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- Leseprobe -
Personalorientiertes internes Marketing bei der
Entwicklung von Dienstleistungen
von Dominik
Decker, Brigitte Gaiser,
Elvira
Ortlieb, Konrad Zerr
Mit zunehmender Komplexität und Interaktionsintensität des
Leistungsangebotes spielen Mitarbeiter von Dienstleistungsunternehmen
sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Markteinführung eine
wesentliche Rolle. Bei der Entwicklung insofern, als dass sie zum
integralen Bestandteil der neuen Dienstleistung werden und dies beim
Leistungsdesign mit berücksichtigt werden muss. Die Vermarktung
beziehungsweise deren Erfolg wird infolgedessen ebenfalls vom Mitarbeiter
beeinflusst. Seine fachlichen und sozialen Kompetenzen und sein Commitment
zum Unternehmen entscheiden über die Qualität der erbrachten
Dienstleistung und somit auch über das Ausmaß der Kundenzufriedenheit.
Das Interne Marketing zur Durchsetzung des Marketing als Denkhaltung durch
die Motivation, Qualifikation und Verhaltensbeeinflussung der Mitarbeiter
spielt aus diesem Grund eine wesentliche Rolle bei der Sicherstellung des
Erfolges von Dienstleistungsinnovationen.
Stichworte: Problemstellung,
Zielsetzung, Internes Marketing als Grundhaltung im Unternehmen:
Verpflichtung des Managements,
Integration der Marketing- und Personalfunktion,
Interne Kommunikation, Internes Marketing zur Unterstützung des Innovationsprozesses von
Dienstleistungen, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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-
dass innovative Dienstleistungen
selbst nach der erfolgreichen Markteinführung ständig auf
Optimierungsmöglichkeiten hin überprüft werden müssen,
-
wie die interne Personalforschung
und der Einsatz von Kommunikations- und
Personalentwicklungsmaßnahmen dabei helfen, Mitarbeiter zu
motivieren,
-
dass zwischen der Qualifikation und
Motivation von Mitarbeitern und dem Erfolg von
Dienstleistungsinnovationen ein deutlicher Zusammenhang besteht.
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Problemstellung, Zielsetzung
Innovationen im Dienstleistungsbereich schaffen die Möglichkeit,
nachhaltige Differenzierungsvorteile zu erlangen, und sind somit ein
entscheidender Wettbewerbsfaktor. Erfolgversprechend sind
Dienstleistungsinnovationen jedoch nur dann, wenn diese konsequent an den
Bedürfnissen und Erwartungen der Kunden ausgerichtet sind. Aufgrund des
dynamischen Umfeldes ist es jedoch erforderlich, innovative
Dienstleistungen selbst nach der erfolgreichen Markteinführung ständig
auf Optimierungsmöglichkeiten hin zu überprüfen. Dies stellt sicher,
dass zum Kunden eine dauerhafte und zufriedenstellende Beziehung aufgebaut
und dieser somit langfristig an das Unternehmen gebunden werden kann.
Der Aufbau von langfristigen Vorteilen ist bei Dienstleistungen jedoch mit
Schwierigkeiten verbunden. Beispielsweise kann - im Gegensatz zu
materiellen Produkten - für Dienstleistungen kein Patent erworben werden.
Wettbewerber können neue Dienstleistungen daher schneller kopieren und
somit den erarbeiteten Vorsprung zunichte machen. Die Herausforderung
besteht folglich darin, hinter der »line-of-visibility« Potenziale und
Prozesse auf- und auszubauen, die das Leistungsergebnis positiv
beeinflussen. Da der Wettbewerb nur das Leistungsergebnis betrachten kann
und es ungleich schwerer ist, hinter die »line-of-visibility« zu
blicken, birgt der Aufbau und die Optimierung dieser Potenziale die
Möglichkeit zur Erlangung von langfristigen Vorteilen gegenüber dem
Wettbewerb.
Für den Aufbau dieser Potenziale kommt dem Mitarbeiter eines
Dienstleistungsunternehmens eine bedeutende Rolle zu. Diese steigt mit der
zunehmenden Komplexität und Interaktionsintensität des
Leistungsangebotes und ist sowohl bei der Entwicklung als auch bei der
Markteinführung relevant. Bei der Entwicklung insofern, als dass der
Mitarbeiter zum integralen Bestandteil der neuen Dienstleistung wird und
dies beim Design zu berücksichtigen ist. Die Vermarktung beziehungsweise
deren Erfolg wird infolgedessen ebenfalls vom Mitarbeiter beeinflusst.
Fachbezogene Fähigkeiten wie auch die soziale Kompetenz des Mitarbeiters
entscheiden über das Ausmaß der Qualität der erbrachten Dienstleistung
und somit über das Ausmaß der Kundenzufriedenheit.
Im Zusammenhang mit der erfolgreichen Entwicklung und Einführung von
Dienstleistungsinnovationen ist der Rolle des Mitarbeiters bisher nur
wenig Beachtung geschenkt worden. Ausführungen über Erfolgsfaktoren von
Dienstleistungsinnovationen und die Tatsache, dass bei der Entwicklung
sogenannte »soft facts« eine große Rolle spielen, lassen jedoch einen
bedeutenden Zusammenhang zwischen der Qualifikation und Motivation von
Mitarbeitern und dem Erfolg von Dienstleistungsinnovationen erkennen.
Diese Ausführungen machen deutlich, dass ein Dienstleistungsunternehmen
mit dem Ziel, sich durch Innovationen Wettbewerbsvorteile zu sichern, sich
sowohl am Kunden als auch am Mitarbeiter orientieren muss. Es besteht also
die Erfordernis, alle drei Aspekte - die Kunden- und
Mitarbeiterorientierung und die Innovationstätigkeit - in den
langfristigen Unternehmenszielen und -strategien zu verankern, um eine
entsprechende Kultur im Unternehmen zu schaffen.
Betrachtet man sich beispielsweise die Ursachen von Kundenabwanderungen,
so zeigt sich, dass 68 Prozent den Anbieter wechseln, weil sie nicht mit
dem Verhalten des Service Personals zufrieden waren. Immerhin wechseln 14
Prozent, weil sie nicht mit der gelieferten Qualität der Dienstleistung
zufrieden waren [4].
Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, zunächst generelle Einsatzbereiche
des Internen Marketing darzustellen und die Relevanz und Eignung des
Internen Marketing zur Unterstützung und positiven Beeinflussung von
Dienstleistungsinnovationen zu überprüfen. Zudem sollen Möglichkeiten
aufgezeigt werden, wie das Interne Marketing in diesem Zusammenhang
ausgestaltet werden kann.
Somit ergeben sich drei zentrale Fragestellungen:
-
Welche generellen Einsatzbereiche umfasst das Interne Marketing,
-
wie kann das Interne Marketing als Grundhaltung implementiert
werden, um Innovationsprozesse positiv zu beeinflussen,
-
welche Instrumente und Maßnahmen können zur Unterstützung der
Innovationsprozesse von Dienstleistungsunternehmen eingesetzt werden.
Dimensionen des
Internen Marketing
Die Bedeutung der Personalpolitik und der Betrachtungsweise der
Mitarbeiter als interne Kunden ist schon vielfach diskutiert und anerkannt
worden. Nichtsdestotrotz herrscht ein Mangel an praktischer Umsetzung vor.
Viele drücken ihr Commitment zum Internen Marketing beziehungsweise zur
Kenntnis der Bedeutung der Mitarbeiter für die erfolgreiche Vermarktung
von Produkten zwar schriftlich aus, an praktischer Umsetzung mangelt es
jedoch oft. Aus dieser Thematik ist das Konzept des Internen Marketing
entstanden. Obwohl ein einheitlicher Begriff in der Literatur noch nicht
vorherrscht, kann den unterschiedlichen Definitionsansätzen jedoch eine
gemeinsame Zielsetzung entnommen werden. Diese besteht darin, unter
Berücksichtigung interner Austauschbeziehungen auf den Absatzmarkt
gerichtete Ziele zu erreichen. Abbildung 1 zeigt drei Dimensionen, die
sich auf das Konzept des Internen Marketing stützen [18].
Bezüglich des Innovationsprozesses von Dienstleistungen steht die
Dimension des personalorientierten Internen Marketing im Vordergrund.
Diese beschäftigt sich mit dem Einsatz von personalpolitischen und
absatzmarktorientierten Instrumenten zur Beeinflussung der Mitarbeiter im
Sinne eines kundenorientierten Verhaltens. Allerdings ist zu betonen, dass
sich die jeweiligen Dimensionen gegenseitig beeinflussen und daher
integrativ zu betrachten sind.
Internes
Marketing als Grundhaltung im Unternehmen
Das Interne Marketing kann nicht zu einer »Stunde Null« eingeführt
werden [5], sondern bedarf vielmehr einer langfristigen und konsequenten
Beeinflussung der Einstellungen und des Verhaltens aller
Unternehmensmitglieder. Erst durch das Einwirken auf die Bewusstseinsebene
- bei allen Organisationsmitgliedern - wird dem integrativen Ansatz des
Internen Marketing Rechnung getragen. Da der Erfolg daher größtenteils
von menschlichem Verhalten abhängt [12], ist dabei insbesondere auf die
folgenden Komponenten zu achten [5]:
Verpflichtungen
des Managements
Eine der wichtigsten Voraussetzungen des Internen Marketing stellt die
kontinuierliche Unterstützung der Aktivitäten durch das Management dar.
Aufgrund der Vorbildfunktion muss das Management die Grundsätze des
Internen Marketing vorleben und deren Notwendigkeit glaubhaft machen. Es
ist zudem für die Schaffung eines offenen Arbeitsverhältnisses
verantwortlich, das die Kreativität und Problemlösungsfähigkeit der
Mitarbeiter ermöglicht und die Mitarbeiter- und Kundenorientierung zum
Ausgangspunkt aller Entscheidungen werden lässt. Das Verhalten des
Managements gegenüber anderen Funktionsbereichen im Unternehmen wird
letztendlich determinieren, inwiefern interne
Kunden-Lieferanten-Beziehungen zugelassen werden.
Dem Management kommt auch die Aufgabe zu, den Mitarbeitern deren
Verantwortung und Rolle als Part-time-marketer zu verdeutlichen [9].
Einer der ersten Schritte zur Einführung des Internen Marketing als
permanenten Prozess im Unternehmen stellt daher die Vermittlung
psycho-sozialer Fähigkeiten zur Erhöhung der Führungskompetenzen und
die Akzeptanzschaffung beim Management dar. Als Instrument zur Umsetzung
dienen hierzu Dialogveranstaltungen zwischen Unternehmensleitung und
Führungskräften, Workshops und Seminare zur Vermittlung der Ziele und
Ausgestaltungsformen des Internen Marketing [5].
Integration
der Marketing- und Personalfunktion
Eine weitere Voraussetzung für ein erfolgreiches Internes Marketing
stellt die Verknüpfung der Marketing- und Personalabteilung dar. Da das
Marketing, insbesondere bei wissensintensiven Dienstleistungen in den
Aufgabenbereich eines jeden Mitarbeiters fällt [6], können die beiden
Abteilungen nicht nebeneinander existieren, sondern bedürfen einer
gegenseitigen Abstimmung. Der integrative Ansatz des Internen Marketing
als Schnittstelle zwischen den beiden Funktionsbereichen erfordert daher
eine Aufhebung des klassischen Abteilungsdenkens. Damit stellt sich die
Frage nach der organisatorischen Eingliederung. Diesbezüglich existieren
drei Alternativen:
-
die Schaffung einer Zentralabteilung »Internes Marketing«,
-
die Erweiterung der Aufgabenbereiche der klassischen Abteilungen
oder
-
die Bildung von Projektorganisationen [5].
Die Schaffung einer Zentralabteilung »Internes Marketing« erscheint
deshalb nicht sinnvoll, weil damit die Schnittstellenfunktion des Internen
Marketing zwischen der Personal- und Marketingabteilung nicht erfüllt
wird, sondern eher Probleme aufgrund zahlreicher
Kompetenzüberschneidungen zwischen dem Internen Marketing, der Personal-
und der Marketingfunktion entstehen. Zudem können durch die Benennung
»Internes Marketing« emotionale Probleme bei den Mitarbeitern entstehen.
Marketing wird oft mit Begriffen wie »Verkauf« oder »Manipulation« in
Verbindung gebracht und ist für die mit dem Internen Marketing
verbundenen Zielsetzungen somit nicht geeignet.
Eine Erweiterung der Aufgabenbereiche der Marketing- und Personalabteilung
wirft ebenfalls das Problem auf, dass die Zuständigkeiten für die
einzelnen Aufgabenbereiche nicht deutlich werden und dadurch zahlreiche
Koordinationsprobleme auftreten können.
Um die Forderung nach der integrativen Wirkung des Internen Marketing zu
erfüllen, erscheint daher die Bildung einer Projektorganisation am
sinnvollsten. In dieser »virtuellen Abteilung« sind dann sowohl
Mitglieder der Unternehmensführung als auch Mitarbeiter der Personal-,
Marketingabteilung sowie weiterer Funktionsbereiche zu integrieren [9].
Weiterhin wird dabei nicht das »Interne Marketing« als Begriff in den
Mittelpunkt gestellt, sondern die einzelnen durchzuführenden Projekte
können sich auf problembezogene Bezeichnungen stützen. So wäre es zum
Beispiel denkbar, in Verbindung mit der Durchsetzung einer Innovation von
einem Projekt zu sprechen, das den Namen der neuen Leistung enthält oder
aber Elemente wie zum Beispiel »Lernen«, »Kundenorientierung« oder
Ähnliches enthält. Den Mitarbeitern soll verdeutlicht werden, dass die
Schaffung einer höheren Kundenorientierung und die persönliche
Entwicklung der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen.
Ein Hauptverantwortlicher für die Planung und Umsetzung [9] erfüllt dann
die Koordinationsfunktion der sogenannten Task Force Teams. Die Bildung
von Teams, die aus Mitarbeitern aller Funktionsbereiche zusammengesetzt
sind, erscheint deshalb sinnvoll, weil durch die Einbindung der
Mitarbeiter deren Motivation und Eigenverantwortung zur Kundenorientierung
gesteigert und daher die Durchsetzung der Unternehmensziele und
-strategien gefördert wird [8].
Interne
Kommunikation
Neben generellen und organisatorischen Voraussetzung gilt es auch, alle
Mitarbeiter über die Ziele des Internen Marketing und die damit verbunden
Aufgaben und Anforderungen aufzuklären. Im Rahmen von
Informationsveranstaltungen sollten die Mitarbeiter zuerst über die
Einzelheiten, die mit dem Internen Marketing in Verbindung stehen,
informiert werden. Daran anschließend sollten Workshops, Seminare und
weitere Trainingsmaßnahmen ergriffen werden. Die Inhalte beziehen sich
dabei zum einen auf die Vermittlung der Unternehmensziele, -strategien und
der Unternehmensgrundsätze, zum anderen aber auch auf die Verdeutlichung
des Stellenwerts der Mitarbeiter zur Erreichung dieser Ziele. Den
Mitarbeitern sollte die Notwendigkeit zur Marktorientierung und der
Stellenwert des Marketing als kontinuierlicher Prozess, der sich über
alle Unternehmensbereiche erstreckt, vermittelt werden.
Zudem ist bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein über ihren persönlichen
Beitrag zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit zu schaffen.
Trainingsveranstaltungen mit dem Ziel, die kommunikativen und fachlichen
Fähigkeiten der Mitarbeiter zu erweitern und ein Interesse für eine hohe
Ausführungsqualität der eigenen Arbeit zu wecken, können hierzu als
Instrument eingesetzt werden.
Internes Marketing
zur Unterstützung des Innovationsprozesses von Dienstleistungen
Wie bereits erwähnt wurde, schaffen Innovationen im
Dienstleistungsbereich die Möglichkeit, nachhaltige
Differenzierungsvorteile zu erlangen. Im Folgenden wird auf die
Fragestellung eingegangen, inwieweit die Grundsätze des Internen
Marketing den Innovationsprozess positiv beeinflussen können.
Der
Innovationsprozess im Überblick
Der Innovationsprozess lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen.
Im Rahmen dieses Beitrages erfolgt eine Unterteilung in drei Phasen:
-
Invention
-
Innovation
-
Diffusion [1].
Im Folgenden wird dargestellt, wie das Interne Marketing in den
einzelnen Phasen des Innovationsprozesses von Dienstleistungen
ausgestaltet werden kann.
Invention
Die Hauptaufgabe in der Phase der Invention stellt die Identifizierung
von Veränderungs- oder Neuerungspotenzialen mit Hilfe der Marktforschung
dar. Neben der externen Marktforschung und den daraus abgeleiteten
Markterfordernissen wird hierzu eine interne Personalforschung
durchgeführt [7]. Diese dient vor allen Dingen dazu, den Handlungsrahmen
für den Einsatz des Internen Marketing im Innovationsprozess abzustecken.
Darüber hinaus soll auch der Umfang der Maßnahmen zum Auf- und Ausbau
der Qualifikation der Mitarbeiter auf sozialer und fachlicher Ebene
ermittelt werden.
Die Erhebung der Informationen beruht dabei sowohl auf quantitativen als
auch auf qualitativen Methoden [9]. Um die Aussagekraft einer solchen
Personalforschung zu sichern, sollten in die Untersuchungen alle
Mitarbeiter auf allen Ebenen einbezogen und vorwiegend durch qualitative
Verfahren gewonnen werden. Als besonders geeignet erscheint in diesem
Zusammenhang die Durchführung von Gruppeninterviews, Einzel- und
Gruppengesprächen und Imagestudien. Insbesondere Einzel- und
Gruppengespräche sind geeignet, da sie durch offene Fragestellungen
wertvolle Informationen über eventuelle Probleme liefern [17]. Zudem
haben solche Erhebungsmethoden den Vorteil, dass die Mitarbeiter in
betriebliche Entscheidungen einbezogen werden und dadurch die soziale
Distanz zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern vermindert und der
Informationsfluss verbessert wird [7]. Die Partizipation der Mitarbeiter
wirkt sich folglich positiv auf das Betriebsklima und die Identifikation
der Mitarbeiter mit den Unternehmenszielen und -strategien aus [9].
Die Personalforschung als Instrument des Internen Marketing hat daher eine
doppelte Funktion: Sie bildet zum einen als Analyse- und
Diagnoseinstrument die Grundlage für die Maßnahmenplanung des Internen
Marketing, zum anderen stellt sie aber auch gleichzeitig einen
gestalterischen Eingriff dar, um ein kommunikativeres und offeneres
Verhältnis zu fördern. Dies führt zu einer Erhöhung der
Arbeitszufriedenheit und trägt zur Erreichung der Veränderungsziele bei
[7].
Aufbauend auf der Personalforschung kann sodann eine Segmentierung der
Mitarbeiter erfolgen, die bezüglich ihrer Fähigkeiten, Einstellungen und
Verhaltensweisen ähnliche Eigenschaften aufweisen. Diese Segmentierung
dient vor allem der Begegnung individueller Bedürfnisse und Anforderungen
der Mitarbeiter in Bezug auf Schulungen oder Informationen zur
Vorbereitung der Innovation.
Eine weitere Möglichkeit zur Integration der Mitarbeiter in die konkrete
Suche nach Innovationsfeldern ist der Einsatz von Kommunikations- und
Informationsinstrumenten. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang eine breit
angelegte Information der Mitarbeiter über die Innovationsziele und
-aufgaben sowie die Aufforderung zu einer gezielten Suche nach neuen
Problemlösungsmöglichkeiten. Materielle und immaterielle Anreizsysteme
dienen dabei der Steigerung der Motivation und des Engagements der
Mitarbeiter [20]. Die Bewertung der Ideen sollte ebenfalls unter Einbezug
der Mitarbeiter aller Ebenen erfolgen, um dadurch besonders die
Kundenkenntnis der Mitarbeiter als wichtige Informationsquelle in den
Bewertungsprozess einzubringen, aber auch, um Vorschläge und
Informationen bezüglich der Anforderungen der neuen Leistung an die
Ressourcen und Potenziale zu erhalten.
Innovation
Bei der Entwicklung einer Dienstleistung geht es um die Gestaltung des
Leistungsangebotes und der zur Leistungserstellung notwendigen Potenziale,
Prozesse und Systeme. Mit Hilfe von geeigneten Methoden werden
Leistungsprozesse modelliert und alle zur Erstellung durchzuführenden
Maßnahmen, verantwortliche Bereiche und notwendigen Fähigkeiten
identifiziert.
Dem Internen Marketing kommen hier im Wesentlichen zwei Aufgaben zu: Zum
einen sind die mit der Entwicklung der neuen Leistung zusammenhängenden
Veränderungen unternehmensweit bekannt zu machen (zum Teil wird dies
schon durch die Personalforschung geschehen) und zum andern müssen die am
Innovationsprozess beteiligten Mitarbeiter Schulungs-, Trainings-
beziehungsweise Qualifikationsmaßnahmen unterzogen werden.
Kommunikations- und
Informationsmaßnahmen für einen effektiven und effizienten
Innovationsprozess
Der Einsatz von Informations- und Kommunikationsinstrumenten - wie
beispielsweise Intranet oder Schwarze Bretter - dient dazu, die
Mitarbeiter über die organisatorischen und prozessualen Änderungen zu
informieren und dann im Sinne einer Einstimmung eine positive Einstellung
gegenüber den Veränderungen zu schaffen.
Dazu ist es jedoch notwendig, dass die Mitarbeiter neben der reinen
Information über die Veränderungen auch zu einem kundenorientierten
Verhalten angehalten und motiviert werden. Um dies zu erreichen, muss die
Kommunikation zum Dialog werden, die den Mitarbeiter in die Entscheidungen
mit einbezieht [16]. Dadurch wird sichergestellt, dass der Mitarbeiter
(insbesondere der im Kundenkontakt) die Veränderung als eigene Aufgabe
versteht und dadurch wertvolle Informationen bezüglich der Gestaltung der
Prozesse und der externen Marketingmaßnahmen liefern kann. Es sollte ein
offener und direkter Informationsaustausch zwischen den Mitarbeitern
ermöglicht werden. Zudem sind auch Dialoge zwischen Führungskräften und
Mitarbeitern bedeutsam, da Führungskräfte die Aufgabe haben, den Wandel
vorzuleben und zu verdeutlichen [15].
Qualifikationsmaßnahmen
Die Kommunikation und Information dient der Veränderung der Einstellungen
der Mitarbeiter gegenüber Innovationen und der Steigerung ihrer
Motivation. Daneben besteht die Aufgabe des Internen Marketing darin,
durch entsprechende Schulungen und Trainings die durch die Veränderungen
notwendig gewordenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln [12]. Jedem
Mitarbeiter sollte dabei zunächst ein Überblick über das gesamte
Leistungssystem des Unternehmens gegeben werden. Dadurch kann dieser die
Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen den einzelnen
Funktionsbereichen erkennen und seinen eigenen Beitrag zur Erreichung der
Kundenzufriedenheit und der Unternehmensziele verstehen. Die
Personalschulung bezogen auf die neue Leistung kann sodann im Rahmen eines
Qualifizierungsplans [2] mit einer Informationsveranstaltung für alle
Mitarbeiter eingeleitet werden. Darauf aufbauend schaffen Workshops
Verständnis für die Notwendigkeit der Zusammenarbeit einzelner
Funktionsbereiche und tragen zur Reduzierung von Disharmonien zwischen den
einzelnen Abteilungen bei. Dieses gegenseitige Verständnis ist
Voraussetzung für die Effektivität der Qualifikationsmaßnahmen und der
Marketingaktivitäten begleitend zur Markteinführung. Zudem sollten
Seminare für die jeweiligen Mitarbeitersegmente durchgeführt werden, in
denen übliche Problemsituationen und Ansätze zur Problemlösung
erarbeitet werden.
Im Rahmen dieser Schulungsmaßnahmen sollten die Mitarbeiter in direktem
Kundenkontakt, aber auch die Back-Office-Mitarbeiter (im Sinne interner
Kunden-Lieferanten-Beziehungen) neben den fachlichen Fähigkeiten und
Kenntnissen auch psycho-soziale Fähigkeiten erlernen [19]. Denn neben der
fachlichen Kompetenz kommt es gerade bei intangiblen und stark
interaktiven Dienstleistungen vor allen Dingen darauf an, dass die
Mitarbeiter im Kundenkontakt Verhaltensweisen zum optimalen Umgang mit dem
Kunden erlernen. Durch die Vermittlung psycho-sozialer Fähigkeiten wird
das gegenseitige Vertrauen und die kommunikative Kompetenz der Mitarbeiter
gefördert. Insbesondere aufgrund der starken Prozessorientierung bei der
Dienstleistungserstellung und der unmittelbaren Abhängigkeiten zwischen
den am Erstellungsprozess beteiligten Mitarbeiter sind diese Fähigkeiten
von hoher Bedeutung [10].
Bei der Durchführung der Qualifikationsmaßnahmen ist weiterhin die
persönliche Entwicklung des einzelnen Mitarbeiters zu berücksichtigen:
Qualifikationsmaßnahmen sollten diesbezüglich als Chance angesehen
werden, persönlich zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.
Qualifikationen haben deshalb hohe Relevanz bezüglich der Effektivität
des Internen Marketing: Durch sie werden Mitarbeiter motiviert,
zufriedengestellt und an das Unternehmen gebunden.
Diffusion
Die primäre Aufgabe in der Diffusionsphase besteht darin, den Markt mit
Hilfe von Kommunikationsmaßnahmen auf die Markteinführung vorzubereiten
und die neue Dienstleistung einer permanenten Evaluation zu unterziehen,
um auftauchende Probleme bei der Interaktion zu beseitigen. Dem Internen
Marketing fällt hier die Rolle zu, die Kommunikationsstrategie intern
abzusichern. Dies geschieht zum einen indirekt mit Hilfe der zuvor
durchgeführten Qualifikationsmaßnahmen und der Tatsache, dass die
Mitarbeiter in die Entwicklung der neuen Leistung und in alle damit
verbundenen Aktivitäten eingebunden wurden. Zum anderen muss den
Mitarbeitern aber auch mit Hilfe von Informationen das volle Ausmaß ihrer
Verantwortung zur Erfüllung der durch die Marketingkommunikation
getroffenen Leistungsversprechen vermittelt werden. Dies kann wiederum in
Form von funktionsübergreifenden Informationsveranstaltungen geschehen.
Eine andere Möglichkeit zur Motivation der Mitarbeiter zu einem
kundenorientierten und verantwortungsbewussten Arbeitsverhalten besteht
darin, sie in die Kommunikationsstrategie einzubinden. Die externe
Kommunikation zur Einführung der Dienstleistung bezieht sich dann nicht
allein auf externe Zielgruppen, sondern auch auf die Mitarbeiter als
sogenannte »second audience« [3]. Aussagen zur Leistungsfähigkeit,
Innovationskraft und Dynamik des Unternehmens kann den Stolz der
Mitarbeiter erhöhen und seine Arbeitsmotivation und -zufriedenheit
verbessern. Wird zudem mit den Qualitäten des Personals geworben, kann
eine so konzipierte Kommunikationsstrategie auch zur Kontrolle und
Beeinflussung der Dienstleistungsqualität beitragen, denn das
Verantwortungsbewusstsein des Mitarbeiters wird dadurch direkt
angesprochen [17].
Während und nach der Markteinführung müssen die Mitarbeiter - sowohl
die in direktem Kundenkontakt als auch die mittelbar Beteiligten - ihre
zuvor erlangten Fähigkeiten und Kenntnisse unter Beweis stellen. Das
Interne Marketing hat hier die Aufgabe, eine dialogorientierte
Kommunikation zu gewährleisten. Dadurch kann Feedback bezüglich
unvorhergesehener Probleme bei der Leistungserstellung schnell eingeholt
und im Rahmen eines Optimierungsverfahrens beseitigt werden.
Eine weitere Aufgabe des Personals mit direktem Kundenkontakt besteht
darin, langfristige Kundenbeziehungen zu entwickeln. Hier geht es vor
allen Dingen darum, die Dienstleistung durch den Kunden bewerten zu
lassen. Kundenbeschwerden dienen als wertvolle Quelle für
Verbesserungspotenziale und sind ein wichtiger Faktor für eine
langfristige Kundenbindung. Durch den Einsatz von
Kommunikationsinstrumenten und Qualifikationsmaßnahmen sind die für ein
erfolgreiches Beschwerdemanagement notwendige Akzeptanz und
psycho-sozialen Fähigkeiten bei den Mitarbeitern zu schaffen [13].
Die Abbildung 2 gibt abschließend einen Überblick über Dimensionen,
Ziele und Instrumente des Internen Marketing bei der Entwicklung von
Dienstleistungen.
...
Die Abbildungen entnehmen Sie bitte der Digitalen
Fachbibliothek "Das innovative Unternehmen".
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