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- Leseprobe -
Branchenstrukturen bei
Facility-Management-Dienstleistungen in Deutschland
von Wolfgang
Burr
Prognosen deuten darauf hin, dass dem deutschen Markt für
Facility-Management-Dienstleistungen in den kommenden Jahren ein
sprunghaftes Wachstum bevorsteht. Doch wie wird sich der Markt entwickeln?
Wird er den gleichen Weg gehen wie in den USA und Großbritannien, wo
Facility Management eine seit Jahren bekannte Dienstleistung mit einem
hohen Grad an Konzentration und standardisierten Angeboten ist? Der
deutsche Markt weist eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen auf.
Doch bereits jetzt sind Konzentrationstendenzen zu erkennen. Der
vorliegende Beitrag beleuchtet Strukturen und Entwicklungstendenzen der
Branche in Deutschland.
Stichworte:
Begriffsabgrenzung; Marktpotenzial in Deutschland; Anbieter im deutschen
Markt; Branchenherkunft der Anbieter; Aktuelle Markttrends bei externen
FM-Dienstleistungen: Modularisierung, Trend zu Komplettangeboten,
Internationalisierungstendenzen; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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-
welches Marktvolumen künftig im
Bereich externer und interner Facility-Management-Dienstleistungen
zu erwarten ist,
-
welche Anbieter den deutschen Markt
dominieren,
-
welche Unternehmen besonders
erfolgreich in den FM-Markt diversifizieren,
-
welche Vor- und Nachteile
Modularisierungen von FM-Dienstleistungen mit sich bringen,
-
welche Probleme auf Anbieter- und
Abnehmerseite bei Komplettlösungen zu bewältigen sind,
-
welche Internationalisierungstendenzen
sich im Bereich FM abzeichnen.
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Facility Management und traditionelle Gebäudebewirtschaftung
Unter der Bezeichnung Facility Management wird die »Gesamtheit aller
Leistungen zum Bewirtschaften von Gebäuden/Liegenschaften auf der
Grundlage einer ganzheitlichen Strategie« [15] verstanden. (Die
Begriffsverwendung hat sich allerdings nicht als Standard durchsetzen
können. Vielmehr gibt es eine Vielzahl konkurrierender Definitionen des
Begriffs »Facility Management« [10; 13; 16]). Unter dem Sammelbegriff
Facility Management werden kaufmännische, infrastrukturelle und
technische Dienstleistungen der Gebäudebewirtschaftung zusammengefasst
[vgl. 15]. (Eine nähere Charakterisierung von technischen,
kaufmännischen und infrastrukturellen Dienstleistungen rund um das
Gebäude findet sich bei Pierschke [10].)
Wesentliche Unterschiede des Facility Management zur traditionellen
Bewirtschaftung von Gebäuden sind in folgenden Punkten zu sehen:
-
Facility Management betont primär den Management- und
Koordinationsaspekt und nur sekundär die Ausführung der
gebäudebezogenen Dienstleistungen (Reinigung, Bewachung, Wartung der
Gebäudetechnik et cetera) gemäß den Vorgaben des Managements [vgl.
2;16].
-
Im Rahmen des Facility Management wird eine gebäudeübergreifende
Perspektive eingenommen, die sich zudem auf den gesamten Lebenszyklus
(Planung, Errichtung, Betrieb, Abriss und Entsorgung) aller Gebäude
eines Unternehmens bezieht [2;10].
-
Zielsetzung des Facility Management ist eine ganzheitliche,
umfassende Problemlösung für die Bewirtschaftung von Gebäuden. (Frutig
und Reiblich bezeichnen Facility Management als Ȇbergang von der
gesplitteten zur integrierten Anlagenwirtschaft mit
Querschnittscharakter« [5].) Damit führt Facility Management zu
einer Veränderung der durch Spezialisierung auf bestimmte Gewerke
sowie durch gesetzliche Regulierung von Handwerksberufen
determinierten traditionellen Arbeitsteilung bei den gebäudebezogenen
Dienstleistungen [14]. Vorhandene Dienstleistungskonzepte und
Branchenstrukturen werden durch das Konzept Facility Management
infrage gestellt, was zu einer Neuformierung von Wertschöpfungsketten
führt [1]. (Staudt, Kriegesmann und Thomzik konstatieren ein durch
das Facility-Management-Konzept bewirktes Verwischen traditioneller
Gewerkegrenzen, Funktionsverteilungen und eine Neuformierung der
Wertschöpfungsketten bei gebäudebezogenen Dienstleistungen [14].)
-
Facility Management betont den Aspekt der Informationsgewinnung,
-verarbeitung und -weitergabe gebäudebezogener Daten mit Hilfe
computergestützter Systeme (zum Beispiel CAD-Systeme, Datenbanken,
Gebäudeinformationssysteme, sogenanntes Computer Aided Facility
Management CAFM) mit der Zielsetzung, über den ganzen Lebenszyklus
des Gebäudes und den gesamten Dienstleistungsprozess (von der ersten
Kontaktaufnahme mit dem Kunden bis zur Rechnungsstellung) einen
durchgängigen Datenfluss zu erreichen [2]. (Frutig und Reiblich
betonen besonders die Bedeutung der EDV-Unterstützung im Rahmen des
Facility Managements [5].)
Facility-Management-Dienstleistungen gehen somit über die
traditionelle Immobilien- und Gebäudeverwaltung deutlich hinaus, indem
sie den gebäudetechnischen Aspekt sowie den Management- und
Koordinationsaspekt der umfassenden, den ganzen Lebenszyklus des Gebäudes
berücksichtigenden Gebäudebewirtschaftung stärker betonen.
[Abb. 1: Dienstleistungen im Rahmen eines Facility Management
Konzeptes [9] - Die Abbildung entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Marktpotenzial für Facility- Management-Dienstleistungen in
Deutschland
Dem deutschen Markt für Facility-Management-Dienstleistungen wird in
den nächsten Jahren ein sprunghaftes Wachstum vorhergesagt. So
prognostizierte Schneider ein Marktpotenzial für FM-Dienstleistungen von
mindestens 60 Mrd. DM jährlich beginnend ab 1996 und wies darauf hin,
dass davon erst zirka 35 Prozent erschlossen waren [12]. Frutig und
Reiblich erwarteten ein jährliches Marktvolumen von zirka 40 bis 50 Mrd.
DM [5] beginnend ab 1995. Auffällig ist, dass diese Marktstudien zu
teilweise unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich des zukünftigen
Marktvolumens gelangen [vgl. 14]. Ein maßgeblicher Grund für diese
Prognoseunterschiede liegt in der je nach Studie unterschiedlichen
Erfassung (beziehungsweise Nichterfassung) des nur schwer
quantifizierbaren Umfangs an Facility-Management-Leistungen, die von
Unternehmen intern selbst erbracht werden.
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Tabelle
1: Prognosen zum Marktpotenzial für Facility Management
Dienstleistungen
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Quelle
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geschätztes
FM Marktvolumen
|
Bemerkungen
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Schneider
(1996)
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60 Mrd.
DM jährlich ab 1996
|
erst 35%
des Marktvolumens erschlossen
|
|
Frutig
und Reiblich (1995)
|
40-50
Mrd. jährlich ab 1995
|
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Dass die von den beiden oben genannten Autoren vorgenommene
Abschätzung des Marktvolumens nach wie vor realistisch ist, verdeutlicht
die folgende, zu abweichenden Ergebnissen gelangende Marktschätzung, die
vom Verfasser dieses Beitrags auf der Grundlage aktueller Markt- und
Unternehmensdaten (Stand Ende 1999, Anfang 2000) durchgeführt wurde: Im
November 1999 wurde in einer Fachzeitschrift eine umfassende Aufstellung
aller Facility-Management-Anbieter, die auf dem deutschen Markt tätig
sind, publiziert [4]. Bei der Hälfte der Unternehmen war dabei der
FM-Umsatz für die Jahre 1997 beziehungsweise 1998 angegeben, bei der
anderen Hälfte der Unternehmen fehlte hierzu jegliche Angabe. Addiert man
alle bekannten Umsatzzahlen, so kommt man auf einen Gesamtumsatz der
externen FM-Anbieter von 4,88 Mrd. DM. Unter Hinzufügung desjenigen
Umsatzes, der dem Verfasser dieser Arbeit zusätzlich bekannt ist (bei den
Unternehmen D.I.B., DIW, Gegenbauer, Krantz TKT, Plural, Thyssen Facility
Management), ergibt sich ein Gesamtumsatz in Höhe von 6,32 Mrd. DM. Geht
man von der stark vereinfachenden Annahme aus, dass die andere Hälfte der
Unternehmen einen vergleichbaren Umsatz erzielt, so ergäbe sich ein
Marktvolumen für externe FM-Leistungen in Höhe von zirka 13 Mrd. DM.
Unter Berücksichtigung der von Schneider [12] getroffenen Feststellung,
dass dieses Marktpotenzial nur ein Drittel des Gesamtmarktpotenzials
darstellt, ergibt sich ein Gesamtmarktpotenzial von zirka 40 Mrd. DM für
externe und unternehmensintern erbrachte FM-Leistungen. Diese
Einschätzung ergibt sich auch unter Zuhilfenahme eines anderen
Berechnungsmodus: Der Gesamtwert aller gewerblichen Gebäude betrug im
Jahr 1996 näherungsweise 2664 Mrd. DM [14]. Die jährlichen
Gesamtbetriebskosten liegen erfahrungsgemäß in der Bandbreite von vier
bis sechs Prozent des Gebäudewertes [14]. Darunter fallen allerdings die
Kosten für Strom, Erdöl und Erdgas ebenso wie für die eigentlichen
Gebäudedienstleistungen. Geht man von der Annahme aus, dass die Hälfte
der Gesamtbetriebskosten auf die eigentlichen Gebäudedienstleistungen
entfällt, so stellen diese eine jährliche Größe von zwei bis drei
Prozent des Gebäudewertes dar, was für die Dienstleistungen rund um die
Bewirtschaftung gewerblicher Immobilien einen jährlichen Gesamtmarkt von
55 bis 80 Mrd. DM erwarten lässt. Unter Würdigung aller Gesamtfaktoren
erscheint somit bei Externalisierung aller bisher unternehmensintern
erbrachten FM-Dienstleistungen ein maximales jährliches Marktvolumen von
etwa 50 Mrd. DM realistisch.
Es muss betont werden, dass das erwartete Wachstum des externen
Facility-Management-Marktes primär durch die Auslagerung vormals
unternehmensintern von Kundenunternehmen selbst erbrachter
Dienstleistungen gespeist wird. Dementsprechend findet primär eine
Umverteilung von Wertschöpfung zwischen unternehmensinternen und
unternehmensexternen Dienstleistern sowie zwischen traditionellen
Dienstleistungsanbietern (z. B. Handwerksbetrieben) und den neuen
Facility-Management-Anbietern (z. B. Siemens, M+W Zander Facilities
Management) statt [1;14]. Eine Erhöhung der Gesamtnachfrage nach
Facility-Management-Leistungen ist dadurch nicht oder nur in sehr geringem
Umfang zu erwarten [vgl. 6]. (Goldstein und Köllgen weisen darauf hin,
dass infolge effizienterer Organisation der Leistungserstellung durch
externe FM-Dienstleister und infolge technischen Fortschritts, der zu
längeren Wartungsintervallen und zur stärkeren Modularisierung bei
Betriebsanlagen – Austausch statt Reparatur von Einzelteilen – führt,
ein Wachstum der Gesamtnachfrage nicht erwartet werden kann [6]. Staudt,
Kriegesmann und Thomzik kommen zu der Feststellung, dass im FM-Markt
primär Umverteilung von Wertschöpfung erfolgt, aber nur in sehr
begrenztem Umfang zusätzliche Wertschöpfung entsteht [14]).
Während Facility-Management-Dienstleistungen in den USA als
Standarddienstleistungen gelten und der Markt für diese Dienstleistungen
bereits hoch entwickelt ist, befindet sich der Markt für
Facility-Management-Dienstleistungen in Deutschland noch in den Anfängen
seiner Entwicklung. Dies hat zur Folge, dass der deutsche
Facility-Management-Markt momentan ein starkes Wachstum verzeichnet. Bei
vielen Unternehmen ist eine Tendenz zum Outsourcing vormals intern
erbrachter Dienstleistungen rund um die Immobilie auf spezialisierte
externe FM-Anbieter erkennbar. (Braun, Oesterle und Haller konstatieren
einen Entwicklungsrückstand des deutschen Facility-Management-Marktes von
acht bis zehn Jahren verglichen mit anderen europäischen oder
internationalen FM-Märkten [2]. Goldstein und Köllgen bezeichnen die USA
und Großbritannien als die FM-Märkte mit dem höchsten Entwicklungsstand
und den deutschen FM-Markt als »Spätstarter« [6]. Den zeitlichen
Rückstand des deutschen FM-Marktes um einige Jahre im Vergleich zu
anderen Ländern Europas und den USA führt Wahlen auf verschiedenartige
Akzeptanzprobleme zurück [16]).
Wesentliche Anbieter im deutschen Markt für
Facility-Management-Dienstleistungen
Im Markt für externe Facility-Management-Dienstleistungen
konnten sich bislang wenige deutsche Anbieter etablieren. Zu den
wichtigsten Anbietern zählen [vgl. 11]:
-
Siemens Gebäudemanagement und Services, München,
-
M+W Zander Facility Management, Nürnberg,
-
D.I.B., Gesellschaft für Standortbetreiberdienste, Ottobrunn,
-
Deutsche Industriewartung DIW, Kornwestheim,
-
LH Gebäudemanagement, Frankfurt,
-
TKT-Krantz, Oberhausen.
In den nächsten Jahren wird der verstärkte Markteintritt der großen
amerikanischen Anbieter, etwa des Weltmarktführers Johnson Controls sowie
Servicemaster, erwartet.
Die gemessen am Gesamtumsatz (externer FM-Umsatz und interner
FM-Umsatz mit der Muttergesellschaft) führenden
Facility-Management-Anbieter im deutschen Markt sind:
-
Deteimmobilien GmbH (k. A. zum Umsatz)
-
Pedus Service (811 Mill. DM im Jahr 1997, v. a. mit
Reinigungsdiensten)
-
D.I.W. Deutsche Industriewartung (ca. 500 Mill. DM im Jahr 1998)
-
Thyssen Facility Management (479 Mill. DM im Jahr 1997/98)
-
Gegenbauer (390 Mill. DM im Jahr 1998, v. a. mit Reinigungsdiensten)
-
Siemens Gebäudemanagement und Services (350 Mill. DM im Jahr 1998)
Der vermutlich hinsichtlich Umsatz und einer Personalstärke von 11.000
Mitarbeitern größte Erbringer von Facility-Management-Dienstleistungen
in Deutschland ist die Deteimmobilien
GmbH, die 34.000 Gebäude ihrer Muttergesellschaft Deutsche Telekom AG
bewirtschaftet (internes Facility Management) [14], aber am Markt für
externe Facility-Management-Dienstleistungen bisher noch kaum aufgetreten
ist.
Bezieht man sich hingegen auf rein externe FM-Anbieter, die nur mit
externen Kunden FM-Umsatz machen, und blendet man Reinigungsdienste sowie
Unternehmen, die bekannterweise einen bedeutenden Teil des Umsatzes mit
ihrer Muttergesellschaft machen, aus der Betrachtung aus, so lautet die
Rangfolge wie folgt:
-
M+W Zander Facility Management (230 Mill. DM im Jahr 1998)
-
Krantz-TKT (217 Mill. DM Umsatz im Jahr 1998)
-
D.I.B., Gesellschaft für Standortbetreiberdienste (170 Mill. DM im
Jahr 1998).
M+W Zander Facility Management sowie D.I.B., Gesellschaft für
Standortbetreiberdienste können als besonders typisch und repräsentativ
für die deutsche FM-Branche gelten. Sie gehören zu den drei führenden
Anbietern von externen FM-Dienstleistungen, die keinen oder nur relativ
wenig Umsatz mit ihrer Muttergesellschaft machen (und damit im Wettbewerb
mit anderen FM-Anbietern stehen). Mit einem Umsatz zwischen 170 und 230
Mio. DM im Jahr 1998 sind beide Unternehmen repräsentativ für die
mittelständische FM-Branche. Beide Unternehmen positionieren sich im
FM-Markt als Komplettanbieter und offerieren die gesamte Breite der
FM-Dienstleistungen, das heißt technisches, kaufmännisches und
infrastrukturelles Gebäudemanagement. Der wesentliche Unterschied
zwischen beiden Unternehmen ist darin zu sehen, dass D.I.B. bisher
überwiegend regional tätig ist und sich noch auf den Münchener Raum
konzentriert, während M+W Zander Facility Management neben dem deutschen
Markt auch in anderen europäischen FM-Märkten tätig ist.
Branchenherkunft der Facility-Management-Anbieter
Die Abbildung 2 verdeutlicht neben der Größenordnung der Unternehmen,
dass Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen (Gebäudetechnik und
Anlagenbau, Anbieter von Leit- und Systemtechnik, Bauwirtschaft,
Energiewirtschaft, Immobilienunternehmen, Anbieter von Reinigungsdiensten,
Ausgründungen interner Serviceeinrichtungen von Unternehmen der
verschiedensten Branchen) in den Markt für
Facility-Management-Dienstleistungen diversifizieren möchten [14].
Die bisherige Marktentwicklung lässt erkennen, dass vormalige interne
Facility-Management-Abteilungen (z. B. D.I.B., Gesellschaft für
Standortbetreiberdienste) und die Anbieter von Gebäudetechnik und
gebäudetechnischen Dienstleistungen (z. B. Zander Klimatechnik)
erfolgreich in den FM-Markt diversifizieren können. Dies liegt darin
begründet, dass die internen FM-Abteilungen als Betreiber ganzer
Unternehmensstandorte die notwendigen Kompetenzen für umfassende
FM-Komplettangebote bereits besitzen (oder Erfahrung darin haben, einzelne
dieser Kompetenzen über Subdienstleister einzubinden). Ebenso können die
Anbieter von Gebäudetechnik und gebäudetechnischen Dienstleistungen die
fehlenden Kompetenzen im Bereich der kaufmännischen und
infrastrukturellen Dienstleistungen über Kooperationen mit
spezialisierten Dienstleistern einbinden [vgl. 3;16]. (Eine Marktstudie
der Fachzeitschrift Gebäudemanagement im Jahr 1996 ergab, dass 82 Prozent
der befragten FM-Dienstleistungsanbieter Komplettangebote durch
Kooperationen mit spezialisierten Dienstleistern erstellten [vgl. 8].
Staudt, Kriegesmann und Thomzik nennen als grundsätzliche Möglichkeiten
zur Erlangung der für ein Komplettangebot benötigten Kompetenzen den
Aufbau der Kompetenzen im Alleingang und die Akquisition fehlender
Kompetenzen durch Akquisition eines anderen Unternehmens oder durch eine
Kooperation zwischen Unternehmen [14].) Demgegenüber haben die Anbieter
von Reinigungs-, Sicherheits- und Immobiliendienstleistungen größere
Probleme, Kompetenzen im technischen Gebäudemanagement aufzubauen, zu
akquirieren oder über entsprechende Kooperationen einzubinden [3].
Derartige Kompetenzen basieren auf der Beherrschung vielfältiger und
zunehmend komplexerer Technologien der Gebäudeautomation, des Computer
Aided Facility Management, des Remote Facility Management und der
Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik.
[Abb. 2: Branchenherkunft von FM-Dienstleistungsanbietern - Die
Abbildung entnehmen Sie bitte dem Printwerk]
Aktuelle Trends im Markt für externe FM-Dienstleistungen
Der deutsche Markt für Facility-Management-Dienstleistungen wird
derzeit durch drei sich abzeichnende Trends geprägt, nämlich die Tendenz
zur Modularisierung von FM-Dienstleistungen, zu Komplettangeboten aus
einer Hand und die Tendenz zur Internationalisierung der deutschen
FM-Anbieter.
Modularisierung von FM-Dienstleistungen
Zunehmend mehr FM-Anbieter offerieren ihren Kunden die Möglichkeit,
Dienstleistungspakete aus frei kombinierbaren gebäudebezogenen
Dienstleistungen zusammenzustellen. Diese Modularisierung bezieht sich auf
den Dienstleistungsvertrieb und das Dienstleistungsmarketing und sagt per
se noch wenig darüber aus, in welchem Ausmaß der jeweilige FM-Anbieter
auch seine Dienstleistungsproduktion modular organisiert. Folgende
Faktoren begünstigen die modulare Produktion von FM-Dienstleistungen:
Viele gebäudebezogene Dienstleistungen eignen sich für eine
Standardisierung ihrer Inputs, Prozesse und Outputs [vgl. 14]. (Staudt,
Kriegesmann und Thomzik bejahen in diesem Zusammenhang die
Standardisierbarkeit von Dienstleistungen, die sich auf die Nutzungsphase
von Immobilien beziehen sowie die dadurch erzielbaren
Rationalisierungsvorteile [14]). Hierzu trägt die Normierung von Service
Levels ebenso bei wie die zunehmende Gebäudeautomation und Fernwartung
von Gebäuden, die vormals durch Menschen erbrachte gebäudebezogene
Dienstleistungen (z. B. Zählerablesung, Kontrolle von Heizungs-, Klima-
und Lüftungsanlagen) substituiert. Auch der modulare Aufbau vieler
gebäudetechnischer Anlagen und Systeme (zum Beispiel von Klima- und
Heizungsanlagen) ermöglicht die Modularisierung der an diesen Anlagen
ansetzenden Dienstleistungen. Gegen eine Modularisierung
gebäudetechnischer Dienstleistungen spricht hingegen, dass durch
Einführung von CAFM-Systemen [5] und von Gebäudeleittechnik die
einzelnen gebäudetechnischen Dienstleistungen nicht nur standardisiert,
sondern auch enger miteinander vernetzt werden und damit eher eine
integrale Struktur erhalten [14]. (Staudt, Kriegesmann und Thomzik stellen
einen Zusammenhang zwischen der Schaffung eines durchgehenden
Informationsflusses durch CAFM und der Vernetzung von FM-Dienstleistungen
über den Lebenszyklus der Immobilie hinweg fest. Sie kommen zu dem
Ergebnis: »Das Facility-Management-Konzept ist – so verstanden – ein
Schritt auf dem Weg zur integralen Qualität einer Dienstleistung.«
[14]). Da CAFM-Systeme die einzelnen FM-Dienstleistungen aber lediglich
informatorisch durch Herstellung durchgängiger Datenflüsse vernetzen und
da die Gebäudeleittechnik beim momentanen Stand der Techik noch ein
eingeschränktes Anwendungsfeld besitzt (eine komplette Fernsteuerung oder
zentralisierte Administration aller gebäudebezogenen
Dienstleistungsprozesse ist derzeit nicht realistisch), ist derzeit nicht
damit zu rechnen, dass der Trend zur Modularisierung von
FM-Dienstleistungen durch diese Technologien umgekehrt wird. Unter der
Prämisse, dass der Kunde die durch ein modulares Dienstleistungssystem
ermöglichten Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten honoriert, ist damit
eine weitere Tendenz zur Modularisierung von FM-Dienstleistungen zu
erwarten.
Trend zu Komplettangeboten aus einer
Hand
Zunehmend mehr Kundenunternehmen in Deutschland gehen dazu über, alle
Dienstleistungen rund um die Wartung und Bewirtschaftung ihrer Betriebs-
und Verwaltungsgebäude (zum Beispiel Reinigung, Heizung, Klima, Lüftung,
Bewachungsdienste, Pförtner, Rasenpflege, Catering, Aufzugswartung et
cetera) an einen einzigen spezialisierten technischen
Dienstleistungsanbieter auszulagern und derart eine integrierte
FM-Problemlösung von einem Komplettanbieter aus einer Hand zu beziehen.
(Braun, Oesterle und Haller nehmen gegenüber dem Outsourcing in eine Hand
eine kritische Position ein. Sie vermuten schwache Anreize eines
Komplettdienstleisters, effektive Kostensenkungen herbeizuführen und mit
dem Kunden zu teilen. Sie plädieren daher für eine Aufteilung der
strategischen und der operativen Dienstleistungen auf mehrere
Dienstleister [2]. Pierschke weist auf die große Abhängigkeit des Kunden
von einem Komplettanbieter hin [10]. Schätzungen besagen, dass bisher nur
fünf Prozent der Unternehmen die gesamte Gebäudebewirtschaftung an einen
Facility-Management-Komplettanbieter ausgelagert haben [vgl. 14].
Demgegenüber betont Köllgen die durch Einschaltung eines
Komplettanbieters für den Kunden mögliche Komplexitätsreduktion, da die
Zahl der von der Kundenunternehmung zu unterhaltenden Außenbeziehungen
vermindert wird. Dennoch setzt sich seiner Ansicht nach der in den USA
erkennbare Trend zur Zusammenarbeit mit einem einzigen Komplettanbieter in
den großen deutschen Unternehmen aufgrund bestehenden Misstrauens dieser
Kunden gegenüber einer solchen Angebotskonstellation und aufgrund
befürchteter Probleme mit dem Mittelmanagement und dem Betriebsrat nur
langsam durch [7]. Zu einer positiven Beurteilung von Komplettangeboten
aus einer Hand im Facility Management gelangen auch Staudt, Kriegesmann
und Thomzik [14]). Laut einer Marktstudie der Fachzeitschrift
Gebäude-Management bei 530 Anbietern und 420 Anwendern von
Gebäudemanagementdienstleistungen wurden zum Erhebungszeitpunkt im
September/November 1996 zwar Komplettdienstleistungen von den Kunden kaum
nachgefragt (nur 17 Prozent der befragten Anwender vergaben
Komplettaufträge an einen einzigen FM-Dienstleister, der die Leistungen
selbst erbringt oder an Subdienstleister delegiert), aber es wurde von 50
Prozent der Befragten ein deutlicher Trend hin zur Zusammenarbeit mit
Komplettanbietern (die die Leistungen selbst erstellen oder ihrerseits an
Subdienstleister delegieren) in der Zukunft konstatiert. Der erkennbare
Trend zum Komplettangebot aus einer Hand wird nach den Ergebnissen der
zitierten Untersuchung von der Reife und dem Entwicklungsstand des
FM-Marktes sowie positiven Erfahrungen von Kunden mit der Qualität von
Komplettdienstleistungen bestimmt [8].
In der gleichen Studie gaben nur vier Prozent der befragten Anbieter an,
dass sie als Komplettanbieter alle geforderten Leistungen selbst
erbringen. Die anderen befragten Anbieter erbrachten entweder keine
Komplettleistungen (14 Prozent der befragten Unternehmen waren
Spezialdienstleister) oder delegierten einen Teil der Leistungserstellung
an Subdienstleister (82 Prozent der befragten Anbieter) [8]. Balck stellt
hierzu fest: »Die Entkoppelung nicht wettbewerbsfähiger Geschäftsteile
in das Zuliefererumfeld geht einher mit einem neuen integrativen Muster:
Je mehr Zulieferleistungen in den unternehmenseigenen
Wertschöpfungsprozess einmünden, desto stärker werden zugehörige
Formen der Systemführerschaft zum Erfolgsfaktor des Managements.« [1]
(Die gegenteilige Ansicht findet sich bei Staudt, Kriegesmann und Thomzik,
die betonen, dass FM-Anbieter eine zunehmende Tendenz zur vertikalen
Integration und zur Ausführung von Projekten mit eigenen Kapazitäten
besitzen [14]).
Inwieweit allerdings die in der obigen Tabelle genannten Unternehmen
tatsächlich alle Komplettdienstleistungen rund um das Gebäude offerieren
und nicht nur die Fähigkeit zu einem Komplettangebot aus einer Hand in
ihrem Marketing hervorheben, ist für Außenstehende schwer
nachvollziehbar. Staudt, Kriegesmann und Thomzik stellen hierzu fest:
»Auch wenn die Marketingkonzepte mancher Großunternehmen dieses
ehrgeizige Ziel ins Auge fassen, bislang scheinen nur wenige Anbieter in
der Lage zu sein, eine ganzheitliche Verantwortung für ein Objekt über
alle Lebenszyklusphasen wahrzunehmen.« [14] Zudem sind die angebotenen
Komplettlösungen oftmals nur unverbunden nebeneinander gestellte
Einzeldienstleistungen und somit keine ganzheitlich integrierten
Komplettlösungen [14].
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