|
- Leseprobe -
Corporate Venturing - ein Umsetzungsbeispiel aus dem Bereich
Informationstechnologie
von Johannes P. Schwemmer
Stichworte: Zielperspektiven bei Siemens Nixdorf,
Herkunft
der Ideen und die Konzepte: Grundlagen, Das Culture Change Programm, Initiativen des Unternehmens,
FutureScape, Das Entrepreneur Development Programm, NewStars, Venture
Capital, Business Plan, Fazit.
|
In
diesem Beitrag erfahren Sie:
|
-
welchen Zweck Siemens Nixdorf mit der Einführung seines
Corporate-Venturing-Programms verfolgt, und welchen praktischen Nutzen Unternehmen daraus
ziehen können,
-
wie durch Diskontinuitäten Innovationen entstehen,
-
wie man Mitarbeiter ausbildet und gleichzeitig motiviert,
ihre Marktkenntnisse und Geschäftsideen einzubringen, und was einen guten Entrepreneur
auszeichnet,
-
welche Vorteile eine Organisationsstruktur in
Geschäftseinheiten (Lines of Business) hat,
-
was Venture Venture Capital ist, und wie daraus innovative
Geschäfte entstehen.
|
Das
NewStars-Programm
Welche Organisationen brauchen Corporate Venturing?
Siemens Nixdorf hat eine Organisation in sogenannte Lines of Business
(LoB) eingeführt. Eine solche LoB ist strukturiert wie ein eigenständiger
mittelständischer Betrieb, denn sie umfaßt Entwicklung, Fertigung, Marketing, Vertrieb
und zentrale Funktionen. Jede LoB ist auf ein bestimmtes Marktsegment fokussiert.
Gegenüber einem horizontal strukturierten Großunternehmen hat dies folgende Vorteile:
-
Klare Konzentration auf Kerngeschäfte
-
Flache Hierarchien
-
Schnelle Reaktion auf Änderung der Umgebungsbedingungen
-
Fokussierung auf die Wertschöpfungskette, das heißt zum Beispiel, daß es einen
direkten Zusammenhang gibt zwischen dem, was der Kunde will und dem, was die Entwicklung
tut.
Betrachtet man nunmehr den Effekt einer solchen Organisation auf Innovationen, so kann
man zweierlei beobachten:
Diese Struktur begünstigt einerseits evolutionäre Innovationen, die klar an spezifische
Märkte und Kundengrup
pen gebunden sind: Sie werden schnell umgesetzt.
Radikale und bahnbrechende Innovationen andererseits oder solche, die nicht in das Schema
der Organisation passen, werden eher behindert.
Eine innovative Idee, die aus einem Geschäftsbereich (LoB) stammt und nicht dessen
Kerngeschäft berührt, konkurriert um begrenzte Investitionsmittel immer mit anderen
Vorhaben, die zur Stärkung existierender Geschäfte dienen. Die evolutionären Vorhaben
nutzen einer Vielzahl von Menschen, die in bestehenden Bereichen tätig sind, und haben
daher einen erheblichen »Heimvorteil«. Innovationen, die keine natürliche Lobby haben,
die Konsens zwischen mehreren Geschäftsbereichen erfordern und allein durch ihre
Andersartigkeit riskant erscheinen, werden nicht gefördert.
Das Corporate-Venturing-Programm NewStars hat nun zum Ziel, einen zusätzlichen Prozeß
für derartige Innovationen zu schaffen. Dieser Prozeß wurde so konzipiert, daß er die
Vorteile vernetzter Organisationen und die Erkenntnisse der Venture Capital-Branche nutzt.
Drei Phasen, und was dahinter steckt
Der NewStars-Prozeß beginnt im allgemeinen damit, daß jemand mit einer
Idee eine/n Investment-ManagerIn anspricht oder von dieser/m mehr oder weniger zufällig
aufgespürt wird.
In einer ersten Phase, der Seed-Phase, hat das Investment-Manager-Team primär eine
Coaching-Rolle. Es hilft, einen Menschen mit einer Idee zu einem Team mit einem guten
Business Plan zu entwickeln.
Wenn dies erfolgreich war, ist die Stunde der Wahrheit gekommen:
-
Steht der Investment-Manager hinter dieser Innovation, und wird er dem Investment Board
empfehlen zu investieren? Um dies zu klären, setzt er den Hut des Investors auf und tut
das, was in der Venture-Capital-Branche als »Due Diligence« bekannt ist: Er untersucht
den Business Case auf Herz und Nieren und überprüft die Annahmen mit Hilfe neutraler
Fachleute.
-
Ist das Team bereit, dann die Herausforderung anzunehmen und den »schönen« Business
Plan in harte Realität und DM umzusetzen?
Sind beide Fragen mit »Ja« beantwortet, wird das Projekt vom »Champion« vor dem
Investment Board präsentiert. Dieses Board besteht bei Siemens Nixdorf aus vier
Mitgliedern der Geschäftsführung und dem CEO.
Der Investment-Manager gibt dort seine Investitionsempfehlung ab. Diese enthält
Informationen zur »Due Diligence«. Außerdem werden Empfehlungen zu Meilensteinen,
Meßlatten für den Erfolg und »Incentives« gegeben.
|
Abb. 4: Ablauf des NewStars-Programms
|
Wenn das Board zustimmt, wird der »Champion« zum »Entrepreneur« und
hat die Freude und Verpflichtung, seinen Plan in die Realität umzusetzen.
Es beginnt jetzt die Venture-Phase. Der Entrepreneur komplettiert, wenn nötig, das Team
und beginnt mit der Umsetzung. Die Frage der organisatorischen Zuordnung bleibt dabei
zunächst offen; das Venture wird, soweit nötig, aus dem NewStars-Investment-Fund
finanziert und bedient sich der Ressourcen des Unternehmens in möglichst
unbürokratischer Art und Weise. Das Venture ist aus organisatorischer Sicht als
sogenanntes »virtuelles Team« organisiert. Das bedeutet, daß sofort mit Hilfe moderner
Kommunikationsmittel an der neuen Aufgabe gearbeitet wird, obwohl formale und räumliche
Zusammenlegung des Teams noch nicht vollzogen sind. Zielsetzung und Meilensteine ergeben
sich aus dem Business Plan. Die Investition in das Venture umfaßt zunächst einen
zeitlichen und finanziellen Rahmen, der sich an meßbaren Ergebnissen im Business Plan
orientiert. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, präsentiert der Entrepreneur die
Ergebnisse im Investment Board, um nötigenfalls die nächste Investitions-Tranche zu
erhalten. In dieser Phase setzt der Entrepreneur eigenverantwortlich seinen Plan um, der
NewStars-Investment Manager ist der Coach und kontrolliert den finanziellen Rahmen.
Wenn sich die ersten Erfolge zeigen, wird im Investment Board über die Erfahrungen
berichtet und über die organisatorische Zukunft des Ventures entschieden.
Da man in der Venture-Phase viel über das neue Geschäft gelernt hat, fällt es nunmehr
nicht schwer, die Entscheidung über die weitere Organisation zu fällen: Sollte man eine
Firma gründen, paßt das Venture zu einer bestehenden Organisationseinheit oder muß eine
neue aufgebaut werden?
Insgesamt betrachtet hat der NewStars-Prozeß den Zweck, auf der »Überholspur« neue,
innovative Geschäfte zu entwickeln. Flankiert wird er von einem Incentive-Programm, mit
dem die Mitarbeiter und Manager der »Ventures« einen Teil ihres Gehalts an die im
Business Plan dokumentierten finanziellen Ziele koppeln können. Wenn sie erfolgreich
sind, können sie ein Mehrfaches des Basisbetrages erhalten, bei Mißerfolg ist der
Einsatz verloren.
Für die
Zusammensetzung des Venture-Teams spielt die sich ergänzende Vielfalt der Stärken der
Einzelnen eine entscheidende Rolle. Das im Volksmund bekannte »Gleich und gleich gesellt
sich gern« ist der Feind der Innovation.
Das gilt auch für die Investment-Manager. Fachwissen und Persönlichkeit haben einen
deutlichen Einfluß auf die Art der Projekte, die tatsächlich gestartet werden. Dies
deutet nicht unbedingt auf Subjektivität bei der Auswahl hin; wenn man den Prozeß aus
Sicht des Champions/Entrepreneurs betrachtet, ist das Vertrauen in Integrität und
Kompetenz des Investment-Managers die Voraussetzung, sich mit einer Idee in die
gefährlichen Wasser des NewStars-Prozesses zu wagen. Denn den Chancen stehen durchaus
auch Risiken und ein erheblicher Zeitaufwand gegenüber. Um also ein ausgeglichenes
Portfolio an Ventures zu generieren, sollten die Investment-Manager ein breites Spektrum
an Erfahrungen, Fachwissen und Persönlichkeit aufweisen.
Die
Mitarbeiter, die sich als Entrepreneure engagiert haben, waren zwischen 27 und 55 Jahre
alt, hatten eine typische Hochschulausbildung und kamen aus allen Ebenen des Unternehmens,
sowohl der Geschäftsführung angegliedert wie auch ohne Führungsfunktion.
Schwierigkeiten ergaben sich beim Zugriff der »Virtuellen Teams« auf Ressourcen wie
beispielsweise Einstellungen und Planstellen. Siemens Nixdorf beabsichtigt deshalb,
sogenannte »Breeding Cells« einzurichten, das heißt, die Möglichkeit zu schaffen,
Teams ab einem gewissen Reifegrad der Projekte formal zu NewStars zu versetzen in einen
Bereich ohne Kopfzahlvorgabe.
...
|
Dieses Kapitel...
|
|
... können Sie vollständig per
PDF-Download beziehen:
Alle Seiten mit Abbildungen in optimaler Qualität, hervorragend geeignet
zum Ausdruck auf Papier.
Zusätzlich bietet Ihnen das PDF-Format praktische Suchmöglichkeiten.
Schon in wenigen Minuten sind die Kapitel auf Ihrem Computer gespeichert,
zu einem günstigen Preis: 30 Cent pro Seite.
Zum Download |
|