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- Leseprobe -
Innovationen durch Lizenznahme – ein effizienter Weg
zu neuen Produkten
von Stefan Behrens, Dieter
Specht
Einige Produkte behaupten sich über Jahrzehnte am Markt,
ohne dass gravierende Änderungen in Funktion, Qualität, Design oder
Produktionsprozess notwendig sind. Beispiele dafür sind Coca-Cola,
Ziegelsteine oder die klassische Glühbirne. In einem dynamischen Umfeld
mit schneller technologischer Entwicklung und sich ständig ändernden
Kundenbedürfnissen sind dies jedoch Ausnahmefälle. Produktlebenszyklen
von wenigen Jahren sind in vielen Branchen die Regel. Damit wird es für
ein Unternehmen notwendig, die bestehenden Produkte weiterzuentwickeln und
zusätzlich immer wieder neue Produkte auf den Markt zu bringen.
Allerdings sind von der Idee bis zur Markteinführung einige Hürden zu
überwinden, und auch nach erfolgter Markteinführung kann ein Produkt
jederzeit dennoch zum »Flop« werden. Über die Möglichkeit der
Lizenznahme eines bereits erfolgreichen Produkts können diese
Unsicherheiten teilweise umgangen werden.
Stichworte: Drei Wege zu neuen Produkten:
Eigenentwicklung, Kauf von Unternehmen, Lizenznahme; Quellen für
lizensierungsfähige Produkte; Acht Schritte auf dem Weg zur Lizenz;
Praxisbeispiele; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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wo die Stärken der Lizenznahme liegen und
welche Produkte für Lizenznahmen geeignet sind,
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wie eine systematische und strukturierte
Vorgehensweise bei der Suche nach interessanten Produkten zur
Lizenzaufnahme erfolgt und
-
wie die professionelle Kontaktaufnahme mit
potenziellen Lizenzgebern vonstatten geht.
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Drei Wege zu neuen Produkten
Prinzipiell bieten sich einem Unternehmen auf der Suche
nach neuen Produkten drei mögliche Vorgehensweisen:
Die am weitesten verbreitete und in nahezu jedem
Unternehmen in irgendeiner Form verfolgte Vorgehensweise ist die
Eigenentwicklung von Produkten. Große Unternehmen und Konzerne
unterhalten eigene Forschungs- und Entwicklungsgesellschaften.
Beispielsweise hat die Deutsche Telekom AG 1999 durch die Gründung der
T-Nova Innovationsgesellschaft mbH ihre F&E-Aktivitäten in ein
eigenes Unternehmen mit etwa 5000 Mitarbeitern an 30 Standorten
zusammengefasst. Mittlere Unternehmen haben in der Regel eine oder mehrere
F&E-Abteilungen, kleine Unternehmen beschäftigen einzelne Mitarbeiter
mit Entwicklungsaufgaben oder stellen projektgebunden ein Mitarbeiterteam
zusammen. Die Zielstellungen der unternehmensinternen F&E reichen von
Grundlagenforschung - wie in der Gentechnik, die auf Zeiträume von
mehreren Jahrzehnten angelegt ist - über große Produktentwicklungen -
wie neue Modellreihen in der Kraftfahrzeugindustrie - bis hin zu
»kleinen« Lösungen in Einzelanwendungen und im Low-Tech-Bereich wie zum
Beispiel: ergonomische Türgriffe.
Die zweite Möglichkeit, sich innovative Produkte zu verschaffen, ist der
Kauf von Unternehmen oder verschiedene Modelle der Beteiligung. Dies sind
meist sehr kleine Unternehmen, vielfach Start-ups, die ein Produkt
entwickelt und auf den Markt gebracht haben und noch am Anfang der eigenen
Unternehmensentwicklung stehen. Vielfach sind solche Unternehmen noch
komplett in der Hand der Gründer, so dass ein Verkauf relativ einfach
abzuwickeln ist. Das kaufende Unternehmen hat den Vorteil, dass keine
eigenen Entwicklungskosten mehr anfallen, und die Sicherheit eines bereits
am Markt eingeführten Produkts. Mit dem Kauf von Unternehmen erwarten
sich insbesondere große Unternehmen auch die Möglichkeit, nicht nur das
eigentliche Produkt, sondern auch ein Stück der Unternehmenskultur von
kleinen Unternehmen oder Start-ups einzukaufen und im eigenen Unternehmen
zu implementieren.
Die dritte Möglichkeit des Neuprodukterwerbs ist die Lizenznahme für
ausgewählte Produkte. In diesem Fall kauft das Unternehmen von einem
anderen Unternehmen oder einem Einzelerfinder das Recht, ein Produkt
herzustellen und zu vermarkten. Das Vermarktungsrecht wird üblicherweise
für ein definiertes geographisches Gebiet, etwa »Deutschland« oder
»Europa« vergeben, denkbar sind aber auch andere
Marktsegmentierungskriterien. Zu unterscheiden ist weiterhin in
ausschließliche und einfache Lizenzen [8]. Eine ausschließliche Lizenz
verleiht dem Lizenznehmer das alleinige Verwertungsrecht in Bezug auf
Nutzung, Vergabe von Unterlizenzen und Verbot der Nutzung gegenüber
Dritten. Bei der Vergabe einer einfachen Lizenz erhält der Lizenznehmer
nur das Recht auf Nutzung, alle darüber hinaus gehenden Rechte verbleiben
beim Lizenzgeber. Die Lizenznahme ist insbesondere für Unternehmen, die
keine oder nur sehr eingeschränkte eigene F&E unterhalten, eine
Chance, neue Produkte auf den Markt zu bringen [7].
Eine Bewertung der Vorteilhaftigkeit der drei Alternativen der
Produktinnovation: eigene F&E, Unternehmenskauf und Lizenznahme lässt
sich nach unterschiedlichen Kriterien durchführen. Eine Bewertung
wichtiger Kriterien zeigt Abbildung 1.

Abb. 1: Bewertung der möglichen Wege zur
Produktinnovation [6]
Die Stärken der Lizenznahme werden deutlich: Während bei
der internen F&E nur in den Bereichen geforscht werden kann, in denen
bereits Kompetenzen aufgebaut worden sind und käufliche innovative
Unternehmen rar sind, herrscht auf dem Lizenzmarkt eine große Anzahl von
Angeboten, aus denen ein Unternehmen wählen kann. Die Erfolgsgewissheit
ist hoch, da das Produkt ja bereits in einem anderen Markt(-segment)
erfolgreich ist. Dadurch lassen sich Marktvolumina und Marktwachstum
leichter schätzen. Die Zeitspanne bis zum eigenen Marktauftritt ist kurz,
da keine Produktentwicklung erfolgen muss, sondern nur gegebenenfalls
kleinere Anpassungen an das eigene Produktprogramm. Die Kostenplanung kann
sehr genau erfolgen; üblicherweise werden in Lizenzverträgen
Grundbeträge und Umsatzbeteiligungen festgeschrieben. Der Zeitpunkt der
Hauptkosten liegt dadurch nach dem Markteintritt. Das hat den Vorteil,
dass bereits Umsätze erwirtschaftet werden und nur geringe
Vorfinanzierungen notwendig sind. Auch das Kostenrisiko bei einem etwaigen
Misserfolg ist als gering und im Voraus gut kalkulierbar einzuschätzen,
da in diesem Fall nur der Grundbetrag an den Lizenzgeber gezahlt werden
muss.
Zu beachten ist jedoch, dass die Lizenznahme nicht für jede Art von
Innovation geeignet ist. Basis- oder Pionierinnovationen, also
Innovationen, die eine revolutionäre Neuerung beinhalten [4], lassen sich
nur selten durch Lizenznahme erhalten. Unternehmen, die Inhaber von
radikalen Innovationen sind, werden schwer zu einer Lizenzvergabe bereit
sein, da sie die eigene Pionierstellung ausnutzen wollen. Möglich ist
eine Lizenznahme in solchen Fällen nur, wenn das vergebende Unternehmen
wegen mangelnder Größe oder anderem strategischen Fokus nicht in der
Lage ist, die Innovation selbst vollständig zu nutzen. Generell gilt
jedoch, dass für Basisinnovationen eher eigene F&E notwendig ist,
während die Möglichkeit einer Lizenznahme mit sinkendem Neuheitsgrad der
Innovation stark zunimmt.
Quellen für lizensierungsfähige Produkte
Hat ein Unternehmen sich entschieden, den Weg der
Lizenznahme zu gehen, stellt sich zuerst die Frage, wo es passende
Angebote finden kann. Prinzipiell gibt es zwei Typen von Lizenzquellen:
offene Quellen und verborgene Quellen.
Als offene Quellen werden solche bezeichnet, die Produkte im Auftrag von
Unternehmen oder Einzelerfindern öffentlich zur Lizenznahme anbieten.
Dazu zählen Lizenz- und Kooperationsbörsen, Lizenzvermittler und
Technologietransferstellen, Datenbanken öffentlicher und
privatwirtschaftlicher Anbieter, Newsletter und Informationsdienste, aber
auch Erfindermessen und Innovationsschauen. Einen Überblick über in
diesem Bereich aktive Anbieter gibt die Abbildung 2.
Abb. 2: Offene Lizenzquellen (Stand 11/2001)
Die angebotenen Produkte können sich in verschiedenen
Entwicklungsstadien befinden. Die Spannbreite reicht dabei von der reinen
Produktidee bis zum ausgereiften Produkt, das bereits auf einem Markt
verkauft wird. Auch die Qualität der Angebote der verschiedenen Quellen
ist sehr unterschiedlich. Insbesondere einige Betreiber von
Online-Datenbanken veröffentlichen unkritisch alle eingehenden Angebote.
Für die gezielte Suche kann es daher vorteilhaft sein, sich auf Quellen
zu stützen, die eine Vorauswahl treffen und nicht generell alle Angebote
weitergeben, die bei ihnen eintreffen. Mit offenen Lizenzquellen ist der
Nachteil verbunden, dass durch die öffentliche Bekanntmachung der Absicht
zur Lizenzvergabe bei interessanten Lizenzen Konkurrenz unter den
potenziellen Lizenznehmern entstehen kann und so die Lizenzkosten in die
Höhe getrieben werden. Außerdem passen vielfach die angebotenen Lizenzen
nicht exakt in das Profil des suchenden Unternehmens. Die zweite
Möglichkeit, das Aufspüren von verborgenen Lizenzquellen, erscheint in
dieser Hinsicht vielversprechender.
Bei einer Suche nach verborgenen Patentquellen gibt es wiederum zwei
Möglichkeiten. Entweder man wendet sich direkt an Unternehmen, die in
interessanten Bereichen aktiv sind - besser noch, die bereits ein
passendes Produkt auf den Markt gebracht haben - oder man geht den Weg der
Analyse von Patentinformationen. Die Suche nach interessanten Unternehmen
kann auf verschiedene Weise erfolgen [5]. Artikel und Inserate in
Fachzeitschriften, Kataloge und Pressemitteilungen geben einen ersten
Marktüberblick. Messen und Fachtagungen bieten die Möglichkeit der
direkten Ansprache. Unternehmensverbände und Handwerkskammern, eigene
Kunden und Lieferanten haben möglicherweise Kontakte, die genutzt werden
können. Wesentlich ist hierbei, die Suche nicht auf Unternehmen aus dem
direkten Umfeld zu konzentrieren. Es ist unwahrscheinlich, dass
Wettbewerber auf dem eigenen Markt Lizenzen zu attraktiven Konditionen
vergeben. Vielversprechender ist die Suche auf anderen Märkten,
traditionell dem US-amerikanischen Markt. Viele mittelständische
US-amerikanische Unternehmen verfügen über innovative Produkte, die sie
erfolgreich auf dem heimischen Markt anbieten. Sie haben aber vielfach
weder Interesse noch die Möglichkeit, den europäischen Markt zu
erschließen. Eine Lizensierung an ein europäisches Unternehmen führt
daher oft zu einer für beide Partner attraktiven Win-Win-Situation, die
sich auch zu einer dauerhaften Zusammenarbeit in weiteren Bereichen
entwickeln kann. Eine weitere Möglichkeit, interessante Unternehmen
ausfindig zu machen, ist die Suche in anderen Branchen und eine
Übertragung von Produkten auf den eigenen Markt. Dafür ist aber außer
einer gewissen Kreativität und der Fähigkeit, »über den Tellerrrand«
schauen zu können, oft eine Weiterentwicklung oder Veränderung des
lizensierten Produkts vor dem eigenen Marktauftritt notwendig. Eine
Branchenübertragung ist aber für den Einsatz von Technologien und
Verfahren in jedem Fall überlegenswert.
Eine weitere interessante Möglichkeit liegt in der Analyse von
Patentinformationen. Hier können auf direktem Wege anhand der
verschiedenen Patentklassifikationen Patente aus relevanten Bereichen
analysiert werden [1]. Für die Patentanalyse wurden spezielle
Lesetechniken entwickelt, die es auch Nichtfachleuten ermöglichen, in
kurzer Zeit die wesentlichen Punkte eines Patents in der Patenschrift zu
extrahieren und so eine Einschätzung zu geben, ob eine tiefergehende
Analyse des Patents sinnvoll erscheint [2]. Auch bei der Patentanalyse
schließen sich die Kontaktaufnahme mit dem betreffenden Unternehmen oder
dem Einzelerfinder und entsprechende Verhandlungen an. Die Patentanalyse
kann jedoch die Suche nach interessanten Produkten strukturieren und durch
das gebündelte Vorhandensein der Informationen stark verdichten und
zeitlich verkürzen. Ebenso wie bei der direkten Ansprache von Unternehmen
gilt auch bei der Patentanalyse, dass für ein einheimisches Unternehmen
nicht die in Deutschland angemeldeten Patente, sondern europäische und
US-amerikanische bei der Suche Priorität haben sollten.
Das Vorgehen auf dem Weg zur Lizenz
Ein systematisches und strukturiertes Vorgehen bei der
Suche nach interessanten Produkten zur Lizenznahme und eine professionelle
Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Lizenzgeber sind unerlässlich. Um
eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit zu erreichen, bedarf es einer guten
Vorbereitung und konsequenten Durchführung. Einen möglichen Weg von
Beginn der Produktsuche bis zur erfolgreichen Implementierung des
Lizenzprodukts in das eigene Produktprogramm zeigt die Abbildung 3 [6].
Abb. 3: Vorgehen bei der Lizenzannahme
Schritt 1: Definition des Suchprofils und der
Randbedingungen
Zuerst muss vom Management - beziehungsweise in kleineren Unternehmen vom
Geschäftsführer - der Rahmen festgelegt werden, in dem die Suche nach
Lizenzmöglichkeiten stattfinden soll. Wesentliche Fragestellungen, die
hier beantwortet werden müssen, sind:
-
Für welches Marktsegment werden Produkte gesucht,
-
welche Art von Kunden sollen bedient werden,
-
welche Bedingungen wie Qualitätsmerkmale, Normen,
gesetzliche Richtwerte und so weiter muss das gesuchte Produkt
erfüllen?
Zu klärende Randbedingungen sind insbesondere interne
Vorgaben wie finanzielle Möglichkeiten, zeitliche Vorgaben, eventuell
ethische Restriktionen oder eine Eingrenzung auf einen geographischen
Suchbereich.
Schritt 2: Benennung des Projektleiters
Wenn die Randbedingungen für die Produktsuche geklärt sind, sollte
ein Verantwortlicher für die Projektarbeit gefunden werden. Dies kann ein
Produktmanager aus der relevanten Geschäftseinheit oder ein
F&E-Verantwortlicher oder Mitarbeiter einer Stabsabteilung sein.
Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen bietet sich auch schon
an diesem Punkt die Einschaltung einer Beratung oder eines professionellen
Lizenzvermittlers an, denen die komplette Bearbeitung des Projekts
übergeben werden kann. Es muss in diesem Fall allerdings besonders darauf
geachtet werden, dass der Informationsfluss zwischen den Entscheidern im
Unternehmen und dem externen Projektleiter jederzeit gewährleistet ist
und alle notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt werden. Der
Projektleiter sollte zumindest temporär ein Team aus dem Unternehmen zur
Verfügung gestellt bekommen, in dem anfallende Aufgaben bearbeitet werden
können.
Schritt 3: Aktivierung und Ausschöpfung der
verschiedenen Quellen
Nachdem die Projektorganisation festgelegt ist, kann die eigentliche
Produktsuche beginnen. Zuerst sollte das Projektteam sich innerhalb des
festgelegten Bereichs einen möglichst breiten Überblick verschaffen. Es
bietet sich dabei an, pa-rallel offene Lizenzquellen zu bearbeiten und
verdeckte Lizenzquellen ausfindig zu machen und ebenfalls in die Suche zu
integrieren. Vergleicht man die Schritte bis zur Lizensierung mit denen
eines »typischen« Innovationsprozesses, befindet man sich jetzt in der
»Kreativphase«, in der wie in einem offenen Brainstorming Ideen gesucht
und unstrukturiert aufgenommen werden. Ebenso wie in der Kreativphase darf
auch hier gelten: »Quantität vor Qualität«.
Schritt 4: Prüfung der hereinkommenden Objekte und
Erstentscheidung
Es schließt sich der erste Analyseschritt an: Aus der Vielzahl der
Lizenzangebote und möglichen Objekte müssen möglichst schnell die
uninteressanten Projekte ausgesiebt werden. Für diese erste Filterung
eignen sich vorher definierte Kriteriensätze oder einfache
Nutzwertanalysen. Mit Hilfe einer Checkliste kann oftmals die Anzahl der
zu untersuchenden Objekte sehr schnell und transparent auf ein zu
bewältigendes Maß reduziert werden. Mögliche Kriterien, die die
Entscheidung steuern, sind beispielsweise:
-
Wachstumspotenzial,
-
vorhandene Kompetenz im Unternehmen,
-
notwendige finanzielle Mittel,
-
technologisches Know-how,
-
Akzeptanz im Unternehmen,
-
rechtliche Voraussetzungen und
-
zu erwartende Risiken.
Wenn nach Durchführung dieses Schrittes noch zu viele
Objekte »im Rennen« sind, muss anhand von detaillierteren Kriterien eine
weitere Aussonderung erfolgen. Sollte jedoch kein interessantes Objekt
übrig geblieben sein, muss der Prozess ab Schritt 3 wiederholt und
vertieft werden.
Schritt 5: Beschaffung weiterer Informationen zu den
interessanten Objekten und endgültige Entscheidung
Die verbliebenen Objekte müssen in diesem Schritt einer
detaillierteren Analyse unterzogen werden. Insbesondere muss die
Wirtschaftlichkeit der geplanten Lizenznahme sichergestellt werden.
Deshalb sollte für jedes Objekt eine Marktanalyse und
Wirtschaftlichkeitsrechnung durchgeführt werden, die Kostenschätzungen,
Umsatzerwartungen und Gewinnprognosen enthält. Naturgemäß werden ex
ante oftmals keine genauen Marktdaten bekannt sein. Es wird daher
notwendig, mit Prognosen und Schätzungen zu arbeiten. Dabei kann es
hilfreich sein, von der besser bekannten allgemeinen Entwicklung eines
Geschäftsfeldes auszugehen und diese auf den Spezialfall zu übertragen.
Eine qualitativ hochwertige und nachvollziehbare
Wirtschaftlichkeitsrechnung ist in jedem Fall unerlässlich, da sie nicht
nur zukünftige Gewinne voraussagt, sondern auch klare Grenzen für die
Lizenzzahlungen setzt, die im nächsten Schritt verhandelt werden müssen.
Schritt 6: Übernahmeverhandlungen mit dem Anbieter
Spätestens jetzt erfolgt die Kontaktaufnahme mit dem Anbieter der
ausgewählten Lizenz. Bei offenen angebotenen Lizenzen ist eine
Kontaktaufnahme schon in früheren Schritten sinnvoll, da in der Regel
bereits Marktanalysen oder Business-Pläne beim Anbieter vorliegen.
Möglich ist eine frühe Kontaktaufnahme auch bei verdeckten
Lizenzquellen, sie erscheint jedoch nicht immer ratsam, um nicht eventuell
»schlafende Hunde zu wecken«.
Verhandelt werden müssen mit dem Anbieter in der Regel die prinzipielle
Bereitschaft der Überlassung einer Lizenz sowie die Konditionen. Zu den
Konditionen gehören die Lizenzart - ausschließliche oder einfache Lizenz
- der Markt oder das Marktsegment, für das die Lizenz erteilt wird, die
Kosten, in der Regel ein einmaliger Grundbetrag und laufende
umsatzabhängige Lizenzzahlungen, Laufzeit des Lizenzvertrages und
Kündigungsrechte sowie die Übertragung von Know-how, beispielsweise der
Technologien, die für die Produktion notwendig sind. Sind alle Punkte zur
beiderseitigen Zufriedenheit geklärt, kann der Lizenzvertrag
abgeschlossen werden.
Schritt 7: Abschluss des Lizenz- beziehungsweise
Kooperationsvertrags
Im Lizenzvertrag müssen alle wesentlichen Ergebnisse der
Lizenzverhandlung Eingang finden. Er ist das rechtlich bindende Dokument,
das die zukünftliche Zusammenarbeit und die Rechte und Pflichten des
Lizenzgebers und des Lizenznehmers regelt. Bei eventuellen
Lizenzstreitigkeiten bildet der Lizenzvertrag die Grundlage für
juristische Entscheidungen. Aufgrund seiner Bedeutung sollte bei der
Erstellung unbedingt ein Fachmann, in der Regel ein Patentanwalt
hinzugezogen werden, der bei der Vertragsgestaltung berät, die
Rechtmäßigkeit des Vertrages prüft und die möglichen Auswirkungen
einzelner Vertragsklauseln einschätzen kann. Wenn im Zuge der
Vertragsverhandlungen festgestellt wurde, dass eine Lizensierung nicht
möglich oder wünschenswert ist, sich jedoch eine andere Art der
Kooperation anbietet, rückt an die Stelle des Lizenzvertrages ein
Kooperationsvertrag, in dem die Zusammenarbeit entsprechend geregelt wird.
Schritt 8: Implementierung des Objekts in das
Produktprogramm
Als letzter Schritt muss die Umsetzung des Vorhabens und Eingliederung
des neuen Produkts in das Produktprogramm des Unternehmens erfolgen.
Dieser Schritt ist genauso bei selbst entwi-ckelten Innovationen notwendig
und somit keine spezifische Angelegenheit einer Lizenznahme. Es ergeben
sich jedoch einige Besonderheiten. Anders als bei eigen entwickelten
Innovationen liegt bei einer Lizenznahme in sehr kurzer Zeit ein
marktfähiges Produkt vor. Für die Eingliederung in das Produktprogramm,
insbesondere in den Vertrieb, bleibt deshalb nur wenig Vorbereitungs- und
Vorlaufzeit. Es kann deshalb sinnvoll sein, das neue Produkt eine Zeitlang
als »Special« anzubieten und die komplette Einarbeitung in das
Produktprogramm »on the fly« durchzuführen.
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Praxisbeispiel 1:
Innovation Market
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Der »Innovation Market« ist eine Initiative der
Deutschen Börse, der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie zur Zeit
19 weiteren Partnern wie zum Beispiel Technologie-Transfer-Stellen
der Länder oder Erfinderzentren der Fraunhofer-Gesellschaft. Als
»Forum für Ideen, Kapital und Unternehmen« hat er es sich zur
Aufgabe gemacht, geeignete Partnerschaften und Kapital für
innovative Produkte und Ideen zu vermitteln [3]. Durch die
Verfügbarkeit aller eingestellten Datensätze im Internet ist eine
einfache Recherche möglich (www.innovationmarket.de).
Der Innovation Market ist in die drei Bereiche:
-
Innovation sucht Kapital,
-
Innovation sucht Unternehmen und
-
Unternehmen sucht Innovation
untergliedert.
Für Unternehmen auf der Suche nach
lizensierungsfähigen Produkten sind insbesondere die zweite und
dritte Kategorie interessant. In der Kategorie »Unternehmen sucht
Innovation« kann ein Suchprofil abgelegt werden, in dem das
Unternehmen beschreibt, welche Art von Produkten gesucht werden.
Potenzielle Lizenzgeber können sich über die
Innovation-Market-Partner mit dem suchenden Unternehmen in
Verbindung setzen. Die zweite Kategorie unter dem Schlagwort
»Innovation sucht Unternehmen« bietet Erfindern und Unternehmen,
die Lizenzen zu vergeben haben, die Möglichkeit, ihr Produkt in
einem vorstrukturierten Exposé vorzustellen und anzubieten.
Potenzielle Lizenznehmer können sich wiederum über einen der
Innovation-Market-Partner mit dem Anbieter in Verbindung setzen.
Bevor ein Produkt in den Innovation Market aufgenommen wird, wird
das Vorhaben geprüft. Eine Aufnahme erfolgt nur dann, wenn
bestimmte Qualitätsstandards erfüllt sind. Dadurch und weil eine
Aufnahme für den Lizenzgeber nicht kostenlos ist, ist - anders als
bei manchen anderen Lizenzbörsen - eine gewisse Qualität der
Angebote gewährleistet. Die Abbildung 4 gibt einen Eindruck einiger
aktuell bei Innovation Market gelisteten Lizenz-Angebote.
Abb. 4: Lizenz-Angebote bei Innovation Market
(Stand 11/2001) |
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Praxisbeispiel 2:
LIKO-Online
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LIKO-Online ist der Service eines
privatwirtschaftlichen Technologietransfer-Büros. Auf dem
Marktplatz bietet sich die Möglichkeit der Darstellung in den
Rubriken:
-
Lizenz- und Kooperationsangebote,
-
Firmenangebote,
-
Produktangebote,
-
Gesuchte Produkte, Verfahren, Beteiligungen,
-
Studien und
-
Fachliteratur.
In den Lizenz- und Kooperationsangeboten finden sich
potenzielle Lizenzgeber, deren Produkt in einem einseitigen Exposé
dargestellt wird. Die »Innovations-Telegramme« beinhalten ein
Online-Formular, mit dem Interessenten direkt Kontakt zum
Technologietransfer-Büro aufnehmen können. In der Rubrik
»Gesuchte Produkte, Verfahren, Beteiligungen« können ähnlich wie
im Innovation Market Gesuche von Unternehmen eingestellt werden.
Über den Marktplatz hinaus bietet LIKO-Online verschiedene
Dienstleistungen:
Produktsuchdienst
LIKO übernimmt den kompletten Prozess der Produktsuche und
begleitet das Unternehmen beratend von der Auswahl und der
Kontaktaufnahme bis zum Lizenzvertrag. Bei der Suche nach
vielversprechenden Produkten wird insbesondere das Instrument der
Patentrecherche und Auswertung von Patentinformationen angewendet.
Follow-up- Service
LIKO unterhält einen Newsletter, der kostenlos abonniert werden
kann. Im Newsletter werden regelmäßig die Neuzugänge auf dem
LIKO-Marktplatz vorgestellt. Entweder gibt es die Möglichkeit, sich
grundsätzlich über jeden Neuzugang informieren zu lassen, oder man
gibt bei der Anforderung des Newsletters ein Suchfeld an und bekommt
dann gezielte Informationen zu diesem Gebiet.
Studien und Fachliteratur
Diese im Januar 2002 neu eingerichteten Rubriken beinhalten Studien
und Expertisen, die sich mit zukunftsträchtigen Technologiefeldern
oder dem Technologietransfer beschäftigen, sowie Bücher zu den
Themen Technologietransfer, Patentwesen, Lizenzen und
Innovationsmanagement. |
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