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Personalentwicklung im Verbund
von Antje Jülicher
Systematische und kontinuierliche Personalentwicklung sichert die
Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Doch während
Großunternehmen ihre Mitarbeiter durch eigene Abteilungen konsequent auf
zukünftige Anforderungen vorbereiten, sucht man eine professionelle
Personalentwicklung im Mittelstand meist vergeblich. Ein hauptberuflicher,
interner Personalentwickler rechnet sich für kleine und mittlere
Unternehmen in der Regel nicht. Der vorliegende Beitrag zeigt jedoch im
Rahmen eines Best Practice-Beispiels, wie kleine und mittlere Unternehmen
diesen Wettbewerbsnachteil gegenüber Großunternehmen kompensieren
können. Die Lösung: Der Zusammenschluss mehrerer Betriebe zu einem
Personalentwicklungsverbund.
Stichworte:
Kooperationen als Chance für den Mittelstand, Umsetzung eines Personalentwicklungsverbundes:
geeignete Kooperationspartner,
erster Kooperationsentwurf, Auswahl eines Personalentwicklungsprofis,
Kooperationsvertrag, Proregio als Best Practice-Beispiel.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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wo Kooperationen für KMU Sinn
machen und welche Vorteile sie haben,
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was ein Unternehmen, das einen
Personalentwicklungsverbund anstrebt, tun muss, und
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welche Erfahrungen sechs KMU mit dem
Projekt Proregio gemacht haben.
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Kooperation
als Chance für den Mittelstand
In der Vergangenheit ist es eine Stärke des Mittelstands gewesen: eine
dominante, stark ergebnisorientierte Geschäftsleitung, meist in Person
des Besitzers. Einer hatte das Sagen, geführt wurde persönlich. Doch das
Arbeitsumfeld vieler kleiner und mittlerer Unternehmen hat sich in der
letzten Zeit radikal verändert. Heute sind die Aufgaben komplexer
geworden, und die Geschäftsleitung kann nicht mehr alle Vorgänge
überschauen. Will das Unternehmen weiterhin seine Innovations- und
Wettbewerbsfähigkeit sichern, müssen die Mitarbeiter hierfür fit
gemacht werden.
Doch was für die meisten Großunternehmen schon lange eine
Selbstverständlichkeit ist, erinnert bei kleinen und mittelständischen
Unternehmen oft an einen Feuerwehreinsatz: eine systematische und
kontinuierliche Personalentwicklung. Entscheidungen über entsprechende
Maßnahmen werden meist intuitiv getroffen. Oder es wird kurzfristig auf
dringenden Qualifizierungsbedarf im fachlichen Bereich reagiert, wie zum
Beispiel nach der Beschaffung neuer Maschinen oder EDV-Anlagen.
Die Folge der fehlenden systematischen und kontinuierlichen
Personalentwicklung ist, dass Qualifikationserfordernisse im Mittelstand
oft zu spät erkannt und unter entsprechend hohem Problem- und Zeitdruck
realisiert werden müssen. Die Maßnahmen bewegen sich dann überwiegend
im Rahmen kurzer Anlernmaßnahmen und sind nicht geeignet, die effektive
Nutzung der zunehmend Know-how intensiven Betriebsmittel oder komplexen
Softwareprodukte zu gewährleisten.
Personalentwicklung in der KMU
Dass eine kontinuierliche und systematische Personalentwicklung eine
lohnende Investition darstellt, ist allerdings auch den meisten kleinen
und mittleren Unternehmen mittlerweile bewusst. Viele würden es den
Großunternehmen daher gerne gleichtun und ihre Personalentwicklung
professionalisieren. Kleine und mittlere Unternehmen können aber den Grad
der innerbetrieblichen Arbeitsteilung in der Regel nicht so weit treiben,
dass eine eigene Abteilung oder Zuständigkeit gebildet werden kann. In
kleinen und mittleren Unternehmen behält sich die Leitungsebene diese
Aufgabe selbst vor. Mit zunehmender Mitarbeiterzahl wird die Koordination
von Weiterbildung dann meist nebenamtlich von den jeweiligen
Bereichsführungskräften oder von den Personalsachbearbeitern
übernommen. Insgesamt regeln nur etwa 15 Prozent aller kleinen und
mittleren Betriebe überhaupt die entsprechenden Zuständigkeiten. Dies
zeigt eine Studie des Rationalisierungskuratoriums der deutschen
Wirtschaft (siehe Abb. 1). Hauptamtliche Personalentwickler oder
zuständige Abteilungen findet man vorwiegend in Großunternehmen.
Ein weiteres Argument für den fehlenden hauptamtlichen Personalentwickler
ist, dass sich ein eigens engagierter Personalentwickler wegen der
mangelnden Auslastung bei hohen Fixkosten für kleine und mittlere
Unternehmen meist nicht rechnet. Der Mittelstand muss daher andere
Strategien verfolgen, die den Größennachteil wettmachen: Für kleine und
mittlere Unternehmen liegen die Chancen, ihre Innovations- und
Wettbewerbsfähigkeit durch Personalentwicklung zu steigern, eher in
Kooperationen mit anderen Unternehmen.

Abb. 1: Anstoß zur Weiterbildung kam bei wieviel Prozent der
KMU woher? Quelle: Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft,
Befragung bei 221 Unternehmen, Stand 1998
Wo Kooperationen helfen
Überall, wo durch gemeinschaftliches Handeln Synergien erzielt oder
Kräfte und Kompetenzen gebündelt werden können, machen Kooperationen
für kleine und mittelständische Unternehmen Sinn. Und tatsächlich:
Kooperationen gewinnen im Mittelstand zunehmend an Bedeutung. Immer mehr
kleine und mittlere Unternehmen sind bereit, eine längerfristige
Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen einzugehen. Im Vordergrund steht
dabei häufig eine bessere Realisierung der Unternehmensziele, das heißt,
man versucht, durch Kooperationen innovativer und wettbewerbsfähiger zu
werden. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die heutigen
Informations- und Kommunikationstechnologien. Sie erleichtern die
Kooperation mit anderen Unternehmen, indem sie eine schnelle
Informationsübermittlung ermöglichen und die notwendigen
Abstimmungsprozesse beschleunigen.
Kooperationen zwischen Unternehmen können verschiedene Formen annehmen,
wobei sich im Bereich der Personalentwicklung ein
Personalentwicklungsverbund anbietet. Die Idee ist einfach: Mehrere
regional nah gelegene kleine und mittlere Unternehmen schließen sich zu
einem Verbund zusammen und teilen die Arbeitskapazität eines
professionellen Personalentwicklers unter sich auf. Dadurch ergeben sich
für die beteiligten Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Die wichtigsten
sind:
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Durch die Verlagerung der Personalentwicklung an einen auf diese
Aufgabe spezialisierten Anbieter bleibt die Konzentration auf die
Kernfunktionen und -kompetenzen für die am Verbund beteiligten
Unternehmen erhalten. Zur selben Zeit erhalten sie jedoch Zugriff auf
Know-how, das im eigenen Unternehmen nicht vorhanden ist.
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Die gegenüber einem hauptberuflichen, internen Personalentwickler
verbesserte Kapazitätsauslastung macht professionelle
Personalentwicklung für kleine und mittlere Unternehmen finanzierbar.
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Systematische Personalentwicklung ist an den mittel- bis
langfristigen Unternehmenszielen ausgerichtet. Dadurch kann die
geschilderte Situation, dass Personalentwicklungsmaßnahmen in kleinen
und mittleren Betrieben häufig erst initiiert werden, wenn
Qualifikationsdefizite bereits deutliche Probleme hervorrufen, im
Verbund überwunden werden.
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Die Personalentwicklungsmaßnahmen orientieren sich an den
jeweiligen Rahmenbedingungen der Unternehmen. Dies stellt einen
wesentlichen Vorteil gegenüber häufig wechselnden externen Trainern
und Beratern dar, die sich in die betrieblichen Gegebenheiten immer
wieder neu einfinden müssen. Der im Verbund kontinuierlich tätige
Personalentwickler kennt die innerbetriebliche Situation. Auf der
anderen Seite bringt er aber auch unternehmensübergreifende
Erfahrungen aus den anderen Verbundunternehmen ein. Die Gefahr der
»Betriebsblindheit« besteht daher nicht.
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Es entstehen vielfältige Synergieeffekte. So bietet der Verbund zum
Beispiel die Möglichkeit, von den Erfahrungen der anderen
Kooperationspartner zu lernen. Daraus kann sich langfristig ein
kontinuierlicher Austausch mit anderen Betrieben der Region
entwickeln, bei dem die Beteiligten von den Erfahrungen der anderen
Unternehmen profitieren. Von besonderer Bedeutung ist dabei die
Organisation des überbetrieblichen Austausches. Möglich ist zum
Beispiel die Bündelung ausgewählter Kompetenzen aus einem bestimmten
Bereich zu betriebsübergreifenden Arbeitsgruppen, in denen Kenntnisse
ausgetauscht werden. Dadurch werden Gewohnheiten, die schon lange
nicht mehr hinterfragt wurden, augenfällig, mit der Folge, dass sich
aus der gemeinsamen Arbeit wertvolle Verbesserungsvorschläge und
effektive Lernprozesse für die beteiligten Betriebe ergeben. Infolge
eines derartigen Know-how-Transfers kann ein Kooperationspartner zum
Berater des anderen werden. Der Aufbau und die Weiterentwicklung
solcher Strukturen bilden damit zentrale Ansatzpunkte des
Wissensmanagements auf der zwischenbetrieblichen Ebene. Mit Methoden
des Wissensmanagements gilt es dann anschließend, die Lernergebnisse
im eigenen Unternehmen einem zielgerichteten Umsetzungsprozess
zuzuführen. Wesentliche Synergieeffekte bestehen auch darin, dass
Mitarbeiter in gemeinsamen Veranstaltungen qualifiziert werden
können, wenn sich aus Kostengründen für einen zu kleinen Teil der
Belegschaft ein eigenes Seminar nicht lohnt. Darüber hinaus können
Personalentwicklungsinstrumente partnerschaftlich entwickelt und
genutzt werden.
Die
Umsetzung eines Personalentwicklungsverbunds
Für kleine und mittlere Unternehmen, die eine systematische und
kontinuierliche Personalentwicklung als Innovations- und
Wettbewerbsvorteil nutzen wollen, ist die Mitgliedschaft in einem
Personalentwicklungsverbund ein tragfähiger Ansatz, und der Zugriff auf
das professionelle Know-how rechtfertigt die anteiligen Kosten.
Doch was ist zu tun, wenn Unternehmen einen Personalentwicklungsverbund
anstreben? Die Handlungsanweisung hierzu beinhaltet folgende Schritte:
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Suche nach geeigneten Kooperationspartnern
-
Erarbeitung eines ersten Kooperationsentwurfs
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Auswahl des Personalentwicklungsprofis
-
Abschluss des Kooperationsvertrags
Suche nach geeigneten
Kooperationspartnern
Hat sich ein Unternehmen zur Gründung eines
Personalentwicklungsverbunds entschlossen, besteht der erste Schritt in
der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern. Die Partnersuche und die
Auswahl der Partner sind wichtige Abschnitte im Aufbau eines
Personalentwicklungsverbunds, da sie einen großen Einfluss auf den Erfolg
des gesamten Kooperationsprojekts ausüben. Allerdings ist es häufig
recht mühsam, die passenden Partner zu finden, und die Suche folgt
häufig dem Prinzip »trial and error«. Günstig für den Aufbau einer
Kooperation ist es, wenn auf bekannte Firmen oder noch besser solche
zurückgegriffen werden kann, mit denen schon partnerschaftliche
Verbindungen bestehen. Ist beides nicht vorhanden, können
Vermittlungsinstanzen wie zum Beispiel die Organisationen der
Sozialpartner oder regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaften
behilflich sein.
Bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern sind darüber hinaus
folgende Aspekte zu berücksichtigen:
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Branchenzugehörigkeit: Es sind zum einen
Personalentwicklungsverbünde vorstellbar, in denen sich Unternehmen
der gleichen Branche zusammenschließen. Dies hat den Vorteil, dass
die Synergieeffekte aufgrund ähnlich gelagerter Problemstellungen in
den beteiligten Unternehmen zunehmen. Nachteilig ist jedoch, dass es
sich dabei in der Regel um Konkurrenzunternehmen handelt, was dazu
führen kann, dass sich die Partner gegenseitig misstrauen.
Personalentwicklungsverbünde mit Unternehmen verschiedener Branchen
begünstigen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, lassen aber weniger
Synergien zu, da die einzelnen Probleme, Firmenphilosophien und
Mentalitäten häufig zu verschieden sind.
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Anzahl der Verbundunternehmen: Die Anzahl der Partner bestimmt, wie
viele Personalentwickler im Verbund tätig sind. Grund dafür ist,
dass die Arbeitskapazität eines Personalentwicklungsprofis ab einer
gewissen Anzahl kooperierender Betriebe überschritten wird.
Kooperationen finden meist aber mit einer übersichtlichen Zahl von
Partnern statt. In den meisten Fällen kooperieren nicht mehr als
fünf Partner.
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Regionale Nähe: Die regionale Nähe ist für zwischenbetriebliche
Kooperation von besonderer Bedeutung. Kurze Wege und die persönliche
Kenntnis der Kooperationspartner sind für den notwendigen
Vertrauensaufbau und die effektive Kapazitätsauslastung des
Personalentwicklers von unschätzbarem Vorteil. Dadurch wird es zum
Beispiel möglich, dass der Personalentwickler auch stundenweise in
den verschiedenen Unternehmen tätig ist.
Sind die potenziellen Partner gefunden, geht es darum, in einem ersten
Treffen den Dialog zu suchen. Nur so lässt sich feststellen, ob die
Unternehmen sich eine sachliche Zusammenarbeit vorstellen können und ob
die »Chemie stimmt«. Es wird immer wieder betont, dass für den Erfolg
jeglicher Art von Kooperationsbeziehungen nicht nur sachliche Aspekte eine
Rolle spielen. Auch Variablen wie Sympathie und gleiche Wertevorstellungen
haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Erfolg eines
Verbundvorhabens. Ein Klima, in dem die Unternehmen befürchten, dass sich
einzelne auf Kosten anderer Vorteile verschaffen, verhindert erfolgreiche
Kooperationsprojekte. In einem Personalentwicklungsverbund spielt dieser
Faktor eine besondere Rolle, da unter Umständen vertrauliche
Informationen offenbart werden müssen. Eine gewisse Diskretion ist daher
zu gewährleisten.
Erarbeitung eines ersten
Kooperationsentwurfs
Haben sich mehrere Unternehmen dafür entschieden, einen
Personalentwicklungsverbund zu gründen, kann ein erster Entwurf der
Kooperation erarbeitet werden. Zur Ausarbeitung eines solchen Entwurfs
bietet sich ein konstituierender Workshop an, an dem die Führungskräfte
der partizipierenden Betriebe teilnehmen. Sie erhalten so eine Vorstellung
des zukünftigen Verbunds, dessen Konstruktion und Organisation und
können ihre Ziele und Vorbehalte direkt in die Diskussion einbringen. Als
greifbares Ergebnis des konstituierenden Workshops sollten die
teilnehmenden Unternehmen erkennen können, dass die Ziele der
Zusammenarbeit klar definiert sind und die Mittel zu ihrer Verwirklichung
vorhanden sind. Darüber hinaus sollten grundlegende Spielregeln (zum
Beispiel kein gegenseitiges Abwerben von Mitarbeitern etc.) im Sinne eines
handlungsleitenden Verhaltenskodex - möglichst schriftlich - fixiert
werden.
Erfahrungsgemäß werden viele Führungskräfte bei einem solchen Treffen
zum ersten Mal mit detaillierten Überlegungen zu einem
Personalentwicklungsverbund konfrontiert, und es treten zahlreiche Fragen
auf, für die ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung stehen
sollte. Daher ist es vorteilhaft, wenn die beteiligten Unternehmen bei dem
konstituierenden Workshop externe Unterstützung in Form eines neutralen
und in der Sache erfahrenen Moderators erhalten.
Auswahl
eines Personalentwicklungsprofis
Personalentwicklung betrifft einen sensiblen Bereich des Unternehmens,
deshalb sollte man bei der Auswahl des Personalentwicklers vor allem
qualitätsorientiert vorgehen und eine Vertrauensbasis anstreben. Eine
vorschnelle Entscheidung, die hauptsächlich aus Kostengründen gefällt
wird, kann nicht nur den Erfolg des Verbunds in Frage stellen, sondern
auch die Akzeptanz von Personalentwicklung im Unternehmen generell
gefährden. Bei der Auswahl des Personalentwicklungsprofis ist
insbesondere darauf zu achten, dass er über einschlägige Erfahrungen im
Bereich Personalentwicklung und Personalauswahl verfügt und sich im Feld
der Organisationsentwicklung auskennt. Er sollte unternehmensindividuell
angepasste Personalentwicklungskonzepte erstellen und deren Umsetzung
betreuen können. Um zusätzliche Kosten zu vermeiden, sollte der
Personalentwickler überdies in der Lage sein, überfachliche Maßnahmen
überwiegend selbst durchzuführen. Wichtig ist auch, dass ihm die
Besonderheiten in der Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen
vertraut sind.
Abschluss des Kooperationsvertrags
Wenn feststeht, welche Parteien am Personalentwicklungsverbund
teilnehmen und die Inhalte und Ziele geklärt sind, sollte ein
Kooperationsvertrag geschlossen werden, in dem die konkreten
Übereinkünfte zu den folgenden Punkten dokumentiert sind:
Allerdings zeigen die Erfahrungen, dass das Misstrauen der Beteiligten
umso größer ist, je detaillierter die schriftlichen Vorgaben sind. Daher
ist es unter Umständen sinnvoller, die Kooperation per Handschlag zu
besiegeln und es bei der schriftlichen Niederlegung weniger, klarer
Verhaltensmaximen zu belassen.
Mögliche Unterstützungen
Kleine und mittlere Unternehmen schaffen in Europa die meisten
Arbeitsplätze und beschäftigen etwa zwei Drittel aller Arbeitskräfte.
Aus diesem Grund ist den Mitgliedsstaaten daran gelegen, dem Mittelstand
zu helfen, in einem veränderten Umfeld effizient zu arbeiten. Auch die
öffentliche Förderung setzt dabei verstärkt auf Kooperationen im
Mittelstand. Dadurch sollen kleine und mittlere Unternehmen in die Lage
versetzt werden, sich im Wettbewerb auf Märkten erfolgreich zu behaupten,
wo große Organisationen, die Größenvorteile realisieren, immer mehr
begünstigt werden. Daher ist es für Personalentwicklungsverbünde unter
Umständen möglich, eine Anschubfinanzierung in Form eines öffentlich
geförderten Projekts zu erhalten. Eine solche Anschubfinanzierung ist in
ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen, denn die Verfügbarkeit externer
Zuschüsse ist bei der Suche nach Kooperationspartnern oft ein wichtiges
Argument, das andere Unternehmen dazu motivieren kann, sich für eine
Teilnahme an einem Personalentwicklungsverbund zu entscheiden. Allerdings
ist bei solchen öffentlich geförderten Projekten zu berücksichtigen,
dass deren Ergebnisse in der Regel von allgemeinem Interesse sind und
dementsprechend öffentlich zugänglich gemacht werden müssen.
Das
Projekt Proregio als Best Practrice-Beispiel
Ein vom Land Nordrhein-Westfalen und der EU gefördertes Projekt, das
zeigt, wie Personalentwicklung in Kooperation mit anderen Unternehmen
organisiert werden kann, ist das Projekt Proregio (Personalentwicklung im
Verbund: Aufbau und Verbreitung regionaler KMU-Netzwerke zur
Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen in Ziel-2-Gebieten).
Mit Hilfe des Projekts Proregio versuchen sechs kleine und
mittelständische Betriebe aus unterschiedlichen Branchen im Heinsberger
Raum, Personalentwicklung zu einem integrierten Bestandteil ihrer
Unternehmensplanung zu machen, indem sie sich die Leistungen eines
Personalentwicklungsprofis in einem Verbund teilen, der vor Ort in den
Unternehmen tätig ist.
Die Arbeit des Personalentwicklungsprofis umfasste im Projekt Proregio
inhaltlich die gleichen Aspekte wie die von
Personalentwicklungsabteilungen in Großunternehmen. Dies bedeutet, dass
er
-
ein systematisches, an der Unternehmensstrategie orientiertes
Personalentwicklungskonzept entwickelte,
-
sich einen Überblick über den aktuellen und zukünftigen
Qualifizierungsbedarf verschaffte,
-
maßgeschneiderte, auf die spezielle Problemkonstellation der
Unternehmen ausgerichtete Personalentwicklungsmaßnahmen konzipierte,
-
Personalentwicklungsmaßnahmen organisierte, koordinierte,
durchführte und
-
den Erfolg der durchgeführten Maßnahmen bewertete.
Ein maßgeschneidertes
Personalentwicklungskonzept
Neben diesen reinen Personalentwicklungstätigkeiten war der
Personalentwickler außerdem bei der Auswahl von Mitarbeitern und
Führungskräften behilflich und gestaltete bei Bedarf
Organisationsentwicklungsprozesse mit.
Welche konkreten Maßnahmen der Personalentwickler in den einzelnen
Unternehmen durchführte, hing demnach von deren spezifischen
Bedürfnissen ab. Diese waren in den einzelnen Betrieben sehr
unterschiedlich und wurden von dem im Projekt tätigen Personalentwickler
aus den mittel- und langfristigen Unternehmenszielen abgeleitet. Darauf
aufbauend erstellte er ein maßgeschneidertes Personalentwicklungskonzept
und koordinierte dessen Umsetzung beziehungsweise führte die Maßnahmen -
wo immer es möglich war - selbst durch. Da der Personalentwickler dabei
immer den Bedarf der anderen Verbundunternehmen im Auge hatte, wurden
bestimmte Personalentwicklungsmaßnahmen - wie zum Beispiel die
Qualifizierung der Unternehmensleitungen in Führungsthemen - für mehrere
Unternehmen gemeinsam durchgeführt.
Im Projektzeitraum fielen für die teilnehmenden Unternehmen keine
direkten Kosten an. In diesem Zeitraum wurden die finanziellen
Aufwendungen für den Personalentwickler mit Mitteln des Landes
Nordrhein-Westfalen und der EU gefördert. Doch natürlich ist die
langfristige Durchführung einer systematischen Personalentwicklung
innerhalb des Verbundes auf Dauer nicht kostenlos realisierbar. Nach
Ablauf des Projekts werden die anfallenden Kosten für den
Personalentwickler und die damit verbundenen Maßnahmen von den
Verbundunternehmen übernommen. Die genauen vertraglichen
Rahmenbedingungen und die finanziellen Beiträge der einzelnen
Verbundmitglieder wurden während des Projekts in Zusammenarbeit mit allen
Beteiligten erarbeitet.
Erfahrung mit Aufbau und Etablierung der
Kooperation
Da im Rahmen des Projekts Proregio modellhaft ein
Personalentwicklungsverbund gegründet worden ist, war es möglich,
zahlreiche Erfahrungen bezüglich des Aufbaus und der Etablierung einer
solchen Kooperation zu sammeln. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie
folgt skizzieren:
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Verbünde brauchen Initiatoren: Es wäre zwar wünschenswert, wenn
kleine und mittlere Unternehmen von sich aus
Personalentwicklungsverbünde bilden würden, doch im Regelfall sind
eine gewisse Anregung und anfängliche Hilfestellung von außen
erforderlich. Diese Hilfe kommt im Allgemeinen von staatlichen Stellen
wie zum Beispiel Wirtschaftsförderungen oder den Organisationen der
Sozialpartner. Wenn die Unternehmen dann erst mal ein Kooperationsnetz
erstellt haben, sehen sie allerdings schnell die Vorteile, die sich
durch die Teilnahme an einem Personalentwicklungsverbund ergeben.
-
Verbünde brauchen Management: Das Verbundmanagement sollte aber
nicht versuchen, den beteiligten Unternehmen bestimmte Ideen, fertige
Angebote oder Strukturen aufzudrängen. Vielmehr sollte es die
Kooperationspartner ermutigen, eigene Wünsche und Ziele zu
formulieren. Ein Verbund mit einer lebhaften Beteiligung der
Teilnehmer hat die beste Chance, sich an die jeweiligen Umstände
anzupassen und sich damit dauerhaft zu etablieren. Das
Verbundmanagement sollte jedoch die Diskussion anregen und moderieren,
den Verbund mit Strukturen versehen, die das gegenseitige Vertrauen
der Teilnehmer stärken und die Zusammenarbeit in den Unternehmen auf
allen Ebenen fördern. Als günstig erweist es sich, wenn der
Personalentwickler die Aufgaben des Netz-Managers übernehmen kann, da
der Personalentwickler in der Regel die notwendigen Voraussetzungen -
wie zum Beispiel Moderationskompetenz - dazu mitbringt.
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Verbünde brauchen den direkten, persönlichen Dialog: Die
Informations- und Kommunikationstechnologie kann die Kooperation der
beteiligten Unternehmen zwar erleichtern, sie kann aber den direkten,
persönlichen Dialog nicht ersetzen. Nur auf diesem Wege lässt sich
zwischen den Verbundpartnern ein Vertrauensverhältnis schaffen und
aufrechterhalten. Insofern ist es neben der bereits erwähnten
regionalen Nähe wichtig, dass sich die Betriebe regelmäßig
persönlich begegnen. Eine mögliche Organisationsform, die sich im
Rahmen des Projekts Proregio bewährt hat, sind sogenannte
»Verbundtreffen«, die monatlich stattfinden und in denen anstehende
Fragen und Probleme gemeinsam beantwortet beziehungsweise gelöst
werden.
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Freistellungsprobleme behindern Verbünde: Vor allem bei kleineren
Unternehmen spielen Freistellungsprobleme eine besondere Rolle. Hier
stellt sich schnell die Frage nach der Funktionsfähigkeit der
gesamten Unternehmung, so dass der Ausfall von einzelnen
Mitarbeitenden nicht problemlos verkraftet werden kann. Das
Freistellungsproblem verschärft sich noch, wenn das Unternehmen gut
ausgelastet ist und jeder Mitarbeitende gebraucht wird. Verstärkt
wird das Freistellungsproblem weiterhin durch die schwache Ausprägung
des Delegationsverhaltens und die damit einhergehende starke Tendenz
zur Entscheidungszentralisation, die zu einer eingeschränkten
Arbeitsteilung und damit oft zu einer hohen Arbeitsbelastung und
Aufgabenhäufung beim Unternehmer führen. Als sinnvoll hat es sich
daher zum Beispiel erwiesen, die Verbundtreffen außerhalb der
Arbeitszeit anzusetzen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass aufgrund
des Tagesgeschäfts selten alle am Verbund beteiligten Unternehmen
anwesend sind, wodurch anstehende Abstimmungsprozesse behindert
werden.
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Verbünde brauchen messbare Erfolge: Ziel des
Personalentwicklungsverbunds sollte es sein, dafür zu sorgen, dass er
den beteiligten Unternehmen direkt hilft. Eine Erfolgsmessung ist in
der Personalentwicklung jedoch eine besondere Herausforderung, da bei
Rentabilitätsberechnungen viele, oft schwer festmachbare
Einflussfaktoren zu berücksichtigen sind. Diese Herausforderung ist
aber anzunehmen und konsequent umzusetzen.
Zusammenfassung
Eine kontinuierliche und systematische Personalentwicklung ist eine
lohnende Investition, auch für kleine und mittlere Unternehmen.
Allerdings scheinen die Schwierigkeiten, die sich bei der Umsetzung
ergeben, unüberwindbar hoch: Den Mitarbeitern aus den eigenen Reihen
fehlen Zeit und Qualifikation, und ein eigens engagierter
Personalentwickler rechnet sich für KMU meist nicht. Einen Ausweg aus dem
Dilemma bietet die Kooperation mit anderen Unternehmen: Mehrere regional
nah gelegene KMU schließen sich zu einem Verbund zusammen und teilen die
Arbeitskapazität eines professionellen Personalentwicklers unter sich
auf.
Die Handlungsanweisung für Unternehmen, die sich zu einem
Personalentwicklungsverbund entschlossen haben, beinhaltet verschiedene
Schritte. Zunächst müssen geeignete Kooperationspartner gefunden werden,
dann wird der erste Kooperationsentwurf ausgearbeitet. Nach der
sorgfältigen Auswahl des Personalentwicklungsprofis wird der
Kooperationsvertrag abgeschlossen.
Ein gutes Beispiel für eine funktionierende Kooperation ist das Projekt
Proregio, das vom Land Nordrhein-Westfalen und der EU gefördert wurde.
Sechs kleine und mittelständische Betriebe aus unterschiedlichen Branchen
im Heinsberger Raum haben sich die Leistungen eines
Personalentwicklungsprofis im Verbund geteilt und auf diesem Wege
Personalentwicklung zu einem integrierten Bestandteil ihrer
Unternehmensplanung machen können.
Der Beitrag beschreibt unter anderem die Arbeit des
Personalentwicklungsprofis und skizziert die zahlreichen Erfahrungen
bezüglich des Aufbaus und der Etablierung einer solchen Kooperation.
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