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- Leseprobe -
EDI, Extranets und eMarkets am Beispiel der
Konsumgüterindustrie
von Stephan
Koch, Thomas Rohde
Derzeit ist die Unsicherheit bezüglich eines künftigen Engagements
in den Bereichen EDI (Electronic Data Interchange), Extranets und
elektronische Marktplätze weit verbreitet. Der vorliegende Beitrag gibt
Unternehmen Informationen und Entscheidungshilfen beim Einsatz
elektronischer Netze im Konsumgüterbereich. Dabei stehen drei Fragen im
Mittelpunkt des Interesses: Was ist eigentlich genau unter EDI, Extranets
und elektronischen Marktplätzen zu verstehen? Was sind die konkreten
Nutzenpotenziale dieser drei E-Commerce-Lösungen? Was ist bei einer
Entscheidung für ein zukünftiges Engagement hinsichtlich der E-Commerce-Lösungen
zu beachten?
Stichworte:
B2B-ECommerce: Die Konsumgüterbranche, EDI, Extranets, Elektronische
Marktplätze; B2B-ECommerce-Strategie; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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welche Funktionen EDI, Extranets und
elektronische Marktplätze speziell in der Konsumgüterindustrie
erfüllen können,
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wie E-Commerce-Lösungen die
Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern verbessern,
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wie E-Commerce-Lösungen zur
Kostenreduzierung, zur Steigerung des Absatzpotenzials und zu
einer verbesserten Wettbewerbsposition führen,
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wie EDI, Extranets und elektronische
Marktplätze optimal aufeinander abgestimmt werden.
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B2B-ECommerce
In unterschiedlichen Branchen werden die verschiedenen
ECommerce-Funktionalitäten unterschiedlich genutzt und haben
ECommerce-Nutzenpotenziale unterschiedliche Ausprägungen. Um eine hohe
Praxisorientierung sicherstellen zu können, fokussiert dieser Beitrag
deshalb auf eine spezifische Branche, die Konsumgüterindustrie. Die
branchenspezifischen Erkenntnisse lassen sich jedoch analog auf
Problemstellungen anderer Industrien übertragen.
Der Begriff ECommerce bezeichnet eine Vielzahl von Technologien und
Problemlösungen. Eine Kategorisierung kann beispielsweise anhand der
jeweiligen Anbieter und Nachfrager der ECommerce-Leistung erfolgen.
Abbildung 1 gibt einen entsprechenden Überblick.
Zunächst waren primär die Veränderungen im Verhältnis zwischen
Unternehmen und Verbrauchern (B2C-ECommerce) im Fokus der Unternehmen,
Investoren und der Öffentlichkeit. Dabei wird das Transaktionsvolumen,
welches in Zukunft auf elektronische Weise zwischen Unternehmen (B2B)
getätigt wird, das Transaktionsvolumen des zwischen Unternehmen und
Verbrauchern getätigten B2C-ECommerce um ein Vielfaches übersteigen.
Experten schätzen, dass in Deutschland im Jahr 2003 das B2B-
Transaktionsvolumen 20 bis 30 mal höher ausfallen wird als das
B2C-Volumen [10]. Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse einer Befragung von
über 330 Unternehmen im August 2000 hinsichtlich des geschätzten
B2B-ECommerce-Anteils am gesamten Transaktionsvolumen (Einkaufsvolumen)
für 2000 und 2003. Der Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie nehmen
dabei eine Spitzenposition ein.

Abb. 1: Kategorisierung ECommerce [3]
Der folgende Beitrag beschränkt sich entsprechend auf B2B-ECommerce
und fokussiert dabei auf ECommerce-Lösungen, welche eine oder
mehrere Transaktionsphasen >vgl. Abbildung 3< zwischen
Herstellern und Händlern der Konsumgüterbranche unterstützen
>für eine kurze Charakterisierung der Branche siehe Kasten auf den
Seiten 5 und 6<.
In diesem Abschnitt erhalten Sie einen kurzen Einblick in die konkreten
Funktionalitäten der drei ECommerce-Lösungen EDI, Extranets und eMarkets
>vgl. Abbildung 4<.
Anschließend werden die Nutzenpotenziale der ECommerce-Lösungen anhand
folgender drei Hauptnutzenkategorien aufgezeigt: Verbesserung der
Wettbewerbsposition durch Kosteneinsparungen, durch Steigerung des
Absatzpotenzials und durch Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb
>vgl. Abbildung 5<.
[Abb. 2: Prognostizierte Entwicklung von B2B-Ecommerce in
Deutschland [10] - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
![Phasen einer Geschäftstransaktion [1]](images/1207ab03.gif)
Abb. 3: Phasen einer Geschäftstransaktion [1]

Abb. 4: Kategorisierung B2B-ECommerec-Lösungen
[Abb. 5: Nutzenpotenziale von B2B-ECommerce - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
[Abb. 6: Aufbau von EDI - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
EDI
Aufbau und Funktionalitäten
EDI, das bereits seit 1975 Verwendung findet, ermöglicht es
Unternehmen, strukturierte Geschäftsdaten zwischen räumlich getrennten
Anwendungen so auszutauschen, dass diese von der Anwendung des
empfangenden EDI-Partners automatisch verarbeitet werden können. Man
spricht in diesem Zusammenhang auch von einer »medienbruchlosen«
Weiterverarbeitung. Dazu erfolgt zunächst eine Konvertierung der zu
versendenden Daten aus den Inhouse-Applikationen des Senders –
beispielsweise dem Enterprise Ressource Planning (ERP)-System SAP/R3 –
in ein Standarddatenformat wie EDIFACT. Die Datenübertragung erfolgt dann
entweder über eine Punkt-zu-Punkt-Übertragung oder über eine sogenannte
zwischengespeicherte Übertragung. Ersteres bezeichnet die direkte
Verbindung zwischen den zwei Systemen der EDI-Partner, die entweder über
eine Standleitung oder über eine zeitlich befristete Wählverbindung
realisiert wird (bspw. Datex-J-Netzwerk oder ISDN). Sie wird
hauptsächlich in Branchen mit extrem kurzen Reaktionszeiten,
beispielsweise der von Just-In-Time geprägten Automobilindustrie,
eingesetzt. Hoher Abstimmungsaufwand und entsprechend hohe Investitionen
sprechen vielfach gegen diese Übertragungsart. Bei Herstellern und
Händlern der Konsumgüterbranche wird dagegen vorwiegend auf
zwischengespeicherte Übertragung mit Hilfe eines Mehrwertdienstes (MWD)
zurückgegriffen. Hier muss der Absender keine direkte Verbindung zum
EDI-Partner aufbauen, sondern lediglich die Nachricht an eine Mailbox
versenden, wo sie zu einem beliebigem Zeitpunkt vom EDI-Partner abgeholt
werden kann. Da der MWD als »Vermittler« die Konvertierungen zwischen
Übertragungsmedien, Übertragungsprotokollen und Standarddatenformaten
übernimmt, werden Abstimmungsaufwand und damit Kosten minimiert.
Beim Empfänger findet der beschriebene Prozess in umgekehrter Reihenfolge
statt: Die standardisierten Daten werden empfangen, vom Konverter aus dem
Standarddatenformat in das Datenformat der Inhouse-Applikation übersetzt
und dann von den Inhouse-Applikationen entsprechend weiterverarbeitet.
Abbildung 6 stellt den Aufbau eines EDI Systems überblicksartig dar.
Nutzenpotenziale
Kosten- und Zeiteffekte ergeben sich primär aus der medienbruchlosen
Kommunikation. Die daraus resultierenden Vorteile machen sich besonders
bei häufigem Datenaustausch oder großen Datenmengen bemerkbar. Eine Steigerung
der Absatzpotenziale ergibt sich lediglich aufgrund der Vermeidung von
Out-of-stock-Situationen in den Ladenregalen und somit von Umsatzverlusten
durch die technische Ermöglichung von Efficient-Replenishment-Konzepten.
Hinsichtlich einer Differenzierung gegenüber Wettbewerbern ist EDI
inzwischen nur noch im Wettbewerb zwischen KMU ein wesentlicher Faktor, da
die großen Unternehmen EDI durchgängig implementiert haben und es für
diese damit zu einer nichtdifferenzierenden Basiseigenschaft geworden ist.
Tabelle 2 gibt einen Überblick über die operativen und strategischen
Effekte von EDI.
Extranets
Aufbau
Extranets dienen der globalen Integration von unternehmensinterner und
-externer Kommunikation im Sinne einer kollaborativen Interaktion und
deren Integration in die Geschäftsprozesse [8]. Sie beruhen auf der
gleichen Technologie wie Internet und Intranets und unterscheiden sich von
diesen primär durch ihre Benutzergruppen und Aufgabenstellung. Tabelle 3
gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Charakteristika von
Internet, Intranet und Extranet.
Ein Intranet ist konzeptionell grundsätzlich unabhängig von der
Internet-Anbindung und kann technisch vollständig autonom implementiert
werden. Eine solche Lösung ist jedoch für die wenigsten Unternehmen von
Interesse, da sie in der Regel auf Informationen im Internet zugreifen
oder Emailing nutzen möchten. Um das Intranet vor unautorisiertem Zugriff
zu schützen und den externen Netzverkehr zu regeln, wird eine Firewall
eingesetzt. Bei einem Extranet kommt dazu noch ein dritter Bereich,
nämlich die sogenannte Middleware. Abbildung 7 zeigt eine exemplarische
Extranet-Architektur.
Da die Datenübertragung zwischen dem Extranet und dessen Nutzern über
das Internet erfolgt, ist eine besondere Absicherung erforderlich. Diese
kann durch den Einsatz von Verschlüsselungsverfahren oder von
sogenannten Virtual Private Networks (VPN) erreicht werden. Tabelle
4 gibt einen Überblick über die gängigen Verschlüsselungsverfahren.
Die mit der Browser-Suite nutzbaren Informations- und
Kommunikationsdienste des Extranets werden von einer Reihe von
Server-Applikationen erbracht. Dazu zählen unter anderem Webserver,
Email-Server, FTP-Server oder Newsserver.
[Abb. 7: Aufbau eines Extranets - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Funktionalitäten
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen sogenannten Buy-Side-
und Sell-Side-Extranets. Sell-Side-Extranets bilden das Angebot eines
einzelnen Unternehmens ab, um dessen Kunden in die zwischenbetrieblichen
Prozesse zu integrieren. Buy-Side-Extranets dagegen haben die Aufgabe, die
verschiedenen Zulieferer eines einzelnen Unternehmens in die
zwischenbetrieblichen Prozesse zu integrieren.
In der deutschen Konsumgüterbranche werden zur Zeit erst wenige Extranets
in der Zusammenarbeit von Hersteller und Handel eingesetzt. Tabelle 5 gibt
einen Überblick über die wichtigsten.
Bei den Buy-Side Extranets reichen die konkreten Funktionalitäten
von Applikationen, die eine einheitliche, standardisierte Erfassung von
Produkt- und Aktionsdaten ermöglichen, über eine Supply-Chain-Anwendung,
die zur gemeinsamen Planung und Überwachung des Belieferungsprozesses
genutzt wird, bis zur Unterstützung der Bestellabwicklung.
Beide deutsche Beispiele für Sell-Side Extranets, eSnacks und LT-Onland, zielen auf den Convenience-Store Bereich, wo die Lieferanten
eine Vielzahl von Abnehmern bedienen, die nur über kleine Läger
verfügen und entsprechend kleine Bestellmengen zeitnah anfordern. So hat
Lekkerland-Tabbacoland insgesamt zirka 70.000 Kunden (Kioske,
Tankstellen-shops, Getränkemärkte etc.). Auch ausländische Beispiele
zeigen, dass Sell-Side-Extranets derzeit dort zum Einsatz kommen, wo eine
hohe Anzahl von Kunden, die hohen administrativen und logistischen Aufwand
verursacht, eingebunden werden muss: Die Heinecken-Brauerei bindet mit
HOPS zahlreiche Getränkehändler in den USA an, NestleEZOrder richtet
sich in den USA an die sogenannten »Mum & Pop«-Stores
(»Tante-Emma-Läden«). Insgesamt kann man auch hier kaum von
standardisierten Anwendungen sprechen. Zwar unterstützen die Systeme die
Supply-Chain-Planung, dennoch sind diese an die jeweiligen spezifischen
Anforderungen der Unternehmen angepasst. Tabelle 6 gibt einen
Gesamtüberblick über die unterschiedlichen Funktionalitäten der
Extranets.
Insgesamt betrachtet bilden die Extranets jene kritischen
Funktionalitäten ab, auf die der jeweilige Betreiber zur Realisierung
seiner individuellen Zusammenarbeit mit seinen Geschäftspartnern
besondern Wert legt beziehungsweise wo er ein hohes (zusätzliches)
Wertschöpfungspotenzial sieht. Zentrale Gemeinsamkeit der verschiedenen
Extranets ist ihr hoher Grad an Individualität. Dieser erlaubt sowohl,
die Handelspartner in die nach eigenen Vorstellungen konzipierten
Geschäftsprozesse einzubeziehen, als auch auf spezielle Anforderungen
ausgesuchter Geschäftspartner einzugehen. Der Zugriff über Browser als
einheitliche Benutzerschnittstelle ermöglicht dabei die Überbrückung
von heterogenen Rechnerwelten, einen kostengünstigen Zugang für die
angebundenen Geschäftspartner und eine leichte Integration neuer
Geschäftspartner. Die Darstellung der Daten mit HTML oder XML/XSL
erlauben vielfältige Repräsentationsmöglichkeiten durch multimediale
Darstellungen (Audio, Video, Bilder, Texte) und eine hohe Transparenz.
Nutzenpotenziale
So verschieden wie die Funktionalitäten sind auch die
Nutzenpotenziale, die sich für Handelsunternehmen und Hersteller aus der
Nutzung von Extranets ergeben können. Kosteneinsparungen werden
vor allem durch Prozessstandardisierung und verbesserte Bedarfsplanung
erreicht. Durch die Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen und bessere
Planung von Promotions werden die Absatzpotenziale erhöht. Eine
Differenzierung ergibt sich vor allem aus der Chance, auch kleinere
Partner elektronisch einbinden zu können sowie aus der Möglichkeit, ECR-
und CPFR-Philosophien umsetzen zu können. Aufgrund ihrer Individualität
bieten die Extranets ein hohes Kundenbindungspotenzial. Sell-Side
Extranets können als Vertriebslösungen für Absatzmittler individuell
angepasst werden und so für eine leistungsfähige Marketing- und
Vertriebsunterstützung sorgen. Entsprechend wird die Bereitschaft der
Kunden gefördert, sich dem Extranet anzuschließen, ihre Daten zur
Verfügung zu stellen und gegebenenfalls ihre internen Prozesse
entsprechend anzupassen. Erfolgt sogar eine Integration des Kunden-Systems
mit den Systemen des Extranets (Integration der ERP-Systeme), können
dadurch ökonomische und psychologische Wechselkosten erzeugt und
Ausstiegsbarrieren geschaffen werden. Tabelle 7 fasst die konkreten
Nutzenpotenziale von Extranets in der Konsumgüterindustrie
überblicksartig zusammen.
Elektronische Marktplätze
Einführung
Elektronische Marktplätze bieten eine virtuelle Plattform, auf
denen eine beliebige Zahl Käufer und Verkäufer Waren und/oder
Dienstleistungen (offen) handeln und Information austauschen [5]. Diese
ECommerce-Lösung findet sich meist in solchen Märkten, in denen
zumindest eine Marktseite stark fragmentiert ist. Mittlerweile haben sich
eine Vielzahl von elektronischen Marktplätzen etabliert, die sich anhand
ihrer Ausrichtung, ihres Betreiber-, Mitgliedschafts- und Beitragsmodells
unterscheiden lassen.
Ausrichtung
Elektronische Marktplätze können horizontal, vertikal oder
als Multibranchen-Plattform ausgerichtet sein. Abbildung 8 gibt einen
Überblick über diese unterschiedlichen Ausrichtungen.
Dieser Beitrag fokussiert auf die vertikalen eMarkets, die sich an den
Bedürfnissen einer bestimmten Branche ausrichten. Die Tabellen 8 und 9
geben einen Überblick über die wichtigsten eMarkets in der
Konsumgüterbranche.
[Abb. 8: Ausrichtung von elektronischen Marktplätzen - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Betreibermodell
Ein elektronischer Marktplatz kann von den Käufern, den
Verkäufern oder einem Dritten betrieben werden. Im letzten Fall handelt
es sich oft um einen horizontalen Marktplatz oder eine
Multi-Branchen-Plattform. Vertikale eMarkets werden in solchen Branchen
von Dritten betrieben, in denen einzelne Akteure nicht genügend Macht
besitzen, um einen Marktplatz zu kontrollieren. Wird der Marktplatz von
Käufern oder Verkäufern gegründet beziehungsweise betrieben, spricht
man auch oft von einem Konsortialmarktplatz. Dabei beteiligen sich
Unternehmen einer Branche und einer Marktseite finanziell am Aufbau des
Marktplatzes.
Käuferorientierte Marktplätze entstehen oftmals in den Branchen, in
denen die Nachfrage stark konzentriert und das Angebot sehr fragmentiert
ist. Beispiele hierfür sind Transora und CPGmarket. Diese von
Konsumgüterherstellern gegründeten Marktplätze konzentrieren sich auf
den Handel zwischen Zulieferern von Rohmaterialien/Zutaten als Verkäufer
und den Konsumgüterherstellern als Käufer.
Verkäuferorientierte Marktplätze finden häufig dort Anwendung, wo das
Angebot stark konzentriert ist und die Nachfrage sehr fragmentiert ist.
Ein Beispiel hierfür ist die Chemiebranche. Dort befindet sich derzeit
der Marktplatz Omnexus im Aufbau, dem unter anderem die BASF, Bayer und DOW
angehören.
Mitgliedschaftsmodell
Häufig müssen Interessenten bestimmte Kriterien erfüllen, um von
den Marktplatzbetreibern die Erlaubnis zu erhalten, am Marktplatz
teilzunehmen. Hierbei kann es sich von der simplen Zustimmung der
Teilnehmer zu den Marktplatzregeln bis zur Durchführung einer
Due-Dilligence-Prüfung handeln.
Beitragsmodell
Trotz der relativ jungen Geschichte von B2B-Marktplätzen haben sich
mittlerweile eine Reihe von Gebührenmodellen herauskristallisiert, die
von den Marktplatzbetreibern für die Nutzung der Marktplatzdienste
erhoben werden. Dazu gehören Transaktionsgebühren, Mitgliedsgebühren,
Softwarelizenzen und Hostinggebühren. Tabelle 10 erklärt diese Modelle.
Aufbau
Über drei Viertel der heute auf deutschen Marktplätzen eingesetzten
Software sind Eigenentwicklungen [9], die einzelnen Marktplätze sind
daher sehr individuell gestaltet. Abbildung 9 gibt einen allgemeinen
Überblick über den grundsätzlichen Aufbau eines elektronischen
Marktplatzes.
[Abb. 9: Aufbau eines elektronischen Marktplatzes - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Die Dienste des Marktplatzes werden von einer Reihe von
Server-Applikationen erbracht und von einer zentralen
Marktplatzmanagement-Software gesteuert. Der Marktplatzteilnehmer kann im
Allgemeinen über einen Webbrowser auf die unterschiedlichen Dienste des
Marktplatzes zugreifen. Dies lohnt sich insbesondere für KMU, die über
keine eigene Einkaufs- oder Verkaufssoftware verfügen.
Sollen jedoch getätigte Käufe oder Verkäufe auch in den
Inhouse-Systemen verbucht werden, setzt dies den Einsatz von spezieller
Einkaufs- oder Verkaufssoftware voraus. Einkaufs-Software wird von
Unternehmen wie Oracle, Commerce One oder Ariba angeboten und dient als
Schnittstelle zwischen den Inhouse-Systemen (ERP) und dem Marktplatz.
Zentrale Funktionalitäten dieser Software sind beispielsweise Produkt-
beziehungsweise Katalog-Suche, RFQ/RFP-Editoren und Auswertungstools.
Verkaufs-Software wiederum dient als Schnittstelle zwischen dem Marktplatz
und den Inhouse-Systemen der Verkäufer. Bekannte Hersteller sind
Broadvision, Oracle und Ironside. Diese »Sell-Side-Applications«
umfassen beispielsweise Produktkatalogmanagement, Verkaufsautomatisierung
oder Produktverfügbarkeitsanzeigen.
Funktionalitäten
Zentrale Funktionalitäten von elektronischen Marktplätzen sind ihre
Funktion als Application-Service-Provider (ASP) sowie die
Marktkoordination. So stellen eMarkets ihren Teilnehmern die zur Teilnahme
nötige Infrastruktur im Sinne eines Application-Service-Providers zur
Verfügung. Ihre eigentliche Aufgabe, die Koordination des Marktes,
erfüllen elektronische B2B-Marktplätze mit Hilfe von Transaktionsmechanismen
wie Katalogen, Ausschreibungen oder Auktionen. Tabelle 12 gibt einen
kurzen Überblick über die verschiedenen Transaktionsmechanismen.
B2B-Marktplätze bieten ihren Teilnehmern außerdem eine Reihe von Value-Added-Services
wie Marktforschungsdaten, Finanzdienstleistungen und Unterstützung der
logistischen Abwicklung. Tabelle 13 zeigt die wichtigsten
Value-Added-Services auf.
Gerade die vertikalen Marktplätze, die auf die Integration der
Supply-Chains ihrer Teilnehmer abzielen, stellen ihren Teilnehmern neben
den Transaktionsmechanismen und Value-Added-Services zusätzlich auch Tools
zur Überwachung und Planung der Supply-Chain zur Verfügung. In der
Konsumgüterindustrie handelt es sich dabei vor allem um die sogenannte
CPFR-Software. Tabelle 14 fasst die Funktionalitäten von vertikalen
eMarkets in der Konsumgüterbranche anhand der drei Transaktionsphasen
zusammen.
[Abb. 10: Exemplarischer Einkaufsprozess eines Handelsunternehmens - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Nutzenpotenziale
Gelingt den elektronischen Marktplätzen bezüglich der Anzahl
ihrer Teilnehmer die Überwindung der kritischen Masse, kann der
sogenannte Netzwerkeffekt theoretisch zu einer nahezu exponentiellen
Steigerung des Nutzens für die Teilnehmer führen. Die Nutzenpotenziale,
die sich durch die Teilnahme an einem elektronischen Marktplatz für
Händler und Hersteller ergeben, basieren auf einer erhöhten
Markttransparenz, einer Unterstützung beziehungsweise Verbesserung der
Preisfindung, dem Zugang zu neuen Märkten sowie der Funktion des
Marktplatzes als Application-Service-Provider.
Die Nutzenpotenziale, die sich durch den Einsatz von CPFR- beziehungsweise
weiteren Supply-Chain-Tools auf elektronischen Marktplätzen ergeben,
liegen nicht im Marktplatz an sich begründet, sondern in den
entsprechenden Tools. Allerdings bietet der Marktplatz eine zentrale
Schnittstelle beziehungsweise einen zentralen Zugriffspunkt für alle
beteiligten Unternehmen, so dass der Aufwand, der für eine individuelle
Abstimmung zwischen den Handelspartnern bei der Nutzung jeweils eigener
Systeme nötig wäre, entfällt. Tabelle 15 fasst die verschiedenen
Nutzenpotenziale zusammen.
B2B-ECommerce-Strategie
Einführung
Die drei ECommerce-Lösungen sind keine Alternativen, sondern sich
ergänzende Lösungen zur elektronischen Unterstützung der verschiedenen
Transaktionsphasen zwischen Händlern und Herstellern in der
Konsumgüterbranche. Der beispielhafte Einkaufsprozess in Abbildung 10
veranschaulicht dies. Unternehmen sollten daher den potenziellen Nutzen
jeder einzelnen ECommerce-Lösung evaluieren und daraus eine in sich
schlüssige B2B-Gesamtstrategie entwickeln.
Es gibt zwei grundsätzliche Arten von Beurteilungskriterien, um die für
einen individuellen Einsatz geeignete ECommerce-Lösung im Rahmen dieses
Strategiefindungsprozesses zu identifizieren: technologiegetriebene und
marktgetriebene Parameter.
Technologiegetriebene Beurteilung der
ECommerce-Lösungen
EDI, Extranets und eMarktplätze lassen sich anhand von sechs
technologiegetriebenen Parametern charakterisieren:
Integrationsfähigkeit, Skalierbarkeit, Flexibilität, Privacy, Sicherheit
und Verlässlichkeit [11]. Tabelle 16 erklärt diese Parameter.
Aus der Beurteilung der drei ECommerce-Lösungen anhand dieser Kriterien
>vgl. Abb. 11< lassen sich einige grundsätzliche Basisempfehlungen
ableiten: Hinsichtlich der Ausprägungen der technologiegetriebenen
Parameter eignet sich »klassisches« EDI für regelmäßige,
standardisierte Transaktionsprozesse, die einer hohen Verlässlichkeit
beziehungsweise Sicherheit bedürfen und ohne menschliche Intervention
direkt in die ERP-Systeme integriert werden können. Extranets und
elektronische Marktplätze sollten dann gewählt werden, wenn die
Transaktionen unregelmäßig oder oft mit neuen beziehungsweise
wechselnden Geschäftspartnern stattfinden. Tabelle 17 fasst diese
Empfehlungen nochmals zusammen.
[Abb. 11: Beurteilung der ECommerce-Lösungen anhand
technologiegetriebener Parameter [11] - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Marktgetriebene Beurteilung der
ECommerce-Lösungen
Eine Marktsituation lässt sich anhand der Parameter
Transaktionseffizienz und Markteffizienz beschreiben. Die Transaktionseffizienz
wird bestimmt durch die Anzahl der Lieferanten, die Regelmäßigkeit und
die Komplexität der Bestellungen. Markteffizienz wird
charakterisiert duch das Ordervolumen, die Sortimentsgröße, die
Komplexität der Produkte und die Marktmacht des Handelsunternehmens
gegenüber seinen Lieferanten [2]. Tabelle 18 erläutert die Parameter der
Transaktionseffizienz, Tabelle 19 charakterisiert die Parameter der
Markteffizienz.
Bei hoher Transaktions- und Markteffizienz bietet sich der Einsatz
von EDI an. Hinsichtlich einer Entscheidung zwischen »klassischem« EDI
und Internet EDI (bzw. einer entsprechenden Umstellung) ist zu prüfen, ob
die Kosteneinsparungen des InternetEDI den Verlust an Service und
Sicherheit im Vergleich zum »klassischen« EDI aufwiegen.
Nimmt das Handelsunternehmen gegenüber seinen Lieferanten eine bedeutende
Marktposition ein und erfolgen die Bestellungen in unregelmäßigen
Abständen bei vielen verschiedenen Handelspartnern (hohe Markt-,
niedrige Transaktioneffizienz), bietet sich der Einsatz eines
Buy-Side-Extranets an.
Sell-Side-Extranets bieten sich aus Sicht des Handels bei einer hohen
Transaktionseffizienz aber niedrigen Markteffizienz an und könnten aus
Herstellersicht insbesondere zur Einbindung kleinerer Handelsunternehmen,
wie beispielsweise dem speziellen Lebensmitteleinzelhandel, genutzt
werden.
Der Einkauf über elektronische Marktplätze bietet sich bei niedriger
Transaktions- und Markteffizienz an. Abbildung 12 zeigt die Auswahl
der ECommerce-Lösungen anhand von Transak-tions- und Markteffizienz.
Zur Abstimmung des Einsatzes der verschiedenen ECommerce-Lösungen im
Rahmen der Gestaltung der ECommerce-Strategie sollten sowohl die
technologie- als auch die marktgetriebenen Entscheidungsparameter genutzt
werden, um optimale Entscheidungen zu gewährleisten.
[Abb. 12: Einordnung der ECommerce-Lösungen anhand marktgetriebener
Parameter - Die Abbildung
entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Zusammenfassung
Dieser Beitrag verdeutlicht, was genau unter den Begriffen EDI,
Extranets und elektronische Marktplätze zu verstehen ist. EDI, die
»Großmutter« des ECommerce, ermöglicht den Austausch strukturierter
Geschäftsdaten zwischen den räumlich getrennten EDV-Anwendungen von
Geschäftspartnern. Extranets basieren auf der Internet- und
Intranettechnologie und ermöglichen die globale Integration von
unternehmensinterner und -externer Kommunikation sowie deren Integration
in die Geschäftsprozesse. Elektronische Marktplätze sind virtuelle
Plattformen, auf denen eine beliebige Zahl von Teilnehmern Waren,
Dienstleistungen und Informationen handeln. Der Beitrag gibt einen
aktuellen Überblick über die wichtigsten Extranets und elektronischen
Marktplätze in der Konsumgüterindustrie.
Anhand von Beispielen aus der Konsumgüterindustrie wird aufgezeigt,
welche konkreten Funktionalitäten die einzelnen ECommerce-Lösungen ihren
Nutzern bieten. Darüber hinaus wird erläutert, welche Nutzenpotenziale
jene Unternehmen ausschöpfen können, die ECommerce-Lösungen zur
Unterstützung ihrer Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern einsetzen. Es
wird dargestellt, wie diese Unternehmen ihre Wettbewerbsposition
verbessern können, indem sie Kosten reduzieren, ihr Absatzpotenzial
steigern und sich gegenüber ihrem Wettbewerb differenzieren.
Der Beitrag zeigt abschließend auf, dass EDI, Extranets und
elektro-nische Marktplätze keine alternativen Lösungen darstellen,
sondern sich idealerweise ergänzen. Es wird verdeutlicht, dass ein
Unternehmen technologie- und marktgetriebene Parameter berücksichtigen
sollte, wenn es im Rahmen der Gestaltung der ECommerce-Strategie die
Nutzung der verschiedenen ECommerce-Lösungen aufeinander abstimmt.
Literatur
[1] Alt, Reiner/ Cathomen, Ivo: Handbuch Interorganisationssysteme
– Anwendungen für die Waren- und Finanzlogistik.
Braunschweig/Wiesbaden: Vieweg, 1995
[2] Behrenbeck, Klaus u.a.: Choosing the right option in the
B2B-marketplace, in European Business Forum, Issue 5, S. 64-67, Spring
2001
[3] Hermanns, Arnold/ Sauter, Michael: Management-Handbuch
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[4] Horn, Thorsten: Internet Intranet Extranet – Potenziale im
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[5] Frauenhofer Anwendungszentrum für Logistikorientierte
Betriebswirtschaft (Hrsg.): Einführung in elektronische Märkte, 2001
[6] Lebensmittelzeitung Spezial I/2201: E-Business. Der Handel sucht
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[7] Rüther, Michael/ Szegunis, Jörn: Software-Systeme im
B2B-E-Commerce, hrsg. v. Frauenhofer Anwendungszentrum für
logistikorientierte Betriebswirtschaft, 2000
[8] Schad, Heike: Interorganisatorisches Business Process Redesign
vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Bereich Electronic Commerce.
Bamberg: Difo-Druck OHG, 2000
[9] Spiller, Dorit / Wichmann, Thorsten: B2B-Marktplätze in
Deutschland – Status Quo – Chancen – Herausforderungen; hrsg. von
Berlecon Research. Berlin, Juli 2000
[10] The Boston Consulting Group (Hrsg.): Rennsaison: B2B-E-Commerce
in Deutschland. München, August 2000
[11] Vollmer, Ken/ Bartels, Andrew: Market Overview: B2B ECommerce
and the Rise of Multiple Electronic Channels; hrsg. von Giga Information
Group. Dezember 2000
[12] Weller, Todd C.: BtoB eCommerce – The Rise of
eMarketplaces;
hrsg. von Legg Mason Wood Walker, 2000
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