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- Volltext -
Corporate Identity
Teil 5: Design-Management
von Guenter Moeller
Der Aufbau eines ganzheitlichen Design Managements steht und fällt
mit der Dialogfähigkeit der Unternehmensstruktur. Denn hierbei ist es
erforderlich, alle Design-Aspekte zu bündeln und zu steuern. Ein
ganzheitliches Corporate Design ist durch vielfältige Wechselwirkungen
und Abhängigkeiten der Profilierungsinstrumente gekennzeichnet, die in
den vorhergehenden Textteilen analysiert wurden. Der Autor empfiehlt dem
Management, die strategische und operative Qualität von Corporate Design
in Rechnung zu stellen und ein Design Management mit ausreichender
Entscheidungskompetenz zu installieren.
Stichworte: Produktidentität: Strategische und operative Aufgaben,
Unternehmensorganisation, Unternehmensidentität, Aufgaben des Design Managements,
Zusammenfassung
Design Management
Wurden in den vorherigen Abschnitten primär die Notwendigkeiten und
Ansatzpunkte für die Entwicklung einer einzigartigen Produkt- und
Unternehmensidentität beschrieben, so wird im folgenden Abschnitt die
Steuerung der Designaspekte im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen.
Aufgezeigt werden sollen die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen
den Differenzierungs- und Profilierungsinstrumenten in der Entwicklung
eines ganzheitlichen Corporate-Design. Die Auseinandersetzung mit diesen
qualitativen Inhalten und dem Management von visueller Identität ist
notwendig, um Glaubwürdigkeit und Akzeptanz langfristig zu sichern.
Um ein unverwechselbares Profil und ein individuelles Image aufzubauen,
muss sich das Verständnis von Produktentwicklung grundlegend verändern.
Das in der Wirtschaftspraxis noch häufig sehr einseitig ausgerichtete
Management muss die strategische und operative Qualität von Corporate
Design erkennen und durch ein internes oder externes Design Management mit
ausreichender Entscheidungskompetenz verankern.
Design Management und Produktidentität
Die Aufgaben und Ansatzpunkte in der Entwicklung einer einzigartigen
Produktidentität sind vielfältig. Grundlegend umfaßt sie alle Aufgaben
zur marktgerechten Gestaltung des Leistungsprogramms von Unternehmen,
wobei bestehende und potentielle Kundenbedürfnisse eine besondere Berücksichtigung
finden müssen. Die wesentlichen, für das Produkt-Design relevanten
Aufgaben werden vor allem in den Aufgabenfeldern der Produktinnovation
beziehungsweise der Entwicklung und Einführung neuer Produkte, und der
Produktmodifikation, das heißt der Variation bereits im Sortiment
enthaltener Produkte, deutlich.
Vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit
strategischer Identität berührt Design alle Instrumentarbereiche des
Marketing - von der Produkt- und Sortimentspolitik über die Preis- und
Distributionspolitik bis hin zur Gestaltung produkt- und
unternehmensbegleitender kommunikativer Maßnahmen. Diese sind sowohl
Fragen der Produkt- und Verpackungsgestaltung, der Markierung als auch der
werblichen und öffentlichkeitswirksamen Kommunikation.
So wie überlegene Produkte eine höhere Rendite für den Hersteller
erzielen, so liegen in gleicher Ausprägung auch für unterschiedliche
Absatzmittler (Groß- und Einzelhandel, Versandhäuser etc.) höhere
Margen im Abverkauf markenstarker Produkte. Eine langfristige Listung und
eine unverwechselbare Präsentation im Handel gegenüber
Durchschnittsmarken muss als ein wesentlicher Vorteil im Rahmen
distributionspolitischer Bemühungen gesehen werden.
Diese hier nur skizzierten synergetischen Potenziale von Design
verdeutlichen die Integrations- und Schnittstellenfunktion im
Marketing-Mix. Um sie voll auszuschöpfen, ist eine Steuerung dieser
Schnittstellen durch ein professionelles Design Management unerlässlich.
Design Management beschäftigt sich demnach mit der Planung, Umsetzung,
Koordination und Steuerung aller Felder, mit denen Design im Aufbau einer
strategischen Identität in Berührung kommt. Die grundlegenden Aufgaben
eines ganzheitlichen Design-Management-Ansatzes sind in einem Kasten auf
Seite 3 zusammengefasst [8].
Je nach Branche und Unternehmensgröße variiert der Bedarf an produkt-
beziehungsweise Design-Innovationen und somit auch die Organisation,
Steuerung und Umsetzung definierter Design-Aktivitäten.
Die organisatorische Eingliederung von Design Management ist
variantenreich, eine Patentlösung nicht möglich. Da gerade in kleineren
und mittelständischen Unternehmen aufgrund häufig fehlender
kontinuierlicher Auslastungen kaum eigene Produkt- und
Design-Management-Stellen vorzufinden sind, liegen in der Zusammenarbeit
mit qualifizierten externen Partnern weitreichende Innovationspotenziale
und Synergieeffekte.
So führt die Betrachtung und Beurteilung von Innovations- und
Designfragen durch außenstehende Partner häufig zu konsequenteren und
somit auch zu erfolgreicheren Lösungen. Darüber hinaus kann Design
Management helfen, die notwendigen Ansatzpunkte für designorientierte
Produktinnovationen und imageprägende Kommunikationsansätze zu finden
und nicht zuletzt auch die Entscheidungsprozesse transparent und somit
nachvollziehbar zu machen.
Im Vorfeld der Entwicklung einer profilstarken Unternehmensidentität
sollte neben inhaltlichen Klärungen zur sogenannten Corporate Mission
auch eine Designpotenzial-Analyse aufgenommen werden. Diese kann von
Fachberatern zu Beginn eines Designengagements auf der Produkt und
Unternehmensebene durchgeführt werden. Ihr Ziel ist es zu erfassen, ob
ein Unternehmen in der Gestaltung seiner Produkte beziehungsweise seines
Erscheinungsbildes, das heißt in seiner gesamten Kommunikation
marktsensibel und effektiv ist, und ob Potenziale im Produktangebot
vorhanden sind, auf die aufgebaut werden kann. Eine solche Prüfung, wie
die design.net AG sie täglich in einer frühen Phase der Projekttätigkeit
durchführt, zeigt, ob das spezifische Unternehmen die Produktidentität
durch eine spezifische Differenzierungsstrategie in ausreichendem Maße
verbessern kann. Design und Management, als ganzheitliches
Differenzierungsinstrument verstanden und umgesetzt, verbessert das Image,
verringert die Kosten und vermittelt den Kunden Werteindrücke.
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Strategische
und operative Aufgaben eines ganzheitlichen Design-Management-Ansatzes
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Strategische Aufgaben:
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Formulierung einer konzeptionellen
und langfristigen Design- und Produkt-Politik mit dem Ziel, den
Konsumenten überlegene Leistungsprofile bewusst zu machen und
sich dauerhaft im Wettbewerb zu behaupten.
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Entwicklung von
Gestaltungsrichtlinien für alle Design-Aktivitäten im
Unternehmen, um eine Kontinuität in der Gestaltung aller Produkte
zu ermöglichen.
-
Berücksichtigung und Einbeziehung
der Bedürfnisstrukturen potentieller Nutzer in die Zielplanung
durch qualitative Markt- und Trendanalysen.
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Etatplanung und Budgetverantwortung,
um verabschiedete Designkonzeptionen zu verwirklichen.
-
Bereitstellung und Bewertung von
Design-Know-how im strategischen und operativen Designprozess.
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Positionierung von Design innerhalb
des Unternehmens, das heißt Design inhaltlich und organisatorisch
im interdisziplinären Innovationsprozess und in den Unternehmensleitlinien zu verankern.
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Aufstellung und Kontrolle von
Richtwerten für das Corporate-Design beziehungsweise für die
langfristig zu entwickelnde Unternehmensidentität.
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Langfristige Koordinierung aller
Design-Aktivitäten im Unternehmen sowie die permanente Überprüfung
ihrer Ergebnisse.
Operative Aufgaben:
-
Aufbau von Designkonzeptionen und Übernahme
ihrer Verantwortung.
-
Sicherung der strategischen Ziele
durch den Aufbau ganzheitlicher Pflichtenhefte für alle am
Entwicklungsprozess beteiligten Partner.
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Integration qualitativer und
quantitativer Marketingziele in die Projektarbeit.
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Sicherstellung der Designziele im
operativen Marketing-Mix und im Corporate-Design.
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Suche und Koordination externer
Partner für spezifische Aufgaben - Produkt- Designer,
Kommunikations-Designer, Corporate Identity-Gestalter - um
definierte Produkt- und Corporate Design-Ziele umzusetzen.
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Design Management und
Unternehmensorganisation
Mit der Entscheidung, Design als Wettbewerbsinstrument konsequent
einzusetzen, wird Design Management neben dem Marketing Management zu
einem strategischen Faktor in der Unternehmenspolitik. Konkret: Ein
ganzheitlich ausgerichtetes und zum Marketing gleichberechtigtes Design
Management kann nur mit einer dialogfähigen Organisationsstruktur
bestehen. Sie bildet den Rahmen, in der die Mitarbeiter aller Ebenen
agieren und gleicht im Idealfall zwischen Spezialisierung und Integration
aus. Die formale Organisationsstruktur ist jedoch immer von einer
informellen Struktur - die Struktur der tatsächlich praktizierten
Interaktionen und Beziehung - überlagert. Die Organisationsentwicklung
wird um so wichtiger, je weniger die formale Struktur den Anforderungen
der Unternehmensumwelt, der Kommunikation und Zusammenarbeit
beziehungsweise den realen Verhaltens- und Beziehungsmustern der
Mitarbeiter entspricht. Die Organisationsstruktur sucht sich dann ihren
eigenen Weg und entzieht sich somit einer effektiven Steuerung.
Die langfristige Leistungsfähigkeit eines Unternehmens wird maßgeblich
durch seine Fähigkeit bestimmt, Schnittstellenprozesse zu erkennen und in
zukunftsweisende offene Teamstrukturen zu transformieren. Die Umsetzung
teamorientierter Funktionsebenen, in dem bürokratische und ineffiziente
Hierarchien abgebaut werden, schafft die Basis für ein interdisziplinäres
und synergetisches Handeln. Institutionelle Rahmenbedingungen sollten überprüft
und dort aufgegeben werden, wo infolge von Abgrenzung und Isolation das
Leistungspotenzial und die notwendigen Synergien gegenüber
teamorientierten Projektstrukturen verringert werden.
Der Aufbau einer strategischen Unternehmensidentität, unter Einbeziehung
des Qualitätsfaktors Design, bedarf dieser geforderten offenen
Organisationsentwicklung. Ziel dieses Prozesses muss es sein, die
Leistungs- und Reaktionsfähigkeit aller Funktionsbereiche des
Unternehmens kontinuierlich zu steigern, um dauerhafte und einzigartige
Wettbewerbsvorteile aufbauen zu können. Corporate Behaviour wird zu einem
entscheidenden Faktor in der Umsetzung einer glaubwürdigen Identität.
Design-Management und
Unternehmensidentität
Durch die bewusste Planung, Gestaltung und Positionierung eines gewünschten
Unternehmensimages soll sowohl Glaubwürdigkeit und Vertrauen auf der
Seite der Kunden gewonnen, als auch die vor
ab entwickelte Kompetenz auf der Leistungsebene unterstrichen werden. Dies
gilt im Besonderen für Investitionsgüter-Unternehmen, deren Produkte im
Markt und vor allem in der Öffentlichkeit verstärkt erklärungsbedürftig
sind.
Für Dienstleistungsunternehmen, deren Leistungsfähigkeit sich nicht primär
über eine wahrnehmbare Materialität dokumentiert, ist die
Auseinandersetzung mit einer glaubwürdigen Unternehmenskommunikation und
-identität wettbewerbsentscheidend. In diesem Kontext muss die
Meinungsbildung durch eine kontinuierliche, transparente und glaubwürdige
Vermittlung der zu positionierenden Dienstleistungen, Wertvorstellungen
und Haltungen unterstützt werden.
Die Messung des Erfolges aktiv gestalteter Produkt-, Marken- und
Unternehmensidentitäten ist objektiv kaum denkbar, da zu viele
verschiedene, nicht isolierbare Faktoren diese Rückkopplungsprozesse
beeinflussen. Je mehr die Austauschbarkeit und aggressive
Me-too-Strategien im Wettbewerb zunehmen, desto bedeutsamer wird die
Auseinandersetzung mit der aktiven Gestaltung einer einzigartigen Produkt-
und Unternehmensidentität.
Design Management hat die grundlegende Aufgabe, eine Konvergenz zwischen
Produkt-, Marken- und Unternehmensimage auf- und auszubauen. Bei der Einlösung
der anspruchsvollen Aufgaben (siehe Kasten auf Seite 5) hat das Design
Management also eine entscheidende Funktion, vorausgesetzt es bekommt
einen gleichberechtigten Handlungsraum im Zusammenspiel zwischen
Unternehmensziel und strategischer Identität.
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Die
Aufgaben des Design Managements
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Design Management:
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ermöglicht die Entwicklung einer
profilierten Unternehmensidentität, indem alle kommunizierbaren
Bausteine des Unternehmens integriert werden.
-
visualisiert und verankert eine
glaubhafte Unternehmensphilosophie im Bewusstsein aktueller und
potentieller Kunden und der Öffentlichkeit.
-
beinhaltet den Aufbau und die
kontinuierliche Ausgestaltung eines ganzheitlichen Corporate
Design.
-
sorgt für den Aufbau einer
Konvergenz zwischen Produkt-, Marken- und Unternehmensimage mit
dem Ziel eines unverwechselbaren und wettbewerbsstarken
Gesamtauftritts.
-
ist die Schaffung eines Mehrwertes
auf dem Kapitalmarkt durch positives Unternehmensimage.
-
ermöglicht die Schaffung einer stärkeren
Identifizierung mit dem Unternehmen und damit die Steigerung der
Motivation aller Mitarbeiter.
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Zusammenfassung
Ein ganzheitliches Design Management ermöglicht einem Unternehmen,
alle das Design betreffenden Faktoren zu bündeln und zum Aufbau einer
strategischen Identität zu nutzen. Der Erfolg hängt dabei nicht zuletzt
von einer dialogfähigen Organisationsstruktur ab. Das Ziel ist eine
pofilierte Unternehmensidentität, die sich glaubhaft im Bewußtsein der
Kunden und der Öffentlichkeit verankern läßt. Design Management sorgt
des weiteren für Übereinstimmung zwischen Produkt-, Marken- und
Unternehmensimage. Ziel ist ein unverwechselbarer, wettbewerbsstarker
Gesamtauftritt. Durch ein positives Unternehmensimage entsteht ein
Mehrwert auf dem Kapitalmarkt. Darüber hinaus steigert solch ein Image
die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und sorgt somit für
mehr Motivation und Engagement.
Literatur
[1] Antonoff, R. (Hrsg.): CI Report 10. Identicon Verlag, 1996
[2] Backhaus, K.: Investitonsgütermarketing. 4. Auflage, München
1995
[3] Buck, A. und Kurzhals, F.G. (Hrsg.): Markenästhetik 1999,
Verlag Form 1999
[4] Buck, A. und Kurzhals, F.G. (Hrsg.): Markenästhetik 2000,
Verlag Form 2000
[5] Dunkel, M.: Corporate Design Praxis. Das Handbuch der visuellen
Identität von Unternehmen. Orac Verlag, 1997
[6] Koppelmann, U.: Produktmarketing. Entscheidungsgrundlagen für
Produktmanager. Springer Verlag 1997.
[7] Kurzhals, F.G.: Design im 20. Jahrhundert. In: dekos,
Designkompetenz als Standortfaktir 1997-2000. DAG-Verlag 2000
[8] Moeller, G: Design braucht Marketing- Marketing braucht Design.
In: Buck, A./Vogt, M (Hrsg.). Design Management - Was Produkte wirklich
erfolgreich macht. FAZ-Gabler Verlag 1997.
[9] Rat für Formgebung (Hrsg.): Design Management. Econ Verlag,
1990
[10] Sarasin, W.: Produkt-Design, Produkt-Identität, Corporate
Identity. In: Birkigt, K. und M. Stadler: Corporate Identity . Grundlagen,
Funktionen, Fallbeispiele. mi verlag moderne industrie, 1980 |