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Corporate Identity
Teil 4: Corporate Communication und Corporate Behavior
von Guenter Moeller
Um erfolgreich zu sein, muss die Kommunikationsstrategie eines
Unternehmens von einer zuvor definierten Unternehmensidentität ausgehen.
Ein Markterfolg stellt sich aber in der Regel erst ein, wenn Produkt- und
Markenidentität mit der Unternehmensidentität übereinstimmen. Dann
ergeben sich Synergien mit einer hohen Effizienz in der Wirkung und der
Finanzierung. Hierbei schöpfen nach wie vor nur wenige Unternehmen die Möglichkeiten
der digitalen Medien aus.
Stichworte: Corporate Communication: Kommunikationsstrategie,
Marken, Unternehmensidentität in den digitalen Medien, Corporate Behavior:
Mitarbeiterakzeptanz, Kundenakzeptanz, Zusammenfassung.
Corporate Communication
Alles was wir sehen und alles Wahrnehmbare, was wir bewusst nicht
sehen, besteht aus visuellen Signalen und Informationen. Dabei ist es
unerheblich, ob wir diese Signale identifizieren, interpretieren,
verstehen können, wollen, müssen oder auch nicht. Über 80 Prozent
unserer täglichen Orientierung - im Kaufentscheidungsprozess, am
Arbeitsplatz, im privaten Umfeld - erfolgt über die visuelle
Informationsverarbeitung. In der zeitlichen Perspektive werden visuelle
Informationen schneller adaptiert und verarbeitet als die lesbaren oder hörbaren
Informationen. Daraus resultiert, dass den visuell vermittelten
Informationen eine herausragende Bedeutung zukommt.
Das Produkt-Design mit seiner individuellen Gestaltung und kommunikativen
Aussagekraft kann demnach nicht isoliert betrachtet werden, sondern steht
selbst wahrnehmbar und erfahrbar in einem komplexen visuell gestaltbaren
und nicht beeinflussbaren Umfeld. Zum gestaltbaren Umfeld sind vor allem
die Produktverpackung, die Gestaltung des Verkaufsortes sowie die
eingesetzten vielfältigen Werbeträger und Verkaufsförderungsmaßnahmen
zu zählen. Nicht beeinflussbar sind in dieser Betrachtung die zunehmenden
visuellen Reizüberflutungen sowie eine kaum noch zu differenzierende und
zu verarbeitende Informationsfülle. Die Schwierigkeit einer einzigartigen
Positionierung beziehungsweise Alleinstellung wird vor diesem Hintergrund
deutlich sichtbar. Gleichzeitig kommt aber der Forderung nach einem neuen
Qualitätsbewusstsein, nach Orientierung, Kontinuität und Transparenz in
der Informationsgestaltung und somit im Kommunikations-Design, eine
entscheidende Dimension zu. Denn wesentliches Merkmal von Information und
Kommunikation muss Qualität sein, visuelle und funktionale Qualität.
Strategische Kommunikationsplanung
Den Schritt von einer Informations- zu einer Kommunikationsgesellschaft
haben wir längst vollzogen. Das Medium zur Übermittlung von Information
ist verbale und nonverbale Kommunikation. Sie muss als ein wesentlicher
Bestandteil gesellschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher
Entwicklungen gesehen werden.
Um einen größtmöglichen Nutzen aus einem definierten
Kommunikationsbudget zu generieren wird es notwendig sein, eine
strategisch geplante integrative Kommunikation anzustreben. Ziel muss es
sein, die Produkt- und Markenidentität so mit der Unternehmensidentität
zu verbinden, dass in der Verzahnung der einzelnen Maßnahmen die
Synergien erzielt werden, die eine hohe Effizienz in der Wirkung und
Finanzierung aufweisen. Der Weg zu einer wirkungsvollen
Unternehmenskommunikation führt somit nur über die vorherige Erarbeitung
einer Unternehmensidentität und festgeschriebener Richtlinien. Sie
definiert die Inhalte einer aufzubauenden Kommunikationsstrategie. Der
gestalterische Handlungsraum wird analog der Entwicklung von
Produkt-Design beziehungsweise Produkt-Identität durch das Corporate
Design determiniert. Unternehmenskommunikation muss demnach als
Langfriststrategie begriffen werden.
Im Rahmen der Marketingkommunikation ist in diesem Zusammenhang
grundlegend zu prüfen, inwieweit die Markenkommunikation (Produktwerbung,
Image, Branding) aus der Unternehmenskommunikation herausgenommen und völlig
eigenständig gestaltet werden muss. Diese notwendige Trennung finden wir
vor allem in multinationalen Markenkonzernen wie zum Beispiel Procter
& Gamble, Beiersdorf, Henkel oder anders formuliert überall dort, wo
Markenhersteller den Zielmarkt mit unterschiedlich positionierten Marken
bearbeiten.
Im wesentlichen hat die Unternehmenskommunikation folgende Inhalte zu berücksichtigen:
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Beschreibung und Diffusion der Unternehmensziele beziehungsweise
Unternehmensphilosophie im strategischen und operativen Handlungsraum.
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Steuerung der Imagebildung durch das Aufbauen eines zielorientierten
Informationsflusses (Öffentlichkeitsarbeit).
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Aufbau von Vertrauen, Sympathie und Akzeptanz in der internen und
externen Kommunikation.
Das Angebot im Kommunikations-Mix sollte sich prägnant von dem
allgemeinen Informationsangebot im Wettbewerb abgrenzen und dazu
beitragen, die Unternehmensidentität zu konstituieren und im Bewusstsein
der Kommunikationspartner (Kunden, Meinungsbildner, Öffentlichkeit) zu
verankern.
In der Praxis jedoch bleiben die Kommunikationsbemühungen im
Unternehmenskontext in ihren Wirkungsmöglichkeiten noch vielfach
unausgeschöpft. Der Zwang zu immer weniger Risiko schneidet Ecken und
Kanten und damit Profil und Charakter von Produkten und Unternehmen ab.
Der Stellenwert von ganzheitlichen Artikulationsmechanismen wird in fast
allen Branchen noch relativ gering eingeschätzt.
Ganzheitliche Unternehmenskommunikation
Die Kommunikationspolitik ist das Instrument mit der größten
Flexibilität. Sie erlaubt sowohl einen langfristig strategischen als auch
einen kurzfristig taktischen Einsatz. Dabei ist es gleich, in welcher
zeitlichen Perspektive Aktivitäten der Unternehmenskommunikation
eingesetzt werden. Identitätsprägend sind jedoch nicht nur die Inhalte,
sondern auch die Form, mit der die Inhalte kommuniziert werden. Um die
Unternehmensidentität zu einer größtmöglichen Geschlossenheit zu
bringen, sollten die Kommunikationsinhalte mit den Leitlinien des
Unternehmensverhaltens (Corporate Behaviour) übereinstimmen und die
Gestaltung mit dem Corporate Design korrespondieren. Die Durchdringung von
Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Verkaufsförderung mit der
unternehmerischen Idee wird somit zu einer zwingenden Forderung. Ein
Unternehmen, das keine inhaltlichen und visuellen Anker in der
Kommunikation aufgebaut hat, bleibt in seiner Aussagekraft unterentwickelt
und verspielt einen Großteil seiner Marktresonanz [3].
Internet und Mulimedia
Die zunehmende Integration der Informations- und
Kommunikationstechnologie in nahezu allen Lebens- und Arbeitsbereichen
bedeutet für die gesamte Unternehmenskommunikation einen nachhaltigen
Umbruch. Unter den Stichworten Multimedia, Internet und Online gewinnen
rechnergestützte Informations- und Kommunikationsformen zunehmend an
Bedeutung. CD-ROM-orientierte Produktinformationen gehören zum
Standardrepertoire zahlreicher Branchen. Und auch im Marketingumfeld
(Einkauf, Vertrieb, Absatz, Kommunikation) nimmt der Zugriff auf
elektronische Medien kontinuierlich zu. Internet- und Online-Dienstleister
zählen zu den Gewinnern in allen industrialisierten Staaten.
Die Selbstdarstellung, die Bildung von Produkt- und Markenidentität bis
hin zur Unternehmensidentität werden von dieser Entwicklung berührt. Für
das Corporate Design ergeben sich darüber hinaus völlig neue
Herausforderungen. Wobei es weniger um die bloße Nutzung neuer medialer Möglichkeiten,
als vielmehr um die Entwicklung adäquater Handlungs-, Distributions- und
Dienstleistungsformen, sozusagen um die Entfaltung einer Kultur digitalen
Wirtschaftens geht [1].
Der Umgang mit neuen Kommunikationsmitteln und vor allem die
Diffusionsgeschwindigkeit von Informationen stellt einen erhöhten
Anspruch an die Kommunikationsqualität. Schon vor Jahren haben
Untersuchungen festgestellt, dass die Qualität vieler digitaler Medien
und digitalisierter Unternehmensauftritte deutlich hinter den Erwartungen
aktueller und potentieller Kunden zurück bleibt. So entsprechen zirka 70
Prozent der Internetauftritte deutscher Unternehmen laut einer Studie der
Media Gruppe München und des Spiegel Verlags nicht den
Konsumentenerwartungen. Der eigentliche Informationswert - Basis jeder auf
Kontinuität und Bindung angelegten Kommunikation - bleibt oft unklar. Wer
glaubt, im Kommunikationsnetz mit schönen Bildern oder grafischen Gags
etwas ausrichten zu können, liegt eindeutig falsch.
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Nutzenargumente
für eine ganzheitliche Unternehmensartikulation
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Die Verankerung und Sicherstellung
der unternehmerischen Leitidee im strategischen und operativen
kommunikativen Handlungsfeld wird vor allem im internationalen
Geschäft mit dezentral geführten Niederlassungen von großer
Notwendigkeit sein.
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Die Integration aller kommunikativen
Mittel führt in den Köpfen der Mitarbeiter, Kunden, Kapitalgeber
und der Öffentlichkeit zu einer hohen Wiedererkennung und schafft
ein Klima der Orientierung und des Vertrauens. Die Wirkung des
eingesetzten Budgets wird erhöht.
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Eine hohe Wiedererkennung schafft
einen schnellen und stabilen Bekanntheitsgrad.
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Identität schafft Kompetenz in der
Innen- und Außenwirkung (Mitarbeiter, Markt).
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Festgelegte Leitlinien in der
Kommunikation unterstützen die Präzision im Briefing externer
Kommunikationspartner (Werbeagenturen, PR-Agenturen,
Grafik-Designer, Fotografen etc.). Die Möglichkeiten von
Fehlinterpretationen in der Umsetzung lassen sich reduzieren.
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Abbau von unkoordinierten taktischen
Lösungen zugunsten einer konzeptionellen Ausrichtung führt in
der Regel zur Reduzierung von kostspieligen Einzelmaßnahmen.
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Die strategische Kommunikation mit klassischen und mit digitalen Medien
vermag das Bild und Selbstverständnis eines Unternehmens nachhaltig zu prägen,
sofern analytisch und konzeptionell und nicht allein taktisch vorgegangen
wird. Es geht in dieser Betrachtung nicht allein um
Informationsgestaltung, um das schönere Erscheinungsbild. Es geht um
Identität.
Corporate Behavior
Voraussetzung und Rahmenbedingung für die Glaubwürdigkeit einer
aufzubauenden Unternehmensidentität ist neben der visuell erfahrbaren
Gestaltungsidentität (Corporate-Design) das Verhalten und die Kultur
eines Unternehmens. Unternehmensverhalten (Corporate Behavior) umfasst das
Verhalten eines Unternehmens im Rahmen seines Selbstverständnisses,
seiner Unternehmensziele und seiner Selbstdarstellung im gesamten
strategischen und operativen Handlungsfeld. Eine aufgebaute Produktidentität
beziehungsweise ein unverwechselbares Corporate Design schafft
Aufmerksamkeit und Differenzierung und löst ein Versprechen aus.
Wie sich in der Praxis häufig feststellen lässt, wird der Teilaspekt
Corporate Behavior im Aufbau einer ganzheitlichen Unternehmensidentität
noch immer unterschätzt. Die in den vergangenen Jahren häufig
kritisierte »Servicewüste Deutschland« ist unter anderem Ausdruck
dieser Geringschätzung und eines fehlenden Verstehens von verbaler
Kommunikation im Aufbau des Unternehmensimage. Die Ursachen sind vielfältig
und liegen vor allem im notwendigen höheren Beteiligungs- und Veränderungsgrad
der Mitarbeiter in einem Unternehmen.
Um die im Unternehmensverhalten geforderte Identifikation der Mitarbeiter
mit dem Unternehmen und all seinen strategischen und operativen Handlungen
zu verwirklichen, bedarf es eines verbindlichen Orientierungsrahmens, der
die Leitlinien des internen und externen Verhaltens vorgibt. Um eine hohe
Akzeptanz bei allen Mitarbeitern zu erhalten, sollten die verhaltensprägenden
Unternehmensleitlinien nicht nur topdown verordnet, sondern auch vom Führungsmanagement
vorgelebt und in allen Ebenen verankert werden. Je stärker die Persönlichkeit
beziehungsweise die Identität des Führungsmanagements ausgeprägt ist,
je konsequenter die Grundwerte des Unternehmens glaubwürdig vertreten
werden, desto deutlicher entsteht das »Wir-Gefühl«, die »Wir-Identität«
der Mitarbeiter und vor allem auch der Kunden eines Unternehmens [2].
Zusammenfassung
Die Kommunikationsstrategie eines Unternehmens muss von einer zuvor
definierten Unternehmensidentität ausgehen. Mit zunehmender Informationsfülle
und visueller Reizüberflutung kommt der Forderung nach Orientierung,
Kontinuität, Transparenz und Qualität eine wachsende Bedeutung zu.
Informationsgestaltung und Kommunikations-Design werden zu entscheidenden
Größen im Wettbewerb. Marken können in diesem Prozess eine wichtige
Rolle spielen, können aber auch aus der Unternehmenskommunikation
ausgegliedert und völlig eigenständig gestaltet werden.
Unternehmenskommunikation sollte sich in drei großen Schritten
vollziehen:
-
Beschreibung der Unternehmensziele im strategischen und operativen
Handlungsraum,
-
Imagebildung durch Öffentlichkeitsarbeit,
-
Aufbau von Vertrauen und Akzeptanz in interner und externer
Kommunikation.
Die Kommunikationsinhalte sollten mit den Leitlinien des
Unternehmensverhaltens (Corporate Behavior) übereinstimmen, die
Gestaltung mit dem Corporate Design korrespondieren. Werbung, Öffentlichkeitsarbeit
und Verkaufsförderung müssen von einer klar definierten
unternehmerischen Idee geleitet sein. Die neuen Kommunikationstechnologien
haben die Ansprüche an die Kommunikationsqualität sogar noch erhöht.
Corporate Behavior umfasst das Verhalten eines Unternehmens im Rahmen
seines Selbstverständnisses, seiner Unternehmensziele und seiner
Selbstdarstellung im gesamten strategischen und operativen
Handlungsumfeld.
Literatur
[1] Bauer-Wabnegg, W.: Die Marke als Medium. Vom digitalen zum
virtuellen Unternehmen. In: Daldrop, N.W. Kompendium Corporate Identity
Design, 1997
[2] Birkigt, K., Stadler, M., Funck, H.J.: Corporate
Identity.
Grundlagen, Funktionen, Fallbeispiele. mi verlag moderne industrie, 6.
Auflage, 1993
[3] Birkigt, K. und Stadler, M.: Corporate Identity . Grundlagen,
Funktionen, Fallbeispiele. mi verlag moderne industrie, 1980
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