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- Leseprobe -
Speed Management ver»web«t innovative
eCommerce-Geschäftsprozesse
von Jörg Becker
Unternehmerische Wertschöpfungsprozesse verändern sich
mit zunehmender Geschwindigkeit. Insbesondere für kurze
Produktlebenszyklen muss wegen des zusätzlich zu berücksichtigenden
Zeitfaktors ein entsprechend dynamischer Prozess in Gang gesetzt werden.
Die gezielte Verfolgung und Umsetzung des Geschwindigkeitsaspektes lässt
sich mit dem Begriff »Speed Management« beschreiben. Das Internet
ermöglicht dabei neue Optionen für die Organisation der Arbeitsteilung.
Die Markteintrittsbarrieren aufgrund hoher Informationsanforderungen
sinken.
Stichworte: Ressource Zeit und
eCommerce-Erfolg; Vernetztes Wissen; Das Information Office im
netzwerkzentrierten Modell; Intranet- und Extranet-Anwendungen;
Optimierung von Liefer- und Prozessketten; Potenziale im Customer
Relationship Management; Anonyme Kunden mit individuellen Profilen;
eProcurement und Supply Chain Management; Datentransparenz für Kunden;
Integration interner und externer Prozesse; Zeitorientierte Umsetzung;
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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wie man durch Speed Management unausgeschöpfte
Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette nutzbar
machen kann,
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wie Intranet und Extranet die Verselbständigung
von Unternehmenseinheiten ermöglichen, ohne die Integration von
Prozessen zu vernachlässigen,
-
wie Geschäftsaktivitäten durch Customer
Relationship Management auf den Kunden ausgerichtet werden
können,
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warum im Unternehmensprozess neben kritischen
Erfolgsgrößen wie Umsatz, Kosten und Deckungsbeitrag auch
Faktoren wie Zeit und Qualität gemessen werden sollten.
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Ressource Zeit maßgebend für eCommerce-Erfolg
Im Jahr 1400 trug ein Regensburger Kaufmann in sein
Geschäftsbuch ein: »Am Montag in der Karwoche sandte ich meinen Boten
gegen Venedig. Er soll mit Gottes Hilfe am letzten Feiertrag vor Ostern
dort sein«. Eine ganze Woche brauchte ein Kaufmannsbrief zur
mittelalterlichen Jahrhundertwende für seinen Weg über die Alpen. Heute,
zu Beginn des 21. Jahrhunderts, erreicht Geschäftspost ihren Empfänger
elektronisch in Sekunden, egal an welchem Ort der Erde er sich befindet.
Die Geschwindigkeit der elektronischen Kommunikation hat die Wirtschaft
weit mehr verändert, als man es sich noch vor wenigen Jahrzehnten hätte
vorstellen können: Elektronische Übertragungstechniken haben das den
Globus überziehende Geflecht von Handelsbeziehungen revolutioniert. Alle
Stationen einer klassischen Wertschöpfungskette lassen sich inzwischen
auch elektronisch verknüpfen.
Aus dem Verständnis heraus, dass die Ressource »Zeit« maßgebend für
die Überlebenschance des Unternehmens sein kann, wird Speed Management
auch zum wichtigen Bestandteil des eCommerce. Das heißt: Wer am Markt
beweglicher sein will, wer Kundenwünsche schneller in konkrete Produkte
umsetzen muss, kann nur mit proaktiver Vorgehensweise dafür sorgen, als
erster am Markt zu sein. Eine abwartende Haltung können sich nur
Unternehmen leisten, die quasi »aus der zweiten Startreihe« heraus den
Markt beherrschen. Nur eine zeitorientierte, simultan verknüpfte
eCommerce-Planung kann somit auch gewährleisten, dass die richtigen Dinge
zum richtigen Zeitpunkt getan werden.
In vielen Märkten werden 70 bis 90 Prozent der Gesamterträge eines
Produktes in der ersten Hälfte der Produktlaufzeit erzielt. Der
Zeitfaktor muss deshalb neben dem klassischen Preis-/Leistungsverhältnis
als wettbewerbskritische Variable geplant werden. Zu spät am Markt hat
das beste Produkt keine Chance. Ein richtiges Produkt kann zum falschen
Produkt werden, wenn es nicht zur richtigen Zeit eingeführt wird. Im
Verlauf eines Produktlebenszyklus verändern sich der »Wert«
beziehungsweise das Kosten-/Nutzenverhältnis eines Produktes für den
Kunden, die Mitteil- und Demonstrierbarkeit des Wertes, die Komplexität
des Produktes, der Standardisierungsgrad, die Kompatibilität eines
Produktes sowie auch viele andere ökonomisch und technisch relevante
Merkmale.
Konsequente Ausschöpfung des Zeitpotenzials durch
ver»web«te Informationsflüsse
Durch die Freiheiten hinsichtlich Informations- und
Kapitalfluss, Güter- und Dienstleistungsbewegungen sind für alle
Beteiligten Zugänge zu unterschiedlichen Leistungen und Technologien
möglich, das heißt die Marktdynamik nimmt weiter dramatisch zu. Das
Internet erfordert, dass vormals nur intern im Unternehmen selbst
fließende Daten heute beispielsweise auch an Telearbeiter,
Geschäftspartner oder Kunden verteilt werden. Dabei gewinnt der Aspekt
der Geschwindigkeit im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmens immer mehr an Bedeutung.
Die Zusammenfassung/Integration aller Geschäftsprozesse - die Umwandlung
getrennt operierender Umfelder in ein einziges IT-System - ermöglicht
insbesondere, schnell auf wechselnde Marktverhältnisse reagieren zu
können. Je komplexer sich die Geschäftsprozesse entwickeln, je
weltweiter die Beschaffungsstruktur mit einer Verlagerung der
Versorgungsketten und Warenströme wird, desto einfacher, komfortabler und
bequemer muss die hierfür zuständige elektronische Geschäftsabwicklung
erfolgen und desto organischer müssen die Web-basierten Systeme mit dem
bereits existierenden Back-Office-System verbunden werden. Die Generation
der mobilfunkgestützten Internet- und Telekommunikationsnetze - GPRS
(General Packet Radio System) und UMTS (Universal Mobile
Telecommunications System) - ist von den festen Leitungen befreit und
ermöglicht somit eine noch schnellere und umfangreichere
Datenübermittlung. Handys und Digitalendgeräte konvergieren in die
Entwicklung neuer internetfähiger mobiler Geräte. Das mobile Internet
ermöglicht individuell zugeschnittene »Just-in-time-« und »Just-in-place«-Dienstleistungen.
Wenn sich im Zuge solcher kollaborativer Modelle Unternehmen
informationsseitig verbinden, vergrößert sich damit zwangsläufig auch
die Zahl der Interfaces. Mit jedem weiteren externen Kollaborationspartner
multipliziert sich automatisch der Schnittstellenbedarf um die Summe der
beteiligten Unternehmen. Nach einer Formel der Meta Group kann die
Schnittstellenanzahl für in einem Netzwerk agierende Unternehmen aus
Zulieferfirmen, Distributionsketten, Groß- und Einzelhandel nach der
Formel: t x (n x (n - 1)) : 2 berechnet werden. Dabei bedeutet t = Anzahl
der beteiligten Unternehmen und n = Anzahl der zu verbindenden Quellen und
Ziele.
Neue Geschäftsmodelle: Außerkraftsetzen von
Geschäftszeiten und Zeitzonen
Auf den zunehmend internationalen Märkten treten Virtual
Corporations stärker in Erscheinung. Virtual Corporations entstehen, wenn
sich grosse Unternehmen in kleinere autonome Unternehmenseinheiten
aufspalten und auf dem Markt als Wettbewerber auftreten, da sie durch ihre
Autonomie effizienter agieren. Um den Kunden jedoch ein herausragendes
Servicepaket zu bieten, verknüpfen sich diese autonomen
Unternehmenseinheiten für bestimmte Märkte oder Kunden und treten als
Virtual Corporation auf. Oder mehrere Partner verbinden sich ziel- und
projektorientiert, um gemeinsam Produkte und Services zu entwickeln.
Mit dem Wegfall geographischer Distanzen und der Erhöhung des
Marktpotenzials sehen sich jetzt auch mittelständische Unternehmen auf
ihrem deutschen Heimatmarkt mit internationaler Konkurrenz konfrontiert.
Diese Entwicklung geht außerdem mit einer hohen
Innovationsgeschwindigkeit und der Verkürzung der Produktlebenszyklen
einher. Daher müssen Unternehmen ein hohes Maß an
Innovationsbereitschaft aufbringen, um sich schnell an diesen vom Markt
her erzwungenen Wandel anzupassen und die Veränderungen in Chancen
umzuwandeln.
Die schnelle Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien
hat die Basis für neue Anwendungs- und Einsatzgebiete wie den
elektronischen Geschäftsverkehr geschaffen. Schlüsselmerkmale des
eCommerce sind unter anderem: Sprengung geographischer Grenzen,
Außerkraftsetzen von Geschäftszeiten und Zeitzonen, allgemeine
Verfügbarkeit für unterschiedlichste Gruppen, Veränderung
traditioneller Wertschöpfungsprozesse oder die Entstehung spezieller
Internet-Geschäftsmodelle.
Aber auch neueste Geschäftsmodelle benötigen nach wie vor die »alten«
Daten. Auch unter eCommerce-Bedingungen müssen veränderte
Geschäftsmodelle auf unternehmenskritische Informationen zugreifen und
diese vor allem auch integrieren können: Je effizienter die bereits
vorhandenen Datenbestände zu Kunden, Mitarbeitern, Partnern und
Geschäftsabläufen, die oftmals aus Millionen von Datensätzen bestehen,
genutzt werden können, desto grösser sind auch die ausschöpfbaren
Wettbewerbs- und Erfolgspotenziale.

Abb. 1: Informationsanforderungen für
Daten-Integration
Verselbständigte Einheiten vernetzen Wissen über
Grenzen und Kontinente hinweg
Auch kleine Unternehmen können sich heute auf Basis des
Internet mit einer guten Idee weltweit präsentieren. Wissen,
Wissensvorsprünge und neue Ideen verbreiten sich in einer vernetzten Welt
weitaus schneller (Diffusionsbeschleunigung). Um ihre Marktpositionen zu
stärken, »verweben« sich Unternehmen aller Größenordnungen zu
virtuellen Unternehmen. Es entstehen Netzwerke von kleinen, global
agierenden Geschäftseinheiten. Dabei bauen kleine, selbständige
Geschäftseinheiten auf wenigen Kernkompetenzen auf. Die übrigen
Geschäftsfunktionen werden entweder in selbständige Einheiten
ausgelagert oder von spezialisierten Unternehmen (z.B. Logistik) bezogen.
Die verbleibenden Geschäftseinheiten werden überschaubarer und können
neue Marktchancen schneller aufgreifen. Vernetzte Unternehmen können
dadurch die Beweglichkeit und Effizienz von Kleinunternehmen mit den
Synergien (economies of scale) großer Unternehmen kombinieren.
Ein Intranet muss hierbei nicht auf einen Unternehmensstandort beschränkt
sein. Im Unterschied zur technischen Definition eines LAN (Local Area
Network) kann sich ein Intranet auch über mehrere Orte oder Kontinente
hinweg erstrecken. Gegebenenfalls könnte aber in kleineren Unternehmen
ein Intranet mit einem LAN identisch sein. Auch der Zugang zum
Unternehmensnetz über mobile Endgeräte wie WAP-Handys kann zum Intranet
gezählt werden.
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Beispiel: Die
Wertschöpfungskette eines fiktiven internationalen Herstellers für
Textilien
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Entwicklung: Eine neue Kollektion der Global Company
mit Sitz in Düsseldorf wird mit den Stoff-Designern in Mailand und
den Entwurfspezialisten in Paris geplant, um Trends der
internationalen Modebranche einzufangen. Die Designer arbeiten
gemeinsam an Entwürfen im Computer: Sie können Muster, Farben und
Schnittlinien verändern, farbig markieren und Anmerkungen
anbringen. Besonders knifflige Fragen werden gleichzeitig per
Telefon besprochen. Vorteile: schnellere Entwicklung, weniger
Reisekosten, Unabhängigkeit von nationalen Märkten.
Beschaffung: Die Global Company sucht weltweit nach
den günstigsten Angeboten von Webereien und Nähfabriken für die
Produktion ihrer neuen Kollektion. Die Zulieferer geben ihr Gebot
für den ausgeschriebenen Auftrag online über das Extranet ab. Der
Hersteller kann die Preise vergleichen und den günstigsten Anbieter
heraussuchen. Dieser erhält dann die Bestellung ebenfalls über das
Extranet. Vorteile: geringe Beschaffungskosten, zeitsparende
Bestellung.
Produktion: Die Stoffe werden in Indien gewebt und
in China zu Kleidungsstücken verarbeitet. Die Entwürfe werden aus
Deutschland zu den Standorten auf anderen Kontinenten gesendet, je
nachdem wo gerade am günstigsten produziert werden kann. Es werden
immer nur genau die Mengen hergestellt, die von den Kunden der
Global Company nachgefragt werden. Entwickelt sich ein Modell zum
Renner, kann es nachproduziert werden. Vorteile: geringe
Lagerkosten, freie Wahl von Arbeitskräften und Standorten.
Vertrieb: Einzelhändler in verschiedenen Ländern
ordern Teile der Kollektion über das Internet. Die Global Company
bietet ihre Produkte auch im Netz weltweit an. Der Online-Katalog
ersetzt gedruckte Medien und enthält jederzeit die aktuellsten
Angaben zu allen Produkten und Preisen. Vorteile: viele Adressaten,
einfache Bestellung, keine Druckkosten.
Kundenmanagement: Die Zentrale der Global Company in
Deutschland verwaltet die Bestellungen aus aller Welt in einem
Warenwirtschaftssystem, das direkt an den Intershop angeschlossen
ist. Elektronische Bestellungen werden von der Auftragsbearbeitung
gleich weiter verarbeitet, die Übertragung von Papierfassungen in
Dateiformate entfällt. Die gesamten Kunden- und Bestelldaten
können statistisch ausgewertet werden und als Grundlage für die
Unternehmensplanung dienen. Vorteile: schnellere
Auftragsbearbeitung, gezielte Entscheidungsunterstützung.
Logistik: Ein internationales Transportunternehmen
bekommt per E-Mail den Auftrag, Ware für einen bestimmten
regionalen Markt abzuholen und auszuliefern. Der Weg der
Auslieferung lässt sich über GPS-Sender bis zum Empfänger
verfolgen. Der Kunde kann jederzeit Informationen über den Status
seiner Bestellung erhalten. Vorteile: Transparenz der Logistik, hohe
Kundenbindung.
Service: Die Produktionsverantwortlichen der Global
Company in Indien und China können sich bei Reparaturen ihrer Näh-
und Webmaschinen Rat beim Hersteller der Anlagen in Deutschland
einholen. Dazu dienen Videokonferenzen direkt an der defekten
Maschine. Die Mechaniker vor Ort identifizieren auszutauschende
Bauteile anhand eines 3D-Computermodells der Anlage und bestellen
Ersatzteile über das Internet. Vorteile: weniger Reisekosten,
weltweit qualifizierte Wartung, fehlerfreie Ersatzteilbestellung. |
[Abb. 2: Unterscheidungskriterien für Intra- und
Extranets (Diese Abbildung entnehmen Sie bitte dem Printwerk.)]
Das Information Office im netzwerkzentrierten Modell
Die Vernetzungsmöglichkeiten von Intranets und Extranets
sind eng verbunden mit der Internet-Nutzung: Mit diesen Netzen für
geschlossene Nutzergruppen lassen sich Abstimmungsprozesse,
Wissensmanagement, Kommunikation mit Kunden, Kommunikation mit
Lieferanten, Auftragsbearbeitung und Produktionsplanung erheblich
effizienter, flexibler, gezielter und kostengünstiger gestalten und
miteinander verzahnen. Die Anwendungsmöglichkeiten von Intranets und
Extranets nutzen ebenfalls die Vorteile der Internetstandards.
Das Konzept des Intranets basiert auf der Anpassung und Integration von
aus dem Internet abgeleiteten Technologien und Kommunikationsprotokollen,
um diese in internen Informationssystem zu verwenden. Intranets
unterstützen plattformneutrale interpersonelle Kommunikation,
Informationsverteilung, Zusammenarbeit und kommunikationsintensive
Anwendungen. Alle Daten und Verarbeitungsvorgänge dieses
netzwerkzentrierten Modells befinden sich auf Netzwerk-Servern, auf die
Clients zugreifen und die eine universelle Schnittstelle zur gesamten
Unternehmenskommunikation, den Informationssystemen und Anwendungen
bereitstellen. Das heißt, das Intranet wird zum Information Office.
Ein Schlüsselmerkmal des Internets ist, dass die meisten
Informationsangebote für alle frei zugänglich sind und die Identität
des Nutzers keine große Rolle spielt. Im Unterschied hierzu sind
Intranets und Extranets geschlossene Netze. Damit spielt bei Intranets und
Extranets die Sicherheit eine größere Rolle. Extranets unterscheiden
sich von Intranets lediglich dadurch, dass ausgewählte
unternehmensexterne Nutzer Zugriff bekommen. Das heißt, auch
Außendienstmitarbeiter sollten, da sie zum Unternehmen gehören, zum
Intranet zählen. Dabei ist es gleichgültig, ob sie sich per Modem in das
Unternehmensnetz einwählen oder über ein WAP-Mobiltelefon auf die
Firmeninformationen zugreifen.
Ein Unternehmen kann sowohl als Betreiber als auch als Nutzer eines
Extranets auftreten. Kleine Unternehmen werden eher ein Extranet nutzen
als selbst als Betreiber aufzutreten: beispielsweise indem sie an einem
Marktplatz im Internet teilnehmen. In der Regel gibt es einerseits einen
Initiator, der das Extranet eingerichtet hat und betreibt und andererseits
eine Reihe von Teilnehmern, die Nutzer dieses Extranets sind. So könnte
beispielsweise ein Hersteller ein Extranet einrichten, über das alle
Vertragshändler Informationen bekommen und Bestellungen aufgeben können.
Im einfachsten Fall ist noch nicht einmal ein Intranet zur Nutzung des
Extranets notwendig.

Abb. 3: Einbettung in innovative
Internet-Geschäftsmodelle
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Fallbeispiele für
Intranet- und Extranet-Anwendungen
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Videokonferenzen: Zwischen Teilnehmern wird eine
Verbindung aufgebaut. Trotz räumlicher Distanz können so
Besprechungen mit Sichtkontakt stattfinden.
Chatrooms: Eine Gruppe nimmt live an einer
synchronen Diskussion teil. Sämtliche Beiträge erscheinen sofort
sichtbar (in etwa vergleichbar mit einer Telefonkonferenz) für die
anderen Teilnehmer.
Gruppenkalender/Terminplaner: Durch einen zentralen
Kalender können alle Termine einer Firma/Arbeitsgruppe verwaltet
werden. Dadurch können Terminkoordination sowie Projektplanung und
-management vereinfacht werden. Die Software ermöglicht unter
anderem auch das automatisierte Einladen von Teilnehmern, die
Überwachung von Teilnahmebestätigungen oder Hinweise auf mögliche
Terminkonflikte.
Diskussionsforen (Newsgroups, Mailinglisten):
Fragestellungen werden schriftlich von mehreren Teilnehmern
diskutiert, die Beiträge werden beispielsweise per E-Mail an alle
Teilnehmer verschickt. Durch das Medium Schrift können Diskussionen
sehr gut verfolgt und im Nachhinein als gespeichertes Wissen
verwertet werden.
ASP (Application Service Providing): Selten benutzte
oder nur aufwendig zu installierende Software kann besser von Fall
zu Fall gemietet anstatt selbst lizenziert zu werden. Application
Service Provider bieten ähnlich wie Extranets Zugriff auf die bei
ihnen installierte Software und rechnen nur nach tatsächlicher
Nutzung ab.
Marktplätze: Marktplätze sind eine Mischform aus
den Vorteilen des Internets und des Extranets: Während bei den
grossen Extranets viele kleine Partner einem großen
gegenüberstehen, bringen Marktplätze viele Anbieter und viele
Nachfrager zusammen, die miteinander handeln wollen.
EDI, Web-EDI: Elektronische Übertragung von
Geschäftsdaten gibt es schon seit längerer Zeit. Vor allem große
Industrieunternehmen haben EDI (Electronic Data Interchange) in der
Zusammenarbeit mit großen Zulieferern eingesetzt. Darüber hinaus
wird zunehmend Web-EDI eingesetzt: kleine Unternehmen brauchen nur
noch einen Browser, um die Daten eingeben und dann in
standardisierter Form an den Partner (der sie direkt elektronisch
weiterverarbeiten kann) schicken zu können. Die Austauschformate
basieren unter anderem auf XML, einer Beschreibungssprache für jede
Art von Information. |
Grundlegende Eignungs-kriterien für Intranet- und
Extranet-Anwendungen
Das grundlegende Prinzip bei Intranets und Extranets ist
die zentrale Bereitstellung der Daten auf einem Server oder Host, das
heißt mehrere Clients greifen über verschiedene Anwendungen auf diese
Daten zu. Durch diese zentrale Datenhaltung erhält auch das
Sicherheitskonzept eine umfassende Bedeutung. Für die Kommunikation mit
dem Server ist oft ein Internet-Browser ausreichend, da die ganze
Intelligenz der Datenbank im Serverprogramm steckt.
Anhand der Checkliste in Abbildung 4 können die einzelnen Intranet-
beziehungsweise Extranet-Kriterien durch eine Linie miteinander verbunden
werden: Je weiter die so gezeichnete Linie im rechten Bereich liegt, desto
mehr eignet sich das Unternehmen für Intranet- und Extranet-Anwendungen.
[Abb. 4: Prüfkriterien für Intra- und
Extranetanwendungen (Diese Abbildung entnehmen Sie bitte dem Printwerk.)]
Virtuelle Geschäftsmodelle ermöglichen die »extended
company«
Auf der Basis heutiger Optionen der Kommunikationstechnik
kann beispielsweise der Verkauf durch eine breitere Zusammenarbeit mit dem
Kunden (Partnering) ersetzt werden (z.B. Vorauftragsinformationen,
Einblick in den Auftragsstatus). Große Teile der bisher rein
innerbetrieblichen Kommunikation (Intranet) werden im Sinne der »extended
company« auch auf Kunden und Lieferanten (Extranet) angewendet.
Die Funktionen von Intranet und Extranet ermöglichen die
Verselbständigung von Unternehmenseinheiten, ohne die Integration der
Prozesse aufgeben zu müssen. Die Orientierung erfolgt grundsätzlich am
Business und nicht an Legal Entities oder an Business Functions. Intranet
und Extranet verkörpern die Kooperation von unterschiedlichen
Geschäftseinheiten auf den Ebenen Strategie, Prozess und
Informationssystem. Das Unternehmen des heutigen Informationszeitalters
besteht aus kleinen Geschäftseinheiten in einem Intranet- und
Extranet-Geschäftsnetzwerk. Die Koordination der Geschäftseinheiten
erfolgt durch übergreifende Geschäftsprozesse. Es müssen daher
übergreifende Prozessversionen entwickelt werden, welche als Vorgabe für
die Verteilungsplanung und für den detaillierten Entwurf der verteilten
Prozesse dienen. Im Rahmen des Informationskonzeptes muss zunächst die
Verteilungsstrategie erarbeitet werden: Diese wird anhand der globalen
Koordinationsprozesse und der Verteilungskriterien abgeleitet und mündet
in einen Intranet- und Extranet-Bebauungsplan (vgl. hierzu Abb. 5).

Abb. 5: Verteilte Unternehmen benötigen verteilte
Informationsbearbeitung
Neben dem elektronischen Handel im
Business-to-Customer-Bereich (B2C) gewinnt auch die elektronische
Beschaffung im Business-to-Business-Bereich (B2B) an Bedeutung. Die
Möglichkeit einer direkten und damit effektiveren Endkundenkommunikation,
verbunden mit kurzen Bestell- und Lieferzyklen, sowie die vereinfachte
Bildung von Kooperationsnetzwerken mit externen Geschäftspartnern zur
Optimierung von Liefer- und Prozessketten verlangt flexible
Organisationsstrukturen, um schnell auf die Veränderungen reagieren zu
können. Hierfür bieten sich grundsätzlich zwei Kooperationsfelder an:
Prozess- und Programmkooperation. Ziel einer Prozesskooperation zwischen
Hersteller und Handel ist die Optimierung des physischen Warenflusses. Das
Einsparpotenzial und der Nutzen solcher Prozesskooperationen ist
beträchtlich durch: Verringerung der Bestandsmengen in der
Versorgungskette, Verringerung der Durchlaufzeiten in der
Versorgungskette, Erhöhung der Auslastung der Transportkapazitäten sowie
Erhöhung der Warenverfügbarkeit an den Verkaufsstellen.
Optimierung von Liefer- und Prozessketten
Im einfachsten Fall kann ein einzelner Geschäftsprozess
in einer einzigen Geschäftseinheit mit der Unterstützung einer
Stand-alone-Applikation auf der Basis einer einzelnen Datenbank
abgewickelt werden. Der komplexere Fall gestaltet sich aus
unterschiedlichen Geschäftsprozessen, die von mehreren
Geschäftseinheiten mit Hilfe unterschiedlicher Anwendungen auf der Basis
von unterschiedlichen Datenbanken abgebildet werden. Für die konkrete
Gestaltung müssen folgende Fragen analysiert werden:
-
Wie werden globale Geschäftsstrategien in einer
verteilten Prozesswelt abgebildet?
-
Nach welchen Kriterien soll das Informationssystem
verteilt werden?
-
Wie hoch ist der optimale Grad der zentralen
Regulierung?
-
Welches minimale Set an Aussagen der
Geschäftsstrategie der Unternehmen eines Business Networks müssen
gemeinsam getroffen werden, um operative Kooperation zu ermöglichen?
-
Welche Prozesse und Prozesselemente müssen gemeinsam
entworfen werden?
-
Wie zentral müssen Informationsplanung und
Customizing durchgeführt werden?
-
Worin unterscheiden sich verteilte von integrierten
Prozessen?
-
Welche Aufgaben werden in welcher Geschäftseinheit
durchgeführt?
-
Wie werden verteilte Prozesse koordiniert?
Koordinieren sich die Teilprozesse dezentral oder werden sie zentral
gesteuert?
-
Wie wird effektiver Customer Access realisiert?
-
Wie lassen sich Probleme des Datenmanagements lösen?
Potenziale im Customer Relationship Management
Die Geschäfte der Zukunft finden immer öfter im Internet
statt, das heißt, kundenindividuelle Angebote, automatisierte
Angebotsanfragen und elektronische Abwicklung der Bestellvorgänge
verkürzen die Lieferzeiten, binden Kunden dauerhafter und ermöglichen
die Gewinnung neuer Kunden. Voraussetzung hierfür ist die Integration des
Front-Office mit den dahinter stehenden Geschäftsprozessen.
Vor diesem Hintergrund technologischer Innovationen gewinnt das stark
dialogorientierte Modell des Customer Relationship Managements (CRM) für
Unternehmen an Bedeutung. Im Gegensatz zum traditionellen
Kundenmanagement, das auf einer einseitigen Transaktion beruht, bezweckt
das Customer Relationship Management die Schaffung interaktiver
Kundenbeziehungen. Ziel: Aufbau und Etablierung langfristiger
Kundenbindungen und Integration des Kunden in den Wertschöpfungsprozess.
Effektives EC-Customer-Relationship-Management kombiniert traditionelle
Instrumente des Kundenmanagements mit elektronischen Anwendungsformen. Der
Vorteil der direkten Kundenansprache über E-Mail-Kommunikation liegt in
dem zeitnahen Informationsaustausch ohne Medienbrüche. Beispielsweise
geben eShops nicht nur einen Überblick über aktuelles Warenangebot,
Preise und Liefermodalitäten, sondern bieten dem Kunden darüber hinaus
auch die Möglichkeit der unmittelbaren Online-Bestellung und -Zahlung.
Das Instrument des Online-Shoppings macht den Kunden nicht nur unabhängig
von regulären Geschäftszeiten, sondern er profitiert auch von den
verkürzten Lieferzeiten, ausgelöst durch den Wegfall
zwischengeschalteter Instanzen. Personalisierte User-Portale geben dem
Kunden außerdem die Möglichkeit, individuelle Angebote abzufragen oder
Einblick in seinen Auftragsstatus zu nehmen. Dies ist die Voraussetzung
für den Aufbau einer interaktiven Kundenbeziehung.
Anonyme Kunden mit individuellen Profilen
personalisieren
Der Ansatz des Customer Relationship Managements zielt
darauf ab, den anonymen Kunden zu personalisieren. Im Vordergrund steht
die Ausrichtung des Produkt- und Leistungsangebotes auf die
Kundenwünsche. Durch individuelle Leistungsgenerierung wird der Kunde in
den Wertschöpfungsprozess integriert. Ziel des Customer Relationship
Managements ist, die Kundenzufriedenheit zu steigern und Neukunden
langfristig als loyale Abnehmer an das Unternehmen zu binden.
Für Unternehmen eröffnet sich die Chance, durch Webshops Daten über
Informations- und Produktpräferenzen sowie ebenso über Bestell- und
Zahlverhalten zu sammeln. Diese können in speziellen Kundendatenbanken
analysiert, statistisch aufbereitet und für die Gewinnung
soziodemographischer Kundenprofile genutzt werden. Aufbauend auf diesen
Informationen können angepasste Angebote erstellt und die
Kaufwahrscheinlichkeit erhöht werden. Solche Profile dienen außerdem als
Grundlage für effektive Marketingaktivitäten mit hoher
Rücklaufwahrscheinlichkeit, wie beispielsweise Direkt-Mailings oder
Newsletter. Die Website kann weiter für unterschiedliche
Service-Angebote, wie Kundenforen, genutzt werden. Über solche
Einrichtungen können zahlreiche Cross-Selling-Effekte erzielt werden.
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