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- Leseprobe -
Der steinige Weg zur erfolgreichen Innovation - Zehn Fehler, die man vermeiden sollte
von Heiko
Barske
Stichworte: Überbewertung der eigenen
Wünsche und Bedürfnisse, Unsystematisches Vorgehen,
Unzureichende Analyse des Wettbewerbs,
Ohne Vorentwicklung in Serie, Der kundenrelevante Vorsprung,
Absicherung durch Schutzrechte,
Absicherung des
Kommunikationsweges, Nichtnutzung
strategischer Allianzen, Produkt
oder Problemlösung, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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welche Fehler auf dem Weg zu einer erfolgreichen Innovation
am häufigsten gemacht werden und
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wie sie sich vermeiden lassen,
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wie durch moderne Kommunikationsmittel Innovationschancen
eröffnet werden.
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Wenn eine Innovation am Ende
doch nicht den Erfolg bringt, den man sich erhofft hat, muß es nicht unweigerlich daran
liegen, daß die Idee nicht gut oder die Zeit dafür nicht reif war. Vorteile bei der
Suche nach Fehlern hat der Unternehmer, der sich durch ein hohes Problembewußtsein
auszeichnet und Gefahren ausweichen kann, bevor sie zu Stolpersteinen werden. Im folgenden
Beitrag werden nicht nur die zehn häufigsten Fehler genannt, sondern auch klare Hinweise
gegeben, wie diese mit manchmal erstaunlich einfachen Mitteln vermieden
werden können.
Innovation, darunter soll im folgenden der marktwirksame Verkauf eines neuen Produktes
verstanden werden, sei es ein physischer Gegenstand oder eine Dienstleistung oder auch die
Kombination von beidem. Erfolgreich ist die Innovation dann, wenn sie ihrem oder ihren
Schöpfern und Investoren auch den wirtschaftlichen Erfolg bringt, das heißt, ausreichend
viele, zufriedene Kunden findet, die Preise bezahlen, aus denen die
Entwicklungsaufwendungen, die Investitionen und die laufenden Kosten derart finanziert
werden können, daß der erwartete Gewinn übrig bleibt.
Egal, ob nachfrageinduziert oder angebotsinduziert, von der innovativen Idee zum
wirtschaftlich erfolgreichen Produkt führt meist ein langer Weg, der gespickt ist mit
unterschiedlichsten Fußangeln. Diese Fußangeln können rasch zu Stolpersteinen werden,
die den Innovator dann nicht nur um die Früchte seiner Arbeit, sondern darüber hinaus in
finanzielle Schwierigkeiten bringen.
Im folgenden werden zehn der wichtigsten Fehler oder Stolpersteine beschrieben, die den
Erfolg einer Innovation gefährden.
Fehler 1: Überbewertung
der eigenen Wünsche und Bedürfnisse gegenüber denen der Kunden
Am Anfang vieler Innovationen steht eine kreative Idee und die Überzeugung, daß ein
neues Produkt oder die Verbesserung eines vorhandenen Produkts auf ein so großes
Kundeninteresse stößt, daß die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Markterfolg
gegeben sind. Es liegt in der menschlichen Natur, daß der Innovator dazu neigt, seine
eigenen Anschauungen zum Maßstab für die Einschätzung des Kundenverhaltens und des
Marktes zu machen (Abb. 1). Genau daraus leitet er die erheblichen Triebkräfte ab, die
nötig sind, um Innovationen gegen den Widerstand der Zögerer, der Ängstlichen oder der
Beharrlichen durchzusetzen. In Bereichen, in denen der Innovator in ähnlichen Umständen
lebt wie die Zielgruppe des späteren Produktes, kann diese subjektive Sicht der Dinge
tatsächlich eine gute Basis für die Markteinschätzung sein. Man denke an eine
Innovation, die ein Haushaltsgerät weiterentwickelt, wie es typischerweise in einem
Haushalt des Zuschnitts verwendet wird, in dem auch der Innovator lebt.
Abb. 1: Fehler 1 - Überbewertung der eigenen Wünsche und
Bedürfnisse
Bei Innovationen aber, die sich an Kunden wenden, die außerhalb der Zielgruppe des
Innovators stehen, ist die Auffassung, aus dem eigenen Verhalten könne auch auf das der
anderen geschlossen werden, gefährlich. Die individuellen Bedürfnisse, die
geschmacklichen Ausrichtungen, die Möglichkeiten und die Bereitschaft zum Geldausgeben
und die Auffassungen vom Gegenwert für das Geld sind unendlich vielfältig. Der von der
Richtigkeit seiner Idee überzeugte Innovator oder Entwickler macht nur allzu gerne eine
Kaufentscheidung zu einer eindimensionalen Entscheidung und nimmt beispielsweise an, der
Kunde müsse sein Produkt, das sparsamer als die Wettbewerbsprodukte ist, bei gleichem
oder sogar niedrigerem Preis vorziehen. Er übersieht dabei, daß beispielsweise im
Automobilbereich das Prestige von zwei Zylindern mehr oder auch deren Laufkultur bei der
Zielgruppe die Minderkosten durch den geringeren Verbrauch auch dann noch überwiegt, wenn
damit ein höherer Preis verbunden ist.
Je komplexer die Kaufentscheidung für die ins Auge gefaßte Innovation ist und je weiter
sich der durch die Innovation bewirkte Zusatznutzen von Bedürfnissen einer sehr breiten
Zielgruppe (Bequemlichkeit, Sicherheit und so weiter) entfernt, um so gründlicher sollten
Marktanalysen (über mögliche Zielgruppen, Bedürfnisse und die Bereitschaft, Geld
auszugeben) durchgeführt werden, die den Weg der Innovation begleiten. Nur durch eine
immer wieder erfolgende kritische Objektivierung kann vermieden werden, daß innovative
Produkte und Dienstleistungen mit viel Aufwand entwickelt werden, die zwar intelligente
Problemlösungen bieten, aber zu keinem Markterfolg werden, weil es entweder zu wenige
Kunden gibt, die das Problem haben oder bereit sind, für die Lösung des Problems das
erforderliche Geld auszugeben.
Der wirtschaftliche Erfolg einer billigen, bequem handhabbaren und noch dazu von der
Aufklärungskampagne über mögliche Augenschäden kostenlos beworbenen Brille zur
Beobachtung einer Sonnenfinsternis ist fast ohne Marktforschung aufgrund einfacher
Plausibilitätsüberlegungen vorhersagbar. Dahingegen erfordert die Vorhersage des
Marktpotentials einer Waschmaschine, die durch Einbau einer Waschgut- und
Verschmutzungssensiereinrichtung zwar weniger Wasser und weniger Energie verbraucht und
zudem innerhalb kürzerer Zeit wäscht, jedoch deutlich mehr kostet als bisherige
Produkte, eine gründlichere Marktanalyse.
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Fehler 1 vermeiden
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Schlüssel für den Markterfolg einer
Innovation ist der Kunde. Es ist daher ein gravierender Fehler, seine Wünsche,
Bedürfnisse, Wertungen und finanziellen Möglichkeiten nicht von Anfang an zu
berücksichtigen. Mangelnde Objektivierung des Kundenverhaltens gefährdet den Markterfolg
einer Innovation.
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Fehler 2: Unsystematisches Vorgehen
Innovative Ideen beflügeln häufig. Die Vision übt auf ihren Schöpfer und - bei
entsprechender Ausprägung des kreativen Ideengebers - auch auf dessen Umfeld eine
derartige Strahlkraft aus, daß nur noch die unmittelbaren Aktivitäten zur Realisierung
zählen. Dabei kann es leicht passieren, daß der zweite Schritt vor dem ersten gemacht
wird. Bei technologieorientierten Innovationen fasziniert der erreichte technologische
Fortschritt seine Väter oft derart, daß das Produkt fertig entwickelt und danach erst
festgestellt wird, daß es nicht genügend Kunden gibt, die das Produkt haben wollen.
Die Umsetzung jeder Innovation in ein marktwirksames Produkt stellt ein Projekt dar und
muß entsprechend systematisch abgearbeitet werden (Abb. 2). Wenn die Innovationsidee
ausreichend konkret formuliert ist, folgen aufeinander basierend die Phasen der
Informationsgewinnung, Zielsetzung, Planung und Durchführung.
Abb. 2: Fehler 2 - Unsystematisches Vorgehen
In der Informationsgewinnungsphase werden diejenigen Informationen eingeholt und
erarbeitet, die Voraussetzungen für eine quantifizierte und realistische Zielsetzung
sind. Dazu gehören unter anderem Informationen über
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vorhandene und mögliche andere Technologien,
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den Wettbewerb,
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die Schutzrechtssituation,
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die Zielgruppen,
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die Marktpotentiale,
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den erforderlichen Entwicklungs- und Investitionsaufwand und
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den Marktzugang beziehungsweise die Vertriebswege.
Erst wenn diese Informationen zur Verfügung stehen, kann ein realistisches Konzept
für einen Business Plan mit zeitlichen und finanziellen Zielen erarbeitet werden. Und
erst wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, wird die Umsetzung der innovativen Idee in
ein am Markt verkäufliches Produkt (oder eine verkäufliche Geschäftsidee) durchgeplant
und, wenn sich die Zielsetzungsdaten in der Planung bestätigen, ausgeführt.
Durch das phasenweise Vorgehen, bei dem die einzelnen Phasen sehr rasch aufeinander folgen
können, wird eine Risikominimierung erreicht. Denn Probleme werden frühestmöglich
erkannt und (mit Fortschritt des Projekts) zunehmend teure Arbeiten erst durchgeführt,
wenn sie durch entsprechende Vorüberlegungen abgesichert sind.
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Unterschätzung des Zeit- und Finanzbedarfs für die Entwicklung,
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fehlende Vertriebswege für die fertigen Produkte,
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die Entwicklung der Innovation mit einer Technologie, die bereits bei der
Markteinführung überholt ist,
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das sind typische Fehler, die durch systematisches Vorgehen vermieden werden können.
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Fehler 2 vermeiden
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Innovationen scheitern häufig daran,
daß in der Euphorie der kreativen Idee unsystematisch vorgegangen und der zweite Schritt
vor dem ersten gemacht wird. Gerade bei mit Risiken behafteten Investitionen ist es
wichtig, die Risiken durch systematisches Vorgehen zu minimieren und rechtzeitig
eine klare Zielsetzung, in die der Kunde eingebunden ist, als Meßlatte und Richtschnur
des weiteren Handelns zu erarbeiten.
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Fehler 3: Unzureichende Analyse des
Wettbewerbs
Die subjektive Überzeugung von der eigenen Kompetenz ist eine wichtige Voraussetzung
für den Mut zur Innovation. Ohne Selbstvertrauen ist das Betreten eines neuen Weges nicht
möglich. Gefährlich für den innovativen Wettbewerb wird diese Grundhaltung allerdings
dann, wenn sie blind macht, wenn sie die Augen vor den Aktivitäten, Kompetenzen und
Fähigkeiten der Wettbewerber verschließt (Abb. 3). Wichtige Fragen, die den Erfolg der
eigenen Innovation erheblich beeinflussen können, sind in diesem Zusammenhang:
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Was machen die Wettbewerber,
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wo liegen ihre Stärken und Schwächen,
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was haben sie für sich geschützt,
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welche Technologien befinden sich in starker, dynamischer Entwicklung
und gefährden oder überholen vorhandene Technologien,
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welche Zielgruppen kaufen die Produkte des Wettbewerbs,
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warum kaufen sie diese Produkte?
Die laufende und mit großem Aufwand betriebene Weiterentwicklung der
Vergasertechnologie beispielsweise wurde durch die Einspritztechnologie obsolet. Die
Schreibmaschine mit aufwendigen Korrektureinrichtungen für Schreibfehler wurde von
EDV-gestützten Schreibsystemen abgelöst. Die Verfeinerung mechanischer Steuerungen und
Regelungen konnte mit elektronisch gesteuerten nicht Schritt halten. Kein Kunde ist
bereit, die hohen Mehrkosten für die Verfeinerung weitgehend ausentwickelter Techniken zu
bezahlen, wenn neue Technologien bereits in ihrem frühen Entwicklungsstand größere
Vorteile bieten. Andererseits nützt auch die beste Technologie nichts, wenn ihr der
Marktzugang verwehrt ist. Eine Software, die nicht auf vorhandenen und breit eingeführten
Betriebssystemen oder Hardwarekomponenten läuft, hat kaum Marktchancen, auch wenn sie im
Detail noch so gut ist. Der Werbeaufwand für die Markteinführung eines neuen Produkts
kann völlig verpuffen, wenn zum gleichen Zeitpunkt der Marktführer auf dem gleichen
Gebiet eine Werbekampagne startet.
Abb. 3: Fehler 3 - Unzureichende Analyse des Wettbewerbs
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Fehler 3 vermeiden
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Die Überzeugung von der eigenen
Kompetenz ist notwendig für jede Innovation. Es wird jedoch ein Fehler begangen, wenn die
Konkurrenz unterschätzt und ihre Aktivitäten nicht analysiert werden. Sowohl der
kundenwerte Vorteil des innovativen Produkts als auch dessen Weg zum Kunden - zwei
notwendige Voraussetzungen für den Erfolg der Innovation - sind dann gefährdet.
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Fehler 4: Nachahmen des
Wettbewerbers statt ihn zu überholen
Es ist schwer, einen kundenwerten Vorteil und damit Kaufgrund erreichen zu wollen,
indem ein neues Produkt ein bereits bekanntes dadurch übertrifft, daß es mit an sich
gleichen, nur etwas fortentwickelten Mitteln einen Vorsprung erzielt. Ein
Korrosionsschutzsystem, das den gleichen Aufbau wie vorhandene Systeme, aber eine
größere Schichtdicke hat, wird nicht automatisch eher gekauft. Ein echter Kaufgrund ist
jedoch, wenn das Schutzsystem beispielsweise auf dem Einsatz verzinkter Bleche beruht, die
als langfristig korrosionssicher bekannt und dadurch glaubwürdig kommunizierbar sind.
Ein neues Autopoliermittel wurde dadurch zum Markterfolg, daß es den üblichen Weg des
Zusatzes von immer ausgefeilteren Schleifmitteln verließ und statt dessen Lösungsmittel
zusetzte, die auch alten Lacken durch oberflächliches Anlösen den Tiefenglanz von neuen
Lacken verleihen.
Ein neuer Industriereiniger wurde nicht alleine durch seine Zusammensetzung ein Erfolg,
sondern dadurch, daß er erst nach Analyse des Reinigungsproblems des jeweiligen
Industriekunden zielgenau formuliert wurde.
Den vorgenannten Beispielen ist gemeinsam, daß die Innovation nicht versuchte, Vorteile
gegenüber einem vorhandenen Produkt oder einem Wettbewerber durch Verfeinerung
vorhandener Technologien zu erreichen. Die Erfolge beruhen vielmehr darauf, daß neue Wege
beschritten wurden, die nicht nur zu deutlich meßbaren Fortschritten führten, sondern
die auch eine glaubwürdige und dadurch effiziente Kommunikation mit dem Kunden
ermöglichten.
Für kundenrelevante Differenzierung ist es vorteilhaft, vorhandene Bahnen zu verlassen
und neue Wege zu beschreiten. Nur so ist ein Überholen möglich (Abb. 4). Das Überholen
muß nicht notwendigerweise im Produkt selbst liegen. Es kann in einem ganzen Bündel von
Maßnahmen liegen, beispielsweise in Garantiebedingungen, neuen Wartungskonzepten, der
Rücknahme des Produkts nach dessen Lebensdauer oder zum Zweck des Kaufs eines neuen,
fortschrittlicheren Produkts, neuen Vertriebswegen und so weiter.
Das Streben nach Überholen, statt lediglich einzuholen, darf allerdings nicht dazu
führen, das »Andersmachen« zum Selbstzweck zu erheben. Der Vorreiter einer Idee oder
Technologie wird häufig vom Nachahmer überholt, wenn er das Neue schon einsetzt, bevor
es vollständig entwickelt oder der Markt dafür reif ist.
Abb. 4: Fehler 4 - Nachahmen des Wettbewerbers
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Fehler 4 vermeiden
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Innovationen, die bereits vom Ansatz her
versuchen, neue Wege zu beschreiten und Bekanntes zu überholen, anstatt es lediglich
einzuholen, können glaubhafter kommuniziert und dadurch eher zum Kaufgrund werden.
Technologien, die überholen, eröffnen häufig Wege zu Funktionsvorteilen, die durch
Weiterentwicklung vorhandener Technologien nicht oder nur mit höheren Kosten erzielt
werden können. Es ist daher ein Fehler, »Überholversuche« zu unterlassen und sich
lediglich mit dem Einholen zufrieden zu geben.
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Fehler 5: Ohne Vorentwicklung in die Serie
In Märkten mit konsumerfahrenen Kunden ist die Qualität der angebotenen Produkte und
Dienstleistungen unbedingte Erfolgsvoraussetzung. Qualität bedeutet nicht nur
einwandfreie Funktionserfüllung und ansprechendes, hohe Wertigkeit suggerierendes
Aussehen. Qualität bedeutet, daß die erwarteten Eigenschaften über lange Zeit erhalten
bleiben. Eine neue EG-Richtlinie verlangt Mängelfreiheit über mindestens zwei Jahre. Bei
Autos werden Korrosionsschutzgarantien bereits über zwölf Jahre gegeben.
Hohe Qualitätsanforderungen lassen sich nur dadurch sicherstellen, daß Bewährtes und
Erprobtes weiterentwickelt und Neues sorgfältig vorentwickelt wird, bevor es in die Serie
geht (Abb. 5). Eine in der Praxis immer wieder bestätigte Erfahrung besagt, daß
unzureichende Vorentwicklung oder mangelnder Kapazitätseinsatz in dieser Phase im
nachhinein gar nicht mehr oder nur mit sehr hohem Aufwand eingeholt werden kann. Wenn sich
Fehler beispielsweise erst kurz vor oder bei Serieneinsatz herausstellen, müssen sie
unter erheblichem Zeitdruck und mit teuren Änderungen bereits vorhandener Maschinen
abgestellt werden. Weiter ist für den Verkaufserfolg nichts so wichtig wie die
Mund-zu-Mund-Reklame zufriedener Kunden. Umgekehrt ist die Mund-zu-Mund-Reklame
unzufriedener Kunden auch durch noch so hohen Werbeeinsatz kaum auffangbar.
Die Gründe für mangelnde Vorentwicklung liegen häufig darin, daß die zuständigen
Stellen mit »Feuerwehraufgaben« zur Beseitigung von Serienproblemen beschäftigt sind.
Vorentwicklungskapazitäten werden aufgrund des vermeintlich noch nicht vorhandenen
Termindrucks ausgedünnt. Jeder Innovator oder Projektleiter ist daher gut beraten, wenn
er gerade in der Frühphase von Innovationsprojekten auf die Einhaltung geplanter
Entwicklungskapazitäten achtet. In dieser Phase fehlende Entwicklungsaufwendungen müssen
im allgemeinen in der Phase der Serienentwicklung oder gar der Seriennachbesserung
nachgeholt werden und kosten dann ein Vielfaches. Häufig werden in Innovationsprojekte
nicht abgesicherte Umfänge aufgenommen, deren Serieneinsatz auf einen späteren Zeitpunkt
verschoben werden kann, ohne daß das Marktpotential des innovativen Produktes leidet.
Eine Verschiebung der noch nicht abgesicherten Umfänge hat dann den Vorteil, daß im
Rahmen eines aktualisierten Marktauftritts des überarbeiteten Produkts neue
Verkaufsimpulse gesetzt werden können.
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Fehler 5 vermeiden
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Ein Mangel an Funktionsabsicherung in
der Vorentwicklung kann eine Innovation substantiell gefährden, da ihre Qualität zum
Serieneinsatz entweder gar nicht oder nur mit überproportionalem Aufwand sichergestellt
werden kann. Ein häufig begangener Fehler, noch nicht abgesicherte Umfänge mit in den
Serienumfang eines innovativen Produktes aufzunehmen, sollte unbedingt vermieden werden.
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Abb. 5: Fehler 5 - Ohne Vorentwicklung in die Serie
Fehler 6: Funktionale Weltmeisterschaft
oder kunden-relevanter Vorsprung
In unserer Medienwelt sind spektakuläre Berichte über weltmeisterliche Leistungen
zweifellos ein großer Handlungsanreiz. Der kleinste Motor, der bisher gebaut wurde, das
verbrauchsgünstigste Fahrzeug, die perfekteste Software, die (fast) alles kann, das Radio
mit der größten Eingangsempfindlichkeit, der Lautsprecher mit dem breitesten
Frequenzwiedergabeband, der Kugelschreiber, der auch unter Wasser schreibt, all das sind
weltmeisterliche Einzelleistungen, die häufig sehr große und aufwendige
Entwicklungsanstrengungen erfordern, um die letzten Prozente einer Technologie zu nutzen.
Die letzten Prozente an vermeintlichem Fortschritt sind häufig überproportional teuer,
so daß der Kunde nicht bereit ist, das dafür erforderliche Geld auszugeben (Abb. 6). Ein
Auto, das einen Verbrauch von lediglich drei Litern mit einem fortschrittlichen
Antriebsstrang und zusätzlichen Leichtbaumaßnahmen erkauft, die für den Kunden einen
Mehrpreis von mehreren tausend Mark bedeuten, hat zwar die Presse auf seiner Seite. Es
hätte jedoch wesentlich mehr Kunden, wenn es mit dem fortschrittlichen Antriebsstrang 3,5
Liter verbrauchen würde, dafür aber um mehrere tausend Mark billiger wäre.
Gerade der Entwicklungsingenieur neigt aus verständlichem Ehrgeiz dazu, mit seiner
Entwicklung in der jeweiligen Disziplin vor dem Wettbewerber zu sein. Er verliert dabei
nur allzu rasch den Kunden aus den Augen, dem diese letzten Prozente gar nicht so viel
wert sind. Der Kunde will im allgemeinen nicht ein weltmeisterliches Produkt, sondern ein
Produkt, das seinen Alltagserwartungen in optimaler Weise gerecht wird und dabei ein
angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Weltmeisterschaft in einer Einzeldisziplin
ist ein gutes Instrument zur Produktdifferenzierung und zum Absetzen des eigenen Produktes
vor denen der Konkurrenz. Dieser Vorteil muß kritisch an den damit verbundenen Nachteilen
gemessen werden: Mehrkosten, Funktionsnachteile auf anderen Gebieten (ein hinsichtlich
geringen Luftwiderstandes weltmeisterliches Auto hat häufig sehr schräg stehende
Scheiben, die gravierende Komforteinbußen mit sich bringen) und Verengung der Zielgruppe.
Abb. 6: Fehler 6 - Funktionale Weltmeisterschaft oder
kundenrelevanter Vorsprung
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Fehler 6 vermeiden
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Ein Fehler, der den wirtschaftlichen
Erfolg einer Innovation in Frage stellt, kann darin liegen, daß die letzten Prozente
einer Technologie ausgereizt werden. Das kann zwar unter Umständen eine positive
Berichterstattung in den Medien bewirken, muß aber nicht unweigerlich auch zur
Kaufentscheidungen nach entsprechender Mund-zu-Mund-Reklame führen.
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Fehler 7: Mangelnde Absicherung durch
Schutzrechte
Ein weiterer Fehler (ähnlich wie der, sich bei Beginn einer innovativen Entwicklung
nicht über den Stand der Technik und die Aktivitäten der Konkurrenz zu informieren,
siehe Fehler 3) liegt darin, die eigenen Entwicklungsergebnisse nicht durch Schutzrechte
abzusichern. Nichts zieht Wettbewerber so an wie ein erfolgreiches Produkt. Wenn der
Erfolg in einer Alleinstellung liegt, die einem technischen Schutzrecht wie einem Patent
oder einem Gebrauchsmuster zugänglich ist, oder einer ästhetischen Gestaltung, die
Gegenstand eines Geschmacksmusters sein kann, ist es töricht, sich diese, durch eigene
Kreativität und Aufwendungen erzielten Vorsprünge nicht durch entsprechende Schutzrechte
abzusichern (siehe auch Kapitel 13.01). Die Kosten für das Schutzrecht sind meist
gegenüber dem Aufwand, der für die Innovation getrieben wurde, und dem möglichen
Zusatznutzen des Schutzrechts vernachlässigbar. Die Kosten für die Aufrechterhaltung des
Schutzrechts schlagen erst mit zunehmender Laufzeit zu Buche, in der die wirtschaftliche
Bedeutung sicher beurteilt werden kann. Ein Merkmal der Technik und in gewisser Weise auch
der Ästhetik liegt darin, daß das Bessere der Feind des Guten ist, so daß der
Gegenstand eines Schutzrechts durch neue Schutzrechte laufend überholt wird. Bei
geschickter Entwicklungs- und/oder Marketingstrategie können die neuen Schutzrechte von
dem alten abhängig sein, so daß ein permanenter Schutz des innovativen Produktes gegeben
ist und Umgehungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Schutzrechte schützen nicht nur vor Nachahmern. Sie sind auch Basis für die Vergabe von
Lizenzen, die zum wirtschaftlichen Erfolg einer Innovation zusätzlich beitragen können.
In der vernetzten und globalisierten Welt, in der alle Informationen praktisch zeitgleich
überall zur Verfügung stehen, sollte dieser Aspekt nicht unterschätzt werden.
Abb. 7: Fehler 7 - Mangelnde Absicherung durch
Schutzrechte
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Fehler 7 vermeiden
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Wer nichts erfindet, verschwindet im
innovativen Wettbewerb. Wer nichts patentiert beziehungsweise keine Schutzrechte für sich
erwirbt, der verliert, weil er seinen Wettbewerbsvorsprung weder optimal absichert noch
für die möglichen finanziellen Früchte daraus sorgt. Eine Innovation nicht
schutzrechtlich abzusichern, ist auch unter strategischen Gesichtspunkten ein gravierender
Fehler.
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Fehler 8: Mangelnde
Absicherung des Kommunikationsweges zum Kunden
Das beste Produkt, sei es ein Gegenstand oder eine Dienstleistung, nützt nichts, wenn
der Kunde nichts davon weiß, oder es den Weg zum Kunden nicht findet. Jedes Produkt
braucht zunächst einen Namen. Der Name oder die Marke stellt bei entsprechendem Marketing
häufig einen Wert dar, der mit dem des Aufwandes für die Entwicklung und Investition
eines Produktes durchaus vergleichbar sein kann. Man denke an Markennamen, die langjährig
in Gebrauch sind, oder auch an junge Marken, die mit entsprechendem Werbeaufwand bekannt
gemacht werden und auf entsprechenden »Good Will« stoßen, weil der Kunde mit ihnen ein
bestimmtes Image verbindet (siehe auch Kapitel 10.02). Ein gravierender Fehler, der bei
Innovationen gerade von neu gegründeten Unternehmen immer wieder gemacht wird, ist der,
daß neue Produkte oder die gesamte Firma unter einem Namen auftreten, und man zwar in die
bedruckten Kommunikationsmittel investiert, es jedoch versäumt hat zu prüfen, ob dieser
Name oder diese Aufmachung überhaupt benutzt werden darf (Abb. 8). Die Betroffenheit, die
entsteht, wenn das junge, aufstrebende Unternehmen gerade in der Phase des sich
anbahnenden Markterfolgs das Schreiben eines Wettbewerbers erhält, in dem mehr oder
weniger höflich, aber meist nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht wird, daß der Name
oder die Marke bereits für den Wettbewerber eingetragen ist oder der Wettbewerber diesen
Firmennamen schon seit längerer Zeit nutzt, ist groß. Das gesamte, in den Aufbau des
»Good Wills« geflossene Geld muß dann häufig »in den Wind geschrieben werden«, da
mit einem neuen Namen oder einer neuen Marke noch einmal von vorn begonnen werden muß. Im
Zeitalter moderner Kommunikations- und Datentechnik ist dieser Fehler unverzeihbar, denn
mit dem Einsatz von wenigen hundert Mark kann vor der Benutzungsaufnahme recherchiert und
festgestellt werden, ob eine Marke nicht bereits eingetragen ist oder von einer anderen
Firma benutzt wird. Ein ebenso großer Fehler ist es, die Marke, deren Verwendbarkeit
geprüft ist, dann nicht für das eigene Unternehmen zu schützen. Denn andere Unternehmen
von der Benutzung nicht eingetragener, aber selbst benutzter Marken abzuhalten, ist nur in
seltenen Fällen möglich.

Abb. 8: Fehler 8 - Mangelnde Absicherung des
Kommunikationsweges zum Kunden
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Fehler 8 vermeiden
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Ein wichtiger Mosaikstein für den
Markterfolg einer Innovation ist ihre Kommunikation. Ein schwerwiegender Fehler, der
leicht und ohne großen Kostenaufwand vermeidbar ist, dessen Folgen jedoch gravierend
sind, liegt darin, für das innovative Produkt oder das eigene Unternehmen einen Namen zu
verwenden, der bereits für andere geschützt ist, oder den erfundenen Namen nicht
umgehend schützen zu lassen.
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Fehler 9: Die Nichtnutzung
strategischer Allianzen
Die moderne Datentechnik hat zu einer globalen Vernetzung geführt. Wissen ist
praktisch überall auf der Stelle abrufbar, und die arbeitsteilige Produktion ist dadurch
maßgeblich beeinflußt worden. Die Fertigungstiefe hat im allgemeinen abgenommen, da
Spezialisten, die über hervorragendes Fachwissen und ausgefeilte Produktionsanlagen
verfügen, Teilumfänge von Produkten kostengünstig herstellen. Ähnliches gilt für die
Entwicklungstiefe: Reine Entwicklungsfirmen, Ingenieurgesellschaften, Hochschulinstitute,
aber auch Firmen an der Schnittstelle zwischen Forschung/Entwicklung und Produktion (wie
beispielsweise die Fraunhofer Gesellschaft) sind in der Lage, Entwicklungs- und
Produktionsdienstleistungen zu erbringen, die auch mittelständische Firmen in die Lage
versetzen, High-Tech-Produkte zu entwickeln und anzubieten.
Wer glaubt, alles selbst machen zu müssen oder zu können, begeht in dieser
arbeitsteiligen Gesellschaft häufig einen gravierenden Fehler. Er ist am Markt gegenüber
einem Wettbewerber, der kostengünstig zukauft, nicht wettbewerbsfähig.
Strategische Definition der eigenen Stärken und Kompetenzen, Konzentration darauf und
Kooperation mit anderen sind wichtige Erfolgsfaktoren. Im Innovationswettbewerb an der
Spitze steht der, der dort kostengünstig zukauft, wo er nicht seine
Alleinstellungsmerkmale gegenüber dem Kunden sieht, und dort selbst entwickelt,
produziert oder sich bei Dritten entsprechende Exklusivitäten sichert, wo er seine
Alleinstellungen sieht (Abb. 9). Strategischen Allianzen sind alle Gebiete zugänglich:
Entwicklung, Produktion, Personalwesen und Vertrieb.

Abb. 9: Fehler 9 - Die Nichtnutzung strategischer
Allianzen
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Fehler 9 vermeiden
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In der modernen, global vernetzten
Wirtschaft ist es ein Fehler, alles selbst zu machen, was für das innovative Produkt
erforderlich ist. Wer sich nicht auf seine eigenen Stärken konzentriert und keine
strategischen Allianzen nutzt für Bereiche, die außerhalb der Kernkompetenzen liegen,
bleibt im innovativen Wettbewerb auf der Strecke.
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