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- Leseprobe -
"Start Up 2000" – Nachwuchsförderung
als Motor für Innovations- und Veränderungsmanagment
von Ursula
Vranken
Systematische Nachwuchsförderung wird noch immer von vielen
mittelständischen Unternehmen vernachlässigt. Das Programm »Start up
2000« wirkt diesem Zustand mit strategisch orientierter
Personalentwicklung entgegen. Die Autorin zeichnet die Schritte, die zur
Einführung eines solchen Programms erforderlich sind, am Beispiel der
Firma Reifenhäuser GmbH & Co in Troisdorf nach. Besonderes Augenmerk
legt sie dabei auf die Vorgehensweise des Programms, auf die einzelnen
Lernbausteine sowie die Lernerfahrungen nach Abschluss des Pilotprojekts.
Stichworte: Das
Unternehmen, Stand der Personalentwicklung bei Projektstart,
Innovative Aspekte des Nachwuchsprogramms »Start up 2000«, Leitlinien für die Förderung von Nachwuchskräften,
Ziele, Zielgruppen und Auswahlverfahren,
Programmbausteine, Lernerfahrungen, Schlussfolgerungen,
Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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welche Zielsetzungen und Techniken
das Programm »Start up 2000« beinhaltet,
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wie das Start-up-Programm auf die
Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens abgestimmt wird,
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wie die Zusammenarbeit des
Personalwesens mit den externen Beratern organisiert werden kann,
-
wie eine Auswahl der Teilnehmer
getroffen werden kann,
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welche Lernerfolge das Programm in
diesem konkreten Fall bewirkte.
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Das Unternehmen
Die Reifenhäuser GmbH & Co. Maschinenfabrik wurde 1911 gegründet
und ist ein führender Hersteller von Maschinen und Anlagen zur
Kunststoffverarbeitung. Das mittelständische Familienunternehmen
beschäftigt heute am Hauptsitz in Troisdorf rund 830 Mitarbeiter. Einer
zukunftsweisenden strategischen Ausrichtung unter optimalem Einsatz aller
Ressourcen und Potenziale wird höchste Priorität eingeräumt. Mit der
Einführung von Cost- und Profitcenterstrukturen, der Einführung von
Gruppenarbeit und dem Start eines Nachwuchsförderprogramms für junge
Leistungsträger hat sich das Unternehmen auf künftige Herausforderungen
eingestellt.
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Warum
Nachwuchsförderung?
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Innovative Unternehmen brauchen
motivierte Mitarbeiter mit hohem Qualifikationsniveau.
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Fach- und Führungskräfte sind
bereits heute ein Engpassfaktor für produkt- und marktorientierte
Wachstumsstrategien.
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Herkömmliche Karrieremuster nehmen
in dynamischen Unternehmen ab. Die Bedeutung von Fach- und
Projektlaufbahnen nimmt in flachen Hierarchien zu.
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Stand der
Personalentwicklung bei Projektstart
Bei Beginn des Pilotprojekts im April 2000 gab es im Unternehmen keine
strategisch orientierte beziehungsweise systematische Personalentwicklung.
Insbesondere für hoch qualifizierte Nachwuchskräfte waren keine
speziellen Laufbahngestaltungen oder Qualifizierungsmaßnahmen vorgesehen.
Nichts desto trotz war im Unternehmen die Überzeugung gereift, in Zeiten
von Fach- und Führungskräftemangel die firmeninternen Potenziale
intensiver als bisher aus- und fortzubilden. Ein Unternehmen wie
Reifenhäuser, das weltweit tätig ist, benötigt in hohem Maße gut
ausgebildete Kräfte, die neben der fachlichen Qualifikation auch und
gerade über soziale und methodische Fähigkeiten verfügen.
Die Einführung von Cost- und Profitcentern setzt bei Mitarbeitern und
Führungskräften in vielfältiger Weise unternehmerisches und
eigenverantwortliches Handeln voraus.
Das Start-up-Programm wurde durch die Hauptpromotoren, die
Personalleiterin, eine Mitarbeiterin aus dem Personalwesen und die externe
Beratung (IPA) initiiert. Das Projekt bedeutete eine neue Herausforderung
und Zusatzbelastung für den Personalbereich. Durch die Begleitung der
externen Beratung, durch eine EU-Förderung kofinanziert, wurde das
Personalwesen konzeptionell unterstützt, fachlich gecoached und bei der
Durchführung des Programms entlastet. Außerdem wurde die oben genannte
Mitarbeiterin in einer speziell für mittelständische Unternehmen
konzipierten Seminarreihe der IPA (Innovationsfördernde
Personalentwicklung und Arbeitsgestaltung, Köln) als Personalentwicklerin
ausgebildet. Die Geschäftsführung sowie zahlreiche Führungskräfte aus
der obersten Leitungsebene unterstützten das innovative Projekt durch
gute Ideen und ihr Engagement.
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Tabelle
1: Innovative Aspekte des Programms »Start
up 2000«
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Das Programm selbst
-
Projektarbeiten mit innovativem
Charakter
-
Nachwuchsförderung als Mitauslöser
für den Aufbau einer strategisch orientierten Personalentwicklung
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Innovative Aspekte
im Nachwuchsprogramm "Start up 2000"
Das Start-up-Programm 2000 beinhaltete im Wesentlichen drei innovative
Momente, die hier kurz beschrieben werden. Weitere Ausführungen zu den
einzelnen Aspekten finden sich im nachfolgenden Kapitel.
Aspekt 1. Das Programm
Die Tatsache, dass das mittelständische Unternehmen in seiner
90-jährigen Geschichte zum erstenmal eine systematische
Nachwuchsförderung durchführte, hatte zur Folge, dass in zahlreichen
Gesprächen mit den Führungskräften zunächst für das Programm und den
damit verbundenen Aufwand Überzeugungsarbeit geleistet werden musste. Im
Laufe des Projekts wurde verbindliches Engagement kontinuierlich
eingefordert, was zu manchem Lerneffekt bei allen Beteiligten führte.
Da es sich um ein Pilotprojekt handelte, wurde die Teilnehmerzahl auf zehn
Mitarbeiter begrenzt. Dies bedeutete, dass nicht aus allen
Unternehmensbereichen Nachwuchskräfte berücksichtigt wurden. Die
Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich - von Verständnis bis hin zu
Kritik über diese »Selektion«. Der eigentliche Auswahlprozess der
Teilnehmer war ein weiterer Kraftakt, der für alle Beteiligten ein Novum
darstellte. Der Umgang mit den zur Verfügung gestellten
Auswahlinstrumenten wurde zum Teil recht individuell gehandhabt und wird
in Zukunft weiter systematisiert. Das Unternehmen wird auf breiter Basis
neue Auswahlkriterien und -instrumente für Fach- und Führungskräfte
etablieren.
Die angesprochenen Kandidaten reagierten ebenfalls sehr unterschiedlich
auf die Implementierung eines solchen Förderprogramms. Einerseits fühlte
man sich geehrt am Pilotprojekt teilzunehmen, andererseits gab es aber
auch Skepsis gegenüber dieser neuen Form der Nachwuchsförderung. Das
neue Programm weckte nicht nur Freude, sondern auch Fragen und Ängste.
Aspekt 2: Projektarbeit mit innovativem
Charakter
Die Teilnehmer erhielten mit Beginn des Start-up-Programms
Projektarbeiten, für die sie als Projektleiter benannt wurden. Die
Auswahlkriterien für die Projektarbeiten waren unter anderem, dass die
Themen von strategischer Relevanz für das Unternehmen sein sollten und
einen innovativen Charakter haben. Durch die Bearbeitung der sehr
anspruchsvoll ausgewählten Themen trugen die Teilnehmer einen
unmittelbaren Beitrag zur Innovation von Prozessen, Produkten und
Strukturen bei. Hier wurden zum Teil hervorragende Ergebnisse mit
unmittelbarem Nutzen für das Unternehmen produziert.
Aspekt 3: Nachwuchsförderung und
strategisch orientierte Personalentwicklung
Die Durchführung des Programms und die damit verbundenen
Lernerfahrungen für alle Beteiligten haben zu der Erkenntnis geführt,
dass die Nachwuchsförderung nicht als isolierte
Personalentwicklungsmaßnahme im Unternehmen bestehen bleiben kann.
Vielmehr ist deutlich geworden, dass nicht nur bei den Nachwuchskräften
Qualifizierungsbedarf besteht, sondern auch bei den Führungskräften und
Projektmentoren. Das Unternehmen als Ganzes muss lernen zu lernen und will
dies durch den Aufbau einer systematischen Personalentwicklung und einer
entsprechenden Abteilung erreichen. In diesem Sinne wird das
Förderprogramm noch stärker als Teil der Unternehmensstrategie
ausgebaut. Das mittelständische Unternehmen hat sich auf den Weg zu einer
lernenden Organisation gemacht und weiß, dass es seine Innovationskraft
nur aus dem Potenzial gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeiter
schöpfen kann.
Leitlinien
für die Förderung von Nachwuchskräften
Vor der eigentlichen Durchführung galt es, sich über Leitlinien und
Prinzipien des Programms Gedanken zu machen. Die anfänglichen Fragen
lauteten: Welche konkreten Zielgruppen sprechen wir an? Wie soll das
Programmdesign aussehen? Soll bedarfs- oder potenzialorientiert gefördert
werden? Welche Lerninhalte und -themen sollen vertieft werden? Wie soll
das Konzept aussehen?
Mit anderen Worten, es waren einige Vorarbeiten zu leisten. Sehr schnell
wurde deutlich, dass nicht ein bloßes Seminarprogramm entworfen werden
sollte, sondern ein ganzheitliches Entwicklungsprogramm mit einer Mischung
aus »training on and off the job«. Auf jeden Fall sollte verhindert
werden, dass die Teilnehmer fern der Alltagsrealität nur mit Seminaren
»versorgt« werden. Die verschiedenen Lernebenen (»on and off the job«)
waren miteinander zu vernetzen und mussten sich wechselseitig ergänzen.
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Leitsätze
für die Förderung von Nachwuchskräften
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Die Förderung muss...
-
eine strategieumsetzende Richtung
haben
-
längerfristig orientierte
Innovations- und Veränderungsprozesse in Gang setzten
-
eine vernetzte Architektur haben
-
Entwicklungsenergien der Teilnehmer
freilegen
-
eine richtige Mischung von
»Training on and off the job« anbieten
-
potenzialorientiert sein, das heißt
es ergibt sich kein Anspruch auf bestimmte »Positionen« im
Unternehmen
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Neben der Berücksichtigung individueller Interessen der Teilnehmer
wurde es für wichtig erachtet, das Programm mit der strategischen
Zielsetzung des Unternehmens beziehungsweise der jeweiligen
Geschäftsbereiche in Verbindung zu bringen. Durch die Bearbeitung einer
Projektaufgabe, die durch die Bereichsleitungen vergeben wurde, konnte
sichergestellt werden, dass die Teilnehmer ausschließlich Aufgaben mit
strategischer Relevanz bearbeiteten. Die damit verbundene Problemlösung
sollte dem Fachbereich beziehungsweise dem gesamten Unternehmen einen
echten Nutzen bringen.
Eine weitere Leitlinie wurde durch die Entscheidung für ein
potenzialorientiertes Förderprogramm festgelegt. Das heißt, dass hinter
dem Programm kein konkreter (Stellen-) Bedarf steht und dass durch die
Teilnahme kein Anspruch auf eine bestimmte Position im Unternehmen
erwächst. Das mittelständische Unternehmen benötigt zwar einerseits
einen Pool von Potenzialträgern, andererseits sind im Unternehmen aber
jährlich nur eine überschaubare Anzahl von neuen Positionen zu besetzen.
Weiterhin sollte das Programm nicht einseitig die Führungslaufbahn als
mögliches Entwicklungsziel fokussieren, sondern die Gleichwertigkeit von
Projekt- Fach- und Führungslaufbahnen unterstreichen. Im Zusammenhang mit
dem Abbau von Hierarchien im Unternehmen erlangt diese Aussage ihre
besondere Bedeutung.
Bereits an dieser Stelle kann vorweggenommen werden, dass dieser
Umdenkprozess (»nicht nur der, der 200 Leute führt, ist wichtig«) nicht
von heute auf morgen zu erzielen ist. Während des Programms und besonders
nach Abschluss zeigte sich, dass, obwohl die Teilnehmer in einer
Fördervereinbarung deutlich auf diesen Sachverhalt hingewiesen worden
waren, zum Teil direkte und indirekte Enttäuschungen entstanden. Positiv
zu vermerken ist jedoch, dass über diesen Punkt eine lebendige Diskussion
in Gang gesetzt wurde, welche Laufbahn denn im Unternehmen tatsächlich
welche Bedeutung hat und wie diese denn heute und zukünftig positioniert
sein soll. Auf diese Weise erneuert sich auch ein Teil der Unternehmens-
und Führungskultur.
Ziele,
Zielgruppe und Auswahlverfahren
Aus den beschriebenen Leitlinien des Nachwuchsprogramms wurde die
Zielsetzung abgeleitet: Die Teilnehmer sollten im Bereich der Methoden-
und Sozialkompetenz ihre Fähigkeiten erweitern und als Projektleiter
Erfahrungen sammeln. Durch die Bearbeitung eines Innovationsvorhabens
(Projektarbeit), das nicht mit Routinewerkzeugen zu bewältigen war,
lernten sie, eine komplexe Aufgabe systematisch voranzutreiben und ein
ihnen zugeordnetes Team zu leiten und zu steuern. Besonders bei einigen
Teilnehmern war das Projektteam der entscheidende Erfolgsfaktor, denn
bedingt durch eigene Auslandsreisen waren sie auf die konstruktive
Mitarbeit der Kollegen auch während ihrer Abwesenheit angewiesen.
Weiterhin bildete das Programm eine Plattform, das individuelle
Leistungspotenzial unter Beweis zu stellen sowie firmeninterne Kontakte
aufzubauen. Durch die interdisziplinäre Zusammensetzung (Ingenieure,
Betriebswirte, Techniker) konnte das Verständnis für andere Fachbereiche
und deren Problemstellungen erhöht werden. Dies dient langfristig dem
Aufbau eines Netzwerkes von Leistungsträgern. Nicht zuletzt durch
systematisches Coaching und Controlling des Projektfortschritts sollte die
individuelle Kritikfähigkeit erhöht und eine neue Feedbackkultur
aufgebaut werden.
Die Zielgruppe für das Förderprogramm wurde zunächst anhand eines
groben Kriterienkatalogs festgelegt. Die Teilnehmer sollten in der
Vergangenheit durch überdurchschnittliches Engagement auf sich aufmerksam
gemacht haben, keine Führungsposition inne haben, nicht länger als zehn
Jahre im Unternehmen und noch nicht älter als 35 Jahre sein. Mit diesen
Vorgaben wurden die Führungskräfte aufgefordert, sich in ihrem Bereich
nach geeigneten Kandidaten umzuschauen. Parallel dazu wurde im
Personalbereich eine Datenanalyse durchgeführt, die sich auch auf die
Ausbildungsabschlüsse und Weiterbildungsaktivitäten von Mitarbeitern
bezog.
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Programmziele
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-
Bearbeitung eines
Innovationsvorhabens (Projektarbeit)
-
Ausbau von sozialen und methodischen
Kompetenzen
-
Erprobung als Projekleiter
-
Individuelles Leistungsspotenzial
unter Beweis stellen
-
Unternehmenskenntnisse ausbauen
-
Ein Netzwerk von Leistungsträgern
etablieren
-
Schaffung einer Feedback- und
Kritikultur
|
er nächste Schritt im Auswahlprozess stellte eine ausführliche
Kompetenzanalyse der vorgeschlagenen Kandidaten dar. Anhand eines
umfangreichen Katalogs wurden die Führungskräfte um eine Bewertung ihrer
Kandidaten in bezug auf die Fach- und Verhaltenskompetenz aber auch in
Hinblick auf die Persönlichkeit gebeten. Die Einschätzung der
Mitarbeiter bezog sich jeweils auf den Grad der Ausprägung bestimmter
Kompetenzen (in 5 Stufen von eher gering bis sehr hoch ausgeprägt). Im
Bereich Fachkompetenz wurde beispielsweise hinterfragt, inwiefern sich der
Mitarbeiter gegenüber neuen Techniken, Instrumenten und neuen Formen der
Arbeitsorganisation offen zeigt und ob er diese auch aktiv anwendet
beziehungsweise unterstützt.
Einschätzungen hinsichtlich der Verhaltenskompetenz bezogen sich auf
Bereiche, die zum Beispiel den Umgang mit Konflikten und die Kreativität
in der Entwicklung von neuen Konzepten und Problemlösungen betreffen.
Fragen nach der bisherigen Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung
für strategische Aufgaben- und Problemstellungen sowie der eigenen
Veränderungsbereitschaft wurden ebenfalls gestellt.
Die Erfahrungen mit dem Auswahlverfahren waren recht heterogen. Einerseits
halfen die Instrumente, die Kandidaten in einer vorher nicht gekannten
Gründlichkeit zu betrachten. Andererseits ist in der Nachbetrachtung
deutlich zu erkennen, dass Wahrnehmungs- und Beobachtungsfehler auftraten.
Mit anderen Worten: Einige Kandidaten wurden anfangs rechts positiv
bewertet, konnten diesem Anspruch jedoch im Laufe des Programms nicht
gerecht werden. Die entsprechenden Führungskräfte mußten zum Teil
erkennen, dass sie sich hatten blenden lassen. Eine Führungskraft
bezeichnete dies als »heilsamen Schock« und bemerkte, »Wir haben die
gewählt, die immer viel Staub aufwirbeln. Das würde uns heute nicht mehr
passieren«. Durch diese Erfahrung wurde der Ruf nach einem
unternehmensweit einheitlichen Auswahlverfahren laut. Daraus ergibt sich
eines der nächsten Personalentwicklungsprojekte im Unternehmen.
Die
Programmbausteine
Die in den Leitlinien definierte Zielsetzung eines Programms mit
vernetzter Architektur findet sich in den verschiedenen aufeinander
abgestimmten Bausteinen wieder.
Die Kick-off-Veranstaltung, an der sowohl alle beteiligten
Nachwuchskräfte als auch die Geschäftsführung, die Personalleitung, die
Führungskräfte beziehungsweise Projektmentoren teilnahmen, diente dem
offiziellen Start des Programms. Moderiert wurde die Veranstaltung von der
externen Beratung. Im wesentlichen wurden die Programmziele und die
Projektarbeiten vorgestellt und die Erwartungen der Beteiligten an das
Pilotprojekt erörtert. Gleichzeitig war der Kick off der Auftakt für
weitere Treffen, die sogenannten »Kaminabende« mit den
Führungskräften. Dieser eher informell gehaltene Baustein trug in
besonderem Maße dazu bei, die Kommunikation zwischen den Teilnehmern und
der Führungsmannschaft zu intensivieren.
Nach dem Kick off nahmen die Teilnehmer die Arbeit als Projektleiter auf.
In zirka 6- bis 8-wöchigen Abständen wurden die Trainings absolviert,
die sich mit den Themen Projektmanagement, Umgang mit der eigenen Zeit,
Präsentation und Moderation sowie Gesprächsführung beschäftigten. In
den Trainings wurden die Praxisfälle der Teilnehmer bearbeitet, so dass
die Teilnehmer die Anregungen unmittelbar in ihren Projekten umsetzen
konnten. Die Trainingseinheiten dienten aber auch dem regelmäßigen
Reporting und Austausch über die Projektarbeiten. Anhand von Fragebögen/Reviews
wurden die Teilnehmer aufgefordert, sich selbst und die eigenen
Vorgehensweisen kontinuierlich zu hinterfragen. Es stand insgesamt weniger
der »technische« Aspekt bestimmter Themen im Vordergrund, als vielmehr
die Teilnehmer selbst mit ihrer Persönlichkeit und ihren Strategien zur
Gestaltung der Projektarbeit. Auf der Sachebene wurden Kenntnisse
vermittelt, die aber immer in Bezug zu den eigenen Verhaltensmustern
gesetzt wurden. Die Reflexion auf der sozialen und emotionalen Ebene
stellte für die Teilnehmer eine neue und teilweise anstrengende
Herausforderung dar. Dem Gedanken, ein Netzwerk von Leistungsträgern zu
etablieren, wurde Rechnung getragen, indem in den Seminaren konsequent die
Teamentwicklung unterstützt wurde.
Die Projektarbeiten wurden in schriftlicher Form - inklusive einer
definierten Ziel- und Ergebnisdefinition und klarer Reviewtermine - mit
den Teilnehmern vereinbart. Hierbei wurden Themen ausgewählt wie
beispielsweise
-
die Entwicklung von Analyseinstrumenten zur Fehler-Ursachenerkennung
bei Extrusionsanlagen,
-
ein Benchmarkssytem im Kostenwesen,
-
Entwicklung eines Vertriebsinformationssystems sowie
-
die Erarbeitung eines Konzepts zum E-commerce im technischen
Einkauf.
Diese anspruchsvollen Aufgabenstellungen mussten im Laufe der
Bearbeitungszeit (neun Monate) teilweise in kleinere Aufgabenabschnitte
zerlegt werden. Da die Teilnehmer ihre Projekte zusätzlich zum
Tagesgeschäft erledigten, wurden hohe Anforderungen an ihr persönliches
Zeitmanagement gestellt.
Selbstverständlich gab es auch fachliche Hürden, die zu nehmen waren,
und die Lösung mancher Probleme dauerte länger als die Teilnehmer es
sich vorgestellt hatten. Auch wenn nicht alle Nachwuchskräfte in dem
vorgesehenen Zeitraum die vereinbarten Ergebnisse ablieferten und die
Bearbeitungsqualität unterschiedlich war, stellten in einer
abschließenden Evaluierung alle Beteiligten fest, dass die
Projektarbeiten einen sehr hohen praktischen Nutzen für das Unternehmen
haben. Die Teilnehmer und das Unternehmen können mit der konkreten
Realisierung innovativer Prozesse, Verfahren oder auch Produkte zufrieden
sein.
Unterstützt und begleitet wurden die Teilnehmer durch einen persönlichen
Coach. In Vier-Augen-Gesprächen mit einem erfahrenen externen Berater
hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich über ihre persönliche
(Laufbahn-) Entwicklung, ihre Ängste und Sorgen sowie konkrete
Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag auszutauschen. Nach anfänglicher
Skepsis gegenüber dem Personalentwicklungsinstrument Coaching wurde dies
von den Nachwuchskräften abschließend als außerordentlich hilfreich und
nützlich bewertet. Besonders die neutrale Haltung und Schweigepflicht des
Coaches wurde als wohltuend empfunden. Das Coaching trug in besonderem
Maße dazu bei, den Teilnehmern andere Blickwinkel und Betrachtungsweisen
zu eröffnen und half bei der Suche nach neuen Handlungs- und
Problemlösungsstrategien.
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Coaching
im Start-up-Programm...
|
-
fördert die persönliche
Entwicklung
-
»zwingt« zur Auseinandersetzung
-
ist eine methodische Hilfestellung
bei Innovationsvorhaben
-
hilft bei der Entdeckung eigener
Ressourcen
-
zeigt neue Perspektiven auf
-
unterstützt die Konfliktfähigkeit
und hilft bei Problemlösungen
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Zum Abschluß des gesamten Start up Programms erhielten die Teilnehmer
ein umfangreiches Feedback zu ihrer Person und ihrer Leistung. Anhand von
Feedbackfragen wurden die Führungskräfte, die Teilnehmer selbst, aber
auch die Teammitglieder zu einer Einschätzung aufgefordert. Hierzu gab es
mehrere Feedbackschleifen, die in einem abschließenden Gespräch zwischen
Führungskraft und seiner Nachwuchskraft mündeten. Ziel dieser Gespräche
war es, zum einen dem Teilnehmer eine Rückmeldung darüber zu geben, wie
er sich in der Projektlaufzeit entwickelt hat, und zum anderen mit ihm die
weitere Laufbahnentwicklung - inklusive notwendiger
Qualifizierungsmaßnahmen - zu erörtern.
Lernerfahrungen
Alle am Projekt Beteiligten sind durch einen Lernprozess hindurch
gegangen, der auf verschiedenen Ebenen Innovationen hervorgerufen hat. Zum
einen haben die Teilnehmer mit ihren Projektarbeiten ganz konkrete
Beiträge zu Innovationsvorhaben geleistet, zum anderen fordern sie aber
auch durch ihr neu erwachtes Selbstbewusstsein als Leistungsträger mit
Fragen und Kritik heraus. Sie stellen bekannte Abläufe und Formen der
Zusammenarbeit in Frage und erwarten von ihrem Umfeld
Veränderungsbereitschaft. Umgekehrt ist deutlich geworden, dass
Teilnehmer, die sich bei der Projektbearbeitung unflexibel und wenig
kreativ zeigten, auch weniger gute Ergebnisse ablieferten.
Auf der Ebene der Unternehmenskultur ist die Bedeutung der »weichen«
Faktoren, wie zum Beispiel die Team- und Feedbackfähigkeit, deutlich
geworden. Die Nachwuchskräfte betonten, dass die Möglichkeit, sich
gerade im Bereich Verhaltenskompetenz weiterzuentwickeln, eine besondere
Lernerfahrung darstellte. Sie haben in ihrem Team erfahren, dass Kritik
konstruktiv sein kann und Feedback eine Chance für persönliche
Weiterentwicklung bietet. Die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen,
neue Wege und Instrumente auszuprobieren, konnte durch das begleitende
Coaching sowie die Unterstützung engagierter Projektmentoren gefördert
werden. Das Start-up-Programm förderte nach Aussage der Teilnehmer, der
Führungskräfte und des Personalwesens in vielerlei Hinsicht die
Kompetenzen der Teilnehmer.
Das anspruchsvolle Personalentwicklungsprojekt »Start up 2000« machte
deutlich, dass auch die begleitenden Führungskräfte und das
Personalwesen durch einen Lernprozess gehen mussten. Teilweise wurden der
Aufwand und die Intensität der Nachwuchskräfte-Betreuung unterschätzt.
Aber auch die Kritikfähigkeit der Führungskräfte wurde stark
beansprucht. Als Projektmentoren waren sie nicht nur fachlich gefordert,
sondern ihre Fähigkeiten, Mitarbeiter zu führen und zu fördern, standen
auf dem Prüfstand. In der Nachbetrachtung wurde festgestellt, dass die
Führungskräfte und Projektmentoren bei einem zukünftigen Programm noch
intensiver auf ihre Rolle und ihre Aufgaben im Start up vorbereitet und
begleitend unterstützt werden müssen. Die Zusammenarbeit zwischen
Personalwesen, Beratung und den Führungskräften wurde durch einen
»Personalentwicklungskreis« gefördert. Dieser traf sich während der
Programmlaufzeit, um das Programm zu überwachen sowie aktuelle
Entwicklungen und Problemstellungen zu bearbeiten. Mit Engagement und
Offenheit wurde hier über die Entwicklungsfortschritte der Teilnehmer
gesprochen. Dieser Kreis diskutierte auch intensiv über das
Start-up-Pilotprogramm und gab wichtige Hinweise und Anregungen für die
Weiter- und Fortentwicklung zukünftiger Nachwuchsprogramme.
Der Lerneffekt im Personalwesen lag in der Erkenntnis, dass ein solches
Programm noch viel mehr Systematik und Intensität bei der Durchführung
verlangt. Besonders der Auswahlprozess wird bei einer Neuauflage eine
wichtige Rolle spielen. Hierzu bedarf es im Geschäftsführungskreis, auf
der Führungsebene und in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat eines
grundsätzlichen Diskussionsprozesses über die Auswahlinstrumente und
-kriterien.
Schlussfolgerungen
Das Start-up-Programm als Innovationsprojekt ist abschließend von
allen Beteiligten als Erfolg gewertet worden. Auch die Kinderkrankheiten,
die dem Pilotprojekt innewohnten, hielten die Beteiligten und Betroffenen
am Ende nicht von einer positiven Bewertung ab. Bewährte Routinewerkzeuge
mussten im Laufe des Prozesses überdacht werden und führten zu
Verhaltens- und Ablaufveränderungen. Voraussetzung dafür war die
Bereitschaft aller Beteiligten, sich auf neue Formen der
Personalentwicklung einzulassen und mit kritischen Beiträgen für eine
kontinuierliche Verbesserung zu sorgen. In diesem Sinne findet Innovation
nicht einmalig statt, sondern wird gemeinsam mit den Mitarbeitern, den
Führungskräften und dem Personalwesen sukzessive vorangetrieben und
ausgebaut. Es hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass Unternehmens-
und Mitarbeiterentwicklung nicht von einem einmaligen Projekt abhängt,
sondern dass es vielmehr auf die gemeinsame Arbeit und Gestaltung an einem
zukunftsorientierten Programm ankommt.
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Die Abbildungen entnehmen Sie bitte der Digitalen
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