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- Leseprobe -
Strategische Bedeutung von Internet-Domains für
die Online-Aktivitäten
von Tim Schumacher
Domainnamen sind mit steigender Tendenz medial präsent, sowohl in
der Verwendung im unternehmerischen Massenmarketing als auch im Bereich
der individuellen unternehmensexternen Kommunikation. Die Verwendung von
Domainnamen stellt aus diesem Grund ein bedeutendes
Kommunikationsinstrument für jedes Unternehmen dar. Jedoch sind vielfach
noch deutliche Mängel bei der Absicherung der relevanten Domainnamen
festzustellen, was gravierende Kommunikationsbrüche zwischen Unternehmen
und Nutzern zur Folge hat. Der folgende Beitrag analysiert die Bedeutung
von Domainnamen und zeigt strategisch sinnvolle Möglichkeiten für das
Management von Domain-Portfolios auf.
Stichworte:
Domains: Namen, Registrierung, Bewertung, Recht, Handel, Branding,
Namensfindung, Marken:
Image, Politik, Strategie, Schutz, Unternehmensidentität,
Namensraum, Top-Level-Domains, Domainportfolio, Domainmarkt, Domainauktionen,
Domainpreise, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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welche Top-Level-Domains weltweit
existieren und geplant sind,
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wie sich der Zugang zur
Domain-Registrierung und seine Preise in unterschiedlichen
Regionen gestalten,
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wie Unternehmen mit Domain-Namen
strategisch verfahren können,
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wie unternehmensinterne
Domainportfolios gestaltet sein sollten, um Überlaufverluste zu
begrenzen.
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Begriff und Einführung
Internet-Domainnamen, kurz »Domains« genannt, sind
Internet-Adressierungen im Format www.firmenname.de oder
www.firmenname.com und identifizieren Internetserver auf eindeutige Weise.
Sie ermöglichen es dem Endnutzer, sich Internet-Adressen leichter merken
zu können als dies mit der numerischen IP-Adresse im Format
123.456.789.123, die hinter jedem Internetserver steht, möglich ist.
Ein Domainname besteht aus zwei wesentlichen Teilen, dem eigentlichen
Namensbestandteil der Domain (»firmenname«) und der Top-Level-Domain als
Suffix (»de«). Es gibt sieben sogenannte generische Top-Level-Domains,
die nicht explizit einem Land zugeordnet sind, darunter die drei
ökonomisch bedeutendsten Top-Level-Domains .com, .net und .org.
Daneben hat jedes Land eine eigene Top-Level-Domain, zum Beispiel .de für
Deutschland. Diese Top-Level-Domains werden in der Regel nur für die
Präsentation von Unternehmen und Privatpersonen in dem jeweiligen Land
verwendet. Eine Ausnahme bilden einige ursprünglich länderspezifische
Top-Level-Domains, die meist aufgrund eines allgemein bekannten Akronyms
weltweit genutzt werden, zum Beispiel .fm (Radiosender), .tv (Television)
oder .ws (Webseite).
Erst kürzlich sind weitere sieben generische Top-Level-Domains (.aero, .biz,
.coop, .info, .museum, .name, .pro) von der Internetverwaltung ICANN
zugelassen worden, die jetzt Schritt für Schritt aktiviert werden.
Daneben steht die Einführung einer europäischen Top-Level-Domain (.eu)
kurz vor der Einführung.
Zusätzlich wird vor den eigentlichen Domainnamen in der Praxis meist das
Prefix »www« gesetzt. Dieses stellt eine Subdomain dar, auf die aus
technischer Sicht verzichtet werden könnte, die sich jedoch bei der
Nennung von Internet-Adressen durchgesetzt hat, um sprachlich die
Verbindung zum World Wide Web (WWW) herzustellen. Der Do-mainname selbst
wiederum ist meist ein Teil einer URL (Uniform Resource Locator), die
zusätzliche Informationen über die Lage und die Art einer angeforderten
Internet-Seite enthält. Unter einer URL versteht man einen vollständigen
Pfad auf ein Internet-Dokument der Form http://www.firmenname.de/verzeichnis/dokument.endung
Domain-Registrierung
Domainnamen werden in allen Ländern in einer zentralen Datenbank
verwaltet, in Deutschland von der Genossenschaft DeNic. Einzelne Provider
(in Deutschland z.B. PureTec.de, Carambole.de oder Sedo.de) arbeiten
hierbei als Schnittstelle zwischen der Zentraldatenbank und dem privaten
oder geschäftlichen Endkunden und vergeben Domainnamen in dem sogenannten
»Domain-Registrierungsprozess«. Hierbei wird in der zentralen Datenbank
geprüft, ob der von einem Kunden gewünschte Domainname noch frei ist und
dieser im Erfolgsfall auf den Namen des Kunden registriert. Der Kunde kann
über den Domainnamen dann frei verfügen, beispielsweise Informationen
über sein Unternehmen ablegen.
Aus diesem Prozedere entsteht eine Problematik, die für Unternehmen von
Relevanz ist: Es kommt in vielen Fällen vor, dass ein Domainname, den ein
Unternehmen zu registrieren wünscht, bereits entweder an eine
Privatperson oder an ein anderes Unternehmen mit gleichem Namen oder
gleichlautenden Produkten oder Dienstleistungen vergeben ist. Zusätzlich
kann es - ohne dass eine Namensgleichheit vorliegt - vorkommen, dass der
Name mit dem Hintergedanken registriert wurde, diesen zu einem späteren
Zeitpunkt weiter zu verkaufen; man spricht in diesen Fällen von
Domain-Grabbing oder Cybersquatting.
In beiden Fällen entstehen Gefährdungen für die Kommunikations- und
Marketingpolitik des Unternehmens, da Kunden irregeleitet werden und das
eigentlich gewünschte Unternehmen oder deren Produkte und
Dienstleistungen schlechter - zum Beispiel nur unter Zuhilfenahme von
Suchmaschinen - auffinden können. Unternehmen haben aus diesem Grund ein
Interesse, alle für ihre Produkte und Dienstleistungen relevanten
Domainnamen auf ihre entsprechenden Webangebote weisen zu lassen. Aus
diesem Grund sind seit Anfang des Domainnamen-Systems Konflikte um bereits
vergebene Domainnamen entstanden, die jedoch je nach den rechtlichen
Bestimmungen von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Ursächlich dafür sind die Vergaberichtlinien, die Bestimmungen und die
Preise bei der Erstregistrierung von Domainnamen, die im internationalen
Vergleich stark voneinander abweichen: Auf der einen Seite gibt es
Länder, die auf eine vollkommene Liberalisierung setzen. Hier ist es
jedem - sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen jeglicher Nationalität
- erlaubt, einen Domainnamen in diesem Land zu registrieren. Hierzu
können auch jene Staaten gezählt werden, die zwar einen lokalen Wohnsitz
vorschreiben, dies aber nicht prüfen, und so jede beliebige Adresse
akzeptieren. Zu diesen Ländern gehören neben Deutschland auch die
Vereinigten Staaten, Großbritannien, Südkorea, die Niederlande und
einige weitere kleinere Länder. In diesen Ländern wurden demzufolge auch
die Mehrzahl aller Domainnamen reserviert, was wiederum fallende Preise
für Domainregistrierungen zur Auswirkung hatte. So kostet das erstmalige
Registrieren von Domainnamen in den oben genannten Ländern bei den
jeweils billigsten Anbietern mittlerweile nur noch zirka 12 bis 25 DM pro
Jahr. Da es diese Kosten auch für Privatleute attraktiv gemacht haben,
einen Domainnamen zu erwerben, ist die Anzahl der registrierten
Domainnamen in diesen Länder höher als in Ländern mit restriktiven
Systemen.
Beachtlich ist ferner die Tatsache, dass in Ländern mit einem liberalen
Domainvergabesystem mehr als 50 Prozent der reservierten Domainnamen nicht
genutzt werden und nicht erreichbar sind beziehungsweise auf die vom
Registrierungs-Unternehmen voreingestellte oder eine andere provisorische
Webseite weisen. Weitere 30 Prozent der Domainnamen werden lediglich als
Co-Domains oder für einfache Homepages genutzt.
Auf der anderen Seite stehen Länder, die mit strengen Vergaberichtlinien
versuchen, Domainnamen nur an durch Eintragung in das Handelsregister oder
in die Markenrolle berechtigte Unternehmen zu vergeben. So verlangen unter
anderem Länder wie Schweden und Frankreich ein lokales Unternehmen oder
eine lokale Niederlassung eines internationalen Unternehmens und nehmen
eine strenge Prüfung vor, ob der beantragte Domainname Teil des
Unternehmensnamens oder einer registrierten Handelsmarke ist. Dies hat
dazu geführt, dass in diesen Ländern deutlich weniger Domainnamen
registriert wurden und ein Ausweichen auf leichter zu erhaltende
Alternativen stattgefunden hat. So treten in dem Internet-Vorzeigeland
Schweden viele Unternehmen bevorzugt unter Länderkürzeln wie .com oder
sogar .nu auf, statt unter dem teuren und kompliziert zu beantragenden
.se. Dieses Phänomen ist in vielen Ländern mit einer ähnlich
restriktiven Domainvergabe (z.B. Frankreich und Spanien) zu beobachten;
jedoch werden selbst in Ländern mit einer freien Domainvergabe wie
Deutschland generische Domains, vor allem .com-Domains, häufig verwendet.
Strategische Bedeutung
Dem Domainnamen kommt eine grundlegende strategische Bedeutung bei der
Lokalisation von Internet-Angeboten zu, die weit über die technische
Adressierungsfunktion hinausgeht: Domain-namen bilden die Basis für
jegliche Kommunikationshandlung im Internet, da die verschiedenen
Applikationen des Internet alle auf Domainnamen als Adressierungsfunktion
zurückgreifen. In der meistgenutzten Internet-Applikation, der eMail,
erscheinen eMail-Adressen im Format [email protected]. In der am
zweitmeisten genutzten Applikation, dem World Wide Web (WWW), wird der
Domainname firmenname.de ohne Zusatz zur Adressierung genutzt oder als
Teil einer Webadresse wie firmenname. de/angebot. In beiden Fällen
kommuniziert das Unternehmen gegenüber dem Nutzer den Firmennamen in Form
des Domainnamens. Während viele Unternehmen an anderen Stellen die
Schreibweise von Firmennamen klaren Richtlinien entsprechend der
anvisierten Corporate Identity unterwerfen - zum Beispiel in puncto Groß-
und Kleinschreibung, Abkürzungen oder Bindestrichverwendung - wird den
Domainnamen oftmals eine zu geringe Bedeutung zugemessen.
Es ist tendenziell zu beobachten, dass die Erwähnung der
unternehmenseigenen Internet-Adresse in der Werbung, in der Presse, auf
offiziellen Firmendokumenten und auf den Produktpackungen zunimmt. Dadurch
sollen positive Imageeffekte erreicht werden, indem Modernität und
Zeitgemäßheit signalisiert werden, aber auch eine stärkere
Kommunikation mit den Kunden stattfindet. Gerade da der Domainname immer
stärker nach außen kommuniziert wird, sollte bei dessen Wahl darauf
geachtet werden, dass er bestmöglich mit dem Firmennamen, der nach außen
getragen werden soll, übereinstimmt. Kryptische Abkürzungen und
Variationen mit Bindestrichen oder Umlauten sind zu vermeiden. Es kann
jedoch sinnvoll sein, als Co-Domain einen oder mehrere weitere Namen zu
verwenden, um die Auffindung des Unternehmens zu erleichtern und diese
Co-Domain bei der Eingabe in den Internetbrowser automatisch in den
korrekten Firmennamen umzuwandeln. Vor allem mögliche Schreib- und
Sprechweisen und unterschiedliche orthographische Notationen sollten
beachtet werden. Beispielsweise sollte die DaimlerChrysler AG unter allen
möglichen Namensvariationen wie daimler.de, daimlerchrysler.de,
daimler-chrysler.de und möglichst auch unter im deutschsprachigen Raum in
mehr als 15 Prozent der Suchanfragen von Internetnutzern auftretende
Fehlschreibweisen wie crysler.de [sic], daimlercrysler.de [sic]
beziehungsweise daimler-crysler.de [sic] auftreten. Ferner ist es
sinnvoll, alle Versionen in allen gängigen Top-Level-Domains zu
reservieren.
Bei der Nutzung von Fehlschreibweisen und Abkürzungen ist es sinnvoll und
außerdem technisch sehr einfach, bei der Eingabe eines der
Alternativnamen - vor allem bei der Eingabe eines Tippfehlernamens -
diesen automatisch zu korrigieren und damit die in der
Unternehmenskommunikation anvisierte Schreibweise wieder herzustellen.
Domainnamen bieten ein beachtliches strategisches Potenzial bei der
Lokalisation von Internet-Angeboten. Insbesondere Unternehmen mit
bekannten Firmen- oder Markennamen werden über die direkte Eingabe des
Domainnamens in den Browser und nur seltener über Suchmaschinen, Links
oder Banner gefunden und angesprochen. So kommt zum Beispiel eine Studie
der Boston Consulting Group [10] zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel aller
Webseiten-Besucher von »Multichannel Anbietern« wie Otto, Quelle oder
Conrad durch Direkteingabe der Internet-Adresse dorthin gelangen. Oftmals
wird die URL sogar nur vermutet, indem an einen bekannten Namen aus der
Realwelt einfach .de angehängt wird [6].
Zusätzlich favorisieren die Algorithmen verschiedener Suchmaschinen bei
Rankings der Suchergebnisse solche URLs, die den gesuchten Begriff als
Domainnamen enthalten. Auf diese Weise fördert das Auftauchen populärer
Suchbegriffe im Domainnamen die Platzierung in den oberen Regionen der
Rankings [5]. So sind zum Beispiel die Domains »mp3.com« und »mp3.de«
in diesen Suchmaschinen zum Suchbegriff »mp3« deutlich besser platziert
als die Domain »mp3-online.de«. Allerdings ist letztere wiederum besser
platziert als die meisten anderen Domains, die »mp3« nicht im
Domainnamen enthalten, aber trotzdem aus inhaltlichen Gründen gelistet
werden, wie zum Beispiel »musik-online.de«.
Besondere Beachtung verdienen hier auch solche Unternehmen, deren
Aktivität sich primär im Internet abspielt. Als Beispiel seien
Online-Shops genannt. Für die Domainnamen von Online-Shops sind sowohl
Aspekte der Merkbarkeit, der Internationalisierbarkeit und der
Erweiterbarkeit der Produktpalette von Relevanz. Gerade wegen des Firmen-
beziehungsweise Domainnamens ist diese Erweiterbarkeit der Produktpalette
bei vielen Unternehmen nicht gegeben, wodurch sich diese dann unfreiwillig
in eine »Lock-In-Position« begeben. Vor diesem Dilemma stand zum
Beispiel der Internet-Buchhändler buecher.de, der in Deutschland über
eine sehr hohe Markenbekanntheit von 68 Prozent bei Internet-Nutzern
verfügt [3]. Der Domainname und gleichzeitige Name des Unternehmens
verhinderte sowohl eine Erweiterung des Produktspektrums (statt Bücher
auch andere Medien, Software und Photos) als auch eine Expansion in andere
Länder. So wurde eine Namensänderung in »mediantis« beschlossen, die
mit hohen »Switching-Costs« verbunden war [14]. Beschreibende
Domainnamen sind deshalb - je nach Unternehmensziel - eher als
zusätzliche Co-Domainnamen empfehlenswert.
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