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- Leseprobe -
Mit Verkaufsförderung zum Erfolg bei innovativen
Investitionsgütern
von Ben Kluge und Ulf
Munack
Mit einem einzigen Verkaufsgespräch lässt sich im
Investitionsgüterbereich kein Kunde gewinnen. Das Verkaufsgespräch
wandelt sich mit steigendem Investitionsvolumen zu einem komplexen
Verkaufsprojekt, das sich über mehrere Wochen erstreckt und in dem jede
einzelne Aktivität hundertprozentig funktionieren muss. Dies gilt in
besonderem Maße für innovative Produkte, deren anfängliche
Marktakzeptanz meist gering, deren Kundennutzen jedoch sehr groß ist.
Basierend auf umfangreichen Expertengesprächen mit führenden Unternehmen
des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Elektronikindustrie zeigt dieser
Beitrag, wie sich der Vertrieb für innovative Investitionsgüter durch
den gezielten Einsatz verkaufsfördernder Maßnahmen erheblich stärken
lässt.
Stichworte: Verkaufsförderung;
Absatzförderung; Sales Promotion; Innovation; Investitionsgüter;
Maschinenbau; Vertrieb; Vertriebsunterstützung; Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag erfahren
Sie:
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welche Maßnahmen der Verkaufsförderung für
den Vertrieb von innovativen Investitionsgütern erfolgreich
eingesetzt werden können,
-
wie produktvorbereitende Verkaufsförderung den
Vertrieb von innovativen Produkten anregen kann,
-
wie produktbegleitende Maßnahmen der
Verkaufsförderung auf den verschiedenen Stufen des
Verkaufsprozesses eingesetzt werden sollten,
-
wie die Erkenntnisse der integrierten
Verkaufsförderung in einen konkreten Maßnahmenplan umgesetzt
werden können,
-
wie Unternehmen Verkaufsförderung zur
Unterstützung des Vertriebes einsetzen.
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Die Wahrnehmung der Kunden zählt
Der Erfolg eines Verkaufsprojektes lässt sich nur schwer
vorhersagen. Selbst wenn Sie Ihren Kunden noch so gut kennen, Ihr Produkt
noch so gut zu den Anforderungen des Kunden passt und Ihr Preis
konkurrenzlos günstig ist, bedeutet dies nicht automatisch den
erfolgreichen Abschluss eines Vertrages. Was ist passiert, wenn ein
hundertprozentig sicher geglaubtes Geschäft an einen Konkurrenten
verloren ging? Woran könnte es liegen, dass an Ihrer Stelle ein
Wettbewerber den Zuschlag bekommen hat? Die Ursachen können sehr
vielschichtig sein: Die Wichtigkeit einzelner Bewertungskriterien für die
Produktauswahl könnte sich geändert haben. Es könnten neue
Bewertungskriterien vom Kunden in den Bewertungsprozess aufgenommen worden
sein. Ein neuer Entscheidungsträger kann den Kaufprozess nachhaltig
beeinflusst haben. Die Einkaufspolitik des Unternehmens kann sich
geändert haben, beispielsweise durch eine Verstärkung des zentralen,
überregionalen Einkaufes.
Diese und viele weitere Determinanten der Kaufentscheidung hängen nicht
nur von realen, technischen Anforderungen beim Kunden ab.
Verkaufsfördernde Maßnahmen sowie eine gezielte Kommunikationspolitik
von Lieferanten beeinflussen die wahrgenommenen Anforderungen bei Kunden
nachhaltig.
Dies gilt besonders für den Vertrieb von innovativen Produkten.
Vertriebsmitarbeiter müssen gute Argumente finden, um die Unsicherheit
der Kunden über die neue Technologie, den eventuell neuen Markt und
unbeständige Wettbewerbsverhältnisse zu entkräften und durch geeignete
Maßnahmen zu kompensieren. In besonderem Maße gilt beim Vertrieb von
Innovationen, dass in erster Linie die Wahrnehmung der Kunden zählt.
Verkaufsförderung setzt gezielt an diesem Punkt an und versucht, die
Wahrnehmung der Kunden positiv zu beeinflussen.
Verkaufsförderung kann den Vertrieb eines Produktes während des gesamten
Lebenszyklus unterstützen. Grundsätzlich lässt sich zwischen
produktvorbereitender Verkaufsförderung und produktbegleitender
Verkaufsförderung unterscheiden. Produktvorbereitende Verkaufsförderung
bereitet die Markteinführung eines neuen Produktes vor, während
produktbegleitende Verkaufsförderung den Vertrieb unmittelbar während
des aktiven Vermarktungsprozesses unterstützt.
Abb. 1: Verkaufsförderung in den Phasen des
Produktlebenszyklus
Produktvorbereitende Verkaufsförderung
Produktvorbereitende Verkaufsförderung beeinflusst die
Wahrnehmung durch Kunden bereits bevor das reale Produkt zur Vermarktung
bereitsteht. Die wichtigsten Instrumente der produktvorbereitenden
Verkaufsförderung von innovativen Investitionsgütern sind
Produktvorankündigungen (Preannouncements). Sie sind ein wichtiges
Instrument der strategischen Informationsvermittlung an Kunden,
Konkurrenten, Vertriebskanäle und Produzenten von Komplementärgütern.
Abbildung 2 ("Beispiel einer Produktvorankündigung im
Maschinenbau (Quelle: PLUS, Produktion von Leiterplatten und Systemen,
3/2000, S. 336)" Diese Abbildung entnehmen Sie bitte dem Printwerk)zeigt beispielhaft eine Produktvorankündigung der ESEC AG,
einem Produzenten von Bondern für die Herstellung integrierter
Schaltkreise. Diese Produktvorankündigung vermittelt zwei wesentliche
Inhalte an gegenwärtige und potenzielle Kunden: einerseits die
zukünftige Ausweitung der Produktlinie der Bonder um eine High Speed
Version zur Herstellung von Standard ICs und andererseits die zukünftige
Einführung eines neuen Wire Bonders.
Die beiden wichtigsten Ziele einer Produktvorankündigung
sind die Anregung zukünftiger Nachfrage und die Abschirmung des Marktes
gegen Konkurrenzprodukte. Nachfrage für ein zukünftiges Produkt kann
angeregt werden, indem schon vor Markteinführung eine positive
Mund-zu-Mund-Propaganda ermöglicht wird, Meinungsführer mit
Informationen versorgt werden und Interesse bei potenziellen Kunden und
Vertriebspartnern geschürt wird. Adoption sowie Diffusion von
Innovationen werden auf diese Weise beschleunigt.
Die Abschirmung des Marktes gegen Konkurrenzprodukte ist besonders bei
Unternehmen beliebt, die eine starke Marktposition besitzen. Durch
möglichst umfassende Informationen über zukünftige Produkte werden
bestehende Kunden angehalten, nicht auf Grund von Fragen der schnelleren
Produktverfügbarkeit zu einem Konkurrenzunternehmen zu wechseln.
Bestandskunden wie auch potenzielle Kunden sind so in der Lage, ihre
Investitionspläne mit der zukünftigen Markteinführung der
angekündigten Produkte abzustimmen. Dadurch wird der Markt für
Konkurrenzprodukte effektiv eingefroren. Weitere Vor- und Nachteile von
Produktvorankündigungen können der Abbildung 3 entnommen werden.
Eine spezielle Form der Produktvorankündigung ist die Diskussion der
Produkt-Road-Map mit ausgewählten Kunden und Meinungsführern. Dabei wird
nicht lediglich ein zukünftiges Produkt vorgestellt, sondern
umfangreichere Entwicklungsprojekte der gesamten Produktlinie können
präsentiert und vor allem auch diskutiert werden. Dies bildet die
Grundlage zum Aufbau einer langfristig orientierten Partnerschaft.
Abb. 3: Vor- und Nachteile von
Produktvorankündigungen
Produktbegleitende Verkaufsförderung
Produktbegleitende Verkaufsförderung unterstützt den
Vertrieb während aller Phasen der Produktvermarktung. In jedem
Industriezweig gibt es verschiedene Themenfelder der produktbegleitenden
verkaufsfördernden Kommunikation, die von den Lieferanten genutzt werden.
Dazu gehören zukünftige technologische Anforderungen
(Zukunftskompatibilität), technologische Anforderungen zur Steigerung der
Kundenorientierung (Flexibilität), Partnerschaftsverhältnisse
(gemeinsame Standards, Entwicklungskooperationen) und
Sicherheitsstandards.
Im Folgenden wird dargestellt, welche produktbegleitenden
Verkaufsförderungsmaßnahmen für innovative Investitionsgüter geeignet
sind und wie diese zur optimalen Unterstützung des Vertriebes eingesetzt
werden können.
Vertriebsaktivitäten
Vertriebsaktivitäten bilden die Grundlage für alle
Aktivitäten der produktbegleitenden Verkaufsförderung. Die grundlegende
Vorgehensweise des Vertriebes kann mit Hilfe des Vertriebstrichters
beschrieben werden. Grundlage aller Vertriebsaktivitäten ist die
Gesamtheit aller potenziellen Kunden. Diese werden entsprechend der
Marktcharakteristika und der Vertriebsstrategie in geeigneter Weise
segmentiert. Die Segmentierung der Kunden gewährleistet eine Steigerung
der Vertriebseffizienz durch Differenzierung der Vertriebsstrategie
entsprechend wichtiger Kundencharakteristika sowie eine optimale
Allokation meist knapper Vertriebsressourcen. Segmentierungskriterien sind
zum Beispiel Kundenpräferenzen, Applikationen, Regionen oder die
Kundengröße. Die eindeutig abgrenzbaren, in sich homogenen
Kundensegmente werden entsprechend ihrer segmentspezifischen
Charakteristika bearbeitet.
Werden die Kunden mit dem beschriebenen idealtypischen Prozess
systematisch zum Kauf geführt, so müssen sie verschiedene
Aktivierungsstufen durchlaufen. Die erste Aktivierungsstufe ist die
allgemeine Aufmerksamkeit auf das Angebot eines Produzenten. In der
zweiten Aktivierungsstufe entwickelt der zukünftige Zielkunde sein
Interesse am Produkt. Die dritte Aktivierungsstufe ist die Entwicklung des
Kaufwunsches, der in den Kauf mündet.
Vertriebsexperten sind mit den einzelnen Aktivierungsstufen der Kunden und
dem Vertriebstrichter vertraut. Drei zentrale Fragen der praktischen
Anwendung bleiben jedoch in vielen Fällen offen:
-
Wie müssen Kunden auf den jeweiligen
Aktivierungsstufen durch verkaufsfördernde Maßnahmen bearbeitet
werden, um sie möglichst effektiv zum Kauf zu führen?
-
Wie muss die Kommunikation zum Kunden den
unterschiedlichen Aktivierungsstufen der Kunden angepasst werden?
-
Wie können verkaufsfördernde Aktivitäten und
Vertriebsaktivitäten so aufeinander abgestimmt werden, dass die
kommunizierten Informationen stets bestmöglich auf die individuellen
Kundencharakteristika ausgerichtet sind?
Eine systematische Anwendung verkaufsfördernder
Maßnahmen bildet die Lösung zu diesen Fragen.

Abb. 4: Allgemeingültige Themen der
verkaufsfördernden Kommunikation
Verkaufsfördernde Maßnahmen haben nichts mit
Preissenkungen zu tun
Bei verkaufsfördernden Maßnahmen für innovative
Investitionsgüter handelt es sich nicht um gelegentliche Preissenkungen.
Gelegentliche Preissenkungen zählen im Investitionsgüterbereich nicht zu
den verkaufsfördernden Maßnahmen und haben im Gegensatz zur
Konsumgüterindustrie eher einen negativen Effekt auf Kunden. Sie
verwirren Kunden, verhindern die Kommunikation von Qualität und
verwässern die beabsichtigte Preispolitik. Statt dessen konzentriert sich
die Verkaufsförderung für innovative Investitionsgüter auf die direkte
Unterstützung des Vertriebes. Dies geschieht durch gezielte
Kommunikation, Aktivierung der Kunden sowie Stärkung der Interaktion
zwischen Produzent und Kunde. Verkaufsförderung dient sowohl der Bindung
bestehender Kunden, der Vertiefung von Partnerschaftsverhältnissen als
auch der Gewinnung neuer Kunden.
Drei Grundlagen der Verkaufsförderung für innovative Investitionsgüter
müssen bei der Planung von Aktivitäten stets beachtet werden:
-
Die gezielte Kommunikation zum Kunden muss auf das
Aktivierungsniveau der Kunden abgestimmt sein. Es macht keinen Sinn,
einen Kunden durch Aufwendung von Ressourcen zum unmittelbaren Kauf zu
animieren, der gerade in der Phase der Aufmerksamkeit auf ein Produkt
ist und noch kein Interesse entwickelt hat.
-
Mit zunehmender Aktivierung der Kunden müssen
verkaufsfördernde Maßnahmen stärker an den individuellen
Notwendigkeiten ausgerichtet sein. Grundsätzliche Aufmerksamkeit auf
das eigene Unternehmen oder Produkt lässt sich mit allgemeinen
segmentübergreifenden Aktivitäten erreichen. Interesse und
Kaufwunsch hingegen lassen sich nur durch persönliche Kontakte und
kundenspezifische Aktionen erreichen.
-
Alle Aktionen der Verkaufsförderung müssen zeitlich
so aufeinander abgestimmt sein, dass der Kunde von der Aufmerksamkeit
auf ein Produkt hin zum Kaufwunsch geführt wird. Dies erfordert die
Koordination und Integration von Vertriebs- und
Verkaufsförderungsaktivitäten.
Konkrete Aktivitäten der Verkaufsförderung sind hier
beispielhaft für den Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus dargestellt
(siehe Abb. 5). Sie sind nach ihrer Wichtigkeit für die unmittelbare
Kaufentscheidung der Kunden geordnet. Die dreizehn dargestellten
Aktivitäten der Verkaufsförderung unterscheiden sich hinsichtlich ihres
Individualisierungsgrades im Kundenkontakt. Individualisierte Maßnahmen
der Verkaufsförderung haben eine hohe Wichtigkeit für die
Kaufentscheidung der Kunden. Zu den individualisierten Maßnahmen zählen
Tests von Maschinen in der kundeneigenen Produktion, Besuche bei
Referenzkunden und der persönliche Kontakt der Kunden zu
Vertriebsrepräsentanten des Produzenten (Prioritäten 1 bis 3).
Abb. 5: Konkrete Aktivitäten der
Verkaufsförderung im Maschinen- und Anlagenbau
Segmentspezifische Maßnahmen der Verkaufsförderung sind
von hoher bis mittlerer Wichtigkeit für die Kaufentscheidung. Zu den
segmentspezifischen Maßnahmen zählen Besuche bei Referenzkunden, der
persönliche Kontakt der Kunden zu Vertriebsrepräsentanten des
Produzenten, Private Shows und Demo-/Test-Center des Produzenten
(Prioritäten 2 bis 5). Allgemeine Aktivitäten der Verkaufsförderung
sind von mittlerer bis niedriger Wichtigkeit für die unmittelbare
Kaufentscheidung. Zu den allgemeinen Maßnahmen zählen Messeauftritte,
Kundenseminare, Broschüren, Artikel, Newsletter, Pressemitteilungen, der
Internetauftritt und Besuche der Fabrik des Produzenten (Prioritäten 6
bis 13).
Die Wichtigkeit und der Individualisierungsgrad der
Verkaufsförderungsmaßnahmen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den
Aktivierungsstufen der Kunden. Allgemeine Aktivitäten der
Verkaufsförderung (keine Individualisierung) sind geeignet, um bei Kunden
Aufmerksamkeit für ein Produkt oder ein Unternehmen zu erzeugen. Sie
haben eine geringe mittelbare Auswirkung auf Kaufentscheidungen.
Segmentspezifische Maßnahmen der Verkaufsförderung (Individualisierung
auf Segmentebene) sind geeignet, um bei Kunden Interesse am Produkt zu
wecken. Sie haben eine mittelbare Auswirkung auf Kaufentscheidungen.
Individualisierte Maßnahmen der Verkaufsförderung (Individualisierung
auf Einzelkundenebene) sind geeignet, um bei Kunden einen Kaufwunsch für
das Produkt zu erzeugen. Sie haben eine unmittelbare Auswirkung auf
Kaufentscheidungen.
Vertrieb und Verkaufsförderung
Vertrieb und Verkaufsförderung müssen den Kunden
gemeinsam von der Aufmerksamkeit zum Kauf führen. Die zuvor beschriebenen
Erkenntnisse werden in einem integrierten Ansatz von Vertrieb und
Verkaufsförderung zusammengefasst. Die Darstellung des integrierten
Ansatzes von Vertrieb und Verkaufsförderung in Abbildung 6 zeigt die
vertrieblichen Ansatzpunkte sowie die dazugehörenden Aktivitäten der
Verkaufsförderung. Es wird deutlich, dass Vertrieb und Verkaufsförderung
zusammen den Kunden von der allgemeinen Aufmerksamkeit zum Kauf führen
müssen.
Wie in der Abbildung des integrierten Ansatzes von Vertrieb und
Verkaufsförderung dargestellt, müssen Messen, Kundenseminare,
Broschüren, Artikel, Newsletter, Pressemitteilungen, der Internetauftritt
sowie Fabrikbesuche auf die Gesamtheit der Kunden ausgerichtet sein. Sie
haben das Ziel, Aufmerksamkeit bei Kunden zu erzeugen (Stufe 1).
Referenzkundenbesuche, persönliche Verkaufsgespräche, Private-Shows und
Demo-/Test-Center bieten sich an, um Interesse bei ausgewählten
Kundensegmenten zu erreichen (Stufe 2). Tests von Maschinen in
kundeneigener Produktion, individualisierte Referenzkundenbesuche und
kundenindividuelle Verkaufsgespräche sind geeignet, um einen konkreten
Kaufwunsch beim Kunden zu entwickeln (Stufe 3).
Alle Phasen des Kaufprozesses können durch eine klare
Kommunikationspolitik des Unternehmens unterstützt werden. Broschüren,
Artikel, Newsletter sowie der Internetauftritt sollten so angelegt sein,
dass sie für alle Aktivitäten der Verkaufsförderung unterstützend
herangezogen werden können. Die Förderung der Interaktion mit den Kunden
steht bei diesen kommunikativen Maßnahmen stets im Vordergrund.
Umsetzung der integrierten Verkaufsförderung
Die Umsetzung der integrierten Verkaufsförderung von
innovativen Investitionsgütern erfordert den konsequenten Einsatz von
sieben zentralen Implementierungsmaßnahmen. Sie lassen sich in einem
konkreten Maßnahmenplan verdichten.
Maßnahme 1:
Jedes Unternehmen sollte verkaufsfördernde Aktivitäten für alle
drei Stufen der Verkaufsförderung entwickeln und umsetzen (allgemeine
Aktivitäten, segmentspezifische Aktivitäten, individualisierte
Aktivitäten). Es reicht nicht aus, sich auf ein oder zwei Stufen zu
spezialisieren. Nachlässigkeiten in einer Stufe lassen sich nicht
effektiv durch Aktivitäten in einer anderen Stufe der Verkaufsförderung
ausgleichen. Zusätzlich können produktvorbereitende Maßnahmen der
Verkaufsförderung, beispielsweise systematische Produktvorankündigungen
für den Gesamtmarkt oder Einzelkunden, implementiert werden.
Maßnahme 2:
Allgemeine Aktivitäten der Verkaufsförderung sollten regelmäßig
durchgeführt werden. Diese Maßnahmen haben das Ziel, Aufmerksamkeit bei
potenziellen Kunden zu wecken sowie Bestandskunden aktiviert zu halten.
Allgemeine Aktivitäten der Verkaufsförderung lassen sich durch die
geringsten Kosten pro Kundenkontakt realisieren und sollten deswegen trotz
ihrer begrenzten unmittelbaren Wichtigkeit für den Kauf nicht
vernachlässigt werden. Sie bilden die Basis für alle weiteren
Aktivitäten.
Maßnahme 3:
Bestandskunden sowie aktivierte potenzielle Kunden müssen segmentiert
werden, um sie entsprechend ihrer Bedürfnisse gezielt weiter bearbeiten
zu können.
Maßnahme 4:
Entsprechend der identifizierten Kundensegmente müssen
segmentspezifische Aktivitäten der Verkaufsförderung entwickelt und
umgesetzt werden. Segmentspezifische Aktivitäten der Verkaufsförderung
beinhalten unter anderem:
-
Einführung eines Referenzkundenprogramms
-
Organisation von Private Shows, die sich auf
ausgewählte Kunden einer Branche oder Region konzentrieren
-
Einrichtung eines Demo-/Test-Centers
-
Entwicklung von segmentspezifischen Präsentationen zu
speziellen Themen.
Derartige Präsentationen können im eigenen Unternehmen
veranstaltet werden oder extern an einem ansprechenden Ort. In der Praxis
erfolgreich ist die Variante der Einladung zu einer Kombination aus
Präsentation und kostenfreiem Messebesuch. Segmentspezifische
Präsentationen lassen sich auch unternehmensneutral gestalten. In diesem
Fall können sie als Seminare angeboten werden und bei den Kunden über
die gezielte Vermittlung von Know-how Interesse am Unternehmen sowie den
Produkten erzeugen.
Maßnahme 5:
Individualisierte Aktivitäten der Verkaufsförderung müssen
entwickelt und umgesetzt werden, um interessierte Kunden zum unmittelbaren
Kauf zu führen. Diese individualisierten Maßnahmen orientieren sich sehr
stark an den jeweiligen Bedürfnissen der Kunden. Beispielhaft kann ein
individualisiertes Verkaufsgespräch, mit dem ein Kunde von der Stufe des
Interesses auf die Stufe des Kaufwunsches geführt werden soll, folgenden
Inhalt haben:
-
Präsentation der Kenntnis der momentanen
Kundenbedürfnisse und damit Demonstration der bisherigen
Partnerrolle,
-
Präsentation der Kenntnis von Markttrends und neuen
Technologien und damit Demonstration der Rolle als Technologieführer,
-
Präsentation der eigenen Unternehmensroadmap /
Diskussion der Kundenroadmap und damit Demonstration der Rolle als
zukünftiger Technologieführer und Ermittlung zukünftiger
Kundenbedürfnisse,
-
Darstellung der Übereinstimmung heutiger und
zukünftiger Kundenanforderungen mit den Stärken und
Wettbewerbsvorteilen des eigenen Unternehmens und damit Demonstration
der zukünftigen Partnerrolle.
Maßnahme 6:
Aktivitäten der Verkaufsförderung sollten nicht auf die hier
aufgezeigten Beispiele beschränkt werden. Jedes Unternehmen hat besondere
Charakteristika und kann dementsprechend die hier dargestellten
Aktivitäten der Verkaufsförderung optimal erweitern.
Maßnahme 7:
Aktivitäten der Verkaufsförderung dürfen nicht mit der normalen
Vertriebstätigkeit verwechselt werden. Integrierte Verkaufsförderung ist
eine Unterstützung der Vertriebstätigkeit zur effektiven und
zielgerichteten Bearbeitung aller Kunden. Sie ist kein Ersatz der
Vertriebstätigkeit.
Durch diese Maßnahmen der integrierten Verkaufsförderung lässt sich die
Wirkung von Mitwettbewerbern im Rahmen von Vertriebsprojekten nachhaltig
schwächen und die Schlagkraft des eigenen Vertriebes erhöhen. Wie im
integrierten Ansatz von Vertrieb und Verkaufsförderung für innovative
Investitionsgüter dargestellt, ist die enge Verknüpfung von Vertrieb und
Verkaufsförderungsaktivitäten eine notwendige Grundlage für den
täglichen Erfolg. Wie wichtig diese Abstimmung der
Verkaufsförderungsaktivitäten mit allen anderen Funktionen des Marketing
ist, zeigt das folgende Beispiel einer misslungenen Produktvorankündigung
sowie anschließend ein Musterbeispiel der erfolgreichen
verkaufsfördernden Kommunikation vor realer Markteinführung eines
Produktes.
Misserfolg bei Verkaufsförderungsmaßnahmen - ein
Beispiel
Werden Verkaufsförderungsmaßnahmen nicht sorgfältig
gemanaged und in den Gesamtprozess der Produktvermarktung eingebunden, so
können sie schnell zum Misserfolg werden. Das folgende Beispiel belegt,
dass unzureichend vorbereitete Maßnahmen der Verkaufsförderung sich wie
ein Bumerang gegen das eigene Unternehmen wenden können. Im Mai 2001
begann BMW mit Produktvorankündigungen für den neuen 7er BMW, der zur
IAA im September 2001 am Markt eingeführt werden sollte. Das Interesse
der Kunden wollte BMW unter anderem mit folgender Aussage wecken: »Das
Internet läuft nicht mehr. Es fährt. BMW bringt als erster
Automobilhersteller der Welt das Internet ins Auto. Möglich wird dies
durch BMW ConnectedDrive - die Vernetzung moderner Kommunikations-,
Informations- und Navigationstechnologie. Im neuen BMW 7er werden Sie mit
diesem System erstmals unterwegs individuell konfigurierte Internetdienste
nutzen können - zum Beispiel interaktive Routenplanung, E-Mail,
Nachrichten, ... Damit macht das erste vernetzte Automobil der Welt Ihre
Internetdaten endlich genauso mobil, wie Sie es sind.«
Diese Produktvorankündigung weckte sicherlich das Interesse vieler
potenzieller Kunden am neuen 7er BMW. Das Internet mobil zu machen,
entsprach dem aktuellen Trend und war geeignet, die Fülle der
Innovationen im neuen 7er darzustellen. Dass diese Information jedoch
nicht für eine langfristige Produktvorankündigung geeignet war, zeigte
die Reaktion von Volkswagen. Einige Wochen nach Anlauf der BMW-Kampagne
verbreitete VW folgende Information: »Wo können Sie den ersten BMW mit
Internet online bestellen? In einem Golf. Während andere davon reden,
haben wir schon mal ein Auto mit Internet gebaut: den Golf eGeneration.«
Obwohl die BMW-Produktvorankündigung dem aktuellen Trend entsprach und
geeignet war, die Fülle der Innovationen im neuen 7er darzustellen, hat
BMW einen wichtigen Aspekt von Produktvorankündigungen missachtet: das
Verhältnis von zeitlichem Vorlauf sowie Art und Umfang der kommunizierten
Informationen. Dies machte es VW relativ leicht, die durch BMW geschaffene
Aufmerksamkeit am Markt für sich zu nutzen.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass Verkaufsförderungsmaßnahmen in den
gesamten Marketing-Mix sorgfältig eingebunden werden müssen. Dazu
gehört natürlich auch die Analyse der Wettbewerber, um, wie im Beispiel
BMW, Aktionen zu vermeiden, die durch Wettbewerber in einfacher Weise
zunichte gemacht werden können.
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Die fehlenden Abbildungen 6, 7, 8 und 9 entnehmen Sie bitte der Digitalen Fachbibliothek "Das innovative Unternehmen".
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