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Corporate Identity
Teil 3: Industrie-Design
von Jens
Hilgenstock, Stephan Schupbach
Unter Industrie-Design oder Produkt-Design wird die Gestaltung
industriell gefertigter Güter verstanden. Dabei bezeichnet
Industrie-Design sowohl den Prozess der Gestaltung als auch das
Endprodukt. Industrie-Design unterscheidet sich von der Einzel- oder
Auftragsfertigung dadurch, dass das industriell gefertigte Produkt in der
Regel arbeitsteilig und für eine größere Menge von Konsumenten
hergestellt wird. Die wesentliche Herausforderung liegt in der Fülle der
zu berücksichtigenden Faktoren und in der Tatsache, dass am Ende ein
eindeutiges, verständliches und in gewisser Weise auch kompromissloses
Produkt Resultat des Prozesses sein soll.
Stichworte: Geschichte
des Industrie-Designs, Gestaltung
von Produkten, Produkt-Design & Produktsprache, Zusammenfassung.
Industrie-Design
Zur Geschichte
Die bewusste Gestaltung von Industrieprodukten wurde erstmals in den frühen
Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts thematisiert. Produkte industrieller
Massenfertigung waren in nunmehr sämtliche Alltagsbereiche eingedrungen.
Die an individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Waren handwerklicher
Fertigung wurden durch Massenproduktion ersetzt. Jetzt galt es, die
Diskrepanz zwischen rationaler Fertigung und den ästhetischen Bedürfnissen
der Bevölkerung zu überbrücken.
Bereits zur Jahrhundertwende wurde versucht, der »Wesenlosigkeit moderner
Alltagsgegenstände« mit belebender, vegetabiler Produktornamentik zu
begegnen. Und so zeigt sich der Jugendstil in seinem Verweisen auf ein »inneres
Leben der Gegenstände« als hochgegriffener Versuch, zwischen ästhetischer
und ökonomischer Notwendigkeit zu vermitteln. In seinem dekorativen
Ansatz war der Jugendstil ein in vielerlei Hinsicht »oberflächliches
Projekt«. Zu wenig war er auf das neue Zeitalter ausgerichtet, zu wenig
machte er sich die neuen Rahmenbedingungen zu eigen.
Im Jahre 1907 konstituierte sich »Der Deutsche Werkbund«. Mit ihm sollte
die Verbindung zwischen arbeitsteiliger Fertigung und ganzheitlicher
Anmutung von Produkten wieder hergestellt werden. Sein idealistisches
Programm sah vor, Künstler und Industrielle zusammenzubringen, um
gemeinsam nach Wegen der vorbildlichen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen
zu suchen.
Doch erst knapp 20 Jahre später - 1925 - findet sich ein
Experimentierforum, das heute gemeinhin als die Wiege der modernen
Produktgestaltung oder des Industrie-Designs angesehen wird: Das Bauhaus
Dessau, Hochschule für Gestaltung. Wenn zuvor Industrieprodukte primär
als Ergebnis (besser noch, als Nebenprodukt) ingenieur-technischen
Schaffens in Erscheinung traten, so nahmen sich jetzt die Architekten
direkt der Gestaltung an. Aber keiner der neuen Architekten war Techniker,
sie alle verstanden Technik als Formenrepertoire, als ästhetische
Vorgabe. Der Bauhausdirektors Walther Gropius forderte programmatisch »Kunst
und Technik - eine neue Einheit«.
Damit hatte ein neues Zeitalter seine grundsätzlich neue Ausdrucksform
gefunden. Am Bauhaus erkannte man, dass Produkte industrieller Fertigung
sowohl im Bereich ihrer Produktion als auch seitens der
Konsumenteneinstellungen grundsätzlich eigene Rahmenbedingungen sowie
eine eigene ästhetische Sprache entwickelt hatten, die nicht mehr auf
handwerklicher Tradition oder stilistischer Konvention beruhte. Gestaltung
wurde hier als die zielorientierte Reduktion von Komplexität definiert.
Wobei die Komplexität durch die jeweiligen Einflußfaktoren der Fertigung
bestimmt war, und die Zielausrichtung durch Annahmen oder Wissen über
Konsumentenbedürfnisse definiert wurde. Die Fülle unterschiedlichster
Rahmenbedingungen als Eckdaten eines bewussten Gestaltungsprozesses zu
begreifen, das wurde zum Credo einer ganzen Disziplin: des
Industrie-Designs.
Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts hat die Umweltkomplexität von
Industrieunternehmen ständig zugenommen. Heute treibt die Globalisierung
der Märkte auch den Kostenwettbewerb immer härter voran. So dynamisieren
beispielsweise innovative Technologie und neue Gesetzesauflagen die
Bedingungsfaktoren der betrieblichen Produktion. Auf der anderen Seite
steigen die Produkterwartungen von hochindividuellen und immer
anspruchsvolleren Konsumenten. Vor diesem Hintergrund wird es zunehmend
schwieriger, sich mit beiläufiger Produktgestaltung nachhaltig im
Wettbewerb zu behaupten.
Industie-Design als Prozess - die
Gestaltung von Produkten
Die Gestaltung industrieller Produkte bedeutet immer auch die
Gestaltung eines Prozesses. Die Ausrichtung des Prozesses auf ein
definiertes Ziel und die Koordination der unterschiedlichen, die
Gestaltung betreffenden Einzelmaßnahmen gehört zu den Aufgaben des
Industrie-Designs. Es ist dabei wesentlich, dass auf Basis
unterschiedlicher Rahmenbedingungen und vielfältiger Interessenlagen
Produkte entstehen, die für den Endverbraucher attraktiv sind. Das
Produkt als Resultat des Gestaltungs- und Produktionsprozesses ist geprägt
von den betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf der einen Seite und
von den Interessen und Präferenzen der Zielgruppen auf der anderen.
Aufgabe des Designprozesses ist die Ausrichtung unterschiedlicher
Teilfragestellungen auf ein gemeinsames Ziel. Am Anfang eines
Designprozesses steht die grundsätzliche strategische Analyse der
Ausgangssituation in unterschiedlichen Teilbereichen:
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der strategischen Grundorientierung
-
der betriebsinternen Rahmenorientierung (Produktion,
Kostenstrukturen etc.)
-
der unterschiedlichen Rahmenbedingungen (Bedürfnisse und
Lebensstile der Zielgruppen).
Nach der Identifikation tragfähiger Konsumentenzielgruppen, ihrer
entsprechenden Wertstrukturen, ästhetischen Präferenzen und der
Definition der entsprechenden strategischen Gesamtausrichtung in der
Produktpolitik gilt es, den Designprozess zu konkretisieren.
Aufgabe des Briefings ist es, die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und
abstrakten Produktanforderungen zu formulieren und in gestaltungsrelevante
Eckdaten zu übertragen. Auf Basis des grundlegenden strategischen
Briefings werden die umsetzungsverantwortlichen Designer ausgewählt, und
nun beginnt die eigentliche Gestaltungs- und Entwicklungsphase. In der
Folge der Entwicklung von Produktionskonzepten werden die
unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Produktion eines konkreten
Produktes zusammengefasst und dann als Eckdaten an die Gestalter
weitergegeben. Anhand dieser Grunddefinition erarbeiten die Designer die
ersten Entwürfe, die die gestalterische Auseinandersetzung mit den
Rahmenbedingungen widerspiegeln. Diese Rohentwürfe werden in einer
weiteren Phase bewertet, eine Vorauswahl wird getroffen und das weitere
Vorgehen bestimmt. Mit Detailentwürfen und Modellen wird eine konkretere
Möglichkeit des Zielproduktes erarbeitet. In einer weiteren Bewertungs-
und Ausweisphase folgen Reinentwürfe und Modelle, und erste
Akzeptanztests werden durchgeführt. Abschließend folgen die Evaluierung
und gegebenenfalls die Produktionsvorbereitung und die Freigabe.
Wesentlich für einen zielführenden Designprozess ist es, die
gestalterische Leistung in regelmäßigen Abständen zu bewerten. Hierbei
wird überprüft, ob die realisierten Produktleistungen mit den zuvor am
Markt erhobenen Ansprüchen übereinstimmen, und ob sie im wesentlichen
den internen Produktionsbedingungen entsprechen.
Ausgehend von diesem Beziehungsgefüge konzentriert sich die Bewertung
darauf zu überprüfen, ob die wertigeren Produktleistungen mit den tatsächlich
definierten Zielleistungen übereinstimmen. Da die erwarteten
Produktleistungen im Ausgangsbriefing fixiert sind, dient dieses als
Bewertungsgrundlage. Es gilt, unter Designgesichtspunkten vor allem
festzustellen, ob die im Briefing definierten Sach- und
Anmutungsleistungen im Designprozess entsprechend realisiert werden.
Industrie-Design als Produkt - die
Gestalt von Produkten
Völlig ungeachtet der unterschiedlichen Rahmenbedingungen eines
komplexen Gestaltungsprozesses zeichnet sich ein gutes Produkt dadurch
aus, dass es einfach und zugänglich ist. Doch immer seltener werden
Produkte ausschließlich über ihre Funktionstauglichkeit beurteilt. Die
Beurteilung von Konsumangeboten über ihre ästhetische Erscheinung wird
zunehmend zum wesentlichen Kaufkriterium. Ein attraktives und begehrliches
Produkt entspricht den vielfältigen Anforderungen und verfügt über eine
ganzheitliche und eigenständige Produktanmutung, die sich selbstverständlich
in das ästhetische Stilkonzept der Zielgruppe fügt.
Auch im Bereich der Investitionsgüter steigt die Bedeutung des
Produktdesigns zusehends. Mit steigender Komplexität der Technologien
werden Investitionsgüter in immer stärkerem Maße zu Vertrauensgütern.
Gleichzeitig steigt die Notwendigkeit gezielter Marketingmaßnahmen.
Vertrauensbildende Informationspolitik und ein zielführendes
Produktdesign gewinnen an Bedeutung im Marketing-Mix. Vielfach ist es
unumgänglich, die Produkterscheinung als vermittelnde Instanz zwischen
Konsument, Anwender oder Investor und Produkt einzusetzen.
Produktsprache
Weiter als dieses Credo von Herbert Lindinger zur »Guten Industrieform«
und der durchaus rigide und der Tradition verhaftete Tenor, dass die Form
ausschließlich der Funktion zu folgen hat, ging seit ihrer Entstehung in
den 80-er Jahren die »Theorie der Produktsprache«. Sie bezog die
sinnlichen, also die mit den Sinnen wahrnehmbaren Funktionen mit ein.
Basierend auf der Erkenntnis, dass Produkte anhand ihres Designs auch in
hohem Maße und auf vielfältigste Weise mit ihren Nutzern kommunizieren,
wurde dieser designtheoretische Ansatz an der Offenbacher Hochschule für
Gestaltung entwickelt. Er ist im Rahmen moderner und zielgruppenadäquater
Produktentwicklung mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Bernhard E. Bürdek,
Professor an der Offenbacher Hochschule und Mitverfasser dieses
theoretischen Ansatzes führt dazu aus: »Der Begriff der Produktsprache
kann vor dem Hintergrund der Mensch-Objekt-Relation gesehen werden, da wir
es im Design mit den Beziehungen zwischen einem Benutzer und einem Produkt
(Produktsystem, Interieur, Messestand etc.) zu tun haben. Von besonderem
Interesse sind dabei die wahrnehmungsvermittelten Funktionen als solche,
die über unsere Sinne vermittelt werden. Als Erklärungsmodell hat dafür
insbesondere die Semiotik wichtige Hinweise geliefert«. Und weiter: »Dieses
designtheoretische Modell hat sich seit vielen Jahren als äußerst tragfähig
erwiesen. Das Gewicht der produktsprachlichen Funktionen ist natürlich
bei unterschiedlichen Produktbereichen heterogen. Zur Erklärung dieses
Zusammenhangs ist es sinnvoll, eine tendenzielle Zuordnung und Abhängigkeit
von praktischen und produktsprachlichen Funktionen vorzunehmen. Der
Designer ist dabei immer der Fachmann für die Formulierung der jeweiligen
Produktsprache. Das Erkenntnisinteresse der Theorie der Produktsprache
richtet sich vor allem auf die drei Bereiche formalästhetischer
Funktionen, Anzeichenfunktionen und Symbolfunktionen [1].
Mit diesen drei Funktionen, angewandt auf das Design eines Produktes, wird
es möglich, dass wir als Betrachter nicht nur erkennen, für welchen
Zweck ein Produkt entworfen wurde, sondern darüber hinaus wie es zu
bedienen und zu benutzen ist, und auf welchen dahinterliegenden Kontext
das Produkt verweist.
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Spektrum
unterschiedlicher Anforderungen an das Industrieprodukt-Design
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Die nachfolgend
dargestellten Kriterien für eine Design-Auszeichnung von
Industrieprodukten, so verwendet vom Industrieforum Design Hannover,
verdeutlichen das weite Spektrum unterschiedlicher Anforderungen und
zeigen dabei sehr klar die Notwendigkeit eines bewusst gestalteten,
ganzheitlichen und überzeugenden Produktes. Industrieprodukte
entstehen in einem Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt,
sozialem Wandel, ökonomischen Gegebenheiten und den Entwicklungen in
Künsten, Architektur und Design, deswegen sind auch die folgenden
Wertmaßstäbe einer langsamen Veränderung unterworfen.
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Praktischer Nutzen Hohe
Gebrauchstauglichkeit und einwandfreies Funktionieren.
-
Ausreichende Sicherheit Erfüllung
einschlägiger Sicherheitsvorschriften und bestehender
Leitungsnormen sowie Berücksichtigung von flüchtigem und
unachtsamem Gebrauch (Narrensicherheit). Eliminierung von
Verletzungsgefahren beim Bedienen.
-
Lebensdauer und Gültigkeit
Übereinstimmung von ästhetischer und physisch angemessener
Lebensdauer.
-
Ergonomische Anpassung
Anpassung des Gegenstandes an die physischen Gegebenheiten des
Benutzers (leichte Bedien- und Ablesbarkeit, geeignete Arbeitshöhen,
Greifweiten, Komfort, Vermeidung von unnötiger und belastender
Ermüdung). Visuelle Störungsfreiheit (Vermeidung von
Irritationen, Blendung und visueller Fehlinformation).
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Technische und formale Eigenständigkeit
Vermeidung von Nachahmungen (Plagiat).
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Umfeld-Beziehungen Der
Gegenstand soll in Funktion und Gestalt nicht nur für sich,
sondern auch in zwischengegenständlicher Beziehung, das heißt in
seiner späteren Produkt-Nachbarschaft sinnvoll sein.
Angemessenheit des Aufwands an Formen, Farben, Materialqualitäten
in Bezug auf Gebrauch und Stellenwert des Produktes.
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Umweltfreundlichkeit Energie-
und ressourcenschonend in Herstellung und Gebrauch, abfallarm und
recyclinggerecht.
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Gebrauchsvisualisierung Die
Form des Produktes soll nach Möglichkeit informieren über
Funktion oder Nutzung des Objektes und seiner Teile, um seine
Handhabung zu erleichtern oder um seinem Sinn Ausdruck zu
verleihen.
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Hohe Gestaltungsqualität Überzeugender
struktureller Aufbau. Erkennbarkeit des beabsichtigten
Gestaltungsprinzips, zum Beispiel bewusste Schalen- oder
Skelettbauweise und ähnliches. Augenscheinliche Beziehung des
Ganzen zu seinen Teilen hinsichtlich Formen, Volumen, Massen,
Farben, Materialqualitäten, Produktgrafik, Durchgängigkeit von
einmal gewählten Konstruktions- beziehungsweise
Gestaltungsprinzipien (formale Konsequenz). Prägnanz und
Eindeutigkeit der Gestaltungselemente, zum Beispiel Formübergabe
, Kontraste von Formen, Farben und Schriften, Proportionen. Ästhetisch
sinnvolle Gliederung im Einklang mit Herstellung, Montage, Nutzung
und Wartung der Teile. Logik der Form hinsichtlich des verwendeten
Materials, des jeweiligen Herstellungsverfahrens und Gebrauchs.
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Eine sinnlich-geistige Stimulanz.
Eine Gesamtwirkung sollte zu einer Identifikation führen. Je nach
Objekt und Branche werden diese Kriterien meist von
produktspezifischen Funktionen ergänzt. Ihre Bedeutung
beziehungsweise Gewichtung hängt von der Funktion der Objekte ab.
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Design-Zeichen erlauben uns zum Beispiel, das Wesen eines Produktes zu
erkennen und entsprechend einzuordnen. Wir unterscheiden nur durch das
Betrachten eines Gegenstandes, ob es sich zum Beispiel um eine
Kaffeetasse, einen Tisch oder ein Automobil handelt. Mehr noch, wir sind
in der Lage zu unterscheiden, ob es sich bei dem Tisch um einen
Couchtisch, einen Esstisch, einen Beistelltisch, einen Besprechungs-,
Konferenz-, oder Schreibtisch handelt. Die verschiedenen Zeichen und die
damit verbundene Visualisierung von Zusammenhängen sind es, die eine
sinnlich wahrnehmbare Form der Kommunikation zwischen Produkt und Nutzer
herstellen. Sie visualisieren ihm den Zweck und die Benutzung des
Produktes und sie verweisen über ihre symbolischen Aussagen auf
dahinterliegende Kontexte. Bei unserem Tisch bedeutet dies, dass wir zusätzlich
anhand von Zeichen in der Lage sind, zwischen einem rustikalen oder modern
sachlichen Esstisch zu unterscheiden oder einem Tisch, der in einem
klassisch stilvollen Ambiente eingesetzt wird. Nach Jochen Groß,
ebenfalls Professor in Offenbach, werden Produkte zum Symbol durch
assoziative Verknüpfungen zum Beispiel für kulturelle oder historische
Kontexte oder für den Gebrauchskontext, in dem sie zum Zeichen für ein
Stück Lebensgeschichte werden. Diese Codes sind es, die bewusst
eingesetzt ermöglichen, dass Produkte über ihre Form mit dem Lebensstil
einer anvisierten Zielgruppen übereinstimmen. Die höchste Relevanz hat
dies sicher für alle Produkte der Konsumgüterindustrie, aber auch für
große Teile der Inverstitionsgüterindustrie und viele
Dienstleistungsunternehmen bis hin zu Medien und Finanzfirmen.
Design-Codes machen es möglich, einzelne Zielgruppen zu erreichen,
vorausgesetzt, dass sie im Rahmen der Produktform richtig eingesetzt
werden. Um, wie Groß sagt, »Zeichen für ein Stück Lebensgeschichte
(der Zielgruppe) zu werden« ist es notwendig, die formalen
Grundausrichtungen im Design festzulegen, die eine Kommunikation zwischen
spezifischer Zielgruppe und Produkt zulassen. Dies sollte auf der
stilistischen Ebene über sogenannte Stilprinzipien geschehen [2]. Dabei
sind Stilprinzipien als Strukturhilfe und Visualisierungsform zu sehen, um
»formale Welten«, aus denen ein Produktdesign seine Formen bezieht, zu
beschreiben, sei es für den Grundkörper des Produkts oder auch für
einzelne Details oder Elemente. Stilprinzipien beschreiben formale
Grunddesignrichtungen, an denen sich das spezifische Produktdesign
orientieren muss, um in die Lebenswelt der Zielgruppen aufgenommen werden
zu können. Sie bilden die essentielle Grundlage, auf die die
Kommunikation zwischen Zielgruppe und Produkt aufbaut.
Zusammenfassung
Mit dem Begriff Industrie-Design bezeichnet man sowohl den Prozess als
auch das Resultat der Gestaltung eines Produktes. Das industriell
gefertigte Produkt wird in der Regel arbeitsteilig, für eine größere
Gruppe von Konsumenten hergestellt. Dabei besteht die wesentliche
Herausforderung darin, einer Fülle von Faktoren gerecht zu werden und
dennoch ein eindeutiges und kompromissloses Produkt zu erstellen.
Als wichtigste Wegmarke auf der Suche nach einer Verbindung von
technischen Eigenschaften, künstlerischer Gestaltung und Gebrauchsdesign
kann man das seit 1925 so genannte Bauhaus Dessau, Hochschule für
Gestaltung betrachten. Hier wurde Gestaltung als die zielorientierte
Reduktion von fertigungsbedingter Komplexität definiert. Das jeweilige
Ziel ergibt sich dabei durch Kenntnisse über Konsumentenbedürfnisse.
Durch Faktoren wie die Globalisierung der Märkte und den Kostenwettbewerb
einerseits sowie steigende Produkterwartungen der Konsumenten andererseits
hat die Umweltkomplexität von Industrieunternehmen seitdem stark
zugenommen. So muss am Anfang eines Design-Prozesses eine grundsätzliche
strategische Analyse der Ausgangssituation stehen, bei der die
Grundorientierung, die betriebliche Rahmenorientierung sowie die
unterschiedlichen Rahmenbedingungen geklärt werden. Der konkrete
Design-Prozess beginnt dann mit einem strategischen Briefing. Ein nächster
Schritt ist die Auswahl geeigneter Designer, die auf Grundlage der
vorhandenen Daten den Entwicklungsprozess beginnen.
Vom fertigen Produkt wird in der Regel erwartet, dass es einwandfrei
funktioniert, ausreichende Sicherheit bietet und über einen angemessenen
Zeitraum seinen Dienst verrichtet. Der Konsument erwartet vom Produkt darüber
hinaus eine ergonomische Anpassung, technische und formale Eigenständigkeit,
Umweltfreundlichkeit und eine angemessene Gebrauchsvisualisierung. Das
Produkt sollte sich formal und funktional in seine Produkt-Nachbarschaft
einfügen, über einen überzeugenden strukturellen Aufbau verfügen und
nach Möglichkeit in seiner Gesamtwirkung zu einer Identifikation des
Kunden führen.
Über die Produktsprache des Designs sollte nicht nur der Zweck eines
Produktes, sondern auch die Bedienungsweise unmittelbar deutlich werden.
Darüber hinaus verweisen die meisten Produkte auf einen Kontext. Über
Design-Codes werden bestimmte Zielgruppen direkt angesprochen.
Literatur
[1] Bürdek, B. E., Design: Geschichte, Theorie und Praxis der
Produktgestaltung, Köln: DuMont 1991
[2] Schupbach, S.: Wettbewerb der Identitäten, in: Design
Management, Was Produkte wirklich erfolgreich macht, hrsg. A. Buck, M.
Vogt, Frankfurt 1996 |