|
- Leseprobe -
Strategische Erneuerung durch integriertes Management industrieller Dienstleistungen
von Stefan
Foschiani, Andreas Hertweck
Strategische Erneuerung – im Sinne einer permanenten aktiven Schaffung und Weiterentwicklung von Wettbewerbsvorteilen – hat sich von einer Voraussetzung für Unternehmenswachstum zu einer unerlässlichen Bedingung für das Bestehen im Wettbewerb entwickelt. Im Bereich der Sachleistungen haben die meisten Unternehmen ihre Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft. Neue Optionen werden heute vermehrt im Dienstleistungsbereich gesucht und entdeckt. Dienstleistungen unterstützen zum einen die Vermarktung der Sachleistungen, sie legen aber zum anderen oftmals auch den Grundstein für eine Diversifikation in den Dienstleistungsbereich als eigenständiges Geschäftsfeld (mit Gewinnverantwortung). Der vorliegende Beitrag zeigt anhand eines Ordnungsrahmens für die Strategische Erneuerung mit Dienstleistungen, wie Erneuerungsoptionen identifiziert und in das strategische Management des Unternehmens integriert werden können.
Stichworte: Strategische
Erneuerung, integrierte Erneuerungsstrategien,
industrielle
Dienstleistungen, Projektmanagement, Zusammenfassung.
|
In diesem Beitrag
erfahren Sie:
|
-
welche Möglichkeiten zur Erneuerung mit Dienstleistungen sich Industrieunternehmen bieten,
-
wie Erneuerungsstrategien generiert werden können und
-
wie sich Erneuerungsvorhaben durch ein entsprechend ausgestaltetes Projektmanagement in die strategische und operative Führung von Unternehmen einbetten lassen.
|
Einführung
Die Situation der meisten Industrieunternehmen ist heute durch die
zunehmende Bedeutung ihrer Dienstleistungsaktivitäten gekennzeichnet. Bei
diesen handelt es sich bezogen auf das Dienstleistungsangebot um sämtliche
Aktivitäten von der Optimierung und Weiterentwicklung bestehender
Dienstleistungen bis hin zur Identifikation und Etablierung völlig neuer
Dienstleistungsfelder, bezogen auf die unternehmerische Umsetzung
um das komplette Aufgabenspektrum, welches von einer stärkeren internen
Gewichtung der Dienstleistungsaktivitäten (etwa durch gezielte
kundenspezifische Ausgestaltung und kostengerechte Abrechnung von
Dienstleistungen) bis hin zur Verselbstständigung des
Dienstleistungsbereichs in Form eigenständiger
Dienstleistungs-Tochterunternehmen reicht.
Als ein zentrales Ziel ihrer Dienstleistungsaktivitäten sehen immer
mehr Unternehmen die Identifikation und Umsetzung neuer Dienstleistungen
[1]. Gerade dieses Themengebiet wird aber in der einschlägigen Literatur
nur in Ansätzen diskutiert [2]. Die meisten Beiträge stellen lediglich
auf einzelne Aspekte der Erneuerung (z. B. Errichtung einer Hotline) durch
Dienstleistungen ab, lassen aber die gezielte Integration einzelner
Erneuerungsoptionen (z. B. Abstimmung einer neuen Hotline mit weiteren
Aktivitäten im After-Sales-Bereich) ebenso vermissen wie die Einbettung
in die strategische und operative Führung von Unternehmen. Mit Blick auf
die Praxis ist zu konstatieren, dass viele Industrieunternehmen bei der
Gestaltung ihres Dienstleistungsangebots noch sehr unprofessionell
vorgehen [3]. Die Entwicklung und das Angebot sowohl von hybriden
Produkten (Produkt-Dienstleistungs-Bündel) als auch von eigenständigen
Dienstleistungen resultieren selten aus einer ganzheitlichen strategischen
Ausrichtung, sondern ergeben sich oft aus einer historisch gewachsenen
Situation oder sich zufällig bietenden Gelegenheit.
Dieser Sachverhalt unterstreicht die Notwendigkeit eines strategischen
Ordnungsrahmens, der die einzelnen Dienstleistungsaktivitäten eines
Unternehmens erfasst, integriert und in eine gesamtheitliche strategische
Grundausrichtung des Unternehmens einbettet [4]. Im vorliegenden Beitrag
wird ein solcher Ordnungsrahmen entwickelt, der eine systematische
Identifikation und Integration von Innovationspotenzialen im
Dienstleistungsbereich sowie eine zielgerichtete Umsetzung von
Erneuerungsvorhaben und deren Einbettung in die strategische und operative
Führung von Unternehmen unterstützt.
In der Unternehmenspraxis zeigt sich, dass Innovationen zunehmend in
Projekten umgesetzt werden. Insbesondere bei größeren Unternehmen wird häufig
eine projektorientierte Vorgehensweise zur Durchführung komplexer,
mehrere Unternehmensbereiche umspannender Erneuerungsvorhaben gewählt
[5]. Aufbauend auf dem entwickelten Ordnungsrahmen wird deshalb zusätzlich
ein Projektmanagement-Ansatz zur Umsetzung und zum Management von
Erneuerungsvorhaben vorgestellt, welcher sowohl auf Erfahrungen aus der
Unternehmenspraxis als auch auf theoretischen Erkenntnissen basiert.
Dienstleistungsmanagement
in Industrieunternehmen - Stand der Forschung und Blick in die Praxis
Obgleich sich zahlreiche Arbeiten in der betriebswirtschaftlichen
Forschung mit dem Untersuchungsobjekt »Dienstleistung« beschäftigen,
fehlt es nach wie vor an einem geschlossenen, integrierten Ansatz für das
Management von Dienstleistungen [6]. Spezifische Aspekte des
Dienstleistungsmanagements wurden in jüngster Zeit aus der Perspektive
des Marketing [7], der Produktion [8] sowie der Entwicklung (Service-Engineering)
[9] zwar ausführlich diskutiert, auf den Gebieten Strategie und
Organisation allerdings sind grundlegende Fragen noch unbeantwortet.
Zentrale Kritikpunkte an bisherigen Konzeptionen im Bereich des
Dienstleistungsmanagements sind vor allem
-
das Fehlen eines integrierten strategischen Ansatzes für das
Dienstleistungsmanagement [10],
-
eine oftmals kaum kritisch reflektierte positive Seviceorientierung
[11] sowie
-
die mangelhafte Diskussion möglicher Ansatzpunkte für die
Umsetzung neuer Dienstleistungsvorhaben und deren Einbindung in die Führung
des Unternehmens.
Gerade hier besteht aber in der Praxis großer Informationsbedarf.
Empirische Untersuchungen belegen, dass insbesondere Fragen der
Identifikation und Integration möglicher neuer Dienstleistungen
(beispielsweise im Zuge einer Abrundung des bestehenden Leistungsangebotes
oder einer gezielten Erschließung neuer Dienstleistungsfelder) sowie
deren Planung und Umsetzung (im Sinne einer ganzheitlichen Bewertung und
eines gezielten Managements neuer Dienstleistungen) als zentrale
Problemfelder des Dienstleistungsmanagements angesehen werden [12]. Die
Folge hiervon ist ein allerorten zu beobachtender Wildwuchs an
Dienstleistungen ohne Berücksichtigung marktlicher und
unternehmensbezogener Faktoren, der für viele Unternehmen zu einem kaum
noch handhabbaren Dienstleistungsangebot geführt hat.
Anforderungen an ein integriertes
Dienstleistungsmanagement
Nachdem in den letzten Jahren vor allem im Bereich der (klassischen)
Produktion (von Sachgütern) nach einem ganzheitlichen Management
strebende Entwicklungen zu beobachten waren [13], wird nun zunehmend auch
beim Management von Dienstleistungen die Forderung nach einer
gesamtheitlichen Betrachtungsweise laut, die alle relevanten Elemente und
Beziehungen des Systems Unternehmen berücksichtigt und integriert. Es ist
mithin erforderlich, die in Bezug auf die Dienstleistungen bereits
bestehenden (Forschungs-) Ansätze hinsichtlich ihrer Erkenntnisbeiträge
sowie ihrer Vor- und Nachteile zu analysieren und zu einem systemaren
Ansatz weiterzuentwickeln. So generieren etwa die bisher im
Dienstleistungsbereich verbreiteten speziellen Funktionslehren wertvolles,
auf Besonderheiten der einzelnen Funktionen bezogenes Wissen (zum Beispiel
hinsichtlich des Qualitätsmanagements von Dienstleistungen). Sie liefern
damit zwar nur wenige Ansatzpunkte für ein integriertes
Dienstleistungsmanagement, stellen aber mit ihrer funktionalen
Fokussierung die inhaltliche Basis für ein umfassendes Gesamtkonzept dar
[14].
Ein integriertes Dienstleistungsmanagement hat zum Ziel, aufbauend auf
diesem Wissen die Architektur für ein übergreifendes Management von
Dienstleistungen zu schaffen. Es gilt daher, einen Analyserahmen zu
entwickeln, der möglichst alle Erneuerungsoptionen umfasst, relevante
Wirkungszusammenhänge aufzeigt und als Basis für die Planung und
Umsetzung von Dienstleistungen dienen kann.
Ein Ordnungsrahmen für die
Strategische Erneuerung
Das Strategiehaus als Leitstern
Die Strategische Erneuerung von Industrieunternehmen durch industrielle
Dienstleistungen ist eine komplexe Gestaltungsaufgabe. Um den damit
einhergehenden vielfältigen Anforderungen gerecht werden zu können,
empfiehlt sich ein Ordnungsrahmen, der gleichsam als Leitstern zur
Orientierung der verschiedenen Erneuerungsaktivitäten dient [15]. Solch
einem Leitstern kommen dabei zweierlei Funktionen zu: Einerseits fungiert
er als Diagnoseinstrument, das Handlungsbedarf im Bereich
industrieller Dienstleistungen sowohl im Sinne von Chancen als auch von
Risiken identifiziert. Andererseits dient er als Gestaltungsleitfaden,
der mögliche Wege zur Umsetzung von Erneuerungsoptionen durch
Dienstleistungen aufzeigt.
Um die Anwendbarkeit des Ordnungsrahmens und damit ein praktikables
Erneuerungsmanagement zu gewährleisten, erweist sich eine Aufteilung des
Möglichkeitsraumes neuer Dienstleistungen in überschaubare
Handlungsfelder der Erneuerung als sinnvoll. In Abbildung 1 ist ein
Vorschlag für einen Ordnungsrahmen - im Weiteren »Strategiehaus«
genannt - dargestellt [16].
Ein Ordnungsrahmen für die Strategische Erneuerung muss einer Reihe
von Anforderungen genügen. Diese richten sich generell an eine Auflösung
des Spannungsfeldes zwischen der Optimierung einzelner Erneuerungsvorhaben
und der ganzheitlichen Erneuerung des Unternehmens [17, 18].
Das Strategiehaus umfasst alle Ebenen (normative, strategische und
operative) der Führung von Unternehmen. Dies ist erforderlich, um weg von
isolierten Lösungsvorschlägen hin zu einem ganzheitlichen Problemlösungsverständnis
und -verhalten zu gelangen. Dennoch ermöglicht es durch seinen modularen
Aufbau auch ein konzentriertes Management einzelner Problemfelder gemäß
den unternehmensspezifischen Zielsetzungen (z. B. bei priorisierten,
abgegrenzten Erneuerungsvorhaben). Allerdings gilt es hier, im Zuge der
Umsetzung relevante Rückkoppelungsbeziehungen (integrative
Wirkungszusammenhänge) zu berücksichtigen.
Bei der Erarbeitung des Strategiehauses wurde schließlich auch auf die Klarheit
und Verständlichkeit der einzelnen Elemente geachtet. Dies ist
Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung des Konzeptes, da nur so
die betroffenen Mitarbeiter Struktur und Sprache, die für die
Beschreibung und Umsetzung von einzelnen Erneuerungsvorhaben verwendet
werden, verstehen und verinnerlichen können.
Handlungsfelder der Erneuerung
Bei Überlegungen zur Strategischen Erneuerung von Industrieunternehmen
durch Dienstleistungen ist es stets ratsam, die internen Stärken und Schwächen
des Unternehmens - sowohl im Produktbereich als auch im
Dienstleistungsbereich - kontinuierlich zu beobachten und permanent an den
Gegebenheiten des Marktes zu spiegeln. Die Kenntnis aller relevanten internen
und externen Faktoren bildet die unabdingbare Voraussetzung für eine
erste Einschätzung möglicher Erneuerungsoptionen.
Im normativen Bereich sind die grundsätzlichen Entscheidungen darüber
zu treffen, ob, und wenn ja, in welchem Umfang von betroffenen
Industrieunternehmen auch Dienstleistungen erstellt und am Markt angeboten
werden. Damit einher geht die Klärung der Frage, welche Zielsetzungen mit
dem Dienstleistungsangebot im Einzelnen verfolgt werden. Generell werden
in der Praxis Dienstleistungen zur Differenzierung des
Sachleistungsangebots, zur Erschließung neuer Märkte/Kundengruppen für
das Sachleistungsangebot sowie zur Diversifikation in neue
Dienstleistungsmärkte mit einem eigenständigen Dienstleistungsangebot
eingesetzt. Diese Ziele müssen mit der Vision des Unternehmens in
Einklang gebracht und in den Leitlinien verankert werden. Auch die durch
die Unternehmenskultur gesetzten Rahmenbedingungen gilt es in diesem
Zusammenhang kritisch zu hinterfragen. Gerade bei Industrieunternehmen,
die sich zum Dienstleister entwickeln wollen, spielt die Etablierung einer
»Dienstleistungskultur« eine wesentliche Rolle für die erfolgreiche
Transformation.
Im strategischen Bereich wird - gemäß den normativen Vorgaben -
die strategische Ausrichtung des Unternehmens festgelegt. Eine zentrale
Fragestellung hierbei ist, mit welchen Leistungen/Leistungsbündeln das
Unternehmen in welchen Märkten, bei welchen Kunden und in welchen
Regionen tätig sein will. Im Rahmen der Erarbeitung von Geschäftsstrategien
sind zum einen die aus der bisher verfolgten Gesamtstrategie
resultierenden Richtlinien zu berücksichtigen (top-down-Integration), zum
anderen aber auch die einzelnen Strategien für die jeweiligen
Leistungsangebote zu einer modifizierten Gesamtstrategie zu aggregieren (bottom-up-Integration).
Nur so ist eine einheitliche Dienstleistungspolitik des Unternehmens am
Markt möglich.
Im operativen Bereich erfolgt vornehmlich die Umsetzung
strategischer Vorgaben. Der Begriff »operativ« zielt dabei insbesondere
auf den Implementierungsaspekt ab; auch hier ist jedoch durchaus von längerfristigen
Aktivitäten und Projekten zur Abarbeitung strategischer Aufgaben
auszugehen. Wesentliche Felder der Umsetzung sind die Funktionalstrategien
(F&E, Beschaffung, Leistungserstellung, Marketing etc.),
Leistungsprojekte (z. B. die Einführung einer neuen Produkt- oder
Dienstleistungsgeneration), Bereichsstrategien (z. B. die Umwandlung eines
bisher nur intern anbietenden Leistungsbereichs zu einem am Markt
auftretenden Profit-Center) und Strukturprojekte (etwa die Einrichtung
eines Servicecenters).
Sowohl im strategischen Bereich als auch in dem der operativen Gestaltung
und Umsetzung ist stets zu prüfen, ob Leistungen intern oder
extern erstellt beziehungsweise angeboten werden und ob dies vom
Unternehmen alleine oder zusammen mit Partnern erfolgt.
Gerade in der jüngsten Vergangenheit gewinnen hier Aspekte wie das
Outsourcing bisher im Hause erbrachter Leistungen beziehungsweise das
Eingehen von Wertschöpfungspartnerschaften und Allianzen zunehmend an
Bedeutung. Einen Überblick über das Strategiehaus und beispielhafte
strategische Kernfragen in den einzelnen Bereichen gibt Abbildung 2.
Projektmanagement
- ein Tool für die Führung und Umsetzung von Erneuerungsvorhaben
Grundsätzlich bieten alle Bereiche des Strategiehauses Potenzial für
die Strategische Erneuerung. Von großer Bedeutung ist die Erfassung der
verschiedenen Erneuerungspotenziale und deren Einbindung in integrierte
Erneuerungsstrategien. Dies ist zwingend notwendig, will man Gefahren
vermeiden wie etwa:
-
ein »Verzetteln« in verschiedenen Bereichen möglicher neuer
Dienstleistungen,
-
das Verschwenden von Ressourcen durch redundante Arbeiten,
-
ein uneinheitliches Auftreten am Markt sowie
-
suboptimale Lösungen durch mangelnde Integration und Ausrichtung
auf die übergeordneten Ziele.
Vor allem entsprechende organisatorische Vorkehrungen können dazu
beitragen, optimale, integrierte Lösungen zu erreichen. In diesem
Zusammenhang wird sowohl in der Theorie [19] als auch in der Praxis [20]
die besondere Eignung von Projekten unterstrichen. Einen Überblick über
die organisatorische Verankerung der Entwicklung neuer Dienstleistungen
gibt Abbildung 3.
-
Die Ergebnisse entstammen einer repräsentativen empirischen Studie
zum Stand der Dienstleistungsentwicklung in Deutschland, welche zu
Beginn des Jahres 1999 im Rahmen eines vom Land Baden-Württemberg geförderten
Verbundprojektes zum Thema »Service Engineering« durchgeführt wurde
[21]. Bei der Untersuchung wurden insgesamt 3500 Unternehmen
angeschrieben und zum Stand der Dienstleistungsentwicklung in
Deutschland befragt. 282 Unternehmen antworteten, was einer Rücklaufquote
von 8,1 Prozent entspricht. Ungefähr drei Viertel dieser Unternehmen
lassen sich dem tertiären Sektor zuordnen. Detailliertere Analysen
zeigen darüber hinaus, dass:
-
mit steigender Unternehmensgröße die Schaffung spezieller
Organisationseinheiten zur Entwicklung von Dienstleistungen zunimmt.
So werden zum Beispiel nur bei 39 Prozent der befragten Unternehmen
mit weniger als 50 Mitarbeitern Projektteams für die Entwicklung
neuer Dienstleistungen eingerichtet, bei den Unternehmen mit 2000 und
mehr Mitarbeitern sind es immerhin 76 Prozent,
-
bei der Verlagerung auf bestehende Organisationseinheiten
vornehmlich die Geschäftsleitung betroffen ist, die Aufgabe mithin
als »Chefsache« angesehen wird. Hier liegt allerdings die Befürchtung
nahe, dass die Entwicklung neuer Dienstleistungen vor dem Hintergrund
des im Regelfall umfangreichen Aufgabenspektrums von Geschäftsführern
gerade bei mittelständisch geprägten Unternehmen zu einem Randthema
degradiert wird.
Für größere Industrieunternehmen, die Dienstleistungen in breiterem
Umfang anbieten, erfolgt gemäß der Befragungsergebnisse die Entwicklung
neuer Dienstleistungen vornehmlich im Rahmen von Projekten. Damit geht
gerade für das Management von Neuerungen eine ganze Reihe von Vorteilen
einher.
Neuerungsprozesse führen nahezu zwangsläufig zu Veränderungen. Die
Folge sind oft Ablehnung und Ängste bei Mitarbeitern und damit verbunden
das Einrichten veränderungsfeindlicher Barrieren. Eine projektorientierte
Vorgehensweise erweist sich hier insofern als vorteilhaft, als der
Neuerungsprozess aus der alltäglichen Routinearbeit herausgelöst wird
und zudem durch die Schaffung einer eigenständigen Projektorganisation
eine Signalwirkung für den Stellenwert von Neuerungen über Abteilungs-
und Bereichsgrenzen hinweg ausgeht [22]. Darüber hinaus arbeiten die aus
verschiedenen Bereichen und Funktionen des Unternehmens ausgewählten
Mitarbeiter innerhalb von Projekten erwiesenermaßen leistungsorientierter
und motivierter (unter anderem durch die Ergebnisverantwortung des
Projektes), kreativer (durch die mentale Befreiung von der Alltagsarbeit)
und - aufgrund der interdisziplinären Teamzusammensetzung - auch themenübergreifend
und themenintegrierend. Die daraus resultierenden umfassenden und
vielschichtigen Problemlösungen sind von Wettbewerbern oftmals nur schwer
zu imitieren und eignen sich daher besonders zur Erzielung nachhaltiger
Wettbewerbsvorteile.
Die Zusammensetzung der Projektteams orientiert sich an den spezifischen
Anforderungen der jeweiligen Problemstellung. In Abbildung 4 sind die
Ergebnisse der durchgeführten Befragung im Hinblick auf die
Zusammensetzung spezieller Projektteams zur Entwicklung neuer
Dienstleistungen dargestellt.
Auch hier wiederum spielt die Geschäftsführung eine zentrale Rolle,
gefolgt von Unternehmensbereichen, die im direkten Kontakt zu Markt und
Kunde stehen (Marketing und Vertrieb). Dieses Ergebnis deutet darauf hin,
dass bei der Zusammensetzung von Projektteams zum einen auf die
Partizipation von Personen geachtet wird, die die Ergebnisse der
Projektarbeiten im Unternehmen - nicht zuletzt aufgrund ihrer
hierarchischen Einordnung - vertreten und durchsetzen können (z. B.
Mitglieder der Geschäftsleitung in der Rolle von Machtpromotoren), zum
anderen aber auch Mitarbeiter berücksichtigt werden, die über spezielles
(Fach-) Wissen verfügen und dieses in das Projekt einbringen (z. B.
Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing und Produktmanagement als
Fachpromotoren). Eine solche Teamzusammensetzung schafft die
erforderlichen Grundlagen, um Ideen für Erneuerungsoptionen durch
Dienstleistungen aus allen hierarchischen Ebenen heraus aufzunehmen und
umzusetzen (Entschärfung des Spannungsfeldes hierarchischer und
emergenter Neuerungsstrategien).
Neben den unbestreitbaren Vorteilen hat die Umsetzung von Neuerungen im
Rahmen einer Projektorganisation aber auch einige Nachteile. So stellt
diese in aller Regel eine Sekundärorganisation dar. Aus der Überlagerung
von Primär- und Sekundärorganisation ergibt sich eine erhöhte Komplexität,
die sich unter Umständen negativ auf die Kosten- und Zeiteffizienz
auswirken kann. Zudem dürfen durch die Doppelunterstellung von
Mitarbeitern ausgelöste Spannungen nicht unterschätzt werden. Eine
positive Einstellung der disziplinarischen Vorgesetzten der
Projektmitarbeiter (gemäß der Primärorganisation) zum Projekt ist hier
von großer Bedeutung, sehen sich die Mitarbeiter anderenfalls doch möglicherweise
in ihrer Projektarbeit (z. B. hinsichtlich Kapazitätsaufteilung zwischen
Linien- und Projektaufgaben), insbesondere aber auch in ihrer beruflichen
Weiterentwicklung nach Abschluss des Projektes behindert. Bei der Lösung
der artiger Probleme spielen der Projektleiter (als fachlicher
Vorgesetzter des Mitarbeiters), gegebenenfalls ein Projektmentor aus der
Geschäftsführung (als Promotor des Projekts im Unternehmen) ebenso wie
geeignete organisatorische Rahmensetzungen (z. B. detaillierte Kapazitäts-
und Zeitpläne) eine wesentliche Rolle.
...
|
Dieses Kapitel...
|
|
... können Sie vollständig per
PDF-Download beziehen:
Alle Seiten mit Abbildungen in optimaler Qualität, hervorragend geeignet
zum Ausdruck auf Papier.
Zusätzlich bietet Ihnen das PDF-Format praktische Suchmöglichkeiten.
Schon in wenigen Minuten sind die Kapitel auf Ihrem Computer gespeichert,
zu einem günstigen Preis: 30 Cent pro Seite.
Zum Download |
|