|
- Leseprobe -
Innovation, Marke und Design
Teil 2: Markenführung
von Alex Buck, Christoph
Herrmann
Stichworte: Begriff, Markenführungssystem,
Markenanalyse, Markenkonzeption und
-gestaltung, Markenstrategie, Markenpolitik,
Markencontrolling, Führungsprobleme:
Internationalisierung, Differenzierung,
Positionierung und Segmentierung, Individualisierung,
Produktprofilierung, Innovation,
Dynamik, Zusammenfassung.
Marken gelten immer mehr Managern als zentrales Element des Unternehmenserfolgs.
Deshalb benötigen sie Führung und Steuerung. Aber was versteht man überhaupt unter
Markenführung? Und wie organisiert man sie? Die Autoren analysieren unter diesen
Fragestellungen die Strukturen des Marktes und entwickeln Strategien für eine effektive
Markenführung. Dabei verschließen sie nicht die Augen vor Führungsproblemen, die sich
aus der Komplexität der aktuellen Marktsituation ergeben.
Marken verfügen über ein hohes Maß an Gestaltkraft und Eigendynamik.
Wie schon Hans Domizlaff, der »Urvater« des deutschen Markenwesens feststellte, ist es
selten eine »mechanische Rechnung, die zu guten Markenschöpfungen führt, sondern ein
durch Selbsterziehung gewonnenes Einfühlungsvermögen«, durch welches starke
»Markengebilde« ins Leben gerufen und am Leben gehalten werden [17]. Eine derart weise
Einsicht, die Hans Domizlaff in seiner jahrelangen Beratertätigkeit für Unternehmen wie
Siemens und Reemtsma gewonnen hat, impliziert keineswegs, daß es zur Schaffung einer
»starken Marke« keiner »starken Hand« bedürfe. Dies gilt erst recht in einem Umfeld,
welches zunehmend von elementaren Herausforderungen, wie etwa der einer zunehmenden
Dynamisierung der Märkte, gekennzeichnet ist. Moderne Marken brauchen - allen Unkenrufen
zum Trotz - nicht etwa weniger Einflußnahme durch das Mangement, sondern mehr davon.
»Sie benötigen Führung, Management, Steuerung« [13; 28]. Dem entspricht auch
die Tatsache, daß immer mehr Manager die Marke als zentrales Element des
Unternehmenserfolges entdecken. Der Ruf nach einer konsequenteren Führung von Marken
läßt jedoch zunächst die Frage offen, was unter Markenführung überhaupt zu verstehen
ist und wie Marken heute geführt werden müssen. Auf beide Fragen versucht dieser Beitrag
eine Antwort zu geben.
Begriff
Der Begriff der Markenführung gehört zum alltäglichen Sprachgebrauch in
Marketingtheorie und -praxis. Dabei bleibt jedoch meist offen, was genau darunter zu
verstehen ist. Meist wird er synonym zu Begriffen wie etwa der Markentechnik oder
Markenpolitik
verwendet. Geht man davon aus, daß eine Marke erst einmal am Markt etabliert sein
muß,
bevor man diese »führen« kann, so bezieht sich der Begriff der Markenführung also auf
alle Markenaktiviäten, die nach der Markeneinführung ansetzen. Allerdings werden schon
bei der Einführung einer Marke wichtige Grundentscheidungen für den zukünftigen
Auftritt einer Marke gelegt [siehe zur Verwendung des Begriffs u. a. 3; 17; 23; 35; 37;
40; 41; 43; 50]. Hier wird, die vielschichtige Verwendung des Begriffs aufgreifend, eine
umfassende Definition gewählt. Unter der Führung einer Marke sind daher alle Initiativen und
Maßnahmen zu verstehen, die sich mit der grundsätzlichen Ausrichtung einer Marke, aber
auch ihrer konkreten Konzeption, Strategie, Gestaltung sowie der Markenadministration und
des Markencontrollings beschäftigen.
Markenführungssystem
Folgt man der obigen Definition, so umfaßt die Führung einer Marke eine Vielzahl
systemisch vernetzter Teilbereiche. Hierbei ist zunächst einmal zwischen dem Bereich
einer übergreifenden Markenführung durch das Topmanagement im Sinne einer zeitgemäßen
brand
governance und der im Produktmanagement beziehungsweise Marketing angesiedelten
Führungsfunktionen des brand managements zu unterscheiden. In den Bereich des
Topmanagements
fallen alle grundlegenden Markenentscheidungen etwa hinsichtlich der Einordnung einer
Marke in das Markenportfolio eines Unternehmens, der wettbewerbsspezifischen Ausrichtung
von Markenstrategie und Markenpolitik, wie auch der Organisation des Markenmanagements und
eines regelmäßigen Markenmonitorings. Das Brand Management beschäftigt sich
dagegen mit allen eine einzelne Marke betreffenden Maßnahmen. Beide Bereiche können nur
funktionieren, wenn dabei analytische, konzeptionelle, strategische und operative
Aktivitäten eng miteinander verknüpft werden.

Abb. 1: Markenführungssystem
Markenanalyse
Grundlage jeder erfolgreichen Markenarbeit ist eine valide Markenanalyse. Hierbei geht
es sowohl um die Erfassung grundlegender Marktinformationen - etwa über den
Wettbewerb, über Konkurrenzmarken, das Konsumentenverhalten, Trendpotentiale et cetera -
als auch um die Erfassung der zentralen Mechanismen der Markenwirkung wie -wahrnehmung.
Markenstrategie
Marken stellen insoweit »strategische Schlüsselfaktoren« dar, »als sie als Träger
aller Marketingaktivitäten ein zentrales Mittel der Marktbeeinflussung und -lenkung«
verkörpern [5]. Der Bereich der Markenstrategie umfaßt daher alle Entscheidungen, welche
die Grundorientierung der Markenpolitik betreffen und durch welche die
grundsätzliche Marschrichtung der operativen Markenführung festgelegt wird. Dazu
gehören neben der taktischen Grundausrichtung der Marke am Markt (Einführungs-,
Sicherungs-, Wachstumsstrategie) auch die für den Erfolg einer Marke zentralen
Aktivitäten der Marktsegmentierung und Markenpositionierung.
Markenkonzeption und -gestaltung
Für die Entwicklung neuer Marken, aber auch die Verjüngung alter Marken gilt, daß
diese nur auf der Grundlage eines ganzheitlichen Prozesses der Markenkonzeption und
-gestaltung gelingen können [45]. Hierbei geht es sowohl um die Bestimmung eines
allgemeinen Entwicklungsrahmens (sprich: einer Identität) der Marke, als auch um
die Festlegung zentraler gestalterischer Grundparameter (Markenname, Logo, Vorgaben
für Produkt-, Verpackungs-, Kommunikationsdesign etc.). Der Prozeß der Markenkonzeption
und Markengestaltung kann dabei verschiedentlich in den Gesamtführungsprozeß einer Marke
eingeordnet werden. In der Regel erfolgt er jedoch nach der Bestimmung der
Markenstrategie. Wichtig ist auf jeden Fall, daß er eng mit den strategischen
Zielsetzungen einer Marke verknüpft ist.

Abb. 2: Markenstrategische Alternativen [5]
Markenpolitik
Der Bereich der Markenpolitik umfaßt alle operativen Marketing-Mix-Faktoren
(Produkt, Preis, Distribution und Kommunikation), die einer Marke zugeordnet werden
können. Wie wichtig diese Bereiche für die strategische Ausrichtung einer Marke sind,
läßt sich am Beispiel des Marketingmix-Faktors Preis gut erkennen. So hat eine
1993 von Philip Morris durchgeführte Preissenkung der Marlboro kurzfristig zu
Marktanteilseinbußen statt -steigerungen geführt. Genau umgekehrt war dagegen die
Marktreaktion auf die Preissenkung der Marke West im Jahre 1983, die eine deutliche
Erhöhung der Marktanteile induziert hat [44].
Markencontrolling
Die Wichtigkeit von Marken für den Erfolg von Unternehmen legt ein regelmäßiges
Controlling von Marken nahe [21; 22; 29; 58]. Ziel eines solchen Markencontrollings muß
es sein, sowohl quantitative Marktdaten in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu
stellen und somit eine Beurteilung der Marktstellung und des Markenwertes zu
ermöglichen, als auch ein kontinuierliches Monitoring qualitativer Aspekte (Image,
Stellung beim Verbraucher, Einpassung in marktliche und gesellschaftliche Kontexte,
Trendpotentiale etc.) zu leisten.
Führungsprobleme
Marken sind heute einer Vielzahl elementarer Herausforderungen ausgesetzt. Diese
Herausforderungen bergen vor allem Führungsprobleme strategischer Natur in sich.
Wollen Marken auch in Zukunft erfolgreich sein, müssen sie sich diesen Herausforderungen
aktiv stellen.
Internationalisierung
Bei den meisten der umsatzstärksten Waren und Dienstleistungen im Inland wie im Ausland
handelt es sich inzwischen um international vertretene Marken. Nationale Anbieter können
auf den zunehmenden Druck häufig nur noch mit Nischenstrategien oder aber der
Internationalisierung des eigenen Geschäfts reagieren. Grundsätzlich stehen ihnen dabei
drei Grundstrategien zur Verfügung: Globale Markenstrategien versuchen das
Markenmanagement weltweit einheitlich zu gestalten (Heinecken, Marlboro). Multinationale
Strategien setzten dagegen eher auf die Betonung lokaler Unterschiede (Persil, Langnese).
Transnationale Strategien versuchen schließlich, die Vorteile beider Ansätze miteinander zu
verknüpfen. Während eine auf internationaler Ebene einheitliche Markenführung die
Vorteile hoher Kostenersparnisse, Synergien und klarer Wettbewerbsvorteile (First
Mover)
in sich birgt, liegen die Vorteile einer lokalen Markenführung vor allem in der
stärkeren Berücksichtigung distributiver, medialer und kultureller Besonderheiten wie
auch einer erhöhten Reagibilität. Grundsätzlich gilt für internationale Marken der
Grundsatz, sie sollten so integriert wie möglich und so differenziert wie nötig geführt
werden. Allerdings gibt es hier deutliche branchenspezifische Unterschiede.
Während die sogenannten »Culture-Free-Products« (Soft-Drinks, Sportschuhe, Uhren,
Kameras etc.) eine hohe Zentralisierung der Markenführung erlauben, verlangen Produkte
mit starken kulturellen Differenzen bei den Produkterwartungen (sog. »Culture-Bound-Products« wie Brot, Bier, Kaffee, Eiskrem, Möbel etc.) eine eher
dezentrale Markengestaltung. Auch bei der zeitlichen Straffung der Übertragung einer
Marke vom Inland auf ausländische Märkte stehen einem Unternehmen unterschiedliche
Strategiewege offen: Denkbar ist die schrittweise Markteroberung in Form eines
Wasserfallmodells oder aber die simultane Einführung auf verschiedenen Auslandsmärkten nach
erfolgreichem Test auf dem Heimmarkt (sogenanntes Sprinklermodell). Die letzte
Strategie hat in den vergangenen Jahren deutlich an Popularität gewonnen (vgl. hierzu die
Einführungen von Produkten wie Mars Ice Cream Bars, Timotei Shampoo, Wash & Go, Diet
Coke, Red Bull etc.). Ursächlich hierfür sind nicht zuletzt der gestiegene
Wettbewerbsdruck und die immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen. Eine
Internationalisierung der Markenaktivitäten bedeutet jedoch keineswegs, daß man dabei
gleich weltweit operieren müßte. Häufig ist eine Konzentration der
Expansionsbemühungen auf bestimmte Regionen empfehlenswerter. Eine solche Strategie haben
etwa die Unternehmen Reemtsma und Tchibo in den letzten Jahren verfolgt und damit ihre
Marktstellung in Osteuropa wie Südostasien deutlich ausbauen können [vgl. zum Thema
»Internationale Markenführung« ausführlicher 6; 39; 46].
Differenzierung
Marken sehen sich heute gleich mehrfach differenzierungsspezifischen Herausforderungen
gegenüber: Zum einen nach außen im Sinne einer effektiven Abgrenzung vom Wettbewerb, zum
anderen nach innen im Hinblick auf eine zunehmende Ausdehnung des unter einer Marke
geführten Produktportfolios. Was die Differenzierung nach außen betrifft, so wird
diese durch die weitgehende Gleichstellung der Produkt- wie Kommunikationsleistungen
(brand parity) immer schwieriger. Möglichkeiten eines Ausbrechens aus diesem
Gleichstellungswettbewerbs bestehen unter anderem durch Haltungs- oder Additionsstrategien
[18]. Haltungsstrategien beruhen auf der Idee, Konsumenten durch ein klares Wertangebot
gewinnen zu wollen. Dieses kann sowohl konservativer (Rolls Royce) als auch
zukunftsorientierter (Smart Car), produktgebundener (Frosch) als auch symbolischer (Calvin
Klein), statischer (Marlboro) wie auch dynamischer Natur (West, Diesel, Nike) sein.
Additionsstrategien
beruhen dagegen auf dem Angebot von Zusatzleistungen, eine Strategie, die ausländische
Handelshäuser wie Tesco oder Starbucks seit Jahren erfolgreich praktizieren. Weitere
Optionen bestehen im Eingang von Markenallianzen [40] und von Ingredient Brand
Strategies (Intel inside) [56; 57] wie auch in einer verstärkten Profilierung über
das Produkt- und Markendesign [51].
Neben der Differenzierung nach außen sehen sich Marken heute zunehmend Problemen der
Binnendifferenzierung
gegenüber. Waren zu Beginn der neunziger Jahre breite Dachmarkenstrategien und massive
»Line Extensions« gefragt, so künden erste Bemühungen der Sortimentsbereinigung
inzwischen von einer Trendwende [vgl. 5; 8; 24; 31; 37; 40; 42; 59].
Tatsache ist, daß viele Marken ihr Transferpotential deutlich überschritten haben.
Eine mögliche Strategie zur Sortimentsbereinigung ist unter anderem in der Einführung
von Familien- beziehungsweise Sortimentsmarken unter einer gemeinsamen Dachmarke zu sehen.

Abb. 3: Markenrestrukturierung am Beispiel »Melitta« [5]
Positionierung
und Segmentierung
Eng verknüpft mit der Differenzierungsproblematik ist die Schwierigkeit einer
zeitgemäßen Marktsegmentierung und Markenpositionierung [vgl. 55]. Die Probleme, die es
bei der zeitgemäßen Positionierung von Marken gibt, hängen vor allem mit der
Vielfältigkeit und Dynamik der Zugangsmotivationen zusammen, auf deren Grundlage sich
Konsumenten für beziehungsweise gegen eine Marke entscheiden. Zum Teil haben die
Unternehmen durch die Ausdehnung des Produkt- und Kommunikationsportfolios einer Marke
auch direkt zu dieser Unklarheit beigetragen. Festzustellen ist, daß klassische
Positionierungsansätze wie etwa der auf Ries und Trout (1987) zurückgehende USP kaum
mehr geeignet sind, die Position einer Marke in derart komplexen Umfeldern abschließend
zu beschreiben. Ähnliche Probleme wie bei der Positionierung gibt es auch bei der
Segmentierung,
sprich der Ermittlung und Abgrenzung von Zielmärkten beziehungsweise Zielgruppen. Ist man
hier früher von einfachen Produktvorgaben (Vollwert versus Light) oder aber starren
Konsumentengruppierungen (Milieus, Schichten, Lebensstilgruppen) ausgegangen, so mehren
sich heute die Stimmen, die einer solchen Abgrenzung kritisch gegenüberstehen. Tatsache
ist, daß wir uns als Hersteller wie Nachfrager zunehmend in einem Stiluniversum
bewegen, das solche starren Abgrenzungen nicht mehr zuläßt [25]. Die Zielgruppe
einer Marke muß daher als Gruppe all derer begriffen werden, die eben diese Marke kaufen.
Verbindendes Element ist dabei eher der Stil, den eine Marke selbst besitzt, als
der Stilkosmos, in dem sich der Konsument bewegt. Weitergehende Differenzierungen
sind
nur über die Verschiedenheit der Zugangsmotive möglich, aus denen eine Marke
potentiell gekauft wird. Gerade die werden durch klassische Positionierungs- und
Segmentierungsmethoden nicht erfaßt. Die Ursachen für Probleme in diesem Bereich sind
demnach nicht nur in der Realität zu suchen, als vielmehr auch in den zu ihrer Erfassung
angewandten Verfahren.
Individualisierung
Die zunehmenden Bemühungen der Segmentierung und Individualisierung des Markenauftritts
bringen die Marke in die Bedrouille. Schließlich ist sie vor allem und zu allererst ein
Phänomen der »Massenseele« [17], und das muß sie auch bleiben, denn genau darin steckt
ein wichtiger Teil ihrer Faszinationskraft (Starprinzip). Daneben hat sie jedoch
auch individuelle Ansprüche zu erfüllen und muß immer auch ein Stück geerdet werden,
um sich nicht zu weit von den Lebenswelten ihrer Konsumenten zu entfernen. Above- und
Below-the-line-Instrumente sind auf unterschiedliche Art und Weise geeignet, diesen
Ansprüchen gerecht zu werden, müssen aber immer ein bißchen von beidem in sich tragen.
Produktprofilierung
Der Profilierung von Marken über klassische wie neue Instrumente (Werbung, Distribution,
Promotion, Event- und Trendmarketing, Sponsoring etc.) sind in zunehmendem Maße Grenzen
gesetzt. Dies hat nicht zuletzt zu einer Wiederentdeckung des Produktes im
Markenkontext geführt [14; 33]. Produktaspekte wie etwa die Farbe (Ferrari), der
Geschmack (West), die Technik (Sony, Audi), das Geräusch (Harley Davidson), der Preis
(H&M, Hägen Daz) oder das Design (Braun, Alessi) sind wichtige Bestandteile des
Markenbildes. Gerade aus Sicht der Markenführung wird diese Tatsache leider häufig
vernachlässigt. Produktaspekte und damit auch die eigene Identität wieder stärker in
den Focus der Markenführung zu rücken, darin ist vielleicht die Hauptaufgabe eines
zeitgemäßen Markenmanagements zu sehen [38]. Dies schließt die entsprechenden
Produktinszenierungen
über die Werbung und andere Instrumente nicht aus. Eine solche Inszenierung kann jedoch
nur dann gelingen, wenn das Produkt stimmt.

Abb. 4: Paradoxe Anforderungen an die Marke
Innovation
Marken stehen heute unter einem verschärften Innovationsdruck. Dieser Druck geht sowohl
vom Markt aus (demand pull), wird aber zum Teil durch die Markenpolitik der Unternehmen
(supply push) selbst induziert. Mit der Innovation von Marken sind dabei sowohl Chancen
wie Risiken verbunden. So ist die Innovationsfähigkeit eine zentrale Erfolgsvoraussetzung
moderner Marken [vgl. 7; 31; 34]. Allerdings sind den Innovationsbemühungen der Industrie
auch Grenzen gesetzt [36; 49]. Neben zunehmenden Sättigungstendenzen am Markt
werden diese für die Marke vor allem durch deren Identität und die Gefahr eines
übertriebenen Markenstresses bei überhasteter Markteinführung (siehe
Mercedes-Benz A-Klasse) begründet. Ein solcher Markenstreß läßt sich jedoch weitgehend
verhindern, wenn bei der Innovation von Marken einige Grundregeln beachtet werden.
Dazu zählt etwa die, Markeninnovationen nicht um jeden Preis durchführen zu wollen.
Erfolgreiche Marken wie The Gap, Burberrys und Jack Daniels, aber auch das Gespür,
welches VW beim Übergang vom Golf III zum Golf IV bewiesen hat, belegen, daß
vorsichtige
Innovationen durchaus einen Differenzierungsvorteil mit sich bringen können. Eine zweite
Grundregel besteht darin, Innovationen in die allgemeine Markenpolitik konsequent
einzubinden
und mit zentralen unternehmensstrategischen wie marktlichen Eckpunkten abzustimmen. In der
Nichtbeachtung dieser Regel ist einer der Gründe für zahlreiche Innovationsflops zu
sehen. Zum dritten sollte beachtet werden, daß die Frage nach dem »Wieviel« an
Markeninnovation nicht allgemein beantwortbar ist. Der Grad der Innovationsbestrebungen
einer Marke ist Teil ihrer Identität und als solche auch veränderbar.
Schließlich gilt es zu beachten, daß Markeninnovationen eine sehr unterschiedliche
Form annehmen können [26]. Sie implizieren nicht zwangsläufig einen grundsätzlichen
Relaunch der Marke beziehungsweise umfangreiche Line Extensions. Wichtige
Innovationsmöglichkeiten stecken sowohl im Design [15] wie auch in der Umsetzung
neuer Vermarktungs- (siehe Netscape) [32] beziehungsweise Kommunikationsinstrumente
(siehe West Brain Power, Niketown etc.).
...
|
Dieses Kapitel...
|
|
... können Sie vollständig per
PDF-Download beziehen:
Alle Seiten mit Abbildungen in optimaler Qualität, hervorragend geeignet
zum Ausdruck auf Papier.
Zusätzlich bietet Ihnen das PDF-Format praktische Suchmöglichkeiten.
Schon in wenigen Minuten sind die Kapitel auf Ihrem Computer gespeichert,
zu einem günstigen Preis: 30 Cent pro Seite.
Zum Download |
|