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- Leseprobe -
Management von Innovationsteams
von Hans Georg
Gemünden, Martin
Högl und Katharina
Weinkauf
Teams gelten als die Bausteine von innovativen
Unternehmen. Im Allgemeinen versteht man unter einem Team eine soziale
Einheit von mehreren Personen, die über einen längeren Zeitraum
unmittelbar (Face-to-Face und über moderne Kommunikationsmedien)
miteinander interagiert, in ihrer Aufgabe interdependent ist und eine
gemeinsame Verantwortung für ihr Ergebnis hat. Insbesondere für die
Bearbeitung von innovativen Aufgaben (wie zum Beispiel der Produkt- oder
Prozessentwicklung) gelangen interdisziplinäre Teams zum Einsatz, von
denen Unternehmen sich eine ganze Reihe von Vorteilen versprechen. Zum
wirklichen Erfolg gehört jedoch weitaus mehr als »nur« der Einsatz von
Teams. Ob Potenziale wirklich realisiert werden können, hängt im
Wesentlichen davon ab, wie gut es den Teammitgliedern gelingt, sich selbst
zu managen und effektiv zusammenzuarbeiten.
Stichworte: Management der Aufgaben, Grenzen
und Leistungen, Teamführung; Zusammenarbeit im Team; Empirische
Untersuchung; Befunde; Teammanagement und Erfolg; Maßnahmen zur
erfolgreichen Gestaltung der Teamarbeit; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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-
welche Managementfunktionen in Innovationsteams
relevant sind,
-
warum die Zusammenarbeit im Team wichtig ist und
was sie kennzeichnet,
-
wie sich bestimmte Komponenten des
Teammanagements und der Zusammenarbeit auf den Erfolg eines
Teams auswirken und
-
mit welchen konkreten Maßnahmen eine
erfolgreiche Teamarbeit gestaltet werden kann.
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Die Vorteile interdisziplinärer Teams
-
Beherrschung der Komplexität: Die wachsende
Komplexität innovativer Aufgaben übersteigt die
Informationsverarbeitungs-, Steuerungs- und Verantwortungskapazität
von Individuen. Nur mehrere Experten zusammen können das für die
Aufgabenerfüllung notwendige Wissen beziehungsweise die Expertise
erbringen.
-
Effizienz: Interdisziplinäre Teams haben die
Kapazität, den Prozess in seiner Gesamtheit zu betrachten und
Aktivitäten simultan durchzuführen (anstelle der traditionellen
sequenziellen Ausführung). Durch Integration von Entwicklung,
Produktion und Marketing werden zum Beispiel Produzierbarkeit und
Vermarktung optimiert beziehungsweise kostspielige und zeitraubende
Überarbeitungen vermieden.
-
Kreativität und verbesserte Entscheidungsqualität:
Das Zusammenführen verschiedener Perspektiven erhöht das
Kreativitätspotenzial, um innovative Lösungen zu entwickeln. Die
Addition von Individuen in einem Team kann zu besserer Qualität des
Teamoutputs, statistischem Fehlerausgleich und aktiver Fehlerkorrektur
führen.
-
Flexibilität: Die Dynamik der Umwelt (insbesondere
des Marktes) gebietet eine hohe Anpassungsfähigkeit von Seiten der
Organisationen, die durch die direkte Zusammenarbeit aller Betroffenen
möglich ist.
-
Förderung der Partizipation: Teams stehen für
Demokratie und Partizipation und folgen somit dem gesellschaftlichen
Wertewandel. Teamarbeit ermöglicht es, dass Teammitglieder
gegenseitig voneinander lernen und latent vorhandene menschliche
Fähigkeiten aktiviert werden.
Trotz dieser zahlreichen Vorteile sind Teams keine
»Selbstläufer«, das heißt: Der Einsatz von Teams führt nicht
unweigerlich zum Erfolg. Inwieweit die oben genannten Potenziale
realisiert werden können, hängt maßgeblich davon ab, wie gut es den
Teammitgliedern gelingt, sich zu managen sowie zusammenzuarbeiten.
Doch was kennzeichnet ein gutes Teammanagement? Wodurch ist eine effektive
Zusammenarbeit im Team charakterisiert, und wie kann sie aktiv gestaltet
werden? Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, diese Fragen zu
beantworten. Die folgenden Ausführungen werden durch Ergebnisse aus einer
empirischen Studie eines teambasierten Großprojektes in der
Automobilindustrie ergänzt.
Teammanagement
Unter Teammanagement sei hier die unmittelbare
absichtliche und zielbezogene Einflussnahme eines Teammitglieds auf das
Verhalten anderer Teammitglieder zu verstehen. Im Folgenden werden
verschiedene Managementfunktionen erläutert, die dem Team helfen, sein
gewünschtes Ziel zu erreichen. Die Erkenntnis, dass sich
Managementfunktionen nicht nur auf den formalen Teamleiter beschränken,
sondern von allen Teammitgliedern je nach Fähigkeiten wahrgenommen
werden, ist in der Wissenschaft und Praxis weit verbreitet. Wichtig ist
daher nur, ob bestimmte kritische Aktivitäten ausgeübt werden, nicht von
wem. Die Vielzahl an relevanten Aktivitäten kann in vier zentrale
Funktionen zusammengefasst werden [1].
Management der Aufgabe
Zu Beginn der Teamarbeit ist es wichtig, dass Ziele - also
gewünschte, spezifische, messbare und realistische Endergebnisse -
gesetzt werden. Klare Ziele erhöhen nicht nur die Motivation der
Teammitglieder, sie erleichtern auch die Koordination und stellen sicher,
dass die Teammitglieder sich an einem gemeinsamen Ergebnis orientieren.
Als wichtige Bedingung ist dabei zu beachten, dass die Teamziele von den
Mitgliedern akzeptiert werden. Es ist daher empfehlenswert, dass alle
Teammitglieder gemeinsam ihre Ziele definieren. Neben der Zielsetzung ist
die Planung der Vorgehensweise des Teams entscheidend. Jedes Team sollte
festlegen, welche Aufgaben in welcher Reihenfolge zu erledigen sind. Bei
Projekten werden oftmals Meilensteine vorgegeben, die dem Team als
Orientierungshilfe dienen. Auf diese Weise kann der Zeitbedarf für die
Aufgabe und die notwendigen Ressourcen (Personal, Maschinen,
Informationstechnologien etc.) besser eingeschätzt werden. Des Weiteren
ist eine Klarheit über die Zuständigkeiten innerhalb des Teams wichtig.
Sinnvollerweise werden die Teamaufgaben analysiert und strukturiert und
daraufhin an diejenigen vergeben, die sie am besten erfüllen können.
Somit sollen Lücken und Überschneidungen in der Aufgabenerledigung
ausgeschlossen werden.
Management der Grenzen
Obgleich Teams in der Regel eine relativ abgegrenzte
Aufgabe bearbeiten, können sie sich nicht alleine auf ihr »Innenleben«
beschränken. Sie sind vielmehr Bestandteil eines größeren Unternehmens
und einer Umwelt, mit der sie interagieren, und benötigen zu ihrer
Aufgabenerfüllung den Input von anderen Gruppen. So steht zum Beispiel
ein Neuproduktentwicklungsteam zumeist in Kontakt mit unternehmensinternen
Gruppen wie dem Top Management, der Produktions- und Vertriebsabteilung
sowie anderen Teams, aber auch mit äußeren Bezugsgruppen wie Kunden und
Lieferanten. Diese Gruppen liefern dem Team Inputs (Informationen,
Ressourcen) oder nehmen Outputs von dem Team auf. Somit können sie die
Fähigkeit des Teams, seine Aufgaben zu erfüllen und seine Ziele zu
erreichen, beeinflussen. Eine wichtige Aufgabe, die oft vernachlässigt
wird, stellt daher das Management der Beziehungen zu diesen Gruppen dar
[2]. Dies beinhaltet zum Beispiel, dass die Teams Grenzen ziehen und ihren
Platz und ihre Rolle innerhalb des Unternehmens und der Umwelt bestimmen.
Auch sollten sie alle relevanten Schnittstellen identifizieren, um die
vielfältigen notwendigen Interaktionsbeziehungen und Informationsflüsse
nach außen zu überblicken. Durch ein konstruktives Beziehungsmanagement
mit anderen Gruppen wird wertvolles Wissen transferiert, alternative
Ideen, Verbesserungsvorschläge oder Erfahrungen anderer Gruppen können
ins Team gelangen, und man kann voneinander im Umgang mit Problemen
lernen. Ferner trägt die Kooperation über die Teamgrenzen hinweg nicht
nur zu einem ganzheitlichen Denken bei, sondern hilft auch soziale
Netzwerke aufzubauen.
Management der Leistung
Das Management der Leistung im Team bezieht sich nicht nur
auf die nachträgliche Ergebnisfeststellung, sondern vor allem auf die
regelmäßige Beobachtung der Teamprozesse. Eine Messung der Leistung
(Ist-Zustand) und ein Vergleich mit den angestrebten Zielen (Soll-Zustand)
soll Abweichungen insbesondere hinsichtlich Kosten, Zeit und Qualität
aufzeigen. Je nachdem, ob bestimmte Teilergebnisse erreicht werden, wird
der weitere Fortgang des Teams bestimmt, was zu einer Korrektur der
vereinbarten Ziele (nicht zweckmäßig, nicht erreichbar) beziehungsweise
der geplanten Vorgehensweise führen kann. Zusätzlich zur
Selbstbeurteilung des Teams ist auch externes Feedback hilfreich, das zum
Beispiel von Kunden des Teams (organisationsexterne Käufergruppen
beziehungsweise organisationsinterne Gruppen) oder vom Management aktiv
eingeholt werden sollte. In diesem Zusammenhang bietet es sich an, die
Beteiligten auch nach Verbesserungsvorschlägen zu fragen. Auf diese Weise
wird auch die Gefahr von dysfunktionalen Teamphänomenen wie Social
Loafing (soziales Bummeln/Faulenzen) oder Groupthink (kollektiver, nicht
hinterfragter Glaube an die inhärente Korrektheit des Teams) reduziert.
Teamführung im engeren Sinne
Neben diesen aufgabenbezogenen Funktionen wird von
Wissenschaftlern und Praktikern die Bedeutung der personenbezogenen
Komponente des Managements immer wieder hervorgehoben. Teamführung im
engeren Sinne zielt darauf ab, eine positive Bindung der Mitglieder an das
Team zu erreichen. Dies geschieht zum Beispiel, indem man sich im Team
über die Ausgangssituationen der einzelnen Teammitglieder, ihre
Erwartungen, Motivationen und Bedürfnisse bewusst wird und durch
gezieltes Coachen darauf eingeht. Nicht alle Teammitglieder sind zum
Beispiel geborene »Teamplayer« - so sind stark dominante
Persönlichkeiten oder Personen mit einer geringen Arbeitsmoral in Teams
keine Seltenheit. Für die Entwicklung des Teams ist es förderlich, wenn
sich die Teammitglieder gegenseitig anleiten. Jedem Teammitglied sollte
sein individueller Entwicklungsbedarf und gegebenenfalls entsprechende
Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen (Weiterbildung, Selbststudium,
Karriereplanung) aufgezeigt werden. Eine herausfordernde Arbeit und die
Aussicht nach beruflichem Aufstieg erhöhen das Bemühen, erfolgreich zu
sein. Schließlich ist die Teamführung bei persönlichen Problemen
gefragt, den Einzelnen zu unterstützen.
Zusammenarbeit im Team
Innovationsteams sind in der Regel interdisziplinär
zusammengesetzt, das heißt, ihre Mitglieder gehören verschiedenen
Bereichen wie Forschung & Entwicklung, Marketing, Produktion,
Controlling und so weiter an. Nur durch eine enge Zusammenarbeit dieser
unterschiedlichen Experten kann das gesamte im Team vorhandene
aufgabenrelevante Wissen in die Problemlösung einfließen und die
gewünschte Qualität des Arbeitsergebnisses erreicht werden. Teams, die
gut zusammenarbeiten, sind in der Lage, Teilaufgaben simultan
durchzuführen und miteinander abzustimmen und somit schnell und
kostengünstig zu arbeiten. Des Weiteren können Teammitglieder durch die
Teamarbeit gegenseitig voneinander lernen und dabei latent vorhandene
menschliche Fähigkeiten aktivieren.
Diese offensichtlich positiven Wirkungen der Zusammenarbeit auf die
Effizienz und Effektivität sowie den persönlichen Erfolg der Beteiligten
sind Anlass genug zu fragen, was eine gute Zusammenarbeit charakterisiert.
Die in konzeptionellen und empirischen Beiträgen der Teamforschung
diskutierten Merkmale guter Teamarbeit lassen sich im Wesentlichen auf
sechs Aspekte reduzieren:
-
Kommunikation,
-
Aufgabenkoordination,
-
Ausgewogenheit der Mitgliederbeiträge,
-
gegenseitige Unterstützung,
-
Arbeitsnormen und
-
Kohäsion [3].
Kommunikation
Eine gute Kooperation im Team zeichnet sich durch häufige
und informelle Kommunikation aus. Ideen und Anregungen können so spontan
mit anderen Teammitgliedern diskutiert werden, ohne eine formale
Teamsitzung einberufen zu müssen. Ferner sollten Informationen
rechtzeitig, direkt und offen ausgetauscht werden.
Aufgabenkoordination
Ein weiteres wesentliches Merkmal effektiver Teamarbeit
besteht darin, dass die Einzelbeiträge der Teammitglieder zielgerichtet
koordiniert werden. Obgleich Teams Aufgaben vor allem im Kollektiv
erfüllen, ist es sinnvoll, Teilaspekte der Aufgabe an einzelne
Teammitglieder separat zu vergeben. Werden diese Beiträge eng miteinander
abgestimmt, kann das Team simultan arbeiten und schneller voranschreiten.
Gegenseitige Unterstützung
Das gegenseitige Unterstützen der Teammitglieder ist ein
weiteres zentrales Element der Teamarbeit. Statt eines Wettbewerbsdenkens
sollten sich die Teammitglieder gegenseitig aushelfen und respektieren. In
Innovationsteams ist dieses »gemeinsame Ziehen an einem Strang« eine
Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration der Expertise aller
Teammitglieder.
Ausgewogenheit der Mitgliederbeiträge
Für die Zusammenarbeit eines Teams ist außerdem von
Bedeutung, dass das Beziehungsgeflecht der einzelnen Teammitglieder
untereinander als allgemein ausgeglichen empfunden wird. Alle
Teammitglieder sollten entsprechend ihrer Fähigkeiten und Potenziale
ihren Beitrag leisten können und dürfen.
Arbeitsnormen (Engagement)
Außerdem ist es wünschenswert, dass die Teammitglieder
gleichermaßen hohe Normen - also Verhaltenserwartungen - in Bezug auf ihr
Engagement anstreben und verwirklichen. Ein gut funktionierendes Team
sollte zum Beispiel geteilte Erwartungen hinsichtlich des Workload
Sharings sowie der Priorisierung der Teamaufgabe gegenüber etwaigen
anderen Aufgaben haben.
Kohäsion
Schließlich ist für eine intensive Zusammenarbeit die
Kohäsion im Team, also ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl und ein
Bestreben, das Team in Gang zu halten, unabdingbar. Sie bildet sich vor
allem dann aus, wenn die Teamaufgabe und/oder die soziale Interaktion für
die Teammitglieder attraktiv sind.
Empirische Untersuchung
Um die Wirkungen von Teammanagement und Zusammenarbeit im
Team empirisch zu untermauern, wurde eine Studie in einem 39 Teams
umfassenden Projekt in der europäischen Automobilindustrie durchgeführt
[4]. In diesem Großprojekt, das zirka 36 Monate dauerte, sollte ein
innovatives Fahrzeug entwickelt werden. Wie es für
Neuproduktentwicklungsprojekte aller Art kennzeichnend ist, mussten die
Teams ein hohes Maß an Interdependenzen, Unsicherheit und Dynamik
bewältigen.
Mittels standardisierter Fragebögen (5-Punkte-Skala) wurden insgesamt 376
persönliche Interviews mit Teammitgliedern, Teamleitern und
Projektleitern geführt, so dass man sich auf eine breite Basis stützen
konnte. In den ersten beiden Jahren wurden Teammitglieder und Teamleiter
nach ihrer Beurteilung des Teammanagements und der Qualität der
Zusammenarbeit im eigenen Team befragt. Im dritten Jahr, als sich das
Projekt in seiner Endphase befand, sollten die Projektleiter die Leistung
der einzelnen Teams einschätzen. Konkret wurde dabei nach dem
Gesamterfolg der Teams gefragt, der Anzahl der Wochen, die die
verschiedenen Teams im Vergleich zum Projektplan in Verzug waren, sowie
nach dem Lernerfolg, den die Mitglieder der Teams durch die Projektarbeit
für sich verzeichnen konnten.
Befunde
Anhand der Daten wurde untersucht, in welcher Beziehung
die vom Team selbst wahrgenommene Qualität des Teammanagements und der
Zusammenarbeit mit den von den Projektleitern später beurteilten
Erfolgskriterien stehen. Die nachfolgenden Abbildungen 1 bis 6
veranschaulichen diese Zusammenhänge graphisch. Dabei wurde für jede
Komponente des Teammanagements sowie der Zusammenarbeit ein
Extremgruppenvergleich durchgeführt. Es wurden jeweils die 5 Teams
identifiziert, die hinsichtlich einer Komponente am schlechtesten
abschnitten, und die 5 Teams, die bei der Komponente die besten Werte
aufwiesen. Auf diese Weise wurde für jede Komponente die Kategorie »Bottom
5 Teams« sowie »Top 5 Teams« gebildet. Für diese Kategorien wurde
jeweils der durchschnittlich erzielte Gesamterfolg, Wochenrückstand und
Lernerfolg ermittelt.
Teammanagement und Erfolg
Wie aus der Abbildung 1 ersichtlich, lässt sich durch ein
effektives Teammanagement der Gesamterfolg steigern. Für dieses globale
Erfolgskriterium sind die vier verschiedenen Komponenten des
Teammanagements ungefähr gleich bedeutend. Auch der Wochenrückstand
eines Teams im Projekt hängt von der Fähigkeit eines Teams ab, sich zu
managen. So liegen beispielsweise Teams, die intensives Coaching
praktizieren, im Schnitt fast 5 Wochen besser in der Zeit als die Teams,
in denen wenig Führen im engeren Sinne stattfindet. Überraschend ist
hier, dass den Daten zufolge das Management der Leistung die
Zeiteinhaltung beeinträchtigt. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass
Teams ihre Leistung nicht »überkontrollieren« sollten. Ein kritisches
Monitoring ist zwar zu bestimmten Zeiten sinnvoll, jedoch nicht
unaufhörlich, da es die Teams davon abhält fortzuschreiten. Der
Lernerfolg (d.h. das Aneignen von wichtigem Know-how, Lernen aus
Erfahrungen im Team, Stärkung der Kompetenzen) spiegelt den persönlichen
Erfolg der Teammitglieder wider, der vor allem für nachfolgende
Teamprojekte relevant ist. Lernerfolg stellt sich vor allem dann ein, wenn
konkrete Ziele gesetzt wurden und Mitglieder einander coachen.

Abb. 1: Teammanagement und Gesamterfolg

Abb. 2: Teammanagement und Wochenrückstand

Abb. 3: Teammanagement und Lernerfolg
Zusammenarbeit im Team und Erfolg
Auch für die Komponenten der Zusammenarbeit wurden die
Wirkungen auf den Teamerfolg berechnet und in den folgenden Abbildungen
veranschaulicht.
Wie bereits beim Teammanagement kann auch hier festgehalten werden, dass
alle Komponenten der Zusammenarbeit im Team einen positiven Einfluss auf
den Gesamterfolg des Teams haben. Die Befunde zum Wochenrückstand zeigen,
dass Teams, deren Mitglieder gut zusammenarbeiten, deutlich besser die
ehrgeizig gesteckten Zeitziele erreichen können. Eine ausgeprägte
gegenseitige Unterstützung im Team verhalf den untersuchten Teams zu
einem Zeitvorteil von bis zu 7 Wochen. Diese Erkenntnis ist besonders in
der Neuproduktentwicklung von Interesse, wo eine kurze Time-to-Market ein
zentraler Wettbewerbsvorteil ist. Die Studie von Vesey (1991) kam
beispielsweise zu dem Ergebnis, dass High-tech-Produkte, die sechs Monate
zu spät auf den Markt gelangten, aber im Budget blieben, ein Drittel
weniger Gewinn brachten als Produkte, die rechtzeitig auf den Markt kamen
[5]. Lernerfolg bei den Teammitgliedern wird vor allem durch eine offene
Kommunikation und hohe Arbeitsnormen gefördert. Gerade in
interdisziplinären Teams eignen sich die Teammitglieder besonders dann
neues Know-how an, wenn eine Ausgewogenheit im Team herrscht, sich also
alle Experten fachlich gleichermaßen einbringen können.

Abb. 4: Zusammenarbeit im Team und Gesamterfolg

Abb. 5: Zusammenarbeit im Team und Wochenrückstand
Maßnahmen zur erfolgreichen Gestaltung der Teamarbeit
Angesichts der in der Studie dokumentierten positiven
Erfolgswirkungen des Teammanagements und der Zusammenarbeit im Team
sollten diese Prozesse aktiv gefordert und gefördert werden, um eine hohe
Leistung zu gewährleisten. Die folgenden Punkte zeigen auf, welche
Maßnahmen Unternehmen diesbezüglich konkret ergreifen können.
Gewähren von Autonomie
Unter Autonomie wird hier die Unabhängigkeit des Teams
vom Management im Zuge der Leistungserbringung verstanden. Dies bedeutet,
dass Teams in der Lage sein sollten, innerhalb bestimmter gegebener Zeit-,
Budget- und Qualitätsrestriktionen ihre Arbeitsprozesse selbst ohne
Genehmigung des Managements zu gestalten. Als Grundregel für teambasierte
Organisationen formulieren Forscher, Teams so viel Verantwortung wie
möglich zu übertragen, da Autonomie die Teamleistung positiv beeinflusst
[1]. Dies muss nicht unweigerlich bedeuten, dass Teams keine Vorgesetzten
haben sollten. In den häufigsten Fällen unterstehen Teams einem externen
Manager, der unter anderem für die Ressourcenallokation, Entscheidungen
größeren Umfangs oder gravierende Konflikte zuständig ist. Seine
Aufgabe besteht jedoch mehr in einer »subtle control« [6], also einer
feinsinnigen Steuerung beziehungsweise Beratung und Unterstützung, als
einer aktiven Einmischung in die Teamprozesse. Bei zu enger Führung des
Teams (d.h. Eingreifen in operative Entscheidungen) besteht die Gefahr,
dass sich direkte hierarchische Strukturen zwischen den Teammitgliedern
und dem Manager entwickeln, worunter die Zusammenarbeit im Team leidet.
Eingriffe durch Manager sollten nur dann erfolgen, wenn das Team zum
Beispiel seine Probleme selbst nicht lösen kann.
Ausreichende Ressourcenausstattung
Zur Erfüllung ihrer Aufgabe müssen Teams auf eine
Vielzahl von Ressourcen zurückgreifen - seien es finanzielle, physische,
organisatorische oder Human-Ressourcen. Hierbei ist zu bemerken, dass die
zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht grundsätzlich maximiert werden
müssen. Jedoch ist ein angemessenes Maß an notwendigen Ressourcen
Voraussetzung dafür, dass Teams sich nicht schon von Anfang an einer
Aufgabe nicht gewachsen sehen und aus diesem Grund resignieren. Wichtig
für Innovationsteams sind neben dem eingesetzten Personal finanzielle
Ressourcen für technische Versuche, Geschäftsreisen oder den Zukauf von
unternehmensexternem Know-how sowie Büros, Besprechungsräume,
Informations- und Kommunikationstechnologie. In diesem Zusammenhang ist
darauf zu achten, dass die Teammitglieder über einheitliche
Informationstechnologien verfügen und räumlich-nahe platziert sind.
Letzteres erleichtert die Face-to-Face-Kommunikation, die das
reichhaltigste Medium ist und bei innovativen (unsicheren, komplexen)
Vorhaben fundamental ist.
Anreizsystem auf Teambasis
Zusätzlich sollte das Anreiz- beziehungsweise
Belohnungssystem so gestaltet werden, dass es die Kooperation im Team
fördert. Besonders, wenn die Aufgabeninterdependenzen zwischen den
Teammitgliedern groß sind, sollten Anreize nicht ausschließlich auf der
individuellen Leistung basieren, da dies den Wettbewerb schürt. Hingegen
verspricht eine Belohnung auf Basis des Teamerfolgs Motivationseffekte
für die Zusammenarbeit.
Geeignete Teambesetzung
Die Qualität der Zusammenarbeit im Team hängt natürlich
auch maßgeblich von den beteiligten Akteuren ab. Bei der Teambesetzung
ist neben den fachlichen und methodischen Kompetenzen (d.h. umfangreiches
Know-how im jeweiligen Fachgebiet beziehungsweise Fähigkeiten zur
Aufgabenplanung und -steuerung) vor allem auf die sozialen Kompetenzen der
Mitglieder Wert zu legen. Der Begriff soziale Kompetenz beschreibt die
Fähigkeit zum Umgang mit anderen Menschen und beinhaltet unter anderem
Verantwortungsbewusstein, Einfühlungsvermögen und
Verständnisbereitschaft. Soziale Kompetenz im Team fördert den offenen
Informationsaustausch, die Einbeziehung aller Teammitglieder bei
Entscheidungen sowie die gegenseitige Unterstützung und den Zusammenhalt
im Team.
Schulungen und Workshops
Viele Unternehmen beklagen, dass sich eine optimale
Teambesetzung in den seltensten Fällen realisieren lässt, da nicht
genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen, die alle erforderlichen
Kompetenzen aufweisen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass
Mitarbeiter in gewissem Maße auch durch gezielte Schulungen und Workshops
notwendige Fähigkeiten erwerben können. Sinnvollerweise werden solche
Personalentwicklungsmaßnahmen fortlaufend durchgeführt, um so einen Pool
an qualifizierten und kompetenten Mitarbeitern aufzubauen, aus dem Teams
geeignet zusammengesetzt werden können. In der Praxis ist oft zu
beobachten, dass Ingenieure zu Teamleitern ernannt werden, ohne auf ihre
neue Rolle vorbereitet zu werden. Das Führen eines Teams lernen sie dann
durch »trial-and-error«, was oft frustrierend und nicht effizient ist.
Stattdessen sollten vor Beginn des Projektes entsprechende
Teamleiterschulungen durchgeführt werden.
Teamentwicklung
Arbeitszufriedenheit und Lernerfolg der Teammitglieder
hängen entscheidend von der Qualität der sozialen Interaktion ab und
beeinflussen ihre Bereitschaft, an zukünftigen Aufgaben dieser Art wieder
teilzunehmen und ihre gewonnenen Erfahrungen dort einzubringen. Während
der Teamarbeit sollten daher Teamentwicklungsmaßnahmen und/oder Social
Events durchgeführt werden, um eine kontinuierliche, konstruktive
Zusammenarbeit zu fördern. Teamentwicklungsworkshops sind insbesondere
dann sinnvoll, wenn sich im Laufe der Zeit größere personelle
Umstrukturierungen im Team ergeben, weil einzelne Teammitglieder durch
neue Mitarbeiter ersetzt werden oder aufgrund veränderter
Aufgabenanforderungen das Team wächst. Diese Workshops helfen, neue
Mitglieder einzuarbeiten, bestehende Prozesse, Rollenverteilungen und
Normen im Team zu hinterfragen und eventuell den neuen Gegebenheiten
anzupassen [7].
Abschließend fasst Abbildung 7 diese Eckpfeiler für eine erfolgreiche
Gestaltung der Teamarbeit zusammen. Die Abbildungen 8 und 9, die als
Checklisten zu verstehen sind, geben nochmals einen Überblick darüber,
was beim Teammanagement und der Zusammenarbeit im Team zu beachten ist.
...
Die fehlenden Abbildungen 6, 7, 8 und 9 entnehmen Sie bitte
der Digitalen Fachbibliothek "Das innovative Unternehmen".
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