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- Leseprobe -
Produkt- und Produktionstechnologie-Roadmaps für das strategische
Technologiemanagement
von Thomas Abele, Jochen
Freese und Thorsten Laube
Die langfristige Wettbewerbsposition eines Unternehmens
hängt von dem Aufbau einer erfolgreichen Produkt- und Marktposition ab.
Diese wiederum wird durch das zu realisierende Potenzial an verfügbaren
technologischen Kompetenzen bestimmt. Im Rahmen des strategischen
Technologiemangements gilt es, den Verantwortlichen hierfür effektive
Methoden und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe von
Technologie-Roadmaps lassen sich systematisch notwendige Technologien für
zukünftige Produkte vorbereiten. Einerseits identifizieren die Roadmaps
technologiebezogene Projekte im Aufgabenbereich der Produktentwicklung und
der Produktion, andererseits visualisieren sie komplexe Vernetzungen
zwischen diesen Projekten.
Stichworte: Strategisches
Technologiemanagement; Vorgehensweise bei der Einführung; Das Fraunhofer
IPA; Beispiel: Einführung der Technologie-Roadmap bei Carl Zeiss;
Technologiemanagemnt in Kooperationen; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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wie eine dynamische Produkt- und
Produktionstechnologie-Roadmap das strategische
Technologiemanagement unterstützt,
-
wie die langfristige Technologieplanung gezielt
in Meilensteine, Ziele und Aktivitäten überführt werden kann
und
-
wie Sie Technologie-Roadmaps in Ihrem
Unternehmen einführen können.
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Anforderungen an das strategische Technologiemanagement
Strategisches Technologiemanagement befasst sich
schwerpunktmäßig mit der Schaffung, Steuerung und Weiterentwicklung von
technologischen Erfolgspositionen beziehungsweise -strategien der
Unternehmen [1]. Eine derartige technologische Erfolgsoption könnte zum
Beispiel die Brennstoffzelle werden (siehe Inset Seite 3). Die
Brennstoffzelle basiert auf dem intelligenten Zusammenspiel verschiedener
Technologien und Kompetenzen. Wie lässt sich aber die Entwicklung dieser
Technologien und Kompetenzen koordinieren? Wie bekommt man eine
Projektsicht in die Planung der notwendigen Technologien? Und wie lassen
sich die Projekte steuern und kontrollieren?
Aus diesen Fragestellungen heraus resultieren Anforderungen an das
Technologiemanagement und den Technologiemanager. Dieser muss unter
anderem Antworten auf folgende Fragen finden:
-
Was will der Kunde? Mit welchen Technologien lassen
sich die Anforderungen des Marktes befriedigen?
-
Welche Technologien gibt es überhaupt in einem
bestimmten Gebiet und in welcher Phase des Technologie-Lebenszyklus
[8] befinden sich diese?
-
Inwiefern stellen diese Technologien Optionen für
neue Produkte beziehungsweise Varianten bestehender Produkte und
Produktionsverfahren dar?
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Wie lassen sich aus Unternehmensstrategien
technologiebezogene Projekte ableiten?
-
Welche technologiebezogenen Projekte laufen in den
verschiedenen Unternehmensbereichen und wie sind diese miteinander
vernetzt?
-
Wer ist verantwortlich für die Projekte und wer
beteiligt? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?
In Zukunft werden die Anforderungen an das strategische
Technologiemanagement weiter steigen. Die wachsende Verbreitung der
Aufgabe des Chief Technology Officers (CTO) spiegelt den Trend wider, das
Technologiemanagement als eine in das Unternehmensmangement integrierte
Aufgabe von besonderer Wichtigkeit anzusehen [9].
Eine systematische Bearbeitung der Anforderungen an das strategische
Technologiemanagement ist mit Hilfe von Technologie-Roadmaps möglich.
Durch den zielgerichteten Aufbau zukünftiger technologischer
Kernkompetenzen lassen sich Wettbewerbsvorteile als Basis für den
erfolgreichen Marktauftritt eines Unternehmens entwickeln. Die Sensorik,
eine der Schlüsseltechnologien für das 21. Jahrhundert, kann zum
Beispiel solch eine technologische Kernkompetenz sein [10]. Primäre
Zielsetzung von Technologie-Roadmaps ist die Identifizierung und
Darstellung technologiebezogener Projekte, die für die Entwicklung
zukünftiger technologischer Kernkompetenzen notwendig sind - produkt- und
produktionsseitig. Auf die Frage, ob Technologie-Roadmaps auch Prognosen
über die Zukunft zulassen, wird im Verlauf dieses Beitrags noch
eingegangen.
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Beispiel: Brennstoffzelle
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Bereits im 19. Jahrhundert erkannte man, dass durch
so genanntes kaltes Verbrennen von Brennstoffen in einer
elektrochemischen Zelle elektrische Energie mit einem Wirkungsgrad
von bis zu 70 Prozent erzeugt werden kann. Mit einer
Wärmekraftmaschine, zum Beispiel mit einem Gasmotor für die
dezentrale Wärme-Kraft-Kopplung, erzielt man nur einen Wirkungsgrad
von etwa 30 Prozent. Mehrere Unternehmen betreiben zur Zeit
intensive Forschung an der Brennstoffzelle, unter anderem
DaimlerChrysler, Carl Freudenberg KG und Kolbenschmidt-Pierburg AG.
Will ein Unternehmen diese Technologie beherrschen, so benötigt es
mehrere Kernkompetenzen. Diese sind zum Beispiel
Oberflächentechnik, Mess- und Regelungstechnik,
Polymermembrantechnik, Strömungstechnik, Keramik, Elektronik und
Systemintegration. Für die Entwicklung der Brennstoffzelle müssen
diese unterschiedlichen Technologien und technologiebezogenen
Kompetenzen beherrscht und koordiniert werden.
Abb. 1: Brennstoffzelle |
Mängel bestehender Ansätze
Technologie-Roadmapping als ein Instrument der
Zukunftsprognose innerhalb der strategischen Technologieplanung zu
gebrauchen, ist heute populär. Dabei verfolgen die Anwender des
Technologie-Roadmappings das Ziel, die Migrationspfade eines Unternehmens
aufzuzeigen, um eine Vision zu erreichen. Auf verschiedenen Ebenen, auch
Layer genannt, werden Produkte mit Technologien verknüpft und über der
Zeit aufgetragen. Diese zeitbasierten generischen Technologie-Roadmaps
folgen dem von der European Industrial Research Management Association [2]
vorgeschlagenen Format (s. Abb. 2). Problematisch ist jedoch die statische
Visualisierung von Einführungszeitpunkten. Wie sich daraus Maßnahmen
ableiten lassen, bleibt offen.
Technologien lassen sich differenzieren in Produkttechnologien (das ist
die technologische Umsetzung der von Kunden geforderten Funktionen eines
Produkts) und in Produktionstechnologien, also Technologien, die zur
Herstellung eines Produktes notwendig sind. In den meisten aktuellen
Ansätzen wird allerdings nicht zwischen Produkt- und
Produktionstechnologien unterschieden. Ein Produktionsleiter muss aber
häufig feststellen, dass von der Produktentwicklung geplante Verfahren
und Technologien in der Praxis nicht wie geplant umzusetzen sind. Auf der
anderen Seite weiß ein Entwickler oft gar nicht um die Möglichkeiten
seines Unternehmens, ein Produkt zu fertigen. In einem der ersten
Workshops bei der Einführung der Technologie-Roadmap in ein
mittelständisches Unternehmen aus der Elektronikbranche sagte ein
Mitarbeiter der Entwicklung folgenden symptomatischen Satz: »Die Leute
aus der Produktion werden sich noch wundern, was in Zukunft alles auf sie
zukommt.« Selbst wenn die Entwicklungsabteilung am selben Standort
angesiedelt ist wie die Produktion der Produkte, kann gerade die offene
Kommunikation untereinander überlebenswichtig für das Unternehmen sein.
Die frühzeitige Kommunikation zwischen der Produktentwicklung und der
Produktion ist dringend notwendig, will ein Unternehmen seine Produkte
schnell und wie geplant auf den Markt bringen.
Abb. 2: Das generische Roadmap-Format nach EIRMA
[6]
Ein weiterer Mangel am bisherigen Verständnis von
Technologie-Roadmaps besteht in der statischen Visualisierung. Der
Vorschlag, das Technologie-Roadmapping als Prozess zu verstehen, der sich
in Unternehmen jährlich wiederholen soll, ist sicherlich richtig. Aber
was geschieht innerhalb dieses Jahres, während man auf die rollierende
Aktualisierung wartet? Mit Hilfe einer dynamischen Visualisierung und
Software-Unterstützung für die kontinuierliche Anwendung erreicht die
Technologie-Roadmap erst ihre volle Leistungsfähigkeit als
Managementwerkzeug. Ein entsprechendes Tool befindet sich zur Zeit in der
Entwicklung.
Neuer Ansatz für Technologie-Roadmaps zur
Unterstützung des strategischen Technologiemanagements
Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und
Automatisierung (IPA), Stuttgart, (siehe Inset Seite 6) wurde deshalb ein
neuer Ansatz für Technologie-Roadmaps zur Unterstützung des
strategischen Technologiemanagements entwickelt. Hierbei verfolgte das IPA
bei der Entwicklung der dynamischen Produkt- und
Produktionstechnologie-Roadmap drei wesentliche Ziele:
-
Unterstützung des Managements nicht nur bei der
Technologieplanung, sondern zusätzlich bei der Umsetzung und
Kontrolle, also dem Management im klassischen Sinne
-
Dynamische Visualisierung: Die Inhalte der Roadmap
sollen so visualisiert werden, dass nicht nur Inhalte aktualisiert,
sondern auch die Auswirkungen von Veränderungen aufgezeigt und
verwaltet werden können sowie notwendige Abstimmungen initiiert
werden
-
Berücksichtigung von Produkt- und
Produktionstechnologien in einer Roadmap und Unterstützung der
Kommunikation zwischen den Bereichen F&E und Produktion.
Das Technologie-Roadmapping knüpft an die Metapher einer
Straßenkarte an [7]. In gewisser Weise findet man in einer
Technologie-Roadmap also die Wege aufgezeichnet, die man beschreiten kann,
um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Die primäre Zielsetzung von Technologie-Roadmaps ist die Identifizierung
und Darstellung technologiebezogener Projekte, die für die Entwicklung
aller produkt- und produktionsseitig für zukünftige Produkte notwendigen
technologischen Kompetenzen erforderlich sind. Zudem können auch die für
die Technologieentwicklung notwendigen organisatorischen Ziele und
Aktivitäten abgebildet werden.
Betrachtet wird in diesem Zusammenhang ein Zeithorizont von zwei bis sechs
Jahren. Es handelt sich bei einer Technologie-Roadmap also nicht um eine
kurzfristige Projektplanung, sondern um die Betrachtung und Abschätzung
zukünftiger Anforderungen, maßgeblich auf technologischer Ebene.
Technologie-Roadmaps fokussieren auf Ziele und Aktivitäten mit
technologischem Bezug sowie der Verknüpfung der Aktivitäten. Zukünftige
technologische Entwicklungstendenzen werden gleichermaßen berücksichtigt
wie zukünftige Kundenforderungen. Technologie-Roadmaps zeichnen sich
demnach durch einen besonderen Marktbezug aus.
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Fraunhofer Institut für
Produktionstechnik und Automatisierung - IPA
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Die Forschungsschwerpunkte des Fraunhofer IPA liegen
auf den Gebieten Unternehmensmanagement, Unternehmenslogistik,
Automatisierungssysteme, Produktionsautomatisierung und
Produktionstechniken.
Das Fraunhofer IPA erzielt jährlich mit über 200 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern einen Betriebshaushalt von zirka 32 Millionen Euro
und ist damit eines der größten Institute der
Fraunhofer-Gesellschaft. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die
führende Trägerorganisation für Einrichtungen der angewandten
Forschung in Deutschland mit einem jährlich erwirtschafteten
Forschungsvolumen von annähernd einer Milliarde Euro. |
Technologie-Roadmaps lassen sich wie folgt
charakterisieren:
-
Technologie-Roadmaps werden eingesetzt, um
Technologien für zukünftige Produkte vorzubereiten.
-
Sie stellen zukünftige Anforderungen, definierte
Ziele und daraus resultierende Aktivitäten leicht verständlich dar.
-
Technologie-Roadmaps visualisieren Maßnahmen und
Aktivitäten, die für die Entwicklung aller technologischen
Kompetenzen (produkt- und produktionsseitig) in Zusammenhang mit
zukünftigen Produkten notwendig sind.
-
Es handelt sich um ein Werkzeug sowohl zur
»Strategievorbereitung« als auch zur »Strategieumsetzung«.
-
Der Fokus von Technologie-Roadmaps richtet sich auf
einen Zeitraum von zwei bis sechs Jahren.
Prinzipiell besteht eine Technologie-Roadmap aus vier
Ebenen, die grafisch visualisiert dargestellt werden (siehe Abb. 3). Die
erste Ebene »Strategie und Produkte« betrachtet strategische Ziele und
Aktivitäten. Auch die Produktfolgeplanung der kommenden sechs Jahre wird
als grundlegendes Element an dieser Stelle in die Technologie-Roadmap
aufgenommen.
Abb. 3: Die vier Ebenen der Technologie-Roadmap
Die in der ersten Ebene dargestellten Ziele und
Aktivitäten werden auf den Ebenen »Produktentwicklung«,
Produktionsentwicklung« und »Organisation« detailliert. Neben den
Zielen und Aktivitäten enthält eine Technologie-Roadmap unter anderem
Informationen über den Zeitraum und die Verantwortlichen der Aktivität,
Verknüpfungen zwischen verschiedenen Aktivitäten und Meilensteine. Durch
die Darstellung der vier Ebenen in einem Schaubild lassen sich die
Beziehungen zwischen den Projekten visualisieren.
Der wesentliche Nutzen von Technologie-Roadmaps besteht in
-
der Planung der zukünftigen Produkt- und
Produktionstechnologien,
-
der Unterstützung der internen Kommunikation zwischen
Produktentwicklung und Produktion,
-
der transparenten Steuerung des Ressourceneinsatzes,
-
dem Erkennen von Abhängigkeiten zwischen Projekten
und Nutzung der damit verbundenen Synergieeffekte,
-
dem Einbringen einer Prozess- und Projektsicht in die
Technologieplanung,
-
der erhöhten Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen
des Marktes.
Vorgehensweise bei der Einführung
Die Einführung der Technologie-Roadmap in ein Unternehmen
ist oft ein schwieriges Vorhaben. Es gibt jedoch einige Punkte, die dieses
Vorhaben erleichtern [6]:
-
Fangen Sie in einem wichtigen Unternehmensbereich an,
dann können Sie sich der Unterstützung durch das Management sicher
sein.
-
Technologie-Roadmaps eignen sich für turbulente
Technologiefelder - beginnen Sie jedoch in einem wenig dynamischen
Bereich. Hier ist es leichter, einzelne Trends zu erkennen und zu
verstehen.
-
Eine interne oder externe Bedrohung wirkt sich positiv
auf die Zusammenarbeit innerhalb des Projektteams aus - machen Sie den
Nutzen einer besseren Kommunikation zwischen den Bereichen deutlich.
Für die erstmalige Erstellung einer Technologie-Roadmap
hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
-
Bildung eines Kernteams und Auswahl eines
prototypischen Geschäftsbereichs
-
Zusammenstellung des Projektteams
-
Eingrenzung des Themengebietes, der wesentlichen
Technologien oder des Produktspektrums
-
Erstellung und Verteilung von Informationen für die
Mitarbeiter
-
Erhebung von Information (Management, interne und
externe Experten)
-
Ableitung von Technologie-Strategien
-
Market-pull
-
Technology-push
-
Workshop: Strategie und Produkte
-
Workshops: Produkt- und Produktion
-
Reviews, jeweils nach den Workshops
-
Visualisierung der erarbeiteten Inhalte
-
Unternehmensweites Roll-out der Technologie-Roadmap
-
Kontinuierliche Anwendung
-
Zyklische Überarbeitung
Bildung eines Kernteams und Auswahl eines
prototypischen Geschäftsbereichs
Verantwortlich für die Durchführung des
Technologie-Roadmap-Projekts zeichnet sich das Kernteam. Es setzt sich aus
zwei bis vier Personen zusammen, die Erfahrungen mit den fokussierten
Produkten haben, also aus dem Unternehmen kommen. Für die gute Moderation
der Workshops bietet es sich an, Personen mit neutraler Haltung
hinzuzuziehen, zum Beispiel externe Berater. Wegen ihres
fachübergreifenden Know-hows, ihrer guten Methodenkenntnis und den
Erfahrungen im Projektmanagement tragen sie zu erfolgreichen Workshops
bei.
Die erstmalige Erstellung der Technologie-Roadmap sollte in einem
Geschäftsbereich erfolgen, der offen im Umgang mit Neuem ist. Auch
empfiehlt es sich, nicht gleich zu versuchen, den gesamten
Geschäftsbereich mit der Technologie-Roadmap abzubilden. Vielmehr sollte
man sich fragen: »Wo werden wir die Technologie-Roadmap erfolgreich und
mit geringen Widerständen erstmalig einführen können?« Dies hilft, den
erfahrungsgemäß auftretenden Akzeptanzproblemen bei der Einführung
einer neuen Methodik in ein Unternehmen zu begegnen.
Zusammenstellung des Projektteams
Die Technologie-Roadmap wird in einem interdisziplinären
Team, dem so genannten Projektteam, gemeinsam erarbeitet. Dieses Team
setzt sich überwiegend aus Mitarbeitern der Produktentwicklung und der
Produktion zusammen. Je nach Unternehmen macht es Sinn, noch Mitarbeiter
aus dem Marketing, dem Vertrieb oder aus anderen Bereichen in das Team zu
integrieren.
Vorabinformationen
Neben dem richtigen Fokus ist auch die richtige
Vorbereitung wichtig. Alle direkt und indirekt betroffenen Mitarbeiter
sollten vorab Informationen über die Methodik, die Vorgehensweise und
über die Verwendung der zu erarbeitenden Inhalte der Technologie-Roadmap
erhalten. Dies kann zum Beispiel durch eine Informationsbroschüre
geschehen, die vorab an die Mitarbeiter verteilt wird.
Informationssammlung
Als weitere Vorbereitung für die folgenden Workshops
werden ausführliche Interviews mit den Verantwortlichen aus dem
Geschäftsfeld, der Produktentwicklung, der Produktion und dem Marketing
beziehungsweise dem Vertrieb geführt. Externe Experten können einen
weiteren Beitrag für effektive Workshops liefern, da sie über hohe
Fachkompetenz verfügen und nicht mit den Problemen des Tagesgeschäftes
belastet sind. Zu beachten ist, dass auch gut aufbereitete Unterlagen die
Vorabgespräche nicht ersetzen können.
Ableitung von Technologie-Strategien
Ausgangsbasis für die Erstellung einer
Technologie-Roadmap ist eine Unternehmensstrategie mit integrierten
technologiebezogenen Aspekten. Unternehmen haben verschiedene
Möglichkeiten, eine Strategie zu entwickeln. Man kann in dem Vorgehen
unterscheiden zwischen »market pull«- und »technology push«-Strategien.
Die »market pull«-Strategie wird ein Unternehmen entwickeln, wenn es
zukünftige Kundenanforderungen analysiert und daraus neue Produkte mit
neuen Technologien ableitet. Hierbei kann die Szenariotechnik wirksam
unterstützen.
Wenn dagegen die Entwicklung von Technologien beobachtet und die
Möglichkeiten für neue Produkte daraus abgeleitet werden, handelt es
sich um eine »technology push«-Strategie. Eine unterstützende Methode
ist in diesem Fall die Technologiefrüherkennung. Beide Methoden,
Szenariotechnik und Technologiefrüherkennung, werden im Folgenden kurz
vorgestellt.
Die anfangs gestellte Frage, ob sich Technologie-Roadmaps für die
Zukunftsprognose eignen, wird an dieser Stelle beantwortet. In diesem
Beitrag wird die Auffassung vertreten, dass sich Technologie-Roadmaps
nicht für die Zukunftsprognose eignen, da sie auf Basis von
Unternehmensstrategien entwickelt wird, die ja schon aus Zukunftsprognosen
abgeleitet sind. Als geeignete Methoden für die Zukunftsprognose sind
hier die Szenariotechnik und die Technologiefrüherkennung zu sehen. Diese
sollen deshalb hier kurz vorgestellt werden.
Mit Hilfe der Szenariotechnik können sowohl intuitiv als auch analytisch
Bilder möglicher Zukünfte entwickelt werden [3]. Es wird dabei nicht die
Entwicklung des Trends einer Technologie untersucht, sondern die
Entwicklung der diese Technologie beeinflussenden Trends (siehe Inset
Seite 10). Dadurch gelangt man zu sehr viel genaueren Vorstellungen über
die Zukunft und zukünftigen Anforderungen des Marktes. In diesem Fall
macht es Sinn, neben dem Vertrieb auch Kunden an der Entwicklung der
Vorstellung einer möglichen Zukunft mitwirken zu lassen. Besonders durch
die Analyse der Kundenforderungen lassen sich marktgetriebene Strategien
ableiten, »market pull«-Strategien. Die detaillierte Beschreibung eines
ähnlichen Vorgehens bei der Szenarioerstellung finden Sie im Kapitel
02.03 in diesem Werk [4].
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Beispiel: Zukunft der
elektronischen Marktplätze
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E-Business wird nur in den Bereichen betrieben, in
denen der Einsatz auch sinnvoll und gewinnbringend ist. Über den
Einsatz des e-Business im Aufgabenbereich der Beschaffung wird viel
diskutiert, die Zukunft lässt sich aber nicht genau vorhersagen.
Um zum Beispiel eine Vorstellung über die mögliche Zukunft für
elektronische Marktplätze zu entwickeln, würde man zunächst die
wesentlichen Einflussfaktoren identifizieren, die diese Zukunft
beeinflussen. Dies sind unter anderem:
-
die technologische Entwicklung,
-
die gesellschaftlichen Einflüsse und
-
die Substitutionsgefährdung.
Auf Grund der möglichen Entwicklungen dieser
Einflussfaktoren lassen sich verschiedene mögliche Formen der
Zukunft entwickeln. Eine »mögliche Zukunft« wäre zum Beispiel
die Informationsgesellschaft. Die Technologie wäre hier etabliert
und standardisiert, die Gesellschaft hätte sich mit der Technologie
identifiziert und die Substitutionsgefährdung wäre wegen Normung
und Patentschutz gering. Eine andere »mögliche Zukunft« wäre
aber auch das elektronische Chaos, in dem die Technologie nur
langsam reift und oft wechselt, die Gesellschaft würde wegen Viren
eine ablehnende Haltung einnehmen und die Substitutionsrate wäre
sehr hoch, es gäbe ständig neue Versionen elektronischer
Marktplätze. Die Interpretation dieser verschiedenen
Zukunftsentwürfe bleibt letztlich immer noch dem kreativen Menschen
und Anwender der Szenariotechnik überlassen.
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Ziel der Technologiefrüherkennung ist es, aussichtsreiche
Technologieansätze zu ermitteln, ihr Entwicklungspotenzial deutlich zu
machen und geeignete Maßnahmen vorzubereiten, um die Einführungszeit
wichtiger Innovationen zu verkürzen [5]. Die Technologiefrüherkennung
gliedert sich in vier Phasen: Screening, Selektion, Bewertung und
Transfer.
Beim Screening wird der Markt hinsichtlich innovativer
technisch-wissenschaftlicher Entwicklungen beobachtet. In der
anschließenden Selektionsphase konzentriert man sich auf die für das
Unternehmen relevante Technologien. Diese müssen auf ihr Potenzial hin
bewertet werden. Die Erkenntnisse über die am besten bewerteten
Technologien werden dann in das Unternehmen transferiert. Die hieraus
ableitbaren Strategien sind technologiegetrieben und werden deshalb auch
»technology push«-Strategien genannt.

Abb. 5: Allgemeines Ablaufschema der
Technologiefrüherkennung nach Zweck [4]
Workshop »Strategie und Produkte«
In dem ersten Workshop »Strategie und Produkte« wird
eine Produkt-Technologie-Strategie erarbeitet. Ausgehend von der
Unternehmensstrategie müssen Kaufgründe für das Produkt abgeleitet
werden. Anschließend werden in einem kreativen Prozess strategische Ziele
und Aktivitäten erarbeitet, die für die Entwicklung der Produkte bis zur
Marktreife notwendig sind. Durch eine Priorisierung wird festgelegt,
welche Ziele und Aktivitäten in den folgenden Workshops weiter
detailliert werden sollen.
In einem Review durch die Workshopteilnehmer und das Kernteam werden die
erarbeiteten Informationen vervollständigt und auf Konsistenz
überprüft. Am Ende der ersten Phase erhält man so die erste Ebene der
Technologie-Roadmap, in der strategische Ziele und Aktivitäten sowie die
Produktfolgeplanung für die nächsten Jahre abgebildet sind. Die
Kaufgründe bilden dann die Basis für die folgenden Workshops.
Workshop »Entwicklung und Produktion«
Ziel des Workshops »Entwicklung und Produktion« ist die
Ableitung von Zielen und Aktivitäten auf Produktentwicklungs- und
Produktionsebene aus den strategischen Zielen und Aktivitäten. Der
Workshop gliedert sich in vier Phasen:
Zunächst werden die Teilnehmer aufgefordert, sich zu
einem strategischen Ziel detailliertere Ziele, Meilensteine, benötigte
Zwischenergebnisse et cetera zu überlegen. Anschließend wird durch die
Priorisierung eine Reihenfolge der weiter zu bearbeitenden Ziele
festgelegt. Dadurch wird sichergestellt, dass zunächst mit den
wichtigsten Themen begonnen und die Zeit des Workshops sinnvoll genutzt
wird. In der dritten Phase werden mögliche Aktivitäten gesammelt, die
für die Erreichung des jeweiligen Zieles erforderlich sein könnten.
Diese Phase ist immer noch eine Kreativ-Phase. Ein externer Moderator kann
und muss die hier aufkommenden Diskussionen zu einem positiven Abschluss
bringen, damit nicht aufkommende neue Ideen zu schnell abgelehnt werden.
Zu den einzelnen Zielen und Aktivitäten wird anschließend ein
Maßnahmenplan erstellt. Dazu wird jede einzelne Aktivität noch einmal
genau mit der Fragestellung untersucht: »Was wollen wir konkret tun?« Es
werden also nur noch die Ziele und Aktivitäten weiterverfolgt, die in den
Maßnahmenplan übernommen werden.
In einem Workshop-Review werden die erhobenen Informationen auf
Verständlichkeit, Richtigkeit und Vollständigkeit überprüft. Von
besonderer Bedeutung sind hierbei:
-
Zusammenfassung von Informationen
-
Terminliche Bezüge: Sinnhaftigkeit der Zuordnung der
Detailziele und -aktivitäten zu den Meilensteinen der strategischen
Ziele und Aktivitäten
-
Zuordnung zu den Ebenen Produktentwicklung,
Produktionsentwicklung und Organisation.
Unterstützung der Kommunikation zwischen Entwicklung
und Produktion
Die Kommunikation zwischen den Bereichen
Produktentwicklung und Produktion ist sowohl für die Qualität des
Entwicklungsprozesses als auch für die Qualität des entstehenden
Produktes von großer Bedeutung. Im Rahmen der Erstellung der
Technologie-Roadmap bietet es sich an, diesen Austausch gezielt zu
unterstützen.
Als kritische Aspekte insbesondere während der Vorentwicklung haben sich
dabei herausgestellt:
-
Produktion kennt Anforderungen der Produktentwicklung
nur unzureichend
-
Produktentwicklung kennt Möglichkeiten der Produktion
nur unzureichend
-
Produktentwicklung und Produktion kennen
wissenschaftliche Erkenntnisse nur unzureichend
Im Rahmen eines gemeinsamen Workshops mit
Führungskräften und Mitarbeitern aus den Bereichen Produktentwicklung
und Produktion wird der Kommunikationsprozess anhand der Frage »Bei
welcher Produktionstechnologie reicht nach ihrer Einschätzung das heutige
Können in ihrer Produktion für das geplante Produkt X nicht aus?«
gestartet.
Die Teilnehmer werden aufgefordert, die auf einem so genannten
»Spinnrad« (siehe Abb. 6) abgebildeten Produktionstechnologien durch
eine Punktevergabe zu bewerten (»reicht aus« - »reicht nicht aus«).
Anschließend werden die Bewertungen gemeinsam diskutiert. Ergebnisse
dieser Diskussion sind konkrete Aktivitäten beziehungsweise Ansatzpunkte
für Aktivitäten, die in der Technologie-Roadmap abgebildet werden
können. Für Aktivitäten, die sich in der Technologie-Roadmap keinem
strategischen Ziel zuordnen lassen, wird ein Vorschlag für eine neue
strategische Aktivität »Ansatzpunkte für Weiterentwicklung Produkt X«
definiert.
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