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- Leseprobe -
Globalisierung für kleinere und mittelere Betriebe am Beispiel der Maschinenbaubranche
von Günter Spur, Jens Nackmayr
Stichworte: Handlungsempfehlungen für
den Globalisierungsprozeß, Die
Unternehmensführung als gestaltendes Element: Bedeutung einer globalen
Unternehmensstrategie, Kooperative Wertschöpfungsprozesse,
Personalmanagement, Globalisierungspotentiale
betrieblicher Teilfunktionen im Maschinenbau: Absatz,
Service, Beschaffung, Fertigung,
Forschung und Entwicklung
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In
diesem Beitrag erfahren Sie:
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in welchen Entwicklungsstufen sich die Globalisierung eines
Unternehmens vollziehen kann,
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wie Kooperationen organisiert sind und welche Unternehmen
sich dazu besonders eignen,
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über welche Qualifikationen Auslandsvertreter verfügen
sollten,
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was Unternehmen im Absatz- und im Service-Bereich tun
können, um international präsent zu sein,
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was für und was gegen die Globalisierung von Beschaffung,
Fertigung und F&E spricht.
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Globalisierte
Produktion als Antwort auf den weltweiten Wandel
Nach einer langen Erfolgsperiode gerieten eine Reihe deutscher Industriebranchen,
darunter der Maschinenbau, Anfang der neunziger Jahre unter massiven Druck. Als Auslöser
für die Verschärfung der wirtschaftlichen Situation können verschiedene, auf
unterschiedlichen Ebenen ansetzende Entwicklungen identifiziert werden. So ist zum einen
ein Rückgang der volkswirtschaftlichen Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes, dem
wichtigsten Abnehmer von Maschinenbauerzeugnissen, festzustellen. Besonders die
Inlandsnachfrage für Maschinenbauprodukte ließ Anfang der neunziger Jahre spürbar nach.
Während der letzten Rezession wurden in der inländischen Industrie
nennenswerte
Kapazitäten abgebaut, allein in Deutschland (West) etwa fünf bis zehn Prozent [8].
Eine andere Entwicklung stellt qualitativ neue Anforderungen an die Unternehmen: die
Globalisierung
wirtschaftlicher Aktivitäten. Auch wenn der Globalisierungsprozeß kein wirklich
neues wirtschaftliches Element darstellt, scheinen sich gerade in jüngster Zeit zum Teil
tiefgreifende Veränderungen in der Unternehmensumwelt zu ergeben. Besonders die
auslandsorientierten deutschen Maschinenbauunternehmen benötigen neue Strategien und
Konzepte, um dauerhaft ihre Wettbewerbsposition zu sichern.
Der deutsche Maschinenbau besitzt aufgrund seiner weltweit einsetzbaren Produkte und der
oft vorhandenen technischen Wettbewerbsvorteile in fast allen Fachzweigen große
»Globalisierungspotentiale«. Wie an der traditionell starken Exportorientierung zu
erkennen ist, nutzen bereits viele deutsche Unternehmen unterschiedliche
Vertriebsmöglichkeiten, um ihre Produkte auf den Weltmärkten abzusetzen. Die
Exporterfolge dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß eine Belieferung der
Auslandsmärkte von Deutschland aus unter den veränderten Bedingungen häufig nicht mehr
genügt. Internationale Anwender wollen zunehmend die Präsenz des
Maschinenherstellers am Einsatzort.
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Der
Maschinenbau, eine mittelständische Branche
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Im deutschen Maschinenbau
waren 1996 knapp 1 Million Menschen beschäftigt, der Umsatz betrug rund 235 Milliarden
DM. Aufgrund seiner weltweit einmaligen technologischen Breite ist er in 16 von 33
Fachzweigen Weltmarktführer. Die Exportquote von 63 Prozent unterstreicht die große
Bedeutung der Auslandsmärkte für die Maschinenbaubranche. Der Maschinenbau gehört zu
den großen Branchen der deutschen Industrie, von denen zusätzlich starke indirekte
Beschäftigungswirkungen durch einen hohen Verflechtungsgrad mit anderen Branchen ausgeht.
Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Maschinenbau mittelständisch strukturiert. Der
Großteil der Unternehmen - über 90 Prozent - besteht aus kleinen und mittleren Betrieben
mit bis zu 500 Mitarbeitern [7, 8].
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Handlungsempfehlungen
für den Globalisierungsprozeß
Zur Erschließung neuer Absatzmärkte sowie zur Nutzung der weltweit günstigsten
Produktionspotentiale müssen Maschinenbauunternehmen ihre bestehende
Organisationsstruktur in ein Netzwerk aus eigenen Auslandsniederlassungen und
internationalen Kooperationen einbinden. Die Entscheidung, in welchen Bereichen mittels
Direktinvestitionen oder in Form von Kooperationen eine Ausweitung der
Unternehmensaktivitäten vorgenommen werden soll, hängt für jedes Unternehmen von den
strategischen Zielsetzungen sowie von den spezifischen Rahmenbedingungen des
Einzelunternehmens ab.
Einen einheitlichen und sicheren Weg zum globalisierten Unternehmen gibt es nicht.
Dennoch sind nach-folgend allgemeine Handlungsempfehlungen aufgezeigt, die die
wesentlichen Aspekte der Globalisierung zusammenfassen [4]:
-
Unternehmensziel »Weltmarktführer« formulieren und zum zentralen Bestandteil der
Unternehmensphilosophie erheben;
-
Ausweitung der bisherigen Nischenorientierung auf eine Weltmarktorientierung;
-
konsequente Nutzung von internationalen Standortvorteilen für möglichst alle
Unternehmensfunktionen in bezug auf Kosten, Wissen und die Nähe zum Anwender
beziehungsweise zum Zulieferer;
-
aktive Suche nach Konkurrenz mit den weltbesten Wettbewerbern;
-
lokale Präsenz in ausländischen Märkten durch eigene Tochtergesellschaften oder
gemeinsam mit anderen Unternehmen anstreben;
-
Kontakte und Geschäftsbeziehungen auch zu internationalen Anwendern möglichst selbst
wahrnehmen;
-
Kooperationsbeziehungen zu ausländischen Unternehmen und Institutionen in den
Zielmärkten verstärken;
-
Konzentration vor allem auf die Triademärkte USA, Europa und Japan sowie auf die neuen
Wachstumsregionen im asiatischen Raum;
-
internationale Zusammenarbeit vor allem mit Unternehmen, die komplementäre Produkte
anbieten und keine direkte Konkurrenz darstellen;
-
Zeitrahmen für erfolgreiche Geschäftsabschlüsse realistisch einschätzen und keine
schnellen Ergebnisse erzwingen;
-
Führungskräftestamm mit Fremdsprachenkenntnissen, Auslandserfahrung und Fähigkeiten
im interkulturellen Management aufbauen und pflegen;
-
Ausländische Mitarbeiter als Führungskräfte im Stammhaus und in den
Auslandsniederlassungen beschäftigen;
-
Produktgestaltung auf globale Anforderungen ausrichten, länderspezifische Anpassung
weitestgehend minimieren;
-
gemeinsame Strategieentwicklung von Stammhaus und Tochtergesellschaften zur Entwicklung
einer globalen Unternehmenskultur;
-
Vermeidung von Doppeltätigkeiten durch Vereinheitlichung von Geschäftsprozessen und
weitestgehende Zentralisation von Entscheidungen und Funktionen; Durchgriff der
Konzernleitung auf die Tochtergesellschaften.
Firmen, die aufgrund fehlender Auslandserfahrungen oder wegen mangelnder
wirtschaftlicher und personeller Kapazitäten den Aufbau eigener Auslandsniederlassungen
nicht im Alleingang bewältigen wollen oder können, haben die Möglichkeit zu
Kooperationen mit in- und ausländischen Partnern. Ein gemeinsames Auftreten kann neben
Mengen- und Kostenvorteilen auch zu Wettbewerbsvorteilen durch ein erweitertes Produkt-
und Dienstleistungsangebot führen.
Die Globalisierung vollzieht sich im allgemeinen in mehreren Phasen. Die Analyse und
Bewertung der einzelnen Globalisierungspotentiale führt zu einer Darstellung
tendenzieller Stufen des Globalisierungsprozesses, die von einer ortsgebundenen
Produktion auf dem Weg zum globalen Unternehmen durchlaufen werden können. Die
Reihenfolge der einzelnen Globalisierungsstufen ergibt sich aus einer qualitativen
Abschätzung der Chancen und Risiken für die einzelnen Unternehmensfunktionen. Da der
Globalisierungsprozeß von jedem Unternehmen individuell gestaltet werden
muß, sind
Abweichungen von dieser Staffelung möglich.
Zur Ausweitung der Absatzmengen sowie zur Aufnahme langfristiger und direkter
Anwenderkontakte im Ausland wird auf der ersten Stufe die Absatzfunktion
globalisiert. In einem zweiten Schritt sollte dann der Aufbau eines Servicenetzes
folgen. Die ständige Präsenz von Servicemitarbeitern und Ersatzteilen vor Ort stellt
häufig eine wichtige Voraussetzung für das erfolgreiche Verkaufen von Maschinen im
Ausland dar.
Da auch anspruchsvolle Anwender in anderen Teilen der Erde oft die Quelle für
Innovationen und Produktverbesserungen sind, kann die Errichtung von Sondierfunktionen
für Forschung und Entwicklung in unmittelbarer Nähe der wichtigsten Anwender
sinnvoll sein. Diese Sondiereinrichtungen lassen sich häufig gut mit den bereits
vorhandenen Absatz- oder Servicebereichen kombinieren.
Ein weiterer Schritt ist die Errichtung von Fabriken zur Endmontage in den
wichtigsten Zielmärkten. Durch die Ergänzung der wesentlichen Maschinenkomponenten mit
Komponenten lokaler Zulieferer sowie durch die Endmontage vor Ort können Transport-,
Material- und Personalkosten reduziert und das internationale Firmenimage verbessert
werden.
Mit der fünften Globalisierungsstufe wäre die Beschaffung ins Ausland zu
verlagern. Dieser Schritt erscheint jedoch nur sinnvoll, wenn aus der unmittelbaren Nähe
zu einem regionalen Beschaffungsmarkt im Ausland deutliche wirtschaftliche Vorteile für
die Produktion erwachsen. Mit Hilfe der zur Zeit verfügbaren Informations- und
Kommunikationstechnik kann ein globales Beschaffungsmanagement, ausreichend qualifiziertes
Personal vorausgesetzt, auch vom Stammhaus aus erfolgreich betrieben werden.
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Tabelle
1: Tendenzielle Stufen des Globalisierungsprozesses [4]
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1. Stufe Globalisierung der
Absatzfunktion
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2. Stufe Globalisierung der
Servicefunktion
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3. Stufe Globalisierung von
Sondierfunktionen für Forschung und Entwicklung
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4. Stufe Globalisierung der
Endmontage
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5. Stufe Globalisierung der
Beschaffung
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6. Stufe Globalisierung der
Fertigung
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7. Stufe Globalisierung der
Forschung und Entwicklung
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Der Aufbau zusätzlicher Fertigungsstandorte im Ausland ist äußerst
kostenintensiv. Mengenvorteile und Erfahrungs- und Lernkurveneffekte einer zentralisierten
Fertigung können durch die Kostenvorteile einer Auslandsproduktion nicht immer
kompensiert werden. Die sechste Stufe stellt aufgrund der hohen Kosten sowie wegen der
zentralen Bedeutung des Fertigungsbereiches für das Gesamtunternehmen einen Quantensprung
innerhalb des Globalisierungsprozesses von Maschinenbauunternehmen dar.
Dem Forschungs- und Entwicklungsbereich kommt als Innovationsquelle besonderes Gewicht
für die wirtschaftliche Entwicklung von Maschinenbauunternehmen zu. Neben Aspekten der
Geheimhaltung und der Nähe zu Unternehmensführung und Fertigung sprechen die hohen
Kosten zusätzlicher Forschungs- und Entwicklungsniederlassungen, die relativ homogenen
Anforderungen der internationalen Anwender sowie die Qualität deutscher Ingenieure und
Naturwissenschaftler für den Verbleib des Forschungs- und Entwicklungsbereiches im
Stammhaus.
Die
Unternehmensführung als gestaltendes Element des Globalisierungsprozesses
Die Herstellung von Maschinen und die damit verbundenen Produktionsprozesse unterliegen
einem Wandlungsprozeß, der vor allem aufgrund in der Einleitung beschriebener
wirtschaftspolitischer Veränderungen an Bedeutung für das Einzelunternehmen gewinnt.
Durch die Globalisierung der Wirtschaft eröffnen sich Chancen auf ungesättigte
Absatzmärkte sowie auf günstige Bedingungen für die Produktion von Gütern und
Dienstleistungen. Es wird zunehmend leichter, dort zu produzieren, wo die
Produktionsfaktoren am billigsten oder deren Kombination am erfolgversprechendsten ist.
Viele deutsche Maschinenbauunternehmen stehen erst am Anfang einer aktiven
Auseinandersetzung mit den beschriebenen Phänomenen. Die Geschwindigkeit, mit der sich
technische oder wirtschaftliche Entwicklungen weltweit durchsetzen und damit direkten
Einfluß auf die Wettbewerbsposition deutscher Maschinenhersteller ausüben, wird
vermutlich bereits in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. Unternehmen, die auch
zukünftig erfolgreich im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, müssen sich
intensiv mit diesem Wandlungsprozeß auseinandersetzen und angemessene Konzepte zur
Reaktion entwickeln.
Bei der ortsgebundenen Maschinenproduktion sind die Geschäftsprozesse überwiegend
regional zentriert, die Produktion erfolgt ohne nennenswerte Kooperationen mit anderen
Unternehmen oder Institutionen. Die wichtigen Absatzmärkte liegen im regionalen Umfeld,
die Marktdurchdringung bezogen auf den potentiellen Weltmarkt ist gering. Unternehmen, die
auf diese Weise Maschinen herstellen und vertreiben, schöpfen nur zu einem Bruchteil die
bestehenden Marktpotentiale aus und können wegen der kleinen Produktionsstückzahlen
keine mengenbedingten Kostenvorteile nutzen.
Auf der Stufe der internationalisierten Produktion sind einzelne Geschäftsprozesse
durch Direktinvestitionen im Ausland international organisiert, vornehmlich Absatz- und
Servicefunktionen. Die Unternehmen kooperieren mit einer kleinen Anzahl von Unternehmen
oder Institutionen zur Optimierung ihrer Wertschöpfungsprozesse durch Einbindung von
externem Wissen. Die in einzelnen Auslandsmärkten angebotenen Produkte werden unter
relativ hohem Bearbeitungs- und Kostenaufwand an die länderspezifischen Anforderungen
angepaßt, die Marktdurchdringung ist durch eine Präsenz vor Ort in ausgewählten
Ländern im Vergleich zur regionalen Produktion erheblich verbessert.
Die globalisierte Produktion nutzt weltweit die günstigsten
Produktionskapazitäten und erschließt möglichst alle potentiellen Absatzmärkte. Sie
strebt auf dem Weg einer tendenziellen Standardisierung von Produktion und Produkten nach
einer Integration und einer möglichst weitgehenden Zentralisierung von Entscheidungen und
Funktionen. Dazu errichten globalisierte Unternehmen ein Netzwerk, bestehend aus eigenen
Auslandsniederlassungen und internationalen Kooperationen zur Optimierung der gesamten
Wertschöpfungskette. Durch die Erhöhung der Produktions- und Absatzmengen sowie durch
eine Vereinheitlichung von Geschäftsprozessen im global vernetzten Unternehmen können
Mengenvorteile erzielt und Kosten durch Vermeidung von Doppeltätigkeiten eingespart
werden [10].
Der beschriebene Wandel verdeutlicht, vor welchen tiefgreifenden Umgestaltungsprozessen
viele Maschinenbauunternehmen in absehbarer Zukunft stehen. Das Ziel, sich zu einem
globalisierten Unternehmen zu entwickeln, gilt prinzipiell für alle Unternehmen. Dabei
ist es zunächst unerheblich, wieviele Mitarbeiter in einem Unternehmen zur Zeit
beschäftigt sind oder wie hoch der Jahresumsatz ist. Auslandsinvestitionen und die
Einbindung internationaler Partner in die eigenen Wertschöpfungsprozesse sind als normale
Instrumente im Wachstumsprozeß von Unternehmen zu begreifen und zu nutzen.
Bedeutung einer globalen Unternehmensstrategie
Eine wesentliche Grundvoraussetzung für weltweiten Erfolg sind klare
Ziele und Visionen. Anfang und Grundlage von unternehmerischem Erfolg im internationalen
Wettbewerb ist das Ziel, Marktführer zu werden, idealerweise sogar Weltmarktführer. Nur
mit einem klaren Ziel, einer langfristigen Vision sowie einer äußerst starken
Entschlossenheit und dem Willen, dieses Ziel über Jahrzehnte zu verfolgen, kann eine
führende Position aufgebaut und gehalten werden [5].
Die meisten Maschinenbauunternehmen bieten hochspezialisierte Produkte und Leistungen für
einen relativ begrenzten, stark fokussierten Markt an. Diese enge Marktfokussierung
beinhaltet die Gefahr, daß der betreffende Markt zur Erzielung von Mengenvorteilen zu
klein wird. Dieser Nischengefahr können die Unternehmen entgehen, indem sie ihren Markt
in regionaler Hinsicht ausdehnen. Die erfolgreiche Kombination einer Spezialisierung
bezüglich der Produkte einerseits und der globalen Vermarktung andererseits wird dadurch
möglich, daß Anwender von einzelnen Maschinenbauprodukten tendenziell über
Ländergrenzen hinweg ähnlicher sind als Anwender in verschiedenen Branchen eines Landes
[5].
Ein weiteres wichtiges Argument für eine Globalisierung von Unternehmensfunktionen ist,
daß die Beziehungen zu den Maschinenanwendern möglichst nicht an fremde Unternehmen
delegiert werden sollten. Um die Anwenderkontakte direkt wahrnehmen zu können, ist daher
anzustreben, in allen wichtigen Märkten eigene Niederlassungen zu errichten. Darüber
hinaus erlaubt nur eine globale Wettbewerbsstrategie, Wettbewerber nirgendwo auf der Welt
in Ruhe zu lassen, errungene Marktanteile vor Ort direkt zu verteidigen und auf diese
Weise neue Konkurrenten gar nicht erst aufkommen zu lassen [5, 10].
Als Kernziele einer globalen Strategie für Maschinenbauunternehmen sind folglich zu
nennen:
-
Erschließung neuer Absatzmärkte,
-
Schaffung eines weltweiten Servicenetzes,
-
Verbesserung der Kostenstruktur durch Mengen- und
Standortvorteile,
-
Sicherung von Know-how und Zugriff auf weltweite Innovationsquellen sowie
-
Besetzung strategischer Marktpositionen zur Bekämpfung der Konkurrenz.
Eine erfolgreiche Globalisierung von Unternehmensfunktionen ist nicht möglich ohne
tiefgreifende Veränderungen der Unternehmensorganisation und Unternehmensstruktur.
Maschinenbauunternehmen, die erstmals Unternehmensfunktionen ins Ausland verlagern oder
internationale Kooperationen eingehen, vollziehen durch diesen Schritt in der Regel auch
einen Wandel zu flexibleren und offeneren Geschäftsprozessen.
Kooperative
Wertschöpfungsprozesse
Die Umsetzung einer globalen Unternehmensstrategie ist besonders für die vielen kleinen
und mittleren Maschinenbauunternehmen im Alleingang kaum zu bewältigen. Fehlende
Finanzmittel und unzureichende personelle Kapazitäten hindern die Unternehmen daran, sich
über das regionale Umfeld hinaus zu bewegen und dauerhaft in Wachstumsregionen außerhalb
Europas Fuß zu fassen. Kooperationen mit in- und ausländischen Unternehmen und
Institutionen sind hier oft der einzige pragmatische Lösungsweg.
In einem von hartem Konkurrenzkampf geprägten Wettbewerbsumfeld sind Kooperationen
häufig zum Scheitern verurteilt. Doch gerade hier bietet die Heterogenität der
Maschinenbaubranche gute Chancen für gemeinsame Aktivitäten von Unternehmen, die
aufgrund ihrer unterschiedlichen Produktpalette keine direkten Konkurrenten sind. Ein
Zusammenschluß von Unternehmen mit komplementären Produkten und Leistungen ermöglicht
zusätzlich die Erweiterung und Vervollständigung des Angebotsspektrums.
Es gilt daher, den Kontakt und die Zusammenarbeit mit anderen Fachzweigen sowie mit
anderen Branchen zu intensivieren und auf Potentiale zur Kooperation zu prüfen. Dabei
sind in verstärktem Maße auch ausländische Unternehmen und Institutionen in den Kreis
möglicher Kooperationspartner einzubeziehen.
Kooperationen stehen grundsätzlich allen Unternehmen offen und schaffen neue
Entwicklungschancen auch für kleine und mittlere Unternehmen. Die Aufspaltung des
Wertschöpfungsprozesses großer Industrieunternehmen bewirkt, daß viele Arbeiten ausgelagert werden, und zwar an kleinere Unternehmen, die
allerdings hoch spezialisiert, gut geführt und technologisch wie kaufmännisch autark
sein müssen. Auf diese Weise verändert sich das traditionelle Verhältnis zwischen
großen und kleinen Unternehmen. Es handelt sich nicht mehr um eine einseitige
Lieferantenbeziehung, sondern um eine echte synergetische Integration ohne die Fesseln
technologischer oder administrativer Unterordnung.
Unter diesen Bedingungen kann auch das kleine Maschinenbauunternehmen in einer Strategie
der globalen Kooperation außergewöhnliche Entwicklungschancen finden. Im übrigen gilt,
daß eine internationale Ausrichtung jedem Unternehmen, unabhängig von seiner Größe,
einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bietet. Die internationale Erfahrung ist nicht
eine bloße Ergänzung zur Bearbeitung des heimischen Marktes, sie ist vielmehr eine
Antwort auf die Globalisierung der grenzüberschreitenden Märkte. Für jene kleinen
Unternehmen, die ihre gegenwärtige Unternehmensgröße nicht als Dauerzustand, sondern
als Durchgangsphase auf dem Wachstumspfad ansehen, wird die Suche nach Verbindungen mit
internationalen Perspektiven zu einem entscheidenden Wachstumsfaktor.
Doch auch ohne eine Einbindung in die Wertschöpfungskette von Großunternehmen bieten
Kooperationen kleinen und mittleren Maschinenbauunternehmen Möglichkeiten zur Erweiterung
und Verbesserung ihrer Unternehmenstätigkeit. So sollten Leistungen, die langfristig
nachgefragt werden und sich durch geringe Komplexität auszeichnen, durch Teilezulieferung
abgedeckt werden. Hierbei hat der Zulieferer aufgrund der geringen Änderungen klar
definierter Anforderungen die Möglichkeit, seine Leistungen auf die Bedürfnisse des
Abnehmers auszurichten. Eine Spezialisierung aufgrund von Mengenvorteilen ermöglicht dem
Zulieferer, die Leistung wirtschaftlicher zu erstellen, als dies dem Abnehmer möglich
wäre [3].
Zu kooperativen Wertschöpfungsprozessen finden sich verschiedene Partner für die
Bearbeitung wechselnder Aufgabenstellungen zusammen, die auf unterschiedliche Weise
Aspekte des Absatzes, des Service, der Forschung und Entwicklung, der Fertigung oder der
Finanzierung erfassen können. Dabei sollen sich die jeweiligen Stärken ergänzen. Die
Partner qualifizieren sich für die kooperative Wertschöpfung über ihre spezifischen
Erfahrungen und die Beherrschung ihrer Kernkompetenzen. Um erfolgreich kooperieren zu
können, ist eine Anpassung des jeweiligen Leistungsangebotes an die Leistungsangebote,
Anforderungen, Arbeitsweisen und Erfahrungen der Partner erforderlich. Dies setzt den
Willen und die Bereitschaft zur Anpassung voraus [3].
Personalmanagement
Unverzichtbar für die erfolgreiche Umsetzung einer globalen
Unternehmensstrategie im Maschinenbau ist das Vorhandensein qualifizierter und motivierter
Mitarbeiter. Die weltweite Angleichung von Fähigkeiten und Ausbildung konkurrierender
Unternehmen führt dazu, daß den moralischen Größen im Unternehmen, der Motivation und
Einsatzbereitschaft jedes einzelnen Mitarbeiters eine zentrale Bedeutung zukommt. Neben
den Fähigkeiten des Managements wird der Unternehmensgeist zu einer
wettbewerbsentscheidenden Größe.
Anpassung und Erweiterung von Mitarbeiterqualifikationen sind in allen
Unternehmensbereichen erforderlich. Im Rahmen der voranschreitenden Globalisierung werden
verstärkt Mitarbeiter mit Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnissen benötigt.
Zunehmend wird die Globalisierung auch soziale Kompetenzen in der interkulturellen
Zusammenarbeit erfordern. Während es früher noch möglich war, einen
Stammhausmitarbeiter, der sich in der Heimat bewährt hatte und zumindest über einige
Kenntnisse der Sprache des Gastlandes verfügte, ins Ausland zu senden, so stellt eine
solche Personalentscheidung heute oft ein Risiko dar.
Die erfolgreiche Tätigkeit im Ausland erfordert von einem delegierten Mitarbeiter
umfassende Kenntnisse der verschiedenen Regelungen vor Ort und die kontinuierliche
Anpassung dieses Wissens, hervorragende Sprachkenntnisse sowie die Begabung für den
Umgang mit anderen Kulturen. Es ist bekannt, daß deutsche Führungskräfte, besonders in
kleinen und mittleren Unternehmen, vielfach noch weit davon entfernt sind.
Aufgrund weltweit existierender nationaler und kultureller Unterschiede im
Arbeitsverhalten der Menschen gibt es keinen einheitlichen Managementstil, der
zwangsläufig zum Erfolg führt. Die Bedeutung der Anpassungsfähigkeit des einzelnen
Managers wie des gesamten Unternehmens wird durch die zunehmende Sensibilisierung des
Selbstverständnisses der einzelnen Wirtschaftskulturen noch verstärkt.
Globalisierungspotentiale
betrieblicher Teilfunktionen
Absatz
Dem Unternehmensbereich Absatz kommt im Rahmen des Globalisierungsprozesses meist eine
Vorreiterrolle zu. Zur Ausweitung der Absatzmengen sowie zu einer ersten Kontaktaufnahme
mit internationalen Anwendern können Maschinenbauunternehmen unterschiedliche Wege
beschreiten, um ihre Produkte und Leistungen auch außerhalb bekannter Abnahmebeziehungen
bekannt zu machen und zu verkaufen. Neben der zeitlich stark begrenzten Präsenz auf
internationalen Messen und Ausstellungen sollten die Unternehmen versuchen,
längerfristige Absatzbeziehungen zu den interessanten Zielmärkten aufzubauen.
Besonders kleine und mittlere Maschinenbauunternehmen unterhalten nur selten eigene
Absatzniederlassungen. Aufgrund zu geringer Verkaufsmengen in Relation zu den
Unterhaltskosten einer eigenen Niederlassung oder wegen fehlender Risikobereitschaft
nutzen sie häufig die Dienstleistungen von Absatzmittlern vor Ort. Als Absatzmittler
können eingesetzt werden:
Bei der Entscheidung, welche Absatzmöglichkeiten zur Anwendung kommen, werden häufig
die finanziellen Aspekte den strategischen Erfordernissen übergeordnet. Von strategisch
zentraler Bedeutung für den weltweiten Unternehmenserfolg ist der direkte Kontakt zu
potentiellen Anwendern. Zusätzliche Vorteile von eigenen Absatzmitarbeitern im Zielmarkt
sind der positive Einfluß auf das Firmenimage sowie eine unmittelbare
Informationsgewinnung.
Darüber hinaus ist gerade für die häufig komplizierten, erklärungsbedürftigen
Produkte des Maschinenbaus eine Präsenz vor Ort besonders wichtig. Unabhängige
Handelsvertretungen besitzen in der Regel nicht das notwendige Wissen, um den potentiellen
Anwendern das Produkt genau erklären und die wesentlichen Vorzüge herausarbeiten zu
können. Oft fehlt es zusätzlich an Motivation und Konzentration auf das einzelne
Produkt, da Handelsvertreter häufig für mehrere Unternehmen gleichzeitig arbeiten und so
die Produkte nicht immer mit hundertprozentigem Einsatz vertreten.
Absatzkooperationen
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Vorteile eigener Absatzmitarbeiter in
globalstrategischen Märkten sollten
auch kleine und mittlere Maschinenbauunternehmen dazu übergehen, den Absatz zu
globalisieren. Finanzielle und personelle Engpässe sowie bestehende Risiken können durch
das Eingehen von Absatzkooperationen umgangen werden. Maschinenbauunternehmen, die mit
anderen Unternehmen gemeinsame Absatzniederlassungen aufbauen, sollten keine Konkurrenten
sein und im Idealfall komplementäre Produkte anbieten. Zur Erreichung der kritischen
Umsatzmenge darf auch der Verkauf von Fremdfabrikaten für eine weltweite
Absatzorganisation kein Tabu sein.
Wie bei Kooperationsbemühungen in den anderen Unternehmensfunktionen sollten im
Absatzbereich internationale Kooperationspartner bei der Auswahl berücksichtigt werden.
In den ausländischen Absatzniederlassungen sollten in jedem Fall einheimische Mitarbeiter
beschäftigt werden, da diese nicht nur mit der Sprache und den kulturellen Bedingungen
des Marktes vertraut sind, sondern auch für ein positives internationales Image des
Unternehmens sorgen können.
Service
Angesichts vorhandener Kostennachteile ist eine Positionierung deutscher
Maschinenbauprodukte über den Preis nur in seltenen Fällen möglich. Die
Leistungsfähigkeit und Qualität des Servicebereiches wird beim Verkauf von
Maschinenbauprodukten zunehmend zu einem zentralen Bewertungskriterium. Tatsächlich
bietet der Servicebereich gute Voraussetzungen, zu einem Wettbewerbsvorteil ausgebaut zu
werden, da er einen Unternehmensbereich mit kontinuierlichem Anwenderkontakt darstellt.
Durch die hohe Kontakthäufigkeit bietet er die Chance zum Aufbau von Anwenderloyalität
und Folgegeschäften und wirkt damit als dynamische Marktschranke für die Konkurrenz. Mit
dem direkten Anwenderkontakt wird ein Informationsrückfluß des Anwenders über eigene
Produkte und die der Konkurrenz ermöglicht. Damit ist der Service ein Ansatzpunkt für
Fehlerentdeckung und legt mögliche Innovationsrichtungen im Sinne des Anwenders nahe.
Maschinenbauunternehmen, die ihren Anwendern ein weltweit engmaschiges Servicenetz
anbieten können, das schnell und zuverlässig Störungen bei Maschinen und Anlagen
beseitigt, besitzen gegenüber Konkurrenten ohne ein solches Servicenetz einen bedeutenden
Wettbewerbsvorteil. Zusätzlich gewinnen die Schulung von Bedienpersonal und einheimischen
Servicemitarbeitern vor Ort sowie eine intensive technische Betreuung und Beratung der
Anwender an Bedeutung. Diese Servicedienstleistungen müssen in der Regel lokal erbracht
werden.
Vom Stammhausservice zur ständigen Präsenz vor Ort
Neben technischen Serviceleistungen, die mit einem direkten Arbeitseinsatz an den
betroffenen Maschinen verbunden sind, können andere Servicebereiche unter Ausnutzung
innovativer Informations- und Kommunikationstechniken im Stammhaus verbleiben oder global
ausgegliedert werden. Beispiele hierfür sind dezentrale Prozeßsteuerung und -kontrolle,
Ferndiagnose oder Fehlerfrüherkennung über das Internet sowie ein internationaler
24-Stunden-Notruf.
Die Globalisierung von technischen Servicefunktionen kann bis zu einem gewissen Grad durch
Reisen von Stammhausmitarbeitern zu den internationalen Anwendern abgedeckt werden. Ein
weiterer Schritt ist die zeitweilige Entsendung von Servicemitarbeitern aus dem Stammhaus
ins Ausland. Ein häufiges und vor allem schnelles Eingreifen erfordert jedoch meist die
ständige Präsenz von Servicemitarbeitern und Ersatzteilen vor Ort. Darüber hinaus
vermittelt das Vorhandensein einer lokalen, technisch kompetenten Serviceniederlassung dem
Anwender ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit und untermauert die Bedeutung des
Anwenders und der Region für das Unternehmen.
Globale
Service-Kooperationen
Der Aufbau eines eigenen Servicenetzes in wichtigen Zielmärkten ist
aufwendig und für viele kleine und mittlere Maschinenbauunternehmen nicht im Alleingang
zu bewältigen. Ist für ein Unternehmen eine kombinierte Auslandsniederlassung mit
eigenen Absatz- und Servicemitarbeitern unrentabel, bleibt die Möglichkeit zur
Kooperation mit anderen Unternehmen. Ferner unterstützen einzelne Landesregierungen den
Aufbau von Handels- und Dienstleistungszentren im Ausland, von denen aus deutsche
Maschinenbauunternehmen kostengünstig operieren können.
Für den Servicebereich gilt wie für die anderen Unternehmensaktivitäten: Beziehungen zu
Anwendern sollten möglichst selbst wahrgenommen werden. Die Kooperation mit anderen
Unternehmen ist oftmals nur der zweitbeste Weg. Doch zur Erzielung internationaler
Wettbewerbsvorteile kann es sinnvoller sein, ein globales Servicenetz mit anderen
Unternehmen gemeinsam aufzubauen und zu unterhalten, als dem potentiellen Anwender keine
Serviceniederlassung in seiner unmittelbaren Nähe nennen zu können.
Beschaffung
Für viele Unternehmen liegt der Hauptgrund einer globalen Beschaffung darin, die
teilweise erheblichen länderspezifischen Unterschiede beim Herstellkostenniveau
auszunutzen. Die Materialkosten können durch den Einkauf zu den jeweils günstigsten
Preisen auf internationalen Beschaffungsmärkten erheblich reduziert und dadurch
Standortnachteile kompensiert werden. Ein weiterer Grund für globale
Beschaffungsaktivitäten liegt in der Notwendigkeit, im Inland fehlende
Rohstoff-Ressourcen direkt am ausländischen Markt zu beziehen. Zur Sicherung der
Materialversorgung kann eine weltweite Ausrichtung der Beschaffung unerläßlich sein.
Globale Beschaffungsmärkte aktiv zu nutzen, bedeutet jedoch nicht nur, von kurzfristigen
Kostenvorteilen, sondern langfristig von der größer gewordenen Transparenz des
Weltmarktes zu profitieren. Ein globales Beschaffungsmanagement gibt
Maschinenbauunternehmen die Möglichkeit, den weltweiten Fortschritt, das Know-how von
Lieferanten sowie die Stärken und Schwächen der verschiedenen Beschaffungsmärkte zu
vergleichen und dadurch nicht nur die Kosten des Beschaffungsobjektes zu verringern,
sondern auch die Qualität der Produkte zu verbessern [9].
Mitarbeiterqualifizierung
Beabsichtigt ein Maschinenbauunternehmen, globales Beschaffungsmanagement zukünftig zu
einem festen Bestandteil seiner Unternehmensstrategie zu machen, sind die betroffenen
Mitarbeiter auf die neuen Aufgaben durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen vorzubereiten.
Die Anforderungen beschränken sich nicht auf die Beherrschung der englischen Sprache.
Gefragt sind umfassend qualifizierte Mitarbeiter mit ausgeprägten kommunikativen
Fähigkeiten und interkulturellen Erfahrungen. Auch wenn diese Forderung
selbstverständlich klingt, in der betrieblichen Praxis stellt die mangelnde Qualifikation
häufig ein zentrales Problem dar, das bis zu inneren und offenen Blockaden der
Mitarbeiter und damit zwangsläufig zum Scheitern der globalen Beschaffungsstrategie
führen kann.
Darüber hinaus müssen sowohl die verwendeten Unterlagen als auch die
Systemunterstützung für eine internationale Zusammenarbeit geeignet sein. In vielen
kleinen und mittleren Maschinenbauunternehmen bedeutet dies eine Abkehr von alten
Gewohnheiten. So kann das Internet als wesentliche Ergänzung zum Telefon verstärkt bei
der Beschaffung eingesetzt werden. Dazu sind beispielsweise Firmenunterlagen sowie
Anfrage- und Beschaffungsformulare in den Sprachen der wichtigsten Zielländer und unter
Berücksichtigung kulturspezifischer Anforderungen zu gestalten.
Rechnerunterstützte Systeme in der Beschaffung sollten länderspezifische
Vertragsbedingungen, Termine, Zusatzkosten, Zollformalitäten und Währungsaspekte
berücksichtigen. Technische Unterlagen sind zumindest in englischer Sprache zur
Verfügung zu stellen. DIN-Normen und nationale Bezeichnungen oder Handelsnamen sollten
vermieden werden. Die von der Konstruktion erstellten Zeichnungen müssen ebenfalls in
englischer Fassung vorliegen und wenn möglich mit den Konstrukteuren des ausländischen
Lieferanten abgestimmt sein.
Eine zentrale Beschaffungsfunktion wird in der Regel am Ort der Hauptfertigung angesiedelt
sein. Auch bei dezentralen, global verteilten Fertigungsstandorten empfiehlt sich ein
zentraler Beschaffungsbereich. Bei Beschaffungsaufgaben für ausländische Niederlassungen
ist sowohl die Reisetätigkeit der zentralen Beschaffungsmitarbeiter zu erhöhen als auch
auf Informationen der im Ausland ansässigen Mitarbeiter zurückzugreifen.
Lieferanten
Wichtige Elemente einer innovativen Beschaffungsstrategie sind ferner
-
die Konzentration auf wenige ausgewählte Lieferanten,
-
eine enge Integration der Lieferanten in den Entscheidungsprozeß sowie
-
langfristige Verträge für Kernlieferanten mit Laufzeiten zwischen drei und sieben
Jahren.
Bei der Auswahl von Lieferanten im Ausland sind ebenso wichtig wie der Einkaufspreis
Kriterien wie
Beschaffungskooperationen
Der Aufwand, der für globale Beschaffungsaktivitäten betrieben werden muß, ist oftmals
für kleine und mittlere Unternehmen aus finanziellen und personellen Kapazitätsgründen
nicht durchführbar. In kleinen Firmen besteht die Beschaffungsabteilung häufig aus nur
wenigen Mitarbeitern, welche in der Regel nicht vom normalen Tagesgeschäft freigestellt
werden können. Die mit einer intensiven internationalen Marktbearbeitung verbundenen
Aufgaben sowie die erforderlichen Reisetätigkeiten stellen für solche Unternehmen
deshalb oft ein großes Problem dar.
Aus diesen Gründen empfiehlt sich die Bildung von Beschaffungskooperationen, um sich so
entweder durch gegenseitige Dienstleistungen oder durch die Gründung einer gemeinsamen
Beschaffungsgruppe Vorteile auf globalen Beschaffungsmärkten zu verschaffen. Die an einer
internationalen Beschaffungskooperation beteiligten Maschinenbauunternehmen sollten dabei
eine ähnliche Bedarfsstruktur aufweisen und keine unmittelbaren Konkurrenten sein.
Das Eingehen von Beschaffungskooperationen führt einerseits zu einer Mengenbündelung der
einzukaufenden Waren und damit zu Preisvorteilen, andererseits teilen sich die beteiligten
Unternehmen die Kosten des hierfür notwendigen Personal- und Verwaltungsaufbaus wie
beispielsweise Kosten für Übersetzungen und Reisen. Ferner werden die Risiken für jedes
einzelne beteiligte Unternehmen reduziert. Zudem können Beschaffungskooperationen dazu
dienen, das jeweils vorhandene Einkaufs- und Qualitäts-Know-how auszutauschen.
Fertigung
Der Fertigungsbereich besitzt in Maschinenbauunternehmen eine zentrale
Stellung. Häufig wird im Rahmen der Standortdiskussion sogar von einem Primat des
Fertigungsstandortes ausgegangen, um darauf aufbauend die Plazierung anderer
Funktionsbereiche abzuleiten. Viele Maschinenbauunternehmen sind historisch betrachtet aus
kleineren Werkstätten entstanden, die sich erst im zeitlichen Verlauf zu Fabriken
entwickelt haben. Ein weiterer Grund für die große Bedeutung von Standortentscheidungen
bezüglich der Fertigung liegt in dem erheblichen Ressourceneinsatz, der mit dem Aufbau
von neuen Fertigungskapazitäten im Ausland verbunden ist. Dieser Einsatz ist oft
bedeutend höher, als bei anderen Unternehmensfunktionen und kann in manchen Fällen die
Aufgabe des alten Produktionsstandortes bedeuten.
Zudem wirkt sich eine Entscheidung für die Globalisierung der Fertigung auf die
Zusammenarbeit mit den anderen Funktionsbereichen in starkem Maße aus. Zusätzlich
unterliegen Fertigungsstandortentscheidungen durch das Ausmaß der damit verbundenen
Beschäftigungswirkungen oft erheblichen politischen Einflüssen.
Unabhängig vom Fertigungsstandort begünstigt im Maschinenbau zunächst das
Vorhandensein weltweit relativ homogener Anwenderbedürfnisse in besonderem Maße die
Standardisierung der Produkte und die darauffolgende Fertigungskonzentration. Es ist daher
zu prüfen, ob eine zentralisierte Fertigung einer internationalen Aufsplittung von
kleinen Fertigungsstandorten vorzuziehen ist. Neben Mengenvorteilen sind Lern- und
Erfahrungskurveneffekte ebenfalls ein Argument zugunsten einer zentralisierten Produktion
[10].
Die Fertigungstiefe
Entscheidet sich die Unternehmensführung prinzipiell für einen Verbleib der Fertigung in
Deutschland, so können bestehende Kostennachteile durch eine Optimierung der
Fertigungstiefe und das Eingehen globaler Kooperationen minimiert werden.
Mit der Optimierung der Fertigungstiefe verfolgen Maschinenbauunternehmen das Ziel, die
optimale Kombination von Eigenfertigung und Fremdbezug zu realisieren. Unter
Fertigungstiefe wird das Ausmaß verstanden, in dem benachbarte Produktionsstufen
innerhalb eines Unternehmens erstellt werden. Formelmäßig wird die Fertigungstiefe als
Quotient aus Bruttowertschöpfung und Bruttoproduktionswert definiert. Unter
Vernachlässigung von Bestandserhöhung beziehungsweise -minderung entspricht der
Bruttoproduktionswert dem Umsatz. Die Diskussion über die Fertigungstiefe eines
Unternehmens konzentriert sich im allgemeinen auf die Leistungen, die ein Unternehmen
durch Fremdvergabe von Teilen, Baugruppen und Modulen zukaufen kann, um damit die eigene
Fertigungstiefe zu reduzieren [2].
Keine
Fremdvergabe bei Kerntechnologien
Der Definition der Kernkompetenzen kommt eine zentrale Bedeutung zu, da in ihnen der
Ausgangspunkt aller Fremdvergabeüberlegungen liegt. Zu den Kernkompetenzen können Teile,
Baugruppen und Module sowie Fertigungstechnologien gezählt werden. Zunächst muß das
Maschinenbauunternehmen festlegen, ob es sich bei dem betrachteten Teileumfang um eine
späte Fertigungsstufe handelt, und ob das im Unternehmen eingesetzte Fertigungsverfahren
wettbewerbsfähig ist. Sind für die Herstellung eines Teileumfangs Spezialfähigkeiten in
Konstruktion und Fertigung sowie spezielle Betriebsmittel erforderlich, so ist dieser
Teileumfang als Kernkompetenz einzuordnen. Teile, Baugruppen und Module, die eine
Kernkompetenz darstellen, bestimmen maßgeblich die Produktqualität. Fertigungsverfahren,
die ein mittleres bis hohes Differenzierungspotential generieren, gelten als
Kerntechnologien und sollten wegen ihrer Wettbewerbsrelevanz nicht fremdvergeben werden
[2].
Neben der Ermittlung der strategischen Bedeutung des an Fremdfirmen zu vergebenden
Teileumfangs spielt die Kompetenz des Lieferanten eine zentrale Rolle. Eine schrittweise
Abgabe der Teile- und Komponentenfertigung an Lieferanten kann die oftmals historisch
gewachsene hohe Fertigungstiefe reduzieren und ermöglicht eine Fokussierung des eigenen
Ressourceneinsatzes auf die wesentlichen Wertschöpfungsprozesse.
Beteiligung
an ausländischen Fertigungsanlagen
Treten bei der Standortentscheidung Aspekte wie die Reduzierung von Währungseinflüssen,
die Vermeidung protektionistischer Maßnahmen oder die rechtzeitige Besetzung
strategischer Marktpositionen in den Vordergrund, kann eine Verlagerung von marktnahen
Fertigungsbereichen zur Abdeckung des regionalen Marktpotentials in Form von
Direktinvestitionen erforderlich werden.
Investitionen in oder Beteiligungen an Fertigungsanlagen an ausländischen Standorten
kommen auch dann in Frage, wenn eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit mit
unabhängigen Zulieferern unverhältnismäßig hohe Kosten verursacht und einen
unzureichenden Einfluß auf die zu verlagernden Produktionsprozesse hat. Die Kosten
solcher Vertragsvereinbarungen betreffen vorwiegend die Sicherstellung der Eigentumsrechte
am transferierten Know-how und die prozeßübergreifende Qualitätssicherung des
Endprodukts [10].
Verlagerung
von Fertigungsbereichen ins Ausland
Der Aufbau eigener Fertigungsstätten an mehreren internationalen Standorten ist in der
Regel nur großen Maschinenbauunternehmen möglich, die über ausreichend große
Stückzahlen zur wirtschaftlichen Herstellung verfügen. Diese Unternehmen können
Maschinen dort bauen, wo sich die Anwender befinden.
Doch auch Maschinenbauunternehmen, die sich zur Zeit nicht in der Lage sehen,
Fertigungsbereiche ins Ausland zu verlagern, sollten zumindest zur Endmontage über den
zukünftigen Aufbau von Fabriken in den wichtigsten Zielmärkten nachdenken. Die
Kombination der Kernkomponenten aus dem Stammhaus mit zugelieferten Maschinenteilen aus
lokaler Produktion kann neben verringerten Transport- und Materialkosten die
Herstellkosten durch den Einsatz ansässiger Montagemitarbeiter deutlich reduzieren.
Darüber hinaus wird sich eine Zusammenarbeit mit lokalen Anbietern, und sei es zunächst
nur in Form einer Integration einzelner Maschinenkomponenten, der Endmontage und
Betriebsprüfung, positiv auf das internationale Image des Unternehmens auswirken. Aus
Sicht eines ausländischen Kunden könnte eine deutsche Maschine dann zusätzlich zur
Bezeichnung »Made in Germany« beispielsweise mit dem Slogan »Assembled an Tested in
Your Country« versehen werden.
Diese Entwicklung gewinnt zunehmend an Bedeutung, da das Argument, nur in Deutschland
seien qualifizierte Fachkräfte zur Herstellung und Montage hochwertiger Maschinen zu
finden, langfristig keinen Bestand haben wird. Bereits jetzt sind viele Schwellenländer
in der Lage, gut ausgebildete Mitarbeiter für komplexe Fertigungsaufgaben
bereitzustellen.
Forschung und
Entwicklung
Die Standortwahl für Forschung und Entwicklung (F&E) erfolgt in vielen
Maschinenbauunternehmen bislang eher zufällig. Zumeist wird F&E dort betrieben, wo
gefertigt wird und von wo aus die Absatzaktivitäten gelenkt werden. F&E ist in vielen
Unternehmen eine typische »Hauptquartier-Funktion« und befindet sich fast regelmäßig
im Stammland. Angesichts international unterschiedlicher Marktbedingungen und
länderspezifischer Kompetenzen, auch in der Hervorbringung neuen Wissens, müssen
Standortentscheidungen für F&E durchaus als eigenes Thema innerhalb der
Unternehmensstrategie von Maschinenherstellern angesehen werden (vgl. auch Kap. 07.06).
Neben globalen Produkten gehört zum Herz einer globalen Strategie für F&E, daß sie
den gesamten globalen Markt und nicht nur einzelne Länder bedienen muß. Die Ansiedlung
und das Management der F&E-Aktivitäten kann bedeutende Auswirkungen darauf haben, wie
gut diese Aktivitäten eine globale Funktion unterstützen. Es spricht einiges dafür,
daß die F&E-Ergebnisse den Endmärkten am besten dienen, wenn die Aktivitäten
ebenfalls in diesen Märkten angesiedelt sind. Eine globale Strategie für F&E muß
diese Anforderung jedoch mit einigen anderen Anforderungen in Einklang bringen [10]:
-
Eine globale F&E muß Wissens- und Informationsquellen anzapfen können, wo auch
immer auf der Welt diese angesiedelt sind.
-
Eine globale F&E muß Wissen an das F&E-Management weitervermitteln, wo auch
immer sich dieses befindet.
-
Die zentrale Managementfunktion muß sicherstellen, daß dieses Wissen entsprechend
verwendet wird.
-
Es muß ein Verfahren zur globalen Festlegung der Prioritäten geben, und zwar nach
strategischem Bedarf und nicht nach geographischer Nähe. Andernfalls werden die
F&E-Mitarbeiter eher den Projekten jener Manager den Vorzug geben, die sie täglich
sehen, als Projekten aus fremden Ländern.
-
Eine globale F&E muß globale Produkte entwickeln können, die für große nationale
Märkte maßgeschneidert sind.
Alle diese Anforderungen müssen erfüllt werden, während gleichzeitig die
Notwendigkeit, eine kritische Menge und Größenvorteile zu erzielen, nicht
vernachlässigt werden darf.
Grundsätzlich ist auch für ein effizientes Innovationsmanagement eine
Minimalkonfiguration an F&E-Ressourcen erforderlich. Eine leistungsstarke F&E
braucht heutzutage tendenziell mehr hochqualifizierte Mitarbeiter als noch vor wenigen
Jahren, um die zunehmend komplexeren F&E-Projekte unter dem sich verschärfenden
Zeitdruck erfolgreich abwickeln zu können. Zur schnelleren Hervorbringung von
Spitzentechnologie sind moderne Forschungseinrichtungen in Form von Laborgeräten,
Rechnern oder Anwendungssoftware erforderlich, die kontinuierlich auf dem neusten Stand zu
halten sind. Hier stoßen besonders kleine und mittlere Maschinenbauunternehmen häufig an
die Grenzen ihrer eigenen Kapazitäten.
Internationale F&E-Kooperationen bilden vor diesem Hintergrund eine Möglichkeit, den
Beschränkungen der eigenen Unternehmensdimensionen durch Erweiterung des Aktionsraumes,
durch Synergieeffekte und Kostenvorteile gemeinsamer Innovationsprojekte zu begegnen. Die
Forschung und Entwicklung hat in diesem Fall die Entwicklungsaufgaben an die Kompetenzen
der Kooperationspartner anzupassen und den Prozeß der Produktentwicklung arbeitsteilig
durchzuführen [1].
Nähe zu den Kunden
Ein besonders wichtiger Aspekt bei der Ansiedlung von F&E im Maschinenbau ist die
Nähe zu internationalen Top-Kunden, auch wenn diese unbequem sind und die Ansprüche
ständig erhöhen. Doch gerade über die engen Beziehungen zu solchen Top-Kunden können
die Unternehmen selbst an die Weltspitze aufsteigen, da Top-Kunden exzellente Quellen für
neue Ideen und Innovationen darstellen. Darüber hinaus können die F&E-Mitarbeiter
vor Ort besser und gezielter auf die Bedürfnisse der sehr anspruchsvollen Anwender
eingehen. Diese Taktik kann auch Vorteile für den Heimatmarkt bringen [5, 10].
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