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- Leseprobe -
Praxisnahes und kostensparendes Erfolgsrechnungs- und Steuerungssystem
für mittelständische Produktionsunternehmen
von Rüdiger Jahn
Untersuchungen zur Ausgestaltung der betrieblichen
Rechensysteme zeigen das Bestreben der Unternehmen, ein einheitliches
Instrumentarium für alle betrieblichen Ebenen zu installieren. Im
Vordergrund steht dabei die Erfolgsermittlung. Die meist über Jahre
entstandene oder sonst vorgenommene Trennung der einzelnen betrieblichen
Rechensysteme widerspricht dieser Zielsetzung. Entsprechend wird
gefordert, die betrieblichen Rechensysteme an einer übergeordneten
Zielsetzung, der Erfolgsermittlung, einheitlich auszurichten. Das
dargestellte Modell, das sich bereits in der Praxis bewährt hat, stellt
diese Forderungen in den Mittelpunkt. Durch Integration der wichtigsten
Kennzahlen und Analysemöglichkeiten wird den Bedürfnissen auf allen
Planungs- und Kontroll-ebenen Rechnung getragen. Es ist an spezifische
Unternehmenssituationen anpassbar, kostengünstig und leicht zu handhaben.
Stichworte: Das »typische
Beispielunternehmen«; Plädoyer für die Zentrale; Zielvorgaben;
Anforderungsprofil; Lösungsvorschlag: die Erfolgsrechnung »MIS«; ROI,
Cash Flow, CFROI; Praktische Hinweise; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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wie ein Produktionsunternehmen ein praxisnahes
Erfolgsrechnungssystem einsetzen kann,
-
welche Nutzenvarianten ein solches System
beinhaltet und
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wie und warum es kostensparend betrieben werden
kann.
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Zur Situation in mittelständischen
Produktionsunternehmen
Es vergeht heute fast kein Tag, an dem nicht in der Presse
von einem spektakulären Konkurs oder gravierenden wirtschaftlichen
Problemen bekannter Unternehmen berichtet wird. Die gleichen
Schwierigkeiten bei den vielen kleinen und größeren Firmen des
Mittelstands werden kaum bekannt, sind aber ungleich zahlreicher.
Fast allen diesen Unternehmen gemein ist eine wesentliche Ursache für
deren Situation, nämlich der Mangel an Systemen, die die
Überschaubarkeit der betrieblichen Vielfalt und das Wissen über die
eigene Situation gewährleisten, inklusive über deren Untergliederungen
und deren Geschäftsfelder. Unübersichtliche, unklare Strukturen und
Mängel in der Abbildung eindeutiger Strukturen im Rechnungswesen /
Controlling führen zu nicht rechtzeitig erkannten, negativen
Entwicklungen und verhindern notwendige Anpassungsmaßnahmen. Sie sind
Ursache für ungelöste betriebliche Probleme.
Größte Schwierigkeiten machen dem gerade häufig unterkapitalisierten
Mittelstand die sich ändernden Anforderungen der Banken an die
Kreditvergabe (Stichwort Basel II). Deshalb ist eine kurzfristige,
verlässliche Auskunftsmöglichkeit für das Informationsbedürfnis der
Geldgeber sehr hilfreich und notwendig. Mit den strukturierten und
verdichteten Inhalten eines Erfolgsrechnungssystems ist dies möglich.
Häufig sind die Firmen ganz langsam in ihre schwierige Lage geraten. Es
fehlte an personellen Möglichkeiten zur Veränderung und an der Einsicht
über die Notwendigkeit verbesserter Controllinginstrumentarien. Der
Aufwand für Umstellungsarbeiten im Rechnungswesen, obwohl einmalig und
später sogar weniger arbeitsintensiv, wurde gescheut, auch aufgrund der
wenig rosigen Ertragslage oder wegen der ständigen zeitlichen
Überlastung des personell klein gehaltenen Managements. Der Gründe gibt
es viele.
Andere Firmen leisten sich ein perfektes, gewachsenes, immer wieder
ergänztes Erfolgsrechnungs- und Steuerungssystem, das viel zu aufwendig
ist und mit hohen Kosten betrieben wird. Es setzt sich aus vielen
Einzelteilen zusammen und ist deshalb unübersichtlich und für den
täglichen Gebrauch wenig geeignet. Die Ausarbeitung dauert zu lange, das
Arbeiten damit ist zu kompliziert.
Die Ausführungen in diesem Beitrag wenden sich an Unternehmen mit
Erneuerungsbedarf. Wer auf der Suche nach einem preisgünstigen und leicht
handhabbaren Erfolgsrechnungs- und Steuerungssystem ist, das das
Bedürfnis nach durchgängiger Strukturierung der Produktpalette und der
Geschäftsbereiche bis hin zur jeweiligen und in Summe dargestellten
Erfolgsrechnung abdeckt, wird in diesem Beitrag wertvolle Informationen
erhalten.
Das »typische Beispielunternehmen«
Folgende Merkmale kennzeichnen ein »typisches
Unternehmen« (z.B. ein Verpackungsmittelhersteller mit mehreren Kunden-
und Produktgruppen), von dem in diesem Beitrag ausgegangen wird:
-
mittelständische Firma mit 100 bis 500
Beschäftigten,
-
Produktionsbetrieb,
-
mit wesentlichem Handelsanteil als Ergänzung zum
Eigenfertigungsangebot oder wegen des günstigeren Einkaufs gegenüber
den eigenen Produktionsmöglichkeiten,
-
wesentlicher Exportanteil,
-
innerbetriebliche Leistungen zwischen den
Geschäftssparten bei Produktionsleistungen, Materiallieferung und
Personalüberlassung,
-
Artikelvielfalt, Warengruppenvielfalt,
-
Unterteilung in Geschäftsbereiche durch
Zusammenfassung von Warengruppen zu Profitcentern sowie zentrale
Serviceabteilungen (z.B. Personalwesen, Buchhaltung, EDV) und eine
regelmäßig starke Geschäftsleitung,
-
Unternehmensgröße ist nicht geeignet für die
Führung durch eine Person. Für die verschiedenen Geschäftsbereiche
bedarf es daher der Fachmanager mit Ergebnisverantwortung
(gelegentlich werden zwei Sparten von einem Manager geleitet),
-
Hierarchien sind aus Kosten- und Effizienzgründen
flach gehalten. In den Bereichen gibt es unter dem Bereichsleiter nur
eine Zwischenstufe, zum Beispiel den Produktions- und den
Vertriebsleiter,
-
daneben gibt es Projekte mit wechselnden
Teammitgliedern je Projekt und Lösungskompetenz,
-
idealerweise haben die Bereiche einen eigenen
Vertrieb. Ist dies nicht der Fall, entstehen Kostenzuordnungsprobleme
bei der Verrechnung auf Produkte oder Bereiche (Matrixorganisation).
Die Kompetenz zur Führung einer Matrixorganisation fehlt häufig,
-
einzelnen Bereichen zugeordnet gibt es Beteiligungen
an und Lizenzverträge mit anderen Firmen (Produktions- oder
Vertriebsfirmen). Die Ergebnisse sind meist den Geschäftssparten
zugeordnet,
-
EDV und Rechnungswesen sind personell und technisch
gut ausgestattet. Es gibt eine Kostenstellenrechnung und
Jahresbudgets,
-
die Steuerung der Bereiche erfolgt über einfache
Deckungsbeiträge je Produkt und Profitcenter. Daneben gibt es G. u.
V. und Bilanz für das Gesamtunternehmen und
-
es fehlt ein integriertes Erfolgsrechnungs- und
Steuerungssystem.
Plädoyer für die Zentrale
Mittelständische Produktionsunternehmen sollten nach
Meinung des Verfassers nicht dem Zeitgeist frönen und aus den
Geschäftsbereichen und der Summe der Serviceabteilungen und der
Geschäftsführung jeweils eigenständige Firmen unter einer
Holdinggesellschaft formen. Großen Firmen mag diese Umgestaltung und
Strategie zu größerer Flexibilität und Ertragskraft verhelfen, ebenso
bei der profitablen Führung einer breit gestreuten Ansammlung von
unterschiedlichen Geschäften. Diesen Vorteilen stehen allerdings speziell
in kleineren und mittleren Unternehmen erhebliche Nachteile entgegen.
Die Gemeinkostenprobleme diversifizierter Unternehmen und die
Konzentration auf Produktgruppen sind auch auf andere Weise, nämlich
durch richtige Zuordnung und Verlagerung der Verantwortung in die
Bereiche, in den Griff zu bekommen. Die häufig beobachtete Verschwendung
wertvoller Ressourcen auf unprofitable Geschäfte ist nicht zwingend Folge
der Profitcenterstruktur mit einer starken Zentralisierung. Wichtig ist
nur, dass die Geschäftsbereiche, die die Werte schaffen, das ihnen
zustehende Gewicht erhalten.
Auf ein Geschäftsfeld fokussierte Unternehmen befinden sich aufgrund
äußerer Einflüsse nicht immer in einer guten Position, um neue Chancen
nutzen zu können. Eine breite Basis unterschiedlicher Geschäftsfelder
gewährleistet den sinnvollen Risiko- und Kapitalausgleich. Somit stehen
dem diversifizierten Unternehmen mehr Möglichkeiten der Wertsteigerung
zur Verfügung. Denn der Gewinn ist nicht nur die Leistung eines
Geschäftsbereichs. Serviceabteilungen und Geschäftsbereiche
untereinander ergänzen sich regelmäßig gegenseitig und damit fallen
Gewinne an, die nicht allein verdient wurden.
Ein diversifiziertes Unternehmen mit einer starken zentralen
Geschäftsführung hat mehr und bessere Informationen über
Geschäftsmöglichkeiten zur Verfügung und kann im Tagesgeschäft besser
die Rolle des Eigners erfüllen. Mit einem guten Kontrollsystem und einer
guten Übersicht über die Märkte kann es schnell und gezielt reagieren,
das Management ändern oder beeinflussen, die Strategie ändern. Die
Unternehmenszentrale ist besser in der Lage, Möglichkeiten der
Branchenumstrukturierung zu identifizieren als die einzelnen
Geschäftsleitungen dezentralisierter Unternehmen.
Die Auswahl befähigter Mitarbeiter für ein bestimmtes Projekt ist bei
diversifizierter Struktur breiter und effizienter [6]. Damit ist auch der
Geschäftsbereich in der Lage, Fähigkeiten, die er nicht hat, einzubinden
und verfügbar zu haben.
Die operativen Geschäftseinheiten verschließen häufig die Augen vor
Entwicklungen, die ihre Existenz oder Autonomie bedrohen, und sind oft
nicht bereit, ihre Fähigkeiten zu teilen oder in sie zu investieren, wenn
dies keine kurzfristigen Vorteile verspricht. Die Zentrale kann die
organisatorischen Mechanismen und die Kultur schaffen, die sicherstellen,
dass die einzelnen Einheiten zusammenarbeiten und die gemeinsamen
Ressourcen heben und nutzen. Der Gesamtgewinn des Unternehmens ist zu
optimieren. Die meisten Bereichsleiter stehen irgendwann vor dem Dilemma,
entweder das Ergebnis ihres Bereichs oder das des Gesamtunternehmens
verbessern zu müssen. Oft muss die Leistung des guten Bereichs
geschwächt werden, damit das Gesamtergebnis optimiert werden kann.
Die zentrale Unternehmensleitung bestimmt zweckmäßig die Richtlinien der
einzelnen Geschäftsbereiche, stellt ihnen die hierfür benötigten
Finanzmittel zur Verfügung und entwickelt zusammen mit dem
Geschäftsbereich die Strategie für diesen. Sie koordiniert auch die
Tätigkeiten in bestimmten Schlüsselbereichen wie zum Beispiel die
Verbesserung des Vertriebs.
Im übrigen sind die Kostenvorteile eines Jahresabschlusses, einer
kostenstellenorientierten Buchhaltung und so weiter, also die Effizienz
von bereichsübergreifenden Serviceabteilungen, für alle
Geschäftssparten gerade für Mittelstandsunternehmen unübersehbar.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Dezentralisierung in Verbindung mit
einer schlanken starken Zentrale große Vorteile bietet, weil die
Ressourcen effizienter eingesetzt werden können und
Managementinstrumente, Organisationsform und Führungsstil aufeinander
abgestimmt sind. Gerade eine solche zentrale Geschäftsleitung benötigt
ein auf ihren Bedarf zugeschnittenes Erfolgsrechnungs- und
Steuerungssystem.
Zielvorgaben an ein Erfolgsrechnungs- und
Steuerungssystem
Welche Ziele sollen mit einem integrierten
Erfolgsrechnungssystem für das beschriebene typische Unternehmen erreicht
werden?
-
Umbau des vorhandenen Rechnungswesens zu einem
verstehbaren Navigationsinstrument [16]:
vereinfachen, entrümpeln, Zusammenhänge verdeutlichen,
Antwort auf die Frage suchen, wohin das Ruder gelegt werden soll;
-
Schaffung einer rationalen Einigungsgrundlage im
Unternehmen:
Einheitlichkeit durch ein Schema für viele Zwecke wie Planung,
Prognose, unterjährige Ergebnisse, Bereichsvergleich, mehrjährige
Vergleiche, Investitionsbeurteilung, »Was- wäre-wenn-«
Betrachtungen,
Eindämmung der Informationsflut;
-
Akzeptanz der Zahlen durch Vertrauen in die Zahlen:
Verstehbarkeit für Geschäftsführung, Bereichsmanager, Verkäufer,
Ingenieure, Werkmeister sowie Banken, Behörden, Öffentlichkeit,
Eigentümer,
Verlässlichkeit in die Zahlenqualität; Vermeidung von Diskussionen
über deren Richtigkeit;
-
Transparenz im Zahlenwerk:
nicht nur grober Überblick, sondern nachvollziehbare Inhalte,
Analysefähigkeit bezüglich Abweichungen und Hinweise auf
Fehlentwicklungen;
-
Erleichterung und Verbesserung der innerbetrieblichen
Kommunikation:
Kommunikation von Zielen,
Diskussionsgrundlage,
integrierende Funktion;
-
ausreichende Eignung als Frühwarnsystem im Sinne der
Risikovorsorgeverpflichtung des Kontra G-Gesetzes;
geringer laufender Arbeitsaufwand – geringe Kosten.
Das konkrete Anforderungsprofil
Nachfolgend sollen die konkreten Forderungen, die an ein
integriertes Erfolgsrechnungssystem für diversifizierte
Produktionsunternehmen gestellt werden, beschrieben werden. Es geht in
diesem Abschnitt also darum, was dieses Datenmodell im Einzelnen leisten
soll.
1. Datenstruktur = Organisationsstruktur des Systems
Die vom System benötigten Zahlen müssen aus der Buchhaltung
beziehungsweise Kostenrechnung systemgerecht aufbereitet zur Verfügung
gestellt werden – nur dort wird mit »sicheren« Zahlen gerechnet. Die
Datenstruktur muss deshalb auch der Organisationsstruktur entsprechen.
2. Dominanz der Gewinn- und Verlustrechnung
Es gilt die Dominanz der Gewinn- und Verlustrechnung (G. u. V.)
gegenüber der Bilanz, entsprechend der Konzentration auf die
Gewinnerzielung und deren Datenbasis.
Letztlich sichern die erste und letzte Zeile der G. u. V. die Existenz des
Unternehmens. Auf die Zahlen der Passivseite der Bilanz wird verzichtet.
Sie liegen nicht tagfertig vor. Das Umlauf- und Anlagevermögen
(Bilanzperiode ± Veränderungen) steht regelmäßig aus der Debitoren-,
der Lager- und der Anlagenbuchhaltung periodengerecht zur Verfügung.
Die Ergebnisse der Erfolgsrechnung für das Management sollen möglichst
nah an den üblichen (Jahres-) Abschlussdaten liegen, um die spätere G.
u. V.-Situation abzubilden. Es bedarf also der Ergänzung durch
Ertragssteuern, Abstimmbrücken und der außerordentlichen Aufwendungen
und Erträge, um ausreichende Sicherheit hinsichtlich eines gültigen
Periodenausweises auf Vollkostenbasis zu haben. Zumindest muss die
Möglichkeit hierfür im System enthalten sein.
3. Deckungsbeiträge und Kalkulationsvergleichszahlen
In das Ergebnisschema sind als Führungsgrößen Deckungsbeiträge
(DB) und Teilbetriebserfolgszahlen aufzunehmen, um die
Beurteilungssicherheit von Einzelaufträgen und von
Warengruppenbetrachtungen zu erhöhen. Grundlage für diese DB sind
Buchhaltungszahlen, nicht Kalkulationsvorgaben, wodurch Vergleiche zur
Kalkulation wichtige Hinweise zur Preisgestaltung liefern.
4. Kompatibel mit der bestehenden EDV-Datenstruktur
Die Erfolgsrechnung muss mit dem normalen Warenwirtschafts- und
Lagerverwaltungsprogramm der regelmäßig vorhandenen EDV-Anlage
kompatibel sein, das heißt, die dort ausgewiesenen DB I (und evtl. II)
müssen denen der Managementerfolgsrechnung in Inhalt und Struktur
entsprechen. Nicht zwingend sind gleiche Zahlenwerte, da dort meist
vorkalkulierte Daten Eingang finden, so dass Differenzen vorgegeben sind.
5. Kalkulatorische AfA
Als erforderlich wird angesehen, auch in der Erfolgsrechnung die
kalkulierten Abschreibungen für die Maschinen der Geschäftsbereiche
gesondert auszuweisen, entsprechend den Kalkulationsusancen im
Unternehmen.
6. Langfristige Verwendung
Das Erfolgsrechnungssystem muss langfristig angelegt sein und
verwendbar bleiben, um:
7. Zwei Verdichtungsvarianten
Benötigt werden zwei Verdichtungsvarianten. Beide müssen sich aus
dem Basisdatenmodell verdichten lassen und dienen der Verbesserung der
Übersichtlichkeit nach zwei Richtungen:
-
zur Verwendung intern nach funktionalen und
organisatorischen Zusammenhängen und
-
extern für beispielsweise Kreditinstitute,
Öffentlichkeit, Branchenvergleiche.
8. Viele Anwendungsvarianten
Das System soll sich für möglichst viele betriebliche
Fragestellungen und Anwendungszwecke eignen.
9. Minimum an Erklärungsbedarf
Das Modell soll gewährleisten, dass Erklärungen zum Ergebnis auf ein
Minimum reduziert werden. Daher muss es ausreichend nachvollziehbar sein
und darf nicht wegen zu geringer Dateninhalte ständiges Nachfragen auf
der einen und Erklärungen auf der anderen Seite auslösen.
10. Lagerentwicklung sichtbar machen
Im Ergebnisbericht soll die Lagerentwicklung wegen ihrer großen
Bedeutung für die Liquidität und den Ertrag zum Ausdruck kommen,
entsprechend dem geläufigen und aussagekräftigen Gesamtkostenverfahren.
Die Nachteile des Umsatzkostenverfahrens mit seinen häufig sehr ungenauen
Gemeinkostenanteilen aus der Planung sollten vermieden werden wegen der
angestrebten Nähe zur G. u. V., ebenso eine kompliziert zu handhabende
Abstimmbrücke hierzu.
11. Direkt zuzuordnende Bereichskosten, Verzicht auf
Schlüsselungen
Wo immer aus dem Kostenstellensystem direkt auf die Geschäftsbereiche
zuzuordnende Kosten verfügbar sind, werden Schlüsselungen unterlassen
beziehungsweise auf ein absolutes Minimum reduziert. Schlüsselungen sind
arbeitsintensiv, schaffen ungenaue Ergebnisse, Unzufriedenheit und
Vertrauensverlust.
12. Analysefähige Darstellung
Größtes Gewicht wird auf die Erfassung von Abweichungen –
Stichwort Analysefähigkeit – gelegt.
13. Kurze Einführungs- und Lernphasen durch
begriffliche Klarheit
Gefordert werden kurze Einführungs- und Lernphasen. Folgende
Teilaspekte sind deshalb wichtig:
-
keine begrifflichen Unsicherheiten zulassen durch
unverständliche Abkürzungen und unklare Bezeichnungen;
-
Verwendbarkeit der Ergebnisse oder Teilergebnisse
nicht nur unter Fachleuten und Managern, sondern auch bei
Mitarbeiterbesprechungen. Die flachen Hierarchien machen dies zwingend
erforderlich;
-
wichtige Führungszahlen sind zusätzlich mit den
englischen Begriffen zu versehen, zum einen wegen der Verdeutlichung
der Kennzahlinhalte und deren zunehmender Verbreitung, zum anderen, um
der Begriffsverwirrung in Gesprächen mit internationalen Partnern zu
begegnen.
14. Monatsergebnisse, Kumulation, Vorlagedatum
Ausweis von Einzelmonats- und kumulierten Ergebnissen innerhalb von 14
Tagen. Nur ein solcher Zeitraum gewährleistet eine hinreichende
periodisch abgegrenzte Datenqualität (z.B. wegen nachlaufender
Lieferantenrechnungen). Die Alternative wäre das Umsatzkostenverfahren (1
– 3 Tage) mit den oben erwähnten, zum Teil erheblichen Unsicherheiten.
Der Zeitrahmen von 14 Tagen verhindert nicht ausreichend schnelle
Reaktionen. Es gibt weniger Zweifel in die ohnehin problembehafteten
Monatsergebnisse. Angestrebt wird eine hinreichende Genauigkeit vor
ungenauer Eile, um vorschnelle Reaktionen zu verhindern.
15. Geringer Zeitaufwand / Monat
Für die Ausarbeitung der Erfolgsrechnung sollen 2 – 4 Manntage je
Monat in Buchhaltung und Controlling ausreichen beziehungsweise
eingefordert werden.
16. Geringstmögliche finanzielle Belastung
Geringe finanzielle Belastung durch Nutzung der Möglichkeiten der
Tabellenkalkulation von MS Excel / Windows. Dieses Programm bietet
folgende Vorteile:
-
preisgünstige Lösung;
-
geringe laufende Betreuungskosten, keine EDV-Fachleute
erforderlich;
-
stabile Zukunft;
-
Umgang mit dem Programm unter den Mitarbeitern
verbreitet und (besonders wichtig!)
-
Nutzung der Möglichkeiten der Makro-Funktionen im
Programm für die vorgesehenen automatisierten Abläufe.
Lösungsvorschlag: Die Erfolgsrechnung »MIS«
Sowohl die dargestellten Zielvorstellungen wie auch die
vorgenannten Anforderungen in den Unternehmen kann die Erfolgsrechnung MIS
erfüllen.
MIS steht dabei für das vielfach im betrieblichen Alltag verwendete
Kürzel Mangement-Informations-System und beschreibt das geforderte,
einfach zu handhabende, kostengünstige Datenmodell für diversifizierte
Produktionsunternehmen. Es erlaubt den Blick auf das ganze Unternehmen mit
den Ausrichtungen auf Geschäftsbereiche, einzelne Kostenarten, auf
betriebliche Funktionen und die Gewinn- und Verlustrechnung, liefert
moderne, »gesunde« Kennzahlen und stellt gleichzeitig die
Abweichungsanalyse für steuernde Maßnahmen zur Verfügung. Damit
erleichtert es die innerbetriebliche Diskussion und die Argumentation
gegenüber externen Gesprächspartnern. Durch die einheitliche Verwendung
im ganzen Unternehmen wirkt das System integrierend.
In einem einzigen Rechenkonzept beziehungsweise sogar nur in einer
einzigen Datei werden die nachfolgend aufgeführten Elemente des
betrieblichen Rechnungswesens und der Kosten- und Leistungsrechnung
miteinander verzahnt:
-
Gewinn- und Verlustrechnung pro Betrachtungsperiode
-
Deckungsbeitragsrechenstufen nach Produktion (DB I),
nach Vertrieb (DB II) und nach Geschäftsbereichen (DB III). Letzterer
zeigt das Ergebnis, für das die Bereiche Verantwortung haben
-
Bereichs- Gewinn- und Verlustrechnung einzeln
-
Trennung von Handelsgeschäft und Eigenfertigung
-
Trennung variabler, direkt zurechenbarer Kosten und
Erlöse von den Gemeinkosten
-
Ausweis von Kalkulationskostenblöcken und
kalkulativen Kostenarten wie Vertriebskosten, F + E Aufwand und
Beteiligungsergebnis / Lizenzergebnis
-
Analyseteil für Abweichungsanalysen mittels
Prozentangaben
-
Vergleichszahlen für mehrere Vor- und Planperioden in
Wert und Prozent der Betriebsleistung (BL)
-
Ausweis aller für die Erfolgs-, Liquiditäts- und
Produktivitätsbetrachtung notwendigen Kennzahlen
Voraussetzung für die Einführung von MIS
Erste Voraussetzung hierfür ist die schlüssige
Kostenarten- und Kostenstellenzuordnung zu den Eingabezeilen des
MIS-Datenmodells. Fast immer ist heute das Buchhaltungsprogramm in der
Lage, nach mehreren Rechenmodellen, also mehrfach auswerten zu können, so
dass die bestehende, für den Jahresabschluss verwendete Version nicht
tangiert ist. Notwendig ist also ein sorgfältig aufgestellter
Kostenarten- und Kostenstellenplan, der die Bereiche als Oberkostenstellen
führt und die Organisation der Kalkulation und die Organisation des
Datensystems widerspiegelt.
Daneben ist eine klare Gliederung und organisatorische Zuordnung von
Artikeln und Warengruppen auf die Geschäftsbereiche zwingend
erforderlich. Das Verdichtungsschema in Abbildung 1 verdeutlicht dies.
Abb. 1: Verdichtungsschema von der Artikelnummer
zum Gesamtunternehmen
(Um Unflexibilitäten des Systems zu vermeiden, sind
ausreichend zusätzliche Leernummern für neue Bereiche, Warengruppen,
Umsortierungen u.ä. vorzusehen.)
Dritte Voraussetzung ist die Einigung auf ein einheitliches
Deckungsbeitrags-Rechenschema. Das verwendete ist im Einzelnen weiter
unten und im Zeilenschema dargestellt.
Zuletzt sollte die notwendige technische Ausstattung mit vernetzten PC’s
vorhanden sein, und das Arbeiten mit dem Programm MS Excel zur Routine
gehören, auf Seiten des Managements wenigstens die Benutzung des
Rechensystems.
Elemente und Abläufe von MIS
Elemente
Zum Verständnis der folgenden kurzen Beschreibung der Erfolgsrechnung
MIS ist zunächst das ganze Rechen- und Datenschema darzustellen, wie es
monatlich, gegebenenfalls vierteljährlich mit Zahlen zu befüllen ist.
Von diesen sieben Tabellen enthalten nur vier (Tabelle 1 – 4)
Eingabezeilen. Bei einer vollständigen Eingabe zur Nutzung aller
Möglichkeiten sind 88 Zeilen je Geschäftsbereich aus der Buchhaltung,
geringfügig aus Personal- und Absatzdateien in das Rechenschema zu
übernehmen. Ohne die Kennzahlenseite werden lediglich 74 Eingaben
benötigt. Nur für das Gesamtergebnis in den Tabellen 1 und 2 gibt es 52
Eingabezeilen und für das Handelsergebnis in Tabelle 4 nochmals 22
Zeilen.
Die Kennzahlenseite ist nicht zwingend, weil schon das Grundschema eine
sehr gute Analytik mit so wichtigen Kennzahlen wie EBIT, Cash-Flow (CF)
und Netto-Cash-Flow (Free CF) anbietet. Für die Übernahme der Eingaben
sehr teure, laufend zu pflegende und wenig nachvollziehbare EDV-Programme
einzusetzen, hält der Verfasser zwar für arbeitssparend und deshalb
wünschenswert, jedoch unter Kostengesichtspunkten für nicht vertretbar.
Die grau unterlegten und mit Rechenvorzeichen versehenen Zeilen sind die
Eingabezeilen. »S« für Summe bedeuten einen Rechenvorgang, den das
System selbst auslöst und der schreibgeschützt ist, um Eingabefehler zu
vermeiden. »I« steht für Informationszeile und »ZS« für
Zwischensumme.
Das Produktionsergebnis wird nach folgendem Muster errechnet:
Ergebnisrechnungsschema Firma gesamt (Tabelle 1 und 2)
– Handelsergebnis (Tabelle 4)
----------------------------------------
= Produktionsergebnis (Tabelle 5)
Das Produktionsergebnis wird also lediglich durch einfache
Subtraktion des ohne großen Aufwand aufzubereitenden Handelsergebnisses
vom Firmenergebnis ermittelt. Dies ist der effizienteste Weg der
Ermittlung. Die identischen Zeilenzuordnungen aller Ergebnisse erlauben
dieses Vorgehen. Für das Produktionsergebnis sind also Eingaben nicht
erforderlich; es entwickelt sich von selbst. Alle drei Ergebnisteile
(Gesamtergebnis, Handelsergebnis; Produktionsergebnis) sind absolut
kompatibel.
Vielfach wird das Handelsgeschäft in den Geschäftsbereichen mal in
größerem, mal in kleinerem Umfang mit betrieben. Es gibt keine eigenen
Unterabteilungen hierfür. Die Betriebe haben ohne hohen laufenden Aufwand
kaum die Möglichkeit, das Handelsgeschäft von der Produktion zu trennen.
Es bietet sich daher an, im Sinne einer flexiblen Plankostenrechnung die
Kostenanteile des Handelsgeschäfts für jeden Bereich planerisch sauber
zu definieren und gegebenenfalls bei Änderungen gegenüber Plan
anzupassen, sofern die Kosten und Erlöse nicht direkt dem Handel
zuzuordnen sind. Dass eine Trennung von Handel und Produktion zwingend
ist, liegt an der unterschiedlichen Aufwandstruktur beider Geschäfte.
Dies zeigt ein einfaches Beispiel: Der Materialanteil für den Handel
liegt bei 80 Prozent, für die Produktion bei 45 Prozent. Eine Vermischung
in einer einzigen Materialquote führt zu Fehlbeurteilungen. Deshalb ist
schon in der Tabelle 1 der Handelswareneinsatz gesondert ausgewiesen, um
bereits im Gesamtergebnis in den Tabellen 1 und 2 ein Signal und eine
Rechengröße zu erhalten.
Alle Zeilen haben eine Nummer, die für die Zeileninhalte steht. Sie
werden zur leichteren Nachvollziehbarkeit der Herkunft und Darstellung
eines Rechenwegs verwendet; auch zur Erleichterung von
Ergebnisgesprächen. Nur das Grundschema (Tabelle 1 und 2) und die
Kennzahlen enthalten die durchlaufenden Nummern, während die
Zeilenziffern des Handels- und Produktionsergebnisses das Nummernsystem
von dort übernehmen. Damit wird der Bezug zur Herkunft der Zeileninhalte
verdeutlicht.
Anhand der Zeilennummern lassen sich die Rechenformeln für die
Summenzeilen »S« leicht auch von ungeübten Anwendern nachvollziehen.
Beispielhaft sei dies wie folgt an verschiedenen Zeilen aus Tabelle 2
verdeutlicht:
Jede Spalte und jede Zeile der Erfolgsrechnung inklusive Handels- und
Produktionsergebnis und die Verdichtungen, jedoch nicht die Kennzahlen in
Tabelle 3, sind ergänzt durch den Prozentsatz aus der Betriebsleistung
(auch Gesamtleistung, BL = 100 Prozent). Damit sollen »auf den ersten
Blick« Entwicklungen im Zeitverlauf sichtbar sein. Da das
Gesamtkostenverfahren dem Erfolgsrechnungsschema zugrunde liegt, ist die
Betriebsleistung und nicht der Umsatz die richtige Bezugsgröße, speziell
für Produktionsunternehmen.
Die Verwendung des Analyseteils in der Abrechnung für den einzelnen
Bereich ermöglicht weitere Informationen (siehe Tabelle 8).
...
Alle Tabellen und die Abbildungen 2 bis 5 entnehmen Sie
bitte der Digitalen Fachbibliothek "Das innovative Unternehmen".
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