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- Leseprobe -
Innovationsplanung mit Produkt- und
Technologieroadmapping
von Stefan
Behrens, Dieter Specht
In immer schnellerer Folge gelangen neue Produkte auf den Markt.
Oftmals werden sie schon bald von einer Nachfolgegeneration abgelöst.
Handhelds, Handies, Flachbildschirme oder Tretroller sind nur einige
Beispiele des aktuellen Trend- und Produktkarussells. Ein Unternehmen, das
unter sich ändernden Rahmenbedingungen auch in Zukunft erfolgreich am
Markt agieren will, hat die Möglichkeit, die schnelle Entwicklung
aufzunehmen oder sich langfristig in bestimmten Nischenmärkten zu
positionieren. Die Anpassung an den Markt bedeutet oft eine Verkürzung
von Produktlebenszyklen und damit die Notwendigkeit, in immer kürzeren
Abständen neue oder veränderte Produkte am Markt einzuführen. Um
zukünftige Entwicklungen zu prognostizieren und zu visualisieren,
erweisen sich Roadmapping und Produkt-Technologie-Verknüpfungen als
geeignete Methoden.
Stichworte: Verkürzung
der Produktlebenszyklen, Integrierte Produkt- und Technologieentwicklung,
Die Generierung von Roadmaps, Ermittlung der Betrachtungsobjekte,
Bedarfsanalyse, Potenzialanalyse und -prognose,
Vollständigkeits- und Konsistenzanalyse, Projektroadmaps,
Anwendung im Unternehmen,
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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wie mit Hilfe von Roadmapping und
Produkt-Technologie-Verknüpfungen zukünftige Entwicklungen
prognostiziert und visualisiert werden können,
-
dass es sinnvoll ist, Produkt- und
Technologieroadmapping im Unternehmen fachbereichsübergreifend in
einem integrierten Prozess zu betreiben,
-
wie die Ergebnisse des Roadmapping
als Grundlagen für das Technologiemanagement und die Strategische
Planung im Unternehmen dienen können.
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Verkürzung der
Produktzyklen
Das Konzept des Produktlebenszyklus beschreibt, dass ein Produkt nur
eine begrenzte Lebensdauer hat, bevor es durch ein Nachfolgeprodukt
abgelöst wird oder ganz vom Markt verschwindet. Im klassischen
Lebenszyklusmodell werden fünf Phasen unterschieden: die
Einführungsphase, die Wachstumsphase, die Reifephase, die
Sättigungsphase und der Niedergang [11]. Der Umsatz, der sich mit einem
Produkt erzielen lässt, nimmt einen über die Gesamtlebenszeit typischen
Verlauf mit steigenden Umsätzen und Umsatzzuwächsen in den ersten beiden
Phasen, einer abflachenden Umsatzsteigerung mit Erreichen eines
Scheitelpunktes in der Reifephase und sinkenden Umsätzen in der
Sättigungsphase und dem Niedergang. Oft ist es möglich, durch einen »Relaunch«
des Produktes die Reifephase zu verlängern beziehungsweise sogar in eine
zweite Wachstumsphase überzugehen.
Eine Verkürzung des Produktlebenszyklus hat nun zur Folge, dass sich die
Zeitspanne, in denen mit einem Produkt Gewinne erzielt werden,
insbesondere am Ende der Wachstumsphase und in der Reifephase, erheblich
verkürzt. Andererseits fallen in höherem Maße Forschungs- und
Entwicklungskosten für Neuprodukte oder Produktveränderungen an. Das
Unternehmen sieht sich vor dem Dilemma, mit einem Produkt in kürzerer
Zeit mehr Erträge verdienen zu müssen. Vor diesem Hintergrund wird
deutlich, dass ein Unternehmen sich ineffiziente Prozesse, Ausfälle bei
Produkteinführungen, fehlerhafte Marketing- und Vertriebsstrategien oder
verspätetes Reagieren auf marktliche Veränderungen nicht leisten kann.
Dies gilt insbesondere in einer Zeit des Shareholder-Value-Denkens, in der
Anleger Fehlentscheidungen durch relativ kurzfristige Kapitalumschichtung
bestrafen.
Dieses theoretische Erklärungskonzept lässt sich in der Praxis schon
seit einigen Jahren in der Automobilbranche erkennen. Beispielsweise wird
bei der Betrachtung der Modellwechsel der Marke Mercedes-Benz deutlich,
dass sich die Produktlebenszyklen vom W 123, der von 1976 bis 1985 gebaut
wurde, und dem W 124 von 1985 bis 1995 hin zum W 210 von 1995 bis
voraussichtlich 2002 etwa um ein Drittel verringert hat. Im
niedrigpreisigen Kleinwagensegment hat sich der Lebenszyklus sogar noch
weiter auf etwa fünf Jahre verkürzt. Um diese drastischen Änderungen
der Produktlebenszyklen zu verstehen, soll im folgenden Abschnitt die
technologische Entwicklung betrachtet werden.
Schnelle
technologische Entwicklung als Ursache
Unter Technologie wird im Allgemeinen das
naturwissenschaftlich-technische Wissen über Lösungswege zur technischen
Problemlösung verstanden. Dieses Wissen stellt die Ausgangsbasis für
Produkte und Verfahren dar [5]. Viele Innovationen basieren auf
technologischen Neuerungen. Durch die Anwendung von neuem technologischen
Wissen können neue Produkte oder neue Funktionalitäten in bestehenden
Produkten realisiert werden. Dies belegen die Produktinnovationen der
Automobilindustrie, wie die über 100jährige Entwicklung von den
selbstfahrenden »Benzinkutschen« zu computergesteuerten und
vollintegrierten Kraftfahrzeugen heutiger Bauart verdeutlicht. Die
technologische Entwicklung hat sich zunehmend beschleunigt.
Zur weiteren Illustration dient eine relativ junge Wachstumsbranche: die
Telekommunikationsbranche. Eine technologische Kennzahl in der
Telekommunikation ist die mögliche Rate der Datenübertragung. Die
Datenübertragungsrate gibt die Datenmenge an, die pro Zeiteinheit über
ein Medium übertragen werden kann. Die übliche Maßeinheit für die
Datenübertragungsrate ist Kilobit pro Sekunde. Die folgende Abbildung 1
zeigt mögliche Datenübertragungsraten über verschiedene bekannte und im
Einsatz befindliche Medien.
Es wird deutlich, dass die verschiedenen DSL-Technologien, die
mittlerweile in Deutschland flächendeckend angeboten werden, eine
Erhöhung der Datenübertragungsrate um den Faktor 30 bis 1000 (je nach
Variante) mit sich bringen. Es ist abzusehen, dass der Zuwachs in diesen
Größenordnungen anhalten wird.
Ausgehend von dieser Tatsache und der oben ausgeführten Überlegung, dass
technologische Neuerungen Innovationen befördern, ist zu vermuten, dass
eine der wesentlichen Ursachen für die Verkürzung der
Produktlebenszyklen die schnelle technologische Entwicklung liefert.
Um diesem Zusammenhang Rechnung zu tragen, muss es eine vorrangige Aufgabe
des Innovationsmanagements sein, die technologischen Entwicklungen in
einem Anwendungsfeld »vorherzusehen« und möglichst frühzeitig in die
Produktplanung und Produktentwicklung einfließen zu lassen, um so
Wettbewerbsvorteile erlangen und halten zu können.
Integrierte
Produkt- und Technologieentwicklung mittels Roadmapping und
Produkt-Technologieverknüpfungen
Die Erstellung von Roadmaps unterstützt diese Aufgabe durch ein
systematisches Vorgehen bei der Zukunftsprognose und die Möglichkeit
einer zweckmäßigen Visualisierung der Ergebnisse [13]. Das Roadmapping
ist ein kreatives Analyseverfahren, mit dem die Entwicklungspfade von
Produkten, Dienstleistungen und Technologien in die Zukunft hinein
prognostiziert, analysiert und visualisiert werden. Es gehört zu den
Methoden der Technologiefrühaufklärung und kann dort den
intuitiv-strukturierten Suchverfahren [7] zugeordnet werden. Beim
Roadmapping gilt es, durch eine systematisierte Erfassung und Bündelung
von Expertenwissen und durch die Abstimmung divergierender Meinungen und
Erwartungen in gruppendynamischen Prozessen, die zukünftigen
Entwicklungen in einem Handlungsfeld vorherzusagen und zu bewerten. Das
Roadmapping ist in seinem Vorgehen der Delphi-Methode [9] verwandt,
zeichnet sich jedoch durch einen ausgeprägteren Anwendungsbezug und einen
kürzeren Prognosehorizont aus. Das Roadmapping soll die Ableitung
konkreter Handlungsoptionen in einem unternehmensspezifischen
Handlungsfeld ermöglichen.
Das Roadmapping kann durch Kenntnisse über den Verlauf von Innovationen
befördert werden. Einen bedeutsamen Beitrag hierzu hat Altschuller [1]
geleistet, der mit seinen »Entwicklungsgesetzen technischer Systeme« den
Entwicklungsverlauf von Innovationen beschreibt. Basierend auf
weitreichenden Patentanalysen erkannte Altschuller, dass die Entwicklung
von technischen Systemen in vier Schritten abläuft:
Nach einer Phase der statischen und kinematischen Weiterentwicklung
technischer Systeme entstehen zunehmend Interdependenzen mit anderen
Systemen (dynamische Entwicklung), bis sie schließlich in einem
Evolutionsprozess in neuartige Systeme übergehen. Die zunehmende
Konvergenz von Festnetz, Mobilfunk und Datenübertragung in der
Telekommunikationsbranche ist ein Beispiel für eine im Augenblick
stattfindende Evolution mit der Folge der Verschmelzung der Systeme [8].
Das Roadmapping ist ein Instrument, um derartige Entwicklungen und
Konvergenzen zu prognostizieren und zu visualisieren. Anstelle der wenig
pragmatischen Altschullerschen Entwicklungsgesetze greift das Roadmapping
auf das unstrukturiert vorhandene Wissen von Experten zurück und versucht
deren Intuition und Kreativität anzuregen.
Die Generierung der Roadmaps
Das Roadmapping besteht aus der eigentlichen Roadmap als Mittel der
Visualisierung und dem Prozess der Roadmapgenerierung. Eine Roadmap
visualisiert einen zweidimensionalen Suchraum, der durch eine horizontale
Objekt-Achse und eine vertikale Zeit-Achse gebildet wird (siehe Abb. 2).
Ausgangspunkt der Roadmap ist ein spezifisches Handlungsfeld eines
Unternehmens. Die aktuellen Objekte dieses Handlungsfeldes, beispielsweise
Produkte, Dienstleistungen oder Technologien, werden als Ist-Zustand auf
die horizontale Objekt-Achse aufgetragen. Eine Roadmap sollte sich jedoch
nicht auf die aktuellen Objekte des jeweiligen Unternehmens beschränken.
Um die Konvergenztendenz von Innovationen zu berücksichtigen, ist es
wichtig, auch verwandte und konkurrierende Handlungsfelder zu integrieren.
Die Beschreibung dieses Suchraumes ist ein kreativer, mitunter intuitiv
geleiteter Prozess.
Die Skalierung der Zeitachse kann je nach Betrachtungszweck
unterschiedlich ausfallen. Für abstrakte Vorhersagen mit dem Ziel,
Entwicklungstendenzen aufzuzeigen, genügt eine Generationenbetrachtung
(heute - morgen - übermorgen). Für mittelfristige Vorhersagen mit dem
Ziel der frühzeitigen Weichenstellung bietet sich eine Stufeneinteilung
der Zeitachse an (1, 2-3, 3-6, 6-10 Jahre). Für relativ kurzfristige
Vorhersagen mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen abzuleiten, ist eine genaue
Skalierung beispielsweise in Jahren notwendig. Die Anforderungen an den
Detaillierungsgrad und die Vollständigkeit der Darstellung steigen mit
zunehmend kürzer werdendem Zeithorizont (siehe Abb. 3).
Ausgehend von den aktuellen Objekten werden neue Objekte und
Objektweiterentwicklungen entsprechend der erwarteten
Realisierungszeitpunkte in die Roadmap eingetragen. Die
Entwicklungsfolgebeziehungen werden durch Pfeile visualisiert.
Entwicklungsfolgebeziehungen können entsprechend der
Abhängigkeitsmerkmale in notwendige und vorteilhafte Folgebeziehungen
klassifiziert werden. Notwendige Entwicklungsfolgebeziehungen liegen vor,
wenn ein neues Objekt auf gleichen oder ähnlichen
Entwicklungserfordernissen basiert wie sein Vorgänger. Eine
Vorteilhaftigkeit setzt voraus, dass ein neues Objekt auf gleichen oder
ähnlichen Nutzungserfordernissen basiert wie sein Vorgänger. So mag das
»Pay-per-View«-Angebot eines Pay-TV-Senders technisch auf einem völlig
anderen Konzept basieren als ein »Video-on-Demand«-Angebot. Trotzdem ist
»Pay-per-View« ein vorteilhaftes Vorläuferprodukt zu »Video-on-Demand«,
da es ähnliche Organisationsstrukturen und insbesondere die
Verfügbarkeit eines ähnlichen Content-Angebotes voraussetzt (siehe Abb.
4).
Eine weitere Möglichkeit der Klassifikation der Objekte entlang des
Zeithorizonts bietet sich anhand der Analyse von Machbarkeitsbedingungen
[6]. Ausgehend von vorhandenen Objekten und aktuellen Objektentwicklungen
wird in Ideen, Visionen und Utopien unterschieden. Bei Vorliegen einer
Idee ist die Objektrealisierung an Bedingungen geknüpft, deren
Realisierung bereits in der Gegenwart machbar ist. Demgegenüber knüpft
sich bei Visionen die Objektrealisierung an Bedingungen, deren
Realisierung zwar absehbar, aber noch nicht sofort zu verwirklichen ist.
Die Objektrealisierung in der Klasse der Utopien ist dagegen zum aktuellen
Zeitpunkt völlig offen.
Die Komplexität der Zukunft
Bei der Vorhersage von zukünftigen Entwicklungen und der Aufstellung
von Roadmaps treten eine schwer erfassbare Menge von
Entwicklungsdimensionen auf, die bei der Analyse berücksichtigt werden
müssen. Die betrachteten Systeme teilen sich in einzelne Elemente,
interne und externe sich verändernde Einflussfaktoren beeinflussen die
Entwicklung, zwischen den Einflussfaktoren bestehen wiederum dynamische
Abhängigkeiten. Dieses bekannte Komplexitätsproblem führt zu einem
Dilemma: Sollen möglichst viele Entwicklungsdimensionen erfasst werden,
übersteigt dies die kognitiven menschlichen Fähigkeiten. Die Informatik
und Rechnertechnik ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage,
geeignete Software für diese Problemstellung zur Verfügung zu stellen.
Beschränkt man sich auf eine begrenzte Anzahl von
Entwicklungsdimensionen, tritt das Problem auf, dass die
Eintreffenswahrscheinlichkeit der ausgewählten Aussagen mit zunehmendem
Zeithorizont stark abnimmt, weil wichtige Faktoren nicht beachtet oder
»eindimensionale« Prognosen getroffen werden, in denen beispielsweise
die Weiterentwicklung einer Technologie prognostiziert, jedoch nicht
berücksichtigt wird, dass auch das Umfeld sich entwickelt und damit
vollkommen andere Randbedingungen herrschen.
Der in einer Roadmap dargestellte Suchraum ist schlecht strukturier- und
abgrenzbar. Die »richtige« Größe dieses Suchraumes ist nicht bekannt.
Im Gegensatz zu einer morphologischen Analyse, bei der durch die
systematische Kombination aller möglichen Ausprägungsalternativen der
Lösungsraum klar strukturiert und abgegrenzt ist, bezieht sich eine
Roadmap auf einen »Lösungsraum«, dessen bestimmende Faktoren nur vage
und unvollständig bekannt sind. Trotzdem oder gerade deshalb muss beim
Roadmapping der Versuch unternommen werden, diesen Suchraum mindestens
teilweise zu erfassen.
Einfaches Roadmapping
Zur Erstellung einer Roadmap ist ein Vorgehen in fünf Schritten
erforderlich. Zuerst müssen die heute realisierten Betrachtungsobjekte
ermittelt und damit das Handlungsfeld abgegrenzt werden. Danach erfolgt
die Bedarfsanalyse und -prognose sowie parallel dazu die Potenzialanalyse
und -prognose. In einem vierten Schritt schließt sich die Erstellung der
Roadmap an, der Prozess endet im fünften Schritt mit der
Vollständigkeits- und Konsistenzanalyse (siehe Abb. 5).
Ermittlung der
Betrachtungsobjekte
Zuerst werden die Objekte des Roadmappings definiert. Dazu muss zuerst
die Aufgabenstellung und das Ziel der Roadmaperstellung festgelegt werden.
Je nach Zielstellung wird der Zeithorizont bestimmt und die Anforderungen
an den Detaillierungsgrad der Roadmap festgelegt. Um das Handlungsfeld des
Roadmappings einzugrenzen und den »Suchraum« festzulegen, erfolgt eine
Umfeldbeobachtung und -analyse, wobei vorhandene Integrationstendenzen
identifiziert werden.
Bedarfs- und
Potenzialanalyse und -prognose
Für die Analyse und Prognose der Bedarfs- und Potenzialentwicklung ist
es zweckmäßig, eine Szenarioanalyse durchzuführen. Je nach
Detaillierungsgrad der gewünschten Roadmap kann hier unter Umständen auf
vereinfachte Szenarienerstellung zurückgegriffen werden. Insbesondere
gilt es, zuerst die relevanten bedarfs- und potenzialseitigen Merkmale zu
identifizieren und danach eine qualitativ möglichst hochwertige Prognose
der Ausprägungsentwicklung abzugeben.
Roadmapgenerierung
Die Generierung der Roadmap erfolgt unter Zuhilfenahme von
Expertenaussagen idealerweise in einem Expertenworkshop oder mehrstufigen
Einzelbefragungen in Anlehnung an die Delphi-Methode. Im Rahmen der
Expertenbefragung werden durch eine intuitive Synthese der vorher
entwickelten Bedarfs- und Potenzialentwicklungen plausible
Entwicklungspfade der Betrachtungsobjekte innerhalb des Suchraums
prognostiziert. Die Entwicklungsfolgebeziehungen werden ebenfalls aus der
Expertenbefragung gewonnen.
Vollständigkeits-
und Konsistenzanalyse
Im Anschluss an die Roadmapgenerierung erfolgt eine auf Plausibilität
gegründete, aber auch Intuition der Experten heranziehende
Vollständigkeits- und Konsistenzanalyse. Die Vollständigkeitsanalyse
untersucht die Fragestellung, ob alle Entwicklungspfade im Suchraum
berücksichtigt wurden, während die Konsistenzanalyse der Frage nachgeht,
ob alle Entwicklungspfade der Betrachtungsobjekte inhaltlich und in der
zeitlichen Zuordnung plausibel begründbar sind. Für diese Prüfung der
Qualität des Roadmappingprozesses existieren kaum methodische
Hilfsmittel; hier sind die Erfahrung und der »gesunde Menschenverstand«
des Analytikers gefragt.
Produkt-
und Technologieroadmapping im Unternehmen
Zur vollen Leistung gelangt das Produkt- und Technologieroadmapping,
wenn es in einem integrierten Prozess durchgeführt wird. Mit zwei
zunächst unabhängigen Roadmap-Analysen können einerseits der Marktsog
und andererseits der Technologiedruck untersucht werden. Mittels einer
Produkt-Technologie-Verknüpfung prüft man dann Produkt- und
Technologieroadmaps auf Vollständigkeit und Konsistenz. Anschließend
erfolgt die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für die
Strategische Planung.
Im Einzelnen werden zunächst der Analysebereich abgegrenzt und danach in
parallelem Vorgehen Produkt- und Technologieroadmaps aufgestellt. Der
Konsistenzprüfung folgt die technisch-wirtschaftliche Bewertung der
Ergebnisse. Die ersten Schritte einschließlich der Aufstellung der
Produkt- und Technologieroadmaps verlaufen ähnlich wie beim »einfachen
Roadmapping«. Anders ist dies bei der Vollständigkeits- und
Konsistenzanalyse. Während beim einfachen Roadmapping die
Vollständigkeits- und Konsistenzprüfung ohne methodische Hilfsmittel auf
der Kompetenz und Intuition des Analytikers beruht, können hier über
eine Produkt-Technologie-Verknüpfung genaue Aussagen über Inkonsistenzen
und Lücken zwischen Produktroadmap und Technologieroadmap getroffen
werden (siehe Abb. 6).
Die Produkt-Technologie-Verknüpfung liefert eine graphische Darstellung,
mit deren Hilfe veranschaulicht wird, welche Technologien in den Produkten
verwendet werden [4]. Der erste Analyseschritt erfordert die Aufspaltung
des Produktes in seine Funktionen. Diese funktionale Beschreibung des
Produkts dient dazu, die Aufgabe der Technologie im Produkt möglichst
genau bestimmen zu können. Im zweiten Schritt werden den Funktionen des
Produktes die darin enthaltenen Technologien zugeordnet. Hier kann
wiederum ein mehrstufiges Vorgehen sinnvoll sein, das den
Produktfunktionalitäten zuerst Technologieoberbegriffe zuordnet, die noch
differenziert werden [12]. Für jedes Produkt beziehungsweise für jede
geplante Produktentwicklung in der Produktroadmap wird eine
Produkt-Technologie-Verknüpfung erstellt. Die »benötigten«
Technologien werden den vorhandenen Technologien beziehungsweise geplanten
Technologieentwicklungen in der Technologieroadmap zugeordnet. Dadurch
lassen sich Lücken und Zeitinkonsistenzen in der Technologieentwicklung
feststellen. Im weiteren Vorgehen der Konsistenzprüfung werden
Technologien in der Technologieroadmap betrachtet, die keiner benötigten
Technologie aus der Produkt-Technologie-Verknüpfung zugeordnet werden
konnten. Hier lassen sich gegebenenfalls Lücken in der Produktroadmap
entdecken und weitere Produktentwicklungen anstoßen. Sollten nach
erfolgter Vollständigkeits- und Konsistenzprüfung Lücken oder
Inkonsistenzen nicht aufgelöst werden können, ist eine Überarbeitung
der Roadmaps durchzuführen. Erst wenn Technologie- und Produktroadmap
keine Inkonsistenzen mehr aufweisen, kann die Analyse abgeschlossen
werden. Die Ergebnisse der beiden Roadmaps dienen als Grundlage für die
Strategische Planung, etwa in der Produktentwicklung, in der
Zusammenstellung eines F&E-Programmes oder für die
Geschäftsfeldplanung.
Das integrierte Produkt- und Technologieroadmapping ist vor allem im
Rahmen eines kontinuierlichen Analyseprozesses sinnvoll einsetzbar.
Produkt- und Technologieroadmaps sollen in regelmäßigen zeitlichen
Abständen überprüft und fortgeschrieben werden. Der Analyseprozess ist
sinnvollerweise von einer Zentraleinheit im Unternehmen über alle
Anwendungs- und Technologiebereiche hinweg zu steuern und durchzuführen.
Zweckmäßig ist eine Anwendung vor allem für Unternehmen, die eine
eigene Technologieentwicklung betreiben und so Einfluss auf technische
Neuerungen nehmen können.
Vorteile einer Institutionalisierung des Produkt- und
Technologieroadmappings im Unternehmen sind unter anderem:
-
Möglichkeit der systematischen Vollständigkeits- und
Konsistenzprüfung (gegenüber intuitiver Prüfung bei einfachen
Verfahren)
-
Beitrag zur Integration von Produkt- und Technologieentwicklung
-
Ganzheitliche Analyse eines Unternehmens beziehungsweise
Unternehmensbereiches.
Demgegenüber stehen als Nachteile ein sehr hoher Analyseaufwand, der
einen hohen Zeitbedarf mit sich bringt.
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