigen CD-ROM und im Internet. Mit Produktinformationen im
Netz werben unter anderem der Meßtechnikhersteller BEHA aus Glottertal (vgl. Kasten), die
Elektrotechnische Fabrik Otto Schill aus Fellbach und
der Maschinenbauer Gehring aus Ostfildern.
Zusatznutzen bieten Preisabfragen für autorisierte Händler, wie sie beispielsweise der WIPA Sanitärvertrieb aus Singen anbietet oder die
Bereitstellung von Planungsdaten im Internet. Das Leonberger Unternehmen
GEZE, Hersteller
von Beschlägen für Fenster und Türen, bietet für Architekten unter www.geze.de CAD-Modelle seiner Produkte an. Diese Dateien
können heruntergeladen und sofort in die eigene Arbeit integriert werden. Die
GEZE-Website, die mit einem ausgeklügelten Navigationssystem auf die Interessen
verschiedener Zielgruppen (Architekten, Techniker, Studenten) eingeht, ist ein
Musterbeispiel für eine zugleich nutzenorientierte und grafisch anspruchsvolle
Internetpräsentation. Sie wurde 1998 beim international führenden Medienwettbewerb, den
New York Festivals, mit einer Gold-Medaille als weltweit beste
Business-to-Business-Website ausgezeichnet. |
Vertrieb
Mit der Kundengewinnung eng verknüpft ist der Vertrieb von Produkten und
Dienstleistungen. Immer mehr Unternehmen nutzen das Internet zumindest in Teilen als
Vertriebskanal. Damit wird die Informations- und Kommunikationsplattform zum vollwertigen
Transaktionsmedium ausgebaut - wie der Insidertip »Onkel
Emma« zeigt, können heute sogar Lebensmittel über das Netz verkauft werden.
Handwerker und kleinere Unternehmen sollten beim Online-Vertrieb zunächst prüfen, ob sie
als »Untermieter« die vorhandene Infrastruktur von branchenweiten oder regionalen
Internet-Marktplätzen nutzen können. Das sind Angebote im WorldWideWeb, die unter einer
einheitlichen Startadresse (z.B. Electronic Mall
Bodensee, Virtuelles Kaufhaus »The Garden Eden«)
verschiedene Firmen, Produkte und Informationen bündeln. Die beteiligten Anbieter
profitieren neben der gemeinsamen Vermarktung der Website von den zur Verfügung
gestellten Funktionalitäten eines Onlineshops.
Wenn man sich dagegen für eine eigene Vertriebslösung entscheidet, muß ein Bestell-,
Zahlungs- und Auslieferungsmodell geschaffen werden, das je nach Unternehmen und Produkt
sehr unterschiedlich aussehen kann. Die Bestellung ist dabei am einfachsten umzusetzen.
Ein Online-Produktkatalog auf der Website des Herstellers beziehungsweise Händlers, der
idealerweise tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten ausweist, muß so ergänzt werden,
daß der Kunde die jeweils gewünschte Bestellmenge eingeben und so einen virtuellen
Warenkorb füllen kann. Nachdem zusätzlich Versandart und Lieferanschrift angegeben
wurden, wird die Bestellung automatisch übermittelt und im Idealfall direkt in das
Bestellwesen des Anbieters übernommen.
Die Bezahlung stellt im Business-to-Business-Bereich, beispielsweise bei der
Warenbestellung durch Vertragshändler, kein größeres Problem dar. Man wird hier auf
herkömmlichem Weg, das heißt durch Rechnungsstellung nach Auslieferung, abrechnen. Im
Endkundensegment bietet sich neben den bekannten Modalitäten des Versandhandels
(Nachnahme, Bankeinzug, Kreditkartenzahlung, Rechnung) künftig auch die Bezahlung mit
digitalem Geld (E-Cash) an. Die mit diesen Verfahren verbundenen Standardisierungs- und
Sicherheitsprobleme werden in Kürze gelöst sein, so daß mit einem weiteren Wachstum des
E-Commerce-Marktes in Deutschland zu rechnen ist.
Die wichtigsten strategischen Entscheidungen stellen sich bei der Auslieferung. Hier
sind zwei Unterscheidungen wichtig.
Service
Der Service entscheidet in immer mehr Branchen über den langfristigen Erfolg. Für viele
kleine und mittlere Unternehmen ist ein guter Kundendienst sogar die einzige Möglichkeit,
um im Wettbewerb zu bestehen. Diese Stärken können durch den konsequenten Einsatz von
Multimedia und Internet weiter ausgebaut werden.
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TISS:
Erfolgreicher Online-Handel mit Flugtickets
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Touristische Internet-Angebote haben
Konjunktur. Auf Platz 2 der weltweiten Rangliste steht ein deutsches Unternehmen: Die
virtuelle Flugticket-Börse TISS GmbH aus Heilbronn.
Inhaber Rudi Weissmann hat eine tagesaktuelle Datenbank aufgebaut, die derzeit 80
Millionen Flugtarife von verschiedensten Anbietern verwaltet. Jeden Tag besuchen fast
40.000 Internetsurfer das Angebot, 200 bis 300 Buchungen werden abgewickelt. TISS arbeitet
dabei als Broker, der Preisvergleiche ermöglicht und die Bestellungen an 52
Verkaufagenturen in aller Welt weiterleitet. Diese sind für die Ausstellung und den
Versand der Tickets an die Fluggäste zuständig. TISS erhält eine Provision, die den
Online-Service zum blühenden Geschäft macht. Weissmann benötigt nur wenige Mitarbeiter,
um den mehrsprachigen Service weltweit rund um die Uhr anzubieten. Dadurch liegen die
Kosten für den Internetverkauf bei einem Viertel bis einem Fünftel der Kosten des
Telefonverkaufs.
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Bei erklärungsbedürftigen Produkten bietet es sich an, interaktive
Bedienungsanleitungen auf CD-ROM mitzuliefern und so die Nutzung zu erleichtern. Gute
Erfahrungen mit solchen Anwendungen, die sowohl vom Endkunden als auch von
Servicemitarbeitern genutzt werden können, hat der Betonpumpen-Hersteller Putzmeister
gemacht (vgl. Kasten). Sinnvoll sind auch Lösungen, die einen Teil des Supports ins
Internet verlagern und so dazu beitragen, daß die teure Arbeitszeit von
Kundendienstmitarbeitern nicht vorwiegend für die Beantwortung von Standardanfragen oder
für Auskünfte über Reparaturdauer, Fehlerursachen und so weiter vergeudet werden. Im
einfachsten Fall werden häufig gestellte Fragen (FAQs) und Anwendertips auf
produktbegleitenden WWW-Seiten veröffentlicht werden. Diese aus dem Produktbereich
kommende Idee machen sich inzwischen auch schon erste Dienstleister zu eigen.
Beispielsweise bietet die Steuerkanzlei Ujcic & Schröder aus Korb ihren Mandanten
unter www.steuerundrecht.de eine Datenbank mit monatlich aktualisierten Steuer- und
Rechtsinformationen an.
Ein anderes innovatives Servicekonzept im Netz hat die Firma Deuschle Feintechnik aus
Bisingen realisiert. Dort werden zur Reparatur eingeschickte Spindeln in der
Serviceabteilung mit einer Digitalkamera fotografiert. Die Bilder werden in einer
Online-Datenbank unter www. deuschle.de abgelegt.
Der Kunde kann sich die defekten Teile nach Eingabe seiner Schadensnummer jederzeit
ansehen und das Dokument für seine Unterlagen ausdrucken - noch bevor die reparierte
Spindel auf dem Frachtweg wieder bei ihm eingetroffen ist. Im Maschinenbau bieten sich
noch weitergehende Möglichkeiten. Der Strickmaschinenhersteller Universal aus Westhausen bietet in seinem Web-Auftritt
Softwareprogramme für die Maschinensteuerung mit neuen Strickmustern an. Da die Kunden
von Universal überwiegend außerhalb Deutschlands angesiedelt sind, schafft diese
einfache Business-to-Business-Anwendung einen erheblichen Mehrwert. Mit mehr Aufwand
verbunden, aber nochmals erfolgsträchtiger sind Teleservice-Lösungen. Die multimediale
Fernwartung von Maschinen über das Internet wird beispielsweise von dem
Serviceunternehmen Roland Müller aus Römerstein angeboten. Die Firma betreut mit 30
Mitarbeitern etwa 1.400 CNC-gesteuerte Holzbearbeitungsmaschinen in ganz Deutschland. Um
Reisekosten zu senken und die Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen (48h-Service) wurde das
System VideoVision eingeführt. Mit Hilfe einer an der
Maschine installierten beweglichen Kamera, Videokonferenztechnik und Zugriff auf die
Maschinensteuerung über das Internet kann der Kundendiensttechniker zahlreiche Probleme
von Römerstein aus begutachten und lösen.
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Putzmeister:
Produktschulung mit CD-ROM
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Eine ungewöhnliche, aber sehr
innovative Multimedia-Anwendung hat die Putzmeister AG
aus dem schwäbischen Aichtal realisiert. Das mittelständische Unternehmen ist
Weltmarktführer bei Betonpumpen: Maschinen, meist auf LKW-Chassis, die Fertigbeton mit
Mastauslegern direkt zum Verwendungsort auf der Baustelle pumpen. Um die Maschinenführer
in die Bedienung und die Sicherheitsanforderungen einzuweisen, wurde das interaktive
Lernprogramm »CBT-2« auf CD-ROM entwickelt. Erfahrene Einweiser von Putzmeister nutzen
das Programm, um die Nutzung der Betonpumpe zu erklären. Die CD-ROM mit zahlreichen
Videosequenzen, Animationen und Audioteilen wird dem Kunden dann als Nachschlagwerk und
als Schulungsmittel für neue Mitarbeiter überlassen. Der Vorteil gegenüber
herkömmlichen Formen der technischen Dokumentation ist unübersehbar: Die multimediale
CD-ROM stößt auf größere Akzeptanz, läßt sich leicht aktualisieren und kann - das
ist bei einem Exportanteil von über 60 Prozent wichtig - aufgrund der geringeren
Textlastigkeit leichter in verschiedenen Kulturkreisen eingesetzt werden.
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Literatur
[1] Haasis, Klaus / Zerfaß, Ansgar (Hrsg.): Digitale Wertschöpfung - Multimedia
und Internet als Chance für den Mittelstand; Heidelberg, 1999
[2] Krahe, Andreas: Unterstützung des Prozeßmanagements mit modernen
Informationstechnologien; Wiesbaden, 1998
[3] Krzeminski, Michael / Zerfaß, Ansgar (Hrsg.): Interaktive
Unternehmenskommunikation; Frankfurt, 1998
[4] Porter, Michael E.: Wettbewerbsvorteile; Frankfurt a.M./New York, 1986
Zusammenfassung
Die Praxisbeispiele zeigen, daß Multimedia und Internet in allen Phasen des
Wertschöpfungsprozesses eingesetzt werden können. Statt vorschnell auf bestimmte
Anwendungen oder Techniken zu setzen, sollte man deshalb immer die gesamte Wertkette
analysieren und vor dem Hintergrund der eigenen Wettbewerbsposition über sinnvolle
Einsatzmöglichkeiten entscheiden. Wichtig ist dabei auch der Blick auf die Konkurrenz:
Verfügen die Wettbewerber über eine erkennbare Online-Strategie? Was halten ihre
Entscheidungsträger von innovativen Anwendungen mit neuen Medien? Besteht die Chance,
etablierte Marktstrukturen durch entschlossenes Handeln aufzubrechen und neue Märkte zu
öffnen?
Bei der Beantwortung dieser Fragen darf die Faszination für das Neue nicht dazu
führen, daß mögliche Risiken vernachlässigt werden. Immer wieder trifft man auf
langfristige Projekte ohne klar definierte Break-Even-Punkte und technologisch
anspruchsvolle Lösungen, deren Entwicklungskosten in keinem Verhältnis zum Marktvolumen
stehen. Zu den Kehrseiten des Online-Booms gehören auch tausende unfertige Auftritte von
Unternehmen im World Wide Web, die von fehlerhafter Planung und mangelnder Konsequenz bei
der Umsetzung zeugen. Abhilfe schafft hier nur eine systematische Vorgehensweise, die alle
Entscheidungen über den Einsatz von Internet und Multimedia systematisch im Gesamtprozeß
der Unternehmensführung verankert (vgl. hierzu Teil 1 dieses Beitrags). Dann wird rasch
deutlich, daß die digitale Wertschöpfung einen wertvollen Beitrag zum Ausbau der
Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit liefert.
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