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Corporate Identity
Teil 2: Product Identity und Corporate Design
von Guenter Moeller
Wie baut man eine Produktidentität auf, die sich trotz rasanten
Wandels der Märkte kontinuierlich entwickeln lässt? Welche Rolle spielt
das Design in diesem Prozess, und wie bringt man die Identität eines
Produktes und sein Image zur Deckung? Der Autor analysiert hier wichtige
Aspekte eines Produktauftrittes. Er erläutert darüber hinaus, wie sich
das Image von Produkten auf die Unternehmensidentität auswirkt, und was
darüber hinaus zu einem überzeugenden Corporate Design erforderlich ist.
Stichworte: Product-Identity: Strategische
Designplanung, Service, Produktleistung, Produktqualität; Corporate
Design: Produkt-Design, Kommunikations-Design, Environment-Design, Zusammenfassung.
Product Identity
Neben den grundsätzlichen Kriterien zur Produktdifferenzierung ist es
notwendig zu untersuchen, wie Produktidentität aufgebaut und in Zeiten
sich schnell wandelnder Märkte kontinuierlich entwickelt werden kann.
Welche identitätsprägenden Ansatzpunkte lassen sich konkret im Aufbau
einzigartiger und unverwechselbarer Produkte beziehungsweise
Dienstleistungen herausstellen?
Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit konnten wir bei der design.net AG in
den vergangenen Jahren vielfältige Identitätspotenziale ermitteln, um
Produkte und Dienstleistungen im Wettbewerb erfolgreich zu differenzieren
und zu profilieren.
Strategische Designplanung
Mit der oben markierten Feststellung, dass zukünftig nur derjenige
Anbieter im Markt erfolgreich agieren wird, dessen Produktangebot sich
deutlich im Wettbewerb unterscheidet und in den Köpfen der Verbraucher
als überlegen bewertet wird, entwickelt sich Design zu einem zentralen
Erfolgsfaktor im Ringen um Differenzierung, Identifikation und
Kundenbindung. Produkte, die als Marken bestehen wollen, werden nicht mehr
allein durch die reine Funktion überzeugen. Sie müssen vielmehr zum Erfüllungsgehilfen
individueller, emotionaler und sozialer Anspruchshaltungen werden.
Die Herausforderungen dieser anspruchsvollen Zielsetzung sind vielfältig,
denn es entwickelt sich eine:
-
zunehmende Variantenvielfalt und Unübersichtlichkeit in den
Produktsortimenten zahlreicher Branchen;
-
zunehmende Austauschbarkeit von Produktgestalt, Qualität,
Verpa-ckung, Darbietung, das heißt markenprägender Elemente;
-
technologische Gleichstellung auf der Ebene von Gebrauchsfunktionen;
-
Zunahme von Handelsmarken;
-
Zunahme der Erlebnisorientierung zu Ungunsten einer traditionellen
Nutzenorientierung;
-
Ausdifferenzierung und Individualisierung von Zielgruppen;
-
zunehmendes multioptionales Kaufverhalten;
Dies führt zu:
-
einem zunehmenden Wettbewerbsdruck mit der Folge existenzbedrohender
Preiskämpfe;
-
rückläufigen Umsätzen und Renditen;
-
einem Nachlassen der Bindung zwischen Verbraucher und Marke.
Vor diesen Veränderungen erscheint es unverständlich, dass nur zirka
zehn Prozent der deutschen Industrie Produkt-Design als strategisches
Element professionell im Innovationsprozess verankern. Mehr noch: Design
wird in zahlreichen Unternehmen noch immer als »Produktkosmetik«, als »Facelifting«
und »Styling« verstanden. Daneben wird oft angenommen, Designer kümmerten
sich wenig um die Belange und Kosten der Unternehmen und entwerfen
Produkte, die für ihren Markt zu neuartig sind. Diese (Vor-) Urteile
dienen nachweislich nur der Ablenkung von der eigenen Unzulänglichkeit.
Das Gegenteil bestimmt die Praxis. Dort, wo Unternehmen erfolgreich
strategische Designplanung in den Produktentwicklungsprozess integrieren,
finden derartige Aussagen keinen Beweis. Unternehmen wie zum Beispiel der
Hifi-Hersteller Bang & Olufsen, die Automobilhersteller Audi, VW, BMW,
Porsche, Mercedes Benz, die Bürostuhlhersteller Vitra und Wilkhahn, die
Heizkesselproduzenten Viessmann und Buderus aber auch der
Elektronikkomponentenhersteller Vöhner treten erfolgreich den Beweis für
die hier gestellte Forderung an. Was wir in der Summe als
Unternehmensidentität bezeichnen, wurde bei den hier beispielhaft
genannten Unternehmen durch unverwechselbare Komponenten aufgebaut:
-
durch Authentizität und Zielgruppenorientierung,
-
durch die ästhetische Einheit von Technik, Funktion und Formgebung,
-
durch Qualität, Kontinuität und Zuverlässigkeit,
-
durch ästhetische Eigenständigkeit und Individualität,
-
durch Einfachheit und Klarheit,
-
durch Innovationsstärke und Visionen.
Die Vernetzung derartiger qualitativer Inhalte definiert Produktidentität.
Produktidentität kann somit als geistiger Überbau, als Zusammenfassung
einer Vielzahl essentieller Qualitäten gesehen werden. Sie bestimmt darüber
hinaus zum einen die Produktdifferenzierung im Wettbewerb, zum anderen die
Kommunikationsleistung des Unternehmens. Produktidentität wird zur
Substanz. Die erfolgreichen Unternehmen haben die Substanz ihrer Produkte
und ihr Image zur Deckungsgleichheit gebracht. Die Einheit von Identität
und Image lässt sich nicht besser definieren.
Service
Die Angebotsleistung verlagert sich mehr und mehr von der materiellen
zur immateriellen Leistungserstellung. Beide Leistungspotenziale - Produkt
und Service - bilden untrennbare Bestandteile zukünftiger
Leistungsprofile sowie notwendiger Differenzierungs- und
Profilierungsstrategien. Diese Entwicklung ist konsequent und daher leicht
nachvollziehbar. Durch die zunehmende Homogenität und Gleichartigkeit der
von der Industrie angebotenen Produkte wird mit dem steigenden Angebot
produktnaher Serviceleistungen - den sogenannten »value-added-services«
- versucht, eine Differenzierung zum Wettbewerb aufzubauen. Hersteller -
vor allem in der Investitionsgüterindustrie - sahen in den vergangenen
Jahren gerade in produktbegleitenden Serviceleistungen die größte
Chance, sich langfristig im Wettbewerb zu differenzieren.
Grundsätzlich muss der Dienstleistungsanteil als ein wichtiger und
lohnender Ansatz zur Produkt-Differenzierung gesehen werden. Bei einer
genaueren Betrachtung von Produktprogrammen in der deutschen Industrie
wird aber schnell deutlich, dass Versäumnisse und Schwächen in der
Grundleistung oftmals mit Serviceleistungen kurzfristig kompensiert werden
sollen. Technologisch gleichgestellte Produkte werden mit
Serviceleistungen aufgeladen, um Kunden kurzfristig zu gewinnen, ohne
dabei zu bedenken, dass auch diese Serviceleistungen allein es nicht vermögen,
ein unverwechselbares Profil aufzubauen. Der vermeintliche Zusatznutzen
verpufft, bevor eine langfristig wirksame Kundenbindung aufgebaut werden
kann.
Die vorherrschende Meinung, Design sei allein ein Instrument der trend-
und modeorientierten Konsumgüterindustrie, potenziert sich in der
Investitionsgüter- und Dienstleistungsindustrie zu einem gefährlichen
Irrtum. In der Investitionsgüterbranche hat der technologische
Fortschritt eine Vielzahl gleichartiger Produktqualitäten auf einem sehr
hohen Niveau hervorgebracht. Eine Differenzierung über technologische
Wertschöpfungen scheint - wenn überhaupt - nur durch sehr hohe
Investitionen in Forschung und Entwicklung möglich.
Strategische Designplanung hingegen ermöglicht unter diesem Blickwinkel
gerade in der Investitionsgüterbranche effektive und effiziente
Differenzierungsansätze. Darüber hinaus tritt technologische Kompetenz
auf unterschiedlichen Niveauebenen nur mit dem Qualitätsaspekt Design
unverwechselbar und signalstark auf; gleichzeitig wird die Anonymität des
Wettbewerbs erfolgversprechend überwunden.
Für Serviceleistungen beziehungsweise reine Dienstleistungen bekommt
diese Forderung eine noch größere Dominanz. Dienstleistungen sind
immateriell. Immaterialität braucht Gestalt, um überhaupt sichtbar,
kommunizierbar und identifizierbar zu werden. Austauschbarkeit und
Gleichartigkeit verspielt auch in diesem Segment produktive Möglichkeiten,
die Design - und hier im Besonderen das Kommunikations-Design -
hervorbringen kann.
Produktleistung
Die Produktleistung ergibt sich aus Sicht des Kunden aus dem Erfüllungsgrad
der in Aussicht gestellten Problemlösung. Außerdem wird die
Produktleistung und -identität durch die Leistungskonformität definiert.
Die Leistungskonformität ist hoch, wenn in einer Produktserie keine
Leistungsschwankungen auftreten, beziehungsweise Leistungsunterschiede
bestehen. Das Problem der niedrigen Leistungskonformität tritt vor allem
bei technisch komplexen Produkten auf. Der Markt reagiert mit
Verunsicherung und Kaufverzicht, weil das Produkt nicht die erwartete
Leistung erfüllt. Einer der wesentlichen Gründe, warum sich japanische
Automobile insbesondere auf dem amerikanischen Markt den Ruf hoher Qualität
erworben haben, liegt in ihrer hohen Leistungskonformität [1].
Produktqualität
Die Produktleistung wird durch die Produktqualität markiert, wobei die
Produktqualität als ein umfassender Begriff angesehen werden muss, der
alle leistungsbeeinflussenden Komponenten des Produkts beinhaltet. Die
Produktleistung ist somit Ausdruck dessen, was die Qualität der
Leistungserstellung für den Kunden bringen kann. Der Anbieter muss das
Qualitätsniveau anstreben, das in seinem Zielmarkt die Kundenbedürfnisse
optimal und nicht unbedingt maximal bedient.
Produktlanglebigkeit und ökologische
Qualität
Langlebigkeit von Produkten ist ein Maß für die in Aussicht gestellte
und erwartete Nutzbarkeitsdauer eines Produktes. Der Sportwagenhersteller
Porsche etwa dokumentierte in seiner Kundenansprache die überdurchschnittlich
lange Lebensdauer des Porsche 911 und begründete erfolgreich mit dieser
Langlebigkeit den relativ hohen Einstiegs- und Wiederverkaufspreis.
Gleichzeitig wurde bei neueren Werbekampagnen die Langlebigkeit des 911-er
als Basis für eine Repositionierung eingesetzt. So werden ganz gezielt
die Kaufaspekte Umwelt- und Sozialverträglichkeit, technologischer
Fortschritt und Zukunft im Markt kommuniziert, um eine kaufkraftstarke
aber zunehmend umwelt- und sozialbewusste Zielgruppe zu gewinnen.
Betrachten wir grundlegende gesellschaftliche und marktseitige
Entwicklungen, so ist deutlich ein Trend zu langlebigen und somit auch
qualitativ hochwertigen Produkten festzustellen. Die veränderte
Werthaltung auf der Abnehmerseite gegenüber dem Spannungsfeld Konsum und
Ökologie unterstreicht diesen Prozess und dürfte zukünftig vor allem
ressourcenschonende Produktinnovationen als identitätsprägendes Moment
zur Folge haben.
Corporate Design
Die Produkt- und Markenidentität konstituiert maßgeblich die
Unternehmensidentität beziehungsweise das Unternehmensimage, da der
Verbraucher letztlich an den Produkten und Marken und erst sekundär am
Unternehmen interessiert ist. Die Produkte eines Unternehmens sind die
wesentlichen Botschaftsträger. Wie oben deutlich wurde, manifestiert sich
Produkt-Identität als Gesamtheit aller Teilaspekte eines Produktes wie
Gestalt, Materialität, Qualität und Funktionalität sowie Markierung und
Positionierung im Markt. Produkt-Design in diesem Verständnis ist
Imagefaktor erster Kategorie. Die Botschaft, die das Produkt in seiner
Ganzheitlichkeit dem Markt vermittelt, schafft - durch die Einbettung in
einen spezifischen Marketing-Mix - Produktidentität und damit das
Produkt- und Markenimage.
In der Auseinandersetzung mit Corporate-Design sind neben der Kategorie
Produkt-Design auch die Teilaspekte Kommunikations- und Environment-Design
darzustellen, weil das Produkt-Design im Unternehmen nicht isoliert
gesehen werden kann. Die Bestandteile des Corporate Design sind vielfältig.
Die wesentlichen betreffen grafische Systeme, Firmenlogo, Farben und
Typographie, Architektur und Innenarchitektur, Arbeitsplatzgestaltung,
Werbung und Anzeigen bis hin zum gestalterischen Auftritt in den neuen
elektronischen Medien (Internet, CD-ROM etc.). Corporate Design ist somit
das bewusst geplante, ganzheitliche, visuelle Konzentrat einer
strategischen Identität mit dem Ziel einer bewussten Steuerung des
Unternehmensimages. Die Auseinandersetzung mit dem Aufbau einer
signifikanten Unternehmensidentität, sowohl nach außen als auch
unternehmensintern, resultiert - neben den oben dargestellten
wettbewerbsrelevanten Faktoren - auch aus Veränderung im
gesellschaftlichen Umfeld, als deren Konsequenz die Öffentlichkeit, die
Kunden sowie die Mitarbeiter über die reine Produktionsfunktion hinaus
erweiterte Ansprüche an die Unternehmen stellen. Bei dieser erweiterten
Anspruchshaltung stehen vor allem Fragen der Kompatibilität des Produktes
mit einer wachsenden Zahl von Schnittstellen im gesellschaftspolitischen,
ökologischen und kulturellen Gesamtgefüge im Mittelpunkt.
Die Darstellung und Übertragung identitätsstiftender Inhalte erfolgt
hauptsächlich über die visuelle Kommunikation. Corporate-Design ist die
Ausrichtung aller visuell wahrnehmbaren »Äußerungen« des Unternehmens
an einem definierten Gestaltungsrahmen und beinhaltet die vorab aufgeführten
Aktionsfelder.
Die wesentlichen Gestaltungsaspekte eines ganzheitlich formulierten
Corporate Design
Produkt-Design (Strategische Designplanung)
-
Produkt-Design
-
Verpackungs-Design
-
Warenträgergestaltung
-
etc.
Kommunikations-Design
-
Produktkommunikation (Produkt-Werbung, Produktimage)
-
Unternehmenskommunikation (PR, Sponsoring, Event)
-
Logo, Signet
-
Geschäftspapierausstattung
-
Typografie
-
Foto-Design (Bildsprache)
-
Multimedia, Digitale Medien (Internet, CD-ROM)
-
Interface-Design (Human Interface)
-
etc.
Environment-Design
Zusammenfassung
Das Design spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau von
Produktidentitäten, insbesondere wenn die Bedürfnisse der Kunden einem
ständigen Wandel unterworfen sind. Beim Design von Produkten kommt es
besonders darauf an, die Produktidentität und das Produktimage zur
Deckung zu bringen. Auch in der Investitionsgüter- und in der
Dienstleistungsindustrie spielt Produkt-Design eine zunehmend wichtige
Rolle. Mit Service-Leistungen zu Produkten allein lässt sich ein solch
unverwechselbares Profil nicht aufbauen.
Bei der Markteinführung neuer Produkte ist es wichtig, Kaufaspekte wie
Umwelt- und Sozialverträglichkeit, technologischen Fortschritt und
sonstige qualitative Vorzüge im Markt zu kommunizieren. Der Kunde schätzt
die Qualität eines Produktes vor allem nach Leistungskonformität und
nach Erfüllung der in Aussicht gestellten Problemlösungen ein.
Produkt-, Kommunikations- und Environment-Design - damit ist das gesamte
äußere Erscheinungsbild eines Unternehmens gemeint - sind die
wichtigsten Säulen eines Corporate Designs.
Literatur
[1] Kotler, P./Bliemel, F.: Marketing Management, 8, Auflage,
Stuttgart 1995. |