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- Leseprobe -
Vernetzung und Partnering als Fundament für innovatives
Unternehmertum
von Bill
Boardman, Robert Crooker
Aufgrund der Erkenntnis, daß sie alleine nicht erfolgreich sein können, bauen
innovative Unternehmen Partnernetze auf, um so die Vorlaufzeit verkürzen, eine breite
Palette an zugkräftigen Produkten und Dienstleistungen entwickeln und im Zuge dessen
über lange Zeiträume ein hohes Ertragsniveau halten zu können. Diese Marktführer
messen dem mit externen Netzen und Partnern verbundenen Nutzen hohe Priorität bei. Sie
werden von Kapitalgebern und Konkurrenz als die innovativsten angesehen, da sie aufgrund
ihres kontinuierlichen Angebots an marktformenden und die Kundenerwartungen
übertreffenden Produkten auf Dauer hohe Renditen erwirtschaften. Der Aufbau einer
erweiterten Unternehmenstätigkeit ist wesentlicher Bestandteil ihrer
Innovationsstrategie.
Stichworte:
Was hat sich verändert?, Warum gehen
innovative Unternehmen Partnerschaften ein?, Wo gehen Unternehmen
Partnerschaften ein?, Vertikale
Partnerschaften, Effektives
Partnering im Rahmen eines leistungsstarken Managements, Zusammenfassung.
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In diesem Beitrag
erfahren Sie:
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daß es nicht mehr zeitgemäß ist, alle Kompetenzen aus dem
Geschäftsbereich intern aufbauen und selbst besitzen zu müssen,
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warum und wo innovative Unternehmen Partnerschaften
eingehen,
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daß effektives Partnering die Umsetzung eines
leistungsstarken Managementrahmens erfordert.
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Was hat sich verändert?
Traditionell orientierte Unternehmen waren der Ansicht, alle Kompetenzen, die sie für
ihre Geschäftstätigkeiten brauchten, intern aufbauen und selbst besitzen zu müssen. Es
entstanden eindrucksvolle Abteilungen für Forschung, Entwicklung und Technik;
unternehmenseigene Vertriebsnetze wurden aufgebaut, und die geschäftlichen Beziehungen
basierten üblicherweise auf Kauf/Verkaufsverträgen. Im Gegenzug dazu haben manche ein
ganz anderes Geschäftsmodell übernommen und eine erweiterte Unternehmenstätigkeit
verwirklicht, bestehend aus einem Netz an Beziehungen zu anderen Wirtschaftseinheiten wie
Zulieferbetrieben, Universitäten, staatlichen Forschungsinstituten und manchmal sogar zu
Konkurrenten. Diese Beziehungen sind genau gestaltet, je nach Bedarf manchmal als reine
Kauf-Verkaufsvereinbarungen, öfter noch als echte Partnerschaften, in deren Rahmen das
jeweilige Unternehmen und sein Partner gemeinsam investieren und die Gewinne unter sich
aufteilen. Erfolgreiche Innovatoren - Unternehmen, die ihren Anteilseignern, Kunden,
Angestellten, Lieferanten und Partnern einen außerordentlichen Wert und Nutzen bieten -
greifen bei Entwicklung und Management ihrer Partnerschaften vor allem auf fest umrissene
Strategien, Prozesse, Ressourcen und Organisationsstrukturen zurück. Diesen
»außergewöhnlichen Wert« bezeichnen wir als Innovation PremiumTM. Im
vorliegenden Kapitel wird erörtert, wie Unternehmen diesen »Bonus« durch Partnering
erzielen.
Die Klientenarbeit einer namhaften Unternehmensberatung (gestützt auf Innovation
PremiumTM und Innovationserhebung) zeigt, wie deutlich sich Unternehmen wie
Hewlett Packard, Merck, Chrysler, Microsoft (und andere erfolgreiche Betriebe) von den
übrigen Teilnehmern in ihrer jeweiligen Branche abheben. Sie sehen Partnering als
wichtigen Bestandteil ihrer Innovationsstrategie an und zeichnen sich durch den Aufbau
eines umfangreichen Partnerportfolios im Rahmen einer erweiterten Unternehmenstätigkeit
aus. Der Aufbau einer erweiterten Unternehmenstätigkeit durch Partnering und Vernetzung
gehört zu den zentralen Erfolgsfaktoren, denen sich innovative Unternehmen zuwenden, um
einen Innovation PremiumTM zu erzielen. Mit dieser Maßnahme können
erfolgreiche Unternehmen Kompetenzen und Technologieplattformen erwerben und in neue und
gewinnbringende Produkt- und Vertriebskanäle integrieren.
Das Bestreben, durch erweiterte Unternehmenstätigkeit einen Innovation PremiumTM
zu erzielen, ist branchenübergreifend. In der Flugzeugbranche geben aus Zulieferern,
Kunden und Konkurrenzunternehmen bestehende Gruppen bei größeren staatlichen
Waffensystemaufträgen in der Regel gemeinsam ein Angebot ab. In der Luftfahrtindustrie
sind strategische Zusammenschlüsse ein wesentlicher Bestandteil der Strategie einer
Fluggesellschaft in bezug auf den Flugstreckenzugang wie auch auf die Markenidentität. In
der Automobilindustrie sind OEM wie Chrysler beim Technologie-Sourcing besonders
erfolgreich gewesen. In der Computerindustrie haben einige Hersteller von PCs und
Workstations den Innovation Premi
umTM durch kreative Parnterschaftsprogramme erzielt.
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Was Partnering für
führende Innovatoren bei der Wertschaffung bedeutet
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Hewlett Packard gibt pro Monat im
Durchschnitt 15 umfangreichere Allianz- und Partneringvereinbarungen bekannt. Die
aktuellsten reichen von bedeutenden Zusammenschlüssen mit der Praesidium-Intranet- und
Internetsicherheitsstrategie bei der Transaktionsabwicklung im Web bis zu Beziehungen zu
3Com und Cisco für Lösungen im Rahmen des Network Computing. HP und amerikanische
Fluggesell- schaften bieten gemeinsam Geschäfts- und Technologiezentren für Vielreisende
an. Außerdem besitzt HP Beziehungen zu und zahlreiche Beteiligungen an Unternehmen wie
Veriphone im Rahmen des elektronischen Handels sowie im Hinblick auf den Eintritt in den
Markt der drahtlosen Breitbandkommunikation. Compaq
hat sich vor allem auf wertkettenübergreifende Partnerschaften mit Inhalte- Entwicklern,
Komponentenherstellern und Softwareentwicklern konzentriert. Das Unternehmen hat
zahlreiche Geschäftsbeziehungen zur Entwicklung neuer Kunden- direktvertriebskanäle
aufgebaut, bei seinen Produkten bahnbrechende, auf Benutzer- freundlichkeit abzielende und
geräteorientierte Merkmale eingeführt und Produk- tionszeit sowie Produktionskosten
verringert. Compaq besitzt Partneringvereinba- rungen mit Unternehmen wie
Seagate,
Microsoft, IBM und Novell. Die jüngste Übernahme von Digital und dessen Partnernetz
sichert Compaq einen größeren Kundenstamm, der es dem Unternehmen ermöglicht, mit
seinen Produkten in der oberen Kategorie der Geschäfts- und Techniksysteme Fuß zu
fassen.
Dell hat im Hinblick auf die effektive Markteinführung
neuer Produkte Allianzen mit einigen der weltweit führenden Technologieunternehmen
realisiert. Durch Beziehun- gen zu Unternehmen wie Oracle, 3Com, Computer
Associates,
Intel und anderen ist es dem Unternehmen möglich, »maßgeschneiderte« Systeme mit hoher
Zuverlässig- keit zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Der Innovation PremiumTM
von Dell ist der höchste in der Computerbranche.
Sun Microsystems ist schon seit langem ein Innovator in der
Computerindustrie und international ein führender Anbieter von Workstations und Servern.
Die Produkte dieses Spitzentechnologie bietenden Branchenführers erfüllen auch die
höchsten Kundenerwartungen und sind ein Gradmesser für Konkurrenzprodukte. Trotz
anspruchsvoller Produktvergleiche ist die unternehmerische Leistung von Sun mit
durchschnittlich zweistelligen Jahreswachstumsraten und einer Barausstattung von über
eine Milliarde Dollar weiterhin hervorragend. |
Warum gehen
innovative Unternehmen Partnerschaften ein?
Innovative Unternehmen bauen ein weitläufiges Partnernetz auf, um sich neu ergebende
Marktchancen wahrzunehmen, indem sie zur Beschleunigung des Technologietransfers interne
wie externe Kompetenzen erwerben und unternehmensbezogen nutzen. Der Aufbau einer
erweiterten Unternehmenstätigkeit läßt sich aus drei primären Gesichtspunkten
beleuchten (Abb. 1):

Abb. 1: Weshalb Unternehmen Partnerschaften eingehen
-
Zeiteinsparung durch Technologiekommerzialisierung und Roll-out - Innovative
Unternehmen stehen, wie die meisten Betriebe, vor der ständigen Herausforderung durch
immer kürzere Produktentwicklungszeiten der Konkurrenz und immer höhere Ansprüche der
Kunden. Innovative Unternehmen sehen diese Entwicklungen jedoch als Chancen und gehen
bereitwilliger Partnerschaften ein, um die Technologiekommerzialisierung zu beschleunigen
und die Ersten auf dem Markt zu sein. So ist der Roll-out der Boeing 777 das jüngste
internationale Beispiel für ein Unternehmen, das die Vorlaufzeit durch ein weitläufiges
Partnernetz verkürzt hat.
-
Kapazitätserweiterung durch Technologie-Venturing und Partnering - Steigende
Produktentwicklungskosten, gekoppelt mit den Produktstandards und der Notwendigkeit,
Fremdtechnologien immer stärker einzubinden, übersteigt oft die Kapazität eines
Unternehmens. Innovative Unternehmen bauen ein weitläufiges Kontakt- und Partnernetz auf,
um sich stabile Produktportfolios und Auslagerungsmöglichkeiten zu sichern. Microsoft ist
ein gutes Beispiel für den Aufbau eines weitläufigen Netzes von Entwicklern, durch das
Einfluß und Anwendungsbasis des Windows Betriebssystems erweitert wird.
-
Sicherung von Wettbewerbsvorteilen durch Technologie-Outsourcing und Kooperation
- Äußerst erfolgreiche Unternehmen führen Outsourcing meist im größeren Umfang durch
als andere. Sie investieren normalerweise intern in zentrale oder bestimmende
Technologien, also diejenigen, die zur Erzielung und Sicherung hoher Wettbewerbsvorteile
über lange Zeiträume von wesentlicher Bedeutung sind. Basistechnologien, das heißt
diejenigen, die aus einer Vielzahl von Quellen in Fülle bezogen werden können und
normalerweise ausgereift oder gar fast schon überholt sind, werden in der Regel im
Unterauftrag bezogen. Dadurch entsteht ein Netz aus Technologiebezugsquellen, das
langfristig zu einem loyalen und bewährten Lieferantennetz führt, mit dem das
Unternehmen bei neuen und aufregenden Projekten zusammenarbeiten kann. Bei Überprüfung
der Aktienkursentwicklung in der Automobilindustrie seit 1989 zeigt sich, daß Chrysler
mit seiner innovativen Kultur und der daraus resultierenden Finanzleistung die Konkurrenz
hinter sich gelassen hat. Das Unternehmen brachte über ein Netz aus Sourcing- und
Partnering Produkte schneller auf den Markt als seine Konkurrenten. Obwohl der Umfang des
technischen Personals bei Chrysler dem Vergleich mit den größten Konkurrenzunternehmen
nicht standhält, liegen die Gewinnspannen über den Brancheneckdaten, und das in einem
Industriezweig, der als gesättigt gilt.
Viele Unternehmen messen dem Einsatz externer Technologien eine wesentliche Bedeutung
für ihren zukünftigen geschäftlichen Erfolg bei (Abb. 2). Eine unlängst von Arthur D.
Little durchgeführte Erhebung ergab, daß bei Unternehmen eine hohe Bereitschaft zur
betrieblichen Zusammenarbeit besteht, um die Technologie weiterzuentwickeln,
Kompetenzlücken zu schließen und Vorlaufzeitprobleme zu bewältigen.

Abb. 2: Bedeutung des Einsatzes externer Technologien
In nahezu jedem Industriezweig war man allgemein der Überzeugung, daß für die
Bewältigung zahlreicher Belange, von Produktentwicklung und Marktzugang bis hin zu
Kompetenzausgleich, der Einsatz externer Technologien erforderlich ist (Abb. 3).

Abb. 3: Hauptbeweggründe bei Kooperation zur
Technologieentwicklung
Wir haben herausgefunden, daß innovative Unternehmen ihre Wettbewerbs- und
Technologieposition im Vergleich zur Marktattraktivität insgesamt genau überprüfen, um
festzulegen, wo und mit wem sie eine Partnerschaft eingehen (Abb. 4). Obwohl Analysen
dieser Art eine offene und ehrliche Beurteilung der internen Stärken und Schwächen
erfordern, weisen die meisten erfolgreichen Unternehmen bereitwillig darauf hin, in
welchen Bereichen sie den Wert steigern und ausschöpfen können und in welchen andere
besser sind.
Abb. 4: Prioritätsschwerpunkt bei Kooperation zur
Technologieentwicklung
In der Pharmaindustrie beispielsweise gehören Partnerschaften sowohl im Hinblick auf
Marktzugang als auch auf Technologieentwicklung zur standardmäßigen Vorgehensweise.
Pfizer, ein Unternehmen, das branchenintern von vielen als innovativ angesehen wird, hat
in einem Industriezweig, in dem bei unzähligen Medikamenten der patentrechtliche Schutz
allmählich abläuft, seinen Produktabsatzweg effektiv ausgebaut. Im Gegensatz zur
Konkurrenz hat Pfizer ein Netz innovativer Partneringverträge mit Unternehmen wie
Warner-Lambert, Esai Japan (erst Konkurrent, jetzt Verbündeter), Searle und zahllose
Biotechnologieunternehmen aufgebaut.
Im allgemeinen gestalten viele Unternehmen ihr Partnering nach Bedarf. Allerdings
erkennen die meisten innovativen Firmen, daß der effektive Einsatz externer Technologien
und Kompetenzen von entscheidender Bedeutung ist. Sie besitzen die
Schlüsselerfolgsfaktoren für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit und sind bekannt für
ihre Wertschöpfungsfähigkeit.
Wo gehen Unternehmen
Partnerschaften ein?
Eine Forschung zeigt, daß die meisten Unternehmen vorwiegend im Bereich des
Technologie-Venturing und der Sourcing-Tätigkeiten Partnerschaften mit ihren Zulieferern
eingehen. Auf Universitäten und bundesstaatliche Labors wird vor allem für die
Unterstützung bei grundlegenden Forschungsarbeiten oder Spezialmaßnahmen
zurückgegriffen, bei denen entweder spezielle Kenntnisse oder Einrichtungen erforderlich
sind. Verblüffenderweise gehen nordamerikanische Unternehmen häufiger Partnerschaften
mit Universitäten ein als ihre europäischen Gegenparts - eine Gelegenheit für
Unternehmen in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern, ihre Unternehmenstätigkeit
durch die Kerntechnologien der Universitäten zu erweitern.
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Ergebnisse erzielen
durch Innovation: Entscheidende Erfolgsfaktoren
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Zu den zentralen Maßnahmen, mit denen
der Innovation PremiumTM erzielt werden kann, gehört unter anderem die
Steigerung der Partnering- und Venturingbeziehungen, durch die meßbare und nachhaltige
Ergebnisse erzielt werden können. Die externen Beziehungen der betreffenden Unternehmen
sind äußerst attraktiv gestaltet, gut strukturiert und werden im Rahmen der erweiterten
Unternehmenstätigkeit bewußt gepflegt. Analysen zeigen deutlich, daß der Aktienmarkt
innovative Unternehmen belohnt. Erfahrung bei der Klientenbetreuung und Arbeit im Rahmen
der Innovation PremiumTM und der Innovationserhebung zeigen einen direkten
Zusammenhang zwischen Innovation und der Wertschöpfung für die Aktionäre. Legt man den Schwerpunkt nur auf die Automobilindustrie, so
bezeichneten die Führungskräfte, die an einer Innovationserhebung teilnahmen, Chrysler
als branchenweit innovativstes Unternehmen - einschließlich der Führungskräfte aus
Konkurrenzunternehmen. Bei Überprüfung der Aktienkursentwicklung in der
Automobilindustrie seit 1989 zeigt sich, daß Chrysler die Konkurrenz klar überflügelte.
Chrysler hat mit seiner innovativen Kultur und der daraus resultierenden Finanzleistung
durch die schnellere Markteinführung kreativerer Produkte und hervorragende Sourcing- und
Partneringbeziehungen Konkurrenzunternehmen hinter sich gelassen und andere innovative
Maßnahmen realisiert, die es dem Unternehmen ermöglichten, die Karten auf dem Markt neu
zu mischen. Dies konnte erreicht werden, obwohl das technische Personal von Chrysler dem
Vergleich mit den größten Konkurrenzunternehmen nicht standhält, und das Unternehmen
zudem in einem gesättigten Industriezweig tätig ist, in dem geringfügige Gewinnspannen
die Regel darstellen. |
Innovative
Unternehmen zeichnen sich als Branchenführer aus, weil sie vertikale Partnerschaften
eingehen
Diese Unternehmen assoziieren sich mit Kunden, Lieferanten, Konkurrenten sowie anderen
Branchenteilnehmern und können daraus in dreierlei Hinsicht einen Wert ableiten -
beschleunigte Kommerzialisierung, Technologie-Venturing und Sourcing (siehe Profil der
Innovatoren in der IT-Industrie). Außerdem vergeben innovative Unternehmen Konzepte, mit
denen interne Mindestraten nicht erzielt werden können, häufig in Lizenz.
Dadurch entsteht ein weitgespanntes Netz aus Bezugsquellen und gegenüber den
jeweiligen Geschäftsinteressen loyal bleibenden Partnern (Abb. 5).
Abb. 5: Häufigkeit externer Partnerschaften
Effektives Partnering
erfordert die Umsetzung eines leistungsstarken Managementrahmens
Viele Unternehmen reden zwar in den höchsten Tönen von den Partneringbeziehungen zu
ihren Lieferanten, aber innovative Unternehmen haben zahlreiche Erfolge vorzuweisen, die
sie mit ihren
Partnern in vor- und nachgeschalteten Stufen der Wertkette erzielt haben (Abb. 6). Diese
Unternehmen zeichnen sich durch eine hervorragende Partneringfähigkeit in drei
Hauptbereichen aus:

Abb. 6: Effektivität externer Partnerschaften
Strategie
Innovative Unternehmen gliedern opportunistische und mit hohem Risiko behaftete
Beziehungen in ein Portfolio aus Partneringvereinbarungen. Innovative Unternehmen sind
bekannt dafür, daß sie über die kurzfristige Risiko- und Gewinnbeteiligung
hinausschauen, indem sie die kurz- und mittelfristigen Betriebskosten vieler
Unternehmungen auffangen und genügend Spielraum und Ressourcen zur Verfügung stellen,
damit die Unternehmung langfristig nachhaltige Ergebnisse liefern kann. Merck, ein
wichtiger Pharmainnovator hat seine Kostenbeteiligung an internationalen klinischen
Studien immer wieder erhöht, da das Unternehmen wußte, daß ein Partner die exklusiven
Fertigungs- und Regionalvertriebsrechte erhält. Dies hat sich für Merck insofern
ausgezahlt, als hierdurch eine Markterweiterungsplattform und Vertriebskanäle für andere
Produkte entstanden sind.
Innovative Unternehmen konzentrieren ihre Partneringstrategien auf qualitativ
hochwertige und langfristige Kooperationsbeziehungen. Externe Beziehungen sind durch klare
Ziele und eine gemeinsame Vorstellung des zu Erreichenden geprägt. Zu wissen, wo und wann
eine Partnerschaft eingegangen wird, gekoppelt mit dem Abschluß eines fairen und
ausgewogenen Vertrags, in dem die einzelnen Ergebnisse und angemessene
Performance-Maßstäbe festgelegt werden, sind Schlüsselerfolgsfaktoren (Abb. 7).
Basierend auf einer Venturing- und Partneringstudie, die Arthur D. Little bei 300
Unternehmen durchführte, wurde vor allem gegenseitiges Vertrauen als Hauptfaktor für den
Erfolg einer Kooperationsbeziehung angesehen.

Abb. 7: Erfolgsfaktoren für Partnerschaften
Die Beendigung eines Vertrages ist branchenabhängig und erfolgt normalerweise im
Einklang mit dem Produktentwicklungszyklus und der Markteinführungsphase in der
jeweiligen Branche (Abb. 8). Ein Beispiel: Bei hochtechnisierten Produkten kann es ein
Jahr und länger dauern, bis Partneringbeziehungen abgelaufen sind. Im Gegensatz dazu ist
es in der IT-Industrie, in der der Produktlebenszyklus nur zwölf Monate dauern kann,
nicht unüblich, daß Partnerschaftsverträge innerhalb eines Zeitfensters von drei
Monaten beendet werden. Wie wir bereits wissen, gehen die meisten innovativen Unternehmen
in der Regel davon aus, daß ihre externen Beziehungen länger als zwei Jahre dauern, so
daß für erweiterte Unternehmenstätigkeit ein hoher Grad an Sicherheit und Langlebigkeit
gewährleistet ist.

Abb. 8: Meinungen der Befragten zur Dauer einer
Partnerbeziehung
Prozeßgestaltung
Die im Rahmen des Partnering erfolgreichsten Unternehmen wenden klar definierte und
effektive Prozesse an, um Partnerschaften zu ermitteln, einzugehen, zu führen und zu
beenden (Abb. 9). Beim Partneringprozeß stellen wir normalerweise fünf Hauptschritte
fest:
-
Definition der Gewinn-Gewinn-Gleichung
-
Ermittlung und Überprüfung potentieller Partner
-
Gestaltung der Beziehungen
-
Aushandeln der Bedingungen
-
Management und Erfassung des durch die Partnerschaft entstandenen Wertes über die
Partnerschaftsdauer

Abb. 9: Definition von strategischem Zusammenschluß
Definition der Gewinn-Gewinn-Gleichung
Die Gewinn-Gewinn-Definition muß eine objektive Bewertung der Stärken und Vorteile
beinhalten, die ein Unternehmen für einen Partner in Abwägung seiner wahren
Bedürfnissen attraktiv macht. Dieser Schritt erfordert eine objektive Einschätzung
dessen, was die einzelnen Parteien einbringen.
Ermittlung und Überprüfung potentieller
Partner
Die meisten Unternehmen ermitteln Partner heute noch immer auf einer bedarfsorientierten
Ad-hoc-Basis. Spitzenunternehmen haben allerdings klar umrissene Auswahlkriterien
erarbeitet und führen die methodische Beurteilung einer größeren Gruppe von
potentiellen Partnern durch, um daraus die geeignetsten zu ermitteln.
Gestaltung der Beziehungen
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, eine Partnerschaft zu gestalten. Hochinnovative
Unternehmen wenden je nach gegebener Situation eine Vielzahl von Strukturen an.
Formelle Beziehungen im Rahmen der erweiterten Unternehmenstätigkeit sind meist als
Risiko/Gewinnbeteiligungen vertraglicher Natur gestaltet, mit ausgewogenen
Finanzierungsbeiträgen seitens der einzelnen Parteien. Zahlreiche Elemente hierbei
beziehen sich auf folgende Faktoren:
Wir haben herausgefunden, daß die meisten innovativen Unternehmen bei der Gestaltung
einer vertraglich orientierten Vereinbarung häufig mit einer Grundsatzvereinbarung und
diesbezüglichen Nichtoffenbarungsverpflichtungen beginnen, wenn es um den Abschluß von
Verträgen über den Austausch von Finanzmitteln oder Technologieentwicklungsprogrammen
geht, die zu einer Geschäftserweiterung oder Geschäftsbildung führen könnten.
Ein typischer Nichtoffenbarungsvertrag wird zum Aufbau von Beziehungen im Rahmen des
erweiterten Netzes verwendet, wobei normalerweise der »Lieferant« derjenige ist, der
eine vertragliche Regelung fordert und in die Wege leitet. Microsoft schafft bei seinem
Entwicklernetz die Voraussetzungen dafür, daß interne und externe Feldversuche bei neuen
Softwareversionen durchgeführt werden, indem das Unternehmen eine
Nichtoffenbarungsbeziehung eingeht. Dies führt zu Kenntnissen und Rückmeldungen in bezug
auf die Softwareleistung und eröffnet diesem Netz die Möglichkeit, neue Anwendungen auf
Microsoft-Plattformen zu entwickeln. Wenn Microsoft von einer innovativen Anwendung
erfährt oder der Entwickler an das Unternehmen herantritt, um die Microsoft-Plattformen
als Vertriebsmittel zu nutzen, wird eine formellere Vereinbarung getroffen. Andererseits
gibt es unzählige Beispiele dafür, daß Unternehmen auf einen herkömmlichen
Nichtoffenbarungsvertrag zurückgreifen, um ihre Marktpräsenz auszubauen. 3Com, der
Erfinder des PalmPilot, gibt den Quellcode frei und schafft somit die Voraussetzungen
dafür, daß zahlreiche Anwendungsprogramme dafür entwickelt werden. Infolgedessen
steigen die Verkaufszahlen für dieses Gerät weiterhin und es hat sich ein fast schon
professioneller Industriezweig entwickelt.
Klientenarbeit und Studien über Partneringbeziehungen weisen darauf hin, daß die
meisten innovativen Unternehmen in der Regel nur dann an konsortienorientierten
Beziehungen teilnehmen, wenn eine Branche gerade Standards entwickelt oder sich noch in
den Kinderschuhen befindet. Dies wird nicht als Mittel zur Erzeugung nennenswerter
Erträge auf kurze Frist angesehen. Eine Konsortienbeteiligung gilt zwar als entscheidend
für die Entwicklung langfristiger Strategien, aber die meisten erfolgreichen Unternehmen
greifen auf eine ganze Palette von Ansätzen zurück, um Kompetenzen zu erwerben (Abb.
10).

Abb. 10: Wie Kompetenzen erworben werden
Aushandeln der Bedingungen
Eine vollständige Beschreibung der Optimalverfahren bei Verhandlungen sprengt den Rahmen
dieses Artikels. Allerdings sollten zumindest die folgenden Elemente berücksichtigt
werden:
-
Partnerschaftsverträge beinhalten klar definierte Ziele, vorgeschriebene Leistungen und
ausgewogene Austrittsstrategien.
-
Die Handhabung der Rechte auf geistiges Eigentum, Patente und Lizenzabgaben ist im
Vertrag schriftlich niedergelegt.
-
Vorkehrungen hinsichtlich der Aussichten auf Ausgliederungstechnologien sind getroffen.
-
Die Unternehmung kann ohne angemessene betriebliche Einschränkungen florieren.
-
Formelle Performance-Maßstäbe, Anreize und Investitionspläne sind dokumentiert,
vereinbart und werden eingehalten.
-
Vorkehrungen zur zeitlich angemessenen Behebung von Konflikten/Problemen sind getroffen.
-
Es ist eine formelle Überwachungsfunktion eingerichtet, die die Leistung kontrolliert
und erforderlichenfalls regulierend eingreift.
Management und Erfassung des Wertes über die
Partnerschaftsdauer
Unternehmen, die ein kontinuierliches Management ihrer Partnerschaften über die
Partnerschaftsdauer durchführen, leiten daraus in der Regel einen höheren Wert ab. Sie
gewährleisten, daß vereinbarte zentrale Vorgaben tatsächlich erreicht werden und daß
über die Partnerschaftsdauer bewußt gegenseitiges Vertrauen aufgebaut wird. Die
Erfahrung hat gezeigt, daß die formelle und regelmäßige Überprüfung einiger
Schlüsselelemente von wesentlicher Bedeutung ist:
-
Die Unternehmung ist sich der Markt-/Wettbewerbsentwicklungen
bewußt.
Wettbewerbsentwicklungen werden regelmäßig verfolgt und aufgezeichnet, und es besteht
ein gewisser Grad an Dringlichkeit.
-
Die zentralen Vorgaben in bezug auf Geschäftsleistung werden erfüllt.
-
Die zentralen wissenschaftlichen Vorgaben werden erfüllt.
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Alternativmaßnahmen werden angewandt, um zu gewährleisten, daß die zentralen Vorgaben
erfüllt werden.
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Die ursprünglichen Unternehmensziele bleiben erreichbar.
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Es herrscht weiterhin gegenseitiges Vertrauen zwischen den Parteien.
-
Die Partner teilen sich gegenseitig Auslagerungsmöglichkeiten mit.
-
Forschungsteams weisen kulturelle Kompabilität und sich ergänzende Fähigkeiten auf.
-
Forschungsziele können erreicht werden, ohne daß plötzlich neue Investitionen
getätigt werden müssen.
-
Möglichkeiten zur Expansion und Konsolidierung werden regelmäßig angesprochen.
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