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- Volltext -
Innovationsdynamik und Knowledge-Management in der Automobil- und
-zuliefererindustrie
von Holger Karsten, Heiko Wolters
Stichworte: Veränderte Erfolgsfaktoren,
Produkt- und Prozeßinnovationen, Identifizierung von
Innovationsfeldern, Innovationstransfer,
Wissensmanagement, Fazit.
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In
diesem Beitrag erfahren Sie:
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wie Unternehmen der Automobilbranche sich Innovationsfelder
erschließen, die einerseits Wettbewerbsführerschaft ermöglichen und andererseits einen
hohen Beitrag zum Kundennutzen bieten,
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wie man den Kundennutzen ermittelt,
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wie Entwicklungskosten durch Innovationstransfer verringert
und Entwicklungszeiten verkürzt werden können,
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wie ein planvolles Wissensmanagement in der
Automobilindustrie zum Wettbewerbsvorsprung beiträgt.
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Veränderte
Erfolgsfaktoren in der Automobilindustrie
Die Erfolgsfaktoren für die Automobilhersteller und Zulieferunternehmen haben sich in
den letzten Jahren gravierend verändert. Bestimmten lange Zeit niedrige Kosten und
qualitativ hochwertige Produkte die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, sind in den
letzten Jahren kurze Entwicklungszeiten und konsequente Kundenorientierung als Faktoren
hinzugekommen. In Zukunft erfolgsbestimmend wird zusätzlich die Innovation sein. Das
heißt, daß die Leistungsfähigkeit von Produkten und Prozessen mit neuen Ideen
kontinuierlich weiterentwickelt und an den Kundenanforderungen ausgerichtet wird.
In Zukunft wird kein Automobilhersteller am Markt bestehen können, der weitgehend
standardisierte Massenprodukte lediglich durch einen hohen Verkaufsdruck am Markt
plaziert. Vielmehr kommt der Fähigkeit, kundenorientierte Fahrzeugmodelle mit
Innovationen als Pionier oder früher Nachfolger ohne Zeitverluste in den Markt
einzuführen, in Zukunft eine existentielle Bedeutung in der Automobilindustrie zu. Diese
Fähigkeit ist darin begründet, im Spannungsfeld zwischen Innovationen (technology
push)
und Markt- und Kundenbedürfnissen (market pull) den richtigen Mix zu definieren, so daß
das Fahrzeug weder zu innovativ (»over-engineered«) noch allen Kundenbedürfnissen
gerecht wird und ein Produkt ohne innovativen Fortschritt ist. Neben den ausschließlich
technologie-basierten Innovationen müssen dabei zunehmend auch Serviceinnovationen
stehen.
Produkt- und Prozeßinnovationen
Weder die Produkt- noch die Prozeßführerschaft allein, sondern die synergetische
Verbindung der beiden zur Stärkung der Innovationskraft wird zukünftig eine bestimmende
Erfolgsdeterminante im Wettbewerb sein. Die Verknüpfung von Produkt und Prozessen sollte
allerdings nicht ausschließlich auf das eigene Unternehmen beschränkt sein, vielmehr
müssen die Schnittstellen und Abläufe der wesentlichen Partner - beispielsweise Kunden
und Lieferanten - miteinander synchronisiert werden [7].
Die zunehmende Integration von Lieferanten in die Entwicklungsprozesse des
Automobilherstellers ist dafür ein gutes Beispiel. Waren die Zulieferunternehmen in der
Vergangenheit häufig verlängerte Werkbänke, die auf Grundlage vom Hersteller
vorgegebener Zeichnungen Komponenten produzierten, haben einige sich mittlerweile zu
integrierten Systemanbietern weiterentwickelt. Sie erarbeiten Konzepte, führen
Konstruktionen durch, sind zuständig für Erprobung sowie Versuch und bieten dadurch
komplette Problemlösungen als Entwicklungspartner an. Der Fahrzeughersteller kann durch
diese Art der Zusammenarbeit seine Komplexität reduzieren, sich auf seine Kernkompetenzen
konzentrieren, vom Know-how des Lieferanten profitieren und schließlich die
Entwicklungszeiten und damit die Time-to-Market verkürzen [8]. Erst durch diese enge
Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Systemlieferanten konnten die
Fahrzeugentwicklungszeiten in den letzten 10 Jahren um rund 30 Monate reduziert werden
(Abb. 1).

Abb. 1: Fahrzeugentwicklungszeiten im Vergleich
Eine häufig zu beobachtende Schwierigkeit besteht für die Unternehmen jedoch oftmals
darin, die Bereiche auszuwählen, die ein ausreichendes Innovationspotential versprechen
und mit denen sich das Unternehmen hinreichend im Wettbewerb differenzieren kann.
Schließlich müssen die begrenzt verfügbaren Ressourcen auf diese Innovationsfelder
konzentriert werden.
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Wie werden sich
Fahrzeughersteller langfristig differenzieren?
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Bedingt durch die sich kontinuierlich
reduzierenden Fertigungstiefen bei den Fahrzeugherstellern und die zunehmende Vergabe von
Komplettumfängen an Systemlieferanten stellt sich die Frage der »Grenzen dieser
Entwicklung«. Bei neuen Werken (»greenfield sites«) werden mittlerweile schon Beschaffungsquoten von 75 Prozent und mehr erreicht.
Mit anderen Worten: Nur 25 Prozent der Gesamtleistung werden intern vom Fahrzeughersteller
erbracht.
Langfristig ist es durchaus denkbar, daß die derzeitige
Entwicklungs- und Produktionsvorherrschaft für das Gesamtfahrzeug vom Hersteller an
Externe abgegeben wird. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits unternommen. So
werden im Nischenfahrzeugbereich einzelne Modelle schon von unabhängigen Zulieferanten
entwickelt und produziert. Das Mercedes CLK-Cabrio beispielsweise wurde von Karmann auf
Basis der vorhandenen C-Klasse-Plattform maßgeblich entwickelt und nun auch produziert.
Porsche hat einen Teil der Boxster-Produktion an den finnischen Hersteller Valmet
ausgelagert.
Setzt sich dieser Trend in Zukunft fort, dann kommt dem
Fahrzeugunternehmen künftig lediglich die Produktdefinitions- und Vertriebsfunktion zu.
Die Integration des Gesamtfahrzeugs dagegen übernimmt der Lieferant; der Hersteller ist
auschließlich für die Produktabnahme verantwortlich. Die Marke wird somit zum
Differenzierungsmerkmal in den Augen des Kunden.
Ähnliche Muster sind in anderen Industriezweigen heute
schon zu beobachten. Der Sportschuhhersteller Nike beispielsweise ist lediglich für die
Definition der Produktrahmenparameter zuständig. Die detaillierte Entwicklung sowie
Produktion und Vertrieb übernehmen unabhängige Partner. Nike profitiert von einer hohen
Flexibilität bei niedrigen Fixkosten. |
Innovationsfelder identifizieren
Attraktive Innovationsfelder zeichnen sich dadurch aus, daß sie sowohl eine dauerhafte
Wettbewerbsführerschaft erlauben als auch einen hohen Beitrag zum Kundennutzen liefern.
Dies können einerseits strategisch wichtige Bereiche sein, in denen das Unternehmen
bisher noch nicht tätig ist. Andererseits können es Kernkompetenzfelder des Unternehmens
sein, in denen es fähig sein sollte, Innovationen voranzutreiben, um sich fortwährend im
Wettbewerb zu differenzieren.
In den Feldern, in denen eine dauerhafte Wettbewerbsführerschaft realisierbar ist,
aber der Beitrag zum Kundennutzen niedrig ausfällt, ist zu überprüfen, ob Chancen für
zukünftige Kernkompetenzen bestehen, oder ob eine Ressourcenverlagerung in diesem Feld
notwendig ist. Auf Basis- und Schlüsselkompetenzen, bei denen eine nur kurze
Wettbewerbsführerschaft gegeben ist, sollte der Schwerpunkt der Innovationsbemühungen
des Unternehmens nicht gelegt werden (Abb. 2). Beispielsweise gehört der Bereich Motoren
bei BMW zum Feld der Kernkompetenzen, während Stanzteile sowohl für die Differenzierung
beim Kunden als auch hinsichtlich der Wettbewerbsführerschaft eine niedrige Bedeutung
haben.

Abb. 2: Ermittlung attraktiver Innovationsfelder
Entsprechend der Matrix erfolgt die Auswahl der zu fokussierenden
Innovationsaktivitäten, indem die Produkte beziehungsweise Produktattribute oder
relevanten Prozesse klassifiziert werden [2]:
-
Begeisterungsattribute sind unerwartete, aber vom Kunden geschätzte Leistungen,
die einen überproportionalen Anstieg der Zufriedenheit nach sich ziehen.
-
Leistungsattribute bieten Differenzierungsmöglichkeiten und erhöhen die
Zufriedenheit des Kunden, wenn sie kontinuierlich aufgebaut werden. Es entsteht kein
Sättigungseffekt.
-
Schwellenattribute erfüllen lediglich die Grunderwartungen des Kunden und bieten
dadurch keinen hohen Beitrag zum Kundenutzen. Die Differenzierungsmöglichkeiten sind als
gering einzustufen.
Begeisterungsattribute haben somit die beste Hebelwirkung zur Steigerung der
Kundenzufriedenheit. Eine Begleiterscheinung jeglicher Innovationsaktivitäten ist jedoch,
daß die mit der Innovation verbundene Überlegenheit nur von begrenzter Dauer ist. Zieht
die Konkurrenz gleich, verlieren auch Begeisterungsattribute ihren Reiz und können
schnell zu Schwellenattributen degenerieren. Das Leistungsniveau eines Unternehmens
muß daher durch Innovationstätigkeit in allen Bereichen (Produkte und Prozesse)
kontinuierlich erweitert werden.
Betrachtet man die Einführung von Elektronikinnovationen in der Automobilindustrie,
wird dieser Zusammenhang deutlich (Tabelle 1).
Produktinnovationen werden überwiegend zuerst in der Oberklasse eingeführt und lösen
durch den noch geringen Verbreitungsgrad einen Begeisterungseffekt bei den Käufern aus.
Erst wenn mit diesen Anwendungen in der automobilen Oberklasse kein Differenzierungseffekt
mehr zu erzielen ist und die Kosten für diese Innovationen gefallen sind, erfolgt die
Einführung bei den Volumenmodellen. Dadurch wird wiederum ein Begeisterungseffekt
ausgelöst, der allerdings nur von begrenzter Dauer ist, da die Innovation zunehmend als
Standard gesehen wird. So bietet beispielsweise Daimler-Benz in der kürzlich auf dem
Markt eingeführten S-Klasse (w 220) die Innovation »Adaptives Dämpfungssystem« als
Serienausstattung an, ein elektronisch geregeltes Dämpfungssystem, welches die
Luftfederung an die Fahrgegebenheiten anpaßt. Der ein knappes Jahr später geplante
Face-Lift der E-Klasse wird diese Innovation als Sonderausstattung anbieten und so zur
Verbreitung (Penetration) beitragen.
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Tabelle 1: Penetration von
Elektronikinnovationen in der
europäischen Automobilindustrie in Prozent
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Applikation
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Heute
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2005
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ABS
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45
|
60
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Airbag (Seite)
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5
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23
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Airbag (hinten)
|
0
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6
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Traktionskontrolle
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8
|
29
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|
Aircondition
|
9
|
40
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Navigationssysteme
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2
|
12
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Multiplex
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15
|
40
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Keyless-entry
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5
|
40
|
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ElektronischeDiebstahlsicherung
|
15
|
35
|
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Drive by wire
|
0
|
6
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Transfer von
Innovationen in der Fahrzeugentwicklung
Die Innovationsdynamik in der Automobilindustrie führt dazu, daß die Zyklen, in denen
Innovationen vermarktet werden können, zunehmend kürzer werden. Für den Nachfolger
entsteht dadurch ein kürzerer Zeitrahmen, in dem sich Innovationen amortisieren müssen.
Somit steigen durch diese Entwicklung die Opportunitätskosten der Zeit für die
Unternehmen.
Die Herausforderung für die Automobilindustrie besteht zukünftig also darin, das
Unternehmenswachstum durch die kontinuierliche, schnelle und kostengünstige Einführung
von innovativen Produkten und Prozessen zu gewährleisten. Analysen von
Entwicklungsprojekten bei japanischen und US-amerikanischen Fahrzeugherstellern zeigen
denn auch, daß durch den Transfer von innovativem Wissen, Verfahren und Produkten die
Entwicklungskosten um rund 15 Prozent reduziert und die Entwicklungszeiten sogar mehr als
halbiert werden können [4].
Die Umsetzung eines Innovationstransfers in der Automobilentwicklung kann auf zwei
Ebenen erfolgen (Abb. 3):
-
Gleichteilekonzept, bei dem Innovationen aus abgeschlossenen Projekten, etwa am
Markt eingeführter Fahrzeuge, sequentiell übernommen werden.
-
Carry-Over-Konzept, bei dem Innovationen aus noch in der Entwicklung befindlichen
Projekten parallel übernommen werden.

Abb. 3: Umsetzung des Innovationstransfers auf zwei Ebenen
Der Umfang der zu transferierenden Innovation kann dabei ganz unterschiedliche
Ausprägungen haben. Grundsätzlich sind alle Formen zwischen den beiden Extremen -
komplette Neuentwicklung einerseits und vollständige Kopie einer existierenden Innovation
andererseits - denkbar. Auf diesem Kontinuum bestehen bei jeder Ausprägung Unterschiede
hinsichtlich Innovationsgrad und Umfang bereits vorhandener Erfahrung. Da mit dem
Carry-Over-Konzept beispielsweise in der Regel ein höherer Innovationsgrad, aber auch
weniger Felderfahrungen im Vergleich zum Gleichteilekonzept verbunden sind, sollte der zu
erwartende Kundennutzen als Entscheidungsbasis für den Umfang des Innovationstransfers
herangezogen werden.
Bei der Entwicklung des vor einem Jahr in den Markt eingeführten Nachfolgers des
Roadsters MX-5 entschied sich Mazda beispielsweise dafür, die Karosserie neu zu
entwickeln, während bei einem Großteil der Technologien und Komponenten aufgrund der
positiven Erfahrungen aus dem Vorgängermodell ein Gleichteilekonzept verfolgt wurde.
Sind sehr kurze Innovationszyklen zu erwarten, sollten Erfahrungen und Innovationen
daher bereits zwischen laufenden Projekten ausgetauscht werden. Dadurch kann
sichergestellt werden, daß Innovationen ohne große Zeitverzögerungen am Markt plaziert
werden und keine Erosion des Kundennutzens hingenommen werden muß. Dies erfordert
allerdings organisatorische Änderungen bei den Automobilunternehmen, da eine
übergreifende Koordination von Projekten bisher nur unzureichend stattfindet.
Diesem Gedanken folgend hat Toyota vor einigen Jahren das Forschungs- und
Entwicklungsressort neu organisiert und für ausgewählte Bereiche sogenannte
Center-Lösungen
eingeführt. Jedem Center (z. B. Heckantrieb) steht ein Chefentwickler vor, der diverse
Projekte verantwortlich steuert und den Wissensaustausch fördert.
Lernen über
organisatorische Grenzen hinweg
Der Transfer von Wissen über organisatorische Grenzen hinweg und das Lernen aus
laufenden sowie abgeschlossenen Projekten ist daher eine der größten Herausforderungen
für global agierende Unternehmen [1]. Ein Bewußtseinswandel ist zu initiieren, denn der
strategische Erfolgsfaktor liegt in Zukunft nicht in der alleinigen Quantität des
vorhandenen Wissens begründet. Er beruht vielmehr auf der Schnelligkeit, mit der auf
relevantes Wissen zugegriffen werden kann.
Einige Unternehmen arbeiten vor diesem Hintergrund bereits daran, ihre Prozesse und
Strukturen zu verbessern, um den internen Wissensaustausch zu fördern. BMW hat dazu
beispielsweise in einem ersten Schritt das Forschungs- und Ingenieurzentrum
(FIZ)
aufgebaut, in dem alle an der Entwicklung eines Fahrzeugs direkt beteiligten Abteilungen
untergebracht sind. Dadurch konnte der Informationsaustausch zwischen den Abteilungen
alleine durch die räumliche Nähe verbessert werden. Gegenwärtig wird bei BMW ein
elektronischer Marktplatz implementiert, im Rahmen dessen wichtige Informationen etwa zu
Projekten oder Wissensbereichen von Mitarbeitern abgerufen werden können.
Bevor ein Knowledge-Management-System aufgebaut wird, sind allerdings einige
grundsätzliche Fragen zum Umgang und Austausch von Wissen zu beantworten, damit das
System entsprechend ausgerichtet werden kann. Dabei bedeutet Management von Wissen nicht
die Installation teurer Netze und die Freigabe zur unkoordinierten, uferlosen
Kommunikation. Vielmehr müssen vier Aspekte gleichzeitig beachtet werden, um ganzheitlich
Wissensprozesse in Unternehmen zu fördern und gezielt zur Leistungs- und
Qualitätsverbesserung einsetzen zu können:
-
Inhalt
-
Prozeß und Organisation
-
Kultur
-
Technologie
Ausgangspunkt jeder Überlegung zur Verstärkung des Wissensprozesses muß die Frage
nach strategisch und operativ relevantem Wissen sein (Inhalt). Welches Wissen - schnell
abruf- und umsetzbar - verschafft der Organisation einen Wettbewerbsvorsprung, indem es
eine Differenzierungsmöglichkeit bietet? In diesem Zusammenhang können zwei Arten von
Wissen unterschieden werden: Einerseits Explicit Knowledge, also Wissen mit einem
hohen Systematisierungs- und Formalisierungsgrad, welches ohne Probleme auch in
geschriebener Form weitergegeben werden kann, ohne daß ein Informationsverlust eintritt;
andererseits Tacit Knowledge, also informelles Wissen, welches auf Erfahrungen
beruht und damit nur schwer weitergegeben werden kann [5].
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Beispiel: Das Projekt
Sokrates - Wissensmanagement bei Daimler-Benz [3]
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Beginnend mit dem Kleinwagen A-Klasse
und dem Sports-Utility-Vehicle ML-Klasse wurde bei Daimler-Benz die klassische
Linienorganisation bei Neuentwicklungsprojekten zugunsten einer Projektorganisation
aufgegeben. Gleichzeitig sollte allerdings verhindert werden, daß der Austausch
wertvoller Erfahrungen an den »Barrieren« der Projektorganisation scheitert. Mit
Unterstützung von Arthur D. Little wurde ein Knowledge-Management-System aufgebaut, um
die vielfältigen Kenntnisse und Erfahrungen aus den diversen Fahrzeugprojekten zu
identifzieren, zu speichern und somit für alle Projekte im gesamten Konzern verfügbar zu
machen. Im ersten Schritt wurden die relevanten
Wissensfelder identifiziert, welche als strategisch bedeutsam für jedes Fahrzeugprojekt
angesehen wurden, etwa das Supply Chain Management, die Produktion oder das Customer
Management. Für jedes dieser Lernfelder wurden anschließend Wissenziele definiert, um
das zu Lernende zu konkretisieren und für den Wissenstransfer operabel zu machen. Als
Grundstein für die Implementierung wurde schließlich ein für den relevanten
Personenkreis zugängliches Speichermedium etabliert und der organisatorische Rahmen
festgelegt (z. B. Aufgaben, Rollen, Anreizsysteme etc.). |
Grundlage des Wissenstransfers sind klare Anweisungen und Meilensteine in den
Prozessen
des Unternehmens, die das Wissensmanagement als elementare Aufgabe definieren und
spezifizieren. Zudem sollten auch in der Organisation Ressourcen für das
Wissensmanagement bereitgestellt werden - »en passant« wird der Austausch von Wissen
nicht erfolgreich implementiert werden können.
Bestes Wissen zu übertragen wird sinnlos, wenn es nicht angenommen wird. Kulturelle
Barrieren wirken der Verteilung von Wissen entgegen. In der täglichen Praxis
bestimmen daher die heimlichen Spielregeln die Wissensabgabe und nicht die Vernunft [6].
Dies ist ein Grund, warum einige der mit hohem Aufwand installierten IMSysteme oftmals
nicht wie gewünscht genutzt werden. Hier ist die Förderung von multifunktionalen Teams
hilfreich, Anreiz-Strukturen sind zu überdenken, beispielhaftes Verhalten zu honorieren
und die Wissensverbreitung in Objective- and Review-Gesprächen zu verankern.
Die Technologie liefert die notwendige - wenngleich häufig überschätzte -
Unterstützung für die Realisierung des Wissenstransfers. Erst wenn die Technologie auf
einer durchdachten Struktur für das Knowledge-Management aufsetzen kann, kommen die
Vorteile zum Tragen. Art, Aufbereitung und Zugang zu den Informationen sowie die Auswahl
der geeigneten Medien müssen daher auf die Nutzer zugeschnitten werden. Häufig können
firmeninterne Netze (Intranets) als Plattform für das Knowledge-Management-System genutzt
werden.
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Fragenkatalog zur
Ausrichtung der Wissensmanagement-Initiative
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Wie wird das systematische Lösen von Problemen
unterstützt?
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Stimulieren wir das Experimentieren mit neuen,
unkonventionellen Ansätzen?
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Wie lernen wir von unseren Erfahrungen?
-
Wie lernen wir von der »Best-Practice« anderer
Unternehmen?
-
Wie lernen wir von unseren Stakeholdern?
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Abb. 4: Der Migrationspfad des Knowledge Managements folgt
dem gesunden Menschenverstand
Ausgangsbasis für das Managen von Wissen ist die Definition strategisch relevanten
Wissens. Anschließend ist das verfügbare Wissen in der Organisation zu identifizieren.
Dies ist zwar mühselig, bringt aber oft sofortige Ergebnisse. Im folgenden Schritt ist
das vorhandene Wissen durch Wissensaufbau oder Fremdwissen zusätzlich zu erweitern. Ist
das relevante Wissen identifiziert, steht die Frage der Speicherung und Verteilung an, um
das oftmals in nur wenigen Köpfen verfügbare Know-how breiter zugänglich zu machen. Den
Abschluß bildet die Anwendung von transferiertem Wissen.
Fazit: Innovation und Wettbewerb
Erfolg im Wettbewerb wird in Zukunft entscheidend davon abhängen, daß innovative
Produkte und Leistungen mit innovativen Prozessen auf den Markt gebracht werden. Da sich
die Umwelten jedoch ständig verändern, sind die Unternehmen auf ihre Fähigkeit
angewiesen, sich schnell den veränderten Rahmenbedingungen anpassen zu können. Dem
Austausch von Wissen und der Geschwindigkeit, mit der Wissen verfügbar gemacht werden
kann, kommt damit eine erfolgskritische Bedeutung zu: Speed to Knowledge wird in
den nächsten Jahren zur Basis des neuen Wettbewerbs für die Unternehmen werden. Nur die
Automobilunternehmen, die bereits heute die notwendigen Weichen dafür stellen, werden
durch wettbewerbsfähige Strukturen belohnt.
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Checkliste: Beispiele
für Wissensquellen
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Mitarbeiter
Technische Innovationen
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F&E-Aktivitäten und -projekte
-
Forschungsprojekte
-
nicht weiter verfolgte Innovationen
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Lizenzen, Patente, Copyrights
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