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- Leseprobe -
Technologieplanung – Die Kunst, die richtigen
Technologien zur richtigen Zeit im Unternehmen einzusetzen
von Stefan Behrens, Dieter
Specht
Innovationen im Unternehmen werden oftmals ausgelöst oder
befördert durch den Bedarf an neuen Technologieanwendungen in Produkten
oder in den Produktionsprozessen. In einem Umfeld, das von dynamischer
Entwicklung geprägt ist, ist es notwendig, solche technologischen
Neuerungen möglichst frühzeitig und systematisch vorbereitet
einzuführen, um nicht von der Konkurrenz überflügelt zu werden. Ebenso
wie bei einer differenzierten Produktplanung, die sicherstellt, dass die
Zeitpunkte der Markteinführung von Produkten mit den unternehmensinternen
und -externen Rahmenbedingungen abgestimmt werden, ist eine
Technologieplanung erforderlich, die den Einsatz neuer Technologien plant
und steuert.
Stichworte:
Zielstellung und Aufgaben; Intuitiv
strukturierte Suchverfahren; Empirische
Analysen und Auswertungen; Induktiv
mathematische Verfahren; Kausalmodelle
und Systemmodelle; Einordnung
und kritische Würdigung der Verfahren; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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-
wie sich die Aufgabenvielfalt der
Technologieplanung in der Menge und Unterschiedlichkeit der
eingesetzten Methoden widerspiegelt,
-
wie die verschiedenen Methoden
gegliedert und in den Kontext ihres Aufgabenfeldes gestellt werden
können,
-
wie die für das jeweilige
Unternehmen geeignete Methode beziehungsweise der passende
Methodenmix ausgewählt und verfolgt werden kann.
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Zielstellung und Aufgaben
Die Technologieplanung ist ein Aufgabenbereich des
Technologiemanagements. Unter dem Begriff Technologiemanagement werden im
Allgemeinen folgende Teilgebiete zusammengefasst [8, 9, 15, 32, 35, 37,
38]:
-
Erfassung von technologischen Entwicklungen,
-
Messung des Stellenwerts von innovativen Technologien,
-
Aufbau und Entwicklung von Potenzialen zur Beschaffung und Umsetzung
neuer Technologien,
-
Auswahl von innovativen Technologiefeldern und Festlegung der Tiefe
und Breite der angestrebten Beherrschung dieser Felder,
-
Festlegung der Arten und Zeitpunkte der wirtschaftlichen Verwertung
von Technologien,
-
Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle der technologischen
Innovationsaktivitäten und der technologischen Realisierung von
Innovationsideen,
-
Schaffung von Arbeitsbedingungen, die der Identifikation und
Kreation innovativer Technologien zuträglich sind.
Innerhalb der Aufgabenbereiche des Technologiemanagements beschäftigt
sich die Technologieplanung mit der Ideengenerierung sowie mit der Analyse
und anschließenden Auswahl von Technologien. Die Technologieplanung
enthält innerhalb der Ideengenerierung intuitive und kreative Anteile,
die sich auf Erkenntnisse aus der Technologieerkennung und
-frühaufklärung stützen. Die Analyse und Auswahl von Technologien für
den Einsatz im Unternehmen oder für Fremdvergabe beispielsweise durch
Lizensierung oder Patentverkauf wird spezifiziert mit den Fragen der
Technologiebewertung, Technologieverwertung und des
Schutzrechtsmanagements. Die Vielfalt der Aufgaben der Technologieplanung
spiegelt sich in der Menge und Unterschiedlichkeit der eingesetzten
Methoden innerhalb der Technologieplanung wider. Expertengespräche,
Portfoliotechniken, Patentanalysen, Szenariotechnik und so weiter
unterscheiden sich nicht nur in der Vorgehensweise, sondern auch in der
Zielstellung und den erzielbaren Ergebnissen erheblich. Es scheint
demzufolge nützlich, die eingesetzten Methoden vor einer genaueren
Betrachtung inhaltlich zu gliedern und sie in den Kontext ihres
Aufgabengebietes zu stellen.
Eine solche Gliederung nimmt Gerybadze [16] mit der Unterteilung in vier
wesentliche Gruppen vor (siehe auch Abbildung 1):
-
Intuitiv strukturierte Suchverfahren,
-
empirische Analysen und Auswertungen,
-
induktiv mathematische Verfahren sowie
-
Kausalmodelle und Systemmodelle.

Abb. 1: Klassifikation der Methoden für die Technologieplanung
Die intuitiv strukturierten Suchverfahren beinhalten insbesondere
verschiedene Formen der Expertenbefragung in Einzelgesprächen und
Gruppenprozessen - mit dem Ziel, Prognosen über zukünftige Entwicklungen
abgeben zu können. Mit unterschiedlichen teilweise rekursiven
Vorgehensweisen wird versucht, mögliche Subjektivität der Befragten zu
minimieren und eine objektive Meinungsbildung zu erreichen.
Empirische Analysen und Auswertungen basieren auf vorhandenem
Datenmaterial: beispielsweise auf Veröffentlichungen, Normen, Patenten
und sonstigen Schutzrechten. Durch die Analyse und Bewertung vergangener
und gegenwärtiger Zustände und Entwicklungen soll die Zukunft erfassbar
gemacht werden.
Die dritte Gruppe beinhaltet induktiv mathematische Verfahren, mit deren
Hilfe und einer geeigneten Extrapolation Vergangenheit und Gegenwart
»fortgeschrieben« werden sollen, um so Erkenntnisse über die
zukünftige Entwicklung zu erhalten.
Die Kausalmodelle und Systemmodelle versuchen Wirkungsketten und
Zusammenhänge zu erfassen. Sie eignen sich vor allem für die
Begriffsbildung, die Schaffung von Denkstrukturen und die Errichtung eines
geistigen Rahmens, in dem sich Technologiemanager und Analytiker bewegen
können.
Intuitiv strukturierte
Verfahren
Expertengespräche
Experten sind Sachverständige auf ihrem Gebiet und sollten in
der Lage sein, Fachwissen objektiv ohne persönliche Wertung zu
vermitteln. Sie kennen den aktuellen Stand in Forschung und Entwicklung
und werden frühzeitig über neue Erkenntnisse und Entwicklungen
informiert. Um Expertenwissen in der Technologieplanung und
Technologiebewertung einsetzen zu können, muss ein Wissenstransfer von
Experten zum Analytiker stattfinden. Dieser Transfer wird in der Regel
durch eine Expertenbefragung eingeleitet. Prinzipiell können Befragungen
schriftlich oder mündlich durchgeführt werden [1].
Da es sich bei Expertenbefragungen im Bereich der Technologieplanung um
relativ komplexe Befragungen handelt, ist es nur bedingt sinnvoll, diese
schriftlich durchzuführen, da Befragter und Befrager dann keine
Gelegenheit zu Rückfragen oder ergänzenden Erläuterungen haben. Dies
wird bei komplexen Themenstellungen jedoch regelmäßig notwendig sein, so
dass es sich empfiehlt, die Befragungen vorwiegend mündlich
durchzuführen. Bei der mündlichen Durchführung bieten sich als
methodische Vorgehensweisen das Experten-Hearing, der Experten-Workshop
sowie das Experteninterview an [17].
Experten-Hearing
Ein externer oder interner Experte wird zu einem Vortrag über
den Stand der Entwicklung und die Perspektiven in seinem Fachgebiet
eingeladen. Im Anschluss an das einführende Referat können vertiefende
Fragen gestellt werden, Unklarheiten geklärt und spezielle Themenkomplexe
besonders diskutiert werden. Experten-Hearings sind einerseits geeignet,
um einen Überblick über das Technologiefeld, das analysiert werden soll,
zu gewinnen, andererseits können - abhängig von der Auswahl des Experten
- spezielle Fragen, die im Zuge einer vorhergehenden oder laufenden
Analyse aufgetreten sind, mit Hilfe des Experten geklärt werden. Da es
sich um eine Einzelbefragung handelt, spielt die richtige Auswahl des
Experten eine wesentliche Rolle. Wichtige Anforderungen außer der
ausgewiesenen Kompetenz des Experten sind insbesondere seine Objektivität
sowie die Fähigkeit, relevante Sachverhalte auch für Nicht-Experten
verständlich darzustellen.
Experten-Workshop
Zu einem Experten-Workshop werden acht bis zwölf Experten
eingeladen. In Form einer moderierten Diskussion werden der Stand der
Forschung und die Entwicklungstendenzen eines Technologiefeldes analysiert
und bewertet. Das Ergebnis der Diskussion kann anhand einer gemeinsamen
Zusammenfassung festgehalten werden. Falls in bestimmten Gebieten kein
Konsens erzielt werden kann, sollten abweichende Meinungen berücksichtigt
werden. Je nach Aufgabenstellung werden abschließende Bewertungen gegeben
und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Durch das Einbeziehen von mehreren
Experten soll verhindert werden, dass die Bewertung einseitig ausfällt
oder zu stark von Einzelmeinungen geprägt wird.
Experten-Interview
Bei dieser Form der Befragung werden mehrere Experten in
mündlichen Gesprächen befragt. Wird die gleiche Befragung sequenziell
mit mehreren Befragten durchgeführt, kann der Interviewer Erkenntnisse
aus den ersten Gesprächen für folgende verwenden und so sukzessive den
Befragungsgegenstand vertiefen. Die Gesprächsergebnisse werden vom
Interviewer festgehalten und zu einem Bericht zusammengefasst, der die
verdichteten Aussagen der Experten enthält und eine abschließende
Zusammenfassung und Bewertung gibt.
Das Interview kann entweder als freies Gespräch oder als strukturiertes
Interview geführt werden. Für die Expertenbefragung eignet sich am
besten das Leitfadeninterview, das eine Mischform aus narrativem und
vollständig strukturiertem Interview bildet [28]. Es wird ein Leitfaden
erarbeitet, der das Interview thematisch strukturiert und dem Interviewer
Fragen und Fragenreihe vorgibt. Der Interviewer ist jedoch nicht
gezwungen, diesem Leitfaden in allen Punkten zu folgen, sondern kann im
Gespräch Teile des Interviews weglassen, die Reihenfolge verändern,
zusätzliche Fragen integrieren oder einzelne Punkte vertiefend behandeln.
Der vorgegebene Leitfaden soll einerseits den Interviewer strukturierend
unterstützen und dafür sorgen, dass alle wesentlichen Fragestellungen
des Themengebietes angesprochen werden. Andererseits dient er bei mehreren
Interviews zum gleichen Thema dazu, die Interviews vergleichbar zu machen
und so die Auswertung zu erleichtern. Er soll aber so offen gehalten
werden, dass bei der Befragung nicht die Möglichkeit unterdrückt wird,
das vorhandene Expertenwissen voll auszuschöpfen. Diese Gefahr bestünde
bei einer schriftlichen Befragung oder einem zu streng aufgebauten
Interviewleitfaden, zum Beispiel mit geschlossenen Fragen, die nur
vorgegebene Antwortmöglichkeiten zulassen [22]. Allerdings stellt ein
Leitfadeninterview mit entsprechend offener Gestaltung hohe Ansprüche an
die Kompetenz des Interviewers, in dessen Geschick und Verantwortung es
liegt, von dem Experten die relevanten Informationen zu bekommen.
Delphi-Studien
Ein weiteres, allerdings sehr aufwendiges Verfahren der Prognose und
Bewertung durch Experten ist die Delphi-Studie. Innerhalb einer
Delphi-Studie, die in der Regel für die Durchführung eine Laufzeit von
einigen Monaten ein bis zwei Jahre benötigt, werden in mehrstufigen
schriftlichen Befragungen Experten zu technologischen Entwicklungen und
Realisierungszeitpunkten befragt. Nach jeder Befragungsrunde findet eine
Zwischenauswertung statt, die den teilnehmenden Experten mitgeteilt wird.
In der nächsten Runde überprüfen die Experten vor dem Hintergrund der
Gesamtauswertung ihre eigene Einschätzung und können ihre Prognosen
gegebenenfalls revidieren oder verfeinern. Dieses iterative Vorgehen wird
mehrmals wiederholt - mit dem Ziel, in wesentlichen Punkten Konsens
zwischen den Befragungsteilnehmern herzustellen. In der Praxis ist zu
beobachten, dass die angestrebte Konsensbildung stattfindet und die
Ergebnisse durch das wiederholte Feedback an Qualität gewinnen. Der hohe
Aufwand und die relativ lange Durchlaufdauer führen dazu, dass
Delphi-Studien insbesondere für Langzeitprognosen eingesetzt werden, die
von der öffentlichen Hand in Auftrag gegeben werden.
In Japan werden seit Beginn der 1970er Jahre regelmäßig Delphi-Umfragen
zur technologischen Entwicklung durchgeführt. Eine großangelegte
Delphi-Umfrage in Deutschland fand im Zeitraum von Dezember 1991 bis Mai
1993 statt [10]. Die vorhandenen Delphi-Studien versuchen meist, ein
breites Gebiet technologischer und naturwissenschaftlicher Entwicklungen
abzudecken und eignen sich kaum, die speziellen Fragen eines Unternehmens
innerhalb einer konkreten Technologieplanung zu beantworten. Aufgrund des
hohen zeitlichen Aufwandes wird die Durchführung einer Delphi-Studie im
Unternehmen kaum in Frage kommen. Die vorliegenden Studien eignen sich
aber als Datengrundlage und Ausgangsbasis für die Bewertungsarbeit. Zu
beachten ist jedoch, dass technologische Prognosen tendenziell zu
optimistisch ausfallen, da im Vorfeld die späteren
Implementierungshemmnisse und Widerstände im Markt regelmäßig
unterschätzt werden. Experten und Wissenschaftler haben vielfach eher
»prototypische Lösungen« als »marktreife Anwendungen« vor Augen.
Portfoliotechniken
Neben den bekannten Portfoliotechniken der Unternehmensberatungen
Boston Consulting Group [4] und McKinsey [25], die sich vor allem auf die
Produkt- und Geschäftsfeldplanung beziehen und technologische
Fragestellungen weitgehend außer Betracht lassen, wurden zwei
Portfoliomethoden speziell für die Technologieplanung entwickelt. Es sind
dies das Technologieportfolio von Pfeiffer, Metze, Schneider und Amler
[26], sowie das Innovationsportfolio von Specht und Michel [34], die im
Folgenden im Überblick dargestellt werden sollen.
Technologieportfolio
Das Technologieportfolio soll Hilfestellung bei strategischen
Entscheidungen über die Verwendung von Technologien in den
Geschäftsfeldern eines Unternehmens leisten. Durch die Positionierung der
eingesetzten beziehungsweise der zum Einsatz vorgesehenen Technologien in
den Feldern des Portfolios ist eine Bewertung der einzelnen Technologien
möglich. Auf der Abszisse wird mit der Ressourcenstärke des Unternehmens
in Bezug auf die jeweilige Technologie eine unternehmensinterne Größe
abgetragen, die Ordinate zeigt mit der Technologieattraktivität eine
unternehmensexterne, also nicht vom Unternehmen zu beeinflussende Größe.
Das Bewertungskriterium »Ressourcenstärke« setzt sich zusammen aus der
finanziellen Stärke des Unternehmens und dem für die betrachtete
Technologie vorhandenen »Know-how«. Das Kriterium
»Technologieattraktivität« teilt sich in eine technische Komponente,
die Technologie-Potenzial-Relevanz und eine marktorientierte Komponente,
die Technologie-Bedarfs-Relevanz, die Anwendungsumfang und -arten sowie
den Diffusionsverlauf der betrachteten Technologie enthält. Anhand dieser
Kriterien, die je nach Tiefe der Analyse und abhängig von der
Komplexität der Technologien in weitere Teilkriterien heruntergebrochen
werden können, werden alle betrachteten Technologien im Portfolio
positioniert.
Bei der Aufstellung des Technologieportfolios ist zu beachten, dass in
einem Unternehmen in der Regel eine Vielzahl von Technologien verwendet
wird. Eine komplette Analyse wird meist an Komplexität und Aufwand die
Möglichkeiten übersteigen. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Auswahl der
zu bewertenden Technologien die Kerntechnologien zu identifizieren, die
für den betrachteten Bereich relevant sind. Zu empfehlen ist eine
Trennung in Produkt- und Prozesstechnologien sowie eine Gliederung der
Technologien nach ihrer Funktion im Einsatz im Unternehmen. Dadurch
können Synergieeffekte, beispielsweise die Nutzung gleicher Technologien
in verschiedenen Produkten, erkannt und ausgebaut werden.
Das Portfolio gliedert sich in eine 3x3 Felder-Matrix (siehe Abbildung 2).
Für die neun Felder können Normstrategien vorgegeben werden. Die
Normstrategie für die drei Felder rechts oben lautet »investieren«; die
Technologien, die in der Diagonale von links oben nach rechts unten
eingeordnet werden, gilt es zu »selektieren«; für die Technologien, die
sich innerhalb der drei Felder links unten befinden, ist eine »Desinvestitionsstrategie«
anzuraten. Diese Normstrategien sind selbstverständlich nicht »sacrosanct«
und zu jeder Zeit gültig, sondern bedürfen der kritischen Reflexion des
Analytikers, müssen aufeinander abgestimmt werden und sind unter
Berücksichtigung des speziellen Einzelfalls im jeweiligen Geschäftsfeld
beziehungsweise im Kontext des Unternehmens anzuwenden.

Abb. 2: Technologieportofolio [26]
Innovationsportfolio
Anders als beim Technologieportfolio werden im Innovationsportfolio
nicht verschiedene Technologien mit dem Ziel miteinander verglichen, die
relative Vorteilhaftigkeit einzelner Technologien festzustellen.
Zielsetzung ist eine systematische Planung von Innovationen unter
Beachtung von Vorgaben aus der strategischen Geschäftsfeldplanung [23].
Im Portfolio werden auf der Abszisse die »relative Innovationsstärke«
des Unternehmens und auf der Ordinate die »Innovationsattraktivität«
aufgetragen. Die Innovationsattraktivität beinhaltet das Problemlösungs-
und Diffusionspotenzial. Im Problemlösungspotenzial finden sich die
originär technologischen Kriterien wie naturwissenschaftlich-technisches
Weiterentwicklungspotenzial sowie der zeitliche Aufwand und das
Entwicklungsrisiko bis zur Anwendungsreife. Das Diffusionspotenzial
beschreibt mit den Unterkriterien »Innovationsspezifische Akzeptanz« und
»Kosten/Nutzen-Verbesserung der Marktleistung« die marktliche Seite
einer Innovation.
Die Innovationsstärke beinhaltet die unternehmensinternen Faktoren,
nämlich das Implementierungs- und Differenzierungspotenzial einer
innovativen Technologie. Das Differenzierungspotenzial zielt auf die
Position des Unternehmens im Wettbewerb als Führer oder Folger und misst
die Fähigkeit des Unternehmens, aus einer technologischen Innovation
wettbewerbsstrategische Vorteile zu ziehen. Das Implementierungspotenzial
beschreibt die Möglichkeit, eine technologische Innovation in ein
Geschäftsfeld der Unternehmung zu integrieren und in bestehenden oder
neuen Produkten zu verarbeiten. Hier spielen auch in dem Unternehmen
vorhandene komplementäre Technologien eine Rolle, in deren Verbindung die
innovative Technologie eingesetzt werden kann.
Ebenso wie beim Technologieportfolio wird eine 3x3 Felder-Matrix
aufgestellt, in der die Technologien positioniert werden. Für jedes
Geschäftsfeld des Unternehmens wird ein geschäftsfeldspezifisches
Innovationsportfolio aufgestellt. In diesen Portfolios wird das
Innovationspotenzial der Technologien in Bezug auf eine bestimmte
Anwendung in einem Geschäftsfeld dargestellt. Nun erfolgt eine
Transformation der geschäfts-feldspezifischen Portfolios in
technologiespezifische Portfolios. Es wird für jede Technologie ein
Portfolio aufgestellt, in das die Ergebnisse für die jeweilige
Technologie aus dem Geschäftsfeldportfolio eingetragen werden. So erhält
man eine Darstellung des Innovationspotenzials einer Technologie für
verschiedene Anwendungen.
Die Methode der Innovationsportfolios will einen umfassenden und
ganzheitlichen Planungsansatz zum strategischen Technologiemanagement
liefern. Durch die Komplexität der Methode und der Menge und Genauigkeit
der benötigten Informationen bei der Portfolioerstellung stellen sich bei
der Anwendung allerdings Probleme in Implementierung und
Operationalisierung ein. Als grundlegendes formales Konzept liefert diese
Methode jedoch als erste einen konzeptionellen Rahmen für eine
Integration der Technologieplanung in die strategische
Geschäftsfeldplanung [12].
Technologiekalender
Aus dem Umfeld der Produktionsplanung entspringt die Planung mittels
eines Technologiekalenders [29]. Es soll anhand eines
unternehmensspezifischen Leitfadens, des Technologiekalenders, der auf der
Basis der Produktplanung generiert wird, die Anwendung innovativer
Produktionstechniken vorangetrieben werden. Das Vorgehen zur Erstellung
eines Technologiekalenders besteht aus einem Verfahren in vier Schritten:
-
Produktbeschreibung,
-
Verknüpfung,
-
Bewertung und
-
Darstellung.
Die Produktbeschreibung liefert die Ausgangsbasis für die Erstellung
des Technologiekalenders. Ausgehend von allen im Unternehmen vorhandenen
Produkten werden diejenigen Technologien identifiziert und näher
betrachtet, die für technologische Innovationen genutzt werden können.
Hier spielen sowohl unternehmensinterne Faktoren wie Produkt- und
Produktionsprogramm wie auch unternehmensexterne Größen und zukünftige
Marktentwicklung und Umfeldbedingungen eine Rolle. Die
Produktinformationen werden in dem zweiten Schritt der Verknüpfung mit
relevanten Informationen zu den Technologien verbunden. Als methodisches
Hilfsmittel kann hier die Produkt-Technologie-Verknüpfung [31] genutzt
werden, die auch beim Roadmapping Anwendung findet. Anders als beim
Roadmapping werden bei der Erstellung des Technologiekalenders jedoch alle
prinzipiell denkbaren Verknüpfungen zwischen Produkten und
Produktionstechnologien erfasst, um dann im dritten Schritt der Bewertung
aus der Fülle der Möglichkeiten eine sinnvolle Auswahl zu treffen.
Beispielsweise können abhängig vom Planungshorizont die Kombinationen
eliminiert werden, die beim gegenwärtigen Beherrschungsgrad der
Technologie noch nicht durchzuführen sind, sondern erst nach erfolgter
technologischer Weiterentwicklung in der Zukunft machbar werden. Der
letzte Schritt der Darstellung besteht in der Visualisierung im
Technologiekalender (siehe Abbildung 3).

Abb. 3: Der unternehmensspezifische Technologiekalender [29]
Im Kalender werden die Technologien mittels eines Balkenplanes über
einer Zeitachse aufgetragen. Die Auflösung der Zeitachse kann je nach
Detaillierungsgrad der Planung variieren, üblicherweise wird ein
unternehmensspezifischer Technologiekalender im Rahmen der strategischen
Planung aufgestellt, die einen Zeitraum von mehreren Jahren abdeckt. Die
Aussagen des Technologiekalenders können als Grundlage und
Eingangsgrößen für weitere strategische Planungen im Unternehmen
dienen, beispielsweise in der Investitions- und Finanzplanung sowie
innerhalb der Personalplanung.
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