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- Leseprobe -
Sicherung des Wettbewerbsvorsprungs fast noch schwerer, als ihn zu erkämpfen
von Heiko Barske
Wettbewerbsvorsprung ist eine recht komplexe Größe, für dessen Definition neben dem Produkt beziehungsweise der Dienstleistung der Kunde, das Kundensegment, der Gesamtmarkt, der Wettbewerb und das jeweilige Unternehmen mit seiner Strategie ausschlaggebend sind. Wettbewerbsvorsprung ist nicht einfach der größte Marktanteil oder der größte Umsatz. Wachstum um des Wachstums willen kann gefährlich sein. Ein größerer Umsatz oder Marktanteil wird zwar häufig als Vorsprung gewertet; wenn damit aber Inflexibilität, hohe Fixkosten und keine Ergebnisverbesserung verbunden sind, kann der Vorsprung rasch zum Nachteil werden.
Stichworte: Erfolgsfaktoren; Maßnahmen zur Verteidigung des Wettbewerbsvorsprungs: Gewerbliche Schutzrechte, Wahrung des kundenwerten Produktvorsprungs, Kommunikation, Aussehen, mittelbar und unmittelbar messbare Eigenschaften, Image; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren Sie:
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wie die für den Wettbewerbsvorsprung notwendigen
Erfolgsfaktoren analysiert werden,
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wie ein ganzheitliches Konzept entwickelt wird,
das die Grundlage für ein stabiles Image bildet,
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wie sich der erzielte Wettbewerbsvorsprung in
finanzielle Vorteile ummünzen lässt.
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Wettbewerbsvorsprung, was ist das? Eine Reihe von Beispielen
Ein MONTBLANC Schreibgerät schreibt nicht besser als
andere und dennoch: Es ist ein Wertgegenstand, der den Wenigverdiener mit
Stolz erfüllt und für den Manager ab einem bestimmten Level eine
Selbstverständlichkeit wird. Von dem Produkt erwartet man absolute
Zuverlässigkeit der mechanischen Funktionen und Dauerhaltbarkeit,
beispielsweise, dass die vergoldeten Stellen sich »niemals« abgreifen.
Die PAMPERS Windel saugt kaum besser als ihre Konkurrentinnen; dennoch hat
sie, obwohl nicht billiger als die Wettbewerber, den höchsten
Marktanteil. Der INTEL Prozessor neuester Generation ist eine fast
notwendige Voraussetzung für den Verkauf eines DeskTop oder LapTop
Computers. MICROSOFT Software hat im Business Bereich einen Marktanteil,
der Nutzer und andere zur Verzweiflung bringt. Der VW-GOLF ist seit Jahren
das meistverkaufte Auto in Deutschland, obwohl häufig etwas teurer als
die Konkurrenz. Die E-Klasse von DAIMLERCHRYSLER wird trotz höherer
Preise in ihrem Marktsegment mehr verkauft als alle Wettbewerber zusammen.
Sportwagen von PORSCHE verkaufen sich in einer Nische zu so hohen Preisen
und in Stückzahlen, die das Unternehmen Porsche kerngesund erscheinen
lassen. Ein MPC High Tech Cleaner der Dr. O.K. WACH CHEMIE erschließt
aufgrund eines Bündels neuer Produkte Eigenschaften, integriert in ein
Dienstleistungsangebot, ein ganz neues Marktsegment. UNITED PARCEL SERVICE
lehrt die klassische Post das Fürchten auf Märkten, in denen sie kein
Monopol mehr hat. Die BILD Zeitung konnte alle Angriffe abwehren und ist
das auflagenstärkste Boulevardblatt. LEGO Spiel- beziehungsweise
Bausteine sind so erfolgreich, dass daraus ganze Freizeitparks entstehen
können.
Einen Wettbewerbsvorsprung hat derjenige, der ein Produkt
anbietet, das aus Sicht vieler Käufer (beziehungsweise Kunden)
hinsichtlich relevanter Eigenschaften dem Wettbewerb überlegen ist, so
dass es zu Preisen verkauft werden kann, die dem Unternehmen ausreichende
finanzielle Einnahmen sichern. Entsprechend definiert sich für einen
Nischenanbieter ein Wettbewerbsvorsprung ganz anders als für einen
Großserienhersteller. Für ein Unternehmen, das technologischen Vorsprung
und somit »first in the market« auf seine Fahnen geschrieben hat, zeigt
sich ein Wettbewerbsvorsprung in ganz anderen Größen als für ein
Unternehmen, das bewusst eine »me-too-« Strategie verfolgt. In jedem
Fall aber ist ein Wettbewerbsvorsprung tendenziell für Wettbewerber
attraktiv, schon weil er zeigt, dass mit entsprechenden Produkten Geld
verdient werden kann, und zieht deshalb naturgemäß Konkurrenten an, die
sich an dem lukrativen Markt beteiligen wollen. Nach dem Motto »Nichts
ist so gut, als dass es nicht noch besser gemacht werden könnte«, wollen
sie den Wettbewerbsvorsprung aufholen oder ihn sogar zu ihren Gunsten
wenden. Dieses Motto gilt allerdings auch für den, der den
Wettbewerbsvorsprung gerade hat. Getreu dem verwandten Motto »Wer rastet,
der rostet« gilt es deshalb, die Nase vor der Konkurrenz zu halten. Wer
glaubt, sich auf seinem Erfolg ausruhen zu können, hat das Ende des
Erfolges bereits programmiert.
Im Folgenden soll daher untersucht werden, was getan
werden kann, um einen einmal erreichten Wettbewerbsvorsprung halten
beziehungsweise verteidigen zu können, oder ihn sogar auszubauen.
Erfolgsfaktoren
Für den Erfolg oder Wettbewerbsvorsprung eines Produktes
ist nur selten eine einzige Größe oder Eigenschaft maßgeblich. Meistens
ist es ein ganzes Bündel von Parametern oder Eigenschaften, die das
Produkt von seinen Konkurrenten abhebt. Neben notwendigen Eigenschaften,
die der Kunde von dem Produkt voraussetzt, die also für eine positive
Kaufentscheidung notwendig sind, gibt es differenzierende Eigenschaften,
die in Kombination mit den notwendigen Eigenschaften die positive
Kaufentscheidung auslösen. Je nach Produkt, der Zielgruppe und der
erwünschten Differenzierung ist dieses Bündel von Eigenschaften
beziehungsweise Erfolgsfaktoren unterschiedlich zusammengesetzt.
Für eine Software beispielsweise ist es eine notwendige
Eigenschaft, dass sie auf einer breiten Anzahl von im Markt befindlichen
Computern einfach zu installieren ist und stabil läuft. Zu den
differenzierenden Eigenschaften kann eine besondere Bequemlichkeit der
Menüführung dann ebenso zählen wie ein neues Anwendungsgebiet mit einer
kundenrelevanten Problemlösung.
Von einem flüssigen Haushaltsreiniger wird ein
Reinigungsvermögen sowohl für organischen, beispielsweise fetthaltigen,
Schmutz als auch für anorganischen Partikelschmutz als notwendige
Produkteigenschaft erwartet. Je nach Positionierung darf für empfindliche
Oberflächen keinerlei Aggressivität vorhanden sein. Müssen Oberflächen
gleichzeitig gepflegt werden, sollten auch ohne notwendiges Nachspülen
beispielsweise keine Schlieren zurückbleiben.
Das Eigenschaftsbündel, das den Markterfolg des Produktes
ausmacht, ist ein komplexes Bündel, das in sich stimmig die
Alleinstellung des Produktes ausmacht. In der chemischen Formulierung
zeigen sich die Produkteigenschaften Reinigung, Pflege,
Hautverträglichkeit, biologische Abbaubarkeit und so weiter. Farbe und
Geruch signalisieren und verdeutlichen die Produkteigenschaften
entsprechend seinen technischen Eigenschaften. Je nach Positionierung wird
beispielsweise Milde angezeigt, wenn das Produkt bläulich durchscheinend
und mit dem Frischegeruch von Zitrone oder Limone versetzt ist, oder
stärkere Reinigungskraft durch die Farbe grünlich opak und einem
leichtem Ammoniakgeruch. Auch die Verpackung signalisiert den
Anwendungsbereich und die preisliche Positionierung des Produktes. Der in
sich stimmige, komplexe Marktauftritt mit seinen zahlreichen Facetten,
also dieses Bündel von Eigenschaften beziehungsweise Erfolgsfaktoren ist
es, was den Wettbewerbsvorsprung ausmacht.
Am Beispiel eines fiktiven Kompakt PKW mit dem größten
Marktanteil soll ein solches Eigenschaftsbündel nochmals genauer
erörtert werden:
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Tabelle 1: Erfolgsfaktoren Ergebnisse von Marktstudien
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Erfolgsfaktor
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Marktführer Kompaktklasse
|
Wettbewerber
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Sportl. Stufenheck-
limousine
|
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1. Kommunikation
a) Bekanntheit
b) Zuordnung zu einem Hersteller
c) Image des Herstellers
d) Zuordnung zu einer Zielgruppe
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1
1
3
5
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1
1
4
3
|
1
1
2
2
|
|
2. Aussehen
e) solide, hochwertig
f) sportlich
g) zeitlos
h) modisch
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3
3
3
4
|
4
3
4
3
|
2
2
3
3
|
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3. Unmittelbar messbare Eigenschaften
i) Raumangebot
j) Fahrleistungen
k) Verbrauch
l) Komfort
m) aktive Sicherheit
n) passive Sicherheit
o) Variabilität
p) Anschaffungskosten
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3
3
2
2
2
2
3
3
|
3
3
2
3
3
3
3
2
|
4
2
3
3
2
2
4
4
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4. Mittelbar messbare Eigenschaften
q) Zuverlässigkeit
r) Wertbeständigkeit
s) Kundendienst
t) Betriebskosten
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3
2
2
2
|
4
3
3
2
|
3
2
2
3
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5. Image
u) innovativ
v) konservativ
w) value for money
x) Kundenzufriedenheit
y) funktionsorientiert
z) Prestige
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2
3
2
2
2
3
|
3
4
3
3
2
4
|
2
4
3
2
3
2
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In Spalte 2 der Tabelle 1 sind fiktive Bewertungen von
Erfolgsfaktoren angegeben, die Ergebnisse von Marktstudien sind. Dabei
bedeutet 1 sehr gut oder voll zutreffend und 5 mangelhaft oder nicht
zutreffend.
Die erste Gruppe von Erfolgsfaktoren a) bis d) betrifft
kommunikative Erfolgsfaktoren. Voraussetzung dafür, dass ein Produkt
seinen Käufer findet, ist, dass der Käufer vom Produkt weiß. Erhebungen
zur Ermittlung der Bewertung dieser Gruppe von Erfolgsfaktoren sollten
daher innerhalb der Zielgruppe gemacht werden, die von dem Produkt
angesprochen werden soll. Eine schlechte Bewertung des Erfolgsfaktors d)
»Zuordnung zu einer Zielgruppe« kann im vorliegenden Fall des
stückzahlmäßigen Marktführers durchaus positiv sein, da das Produkt
»statusneutral« ist und deshalb eine sehr breite Zielgruppe anspricht.
Ein Nischenprodukt, das von vornherein für eine eng umgrenzte Zielgruppe
konzipiert ist, beispielsweise ein bestimmtes Journal, sollte bei einer
Marktumfrage diese Positionierung auch widerspiegeln.
Die zweite Gruppe von Erfolgsfaktoren e) bis h) betrifft
das Aussehen. Dem Aussehen kommt bei der Kaufentscheidung eine hohe
Bedeutung zu; kaum jemand kauft sich ein Produkt, mit dem er sich nicht
identifizieren kann. Außerdem suggeriert das Aussehen wesentliche
Produkteigenschaften, die stimmig mit den tatsächlichen
Produkteigenschaften sein müssen; andernfalls kann sich kein klares
Produktprofil entwickeln oder das Produkt ist nicht glaubwürdig.
Die dritte Gruppe der Erfolgsfaktoren i) bis p) betrifft
unmittelbar am Produkt messbare Eigenschaften, die vom Kunden abgefragt
werden, also seine Beurteilung des Produktes zeigen.
Die vierte Gruppe der Erfolgsfaktoren q) bis t) betrifft
mittelbar messbare Produkteigenschaften, das sind Eigenschaften, die erst
messbar sind, nachdem das Produkt einige Zeit genutzt worden ist.
In der fünften Gruppe der Erfolgsfaktoren u) bis z)
schließlich sind Beispiele für Faktoren angegeben, die das Image
prägen.
Parallel mit der Erhebung der Daten sollte auch eine
Gewichtung erfragt werden, damit beurteilt werden kann, worauf der Kunde
besonderen Wert legt.
Die aufgeführten Faktoren sind Beispiele; sie könnten um
weitere Faktoren ergänzt werden. Vorteilhaft ist es, die Bewertungen
nicht nur von Käufern beziehungsweise Kunden des Produktes, sondern auch
von Besitzern eines Konkurrenzmodells abzufragen.
In der dritten Spalte der Tabelle 1 sind fiktive
Bewertungen der Erfolgsfaktoren eines direkten, am Markt weniger
erfolgreichen Wettbewerbers unseres fiktiven Marktführers angegeben. Und
in der vierten Spalte sind die Bewertungen für eine fiktive sportliche
Stufenhecklimousine angegeben, die allerdings deutlich teurer ist unser
fiktiver Marktführer.
Die erläuterte Erhebung von Erfolgsfaktoren dient der
analytischen Beurteilung der Gründe für einen Wettbewerbsvorsprung, aus
der Maßnahmen zu dessen Verteidigung abgeleitet werden können. Für
unterschiedliche Produktarten sind naturgemäß unterschiedliche
Erfolgsfaktoren relevant und daher zu analysieren. Aber auch für gleiche
Produktarten mit unterschiedlichen Zielgruppen können durchaus
unterschiedliche Erfolgsfaktoren maßgeblich sein.
Maßnahmen zur Verteidigung eines Wettbewerbsvorsprungs
Gewerbliche Schutzrechte
An anderer Stelle des vorliegenden Werkes wurde
ausführlich die Bedeutung von Schutzrechten erörtert (siehe Kapitel
13.01), so dass diese hier nur kurz erörtert werden soll.
Den eingangs genannten Beispielen ist gemeinsam, dass alle
Produkte und Dienstleistungen mit einprägsamen Namen benannt werden
können, die als Marken geschützt sind, um zu verhindern, dass ein
Wettbewerber einen ähnlichen Namen für ein ähnliches Produkt verwenden
kann. Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Produkt beziehungsweise die
Dienstleistung kommunikativ klar identifiziert und angesprochen werden
kann.
Soweit das Produkt ästhetisch eigenartig (und neu)
gestaltet ist, kann diese Gestalt durch ein Geschmacksmuster geschützt
werden, so dass Wettbewerber daran gehindert sind, ein Produkt mit
verwechselbarem Aussehen auf den Markt zu bringen. Eine eigenartige und
ansprechende Gestaltung ist ein großer Wettbewerbsvorsprung, denn auch
ein funktional noch so gutes Produkt findet um so leichter Käufer, je
mehr positive Signale und Assoziationen von seiner Gestaltung ausgehen.
Es versteht sich fast von selbst, dass technische
Neuerungen an einem Produkt, soweit sie erfinderisch sind, durch ein
Patent oder zumindest ein Gebrauchsmuster geschützt werden sollten, um
diesbezüglich einen Wettbewerber am Kopieren zu hindern. »Wer nichts
erfindet, verschwindet«, damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass
Innovationen für das Bestehen im Wettbewerb eine notwendige (jedoch nicht
eine hinreichende) Voraussetzung sind. »Wer nicht patentiert, verliert«,
das ist die logische Konsequenz, will sagen, man vergibt zumindest einen
Teil der Chancen, die durch innovative Entwicklungen eröffnet werden
könnten.
Auf einem Feld, auf welches das Patentrecht in Europa im
Gegensatz zu den USA nur bedingt anwendbar ist, befinden sich neue
Geschäftsmethoden, in denen häufig mehr Kreativität und
Erfolgspotenzial steckt als in technischen Entwicklungen. In
Geschäftsmethoden wird häufig nur eine Anweisung an den menschlichen
Geist gesehen, aber nicht eine Lehre zum technischen Handeln, bei dem
Vorgänge ablaufen, ohne dass der menschliche Geist in den Ablauf
eingreifen muss. Hier liegt der Schlüssel dafür, dass Geschäftsmethoden
dem Patentschutz zugänglich sind. Es gilt, sie so zu formulieren, dass
daraus eine Lehre zum technischen Handeln wird. Ähnliches trifft für
neue Computerprogramme zu, die an sich nicht patentierbar sind, die jedoch
patentierbar werden, wenn sie in eine technische Lehre umformuliert
werden.
Wahrung des kundenwerten Produktvorsprungs
Die Erfolgsfaktoren wurden in der Tabelle 1 in fünf
Kategorien eingeteilt. Für die Verteidigung eines Wettbewerbsvorsprungs
gilt es, diese Erfolgsfaktoren zu wahren oder sogar auszubauen oder, wenn
sich Rahmenbedingungen ändern, rechtzeitig in andere Erfolgsfaktoren
überzuleiten. Im Folgenden soll das für die in der Tabelle aufgeführten
fünf Kategorien beispielhaft erläutert werden.
Kommunikation
Die kommunikativen Erfolgsfaktoren sind für Wahrung eines
Wettbewerbsvorsprungs nicht zu unterschätzen. In England wurde der
Marktführer bei Waschmitteln vor vielen Jahren von Verbraucherverbänden
wegen seiner hohen Werbeausgaben angegriffen mit dem Argument, die
Waschmittel könnten billiger sein, wenn sie nicht die Werbekosten tragen
müssten. Procter & Gamble erklärte sich bereit, ein Produkt kaum
mehr zu bewerben und: Die Wirkung war, dass der Absatz deutlich
zurückging. Procter & Gamble argumentierte, das Experiment zeige,
dass im Fall dieses Produktes die Werbeausgaben auch für den Konsumenten
gerechtfertigt seien, denn nur bei hohen Verkaufsvolumina könne
einwandfreie Qualität gewährleistet und der Aufwand für Forschung und
Entwicklung eingespielt werden.
Die für einen starken kommunikativen Auftritt notwendigen
Maßnahmen hängen naturgemäß stark von dem jeweiligen Produkt ab. Ein
Auto bewirbt sich allein durch sein Erscheinen im Straßenverkehr selbst
und ist von seinen Wettbewerbern deutlich unterscheidbar. Weiter berichten
fast die gesamte Presse und die anderen Medien über jede Modellneuheit,
so dass hier an sich kein hoher zusätzlicher Werbeaufwand nötig ist.
Anders ist es mit einem Tennisschläger. Er ist von seinem Wettbewerber
erst bei näherem Hinsehen unterscheidbar. Technische Eigenschaften sind
kaum unmittelbar sichtbar, so dass der Kommunikation, der Botschaft, eine
für den Erfolg entscheidende Bedeutung zukommt. Dazu gehören Auftritte
in den Medien ebenso wie die Kopplung des Produktes an Erfolge wie
Turniergewinne, gute Spieler und so weiter. Bei Produkten, die sichtbar
technisch kaum differenzierbar sind, oder bei Dienstleistungen,
beispielsweise Telekommunikationsdienstleistungen, ist der Auftritt an
sich wichtig, der zweckmäßigerweise mit bekannten Personen mit hohem
Aufmerksamkeitswert und gutem Sympathiewert gekoppelt wird.
Zur Kommunikationsstrategie zur Sicherung eines
Wettbewerbsvorsprungs gehört auch, die Aufmerksamkeit der Kunden durch
ausreichend viele Aktionen zu erhalten und die Konkurrenz dadurch nicht
zur Ruhe kommen zu lassen. Die Gefahr dabei ist, dass die Aktionen sich
totlaufen, weil sie zu wenig innovative Substanz haben und die Kunden
nicht mehr fesseln, sondern im Extremfall sogar abstoßen.
Zusammengefasst: Auch und gerade ein erfolgreiches Produkt
verlangt eine auf das Produkt und seine Zielgruppe abgestimmte
Kommunikationsstrategie, die die Bekanntheit des Produktes fördert, seine
Botschaft transportiert und der Konkurrenz ein Eindringen in den Markt
erschwert.
Aussehen
Das Aussehen eines Produktes oder der Auftritt einer Dienstleistung
transportieren ein ganzes Bündel von Botschaften. Wertigkeit,
Modernität, Aggressivität, Seriosität, Stabilität, Freundlichkeit,
Innovativität, Dynamik, das sind nur einige Beispiele von Botschaften,
die auch über das Aussehen transportiert werden. Das Bild eines Produktes
prägt sich ein. Wer als Erster mit einer neuen Form, einem attraktiven
Logo und so weiter auf dem Markt ist, prägt den Markt, holt sich
Aufmerksamkeit und dadurch einen Vorsprung. Gute Formen werden nachgeahmt,
so dass auch hier gilt: Nicht Stillstand, sondern Weiterentwicklung, um
das Erreichte zu stärken und auszubauen. Bei einem Firmenlogo und einer
Marke geschieht dies langsamer als an einem Produkt, das aber trotz seiner
Weiterentwicklung durch bestimmte ästhetische Merkmale als zu der Marke
oder der Firma gehörend identifizierbar sein sollte. Diese prägenden
Merkmale sollten durch ein Geschmacksmuster oder eine Marke geschützt
sein, um exklusiv für die Identifizierung des eigenen Produktes
verfügbar zu sein.
Unmittelbar messbare Eigenschaften
Auch bei den unmittelbar messbaren Eigenschaften greifen die drei »Cs«
jedes erfolgreichen Marketings, nämlich »Consistency, Credibility und
Continuity«. Die Ganzheit dieser Begriffe, der ein am Markt erfolgreiches
Produkt häufig seinen Wettbewerbsvorsprung verdankt, muss laufend neu
bestätigt werden. Ein VW-Golf ist in seiner Grundauslegung nicht
Weltmeister in Einzeldisziplinen, sondern setzt als Allrounder Maßstäbe.
Diese Maßstäbe mit jeder Modellgeneration neu zu setzen, ist eine
erheblich schwerere Aufgabe, als in wenigen Disziplinen zu führen, dafür
aber in anderen Federn zu lassen. Allenfalls spezielle Modelle des Golf,
wie besonders hoch motorisierte Varianten, besonders sparsame Varianten
oder besonders komfortable Varianten sind in Einzeldisziplinen überlegen,
um besondere Kompetenz zu belegen.
Die drei »Cs« bedeuten, dass die Botschaft, mit der
das Produkt verkauft werden soll, in sich stimmig (consistency) sein muss
und mit den technischen, ästhetischen und haptischen Eigenschaften des
Produktes in Einklang stehen muss (credibility) und dass diese Gesamtheit
hinsichtlich ihrer Positionierung im Wettbewerb und in der
Kundenzielgruppe beibehalten oder allenfalls langsam verändert werden
sollte (continuity).
Ein VW-Golf, der statusneutral eine möglichst breite,
insbesondere nach oben offene Zielgruppe ansprechen soll, darf nicht zu
modisch sein und darf sich keine funktionalen, optischen oder haptischen
Schwächen leisten. Ein Haushaltsreiniger, der für alltägliche
Reinigungs- und Pflegearbeiten, auch an empfindlichen Flächen eingesetzt
werden soll, darf weder zu scharf riechen, noch darf er hinsichtlich
Konsistenz und Farbe Aggressivität ausstrahlen. Hinsichtlich seiner
Formulierung muss er auf dem neuesten Stand der Technik sein, das heißt,
diejenigen Bestandteile enthalten, die nach neuesten Erkenntnissen
unterschiedliche, alltägliche Schmutzarten gut lösen, in Lösung halten
und zusammen mit ihnen von der gereinigten Oberfläche ablaufen. Diese
Formulierung ständig so »up to date« zu halten, dass sie dem Wettbewerb
mindestens gleichwertig ist, ist Voraussetzung für die Verteidigung des
Wettbewerbsvorsprungs. Dabei gilt es, sowohl Kundengewohnheiten als auch
neue Oberflächenmaterialien, die gereinigt werden müssen, ständig zu
beobachten und in die Entwicklung und Kommunikation einzubeziehen.
Einen Wettbewerbsvorsprung zu verteidigen oder sogar
auszubauen, das bedeutet in denjenigen Eigenschaften, die das Produkt vom
Wettbewerb differenzieren sollen, den sogenannten differenzierenden
Eigenschaften, wettbewerbsüberlegen zu sein, dabei aber in den
notwendigen Eigenschaften, die vom Käufer vorausgesetzt werden, den
Klassenstandard mindestens zu erfüllen. Während für die notwendigen
Eigenschaften eine dem Stand der Technik entsprechende Kompetenz des
Unternehmens genügt, sollten auf den Gebieten der differenzierenden
Eigenschaften wettbewerbsüberlegene Kernkompetenzen vorhanden sein. Eine
Gefahr, die in der ständigen Verbesserung der differenzierenden
Eigenschaften liegt, besteht darin, dass die letzten Prozente an
Verbesserung an sich bekannter Technologien im Allgemeinen sehr teuer
erkauft werden und an sich bekannte, ausgereifte Technologien durch neue
Technologien ersetzt werden, die der alten, ausgereiften Technologie per
se überlegen sind. Ein Wettbewerber, der eine solche neue Technologie
einsetzt, ist unter Umständen in der Lage, nicht nur einzuholen, sondern
sogar zu überholen und dadurch eine Kernkompetenz zu gefährden. Ein
Beispiel ist die Umstellung von der Vergasertechnologie auf die
Einspritztechnologie. Ein Unternehmen, das die Vergasertechnologie
ständig verfeinert hat, hatte am Ende einen Vergaser, der komplizierter
und teurer war als das vom Wettbewerb entwickelte neue Einspritzsystem,
ohne dessen Funktion erreichen zu können.
Aufrechterhalten eines Wettbewerbsvorsprungs erfordert
somit nicht nur die ständige Verbesserung der kundenwerten
Schlüsseleigenschaften, sondern die Technologiebeobachtung dahingehend,
ob nicht neue Technologien auftauchen, die eine vorhandene Technologie
ablösen, und frühzeitige Aufnahme solcher Technologien in das eigene
Portfolio. Als ein weiteres Beispiel sei die klassische Schreibmaschine
genannt, die trotz Kugelkopf und Korrekturband gegen Schreiben am Computer
mit dessen Miniaturisierung und Steigerung der Leistungsfähigkeit keine
Chance hatte.
Ein weiterer Aspekt, der gerade bezüglich unmittelbar
messbarer beziehungsweise feststellbarer Erfolgsfaktoren wichtig ist,
liegt in der genauen Analyse, ob die Eigenschaften, in denen aus
technischer Sicht ein Wettbewerbsvorsprung besteht, vom Kunden
tatsächlich auch so gesehen werden. Ist dies nicht der Fall, so besteht
entweder eine Fehleinschätzung des Kunden, beispielsweise hinsichtlich
seiner Gewichtung von Eigenschaften, mit der Gefahr, dass für nicht
relevante Entwicklungen viel Geld ausgegeben wird und Ressourcen
uneffizient genutzt werden, oder es bestehen Kommunikationsdefizite.
Mittelbar messbare Eigenschaften
Die vierte Gruppe der in der Tabelle aufgeführten Erfolgsfaktoren ist
für den Produkterfolg oder Wettbewerbsvorsprung ebenfalls sehr wichtig.
Diese nicht unmittelbar messbaren Eigenschaften wie Zuverlässigkeit,
Wertbeständigkeit, Verlässlichkeit des Kundendienstes, sich während des
Gebrauchs eines Produktes einstellende Kosten und so weiter schaffen
Vertrauen und tragen entscheidend zur Imagebildung bei. Entsprechend
schwierig ist es, diese Erfolgsfaktoren rasch zu ändern. AUDI, um wieder
ein Beispiel aus der Automobilindustrie aufzugreifen, hatte ein Defizit in
der Wertbeständigkeit, das auch durch Korrosionsprobleme verursacht war.
Dieses Defizit durch umfangreiche und teure prozesstechnische Maßnahmen
in der Produktion abzubauen und beispielsweise auf das Niveau von
DaimlerChrysler Fahrzeuge zu heben, hätte allenfalls mittelfristig die
diesbezügliche Kundeneinschätzung verbessert, wobei allerdings das
Niveau von DaimlerChrysler erst sehr langfristig erreicht worden wäre. In
Kenntnis dieser Fakten entschied man sich, nicht einzuholen (was
hinsichtlich der Kundeneinschätzung sehr schwierig ist), sondern mit
Hilfe neuer Technologie zu überholen. Es wurde eine Technologie
entwickelt, die es erlaubte, erstmals in der Großserie vollverzinkte
Bleche einzusetzen und deshalb in der Lage zu sein, eine Garantie von zehn
Jahren gegen Durchrostung zu geben. Diese Maßnahmen übertrafen den
Wettbewerb eindeutig und begründeten einen rasch auch kundenwirksamen
Wettbewerbsvorsprung. Da die entsprechenden Technologien umfangreiche
Maßnahmen sowohl in der Produktion als auch in der Konstruktion
voraussetzen, war damit eine gute Grundlage gelegt, den
Wettbewerbsvorsprungs über einen ausreichenden Zeitraum beizubehalten.
Die Kundeneinschätzung hinsichtlich der mittelbar
messbaren Eigenschaften wie Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und so weiter
hat nicht nur auf das Image, sondern auf viele weitere finanziell
bedeutende Aspekte Einfluss. Produkte werden häufig im Leasingverfahren
gekauft, bei dem die regelmäßig zu zahlenden Raten stark vom Wertverlust
abhängen. Bei AUDI war man lange darüber verwundert, dass ein Audi
höhere Leasingzahlungen erforderte als ein vergleichbarer Mercedes,
obwohl dessen Neupreis deutlich höher war. Das Geschäftswagensegment,
das fast nur über Leasing abgewickelt wurde, war für AUDI dadurch
weitgehend versperrt. Erst als die Produkte in ihren unmittelbar messbaren
und sichtbaren Eigenschaften gleichzogen und auch die Kundeneinschätzung
der mittelbar messbaren Eigenschaften sich erheblich verbessert hatte,
verminderte sich der Wertverlust und sanken entsprechend die
Leasingzahlen, so dass sich der Geschäftswagenmarkt öffnete.
Image
Das Image, das Bild, das sich der Markt beziehungsweise der Kunde (und
Nichtkunde) von einem Produkt und/oder von dessen Hersteller macht, ist
ein außerordentlich teures Gut. Es ist deshalb so teuer, weil nicht, wie
insbesondere von Marketing- und Werbestrategen immer wieder behauptet
wird, das Image das Produkt macht, sondern genau umgekehrt, das Produkt
das Image macht. Ein glaubwürdiges, fest verankertes Image beruht auf
Produkten und Dienstleistungen, die der Kunde erfahren hat oder von denen
er gehört hat und deren zahlreiche Facetten und Schlüsselmerkmale zu
einem mehr oder weniger ausgeprägten Image führen. Je konsequenter die
oben genannten drei »C's« umgesetzt werden, desto klarer wird das Image.
Zu dem einheitlich Ganzen, das das Image ausmacht, gehört das Produkt mit
seinen unmittelbar und mittelbar feststellbaren Eigenschaften
einschließlich des optischen, haptischen und akustischen Eindruckes von
Produkt, Verpackung, Art des kommunikativen Auftretens und so weiter. Ein
klares Image ermöglicht bei der darauf ansprechenden Zielgruppe ohne
zusätzliche Produktinhalte einen höheren Preis. Ein klares Image hat den
weiteren Vorteil, dass Qualitätseinbrüche oder sonstige Flops
überstanden werden können, dass die in dem Image zum Ausdruck kommende
Kundenerwartungshaltung sich nur langsam, bei zu lang andauernder
Nichterfüllung allerdings nachhaltig ändert. So konnte der GOLF zu
Beginn seines Erscheinens die großen Korrosionsprobleme aufgrund des
diesbezüglich guten Rufes von VW ohne Markteinbrüche überstehen. Das
bezüglich Qualitäts- und Wertigkeitskriterien schlechte Image von AUDI
bewegte sich erst nach oben, als funktional der Wettbewerb erreicht oder
sogar übertroffen war und die Produkte das auch signalisierten, indem von
der »Filigrantechnik« abgegangen wurde und die Fahrzeuge mit einem
Erscheinungsbild auftraten, das Fortschrittlichkeit, Seriosität,
Stabilität und Dauerhaltbarkeit signalisierte.
Image und Unternehmensstrategie gehen Hand in Hand und
bedürfen einer ständigen Überprüfung, Bestätigung und
erforderlichenfalls langsamen Anpassung an sich verändernde
Rahmenbedingungen, um auch diesbezüglich einen Wettbewerbsvorsprung zu
wahren. So sind beispielsweise kompakte Abmessungen und Hochwertigkeit
heute kein Gegensatz mehr.
...
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Dieses Kapitel...
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